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BGA-Fallbeispiel 4

6 Minuten Lesezeit

In der zentralen Notaufnahme wird dir über den Schockraum ein 70-jähriger Patient mit starken analen Blutabgängen vorgestellt. Die orientierende Untersuchung ergibt folgenden Befund:

  • Atemwege frei, erhöhte Atemfrequenz (31/min.) und tiefe Atemzüge
  • Blutdruck 75/40 mmHg, Puls 112/min. (Sinusrhythmus)

Als Vorerkrankung sei eine ausgeprägte Divertikulose bekannt.

Dir liegt folgende venöse BGA vor:

BGA-Fallbeispiel: metabolische Laktatazidose bei hämorrhagischem Schock
Algorithmus zur Bewertung des pH-Wertes

Metabolische Laktatazidose bei hämorrhagischem Schock

BGA-Fallbeispiel: metabolische Laktatazidose bei hämorrhagischem Schock

Blutgase: Der pO2- und der pCO2-Wert sind erniedrigt. Es gilt zu beachten, dass dies eine venöse BGA ist und die Blutgase sowie die Sauerstoffsättigung somit nur eingeschränkt beurteilbar sind.

Säure-Basen-Status: Der pH-Wert ist erniedrigt. Es besteht eine Azidose. Da das pCO2 und das Standard Bicarbonat erniedrigt sind, liegt eine metabolische Azidose vor. Das verminderte pCO2 spricht für eine respiratorische Kompensation. Klinisch ist diese an der erhöhten Atemfrequenz und den tiefen Atemzügen zu erkennen (Kußmaul-Atmung). Bei einer metabolischen Azidose hilft die Anionenlücke zur weiteren Differenzierung. Diese ist mit 25,1 mmol/L vergrößert. Differenzialdiagnostisch können nun anhand des Akronyms KUSMEL verschiedene Ursachen erwogen werden. Das L steht für Laktat, dieses findet man in der BGA unter Metabolite.

Oxymetrie: Die Sauerstoffsättigung ist reduziert. Es gilt zu beachten, dass dies eine venöse BGA ist und die Blutgase sowie die Sauerstoffsättigung somit nur eingeschränkt beurteilbar sind. Der Hb-Wert und der Hämatokrit sind deutlich erniedrigt. Es besteht eine ausgeprägte Anämie.

Elektrolyte: Es liegen keine Elektrolytstörungen vor.

Metabolite: Das Laktat ist mit 8,9 mmol/L stark erhöht.

Beurteilung: In diesem Fall besteht eine metabolische Laktatazidose. Der Patient hat eine gastrointestinale Blutung, z. B. eine Divertikelblutung. Die Blutdruckwerte deuten auf einen Schock hin. Aufgrund des stark erniedrigten Hb-Wertes, ist von einem hämorrhagischen Schock auszugehen. Die Minderperfusion des peripheren Gewebes führt zu einer Hypoxie. Somit kommt es zur anaeroben Glykolyse und zu einer Laktatämie. Durch das vermehrt anfallende Laktat resultiert eine metabolische Azidose. Kompensatorisch kommt es zu einer vermehrten Abatmung von CO2. Das verminderte CO2 spricht somit für eine respiratorische Kompensation.

Mögliche nächste Schritte: Der Patient sollte primär hämodynamisch durch eine Volumengabe stabilisiert werden. Anschließend sollte eine kausale Therapie der Blutung erfolgen. Im Falle einer hämodynamisch relevanten Blutung sollte die Gabe eines Erythrozytenkonzentrates (EK) erfolgen. Ein EK hebt den Hb-Wert um 1 g/dl. Bei einer chronischen oder nicht hämodynamisch relevanten Anämie wird die EK-Gabe unter 7 g/dl empfohlen. Hierüber ist die Indikation abhängig von der Klinik und den Risikofaktoren zu stellen.

 Info
Blutprodukte
Indikation für eine Bluttransfusion

Hb <7 g/dl: empfohlen

Hb 7-7,9 g/dl: wenn Anämiezeichen oder Risikofaktoren vorliegen

Hb 8-9,9 g/dl: wenn Anämiezeichen vorliegen

Hb >10 g/dl: keine Transfusion

  • Weitere BGA-Fallbeispiele findest du im Ordner BGA-Fallbeispiele
  • Die Grundlagen der BGA-Auswertung kannst du hier lernen: BGA-Auswertung
  • Oxymetrie
  • Hämorrhagischer Schock
  • Gastrointestinale Blutung
  • Bluttransfusion
  • Laktat
Zuletzt aktualisiert am 10.02.2025
BGA-Fallbeispiel 3
BGA-Fallbeispiel 5
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