Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) ist die häufigste Ursache peripher-vestibulären Schwindels. Er zeigt sich durch kurze, lageabhängige Drehschwindelattacken von meist unter einer Minute, ausgelöst durch Kopfbewegungen entgegen der Schwerkraft. Typische Situationen sind Hinlegen, Aufrichten, Umdrehen im Bett, Bücken oder Überstrecken des Kopfes. Begleitend treten häufig Übelkeit, Oszillopsien (= Sehstörung, die feste Objekte wackeln oder schwankend darstellt) und ein charakteristischer Lagerungsnystagmus auf.
Häufige Auslöser sind:
Degenerative Veränderungen der Otolithenmembran (häufigste Ursache)
Weitere Faktoren: Otitis media, vaskuläre Risikofaktoren, Operationen, Osteoporose, Vitamin-D-Mangel
Rettungsdienstlich stehen Symptomreduktion, Beruhigung der Patient:innen und der Ausschluss gefährlicher Differenzialdiagnosen im Vordergrund. Wichtig sind eine strukturierte Schwindelanamnese, die Identifikation eines lagerungsabhängigen Nystagmus sowie eine ruhige Lagerung ohne abrupte Kopfbewegungen.
Bei eindeutigem Befund kann ein Repositionsmanöver rasch helfen. Bei Bedarf erfolgt eine symptomatische Antiemese. Atmung und Kreislauf bleiben in der Regel stabil, sollten aber überwacht werden.
Fallbeispiel
Um den Einstieg in das Thema beninger paroxymaler Lagerungsschwindel etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Neurologie sonstiges / Schwindel
Ort: Wohnung, EFH
Alarmzeit: 08:13 Uhr
Anrufer: Ehemann der Betroffenen
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo:
Weiblich, 63 Jahre alt
Plötzlicher Schwindel
Begleitet von Übelkeit und Schwindel
Lageeinweisung vor Ort:
BeimEintreffen des Rettungsdienstes liegtdiePatientin im Bett. Der Ehemann hat die Tür geöffnet und wirkt besorgt.
Die Lage ist wie folgt:
Die Patientin ist wach und adäquat ansprechbar
Die Patientin klagt über zeitweise auftretenden Schwindel
Der Ehemann berichtet, dass es kurz nach dem Aufstehen zu einem plötzlichen Sturzereignis kam. Anschließend habe er ihr zurück ins Bett geholfen
Daraufhin alarmierte der Ehemann den Rettungsdienst
Dieses Bild wurde mit der KI-Software ChatGPT (OpenAI) erstellt. Es wurde automatisch generiert und dient ausschließlich illustrativen Zwecken.
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem beningen, paroxymalen Lagerungsschwindel aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Kein aktiver äußerer Blutverlust sichtbar
A
Atemwegefrei
Schleimhäute rosig
Patientin spricht selbstständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion beidseits physiologisch
Keine Halsvenenstauung sichtbar
Normofrequente Atmung, 15/min
Auskultatorisch:
Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 99 %
Kein B-Problem
C
Hautkolorit rosig
Rekap-Zeit: 2 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk:
Rhythmisch
Gut tastbar
Tachykard, 103/min
Kein C-Problem
D
Wach, orientiert, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Anfallsartiger Schwindel
Abbildung verwendet gemäß Flaticon-Premium-Lizenz. Dieses Bild darf ggf. nur mit einer entsprechenden Flaticon-Premium-Lizenz außerhalb der Medi Know-Materialien verwendet werden.
Ereignis: Plötzlich aufgetretener Schwindel beim Aufstehen mit gefolgtem Sturzereignis
Risikofaktoren: höheres Lebensalter
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Definition
Benigner paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS)
Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) ist eine periphere vestibuläre Störung, die durch kurze, lageabhängige Schwindelattacken gekennzeichnet ist. Diese werden durch Kopfbewegungen gegenüber der Schwerkraft ausgelöst und dauern typischerweise weniger als eine Minute an (etwa 20 Sekunden). Klassische Begleitsymptome sind Übelkeit, Oszillopsien (= Sehstörung, die feste Objekte wackeln oder schwankend darstellt) und ein charakteristischer Lagerungsnystagmus. Zu den häufigsten Auslösern zählen das Hinlegen, Aufrichten oder Umdrehen im Bett,auch Bewegungen wie Bücken oder Kopfreklination können eine Attacke provozieren.
Klassifikation
Nach Mechanismus (Otolithen-Lokalisation):
Canalolithiasis: Die häufigste Form, bei der sich freibewegliche Kalziumkarbonat-Kristalle (Otolithen) in einem der Bogengänge befinden
Cupulolithiasis: Hierbei haften die Otolithen an der Cupula (dem Gewebe, das das Ende des Bogengangs verschließt) und lösen dadurch den Schwindel aus
Info
Die Otolithen werden den Patient:innen der Einfachheit halber oft als Kristalle beschrieben, da sie aus Calciumcarbonat bestehen und kristallartig geformt sind.
Nach betroffenem Bogengang:
Hinterer (posteriorer) Bogengang: Die mit Abstand häufigste Form, die in 80-90 % der Fälle auftritt
Horizontaler Bogengang: Tritt in 10-20 % der Fälle auf
Vorderer (anteriorer) Bogengang: Die seltenste Form, die nur bei etwa 3 % der Patienten vorkommt
Nach Nystagmus-Eigenschaften:
Richtung (geotrop/apogeotrop): Die Richtung des unwillkürlichen Augenbewegens (Nystagmus), die Aufschluss über den betroffenen Bogengang gibt
Zeitverlauf: Die Nystagmusintensität nimmt nach dem Einsetzen zu und nimmt dann wieder ab (Crescendo-Decrescendo-Verlauf)
Latenz: Die Zeit zwischen der Auslösebewegung und dem Auftreten des Nystagmus (ca. 5 Sekunden bei Cupulolithiasis, 10-20 Sekunden bei Canalolithiasis)
Habituation: Die Intensität des Nystagmus und Schwindels nimmt bei wiederholten Bewegungen ab
Merke
Eine präzise Klassifikation ist entscheidend, da eine zielgerichtete Behandlung nur möglich ist, wenn der betroffene Bogengang korrekt identifiziert wird. Die Therapie erfordert unterschiedliche Lagerungsmanöver, weshalb die endgültige Zuordnung abschließend in der Klinik erfolgt.
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Ursachen
Info
Die Mehrheit der BPLS-Fälle entsteht idiopathisch, jedoch weisen viele Betroffene mindestens einen relevanten Risikofaktor auf.
Risikofaktoren:
Degenerative Veränderungen der Otolithenmembran (altersbedingter Abbau der Sinnesstrukturen im Gleichgewichtsorgan)
Otitis media (bakterielle oder virale Mittelohrentzündung)
Vorausgegangene Virusinfektionen, z.B. virale Neuronitis (Entzündung des Gleichgewichtsnervs)
Frühere vestibuläre Erkrankungen, z.B.
Neuropathia vestibularis (akuter Funktionsausfall des Gleichgewichtsnervs)
Morbus Menière (Innenohrerkrankung mit Schwindel, Hörminderung, Tinnitus)
Migräne(ca. 3-fach erhöhtes Risiko für BPLS)
Vaskuläre Risikofaktoren:
Diabetes mellitus
Arterielle Hypertonie
Hyperlipidämie
Weitere Ursachen:
Schädel-Hirn-Trauma, Schleudertrauma → Innenohrerschütterung nach Sturz oder Unfall
Längere Immobilisation / Bettruhe → Inaktivität verändert die Otolithen
Operationen in Allgemeinanästhesie → Lagerungswechsel und Narkoseeinflüsse begünstigen Otolithenablösung
Operationen am Ohr → mechanische Reizung des Innenohrs kann ein Auslöser sein
Osteoporose → verminderte Knochen- und Kalziumstabilität → instabile Otolithen
Vitamin-D-Mangel → Vitamin D ist wichtig für Otolithenstoffwechsel
Okklusion der vorderen vestibulären Arterie → Verschluss eines Blutgefäßes, das Teile des Gleichgewichtsorgans versorgt
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Pathophysiologie
Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Die Otolithen (auch Statolithen oder Otokonien) sind kleine Kalziumkarbonat-Kristalle, die in der Otolithenmembran von Utriculus und Sacculus liegen. Zusammen bilden sie das otolithäre Organ, das für die Wahrnehmung linearer Beschleunigung und der Kopfposition zur Schwerkraft verantwortlich ist.
Struktur und Aufbau:
Otolithen liegen in einer gallertartigen Membran, der sog. Otolithenmembran
Unter dieser Membran befinden sich Sinneshärchen (Stereozilien) der Haarzellen
Bei Kopfbewegung verschiebt die Trägheit der Otolithen die Membran → mechanische Auslenkung der Haarzellen.
2. Funktionsprinzip:
Bei Beschleunigung oder Neigung des Kopfes wirken die Otolithen wie Massekörper, die durch die Schwerkraft oder Bewegung träge nach hinten bzw. zur Seite ziehen.
Das führt zu:
Verschiebung der Otolithenmembran
Auslenkung der Stereozilien der Haarzellen
Änderung der elektrischen Aktivität der Haarzellen
Weiterleitung der Information über den Nervus vestibularis zum Hirnstamm
3. Wahrnehmungsfunktionen:
Die Otolithen ermöglichen:
Erkennung linearer Beschleunigung (z.B. Auto fährt an)
Wahrnehmung der Kopfneigung zur Schwerkraft
Stabilisierung des Gleichgewichts gemeinsam mit den Bogengängen
Beitrag zum vestibulo-okulären Reflex→ Blickstabilisierung
Unterstützung der posturalen Kontrolle
4. Zentrale vestibuläre Verarbeitung:
Nach der Signalübertragung gelangen die Informationen zu:
Den vestibulären Kernen im Hirnstamm
Dem Kleinhirn zur Feinkoordination
Den Augenmuskelkernen
Dem Thalamus und weiter zur Großhirnrinde (bewusste Lagewahrnehmung)
Image by Cenveo is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 United States http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/us/). Diese Abbildung ist ein Derivat, der oben angegebenen Quelle. Es wurden die Markierungen ergänzt. Die Markierungen (a), (b) und (c) wurden überdeckt.
Pathophysiologie
Beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPLS) lösen sich kleine Kristalle (Otokonien bzw. Otolithen) aus der Otolithenmembran des Utriculus und rutschen in einen der Bogengänge (meist in den hinteren Bogengang).
Dort bewegen sie sich bei Kopfbewegungen frei in der Flüssigkeit (Endolymphe) und erzeugen unnormale Strömungen. Diese reizen die Cupula(gelartige Sinnesstruktur in der Ampulle, die Drehbewegungen registriert) auf eine Art, die nicht zu der tatsächlichen Kopfbewegung passt.
Das führt zu einer ungleichen Aktivität der beiden Gleichgewichtsorgane → diese Asymmetrie verursacht die typischen Symptome wie Drehschwindel, Nystagmus und Übelkeit.
Drehschwindel:
Beim Wechsel der Kopfposition (z.B. Hinlegen, Aufrichten, Umdrehen im Bett) bewegen sich die gelösten Otolithen zeitverzögert in der Endolymphe und erzeugen eine Fehlstimulation des betroffenen Bogengangs → Das Gehirn interpretiert dies als plötzliche Rotationsbewegung → kurzer, intensiver Drehschwindel wird auslöst
Da die Otolithen nach wenigen Sekunden zum Stillstand kommen, klingen die Symptome spontan nach etwa 20–30 Sekunden ab
Image by Cenveo is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 United States http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/us/). Diese Abbildung ist ein Derivat, der oben angegebenen Quelle. Es wurden die Beschriftungen ersetzt.
Physiologie Drehbeschleunigung
Lagerungsnystagmus:
Die abnorme Endolymphströmung durch die verlagerten Otokonien führt zu einer inadäquaten Auslenkung der Cupula → zentrale Nervensystem interpretiert dies als falsche Drehbewegung → über den vestibulo-okulären Reflexentsteht der typische lageabhängige Nystagmus:
Langsame Phase: Augen folgen der fehlerhaft interpretierten Bewegung
Schnelle Phase: Zentrale Rückstellbewegung in die entgegengesetzte Richtung
Oszillopsien:
Während des Nystagmus kann der vestibulo-okuläre Reflex (VOR) die Augen nicht ausreichend stabilisieren. Dadurch bewegt sich das Bild auf der Netzhaut unkontrolliert, und die Umgebung erscheint den Betroffenen zitternd, springend oder schwankend.
Übelkeit:
Die fehlerhafte Reizung des Vestibularorgans führt zu einer Aktivierung zentraler Hirnstammregionen, darunter:
Nucleus tractus solitarii
Weitere viszerale Kerngebiete, die mit dem Brechzentrum vernetzt sind
Das widersprüchliche Zusammenspiel zwischen optischen, propriozeptiven und vestibulären Informationen führt zu einer ausgeprägten vegetativen Reaktion, typischerweise:
Übelkeit
Gelegentliches Erbrechen
Vegetative Symptome (Schwitzen, Blässe)
Lageabhängigkeit der Symptome:
Tipp
Warum ist der Schwindel beim BPLS lageabhängig?
Die Schwerkraft wirkt immer aus derselben Richtung, abhängig davon, wie der Kopf im Raum positioniert ist
Wenn jemand z.B. liegt, wirkt die Schwerkraft dauerhaft in einer gleichbleibenden Richtung auf die losen Otolithen im Bogengang
Solange der Kopf in dieser Position bleibt, liegen die Otolithen ruhig → es entstehen keine Endolymphbewegungen, daher keine Symptome
Die Beschwerden treten nur bei bestimmten Kopfbewegungen auf, weil die losen Otolithen ausschließlich dann in den Bogengängen bewegen, wenn sich die Kopfposition zur Schwerkraft verändert.
Typische Auslöser sind:
Hinlegen
Aufrichten
Umdrehen im Bett
Bücken
Kopfreklination
Merke
Zusammenfassung:
Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) entsteht durch gelöste Otolithen, die in einen Bogengang gelangen und dort bei Kopfbewegungen abnorme Endolymphströmungen verursachen. Dies führt zu einer asymmetrischenvestibulären Erregung und den typischen Symptomen.
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Verzögert beginnender und nach kurzer Zeit abklingender Lagerungsnystagmus
Oszillopsien (wackelnde visuelle Wahrnehmung) während der Attacke
Symptomfreiheit zwischen den Episoden
Merke
Der lagerungsabhängige Nystagmus ist typischerweise durch bestimmte Kopf- und Körperbewegungen auslösbar, beispielsweise:
Hinlegen
Aufrichten
Umdrehen im Bett
Bücken
Generalisierte Zeichen
Übelkeit und/oder Erbrechen
Schwitzen
Blässe
Wärme- oder Kältegefühl
Ggf. Tachykardie
Unruhe und Angstgefühl
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Diagnostik
Info
Typischerweise zeigen BPLS-Episoden einen ausgeprägten morgendlichen Häufigkeitsgipfel, während die Attacken im Verlauf desTages deutlich an Intensität und Auftretenswahrscheinlichkeit abnehmen. Dieses Muster erklärt sich durch die wiederholte Bewegung der Otolithenpartikel, die im Tagesverlauf zunehmend zur Ruhe kommen und weniger stark auf Lagerungsänderungen reagieren.
Anamnese
Aktuelle Anamnese:
S (Symptome)
Art des Schwindels: Drehschwindel, lageabhängig, plötzlich einsetzend, kurz (10–20 s)
Auslöser: Hinlegen, Aufrichten, Umdrehen im Bett, Bücken, Kopfreklination
Schädel-Hirn-Trauma in der Vergangenheit oder kürzlich?
Neurologische Erkrankungen?
L (Letzte):
Kürzliche Operationen, längere Bettlägerigkeit oder Allgemeinanästhesie?
Infekte der letzten Wochen? (z.B. vestibuläre Neuropathie)
Sturzereignis oder Kopfanprall unmittelbar vor Auftreten des Schwindels?
E (Ereignis): Auftreten nach Lagerung oder dauerhafter Schwindel?
R (Risiko): Alter > 50 Jahre, weibliches Geschlecht, Osteoporose / degenerative Veränderungen, Migräne, Diabetes, Hypertonie, Hyperlipidämie, SHT, Vestibuläre Erkrankungen in der Vorgeschichte, längere Bettruhe, Operationen
S (Schwangerschaft):
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schemazu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf einen benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Normale Hautfarbe
Keine Zyanose
Keine Hautreaktionen
Patient:innen wirken gelegentlich unsicher, ängstlich oder vegetativ leicht beeinträchtigt (z.B. leichter Schweiß) aufgrund der Schwindelattacke
Palpation:
Peripher warm, normale Hautdurchblutung
Rekapillarisierungszeit normal
Puls:
Meistens regelmäßig
Ggf. leicht tachykard durch Stress oder Übelkeit
Perkussion:
Der Perkussionsbefund sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Auskultation:
Der Auskultation sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Vitalparameter
Atemfrequenz: normal
Sauerstoffsättigung: normal
Herzfrequenz: normal, Tachykardie möglich → Stress- oder Übelkeitsreaktion
EKG: Sinusrhythmus, oder Normalbefund nach jeweiliger Vorerkrankung
Blutdruck: in der Regel normoton
Temperatur: normal
Blutzucker: normal
Schwindeldiagnostik
Merke
Eine präzise und strukturierte Schwindeldiagnostik ist entscheidend, da Schwindel sowohl harmlose als auch lebensbedrohliche Ursachen haben kann.
Nur durch eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung, Nystagmusbeurteilung und ggf. Lagerungsmanöver lässt sich ein BPLS sicher von zentralen oder internistischen Notfällen abgrenzen. Fehlinterpretationen können zu Unterdiagnosen gefährlicher Ursachen oder zu einer Übertherapie harmloser Befunde führen.
Tipp
Charakteristika des BPLS-Nystagmus
Latenzbehaftet (verzögerter Beginn)
Erschöpflich (klingt in Sekunden ab)
Reproduzierbar (bei erneuter Provokation wieder auslösbar)
Fatigue (wird bei Wiederholung schwächer)
Merke
Wichtige Fragen zur Differenzierung der Genese des Schwindels
Die unten aufgeführte Tabelle zeigt eine klare Differenzierung zwischen der Schwindelgenese und der Darstellung der Symptomatik. Die wichtigen Fragen dazu sind hier aufgeführt, sollten aber mit der nötigen theoretischen Grundlage verstanden und interpretiert werden und nicht schlichtweg reproduziert werden.
Stellt der Schwindel sich als Drehschwindel, Schwankschwindel, oder Gangunsicherheit dar?
Oft genauere Beschreibung im Sinne von: Drehschwindel → wie auf einem Karussell, Schwankschwindel → wie auf einem Schiff, Gangunsicherheit → wie auf Watte zu laufen
Wie ist der Zeitverlauf?
Attackenartig
Dauerhaft
Bei Lagerungsveränderungen
Hat es solche Attacken bereits zuvor gegeben?
Wenn ja, wurden bildgebende Verfahren (wie ein MRT) angefertigt?
Gibt es Vorbefunde in Form von Arztbriefen oder Ähnlichem
Warnhinweise auf eine zentral-vestibuläre Ursache (zentral-vestibulärer Schwindel): HINTS
Head Impulse: normaler horizontaler Kopfimpulstest (Patient fixiert Ziel mit Augen während Kopf ruckartig bewegt wird) trotz Schwindel mit Bewegungsillusion
Test of Skew: Skew Deviation (= vertikales Schielen): ein Auge wird abgedeckt, beim Aufdecken zeigt sich eine Einstellsakkade
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Therapie
Merke
Das primäre Ziel der präklinischen Versorgung besteht darin, Patient:innen zu beruhigen, die Lagerungsabhängigkeit der Symptome zu erkennen und gefährliche Ursachen sicher auszuschließen. Bei typischer Symptomatik kann durch ein gezieltes Repositionsmanöver (z.B. Epley) häufig eine rasche und nachhaltige Symptomlinderung erreicht werden. Bei ausreichender Kenntnis kann dies präklinisch in Erwägung gezogen werden. Begleitend kann eine antiemetische Therapie erfolgen.
Allgemeine Maßnahmen
Ruhige, klare Aufklärung über die Gutartigkeit und typische Dauer der Attacken
Beruhigung der erkrankten Person → Stressreduktion
Kontrolle der Vitalparameter (RR, SpO2, EKG)
Vermeiden unnötiger Lagewechsel bis zur gezielten Diagnostik
Spezifische Maßnahmen
Provokationstest (z.B. Dix-Hallpike) nur bei stabiler Gesamtsituation
Durchführung eines Repositionsmanövers (z.B. Epley) bei klarer Diagnose
Antiemetikabei starker Übelkeit()
Mobilisation nur unter Anleitung nach Besserung
Dokumentation der Auslöser: Symptomdauer und Nystagmusbefund
Weitere Maßnahmen
Darüber hinaus ist eine kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter entscheidend, um auf Veränderungen des Zustands der Patient:innen schnell reagieren zu können. Die Kommunikation zwischen Rettungsdienst und der aufnehmenden Klinik ist ebenfalls von großer Bedeutung, um eine optimale Weiterbehandlung zu gewährleisten.
Tipp
Lagerung bei benignen paroxysmalem Lagerungsschwindel
Oberkörper leicht erhöht zur Reduktion von Übelkeit und Angst
Kopf in neutraler Position halten → abrupte Bewegungen vermeiden
Während einer Attacke: Patient:innen stabil lagern, Sturzrisiko vermeiden
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Besondere Situationen
Nach Operationen oder längerer Bettruhe:
Häufiger BPLS beim ersten Aufrichten nach OP oder Bettruhe
Patient:innen oft stark verunsichert → Beruhigung und sichere Lagerung wichtig
Ältere Patient:innen (Sturzgefahr):
Attacken führen häufiger zu Stürzen
Vorsichtige Lagerung und sichere Umgebung schaffen
Repositionsmanöver langsamer und schonender durchführen
Mehrkanal-Beteiligung oder atypische Verläufe:
Verdacht bei ungewöhnlichem Nystagmus oder fehlender Provokation
Zentrale Ursache ausschließen, ggf. Transport indiziert
BPLS nach Infekten:
Nach viraler Neuropathie möglich
Symptome oft stärker → schonende Maßnahmen, ggf. Transport zur Abklärung
Begleiterkrankungen (Migräne, vaskuläre Risiken):
Können Symptome verstärken
Diagnostik unverändert, aber höhere Sensibilität für Differenzialdiagnosen
Merke
BPLS ist gutartig, kann aber starke vegetative Symptome, Sturzrisiken und Verunsicherung auslösen. Vorsicht ist geboten nach Trauma, OP, Immobilisation oder bei atypischer Symptomatik. In diesen Fällen: sichere Lagerung, Vitalparameter überwachen, ggf. Antiemetika, und zentrale Ursachen ausschließen.
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Weitere Therapie im klinischen Setting
Versorgung in der Notaufnahme
In dieser Notlage kann es helfen, sich mental auf die nächsten Schritte vorzubereiten. Dafür ist es ratsam, schon auf der Fahrt zum Krankenhaus zu erklären, wie das weitere Procedere im Krankenhaus aussieht und worauf sich der Patient potenziell einstellen muss.
Achtung
Da die Therapie je nach aufnehmendem Krankenhaus und Behandler:in variieren kann, empfiehlt es sich nicht, einen bestimmten Behandlungsweg detailliert zu beschreiben. Eine grobe Skizzierung des weiteren Behandlungspfades reicht völlig aus, um Unsicherheiten zu minimieren. Die weiteren Informationen dienen ausschließlich eurer Information als Fachpersonal!
Lagerungsprobe
Info
Die Diagnose eines BPLS wird gestellt, indem der Schwindel gezielt durch eine Lagerungsprobe ausgelöst und dabei der typische Lagerungsnystagmus beobachtet wird. Für die Beurteilung des Nystagmus sind vor allem Latenz, Schlagrichtung, Verlauf über die Zeit und Dauer entscheidend.
BPLS des hinteren vertikalen Bogengangs:
Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose ist die Hallpike-Lagerung:
Die betroffene Person sitzt auf der Liege
Die untersuchende Person dreht den Kopf 45° zur Seite
Anschließend wird die Person rasch nach hinten in Rückenlage gebracht → der Kopf bleibt überstreckt und 45° gedreht
Merke
Die Lagerungsprobe wird beidseitig durchgeführt. Ein positiver Befund (Schwindel + Nystagmus) tritt immer dann auf, wenn das betroffene Ohr unten liegt.
Beispiel:
Bei Rechtslagerung sieht man einen nach oben schlagenden Nystagmus mit einer Drehkomponente nach rechts
Dies ist typisch für einen rechten posterioren Bogengang, in dem Otokonien verrutscht sind und sich nach unten bewegen
Tipp
Charakteristika des BPLS-Nystagmus
Latenzbehaftet (verzögerter Beginn)
Erschöpflich (klingt in Sekunden ab)
Reproduzierbar (bei erneuter Provokation wieder auslösbar)
Fatigue (wird bei Wiederholung schwächer)
BPLS des horizontalen Bogengangs:
Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose ist der Head-Roll-Test:
Die betroffene Person liegt flach auf dem Rücken.
Der Kopf wird etwa 30° angehoben
Die untersuchende Person dreht den Kopf der betroffenen Person rasch zur Seite
Merke
Der Kopf wird nacheinander in beide Richtung gedreht.
Die Schlagrichtung des Nystagmus ist horizontal (rechts- oder linksgerichtet)
Die stärkere Reaktion (stärkerer Nystagmus, stärkerer Schwindel) gibt Hinweise auf die betroffene Seite
Info
Diese Manöver können theoretisch auch präklinisch durchgeführt werden, können aber mit einem gesteigerten Unwohlsein der Patient:innen verbunden sein. Um die Compliance weiter zu sichern, sollten diese Tests erst durchgeführt werden, wenn sie durch fachärztliches Personal adäquat eingeschätzt und bewertet werden können.
Bildgebende Verfahren
Bei ungeklärtem Schwindel, atypischem Nystagmus oder neurologischen Begleitsymptomen muss eine zentrale Ursache ausgeschlossen werden. Dies erfolgt durch:
MRT des Gehirns → Methode der Wahl zum Ausschluss zentraler Ursachen
cCT → wenn MRT nicht sofort verfügbar oder Schlaganfallverdacht besteht
Angiografie / Duplex-Sonografie → Beurteilung der vertebrobasilären Gefäße (bei Verdacht auf vaskuläre Genese)
Vestibuläre Funktionsdiagnostik → bei Verdacht auf zusätzliche Innenohrerkrankungen
Labordiagnostik:
Basislabor bei unklarer Symptomatik oder Differenzialdiagnosen
Blutbild
Elektrolyte
Nieren- und Leberwerte
Glukose
Entzündungsparameter bei Verdacht auf infektiöse bzw. entzündliche Ursachen des Schwindels
Therapie
Merke
Das Grundprinzip der Behandlung besteht darin, die in den Bogengang gelangten Otokonien durch gezielte Befreiungs- und Lagerungsmanöver wieder zurück in den Utrikulus zu bewegen.
Befreiungsmanöver nach Semont:
Die erkrankte Person sitzt aufrecht auf der Behandlungsliege und dreht den Kopf um etwa 45° zur gesunden Seite, sodass der posterioren Bogengang der betroffenen Seite funktionell in die Frontalebene gebracht wird
Anschließend wird die Person zügig um etwa 90° auf die Seite des betroffenen Labyrinths gebracht, wobei die Kopfposition unverändert bleibt
Diese Lage wird mindestens eine Minute beibehalten, bis ein möglicher Nystagmus und die Schwindelsymptome abgeklungen sind
Es folgt der sogenannte „große Wurf“: Die Person wird rasch in die entgegengesetzte Seitlage gebracht (erneut unter konsequenter Beibehaltung der Kopfposition) → insgesamt erfolgt eine etwa 180°-Drehung
Die Position wird mindestens eine Minute gehalten, bevor der Patient zügig in den Sitz zurückgeführt wird
Tipp
Hinweis zur Durchführung: Wenn möglich, sollte der Kopf während Schritt 2 und 3 leicht über die Liegenkante hinausragen, da dies die Wirksamkeit des Manövers verbessern kann
Beurteilung des Erfolgs: Tritt beim zweiten Seitenwechsel ein Nystagmus mit gleicher Schlagrichtung wie im ersten Schritt auf, gilt dies oft als Hinweis auf ein erfolgreiches Manöver
Aufrecht hinsetzen und entspannt auf der Liege positionieren
Den Kopf leicht überstrecken und etwa 45° zur linken Seite drehen
Rasch in die Rückenlage gehen, während die Kopfhaltung unverändert bleibt. Anschließend ca. 30 Sekunden warten, bis Schwindel oder Nystagmus abklingen
Den weiterhin leicht überstreckten Kopf um 90° nach rechts drehen und erneut 30 Sekunden halten.
Danach den Körper weiter nach rechts drehen, sodass der Kopf mitdreht, bis der Blick fast nach unten gerichtet ist. Wieder etwa 30 Sekunden warten
Abschließend kontrolliert aufsetzen, dabei den Kopf zunächst etwas nach unten geneigt halten
Info
Die Erfolgsrate mit beiden Manövern liegt über 95 % innerhalb weniger Tage.
Weitere Versorgung in der Klinik
Maßnahmen auf der Station bei BPLS:
Klinische Beobachtung: In der Regel ist keine Überwachung notwendig, da bei typischem BPLS weder Vitalparameterveränderungen noch relevante Komplikationen zu erwarten sind
Bei ausgeprägter Übelkeit, starker Verunsicherung oder unklarer Erstdiagnose: kurzzeitige klinische Beobachtung (in der Regel nur wenige Stunden)
Ggf. Wiederholung oder Optimierung der Repositionsmanöver, falls initial keine ausreichende Besserung eintritt
Symptomatische Therapie bei Bedarf, z.B. Antiemetika bei anhaltender Übelkeit
Physiotherapeutisch angeleitete Lagerung und Vestibularübungen zur Stabilisierung und Rezidivprophylaxe
Aufklärung über Rezidivrisiko, mögliche erneute Attacken und Anleitung zu Übungen für zu Hause
Ursachenklärung und Prävention:
Identifikation möglicher Risikofaktoren: Erfassung von auslösenden oder begünstigenden Faktoren wie vorausgegangenen Infekten, Trauma, längerer Immobilisation oder Migräne
Patientenschulung: Aufklärung über den gutartigen Verlauf, typische Auslöser, korrektes Verhalten bei erneuten Attacken sowie Hinweise zur Sturzprävention
Anleitung zu Eigenübungen: Vermittlung von häuslichen Lagerungsübungen (z.B. Brandt-Daroff) zur Rezidivprophylaxe und Selbstbehandlung bei erneuten Beschwerden
Physiotherapie / Vestibulartraining: Einleitung gezielter vestibulärer Rehabilitationsmaßnahmen bei persistierenden oder rezidivierenden Symptomen
Dokumentation und Verlaufskontrolle: Bewertung der Wirksamkeit der Repositionsmanöver und Planung einer neurologischen oder HNO-fachärztlichen Weiterdiagnostik bei atypischen Verläufen
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Transport
Die Wahl des Zielkrankenhauses hängt vom konkreten Fall ab. Im Regelfall sollte eine Klinik angesteuert werden, die sowohl eine neurologische als auch eine HNO-Versorgung bietet, um eine vollständige vestibuläre Diagnostik zu ermöglichen.
Liegt jedoch ein eindeutig diagnostizierter Lagerungsschwindel (BPLS) vor, reicht eine HNO-Klinik aus
Bei allen anderen Schwindelformen oder unklarer Ursache ist eine neurologische Abklärung erforderlich
Während dem Transport ist auf folgendes zu achten:
Regelmäßige Reevaluation des Befindens, insbesondere im Hinblick auf Schwindelintensität, Übelkeit und allgemeines Wohlbefinden
Sichere Lagerung zur Vermeidung sturzgefährdender Situationen bei erneuten Attacken → abrupte Kopfbewegungen sollten vermieden werden
Kontinuierliche Beobachtung der Vitalparameter, obwohl in der Regel keine relevanten Abweichungen zu erwarten sind
Bereithalten von Antiemetika, falls ausgeprägte Übelkeit oder Erbrechen auftreten
Beruhigung und Aufklärung der Patient:innen, um Angst und vegetative Begleitreaktionen zu reduzieren
Merke
Zusammenfassung Transport
Zielkrankenhaus:
Eindeutig diagnostizierter Lagerungsschwindel (BPLS) → Klinik mit HNO-Abteilung
Alle anderen Schwindelformen → Klinik mit neurologischer Abteilung
Reevaluation des Zustands
Bei Bedarf → Antiemetika
Beruhigung und Aufklärung
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Prüfungswissen
Definition:
Definition
Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) ist eine periphere vestibuläre Störung, die durch kurze, lageabhängige Schwindelattacken gekennzeichnet ist. Diese werden durch Kopfbewegungen gegenüber der Schwerkraft ausgelöst und dauern typischerweise weniger als eine Minute an (etwa 20 Sekunden). Klassische Begleitsymptome sind Übelkeit, Oszillopsien und ein charakteristischer Lagerungsnystagmus. Zu den häufigsten Auslösern zählen das Hinlegen, Aufrichten oder Umdrehen im Bett,auch Bewegungen wie Bücken oder Kopfreklination können eine Attacke provozieren.
Ursachen:
Info
Die Mehrheit der BPLS-Fälle entsteht idiopathisch, jedoch weisen viele Betroffene mindestens einen relevanten Risikofaktor auf.
Risikofaktoren:
Degenerative Veränderungen der Otolithenmembran (altersbedingter Abbau der Sinnesstrukturen im Gleichgewichtsorgan)
Otitis media (bakterielle oder virale Mittelohrentzündung)
Vorausgegangene Virusinfektionen, z.B. virale Neuronitis (Entzündung des Gleichgewichtsnervs)
Frühere vestibuläre Erkrankungen, z.B.
Neuropathia vestibularis (akuter Funktionsausfall des Gleichgewichtsnervs)
Morbus Menière (Innenohrerkrankung mit Schwindel, Hörminderung, Tinnitus)
Migräne(ca. 3-fach erhöhtes Risiko für BPLS)
Weitere Ursachen:
Schädel-Hirn-Trauma, Schleudertrauma → Innenohrerschütterung nach Sturz oder Unfall
Längere Immobilisation / Bettruhe (Inaktivität verändert die Otolithen)
Operationen in Allgemeinanästhesie → Lagerungswechsel und Narkoseeinflüsse begünstigen Otolithenablösung)
Operationen am Ohr → mechanische Reizung des Innenohrs kann ein Auslöser sein
Pathophysiologie:
Beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPLS) lösen sich kleine Kristalle (Otokonien) aus der Otolithenmembran des Utriculus und rutschen in einen der Bogengänge (meist in den hinteren Bogengang)
Dort bewegen sie sich bei Kopfbewegungen frei in der Flüssigkeit (Endolymphe) und erzeugen unnormale Strömungen. Diese reizen die Cupula(gelartige Sinnesstruktur in der Ampulle, die Drehbewegungen registriert) auf eine Art, die nicht zu der tatsächlichen Kopfbewegung passt
Das führt zu einer ungleichen Aktivität der beiden Gleichgewichtsorgane → diese Asymmetrie verursacht die typischen Symptome wie Drehschwindel, Nystagmus und Übelkeit.
Merke
Zusammenfassung:
Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) entsteht durch gelöste Otolithen, die in einen Bogengang gelangen und dort bei Kopfbewegungen abnorme Endolymphströmungen verursachen. Dies führt zu einer asymmetrischenvestibulären Erregung und den typischen Symptomen.
Verzögert beginnender und nach kurzer Zeit abklingender Lagerungsnystagmus
Oszillopsien (wackelnde visuelle Wahrnehmung) während der Attacke
Symptomfreiheit zwischen den Episoden
Merke
Der lagerungsabhängige Nystagmus ist typischerweise durch bestimmte Kopf- und Körperbewegungen auslösbar, beispielsweise:
Hinlegen
Aufrichten
Umdrehen im Bett
Bücken
Diagnostik:
Info
Typischerweise zeigen BPLS-Episoden einen ausgeprägten morgendlichen Häufigkeitsgipfel, während die Attacken im Verlauf desTages deutlich an Intensität und Auftretenswahrscheinlichkeit abnehmen. Dieses Muster erklärt sich durch die wiederholte Bewegung der Otolithenpartikel, die im Tagesverlauf zunehmend zur Ruhe kommen und weniger stark auf Lagerungsänderungen reagieren.
Das primäre Ziel der präklinischen Versorgung besteht darin, Patient:innen zu beruhigen, die Lageabhängigkeit der Symptome zu erkennen und gefährliche Ursachen sicher auszuschließen. Bei typischer Symptomatik kann durch ein gezieltes Repositionsmanöver (z.B. Epley) häufig eine rasche und nachhaltige Symptomlinderung erreicht werden. Bei ausreichender Kenntnis kann dies präklinisch in Erwägung gezogen werden. Begleitend kann eine antiemetische Therapie erfolgen.
Allgemeine Maßnahmen:
Ruhige, klare Aufklärung über die Gutartigkeit und typische Dauer der Attacken
Beruhigung der erkrankten Person → Stressreduktion
Kontrolle der Vitalparameter (RR, SpO2, EKG)
Vermeiden unnötiger Lagewechsel bis zur gezielten Diagnostik
Spezifische Maßnahmen:
Provokationstest (z.B. Dix-Hallpike) nur bei stabiler Gesamtsituation
Durchführung eines Repositionsmanövers (z.B. Epley) bei klarer Diagnose
Antiemetikabei starker Übelkeit()
Mobilisation nur unter Anleitung nach Besserung
Dokumentation der Auslöser: Symptomdauer und Nystagmusbefund
Besondere Situationen:
Nach Operationen oder längerer Bettruhe: Häufiger BPLS beim ersten Aufrichten nach OP oder Bettruhe
Ältere Patient:innen (Sturzgefahr): Attacken führen häufiger zu Stürzen
Mehrkanal-Beteiligung oder atypische Verläufe: Verdacht bei ungewöhnlichem Nystagmus oder fehlender Provokation → an zentrale Ursache denken
BPLS nach Infekten: Nach viraler Neuronitis möglich
Begleiterkrankungen (Migräne, vaskuläre Risiken): Können Symptome verstärken
Weitere Therapie im klinischen Setting:
Ausschluss einer zentralen Ursache
Lagerungsprobe mit anschließendem Lagerungsmanöver nach
Semont
Epley
Basislabor bei unklarer Symptomatik oder Differenzialdiagnosen:
Blutbild
Elektrolyte
Nieren- und Leberwerte
Glukose
Entzündungsparameter bei Verdacht auf infektiöse bzw. entzündliche Ursachen des Schwindels
Transport:
Merke
Zusammenfassung Transport
Zielkrankenhaus:
Eindeutig diagnostizierter Lagerungsschwindel (BPLS) → Klinik mit HNO-Abteilung
Alle anderen Schwindelformen → Klinik mit neurologischer Abteilung
Reevaluation des Zustands
Bei Bedarf → Antiemetika
Beruhigung und Aufklärung
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Quellen
S2k-Leitlinie: Vestibuläre Funktionsstörungen, Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO-KHC)