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Angst und Panikstörungen

Angststörungen, Angststörungen, Angst- und Belastungsstörungen, Panik, Panikattacke, PTBS
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8 Minuten Lesezeit

Angst ist zunächst eine normale Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung und geht mit körperlichen, kognitiven und verhaltensbezogenen Veränderungen einher. Von einer Angststörung spricht man, wenn Angst unangemessen stark oder anhaltend ist und zu einer relevanten Beeinträchtigung führt.

Eine Panikattacke ist eine plötzlich einsetzende Episode intensiver Angst oder starken Unbehagens, die innerhalb weniger Minuten ihr Maximum erreicht. Typisch sind vegetative Symptome wie Palpitationen, Schwitzen, Tremor, Dyspnoe, Schwindel oder thorakales Unbehagen sowie kognitive Symptome wie die Angst zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder „verrückt zu werden“. 

 Info

Eine Panikattacke kann auch im Rahmen anderer psychischer Erkrankungen oder ohne Vorliegen einer Panikstörung auftreten.

Von einer Panikstörung spricht man bei wiederkehrenden, insbesondere unerwarteten Panikattacken, auf die eine anhaltende Sorge vor weiteren Attacken oder eine maladaptive Verhaltensänderung folgt. Häufig entsteht dadurch ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten; bei ausgeprägter Angst vor bestimmten Orten oder Situationen kann eine Agoraphobie hinzukommen.

Die Diagnose erfolgt klinisch. Neben der Charakterisierung der Attacken müssen insbesondere Auslöser, Verlauf, Vermeidungsverhalten, psychische Komorbiditäten und Substanzkonsum erfasst werden. Wichtig ist zudem die somatische Differenzialdiagnostik, da Symptome einer Panikattacke beispielsweise bei kardialen, pulmonalen, endokrinen oder neurologischen Erkrankungen auftreten können. Erst nach angemessener klinischer Abklärung sollte eine psychische Ursache angenommen werden.

 Definition

Angst ist eine grundlegende Emotion, die dem Schutz des Menschen dient, indem sie vor Gefahren warnt und angemessenes Verhalten ermöglicht. Sie entsteht durch ein Zusammenspiel biologischer, psychologischer und kognitiver Prozesse und kann sowohl situationsabhängig (State-Angst) als auch als stabile Persönlichkeitseigenschaft (Trait-Angst) auftreten. Während angemessene Angst adaptiv ist, kann übermäßige oder fehlende Angst zu Beeinträchtigungen führen. Angst zeigt sich auf körperlicher, kognitiver und Verhaltensebene und wird durch verschiedene Modelle erklärt, etwa als erlernte Reaktion, kognitive Bewertung oder Ausdruck innerer Konflikte.

  • Angst gehört zu den Basisemotionen
  • In normalem Maß ist sie schützend: Sie hilft, Gefahren zu erkennen und angemessen zu reagieren
  • Zu viel Angst kann stark einschränken (Angststörung), aber auch sehr geringe / fehlende Angst ist problematisch, weil ein wichtiger Selbstschutz fehlt

Entwicklung: 

  • Beim Säugling zeigt sich Angst zunächst als Fremdeln (ca. 6. Monat)
  • Trennungsangst beginnt etwa ab dem 8. Monat, erreicht häufig zwischen 10–18 Monaten einen Höhepunkt und nimmt später wieder ab

Entstehung / Erklärung (Modelle).

  • Psychoanalyse: Angst als Ausdruck eines inneren Konflikts
  • Behaviorismus: Angst als erlernte Reaktion auf bestimmte Reize
  • Kognitivismus: Angst als Folge der Bewertung einer Situation als gefährlich

Real-Angst und phobische Angst:

  • Real-Angst (Furcht): angemessene Angst vor realer Gefahr
  • Phobische Angst: übersteigerte Angst vor objektiv ungefährlichen Situationen / Dingen (z. B. Spinnen) → Für die Konditionierung solcher Ängste ist die Amygdala besonders wichtig

Präoperative Angst (klinischer Bezug):

  • Angst vor Operationen ist klinisch relevant
  • Ein mittleres präoperatives Angstniveau geht oft mit der besten postoperativen Bewältigung einher – „gar keine Angst“ ist nicht zwingend optimal
 Info
State- und Trait-Angst
  • Trait-Angst: relativ stabile Persönlichkeitseigenschaft (jemand ist generell ängstlicher)
  • State-Angst: aktueller, momentaner Angstzustand in einer Situation. Zur Erfassung wird häufig das State-Trait-Anxiety Inventory verwendet

Symptome der Angst:

Angst zeigt sich auf mehreren Ebenen:

  • Körperlich: Herzklopfen, Zittern, Schwitzen, Übelkeit, Harndrang
  • Kognitiv: Sorgen, Grübeln, Befürchtungen
  • Verhalten / Mimik: angespannter Gesichtsausdruck, weit geöffnete Augen, Flucht- / Vermeidungstendenz
 Definition
Umgang mit Angst: Repression vs. Sensitization
  • Repressoren: unterdrücken Angst, vermeiden angstauslösende Informationen, lenken sich ab → Im Gespräch besser nicht mit „harter“ Konfrontation überfordern
  • Sensitizer: suchen Informationen, beschäftigen sich intensiv mit der Angst, sind sehr aufmerksam für angstbezogene Hinweise
 Definition

Phobien und Angststörungen sind Formen übermäßiger, unangemessener Angst, die sich auf bestimmte Objekte, Situationen oder auch unspezifische Sorgen beziehen können und häufig mit starkem Leidensdruck sowie Vermeidungsverhalten einhergehen. Man unterscheidet spezifische Phobien mit klaren Auslösern, soziale und situative Ängste (z. B. Agoraphobie, Sozialphobie) sowie weitere Angststörungen wie Panikstörung und generalisierte Angststörung. Dabei können körperliche Symptome, kognitive Fehlbewertungen und Verhaltensreaktionen in einem Teufelskreis die Angst aufrechterhalten oder verstärken.

