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Auge und Augenhöhle (RD)

Augapfel, Bulbus oculi, Orbita
15 Minuten Lesezeit

Das Auge besteht aus dem Augapfel (Bulbus oculi), dem Sehnerv (Nervus opticus) sowie dem Lid- und Tränenapparat. Mehrere Muskeln ermöglichen die gezielte Bewegung des Augapfels und seiner Strukturen. Histologisch unterscheiden sich die einzelnen Anteile des Auges deutlich, da sie jeweils an ihre spezifischen Funktionen angepasst sind.

Die arterielle Blutversorgung erfolgt über Äste der Arteria ophthalmica. Die sensible Innervation sowie die Steuerung der äußeren Augenmuskeln werden durch Hirnnerven übernommen, während die Akkommodation durch die inneren Augenmuskeln vom vegetativen Nervensystem reguliert wird. 

Zum Schutz befindet sich das Auge in der knöchernen Augenhöhle (Orbita). 

Lage, Aufbau und Funktion

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion:
    • Schutzfunktion des Auges sowie Ursprung der Augenmuskeln
    • Durchtritt und Schutz für Nerven und Blutgefäße
    • Stabilisierung des Auges durch Fettkörper
  • Lage: beidseits der Nase, unter dem Stirnbein
  • Aufbau: knöcherne Augenhöhle im Gesichtsschädel, zusammengesetzt aus:
    • Stirnbein (Os frontale)
    • Jochbein (Os zygomaticum)
    • Oberkiefer (Maxilla)
    • Siebbein (Os ethmoidale)
    • Keilbein (Os sphenoidale)
    • Tränenbein (Os lacrimale)
    • Gaumenbein (Os palatinum)
  • Das Auge ist zum Schutz in die knöcherne Orbita eingebettet
  • Diese ist mit Fett- und Bindegewebe ausgefüllt, das den Augapfel umgibt und eine feste Hülle bildet, die als Vagina bulbi bzw. Tenon-Kapsel bezeichnet wird
  • Die Orbita hat eine pyramidenförmige Form und setzt sich aus sieben verschiedenen Knochen zusammen, wodurch sie in enger Beziehung zu benachbarten Strukturen steht
  • Neben dem Augapfel und seiner Kapsel enthält die Orbita wichtige Strukturen wie den Sehnerv (N. opticus), die sechs äußeren Augenmuskeln, die Tränendrüse sowie Blutgefäße und Nervenbahnen
  • Für deren Ein- und Austritt stehen mehrere knöcherne Öffnungen zur Verfügung
Orbita – knöcherner Aufbau der Augenhöhle
Knöcherner Aufbau der Augenhöhle
 Tipp
Klinischer Bezug: Orbitabodenfraktur

Bei einer Orbitabodenfraktur handelt es sich um einen Bruch im Bereich des unteren Anteils der Augenhöhle. Da die knöchernen Wände der Orbita insgesamt sehr dünn sind (insbesondere der Orbitaboden) kann es leicht zu einer Fraktur kommen.

Dabei wird Gewebe aus der Orbita durch den Bruchspalt in die darunterliegende Kieferhöhle verlagert, weshalb man auch von einer sogenannten „Blow-out-Fraktur“ spricht.

Typische Beschwerden sind Missempfindungen (Parästhesien) im Versorgungsgebiet des N. maxillaris, Doppelbilder (Diplopie) sowie eine eingeschränkte Augenbeweglichkeit, vorrangig beim Blick nach oben. Zusätzlich kann ein Monokelhämatom auftreten. 

Lage, Aufbau und Funktion

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion: Bestandteil des Sehorgans
  • Lage: Liegt geschützt in der knöchernen Augenhöhle
  • Form: Kugelförmig
  • Durchmesser: Etwa 24 mm
  • Gewicht: ca. 6-8 Gramm

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Aufbau des Auges. Sie zeigt die verschiedenen Schichten und Bestandteile sowie deren jeweilige Funktionen in vereinfachter Form.

