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Bedarf und Nachfrage von Gesundheitsleistungen

Versorgungsbedarf, Nachfrage und Angebot, Gesundheitsleistungen
EP
3 Minuten Lesezeit

Der Bedarf an Gesundheitsleistungen beschreibt die medizinisch erforderliche Versorgung aufgrund eines gesundheitlichen Problems, während die Nachfrage die tatsächlich von Patient:innen gewünschte bzw. in Anspruch genommene Versorgung bezeichnet. Bedarf und Nachfrage sind daher nicht zwangsläufig identisch: Eine Person kann beispielsweise einen medizinischen Bedarf haben, ohne ärztliche Hilfe nachzufragen. Umgekehrt können Leistungen nachgefragt werden, obwohl aus medizinischer Sicht kein entsprechender Bedarf besteht.

Die tatsächliche Versorgung wird neben dem gesundheitlichen Bedarf auch durch die Verfügbarkeit medizinischer Leistungen, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen sowie das Verhalten der Patient:innen und Leistungserbringer beeinflusst. 

 Info

Ein besonderes Phänomen ist die angebotsinduzierte Nachfrage (supplier-induced demand): Aufgrund des Informationsvorsprungs von Ärzt:innen können diese unter bestimmten Bedingungen die Nachfrage nach medizinischen Leistungen beeinflussen. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen einer höheren Ärztedichte und einer stärkeren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, Ausmass und Ursachen dieses Effekts sind jedoch abhängig vom Gesundheitssystem und nicht eindeutig allein auf eine bewusste Nachfrageinduktion zurückzuführen.

 Definition

Bedarf und Versorgung im Gesundheitswesen beschreiben das Verhältnis zwischen dem medizinisch notwendigen Bedarf und der tatsächlichen Inanspruchnahme bzw. Bereitstellung von Gesundheitsleistungen.

Der Bedarf an medizinischer Versorgung wird in subjektiven und objektiven Bedarf unterteilt:

  • Subjektiver Bedarf: Wunsch des Patienten nach Versorgung
  • Objektiver Bedarf: tatsächliches Vorliegen einer Krankheit / Funktionseinschränkung
  • Latenter Bedarf: objektiver Bedarf ohne subjektiven Wunsch (z. B. fehlende Krankheitseinsicht)

→ Umgekehrt kann auch ein subjektiv hoher, aber objektiv geringer Bedarf bestehen (z. B. Hypochondrie)

Eine Diskrepanz führt zu:

  • Überversorgung (Over-Utilization): Nachfrage ohne objektiven Bedarf
  • Unterversorgung (Under-Utilization): fehlende Nachfrage trotz objektivem Bedarf

Beispiele:

  • Überversorgung: Bildgebung bei unkomplizierten Rückenschmerzen
  • Keine Unterversorgung: interventionelle Kardiologie, Bypass-OP
  • Unterversorgung: Depression
 Merke

Bedarf = medizinisch erforderliche Versorgung; Nachfrage = gewünschte bzw. in Anspruch genommene Versorgung. Ein grösseres Ärzteangebot kann die Inanspruchnahme erhöhen. Unter anderem durch bessere Verfügbarkeit, aber möglicherweise auch durch angebotsinduzierte Nachfrage.

 Definition

Der Einfluss des Ärzteangebots auf die Nachfrage beschreibt das Phänomen, dass eine größere Verfügbarkeit von Ärzt:innen zu einer höheren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen führen kann. Dieses wird als angebotsinduzierte Nachfrage bezeichnet.

 Merke

Je höher das Angebot, desto höher die Nachfrage = angebotsinduzierte Nachfrage

Gegenmaßnahmen:

  • Für Patienten:
    • Beitragsrückerstattung bei Nichtinanspruchnahme
    • Prämien bei Leistungsfreiheit
  • Für Ärzte:
    • Verordnungsobergrenzen
    • Einschränkung der Niederlassung
  • Green J. Physician-induced demand for medical care. J Hum Resour 1978;13(Suppl):21-34. DOI: 10.2307/145246.
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Zuletzt aktualisiert am 26.08.2026
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