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Bauchspeicheldrüse (RD)

Pankreas
11 Minuten Lesezeit

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein längliches Organ im Oberbauch, das quer hinter dem Magen liegt. Sie kann in einen endokrinen und einen exokrinen Teil unterteilt werden.

  • Endokriner Teil: bildet Hormone, die direkt ins Blut gelangen und vor allem den Blutzuckerspiegel regulieren
  • Exokriner Teil: produziert den Pankreassaft, der Enzyme zur Spaltung von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten enthält 
 Merke
Steckbrief:
  • Funktion: Produktion von Verdauungsenzymen und Hormonen
  • Lage und Verlauf:
    • Sekundär retroperitoneal gelegen
    • Quer verlaufend im Oberbauch
    • Auf Höhe von LWK 1–2
  • Form: länglich
  • Länge: ca. 12–15 cm
  • Gewicht: etwa 70 g

Die Bauchspeicheldrüse kann aufgeteilt werden in:

  • Pankreaskopf (Caput pancreatis)
  • Pankreaskörper (Corpus pancreatis) 
  • Pankreasschwanz (Cauda pancreatis)
Pankreas – Lage, Abschnitte und topographische Beziehungen
Abschnitte der Bauchspeicheldrüse
  • Der Pankreaskopf wird C-förmig vom Duodenum umschlossen
  • Das Organ wird von einem etwa 2 mm breiten Ausführungsgang, dem Ductus pancreaticus (Wirsung-Gang), durchzogen, der das exokrine Pankreassekret transportiert und gemeinsam mit dem Gallengang über die Papilla duodeni major in den Zwölffingerdarm mündet
 Info

In etwa 40 % der Fälle ist zusätzlich ein zweiter, kleinerer Ausführungsgang vorhanden, der Ductus pancreaticus accessorius.

Papilla duodeni major
Pankreasgang
 Merke

Die Bauchspeicheldrüse übernimmt eine zentrale Rolle bei der Verdauung und der Regulation des Blutzuckerspiegels.

Der exokrine Anteil produziert Verdauungsenzyme, die die Nahrungsbestandteile in ihre Grundbausteine zerlegen, sodass diese anschließend über die Darmschleimhaut aufgenommen und ins Blut transportiert werden können.

Der endokrine Anteil bildet die Hormone Insulin und Glukagon, die gemeinsam die Regulation des Blutzuckers steuern.

Funktionelle Anatomie des Pankreas
 Merke

Täglich werden ca. 1,5 l proteinreiches Pankreassekret mit einem pH-Wert von 7-8 in das Duodenum abgegeben. Das Pankreassekret ist durch Bicarbonat alkalisch, wodurch die Magensäure neutralisiert wird.

Zusammensetzung und Regulation

  • Enthält Enzyme zur Spaltung von Proteinen, Kohlenhydraten, Fetten und Nukleinsäuren
  • Die Zusammensetzung der Enzyme kann je nach Nahrungszusammensetzung angepasst werden
  • Proteinspaltende Enzyme (Proteasen) werden zunächst als inaktive Vorstufen gebildet, um eine Selbstverdauung des Pankreas zu verhindern
  • Erst im Duodenum werden sie aktiviert: Dabei wird Trypsinogen durch ein Enzym des Dünndarms in Trypsin umgewandelt, welches wiederum weitere Proteasen aktiviert
  • Andere Enzyme wie Lipasen, Glykosidasen und Nukleasen werden bereits in aktiver Form freigesetzt
  • Die Produktion des Pankreassafts wird durch den Parasympathikus sowie durch die Hormone Sekretin und Cholecystokinin (CCK) gesteigert

Überblick der Verdauungsenzyme

Der Pankreassaft enthält verschiedene Verdauungsenzyme, die für die Aufspaltung der Hauptnährstoffe verantwortlich sind. Je nach Enzymgruppe werden Proteine, Kohlenhydrate, Fette und Nukleinsäuren in ihre Grundbausteine zerlegt, sodass sie im Dünndarm aufgenommen werden können.

GruppeFunktionEnzyme
ProteasenSpaltung von Proteinen
  • Trypsin
  • Chymotrypsin
  • Elastase
  • Carboxypeptidasen
GlykosidasenSpaltung von Kohlenhydraten 
  • α-Amylase
LipasenSpaltung von Fetten
  • Lipase
  • Phospholipase A
  • Cholesterinesterase
NukleasenSpaltung von Nukleinsäuren
  • Ribonuklease
  • Desoxyribonuklease
 Tipp
Klinischer Ausblick: Pankreatitis

Als Pankreatitis bezeichnet man eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, wobei zwischen einer akuten und einer chronischen Form unterschieden wird. Bei der akuten Pankreatitis kommt es dazu, dass Verdauungsenzyme bereits innerhalb des Organs aktiviert werden, bevor sie in den Dünndarm gelangen. Dies führt zu einer Selbstverdauung (Autodigestion) des Pankreas.