StrukturBestandteileFunktion
Äußere Augenhaut (Tunica fibrosa)
  • Lederhaut (Sklera)
  • Hornhaut (Cornea)
  • Schutz
  • Formgebung
  • Lichtbrechung
Mittlere Augenhaut (Tunica vasculosa)
  • Regenbogenhaut (Iris)
  • Ziliarkörper 
  • Aderhaut 
  • Regulation des Lichteinfalls
  • Akkommodation
  • Produktion von Kammerwasser
  • Versorgung der Retina
Innere Augenhaut, Retina (Tunica interna)
  • Netzhaut
  • Pigmentepithel
  • Visuelle Wahrnehmung
  • Lichtverarbeitung
Linse
  • Keine
  • Lichtbrechung
  • Akkommodation
Augenkammern
  • Hintere Kammer,
  • Vordere Kammer
  • Glaskörper
  • Kammerwasser-Zirkulation
  • Formstabilität des Augapfels
Auge (anatomischer Aufbau im Überblick)
Anatomische Übersicht Auge, Querschnitt
 Merke

Funktionell lässt sich das Auge in einen lichtbrechenden und einen lichtwahrnehmenden Anteil unterteilen

 Info

Das Kammerwasser dient vor allem der Versorgung von Hornhaut und Linse, da diese keine eigenen Blutgefäße besitzen und ihre Nährstoffe daher über Diffusion erhalten.

Querschnitt des vorderen Augenabschnittes
Querschnitt des vorderen Augenabschnitts
 Tipp
Klinischer Bezug: Glaukom

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers ist notwendig, um den Augeninnendruck konstant bei etwa 10–21 mmHg zu halten. Ist der Abfluss gestört, kann der Druck im Auge ansteigen, was zur Entstehung eines Glaukoms (grüner Star) führen kann.

Ein erhöhter Augeninnendruck kann den Sehnerv (N. opticus) schädigen, besonders im Bereich der Papille. Dadurch entstehen typische Gesichtsfeldausfälle, häufig zunächst parazentral und beidseitig.

  • Die Augenlider bestehen aus einem Ober- und einem Unterlid und erfüllen mehrere wichtige Schutzfunktionen:
    • Sie dienen dem mechanischen Schutz, indem sie das Auge vor äußeren Einflüssen wie Staub oder Fremdkörpern abschirmen
    • Regulieren sie den Lichteinfall, indem sie sich bei starker Helligkeit schließen
    • Durch den Lidschlag wird die Tränenflüssigkeit gleichmäßig über die Augenoberfläche verteilt, wodurch das Auge vor dem Austrocknen geschützt und gleichzeitig gereinigt wird
Augenlider
Augenlider
 Info
Lidschlussreflex:

Der Lidschlussreflex ist ein Schutzreflex des Auges. Die Hornhaut wird sensibel vom N. ophthalmicus versorgt. Wird sie gereizt, kommt es zu einem reflektorischen Lidschluss durch Aktivierung des M. orbicularis oculi, während der Lidheber gehemmt wird. Gleichzeitig dreht sich das Auge nach oben außen.

Der Reflex kann z.B. durch Berührung der Hornhaut ausgelöst werden und dient dem Schutz des Augapfels.

 Definition

Der Tränenapparat besteht aus:

  • einem tränenbildenden Teil → Tränendrüse 
  • einem tränenableitenden Teil → Tränenwege 

Tränendrüse und -wege

  • Die Tränendrüse befindet sich in der Tränendrüsengrube im oberen äußeren Bereich der Augenhöhle. Sie produziert  und sondert die Tränenflüssigkeit ab
  • Durch den Augenringmuskel wird die Tränenflüssigkeit nach innen gedrückt
  • Sie wird über die Tränenpünktchen aufgenommen → fließt durch die Tränenröhrchen in den Tränensack → von dort über den Tränen-Nasen-Gang in die Nase ab
Tränenapparat – Drüsen- und Abflusswege
Tränenwege

Tränenflüssigkeit

  • Die Tränenflüssigkeit besteht aus drei Schichten
  • Funktion: Reinigung, Befeuchtung und Schutz des Auges vor Keimen
Dreischichtiger Tränenfilm
Dreischichtige Tränenflüssigkeit
 Info

Die Tränenflüssigkeit enthält Enzyme und Immunglobuline, welche eine antimikrobielle Eigenschaft besitzen und so die Augenoberfläche vor Infektionen schützen.

