Medi Know
Logo Image

Arzt-Patient-Interaktion in der Palliativmedizin

palliativmedizinische Kommunikation, Palliativ, Palliation, Arzt, Patient, Interaktion, Palliativmedizin, Medizin, Sterbehilfe, Hospizarbeit
EP
7 Minuten Lesezeit

Die Arzt-Patient:innen-Interaktion in der Palliativmedizin ist ein zentraler Bestandteil der Versorgung schwer kranker und sterbender Patient:innen. Im Vordergrund steht nicht die Heilung, sondern die Verbesserung der Lebensqualität durch konsequente Symptomkontrolle, psychosoziale Unterstützung und eine konsequent patient:innenzentrierte Kommunikation. Besonders wichtig ist hierbei eine offene, empathische Gesprächsführung, insbesondere bei der Übermittlung schwerwiegender Diagnosen und in Situationen am Lebensende. 
Die Sterbephasen nach Kübler-Ross beschreiben typische emotionale Reaktionsmuster auf das Sterben: Nicht-Wahrhaben-Wollen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Dieses Modell wird heute nicht als starre Abfolge verstanden, sondern als mögliche, individuell unterschiedlich auftretende Bewältigungsformen. Aus medizinischer Sicht zeigen sich in der terminalen Sterbephase häufig typische Veränderungen wie zunehmende Schwäche, reduzierte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Bewusstseinsveränderungen, veränderte Atmung und sozialer Rückzug
Die Trauer nach einem Todesfall ist ein individueller Anpassungsprozess. Moderne Modelle betonen weniger feste Phasen, sondern vielmehr die Bewältigung zentraler Traueraufgaben, wie die Akzeptanz des Verlustes, die Verarbeitung der emotionalen Belastung und die Integration der Erinnerung in das weitere Leben. Die Palliativmedizin und Hospizarbeit verfolgen das Ziel, Leiden umfassend zu lindern. Dabei stehen die ganzheitliche Betreuung von Patient:innen und Angehörigen sowie die Berücksichtigung körperlicher, psychischer, sozialer und spiritueller Bedürfnisse im Mittelpunkt. Zentral ist das Konzept der interdisziplinären Zusammenarbeit
Die Todesvorstellung entwickelt sich altersabhängig. Kinder verstehen den Tod zunächst unvollständig und entwickeln erst im Verlauf die Konzepte der Irreversibilität, Universalität und Nicht-Funktionalität. Ein weitgehend erwachsenes Todesverständnis ist meist erst im späten Kindesalter vollständig ausgebildet. Bei Erwachsenen wird die Todesvorstellung zusätzlich durch Erfahrungen, Kultur, Religion und persönliche Biografie geprägt.

 Tipp

Besonders häufig werden in der Prüfung folgende Themen erfragt:

  • Sterbephasen nach Kübler-Ross
  • Kritik am Phasenmodell
  • Körperliche Zeichen der Sterbephase
  • Trauerprozesse
  • Palliativmedizin versus kurative Medizin
  • Hospizbewegung
  • Euthanasieformen
  • Kommunikation mit sterbenden Patient:innen
  • Todeskonzepte bei Kindern
  • Patient:innenzentrierung und Empathie in der Palliativmedizin

Diese Themen gehören zu den klassischen Grundlagen der Medizinischen Psychologie, Ethik und Palliativmedizin im vorklinischen Abschnitt.

 Definition

Kübler-Ross beschreibt typische psychische Reaktionsmuster sterbender Menschen. Wichtig: Die Phasen sind kein starres Stufenmodell – sie können sich überlappenwiederholen, in anderer Reihenfolge auftreten oder auch übersprungen werden.

