Die ärztliche Beratung hat das Ziel, Patient:innen verständlich über Erkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten und gesundheitsbezogene Verhaltensweisen zu informieren und sie bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Eine besondere Form ist die Patientenschulung, bei der nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Fähigkeit zum eigenständigen Umgang mit einer Erkrankung gefördert wird. Dazu gehören beispielsweise der Umgang mit Medikamenten, Symptomen, Risikofaktoren oder konkreten Selbstmanagementstrategien. Studien zeigen, dass strukturierte Patientenschulungen bei chronischen Erkrankungen unter anderem Wissen, Selbstwirksamkeit und Therapieadhärenz verbessern können; auch biologische und psychische Outcomes können günstig beeinflusst werden. Die Effekte sind jedoch abhängig von Erkrankung, Intervention und deren Umsetzung.
Eine wirksame Beratung sollte sich am individuellen Vorwissen, den Bedürfnissen und den Lebensbedingungen der Patient:innen orientieren. Informationen sollten verständlich vermittelt und auf ihre praktische Umsetzbarkeit geprüft werden. Patient:innen sollten zudem aktiv in Entscheidungen einbezogen werden, da Gesundheitsverhalten nicht allein durch die Vermittlung von Wissen bestimmt wird.
Der Setting-Ansatz der Gesundheitsförderung geht über die individuelle Beratung hinaus. Er berücksichtigt, dass Gesundheit wesentlich durch die Lebensbedingungen geprägt wird und dass Menschen ihre Gesundheit in ihrem alltäglichen Umfeld gestalten. Als Settings kommen beispielsweise Schule, Arbeitsplatz, Familie, Gemeinde oder Gesundheitseinrichtung infrage. Ziel ist es, nicht nur das Verhalten einzelner Personen zu verändern, sondern auch die sozialen, organisatorischen und räumlichen Bedingungen gesundheitsförderlicher zu gestalten.
Die Ottawa-Charta beschreibt hierzu fünf zentrale Handlungsfelder: gesundheitsfördernde Gesamtpolitik, gesundheitsförderliche Lebenswelten, Unterstützung gemeinschaftlicher Aktivitäten, Entwicklung persönlicher Kompetenzen und eine Neuorientierung der Gesundheitsdienste. Gesundheitsförderung verbindet damit individuelle Befähigung mit Veränderungen der Umwelt und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Damit unterscheiden sich Patientenschulung und Setting-Ansatz vor allem in ihrer Ebene: Patientenschulung richtet sich primär an die individuellen Kompetenzen und das Selbstmanagement, während der Setting-Ansatz die Umwelt und ihre Strukturen als Teil der Intervention betrachtet. Eine nachhaltige Gesundheitsförderung kann beide Perspektiven miteinander verbinden.
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- Poland B, Krupa G, McCall D. Settings for health promotion: an analytic framework to guide intervention design and implementation. Health Promot Pract 2009;10(4). DOI: 10.1177/1524839909341025.
- Andersen S, Rod MH, Ersbøll AK, Stock C, Johansen C, Holmberg T, et al. Effects of a settings-based intervention to promote student wellbeing and reduce smoking in vocational schools: a non-randomized controlled study. Soc Sci Med2016;161:195-203. DOI: 10.1016/j.socscimed.2016.06.012.

