Der Bevölkerungsschutz in Deutschland basiert auf einer engen Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Während die Länder den Katastrophenschutz sicherstellen und die Kommunen die operative Umsetzung übernehmen, verantwortet der Bund den Zivilschutz. Beide Systeme sind eng miteinander verzahnt und ergänzen sich bei Bedarf.
Unter dem Sammelbegriff BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) werden alle Akteure des Bevölkerungsschutzes zusammengefasst, darunter, z.B.
- Feuerwehr
- Polizei
- Technisches Hilfswerk
- Rettungsdienst
- Hilfsorganisationen
InfoZentraler Schwerpunkt dieses Artikels ist die Struktur und Funktionsweise der Schnelleinsatzgruppen (SEG) sowie deren Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst.
Bevölkerungsschutz
Der Bevölkerungsschutz in Deutschland basiert auf einem mehrstufigen System aus Bund, Ländern und Kommunen:
- Der Bund ist zuständig für den Zivilschutz, also den Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall und bei länderübergreifenden Krisen. Koordiniert wird dies durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)
- Die Länder sind für den Katastrophenschutz verantwortlich. Jedes Bundesland verfügt über ein eigenes Katastrophenschutzgesetz, das Zuständigkeiten, Alarmierungswege und Führungsstrukturen regelt
- Die Kommunen (Landkreise, kreisfreie Städte) tragen die operative Verantwortung und richten die entsprechenden Einsatzstrukturen vor Ort ein
MerkeDer Rettungsdienst ist in der Regel keine klassische Katastrophenschutzeinheit, arbeitet aber eng mit diesen zusammen. Bei Großschadenslagen wird der Regelrettungsdienst um Katastrophenschutzeinheiten der Hilfsorganisationen ergänzt, um die Versorgung sicherzustellen.
Katastrophenschutz:
Wird ein Großschadensereignis so gravierend, dass zentrale Infrastrukturen zerstört oder stark beeinträchtigt sind, kann die zuständige Katastrophenschutzbehörde den Katastrophenfall ausrufen.
InfoEine Katastrophe wird somit, im Gegensatz zum Großschadensereignis, behördlich festgestellt.
Der Katastrophenschutz ist Ländersache und wird durch jeweilige Landeskatastrophenschutzgesetze geregelt. Bei Bedarf können die Länder Unterstützung vom Bund anfordern, der Material und Personal aus dem Zivilschutz bereitstellt. Umgekehrt können Katastrophenschutzeinheiten der Länder im Verteidigungsfall für den Bevölkerungsschutz eingesetzt werden.
Getragen wird der Katastrophenschutz in Deutschland vor allem von Feuerwehren und Hilfsorganisationen.
Zivilschutz:
Der Zivilschutz dient dem Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall und untersteht dem Bund. Einheiten des Katastrophenschutzes, beispielsweise eine Schnelleinsatzgruppe (SEG) sind Teil der bundesweiten Zivilschutzplanung. Da der Bund im Ernstfall auf diese Strukturen zurückgreift, unterstützt er die Länder bei Ausstattung und Ausbildung.
MerkeSo sind Katastrophenschutz (Länder) und Zivilschutz (Bund) eng miteinander verzahnt und unterstützen sich bei Bedarf gegenseitig.
- Massenkarambolagen oder Zugunglücke: vor allem Verletzte, oft über eine größere Fläche verteilt
- Naturereignisse (z.B. Stürme, Erdbeben): Verletzte an verschiedenen Orten
- Großbrände: Industriebrände, Brände in Gebäuden mit hoher Personenzahl (Wohnanlagen, Einkaufszentren) oder Waldbrände
- Großveranstaltungen (z.B. Public Viewing, Konzerte, Sportevents): Gefahr von Massenpaniken, viele unverletzte Personen erschweren die Übersicht
- Infektionen oder Lebensmittelvergiftungen (z.B. in Pflegeheimen, Hotels, auf Schiffen): viele Erkrankte in kurzer Zeit
- Amok- oder Terrorlagen: Verletzungen durch den Angriff selbst und durch mögliche Massenpaniken danach
Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)
DefinitionUnter dem Begriff BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) werden alle Einrichtungen zusammengefasst, die hoheitliche Aufgaben im Sicherheitsbereich wahrnehmen. Hierzu zählen beispielsweise:
- Feuerwehr
- Polizei
- THW
- Rettungsdienst
- Hilfsorganisationen
Sie alle arbeiten im Einsatzfall eng zusammen, unter einheitlichen Kommunikationsstrukturen (z.B. Digitalfunk BOS) und abgestimmten Führungsprinzipien.