Typisch sind starke Bauchschmerzen, die häufig gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen, sowie ein prall-elastisches Abdomen („Gummibauch“).

Zu den häufigsten Ursachen zählen übermäßiger Alkoholkonsum sowie Gallensteine, die die Ausführungsgänge von Galle und Pankreas verlegen und dadurch einen Sekretrückstau verursachen.

 Tipp
Klinischer Ausblick: Mukoviszidose

Bei der Erbkrankheit Mukoviszidose (zystische Fibrose) liegt ein Defekt des CFTR-Chloridkanals vor, wodurch der Wasser- und Elektrolyttransport gestört ist. In den exokrinen Drüsen, einschließlich des exokrinen Pankreas, wird dadurch zäher Schleim statt eines dünnflüssigen Sekrets gebildet.

Im Pankreas führt dies zu einer eingeschränkten Abgabe von Verdauungsenzymen, wodurch die Verdauung gestört (Maldigestion) ist. Betroffene leiden häufig unter chronischen Durchfällen und Gedeihstörungen.

 Merke

Die Langerhans-Inseln des Pankreas bestehen aus verschiedenen Zelltypen, die eine zentrale Rolle bei der Regulation des Kohlenhydratstoffwechsels spielen. Sie produzieren unterschiedliche Hormone, darunter Insulin, das für die Aufnahme von Glukose in die Zellen unerlässlich ist.

Insgesamt lassen sich vier hormonproduzierende Zelltypen unterscheiden, die alle zum gastroenteropankreatischen System (GEP-System) gehören - dem größten endokrinen System des Körpers.

ZelltypAnteilHormonFunktion
A-Zellen (Alphazellen)ca. 20 %GlukagonErhöht den Blutzuckerspiegel
B-Zellen (Betazellen)ca. 70–80 %InsulinSenkt den Blutzuckerspiegel
D-Zellen (Deltazellen)ca. 5 %SomatostatinHemmt die Hormonfreisetzung und Verdauung
PP-Zellenca. 1–2 %Pankreatisches PolypeptidReguliert die Verdauungsprozesse
Langerhans-Inseln

Insulin und Glucagon

 Achtung

Die wichtigsten Hormone der Bauchspeicheldrüse sind Insulin und Glukagon, die gemeinsam den Blutzuckerspiegel regulieren.

Insulin:

  • Insulin ist das zentrale Hormon zur Senkung des Blutzuckerspiegels
  • Fördert die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in Muskel- und Fettzellen und steigert deren Verwertung (Glykolyse) sowie die Speicherung als Glykogen in Leber und Muskeln
  • Gleichzeitig hemmt es die Neubildung von Glukose und den Glykogenabbau
  • Zudem erhöht Insulin den Kaliumeinstrom in die Zellen.

Auch im Fettstoffwechsel wirkt Insulin: Es fördert die Speicherung von Fetten (Triglyzeride) und hemmt deren Abbau. Die Ausschüttung von Insulin erfolgt vor allem während und nach dem Essen, ausgelöst durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel und gastrointestinale Hormone (Inkretine). Ein niedriger Blutzucker hemmt die Freisetzung.

Glucagon:

  • Glukagon wirkt als Gegenspieler von Insulin und führt zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels
  • Es wird vor allem bei niedrigem Blutzucker zwischen den Mahlzeiten ausgeschüttet
  • In der Leber fördert es den Abbau von Glykogen und die Neubildung von Glukose, während es den Zuckerabbau hemmt
  • Ein hoher Blutzuckerspiegel hemmt die Glucagonfreisetzung
 Tipp
Klinischer Ausblick: Diabetes mellitus

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) entsteht, wenn entweder zu wenig Insulin produziert wird oder das vorhandene Insulin nicht ausreichend wirkt. Die Erkrankung ist weitverbreitet und betrifft etwa 5 % der Bevölkerung in Deutschland.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Hauptformen:

  • Typ-1-Diabetes: Tritt meist im Kindes- oder Jugendalter auf. Ursache ist eine Autoimmunreaktion, bei der die β-Zellen des Pankreas zerstört werden. Dadurch kann kein oder zu wenig Insulin gebildet werden.
  • Typ-2-Diabetes: Deutlich häufiger und früher hauptsächlich bei älteren Menschen (sog. Altersdiabetes), heute jedoch zunehmend auch bei jüngeren Personen. Ursache ist eine Insulinresistenz, bei der Insulin zwar vorhanden ist, aber nicht ausreichend an den Zielzellen wirkt. Übergewicht und Bewegungsmangel sind wichtige Risikofaktoren.