Augenmuskeln

Zu den Muskeln der Augenhöhle gehören sechs äußere Augenmuskeln, ein Lidheber, sowie drei innere Augenmuskeln.

  • Die sechs äußeren Augenmuskeln:
    • Funktion: Bewegung des Augapfels
    • Vier gerade Augenmuskeln:
      • M. rectus superior
      • M. rectus inferior
      • M. rectus lateralis
      • M. rectus medialis
    • Zwei schräge Augenmuskeln:
      • M. obliquus superior
      • M. obliquus inferior
  • Lidheber:
    • Funktion: hebt das Oberlid
    • M. levator palpebrae suprerioris
  • Innere Augenmuskeln:
    • Pupillenverenger (M. sphincter pupillae)
    • Pupillenerweiterer (M. dilatator pupillae)
    • Ziliarmuskel (M. ciliaris)
Äußere Augenmuskeln
Äußere Augenmuskeln

Innervation der Augenmuskeln

Die motorische Innervation der äußeren Augenmuskeln erfolgt über die folgenden drei Hirnnerven:

  • Nervus oculomotorius (III) → bewegt die meisten Augenmuskeln (nach oben, unten, innen) + hebt das Lid
  • Nervus trochlearis (IV) → steuert den M. obliquus superior (Blick nach unten/innen, Rotation)
  • Nervus abducens (VI) → steuert den M. rectus lateralis (Blick nach außen)
Äußere Augenmuskulatur (Ansicht von lateral)
Äußere Augenmuskulatur, Ansicht von lateral

Grundprinzipien der Pupillenregulation

Die Pupillenweite wird primär durch das vegetative Nervensystem reguliert. Sie reguliert den Lichteinfall auf die Retina und wird durch zwei antagonistisch wirkende Irismuskeln gesteuert:

  • M. sphincter pupillae Miosis (parasympathisch gesteuert)
  • M. dilatator pupillae Mydriasis (sympathisch gesteuert)

Pupillenreflex

 Definition

Der Pupillenreflex ist ein schneller Schutz- und Anpassungsmechanismus, der die Lichtmenge auf der Netzhaut reguliert.

Ablauf des Reflexes:

  1. Licht trifft ins Auge
  2. Signal läuft über den N. opticus (II) ins Gehirn (Afferenz)
  3. Umschaltung im Mittelhirn 
  4. Rücksignal über den N. oculomotorius (III) (Efferenz)
  5. Pupille verengt sich (Miosis)
 Merke

Beleuchtet man ein Auge, kommt es zur Verengung beider Pupillen → sowohl im beleuchteten Auge (direkte Reaktion) als auch im gegenüberliegenden Auge (konsensuelle Reaktion).

Relevanz von Pupillenstörungen

Pupillenveränderungen sind im Rettungsdienst ein schneller und wichtiger neurologischer Parameter, da sie früh Hinweise auf neurologische Störungen geben können.

 Achtung

Wichtige Warnzeichen:

  • Anisokorie → Verdacht auf Hirndruck, Blutung, Einklemmung
  • Weite, lichtstarre Pupille Hinweis auf Oculomotorius-Schädigung (z.B. SHT)
  • Beidseits fehlende Reaktion schwere Hirnschädigung, Hypoxie
  • Stecknadelpupillen (Miosis) → Hinweis auf Opioidintoxikation

Die folgende Abbildung zeigt beispielhaft die Untersuchung der Pupillen im Normalzustand (Tageslicht, Blick geradeaus) und während der direkten und indirekten Lichtreaktion. Der jeweils pathologische Befund ist beispielhaft anhand der rechten Pupillen (aus Patientensicht, linke Pupille aus Sicht der Betrachtenden) dargestellt.