Sterbephasen nach Kübler-Ross:

  • Nicht-wahrhaben-Wollen (Denial): 
    • Der Tod wird innerlich „abgewehrt“
    • Betroffene wirken oft distanziert, nehmen Hinweise nicht an, klammern sich an Alltagsnormalität oder Zukunftspläne
    • Mit zunehmender Gewissheit des nahen Todes ziehen sich viele stärker zurück
  • Zorn / Protest („Warum ich?“): 
    • Ärger richtet sich gegen Umfeld, Pfleger:innen / Ärzt:innen, Schicksal oder „Ungerechtigkeit“
    • Vorwürfe und aggressive Reaktionen können Beziehungen belasten
  • Verhandeln: 
    • Versuch, „Aufschub“ zu gewinnen (z. B. mit Gott, dem Schicksal, dem Behandlungsteam)
    • Oft kurze Phase; Hoffnung auf ein „Wenn…, dann…“
  • Depression: 
    • Trauer, Niedergeschlagenheit, Rückzug
    • Bewusstsein über Abschied und Verluste
    • Motivation sinkt, Grübeln und Schuldgefühle können zunehmen
  • Akzeptanz/Zustimmung: 
    • Ein inneres Annehmen des Unabwendbaren
    • Weniger heftige Emotionen als zuvor, häufig körperliche / psychische Erschöpfung
 Definition

In den Tagen vor dem Tod zeigen sich oft unspezifische körperliche und psychische Veränderungen. Diese können individuell variieren.

  • Allgemein: Zunehmende Schwäche, Rückzug, ausgeprägte Müdigkeit / Schläfrigkeit, Phasen geistiger Abwesenheit
  • Psychisch/kognitiv: Verwirrtheit, „träumerischer“ Eindruck, Vermischung von Vergangenheit / Gegenwart
  • Vegetativ/körperlich: Kreislauf und Atmung verändern sich, Puls wird schwächer, Körpertemperatur sinkt, Hunger / Durst nehmen ab
  • Unmittelbar vor dem Tod: Typische Atempausen, die länger werden können; Gesichtsausdruck verändert sich (z. B. Blick in die Ferne, geöffneter Mund)

Auch Trauer verläuft oft in Phasen, aber nicht bei allen Menschen gleich. Sie dienen eher als Orientierung.

  • 1) Schock: Emotionale „Betäubung“, Unwirklichkeitsgefühl, der Verlust wird noch nicht ganz realisiert
  • 2) Sehnsucht: Starkes Verlangen nach Nähe, gedankliche Beschäftigung mit der verstorbenen Person
  • 3) Depressive Phase: Trauer / Verzweiflung, teils auch Wut und Ärger. Abgrenzung zur Depression: In der Trauer können Betroffene trotz Traurigkeit weiterhin Momente von Freude erleben
  • 4) Erholungsphase: Annahme des Verlustes, Einordnung in eine neue Lebensperspektive
 Achtung
Soziale Unterstützung ist in allen Phasen ein zentraler Schutzfaktor – für Hinterbliebene ebenso wie für Begleitende im Behandlungsteam.

Euthanasie (Sterbehilfe):

 Definition

„Euthanasie“ wird in der Medizin als Sterbehilfe verstanden (historisch in Deutschland stark belasteter Begriff). 

In der Praxis werden Formen unterschieden:

  • Aktive Sterbehilfe: Gezielte Tötung auf Verlangen durch tödliche Substanzgabe
  • Indirekte Sterbehilfe: Behandlung zur Symptomlinderung (z. B. Analgesie), bei der eine Lebensverkürzung als unbeabsichtigte Nebenfolge in Kauf genommen wird
  • Passive Sterbehilfe: Unterlassen / Beenden lebensverlängernder Maßnahmen (z. B. Therapieabbruch), wenn dies dem Willen der betroffenen Person entspricht

Palliativmedizin:

 Definition

Palliativmedizin begleitet schwerkranke Menschen mit dem Ziel, Leiden zu lindern und Lebensqualität zu verbessern– nicht primär zu heilen oder das Leben zu verlängern.

