Die Arzt-Patienten-Interaktion in der Onkologie ist durch besondere kommunikative Anforderungen geprägt, da häufig Diagnosen, Prognosen und Therapieentscheidungen mit hoher emotionaler Belastung besprochen werden. Eine patientenzentrierte Kommunikation berücksichtigt deshalb nicht nur medizinische Informationen, sondern auch das individuelle Informationsbedürfnis, die emotionale Reaktion und die persönlichen Vorstellungen der Patient:innen. Untersuchungen zeigen, dass viele Krebspatient:innen detaillierte Informationen über Erkrankung, Behandlung und Prognose wünschen, gleichzeitig aber selbst mitbestimmen möchten, wann, wie und in welchem Umfang diese Informationen vermittelt werden.
Für die Übermittlung schwerer Nachrichten wurde das SPIKES-Modell entwickelt. Zunächst werden ein geeigneter Gesprächsrahmen und das bisherige Verständnis der Patient:innen erfasst. Anschliessend wird geklärt, welche Informationen die Person erhalten möchte. Die Nachricht wird klar, verständlich und schrittweise vermittelt. Besondere Bedeutung hat der Umgang mit emotionalen Reaktionen: Ängste, Trauer oder Schock sollten wahrgenommen und empathisch aufgegriffen werden. Abschliessend werden die nächsten Schritte gemeinsam besprochen.
Bei der Krankheitsbewältigung lassen sich unterschiedliche Reaktionsmuster beschreiben. Das klassische Mental-Adjustment-to-Cancer-Modell unterscheidet unter anderem Kampfgeist, ängstliche Beschäftigung, Hilf- / Hoffnungslosigkeit, Fatalismus sowie Vermeidung bzw. Verleugnung. Diese Muster sind jedoch nicht als starre Kategorien zu verstehen. Bewältigung ist ein dynamischer Prozess, bei dem unterschiedliche Strategien abhängig von Situation, Krankheitsphase und individuellen Ressourcen eingesetzt werden können.
Eine gute onkologische Kommunikation bedeutet daher nicht, Patient:innen zu einer bestimmten „positiven“ Bewältigungsstrategie zu bewegen. Vielmehr sollte sie realistische Information, emotionale Unterstützung, Autonomie und Hoffnung miteinander verbinden. Hoffnung bedeutet dabei nicht zwangsläufig Heilung, sondern kann sich beispielsweise auf Behandlungsmöglichkeiten, Symptomkontrolle, Lebensqualität oder die weitere persönliche Begleitung beziehen.
MerkeSchlechte Nachrichten klar und empathisch vermitteln, Informationsbedürfnisse individuell berücksichtigen und unterschiedliche Formen der Krankheitsbewältigung respektieren.
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