Lage und Aufbau:

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion: Produktion von Verdauungsenzymen und Hormonen
  • Lage und Verlauf:
    • Sekundär retroperitoneal gelegen
    • Quer verlaufend im Oberbauch
    • Auf Höhe von LWK 1–2
  • Form: länglich
  • Länge: ca. 12–15 cm
  • Gewicht: etwa 70 g
  • Die Bauchspeicheldrüse kann aufgeteilt werden in:
    • Pankreaskopf (Caput pancreatis)
    • Pankreaskörper (Corpus pancreatis) 
    • Pankreasschwanz (Cauda pancreatis)
  • Ductus pancreaticus (~2 mm) durchzieht das Pankreas → transportiert exokrines Pankreassekret
    • Vereint sich mit dem Gallengang
    • Mündet über die Papilla duodeni major in den Zwölffingerdarm

Funktion:

  • Endokriner Teil: bildet Hormone, die direkt ins Blut gelangen und vor allem den Blutzuckerspiegel regulieren
  • Exokriner Teil: produziert den Pankreassaft, der Enzyme zur Spaltung von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten enthält 

Pankreassaft:

 Merke

Täglich werden ca. 1,5 l proteinreiches Pankreassekret mit einem pH-Wert von 7-8 in das Duodenum abgegeben. Das Pankreassekret ist durch Bicarbonat alkalisch, wodurch die Magensäure neutralisiert wird.

  • Enthält Enzyme zur Spaltung von Proteinen, Kohlenhydraten, Fetten und Nukleinsäuren
  • Proteinspaltende Enzyme (Proteasen) werden zunächst als inaktive Vorstufen gebildet, um eine Selbstverdauung des Pankreas zu verhindern
  • Erst im Duodenum werden sie aktiviert: Dabei wird Trypsinogen durch ein Enzym des Dünndarms in Trypsin umgewandelt, welches wiederum weitere Proteasen aktiviert
  • Andere Enzyme wie Lipasen, Glykosidasen und Nukleasen werden bereits in aktiver Form freigesetzt
  • Die Produktion des Pankreassafts wird durch den Parasympathikus sowie durch die Hormone Sekretin und Cholecystokinin (CCK) gesteigert

Blutzuckerregulation und Verdauungssteuerung:

 Merke

Die Langerhans-Inseln des Pankreas bestehen aus verschiedenen Zelltypen, die eine zentrale Rolle bei der Regulation des Kohlenhydratstoffwechsels spielen. Sie produzieren unterschiedliche Hormone, darunter Insulin, das für die Aufnahme von Glukose in die Zellen unerlässlich ist.

Insgesamt lassen sich vier hormonproduzierende Zelltypen unterscheiden, die alle zum gastroenteropankreatischen System (GEP-System) gehören - dem größten endokrinen System des Körpers.

ZelltypAnteilHormonFunktion
A-Zellen (Alphazellen)ca. 20 %GlukagonErhöht den Blutzuckerspiegel
B-Zellen (Betazellen)ca. 70–80 %InsulinSenkt den Blutzuckerspiegel
D-Zellen (Deltazellen)ca. 5 %SomatostatinHemmt die Hormonfreisetzung und Verdauung
PP-Zellenca. 1–2 %Pankreatisches PolypeptidReguliert die Verdauungsprozesse
 Tipp

Wenn ihr mehr wissen möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus der Vorklinik und dem klinischen Bereich.

  • Bauchspeicheldrüse (Pancreas) - Anatomie
  • Bauchspeicheldrüse (Pankreas) - Physiologie
  • Pankreashormone
  • Flake, F., Dönitz, S., Mensch Körper Krankheit für den Rettungsdienst, Elsevier, 2018, ISBN: 978-3437462023
  • Koch, S., Schwarz, M., retten - Anatomie Physiologie, Elsevier, 2023, ISBN: 978-3132421172
  • Behrends J, Bischofberger J, Deutzmann R, Ehmke H, Frings S, Grissmer S, Hoth M, Kurtz A, Leipziger J et al: Duale Reihe Physiologie, 4., unveränderte Auflage. Georg Thieme Verlag. 2021. ISBN: 9783132438644
Zuletzt aktualisiert am 01.05.2026
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