InfoDie Hilfsorganisationen zählen nur insoweit zu den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), wie sie Aufgaben im Rettungsdienst oder Katastrophenschutz wahrnehmen.
DefinitionDer Rettungsdienst ist Teil der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) und gehört zur nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr.
Seine Aufgabe ist die schnelle und qualifizierte medizinische Versorgung von Notfallpatient:innen, die Durchführung lebensrettender Maßnahmen sowie der sichere Transport in geeignete Krankenhäuser.
Der Rettungsdienst handelt auf Grundlage der jeweiligen Landesrettungsdienstgesetze, da die Organisation und Durchführung Ländersache ist. Der Rettungsdienst erfüllt damit eine öffentliche Aufgabe im Auftrag der Länder oder Landkreise.
Strukturen des Rettungsdienstes
In Deutschland ist der Rettungsdienst föderal und regional unterschiedlich organisiert.
Er gliedert sich in zwei Hauptbereiche:
- Notfallrettung: Versorgung von Patient:innen mit akuter, lebensbedrohlicher Erkrankung oder Verletzung und deren Transport in ein Krankenhaus
- Krankentransport: Betreuung und Beförderung nicht akut erkrankter oder verletzter Personen unter fachgerechter medizinischer Aufsicht
Der Rettungsdienst kann in öffentlicher oder privater Trägerschaft betrieben werden.
Zu den typischen Trägern gehören:
- Landkreise und kreisfreie Städte
- Hilfsorganisationen
- Kommunale Feuerwehren
- Private Rettungsdienstunternehmen
InfoDie Rettungsleitstellen (Integrierte Leitstellen, ILS) koordinieren die Einsätze, alarmieren die benötigten Kräfte und gewährleisten die Verbindung zwischen Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz.
Rolle im Katastrophen- und Zivilschutz
Im Katastrophenschutz ist der Rettungsdienst für die medizinische Versorgung und Triage von Verletzten sowie den Patient:innentransport verantwortlich.
- Sichtung (Triage) und Versorgung von Verletzten nach medizinischer Dringlichkeit
- Einrichtung und Betrieb von Behandlungsplätzen
- Transport der Patient:innen in geeignete Kliniken
- Unterstützung bei Evakuierungen und medizinischer Betreuung
- Zusammenarbeit mit der Abschnittsleitung Gesundheit (ALG)
- Mitwirkung in Führungsstäben und bei der Gesamtkoordination medizinischer Maßnahmen
MerkeDer Rettungsdienst arbeitet eng mit Feuerwehr, THW, Polizei und Hilfsorganisationen zusammen.
Allgemeines zu Schnelleinsatzgruppen (SEG)
DefinitionDie Schnelleinsatzgruppen (SEG) sind ein wichtiger Teil des Katastrophenschutzes in Deutschland. Sie werden von den Hilfsorganisationen aufgestellt und bestehen überwiegend aus ehrenamtlichen Einsatzkräften, die speziell für Großschadensereignisse und Katastrophen ausgebildet sind.
- Eine SEG wird ergänzend zum Regelrettungsdienst eingesetzt, wenn dessen Kapazitäten nicht mehr ausreichen, beispielsweise bei einem MANV (Massenanfall von Verletzten), bei Evakuierungen, Naturkatastrophen oder lang andauernden Einsatzlagen
- Sie sind in unterschiedliche Module, z.B. Führung oder Behandlung gegliedert
- Die Alarmierung erfolgt in der Regel über die Integrierte Leitstelle (ILS)
- Je nach Lage arbeiten mehrere SEGen verschiedener Organisationen gemeinsam in Modulen oder Einsatzzügen
- Für überregionale oder besonders komplexe Schadenslagen können diese Einheiten zu Medizinischen Task Forces (MTF) zusammengeführt werden
Stärkeangabe:
Die personelle Besetzung einer Einheit oder Teileinheit wird in Form einer Stärkenangabe dargestellt. Diese besteht aus vier Zahlen, die durch Schrägstriche getrennt sind:
- Führung / Führungsunterstützung / Fachpersonal / Helfer:in = Gesamtstärke (3/1/5/9)
- Nicht besetzte Funktionen werden mit einem Bindestrich oder einer 0 angegeben
- Die Gesamtstärke kann unterstrichen oder fett hervorgehoben werden
Abkürzungen im Katastrophenschutz:
| Abkürzung | Bedeutung |
| ELW | Einsatzleitwagen |
| MTF/MTW | Mannschaftstransportfahrzeug |
| EGF | Einsatzgruppenfahrzeug |
| ZF | Zugführer:in |
| GF | Gruppenführer:in |
| PSNV | Psychosoziale Notfallversorgung |
| TF | Teamführung, Truppführer:in |
| GW | Gerätewagen |
Katastrophenschutzmodul Führung
Führungstrupp:
Die Einheit ist mit 4 Einsatzkräften besetzt:
- 1 Zugführer:in als Einheitsführer:in
- 1 Führungsassistent:in
- 2 Sprechfunker:in

Aufgaben:
Bei Einsätzen mit erhöhtem Koordinationsbedarf wird zur Unterstützung der Abschnittsleitung Gesundheit (ALG) ein Katastrophenschutzmodul Führung eingesetzt. Dieses Modul übernimmt die Führung der ihm unterstellten Einheiten im Einsatz.
MerkeEin Katastrophenschutzmodul Führung/ Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) sollte spätestens dann angefordert werden, wenn zwei oder mehr Katastrophenschutzmodule für einen Einsatz alarmiert werden.
Katastrophenschutzmodul Sanitätsdienst
SEG Behandlung:
Die Behandlungsgruppe setzt sich aus 12 Einsatzkräften zusammen:
- 1 Gruppenführer:in
- 3 Rettungssanitäter:in
- 8 Einsatzsanitäter:in, davon 3 als Kraftfahrer:in eingeteilt

Aufgaben:
- Die Behandlungsgruppe des Katastrophenschutzmoduls Sanitätsdienst versorgt verletzte Personen im Einsatzgebiet, leistet Erste Hilfe und führt Sofortmaßnahmen zur Abwendung lebensbedrohlicher Zustände sowie zur Herstellung der Transportfähigkeit durch
MerkeSie arbeitet dabei eng mit dem eingesetzten Rettungsdienst zusammen und handelt gemäß den Anweisungen der Abschnittsleitung Gesundheit (ALG).
SEG Transport:
Die Transportgruppe setzt sich aus 8 Einsatzkräften zusammen:
- 1 Arzt/Ärztin
- 2 Rettungssanitäter:in
- 1 mit der Qualifikation als Gruppenführer:in
- 5 Einsatzsanitäter:in, davon 3 als Kraftfahrer:in eingeteilt

Aufgaben:
- Das Katastrophenschutzmodul Sanitätsdienst dient der medizinischen und ärztlichen Versorgung von Verletzten und Erkrankten und kann darüber hinaus Transportaufgaben übernehmen
- Die ärztlichen Maßnahmen werden durch den abgesetzten Arzttrupp durchgeführt, während der Transport von Verletzten und Erkrankten in die festgelegten Zielkrankenhäuser von der Transportgruppe übernommen wird
MerkeDurch die Aufteilung der Sanitätskräfte in eine Behandlungsgruppe und eine arztbesetzte Transportgruppe ist es möglich, parallel zwei Aufgabenbereiche abzudecken.
Katastrophenschutzmodul Betreuungsdienst
SEG Unterkunft:
Die Unterkunftsgruppe besteht aus 6 Einsatzkräften:
- 1 Gruppenführer:in
- 2 Betreuungshelfer:in mit Fachausbildung PSNV
- 3 Betreuungshelfer:in mit Grundausbildung PSNV
- Davon 2 Kraftfahrer:in

Aufgaben:
- Das Katastrophenschutzmodul Betreuung übernimmt die Betreuung unverletzter Betroffener sowie gegebenenfalls leicht verletzter, gehfähiger Patient:innen im Schadensfall. Weiterhin kann das Modul Unterkünfte einrichten und betreiben
- Ist die Einrichtung einer Betreuungsstelle oder eines Betreuungsplatzes erforderlich, wird die Gruppe Unterkunft von der Gruppe Betreuung unterstützt. In diesem Fall werden die Helfer der SEG Betreuung Teil der SEG Unterkunft
SEG Betreuung:
Die Unterkunftsgruppe besteht aus 6 Einsatzkräften:
- 1 Gruppenführer:in
- 2 Betreuungshelfer:in mit Fachausbildung PSNV
- 3 Betreuungshelfer:in mit Grundausbildung PSNV
- Davon 2 als Kraftfahrer:in

Aufgaben:
- Die Gruppe Betreuung übernimmt die Betreuung und Versorgung von Betroffenen sowie von leicht verletzten Patient:innen
- Sie kann zudem im Behandlungsplatz (BHP) unterstützend mitwirken und bei der Ausgabe sowie Verteilung von Versorgungsgütern eingesetzt werden
- Das Katastrophenschutzmodul Betreuung sorgt insgesamt für die Betreuung unverletzter oder leicht verletzter, gehfähiger Personen im Schadensfall und trägt damit wesentlich zur psychosozialen und materiellen Unterstützung der Betroffenen bei
MerkeDurch die Aufteilung der Betreuungskräfte in eine Gruppe Unterkunft und eine Gruppe Betreuung ist es möglich, gleichzeitig zwei Aufgabenbereiche abzudecken.
- Die Gruppe Unterkunft ist für das Einrichten, Betreiben und Verwalten von Unterkünften zuständig
- Beide Gruppen können zudem bei der Ausgabe und Verteilung von Versorgungsgütern mitwirken
SEG Verpflegung / Katastrophenschutzmodul Verpflegungsdienst
Die Verpflegungsgruppe besteht aus 9 Einsatzkräften:
- 1 Gruppenführer:in
- 1 Feldkoch/-köchin
- 7 Verpflegungshelfer:in
- Davon 2 als Kraftfahrer:in eingeteilt

Aufgaben:
- Das Katastrophenschutzmodul Verpflegungsdienst ist für die Verpflegung von Betroffenen und Einsatzkräften im Schadensfall zuständig
- Die Verpflegungsgruppe übernimmt die Zubereitung und Ausgabe von Mahlzeiten sowie die Getränkeversorgung für betreute Personen, Verletzte, Erkrankte und die Einsatzkräfte
DefinitionDie Polizei ist eine Behörde des Staates und gehört zur vollziehenden Gewalt (Exekutive). Ihre Aufgaben sind der Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, die Abwehr von Gefahren, die Verhütung und Verfolgung von Straftaten sowie die Hilfeleistung in Notlagen.
Sie handelt auf Grundlage gesetzlicher Befugnisse und ist damit Träger hoheitlicher Gewalt.
Strukturen der Polizei
In Deutschland sind die polizeilichen Zuständigkeiten föderal organisiert, was sich aus dem Grundgesetz ergibt. Daher existiert keine einheitliche „Gesamtorganisation Polizei“, sondern es gibt mehrere Polizeibehörden auf Bundes- und Landesebene.