  • Schmerzlinderung (inkl. psychosozialer/psychischer Leidensaspekte)
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Reduktion psychosozialer Belastungen
  • Sterbe- und ggf. spirituelle Begleitung

Hospizarbeit:

 Definition

Hospize begleiten schwerstkranke Menschen auf dem letzten Lebensabschnitt würdevoll. 

Ziele sind (ähnlich zur Palliativmedizin):

  • Lebensqualität sichern
  • Angehörige einbeziehen
  • Schmerzen und andere belastende Symptome erkennen und lindern
  • Abschied / Trauerrituale unterstützen
 Definition

Das Verständnis von Tod beschreibt die kognitive und emotionale Entwicklung der Vorstellung vom Tod im Lebensverlauf. Es entsteht stufenweise: In der frühen Kindheit wird der Tod zunächst als vorübergehende Abwesenheit verstanden, später als etwas, dem man ausweichen kann, und entwickelt sich im Schulalter zu einem realistischen Konzept.

Das Verständnis von Tod entwickelt sich stufenweise:

  • Frühe Kindheit (bis ca. 3 Jahre): Tod wird oft als „Wegsein“ / vorübergehende Abwesenheit verstanden
  • Bis ca. 5 Jahre: häufige Vorstellung, man könne dem Tod ausweichen (z. B. Weglaufen / Verstecken)
  • Zwischen ca. 5–9 Jahren: allmählich entsteht die Idee des individuellen Todes
  • Ab ca. 7–10 Jahren: zunehmend realistisches Verständnis (Tod = Verlust von Vitalfunktionen; irreversibel; universell / kausal)
  • Bis ca. 12 Jahre: Tod wird meist „reif“ verstanden; Kriterien festigen sich

Beim Erwachsenen wird das Todeskonzept klassisch über drei Dimensionen beschrieben:

  • Irreversibilität (nicht rückgängig zu machen)
  • Nonfunktionalität (Körperfunktionen enden)
  • Universalität (betrifft alle Lebewesen)
  • Ekberg S, Parry R, Land V, Ekberg K, Pino M, Antaki C, et al. Communicating with patients and families about illness progression and end of life: A review of studies using direct observation of clinical practice. BMC Palliative Care2021;20(186). DOI: 10.1186/s12904-021-00876-2.
  • Buckman, Robert: How to Break Bad News: A Guide for Health Care Professionals. Johns Hopkins University Press, 1992. ISBN: 978-0-8018-4582-6.
  • Kübler-Ross, Elisabeth: On Death and Dying. Macmillan, 1969. ISBN: 978-0-02-089130-7.
  • Corr CA. Elisabeth Kübler-Ross and the “Five Stages” Model in a Sampling of Recent American Textbooks. OMEGA – Journal of Death and Dying 2020;82(2):294–322. DOI: 10.1177/0030222818809766.
  • Pausch, Randy; Zaslow, Jeffrey: The Last Lecture. Hyperion, 2008. ISBN: 978-1-4013-2325-7.
  • Lindemann E. Symptomatology and management of acute grief. American Journal of Psychiatry 1944;101(2):141–148. DOI: 10.1176/ajp.101.2.141.
  • Emanuel EJ. Euthanasia and physician-assisted suicide: A review of the empirical data from the United States. Archives of Internal Medicine 2002;162(2):142–152. DOI: 10.1001/archinte.162.2.142.
  • De Clercq E, Rost M, Rakic M, Ansari M, Brazzola P, Wangmo T, et al. The conceptual understanding of pediatric palliative care: A Swiss healthcare perspective. BMC Palliative Care 2019;18(55). DOI: 10.1186/s12904-019-0438-1.
  • Bates AT, Kearney JA. Understanding death with limited experience in life: Dying children’s and adolescents’ understanding of their own terminal illness and death. Current Opinion in Supportive and Palliative Care 2015;9(1):40–45. DOI: 10.1097/SPC.0000000000000118.
Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Ärztliche Berufstätigkeit und Arztrolle
Klinischer Ausblick: Psychotherapie
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz