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Berg- und Wasserrettung (RD)

Bergwacht, Wasserwacht
35 Minuten Lesezeit

Die Berg- und Wasserrettung gehören zu den anspruchsvollsten Bereichen der Notfallrettung. Sie verlangen medizinisches Können, technisches Wissen und eine sehr gute körperliche Verfassung.

Die Bergrettung arbeitet in unwegsamem Gelände, bei Kälte, Schnee und großer Höhe. Ihre Aufgabe ist es, verletzte oder erkrankte Personen zu suchen, zu versorgen und sicher zu transportieren. Zum Einsatz kommen spezielle Geräte wie Gebirgstragen, Seilsysteme, Helikopter und Lawinensuchgeräte. Eine enge Zusammenarbeit mit Notfallsanitäter:innen, der Luftrettung und der Feuerwehr ist dabei unerlässlich.

Die Wasserrettung ist an Seen, Flüssen und Küsten aktiv. Sie rettet Ertrinkende, birgt Personen aus kaltem oder strömendem Wasser und behandelt Unterkühlungen. Hier arbeiten Rettungsschwimmer:innen, Strömungsretter:innen, Bootsbesatzungen und Taucher:innen. Meist sind sie in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), der Wasserwacht (WW) oder der Feuerwehr organisiert.

Beide Bereiche erfordern eine umfangreiche Ausbildung und regelmäßiges Training unter realistischen Bedingungen. 

 Merke
Ziel ist es, Menschen auch unter schwierigen Umständen schnell und sicher zu helfen, wenn herkömmliche Rettungsmittel nicht mehr ausreichen.

Die Bergrettung spielt in Deutschland, insbesondere in den Alpen und Mittelgebirgen, eine entscheidende Rolle im Rahmen der präklinischen Notfallversorgung. Jedes Jahr geraten zahlreiche Menschen beim Wandern, Klettern, Mountainbiken oder Wintersport in Situationen, in denen sie ohne spezialisierte Hilfe nicht mehr in der Lage wären, sich selbst zu retten. Die Bergwacht und ihre Einsatzkräfte sichern die medizinische Versorgung und Rettung auch dort, wo der klassische Rettungsdienst an seine Grenzen stößt.

Die Schnittstellen zwischen Bergrettung und Rettungsdienst sind vielfältig. In vielen Fällen erfolgt die Alarmierung über die Leitstelle, die anschließend die zuständige Bergwacht alarmiert. Bei gemeinsamen Einsätzen arbeiten Notfallsanitäter:innen, Notärzt:innen, Luftrettung und Bergwacht eng zusammen. 

Die besonderen Herausforderungen der Bergrettung liegen vor allem in den äußeren Bedingungen. Unwegsames Gelände, wechselhafte Witterung, Dunkelheit, Kälte und Zeitdruck erschweren die Versorgung und den Abtransport erheblich. Häufig müssen Einsatzkräfte stundenlang aufsteigen, um Patient:innen zu erreichen, während medizinische Maßnahmen nur mit begrenztem Material durchgeführt werden können. Hinzu kommen weitere psychische und physische Belastung für die Helfenden selbst.

Unterschiede zwischen urbaner Höhenrettung und Bergrettung

Höhen- und Bergrettung unterscheiden sich grundsätzlich voneinander, auch wenn sich viele Parallelen finden. 

AspektUrbane HöhenrettungBergrettung
EinsatzortMeist in Städten oder Industrieanlagen: Brücken, Bauwerke, Kräne, HochhäuserIn alpinem oder unwegsamem Gelände: Fels, Wald, Schnee, Eis
Erreichbarkeit des UnfallortsIn der Regel über Straßen oder Gebäudezugänge gut erreichbarOft nur zu Fuß, mit Seiltechnik oder Hubschrauber erreichbar
Personal und StrukturSpezialisierte Höhenrettungsgruppen der Feuerwehr oder THW, meist in Ballungsräumen stationiertEhrenamtliche oder hauptamtliche Bergretter*innen, häufig überregional tätig
Technik und AusrüstungStandardisierte Rettungsausrüstung, Seiltechnik für kontrollierte Zugänge an BauwerkenErweiterte Alpin- und Klettertechnik, spezielle Tragen, LVS-Ausrüstung, Windeneinsätze
TransportwegeKurz, oft vertikal über Seil oder innerhalb eines GebäudesLang, unwegsam und witterungsabhängig – häufig Kombination aus Trage, Seil und Hubschrauber
UmweltbedingungenMeist planbares Umfeld, selten extreme WitterungExtreme Bedingungen: Kälte, Wind, Schnee, Nebel, Dunkelheit
  • Sportverletzungen, z.B. auf Wanderwegen, Kletterrouten oder Skipisten
  • Erschöpfungszustände oder psychische Überforderung, durch Höhenangst, Wetterumschwung oder fehlende Kondition
  • Körperliche Probleme, wie Kreislaufbeschwerden, Herzinfarkt, Unterzuckerung oder Hypothermie
  • Sucheinsätze bei vermissten Personen, häufig bei einbrechender Dunkelheit oder Schlechtwetter
  • Lawinenunfälle
  • Technische Bergungen, z.B. abgestürzte Personen in Fels, Geröll oder Schneefeldern
  • Wetterbedingte Notlagen, etwa durch Nebel, Sturm oder plötzliche Temperatureinbrüche
  • Hubschraubereinsätze mit Winde, wenn ein bodengebundener Zugang nicht möglich ist
  • Tierbergungen z.B. Nutztiere, insbesondere im Alm- oder Wandergebiet
  • Unterstützung anderer Einsatzkräfte bei Suchaktionen oder Evakuierungen
  • Einsätze der urbanen Höhenrettung, z.B. Rettung aus Höhen und Tiefen an Gebäuden, Einsatz von Drehleitern sowie Unterstützung bei der schonenden Rettung schwergewichtiger Patient:innen
 Info
Typische Verletzungsmuster
  • Bei Mountainbikenden sind häufig die oberen Extremitäten betroffen. Vor allem Schulter, Arm und Handgelenk
  • Bei Skifahrenden treten besonders oft Knie- und Beinverletzungen auf (z.B. Kreuzbandriss, Frakturen)
  • Wandernde, Kletternde oder Gleitschirmfliegende erleiden häufiger Wirbelsäulen-, Becken- oder Schädel-Hirn-Traumata. Meist infolge von Stürzen aus größerer Höhe
  • Lawinenopfer leiden häufig unter Hypothermie, Erstickung oder Thoraxverletzungen durch Schneemassen und Hindernisse

Aufbau der Bergwacht

Die Bergwacht ist in Deutschland in mehreren Landesverbänden organisiert, die jeweils Teil größerer Organisationen wie des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) oder eigenständiger Landesstrukturen sind. Zu den bekanntesten gehören die Bergwacht Bayern, die Bergwacht Schwarzwald und die Bergwacht Sachsen.

Die Gliederung erfolgt meist regional nach Berg- oder Einsatzgebieten, um eine möglichst schnelle Alarmierung und Anfahrt zu gewährleisten. Jede Region verfügt über Ortsgruppen oder Bereitschaften, die ehrenamtlich oder teils hauptamtlich besetzt sind. Die Alarmierung erfolgt über die integrierte Leitstelle des Rettungsdienstes, die nach Meldebild und Lage entscheidet, ob zusätzlich zur regulären Rettung auch die Bergwacht benötigt wird.

Zusammenspiel mit anderen Einsatzkräften

Eine erfolgreiche Bergrettung setzt enge Zusammenarbeit verschiedener Organisationen voraus. Häufig arbeiten Notfallsanitäter:innen, Notärzt:innen, Luftrettung, Feuerwehr und Polizei Hand in Hand.

Während die Bergwacht für den Zugang, die Sicherung und den Abtransport zuständig ist, übernehmen NotSan und Notärzt:innen die medizinische Versorgung. Bei Bedarf wird die Luftrettung hinzugezogen, um über eine Windenbergung einen schnellen Transport zu ermöglichen.

Auch die Polizei ist häufig beteiligt, etwa bei der Suche nach Vermissten oder Absturzunfällen.

Qualifikationen der Einsatzkräfte

Die Anforderungen an Bergretter:innen sind hoch. Sie müssen nicht nur über ausgeprägte körperliche Fitness, sondern auch über technisches Können und medizinisches Wissen verfügen.

Die Ausbildung umfasst in der Regel mehrere Schwerpunkte:

  • Alpinausbildung: Klettern, Sichern, Abseilen, Orientierung, Einsatz im Fels und Schnee
  • Lawinenkunde: Beurteilung der Lawinengefahr, Umgang mit LVS-Geräten (Lawinenverschüttetensuchgeräten), Suchstrategien und Bergungstechniken
  • Notfallmedizinische Ausbildung: erweiterte Kenntnisse in Traumaversorgung, Reanimation, Wärmeerhalt und Transportmedizin
  • Einsatz- und Führungslehre: Koordination, Kommunikation und Taktik im Gelände
 Tipp

Viele aktive Bergretter:innen sind gleichzeitig Rettungsfachkräfte oder medizinisch ausgebildetes Personal, wodurch eine enge Verbindung zwischen technischer und medizinischer Kompetenz entsteht. Regelmäßige Fortbildungen und Trainings, insbesondere unter realistischen Bedingungen, sind verpflichtend und sichern die hohe Qualität der Einsätze.

Im Gebirge kommen grundsätzlich drei Rettungsarten zum Einsatz:

  • Bodenrettung
  • Luftrettung
  • Kombinierte Boden-Luft-Rettungen

Welche Methode gewählt wird, hängt von Wetter, Gelände, Erreichbarkeit und Zustand der erkrankten Person ab.

Bodenrettung im Gebirge

Bei schlechtem Wetter, in Höhlen oder in besonders unwegsamem Gelände wird eine rein bodengebundene Rettung durchgeführt. In diesen Fällen ist ein Einsatz des Helikopters aufgrund von Sicht, Wind oder Vereisung nicht sicher möglich. Das Rettungsteam rückt dann zu Fuß zum Einsatzort aus, oft über längere und technisch anspruchsvolle Strecken.

Die Einsatzkräfte sind dabei in mehrere Gruppen eingeteilt:

  • Die Vorausgruppe übernimmt die technische Sicherung des Weges. Sie legt Fixseile, prüft Sicherungspunkte und bereitet den Zugang zur Einsatzstelle vor
  • Die Medizingruppe, bestehend aus dem oder der Notärzt:in und 1–2 Rettungskräften, folgt mit dem medizinischen Material und übernimmt die Erstversorgung der erkrankten Person
  • Die Transportgruppe sorgt schließlich für die technische Rettung und den Abtransport, meist mit speziellen Tragen oder Schneeschlitten 

In vielen Ländern werden die Bodenrettungskräfte von Bergwachten, Alpenvereinen oder vergleichbaren Organisationen rekrutiert und ausgebildet. Diese Einsätze sind körperlich besonders anspruchsvoll und erfordern eine enge Teamkoordination.

 Info

Da der logistische Aufwand groß und der Zeitbedarf hoch ist, machen reine Bodenrettungen nur etwa 5 % aller Bergrettungseinsätze aus. Sie bleiben jedoch ein wichtiger Bestandteil der alpinen Rettung, insbesondere dann, wenn Flugrettung nicht möglich ist.

Luftrettung

Struktur und Verfügbarkeit:

Im Alpenraum ist die Luftrettung flächendeckend organisiert. Sowohl staatliche als auch private Anbieter decken große Einsatzgebiete ab und gewährleisten eine schnelle Erreichbarkeit nahezu jedes Notfallortes.

Für hochalpine Einsätze werden zunehmend spezialisierte Rettungshubschrauber eingesetzt, die auch bei großer Höhe, starker Hitze oder stürmischem Wind sicher operieren können. Solche Bedingungen stellen hohe Anforderungen an Pilot:innen, Material und Taktik.

Typische Crewzusammensetzung:

Eine typische 4-Personen-Crew besteht aus:

  • Pilot:in
  • Rettungsfachkraft 
  • Notärzt:in
  • Windenoperator:in
 Merke

Alternativ kann eine dreiköpfige Crew eingesetzt werden, bei der bei Bedarf ein:e Spezialist:in für Bergrettung bereits vor dem Einsatz mit an Bord genommen wird, um technische Rettungsmaßnahmen oder Geländeeinschätzungen direkt vor Ort zu unterstützen.

Je nach Gelände, Wetter und Sicherheitslage gibt es mehrere Varianten der Luftrettung:

Landung am Notfallort:

  • Wenn die Landung am Einsatzort möglich ist, kann die Erstversorgung direkt am Boden erfolgen
  • Die erkrankte Person wird stabilisiert, anschließend in den Helikopter verladen und zum Krankenhaus geflogen

Schwebende Verladung (Hover-Load):

  • Im bis zu etwa 35° steilen Gelände können die Rettungskräfte aus dem schwebenden Helikopter aussteigen
  • Die erkrankte Person kann auch ggf. im Schwebeflug verladen werden 
Hover-Load

Windenrettung:

Windenrettung durch Helikopter
  • Wenn weder eine Landung noch eine Hover-Load möglich ist, erfolgt die Rettung über die Winde
  • Dabei werden der Notarzt oder die Notärztin und/oder Rettungskraft am Windenseil zur Unfallstelle abgelassen
  • Je nach Hubschraubertyp stehen Windenseile von 25, 50 oder bis zu 90 Metern zur Verfügung
  • Die erkrankte Person wird je nach Zustand mit Klettergurt, Rettungsweste, Rettungskorsett oder in einem Horizontalsack gesichert und anschließend gemeinsam mit dem Notarzt oder der Notärztin gerettet
  • Nach der Evakuierung erfolgt die Verladung an einem Zwischenlandeplatz in den Helikopter
 Info

Die meisten Winden sind nur für zwei Personen zugelassen, daher sind Gruppenevakuationen zeitaufwendig.

Kombinierte Luft-Boden-Rettung

Bei schlechtem Wetter oder eingeschränkter Sicht wird häufig eine kombinierte Luft-Boden-Rettung durchgeführt. Dabei bringt der Helikopter die Einsatzkräfte und das benötigte Material zunächst so weit wie möglich an die Einsatzstelle heran, meist bis unter die Wolken- oder Nebelgrenze.

Von dort steigen die Rettungskräfte zu Fuß zur eigentlichen Notfallstelle auf. Vor Ort wird die Wettersituation erneut beurteilt, um zu entscheiden, ob der Helikopter später zur technischen Rettung oder zum Transport nachrücken kann.

Ist ein Einflug weiterhin nicht möglich, wird die erkrankte Person bodengebunden unter die Nebelgrenze oder zu einem geeigneten Zwischenlandeplatz gebracht, wo die weitere medizinische Versorgung und der Abtransport erfolgen können.

Persönliche Schutzausrüstung der Rettungskräfte im alpinen Einsatz

Persönliche Schutzausrüstung der Rettungskräfte im alpinen Einsatz

Während eines Bergrettungseinsatzes müssen alle Rettungskräfte speziell für das alpine Gelände und extreme Witterungsbedingungen ausgerüstet sein.

Zur Grundausstattung gehören eine wetterfeste Einsatzbekleidung und steigeisenfeste Bergschuhe, die sicheren Halt auf Schnee, Eis und Fels bieten. Jede Einsatzkraft trägt zudem ständig einen Anseilgurt, um bei Bedarf gesichert werden oder sich selbstständig abseilen zu können, beispielsweise bei einer Windenrettung oder im steilen Gelände.

In hochalpinen Regionen oder während des Wintereinsatzes werden zusätzlich Steigeisen verwendet, um die Stand- und Trittsicherheit zu erhöhen. Ein kombinierter Schutz- und Funkhelm gewährleistet sowohl den Kopfschutz vor Steinschlag als auch eine ständige Funkverbindung zum Rettungshubschrauber, zur Einsatzleitung oder zu anderen Teammitgliedern.

Für kombinierte Luft-Boden-Einsätze oder rein terrestrische Rettungen sollte außerdem eine Tourenskiausrüstung am Stützpunkt verfügbar oder im Helikopter mitgeführt werden. Diese ermöglicht es, auch in verschneitem oder unwegsamem Gelände schnell und sicher zur Einsatzstelle zu gelangen.

Transportmittel der Bergrettung

Gebirgstrage:

Bei Bodenrettungen im alpinen Gelände wird häufig eine Gebirgstrage als Transportmittel eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine robuste Metalltrage, auf der die erkrankte Person, meist auf einer Vakuummatratze oder in einem Bergesack, sicher mit Gurten fixiert wird.

In dieser Position kann die Trage mithilfe von Seilsicherungssystemen von den Einsatzkräften gezogen, getragen oder kontrolliert abgelassen werden, selbst in steilem oder unwegsamem Gelände.

Für den Transport auf einfacheren Wegen kann an der Unterseite der Trage ein Rad befestigt werden. Dadurch lässt sich die Gebirgstrage leichter manövrieren und die körperliche Belastung für die Helfenden deutlich reduzieren.

Gebirgstrage

Rettungsschlitten (Akja):

Der Akja ist ein spezieller Transportschlitten, der vor allem auf Skipisten eingesetzt wird. Er ähnelt in seiner Funktion einer Gebirgstrage, besitzt jedoch eine glatte, kufenförmige Unterseite, mit der er über den Schnee gleiten kann.

Der Schlitten wird in der Regel von zwei Skifahrenden geführt, die den Akja mithilfe von Seilen und Griffstangen kontrollieren. Durch langsames, kontrolliertes Fahren kann der oder die erkrankte Person sicher ins Tal oder zur nächsten Liftstation transportiert werden.

Dort erfolgt anschließend die Umlagerung auf eine Gebirgstrage oder in ein Rettungsfahrzeug zur weiteren medizinischen Versorgung. 

Rettungsschlitten (Akja)

Physiologische Belastungen durch Höhe, Kälte und Wetter

Einsätze im Gebirge stellen für Patient:innen und Rettungskräfte eine besondere physiologische Herausforderung dar.

  • Mit zunehmender Höhe nimmt der Sauerstoffpartialdruck ab → dies kann zu Hypoxie, Kopfschmerzen, Schwindel oder Leistungsabfall führen
  • Kälte, Wind und Nässe wirken stark belastend auf den Körper → begünstigen eine rasche Auskühlung (Hypothermie) und beeinträchtigen die Feinmotorik sowie die Konzentrationsfähigkeit
  • Plötzliche Wetterumschwünge, starker Wind und Dunkelheit erschweren die Versorgung erheblich und erfordern ständige Anpassung der Taktik

Typische Verletzungen und Krankheitsbilder

Im alpinen Umfeld treten vor allem traumatische Verletzungen und Umwelt-Notfälle auf.

Häufige Befunde sind:

  • Polytraumata nach Stürzen aus großer Höhe
  • Absturzverletzungen mit Frakturen, Wirbelsäulen- oder Beckenbeteiligung
  • Hypothermie durch längeren Aufenthalt in Kälte oder Schnee
  • Verletzungen durch Lawinen wie Thoraxtrauma, Erstickung, Kälteexposition
  • Höhenbedingte Erkrankungen (z.B. Höhenkopfschmerz, akute Höhenkrankheit, Lungen- oder Hirnödem)
 Merke
Darüber hinaus spielen auch internistische Notfälle wie Kreislaufzusammenbrüche, Herzinfarkte oder Erschöpfungszustände eine wichtige Rolle. Vermehrt treten diese Notfälle bei älteren oder untrainierten Bergsportler:innen auf. 

Besonderheiten der Versorgung am Unfallort

  • Die medizinische Versorgung im Gebirge unterscheidet sich grundlegend von der im urbanen Umfeld
  • Die Ressourcen sind stark begrenzt. Oft steht nur das Material zur Verfügung, das von den Einsatzkräften getragen oder eingeflogen werden kann
  • Die Witterungsbedingungen beeinflussen die Durchführbarkeit medizinischer Maßnahmen. Kälte und Wind erschweren z.B. das Legen von Zugängen, Monitoring oder Beatmung.
  • Zudem ist die Transportzeit bis zur Klinik oft deutlich länger, was ein konsequentes Wärmemanagement und eine priorisierte Behandlung erfordert

Prioritäten in der alpinen Notfallmedizin

 Merke
In der alpinen Notfallmedizin gilt es, die richtige Balance zwischen sofortigem Transport („load and go“) und umfangreicher Behandlung am Unfallort („stay and play“) zu finden.
  • Grundsätzlich hat in schwierigem Gelände und bei instabilen Wetterbedingungen der schnelle Abtransport Vorrang, sofern die Vitalfunktionen gesichert sind
  • Nur lebensrettende Sofortmaßnahmen (z.B. Atemwegssicherung, Blutungskontrolle, Wärmeerhalt) werden direkt vor Ort durchgeführt
  • Bei stabilen Patient:innen oder komplizierten technischen Rettungen kann hingegen ein begrenztes „stay and play“ sinnvoll sein, etwa um eine sichere Immobilisation, Analgesie oder Stabilisierung vor einem längeren Transport vorzunehmen
 Tipp
Ziel: Immer die Balance zwischen medizinischer Notwendigkeit und taktischer Machbarkeit finden – unter Berücksichtigung von Sicherheit, Wetter, Gelände und Transportzeit.

Ausbildung in der Bergwacht

 Info

Die Ausbildung der Bergwacht-Einsatzkräfte folgt eigenen Ausbildungsrichtlinien und orientiert sich an den Empfehlungen der International Commission for Alpine Rescue (ICAR).

Ein zentrales Ausbildungszentrum ist das Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (BW-ZSA) in Bad Tölz, das 2008 eröffnet wurde. Diese moderne Trainingsanlage wird von allen Bergwacht-Landesverbänden sowie von Partnern der Gebirgs- und Luftrettung genutzt.

In der Simulationshalle können realistische Berg- und Luftrettungsszenarien unter kontrollierten Bedingungen trainiert werden. Eine bewegliche Hubschrauberzelle, kombiniert mit Wind-, Lärm- und Höhen­simulation, vermittelt ein authentisches Einsatzgefühl und schult das Risikobewusstsein der Einsatzkräfte.

Durch dieses Training kann die Bergwacht ihre Mitglieder praxisnah und sicher auf Einsätze bei Sturm, Dunkelheit, Kälte oder Regen vorbereiten und so Routine, Sicherheit und Leistungsfähigkeit für den realen Einsatz deutlich steigern.

Praktisches Training und medizinische Qualifikation

 Merke

Neben der Ausbildung in Trainingszentren ist auch das praktische Üben im alpinen Gelände unverzichtbar.

Nur durch regelmäßige Einsätze und Übungen unter realen Bedingungen können die Einsatzkräfte lernen, Gelände, Wetter und Gefahren richtig einzuschätzen und sicher zu handeln. Eine gute körperliche Fitness und eine hohe Vertrautheit mit dem Gebirge bei jeder Witterung sind entscheidende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bergrettung.

Für die ärztlichen Einsatzkräfte der Bergwacht bestehen in Deutschland spezielle interne Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme, die auf die besonderen Anforderungen der alpinen Notfallmedizin abgestimmt sind.

Ausbildungs- / WeiterbildungsinhaltZuständige Organisation / Träger
Zusatzweiterbildung NotfallmedizinLÄK 
Physische und psychische EignungBW-LV 
Basisausbildung Bergsteigen SommerBW-LV
Basisausbildung Bergsteigen WinterBW-LV
Grundausbildung SommerrettungBW-LV
Grundausbildung WinterrettungBW-LV
Grundausbildung LuftrettungBW-LV
Grundausbildung NaturschutzBW-LV
Prüfung SommerrettungBW-LV
Prüfung WinterrettungBW-LV
Prüfung LuftrettungBW-LV
Prüfung NaturschutzBW-LV
Jährliche Fortbildung NotfallmedizinBW-LV / LÄK
Jährliche Fortbildung LuftrettungBW-LV
Weiterbildung International Diploma in Mountain Medicine (DiMM)UIAA / ICAR / ISMM
Weiterbildung International Diploma in Mountain Emergency Medicine (MED)UIAA / ICAR / ISMM
  • LÄK: Landesärztekammer
  • BW-LV: Bergwacht-Landesverband
  • UIAA: Union International des Association dʼAlpinisme
  • ICAR: International Commission Alpine Rescue
  • ISMM: International Society for Mountain Medicine

Spezialisierte medizinische Ausbildung

 Info

Seit 2001 gibt es die international anerkannten Empfehlungen der ICAR zum „Diploma in Mountain Medicine (DiMM)“, das weltweit den Standard für medizinische Fachkräfte in der Berg- und Höhenrettung definiert.

Die Ausbildung zum „Diploma in Mountain Medicine (DiMM)“ umfasst rund 100 Stunden Theorie und Praxis in den Bereichen Alpin-, Höhen- und Expeditionsmedizin. Ergänzt wird sie durch eine umfassende alpintechnische Schulung im Sommer und Winter, bei der der sichere Umgang mit Seiltechnik, Schnee und Eis trainiert wird.

Nach bestandener Prüfung folgt eine weiterführende, etwa 40-stündige rettungstechnische Ausbildung zum „Mountain Emergency Doctor (MED)“. Dabei werden die Teilnehmenden zusätzlich in der Einsatz- und Luftrettung geschult, einschließlich der Arbeit am Rettungs- und Einsatzhubschrauber.

 Merke

Die Wasserrettung dient dem Schutz von Menschenleben und der Prävention von Bade- und Wassersportunfällen. 

Aufgabenbereiche des Wasserrettungsdienstes

Der Wasserrettungsdienst kann je nach Zuständigkeit und Auftrag in unterschiedlichen Verantwortungsbereichen tätig sein:

  • Wasserrettung in Selbstverantwortung:
    • Wenn kein öffentlicher oder privater Auftrag vorliegt, z.B. außerhalb bewachter Badebereiche oder kommunaler Zuständigkeiten
    • Dies betrifft häufig Einsätze an unbewachten Gewässern 
  • Wasserrettung im öffentlichen Auftrag:
    • An Badegewässern, Binnengewässern und kommunalen Freizeitanlagen arbeitet der Wasserrettungsdienst häufig im Auftrag der öffentlichen Hand
    • Dieser Auftrag ist entweder gesetzlich geregelt oder wird durch Kommunen, Landkreise oder Zweckverbände erteilt
    • Ziel ist die Sicherstellung des Wachdienstes und der Gefahrenabwehr
  • Wasserrettung im privaten Auftrag:
    • In Freibädern, Schwimmhallen oder auf privaten Wasserflächen übernehmen Wasserrettungsorganisationen die Überwachungs- und Sicherungsaufgaben auf Grundlage privatrechtlicher Vereinbarungen mit dem Betreiber
  • Ertrinkungsnotfälle in Seen, Flüssen
  • Eisrettung: Personen im Eis eingebrochen, Tiere auf Eis
  • Unfälle mit Booten
  • Sprung-/Tauchunfälle 
  • Hochwasser: Evakuierung, medizinische Lagen
  • Sucheinsätze auf Gewässern: Vermisstensuche

Aufbau der Wasserrettung

Die Wasserrettung wird in Deutschland regional unterschiedlich organisiert. Je nach Bundesland und Einsatzgebiet übernehmen Feuerwehren, die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) oder die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) diese Aufgaben.

Diese Organisationen verfügen über speziell ausgebildetes Personal und angepasste Ausrüstung, um Rettungseinsätze im und am Wasser sicher durchführen zu können.

Zusammenspiel mit anderen Einsatzkräften

Bei Bedarf wird die Wasserrettung zusätzlich durch die Luftrettung unterstützt. Beispielsweise zur Lageerkundung, Personensuche oder Evakuierung aus unzugänglichen Bereichen.

Qualifikation der Einsatzkräfte

Die Wasserrettung besteht aus verschiedenen Einsatzkomponenten, die je nach Lage, Art des Gewässers und regionaler Struktur in unterschiedlicher Zusammensetzung alarmiert werden.

Jede Komponente hat spezifisch ausgebildetes Fachpersonal und einen eigenen taktischen Einsatzwert, um eine effektive und sichere Rettung von Personen im und am Wasser zu gewährleisten.

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Komponenten der Wasserrettung und ihre jeweiligen Aufgabenbereiche:

EinsatzkomponenteFachpersonalTaktischer Einsatzwert
Führungsgruppen
  • Einsatzleiter:in
  • Truppführer:in
  • Gruppenführer:in
  • Zugführer:in
  • Führungsassistent:in
  • Sprechfunker:in
  • Führung und Koordination
  • Fachberatung von Stäben und anderen Führungsstellen der Gefahrenabwehr
  • Organisation von Information und Kommunikation
  • Durchführung der Gefährdungsbeurteilung
Bootsgruppen
  • Bootsführer:in
  • Bootspersonal:in
  • Transport von Patient:innen über das Wasser
  • Transport von Material und Personal zu schwer zugänglichen Gewässerstellen
  • Suche nach vermissten Personen
  • Wasserseitige Absicherung von Rettungsmaßnahmen
  • Bergung von Menschen und Sachgütern
  • Unterstützung von Tauchergruppen
Tauchergruppen
  • Einsatztaucher:in
  • Signalmänner / Signalfrauen
  • Rettung von Personen aus dem Wasser
  • Suche und Bergung unter Wasser
Strömungsrettergruppen
  • Strömungsretter:in
  • Suche und Rettung von Personen an und in Fließgewässern
  • Rettung aus schwer zugänglichen Gewässerbereichen
  • Einsatz seiltechnischer Hilfsmittel
  • Evakuierung von Personen aus Überschwemmungsgebieten
Hubschrauberunterstützte Wasserrettung
  • RTH-Besatzung
  • Rettung aus der Luft mithilfe der Seilwinde
  • Abwurf einer Sicherheitsboje zur Erstrettung
  • Schneller Transport von Wasserretter:innen an sonst nicht zugängliche Einsatzorte
Rettungsschwimmer
  • Rettungsschwimmer:in
  • Schwimmerische Rettung über kurze Distanzen
  • Einsatz mit Hilfsmitteln (z.B. Rettungsbrett, Rettungsboje)
Wasserrettungshundegruppen
  • Rettungshundeführer:in
  • Rettungshunde
  • Wasserortung (Ortung von Personen im Wasser)
  • Uferrand- und Flächensuche
  • Geruchsspurensuche
  • Suche in hochwassergefährdeten Gebäuden oder Trümmern
 Merke

Grundsätzlich gilt das stufenweise Vorgehen nach dem Prinzip „Reach – Throw – Row – Go“.

Zuerst wird versucht, die Person vom Ufer aus zu erreichen oder Hilfsmittel zuzuwerfen, bevor ein Boot oder schließlich geschulte Wasserretter:innen im direkten Wassereinsatz eingesetzt werden.

In besonderen Situationen, etwa bei Eisrettungen, Fließgewässern oder unzugänglichen Bereichen, kommen zusätzlich Hubschrauber, Tauchergruppen oder technische Suchmittel zum Einsatz.

RettungsmethodeBeschreibung / VorgehenBesonderheiten / Hinweise
Erreichen vom Ufer (Reach)
  • Kontaktaufnahme vom sicheren Ufer aus (Ansprechen, Beruhigen, Selbstrettung anleiten)
  • Einsatz von Reichhilfen wie Stangen, Wurfleine oder Rettungsgurt
  • Sicherste Methode für Einsatzkräfte
  • Erste Wahl, wenn Betroffene erreichbar sind
Werfen (Throw)
  • Einsatz von Rettungsringen, Rettungsbojen 
  • Ziel: Kontakt herstellen, Auftrieb geben, ans Ufer ziehen
  • Wurftraining erforderlich (Zielgenauigkeit)
  • Besonders geeignet bei stehenden oder langsam fließenden Gewässern
Bootseinsatz (Row)
  • Einsatz von Rettungs- oder Motorbooten, Schlauchbooten, Hovercrafts oder SUP-Boards
  • Annäherung über Wasser, Aufnahme über Bordkante
  • Nur durch ausgebildete Bootsführer:innen
  • Strömung, Wind und Wellengang beachten
  • Patient:innensicherung an Bord
Rettung im Wasser / Strömungsrettung (Go)
  • Aktive Rettung durch geschulte Wasserretter:innen oder Strömungsretter:innen
  • Gesichert mit Leinen, ggf. mit Flossen, Wurfsack, Board oder Schwimmhilfe
  • Hohes Risiko, nur durch speziell ausgebildetes Personal
  • Immer mit Sicherungsteam am Ufer
Eisrettung
  • Annäherung flach kriechend, über Leitern, Spineboard, Eisschlitten oder Rettungsleine, Person vorsichtig herausziehen
  • Lastverteilung beachten, keine plötzlichen Bewegungen
  • Wärmeerhalt sofort nach Rettung
Hubschrauberunterstützte Rettung
  • Abwurf einer Rettungsboje durch RTH/Polizeihubschrauber
  • Windenrettung aus dem Wasser, besonders bei Wehren oder unzugänglichen Uferzonen
  • Nur durch trainierte Luftrettungseinheiten
  • Gefahr durch Rotorabwind 
TaucheinsatzEinsatztaucher:in lokalisieren und bergen Personen unter Wasser oder in versunkenen Fahrzeugen / Objekten
  • Nur für spezialisierte Tauchergruppen
  • Hohe Anforderungen an Sicherheit und Kommunikation
Technische Unterstützung / Hilfsmittel
  • Einsatz von Drohnen, Sonargeräten, Wärmebildtechnik, Leitern, Seilzügen oder Rettungshunden zur Suche und Lokalisierung
  • Unterstützende Komponente 

Boje oder Rettungsgurt

Rettungsboje
  • Die Rettungsboje oder der Rettungsgurt dient als Auftriebshilfe für den Verunfallten oder die Verunfallte
  • Wasserretter:innen oder Strömungsretter:innen nähern sich der Person mit Sicherungsleine und reichen die Boje, um Panikgriffe zu vermeiden und einen sicheren Transport ans Ufer zu ermöglichen
  • Diese Technik ist besonders effektiv bei kurzen Distanzen und ruhigem oder mäßig bewegtem Wasser

Spineboard

  • Ist die verunfallte Person ansprechbar und besteht der Verdacht auf eine Kopf- oder Wirbelsäulenverletzung, beispielsweise nach einem Sprung in flaches Wasser, sollte die Rettung aus dem Wasser grundsätzlich so schonend wie möglich erfolgen
  • Bereits im Wasser kann die Person auf ein schwimmfähiges Spineboard gelagert werden
  • Diese Vorgehensweise ist in der Regel gut durchführbar und ermöglicht eine stabile Fixierung der Wirbelsäule, ohne sie unnötig zu belasten
  • So kann die erkrankte Person kontrolliert und sicher an Land oder in ein Boot übergeben werden, bevor die weitere medizinische Versorgung durch den Rettungsdienst erfolgt
Rettungsstange

Rettungsstange

  • Die Rettungsstange ist ein einfaches und effektives Hilfsmittel zur Rettung im Nahbereich, beispielsweise von Uferböschungen oder auch von Booten und Schiffen aus
  • Ihr Vorteil liegt in der schnellen Einsatzbereitschaft und leichten Handhabung, wodurch sie besonders für die Erstmaßnahme geeignet ist

Rettungsleine

  • Die Rettungsleine ist ein grundlegendes und vielseitig einsetzbares Hilfsmittel in der Wasserrettung
  • Sie dient dazu, Personen im Wasser aus sicherer Entfernung zu erreichen, zu sichern oder ans Ufer zu ziehen, ohne dass Einsatzkräfte selbst ins Wasser gehen müssen
 Tipp

In der Praxis wird häufig ein sogenannter Wurfbeutel verwendet. Dies ein kompakter Beutel, in dem eine schwimmfähige Leine (meist 15–25 m) verpackt ist. Der Beutel wird gezielt in Richtung der verunfallten Person geworfen. Diese kann die Leine ergreifen und sich damit an Land ziehen lassen oder wird vom Uferteam kontrolliert herangezogen.

Einsatz einer Rettungsleine

Auftriebshilfe für den Abwurf aus dem Hubschrauber:

  • Eine Auftriebshilfe ist ein kompaktes, aufblasbares System, das in der Wasserrettung eingesetzt wird
  • Es dient der Eigen- oder Fremdrettung und bietet schnelle Unterstützung bei Erschöpfung, Panik oder plötzlichem Kräfteverlust im Wasser
  • Das System bläst sich mithilfe einer CO₂-Patrone bei Wasserkontakt automatisch auf
  • Die betroffene Person kann sich anschließend an der Auftriebshilfe festhalten oder sie als sichtbare Markierung im Wasser nutzen
Auftriebshilfe

Pathophysiologie des Ertrinkens

  • Bei einem Ertrinkungsunfall sind in der Regel die Atemwege und die Atmung unmittelbar beeinträchtigt
  • In der frühen Phase des Ertrinkens führt das Einatmen von Wasser zu einem reflektorischen, parasympathisch vermittelten Laryngospasmus. Dieser schützt zunächst die Lunge, indem er das Eindringen von Wasser in die Atemwege verhindert
  • Durch den fehlenden Gasaustausch sinkt jedoch der Sauerstoffgehalt im Blut, während der CO₂-Spiegel ansteigt. Dies führt zu Hypoxie, Bewusstlosigkeit → Kreislaufstillstand
Pathophysiologie Ertrinkungsunfall
 Merke
Nasses vs. trockenes Ertrinken
  • Bei etwa 85 % der Ertrinkenden löst sich der Laryngospasmus in diesem Stadium wieder – noch bevor ein Herzstillstand eintritt → Wasser gelangt in Trachea und Lunge → nasses Ertrinken
  • Bleibt der Laryngospasmus bestehen → kein Wasser in die Lunge → die Betroffenen ersticken an anhaltender Atemwegsverlegung → trockenes Ertrinken

Therapie

Sicherung und Freimachen der Atemwege nach Ertrinkungsunfall:

Bei Patient:innen nach einem Ertrinkungsunfall steht die rasche und effektive Sicherung der Atemwege im Vordergrund, um Hypoxie und weitere Aspiration zu vermeiden. Das Vorgehen erfolgt strukturiert in mehreren Schritten:

  1. Mund- und Rachenraum absaugen und freimachen
    1. Wasser, Erbrochenes oder Fremdkörper werden aus den oberen Atemwegen entfernt, um einen freien Atemweg zu gewährleisten
  2. Ständige Absaugbereitschaft sicherstellen
    1. Während der gesamten Versorgung bleibt das Absauggerät betriebsbereit, da es immer wieder zu Sekret- oder Wasseraspiration kommen kann
  3. Initiale Beatmung durchführen
    1. Bei Atemstillstand erfolgen fünf Beutel-Maske-Beatmungen oder über eine supraglottische Atemwegshilfe, um eine rasche Oxygenierung zu erreichen
  4. Definitive Atemwegssicherung 
    1. Sobald die Bedingungen es zulassen, erfolgt die endotracheale Intubation zur sicheren Atemwegssicherung und zur Gewährleistung einer effektiven Beatmung
  5. Nach der Intubation
    1. Endotracheales Absaugen, um verbleibendes Wasser und Sekret zu entfernen
    2. Anlage einer Magensonde zur Entlastung des Magens und zur Verringerung des Aspirationsrisikos

Weitere Maßnahmen:

  • Bei Ertrinkungsopfern besteht häufig eine Hypothermie, die umgehend erkannt und behandelt werden muss, um weitere Kreislauf- und Stoffwechselstörungen zu verhindern
  • Nach der Rettung aus dem Wasser wird die nasse Kleidung vollständig entfernt und die betroffene Person in warme, trockene Materialien eingehüllt. Anschließend erfolgt der Transport in einen vorgewärmten Rettungswagen, um eine weitere Auskühlung zu vermeiden
  • Die Volumentherapie sollte an die Kreislaufsituation angepasst erfolgen
  • Parallel sind mögliche Begleitverletzungen, insbesondere Traumata durch Sturz, Sprung oder Eisbruch, zu erkennen und entsprechend zu behandeln

Ausbildung und Qualifikationen im Wasserrettungsdienst 

Der Wasserrettungsdienst deckt ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Sie reichen von der präventiven Aufsicht an Gewässern bis zur technischen Wasser- und Strömungsrettung. Entsprechend vielfältig sind die Ausbildungs- und Qualifikationswege für Einsatzkräfte.

Um im aktiven Wasserrettungsdienst eingesetzt zu werden, ist mindestens das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber erforderlich. Dieses bildet die Grundlage für weiterführende Qualifikationen und Spezialisierungen.

Am Beispiel der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V.) zeigt sich die Ausbildung in mehreren Stufen und Fachbereichen, die aufeinander aufbauen und sich je nach Einsatzschwerpunkt vertiefen lassen:

Modul-BezeichnungBeschreibung
Basisausbildung Einsatzdienste
  • Grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten aller Einsatzdienste
  • Sprechfunk
  • Prävention
  • Medizinische Grundfertigkeiten
Umgang mit Rettungsgeräten und Überwachung von Wasserflächen
  • Aufbaumodul für Rettungsgerät- und Überwachungs-Techniken bei Bade- und Wasserflächen
Schwimmen in fließenden Gewässern
  • Grundlegende Inhalte für Einsatzkräfte im Wasser- und Strömungsrettungsbereich
Einsatz in Küstengewässern
  • Aufbaumodul zu Gezeiten, Wellen, Wind, Sandbänken und Parallelströmung 
  • Befähigt für den Küsteneinsatz
Wasserretter
  • Qualifikation im Wasserrettungsdienst mit Motorrettungsbooten, Sicherheitszeichen, Einsatztechnik
Führungslehre Ausbildung
  • Grundlagenausbildung für Führungskräfte im Einsatzdienst
  • Nach Abschluss → Einsatz als Trupp- oder Gruppenführer:in möglich
Wachführer
  • Ausbildung zur Führung einer Wasserrettungsstation 
  • Einsatztaktische Aspekte
  • Jugendschutz
  • Arbeitssicherheit
Ausbilder Wasserrettungsdienst
  • Qualifikation zur Ausbildung von Wasserrettern
  • Umfangreiche Fach- und Praxiserfordernis nötig 
Multiplikator Wasserrettungsdienst
  • Weiterbildung für erfahrene Ausbilder:innen, die im Auftrag des Landes- oder Bundesverbandes tätig sind
Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
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