- Die Bundespolizei nimmt bestimmte Aufgaben mit bundesweiter Bedeutung wahr, insbesondere in den Bereichen Grenzschutz, Bahnpolizei und Luftsicherheit
- Daneben bestehen die 16 Landespolizeien der Bundesländer mit ihren jeweiligen Landeskriminalämtern (LKA)
MerkeIm Einsatzgeschehen arbeitet der Rettungsdienst in der Regel mit der zuständigen Landespolizei zusammen.
Rolle im Katastrophen- und Zivilschutz
Auch wenn die Polizei in erster Linie Aufgaben der Gefahrenabwehr, Strafverfolgung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit wahrnimmt, spielt sie im Katastrophen- und Zivilschutz eine wichtige unterstützende Rolle.
Ihre Aufgaben umfassen insbesondere:
- Absperr- und Sicherungsmaßnahmen im Schadensgebiet
- Regelung und Umleitung des Verkehrs
- Evakuierungsmaßnahmen und Schutz der Bevölkerung
- Unterstützung der Einsatzleitung bei der Lageerkundung und Gefahreneinschätzung
- Koordination mit Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutzbehörden
- Straf- und Ursachenermittlung bei Ereignissen mit Verdacht auf menschliches Verschulden
Im Zivilschutz hat die Polizei vor allem Sicherungs-, Ordnungs- und Schutzaufgaben. Dazu gehören:
- Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in Krisenlagen
- Schutz kritischer Infrastrukturen (z.B. Energieversorgung, Verkehr, Kommunikationswege)
- Bekämpfung von Sabotage, Terrorismus und Spionage
- Unterstützung anderer Zivilschutzkräfte bei der Gefahrenabwehr und Evakuierung
DefinitionDie Feuerwehr ist eine gemeindliche Einrichtung und Teil der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Ihre Hauptaufgaben sind die Brandbekämpfung, die Technische Hilfeleistung, der Umweltschutz sowie die Rettung von Menschen und Tieren aus Gefahrensituationen.
Sie handelt auf Grundlage der jeweiligen Landesgesetze über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz und nimmt damit hoheitliche Aufgaben im Auftrag der Kommune oder des Landes wahr.
Strukturen der Feuerwehr
In Deutschland ist das Feuerwehrwesen kommunal organisiert und damit Ländersache.
Es existiert keine bundesweit einheitliche Feuerwehr, sondern ein föderales System, das sich aus freiwilligen, hauptamtlichen und Werkfeuerwehren zusammensetzt.
Man unterscheidet:
- Freiwillige Feuerwehren: sie bilden das Rückgrat des abwehrenden Brandschutzes in Deutschland. Ihre Mitglieder sind ehrenamtlich tätig und stellen den größten Teil der Einsatzkräfte im Feuerwehrwesen → ca. 1.014.953 Mitglieder
- Berufsfeuerwehren: in größeren Städten mit hoher Einsatzdichte übernehmen hauptamtliche Kräfte den Brandschutz, die technische Hilfeleistung und (teilweise) den Rettungsdienst → ca. 35.754 Mitglieder
- Werkfeuerwehren: diese Feuerwehren sind betriebsintern organisiert und schützen Industrie-, Energie- oder Chemiebetriebe vor spezifischen Gefahren innerhalb des Werksgeländes → ca. 33.616 Mitglieder
- Jugendfeuerwehren: sie dienen der Nachwuchsgewinnung und Ausbildung junger Mitglieder und vermitteln frühzeitig Kenntnisse im Brandschutz, in der Ersten Hilfe und im Teamgeist → ca. 332.442 Mitglieder
Darüber hinaus bestehen in jedem Bundesland Landesfeuerwehrschulen zur Aus- und Fortbildung sowie Landesfeuerwehrverbände als Interessenvertretung.
Rolle im Katastrophen- und Zivilschutz
Die Feuerwehr ist eine zentrale Säule des Katastrophenschutzes und bildet gemeinsam mit Rettungsdienst, THW und Hilfsorganisationen das operative Rückgrat im Bevölkerungsschutz.
Ihre Aufgaben im Katastrophenschutz umfassen insbesondere:
- Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung
- Menschenrettung aus Gefahrenlagen
- Einsatzleitung und Koordination technischer Maßnahmen im Schadensgebiet
- Absicherung und Räumung gefährdeter Bereiche
- Erkundung, Messung und Bewertung von Gefahrstoffen (ABC-Einsatz)
- Zusammenarbeit mit anderen BOS, insbesondere im Rahmen von Führungsstäben
- Unterstützung bei Evakuierungen und Versorgung der Bevölkerung
Im Zivilschutz hat die Feuerwehr vor allem technisch-operative und schützende Aufgaben. Dazu gehören:
- Bekämpfung von Bränden nach Angriffen oder Katastrophen
- Beseitigung von Trümmern und technischen Gefahrenquellen
- Aufbau und Betrieb von Notversorgungsstrukturen (z.B. Wasser, Energie, Beleuchtung)
- Schutz kritischer Infrastrukturen und Unterstützung der Bevölkerung bei der Selbsthilfe
- Zusammenarbeit mit Bundes- und Landesbehörden im Rahmen des Bevölkerungsschutzes
MerkeDurch ihre flächendeckende Präsenz, ihre technische Ausstattung und ihre ausgebildeten Einsatzkräfte ist die Feuerwehr sowohl im Katastrophen- als auch im Zivilschutz eine tragende operative Kraft.
DefinitionDas Technische Hilfswerk (THW) ist eine Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI). Es ist Teil der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) und übernimmt vor allem technische und logistische Aufgaben im Katastrophen- und Zivilschutz.
Die Hauptaufgaben des THW sind die technische Hilfeleistung bei Unglücksfällen, Katastrophen und öffentlichen Notständen, sowohl im Inland als auch im Ausland.
Es handelt auf Grundlage des THW-Gesetzes und nimmt damit hoheitliche Aufgaben des Bundes wahr.
Strukturen des THW
Das Technische Hilfswerk ist bundesweit einheitlich organisiert und gliedert sich in eine dreistufige Struktur aus:
- Bundesebene: THW-Leitung in Bonn (strategische und organisatorische Gesamtverantwortung)
- Landesebene: acht Landesverbände, zuständig für Koordination und Unterstützung der Regionalstellen
- Ortsebene: ungefähr 668 Ortsverbände, in denen die operativen Einsatzkräfte organisiert sind
InfoEtwa 98 % der rund 80.000 Angehörigen des THW arbeiten ehrenamtlich, lediglich etwa 2 % sind hauptamtlich tätig (z.B. in Verwaltung, Ausbildung und Führung).

Die Ortsverbände setzen sich aus mehreren Technischen Zügen zusammen, die wiederum in Fachgruppen mit spezifischen Einsatzschwerpunkten gegliedert sind:
- Fachgruppe Bergung: Rettung und technische Hilfeleistung bei Trümmerlagen
- Fachgruppe Infrastruktur: Wiederherstellung von Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung
- Fachgruppe Notversorgung / Notinstandsetzung: logistische Unterstützung und Materialversorgung
- Fachgruppe Wassergefahren: Arbeiten auf, an und unter Wasser
- Fachgruppe Ortung: Suche und Lokalisierung verschütteter Personen
- Fachgruppe Räumen: Beseitigung von Trümmern und Hindernissen mit schweren Geräten
TippZusätzlich bestehen Fachgruppen Führung / Kommunikation sowie Logistikgruppen, die die übergeordneten Einsatzstäbe unterstützen.
InfoDie aufgeführten Fachgruppen stellen lediglich eine Auswahl dar. Ferner verfügt das THW über weitere Fachgruppen mit spezialisierten Einsatzschwerpunkten.
Rolle im Katastrophen- und Zivilschutz
Im Katastrophenschutz übernimmt das Technische Hilfswerk vielfältige technische und logistische Aufgaben, um die Arbeit anderer Einsatzkräfte zu unterstützen und die Folgen von Schadensereignissen zu begrenzen.