Spezifische Phobien:

  • Klarer Auslöser: Objekt oder Situation
  • Beispiele: Tierphobien (Spinnen, Hunde), Höhenangst

Agoraphobie:

  • Nicht „Angst vor weiten Plätzen“, sondern Angst vor Situationen, aus denen man schlecht entkommen oder in denen man im Notfall keine Hilfe bekommen könnte
  • Beispiele: volle Busse / U-Bahnen, lange Warteschlangen, Kaufhäuser, Tunnel, lange Autofahrten, Fahrstühle

Klaustrophobie:

  • Angst vor Enge, z. B. im Fahrstuhl (häufig auch in engen Räumen / Menschenmengen)

Sozialphobie:

  • Angst vor sozialen Situationen, in denen man negativ bewertet werden könnte (Blamage, Versagen, „lächerlich machen“)
  • Häufig in Leistungs- / Prüfsituationen (z. B. Präsentation, vor anderen 
    essen/trinken). Im Verlauf können auch normale Kontakte gemieden werden

Andere Angststörungen:

Panikstörung:

Betroffene deuten körperliche Empfindungen häufig als gefährlich (z. B. Herzinfarkt, Ohnmacht, „sterben“). Dadurch werden Körpersignale verstärkt beobachtet, was Angst weiter steigert (Teufelskreis).

  • Panikattacken treten plötzlich auf („aus heiterem Himmel“)
  • Typische Symptome: Herzrasen, Schwitzen, Atemnot, Schwindel
  • Dauer meist 20–30 Minuten
  • Oft in Ruhe und nicht selten zusammen mit Agoraphobie
 Info

Panikattacken können auch bei Depressionen auftreten und sind dann nicht zwingend die Hauptdiagnose.

Generalisierte Angststörung:

  • Angst / Sorgen treten ohne klaren Auslöser auf, also nicht an ein bestimmtes Objekt oder eine spezielle Situation gebunden

Teufelskreis der Angst

Teufelskreis der Angst
Die Abbildung zeigt den sogenannten Teufelskreis der Angst. Ausgehend von äußeren Reizen erfolgt zunächst die Wahrnehmung der Situation, die anschließend kognitiv bewertet wird (z. B. als „Gefahr“). Diese Bewertung löst Angst aus, die wiederum zu physiologischen Veränderungen wie Herzklopfen führt. Diese körperlichen Reaktionen werden erneut wahrgenommen und verstärken die bedrohliche Bewertung, wodurch sich der Kreislauf selbst aufrechterhält. Zusätzlich wird deutlich, dass Angst auch zu sichtbarem Verhalten (z. B. Vermeidung) führt, welches den Kreislauf weiter stabilisieren kann.
 Definition

Akute und posttraumatische Belastungsreaktionen sind psychische Reaktionen auf außergewöhnlich belastende oder traumatische Ereignisse. Die akute Belastungsreaktion tritt unmittelbar nach dem Ereignis auf, ist meist kurzfristig und durch starke emotionale, kognitive und körperliche Symptome gekennzeichnet. Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt sich verzögert und äußert sich durch wiederkehrendes Wiedererleben des Traumas, anhaltende Übererregung, Vermeidungsverhalten und emotionale Beeinträchtigungen. Auch Personen, die nicht direkt betroffen sind, können im Rahmen einer sekundären Traumatisierung ähnliche Symptome entwickeln.

Akute Belastungsreaktion:

Unmittelbar nach einem außergewöhnlich belastenden Ereignis (z. B. Unfall, Naturkatastrophe, Tod naher Angehöriger) kann es zu einem vorübergehenden psychischen Ausnahmezustand kommen („psychischer Schock“). Die Symptome beginnen meist nach Minuten und sind oft rasch rückläufig (innerhalb weniger Tage).

Mögliche Symptome:

  • Starke Emotionen (Wut, Verzweiflung, Benommenheit)
  • Derealisation / Depersonalisation
  • Nervosität, Schreckhaftigkeit
  • Vegetative Zeichen (Tachykardie, Schwitzen, Erröten)
 Info

Im Verlauf kann sich daraus eine posttraumatische Störung entwickeln.

Posttraumatische Belastungsstörung:

Entsteht nach Erlebnissen mit Angst um Leben/Unversehrtheit (z. B. Unfälle, Naturkatastrophen, Krieg, Gewalt). Häufige Auslöser sind schwere Gewalt oder Missbrauchserfahrungen.

Typische Symptome:

  • Flashbacks („Nachhallerinnerungen“: Szenen werden plötzlich und intensiv wieder erlebt)
  • Hyperarousal/Hypervigilanz (Übererregung, dauerhafte Anspannung)
  • Vermeidung traumabezogener Reize / Situationen
  • Emotionale Taubheit
  • Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme

Sekundäre (indirekte) Traumatisierung:

  • Psychische Belastungsreaktion bei Personen, die nicht selbst traumatisiert wurden, aber indirekt mit dem Trauma konfrontiert sind (z. B. Angehörige, Therapeut:innen, Polizei)
  • Die Beschwerden können den Symptomen der primär Betroffenen ähneln
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF): S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) et al., Version 2.0, 2021. Registernummer 051-028.
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  • Barlow DH, Brown TA, Craske MG. Definitions of panic attacks and panic disorder in the DSM-IV: implications for research. J Abnorm Psychol 1994;103(3):553-564. DOI: 10.1037/0021-843X.103.3.553
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Zuletzt aktualisiert am 17.08.2026
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