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Auge: Übersicht des Aufbaus

EP
9 Minuten Lesezeit

Das Auge setzt sich zusammen aus dem Augapfel, dem Sehnerv, den Augenlidern, dem Tränenapparat und den äußeren Augenmuskeln. Die knöchernen Augenhöhlen, die Orbitae, umgeben und schützen das Auge.

Das Auge besteht aus 2 wichtigen funktionellen Einheiten:

  • Dioptrischer Apparat: beschreibt alle lichtbrechenden Strukturen des Auges. 
    Dazu zählen: Kornea (Hornhaut), Humor aquosus (Kammerwasser), Lens oculi (Augenlinse) und Corpus vitreum (Glaskörper). Dient der Lichtbrechung, Lichtleitung und Bildentstehung
  • Lichtwahrnehmender Apparat (Netzhaut): in der die lichtempfindlichen Zellen die Photonen in elektrische Signale umwandeln

Am Augapfel lassen sich 3 Augenkammern unterscheiden: 

  • Vordere Augenkammer: liegt zwischen Hornhaut (Kornea) und der Iris
  • Hintere Augenkammer: befindet sich zwischen Iris, Ziliarkörper und der Linse
  • Glaskörperraum (Camera vitrea): dient dem Formerhalt des Bulbus oculi

Die vordere und die hintere Augenkammer werden durch die Linse und die Iris (Regenbogenhaut) voneinander getrennt.

Der Augapfel ist von drei Häuten umgeben, die ihrerseits weiter untergliedert werden können. Von außen nach innen sind dies die:

1. Tunica fibrosa bulbi (äußere Augenhaut):

  • Umfasst die Kornea (Hornhaut) und die Sklera (Lederhaut)
  • Die Cornea ist durchsichtig, stark gekrümmt und trägt mit ca. 40 dpt maßgeblich zur Lichtbrechung bei
  • Sie ist gefäßfrei, um eine ungestörte Lichtbrechung zu gewährleisten
  • Die Sclera ist weißlich und undurchsichtig, umgibt den gesamten Augapfel und erhält dessen Form
  • Übergang zwischen Cornea und Sclera bildet der Sulcus sclerae
  • Ansatzpunkt für alle extraokulären Augenmuskeln

2. Tunica vasculosa bulbi (Uvea, mittlere Augenhaut):

Besteht aus drei funktionellen Anteilen:

  • Choroidea (Aderhaut): Reich an Gefäßen, versorgt Retina und Pigmentepithel
  • Corpus ciliare (Ziliarkörper):
    • Enthält den M. ciliaris, der mit der Linse über die Zonulafasern verbunden ist
      • Dient der Nah- und Fernakkommodation: Kontraktion des M. ciliaris → Entspannung der Zonulafasern → Wölbung der Linse → Nahakkommodation
      • Erschlaffung des M. ciliaris → Straffung der Zonulafasern → Abflachung der Linse → Fernakkommodation
  • Iris (Regenbogenhaut):
    • Bildet die Pupille als zentrale Öffnung
    • Reguliert den Lichteinfall durch Pupillenweite mit M. sphincter pupillae (Verengung) und M. dilatator pupillae (Weitung)
    • Bestimmt die Augenfarbe durch Melanozytengehalt

3. Tunica interna bulbi (innere Augenhaut):

  • Besteht aus der Retina (Netzhaut)
  • Ist für die visuelle Wahrnehmung zuständig und bildet die innerste Schicht des Augapfels
  • Die Netzhaut ist in einen lichtempfindlichen (Pars optica) und einen lichtunempfindlichen Teil (Pars caeca) unterteilt
  • Im lichtempfindlichen Teil findet die Umwandlung von Lichtreizen in Membranpotenziale (Signaltransduktion) sowie die erste Informationsverarbeitung durch die Nervenzellen statt

Aufbau des Auges (Horizontalschnitt):

Auge (anatomischer Aufbau im Überblick)
  • Liegt zwischen vorderer und hinterer Augenkammer
  • Hat eine bikonvexe Form und trägt zur Brechkraft des Auges bei
  • Der hintere Linsenpol (Polus posterior) befindet sich in einer Einsenkung des Glaskörpers
  • Der vordere Linsenpol (Polus anterior) liegt direkt hinter der Iris

Vordere Augenkammer (Camera anterior):

  • Wird begrenzt von Korneavorderem IrisepithelLinse und dem Schlemm-Kanal
  • Der Schlemm-Kanal liegt ringförmig in der Sklera und dient der Kammerwasserableitung