- Technische Hilfeleistung bei Naturkatastrophen, Gebäudeeinstürzen oder Großschadenslagen
- Rettung und Bergung von Personen aus Trümmern, Wasser oder Gefahrenbereichen
- Instandsetzung kritischer Infrastruktur, z.B. Strom-, Wasser- und Abwassernetze
- Bereitstellung von Notstrom, Beleuchtung und technischer Infrastruktur
- Unterstützung bei Evakuierungen und Logistikaufgaben
- Führung und Kommunikation im Einsatz durch eigene Fachgruppen
- Unterstützung anderer BOS bei lang andauernden oder großflächigen Schadenslagen
Im Zivilschutz trägt das THW zur technischen Sicherung und Aufrechterhaltung der staatlichen und zivilen Infrastruktur bei und unterstützt andere Organisationen bei Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung.
- Technische und logistische Unterstützung anderer Zivilschutzkräfte
- Sicherung und Wiederherstellung lebenswichtiger Infrastruktur nach Krisen oder Angriffen
- Unterstützung bei Evakuierungen und Bevölkerungsschutzmaßnahmen
- Internationale Katastrophenhilfe im Auftrag der Bundesregierung (z. B. nach Erdbeben, Überschwemmungen oder Explosionen im Ausland)
InfoDas THW kann darüber hinaus im Ausland auf Anforderung der Europäischen Union oder der Vereinten Nationen (UN) tätig werden.
Rechtliche und organisatorische Grundlagen:
- Bevölkerungsschutz basiert auf einem mehrstufigen System aus Bund, Ländern und Kommunen:
- Der Bund ist zuständig für den Zivilschutz
- Die Länder sind für den Katastrophenschutz verantwortlich
- Die Kommunen (Landkreise, kreisfreie Städte) tragen die operative Verantwortung und richten die entsprechenden Einsatzstrukturen vor Ort ein
- Katastrophe = behördlich festgelegt
- Zivilschutz dient dem Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall
MerkeDer Rettungsdienst ist in der Regel keine klassische Katastrophenschutzeinheit, arbeitet aber eng mit diesen zusammen. Bei Großschadenslagen wird der Regelrettungsdienst um Katastrophenschutzeinheiten der Hilfsorganisationen ergänzt, um die Versorgung sicherzustellen.
Typische Szenarien:
- Massenkarambolagen oder Zugunglücke
- Naturereignisse
- Großbrände
- Großveranstaltungen
- Infektionen oder Lebensmittelvergiftungen
- Amok- oder Terrorlagen
Strukturen und Akteure:
DefinitionUnter dem Begriff BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) werden alle Einrichtungen zusammengefasst, die hoheitliche Aufgaben im Sicherheitsbereich wahrnehmen. Hierzu zählen beispielsweise:
- Feuerwehr
- Polizei
- THW
- Rettungsdienst
- Hilfsorganisationen
Beispielhafte Aufgaben der einzelnen Akteure im Katastrophenfall:
- Rettungsdienst:
- Medizinische Versorgung
- Transport von erkrankten Personen
- Polizei:
- Gefahrenabwehr
- Absperr- und Sicherungsmaßnahmen
- THW:
- Technische Hilfeleistung
- Rettung und Bergung
- Hilfsorganisationen:
- Verschiedene Schnelleinsatzgruppen (SEG) mit unterschiedlichen Aufgaben:
- Führung
- Transport
- Behandlung
- Unterkunft
- Betreuung
- Verpflegung
- Verschiedene Schnelleinsatzgruppen (SEG) mit unterschiedlichen Aufgaben:
- Meyer L. Schnittstelle Rettungsdienst – THW: Was kann „blauer“ Bevölkerungsschutz leisten?. retten! 2025; 14(01): 6 - 9. doi:10.1055/a-2229-6796
- Koch, S., Kuhnke, R: retten - Notfallsanitäter, Thieme, 2023, ISBN: 978-3132421219
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Die Medizinische Task Force des Bundes (Zugriff am 25.10.2025)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (Zugriff am 25.10.2025)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Rahmenkonzept Medizinische Task Force (Zugriff am 25.10.2025)