Pupillenstörungen bei indirekter und direkter Lichtreaktion
Pupillenstörung bei direkter und indirekter Lichtreaktion

Augenhöhle:

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion:
    • Schutzfunktion des Auges sowie Ursprung der Augenmuskeln
    • Durchtritt und Schutz für Nerven und Blutgefäße
    • Stabilisierung des Auges durch Fettkörper
  • Lage: beidseits der Nase, unter dem Stirnbein
  • Aufbau: knöcherne Augenhöhle im Gesichtsschädel, zusammengesetzt aus:
    • Stirnbein (Os frontale)
    • Jochbein (Os zygomaticum)
    • Oberkiefer (Maxilla)
    • Siebbein (Os ethmoidale)
    • Keilbein (Os sphenoidale)
    • Tränenbein (Os lacrimale)
    • Gaumenbein (Os palatinum)

Augapfel:

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion: Bestandteil des Sehorgans
  • Lage: Liegt geschützt in der knöchernen Augenhöhle
  • Form: Kugelförmig
  • Durchmesser: Etwa 24 mm
  • Gewicht: ca. 6-8 Gramm
StrukturBestandteileFunktion
Äußere Augenhaut (Tunica fibrosa)
  • Lederhaut (Sklera)
  • Hornhaut (Cornea)
  • Schutz
  • Formgebung
  • Lichtbrechung
Mittlere Augenhaut (Tunica vasculosa)
  • Regenbogenhaut (Iris)
  • Ziliarkörper 
  • Aderhaut 
  • Regulation des Lichteinfalls
  • Akkommodation
  • Produktion von Kammerwasser
  • Versorgung der Retina
Innere Augenhaut, Retina (Tunica interna)
  • Netzhaut
  • Pigmentepithel
  • Visuelle Wahrnehmung
  • Lichtverarbeitung
Linse
  • Keine
  • Lichtbrechung
  • Akkommodation
Augenkammern
  • Hintere Kammer,
  • Vordere Kammer
  • Glaskörper
  • Kammerwasser-Zirkulation
  • Formstabilität des Augapfels

Augenlider:

  • Sie dienen dem mechanischen Schutz, indem sie das Auge vor äußeren Einflüssen wie Staub oder Fremdkörpern abschirmen
  • Regulieren sie den Lichteinfall, indem sie sich bei starker Helligkeit schließen
  • Durch den Lidschlag wird die Tränenflüssigkeit gleichmäßig über die Augenoberfläche verteilt, wodurch das Auge vor dem Austrocknen geschützt und gleichzeitig gereinigt wird

Tränenapparat:

 Definition

Der Tränenapparat besteht aus:

  • einem tränenbildenden Teil → Tränendrüse 
  • einem tränenableitenden Teil → Tränenwege 
  • Funktion der Tränenflüssigkeit: Reinigung, Befeuchtung und Schutz des Auges vor Keimen

Regulation der Pupillen:

  • Die Pupillenweite wird primär durch das vegetative Nervensystem reguliert. Sie reguliert den Lichteinfall auf die Retina und wird durch zwei antagonistisch wirkende Irismuskeln gesteuert:
    • M. sphincter pupillae Miosis (parasympathisch gesteuert)
    • M. dilatator pupillae Mydriasis (sympathisch gesteuert)
  • Pupillenreflex → schneller Schutz- und Anpassungsmechanismus, der die Lichtmenge auf der Netzhaut reguliert.

Wenn ihr mehr wissen möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus der Vorklinik und dem klinischen Bereich.

  • Anatomie des Auges und Augenhöhle
  • Visuelles System
  • Grehn: Augenheilkunde. 31. Auflage, Springer 2012, ISBN: 978-3-642-11332-1
  • Flake, F., Dönitz, S., Mensch Körper Krankheit für den Rettungsdienst, Elsevier, 2018, ISBN: 978-3437462023
  • Koch, S., Schwarz, M., retten - Anatomie Physiologie, Elsevier, 2023, ISBN: 978-3132421172
Zuletzt aktualisiert am 16.07.2026
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