Hintere Augenkammer (Camera posterior):

  • Liegt zwischen Linsehinterem IrisepithelZonulafasern und dem Corpus ciliare (Ziliarkörper)
  • Klare Flüssigkeit, die als Ultrafiltrat des Blutes von den nicht pigmentierten Epithelzellen des Ziliarkörpers in der hinteren Augenkammer gebildet wird
  • Fließt von der hinteren in die vordere Augenkammer
  • Wird über das Trabekelwerk des Kammerwinkels (Angulus iridocornealis) in den Schlemm-Kanal abgeleitet
  • Gelangt weiter in intra- und episklerale Venen
  • Über den Plexus venosus sclerae erfolgt die Rückführung in den Blutkreislauf
Querschnitt des vorderen Augenabschnittes

Der Lidapparat umfasst die beweglichen Strukturen des Auges, die dem Schutz, der Befeuchtung und der gleichmäßigen Verteilung des Tränenfilms dienen und damit eine entscheidende Rolle für die Funktion des Auges spielen.

  • Besteht aus Oberlid (Palpebra superior) und Unterlid (Palpebra inferior)
  • Stabilisiert durch straffe Bindegewebsplatten: Tarsus superior und Tarsus inferior
  • An der Innenseite der Tarsalplatten liegen Gll. tarsales (Meibom-Drüsen), holokrine Talgdrüsen
  • Bewegung der Lider
    • Lidschluss durch den ringförmig angeordneten M. orbicularis oculi (innerviert durch den N. facialis)
    • Lidhebung durch den M. levator palpebrae superioris (innerviert durch den N. oculomotorius)
    • Feine Regulation der Lidspalte durch Mm. tarsales superior et inferior
Oberflächenanatomie des Auges

Die Tränendrüse (Glandula lacrimalis) dient der Bildung der Tränenflüssigkeit als Ultrafiltrat des Blutes.

  • Liegt im oberen, äußeren Bereich der Orbita, anliegend am Os frontale
  • Gibt Tränenflüssigkeit in den Fornix conjunctivae superior (oberer Bindehautsack) ab
  • Die Ductuli excretorii münden direkt in den Bindehautsack
  • Parasympathische Innervation über das Ganglion pterygopalatinum
  • Verlauf der Tränenflüssigkeit
    • Wird durch Lidschlag gleichmäßig auf der Augenoberfläche verteilt
    • Fließt nach medial in den Lacus lacrimalis (Tränensee)
    • Abfluss über kleine Öffnungen (Puncta lacrimalia) am Ober- und Unterlid
    • Weiterleitung über je einen Canaliculus lacrimalis zum Saccus lacrimalis (Tränensack)
    • Der Tränensack geht über in den Ductus nasolacrimalis
    • Endgültiger Abfluss in den Meatus nasi inferior der Nasenhöhle
Tränenapparat – Drüsen- und Abflusswege

Der Augapfel wird durch sechs äußere Augenmuskeln (Mm. externi bulbi) bewegt. Die Muskeln ermöglichen gezielte Bewegungen des Auges in alle Richtungen. Die geraden Muskeln (M. rectus superior, inferior, medialis und lateralis) verlaufen direkt zur Vorderfläche des Bulbus. Die schrägen Muskeln (M. obliquus superior und inferior) besitzen einen schrägen oder umgelenkten Verlauf.

MuskelUrsprungAnsatzInnervationFunktion
M. rectus medialisAnulus tendineus communisMedial am BulbusN. oculomotorius (III)Adduktion
M. rectus lateralisAnulus tendineus communisLateral am BulbusN. abducens (VI)Abduktion
M. rectus superiorAnulus tendineus communisOben am BulbusN. oculomotorius (III)Blickhebung und Adduktion
M. rectus inferiorAnulus tendineus communisUnten am BulbusN. oculomotorius (III)Blicksenkung und Adduktion
M. obliquus superiorAnulus tendineus communis, Corpus ossis sphenoidaleDorsal, oben-lateral am BulbusN. trochlearis (IV)Innenrotation, Abduktion, bei Adduktion Blicksenkung
M. obliquus inferiorFacies orbitalis der MaxillaDorsal, unten-lateral am BulbusN. oculomotorius (III)Außenrotation, Abduktion, bei Adduktion Blickhebung

Äußere Augenmuskeln (Ansicht von lateral und frontal):

Äußere Augenmuskulatur (Ansicht von lateral)

Äußere Augenmuskeln
Zuletzt aktualisiert am 14.07.2026
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