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BGA-Fallbeispiel 5

6 Minuten Lesezeit

Es wird eine 74-jährige Patientin in der Notaufnahme vorgestellt. Sie sei im Pflegeheim aufgrund eines reduzierten Allgemeinzustandes aufgefallen. Anamnestisch berichtet die Patientin, dass sie in den letzten Tagen mehrfach erbrochen habe. In der klinischen Untersuchung präsentiert sich eine vigilanzgeminderte Patientin mit stehenden Hautfalten und trockenen Schleimhäuten. Der Blutdruck liegt bei 110/70 mmHg und die Herzfrequenz bei 95/min.

BGA-Fallbeispiel: metabolische Alkalose bei gastrointestinalem Infekt
Algorithmus zur Bewertung des pH-Wertes

Metabolische Alkalose bei gastrointestinalem Infekt

BGA-Auswertung: metabolische Alkalose bei gastrointestinalem Infekt

Blutgase: Der pO2- und der pCO2-Wert sind für eine venöse BGA normwertig.

Säure-Basen-Status: Der pH-Wert ist erhöht. Es besteht eine Alkalose. Da das pCO2 normwertig ist und das Standard-Bicarbonat sowie der Base-Excess erhöht sind, liegt eine metabolische Alkalose vor.

Oxymetrie: Der Hämatokrit ist erhöht.

Elektrolyte: Es besteht eine Hypernatriämie und eine Hypochloridämie sowie eine Hypokaliämie.

Metabolite: Das Laktat ist mit 2,1 mmol/L leicht erhöht.

Beurteilung: In diesem Fall besteht eine metabolische Alkalose. Die klinische Untersuchung lässt auf eine Exsikkose rückschließen. Hierdurch kommt es zu einer sogenannten Kontraktionsalkalose. Es liegt eine intravasale Hypovolämie und somit eine Konzentrierung des Blutes und der gelösten Stoffe vor. Aufgrund der Konzentrierung des Blutes kommt es zu einem Anstieg des Hämatokrits und des Natriums. Es liegt somit kein echter Natriumüberschuss, sondern lediglich eine Konzentrierung vor.

Hypovolämische Hypernatriämie (Exsikkose)
 Tipp

Bei einer Hypo- oder Hypernatriämie sollte man immer den Flüssigkeitshaushalt des/der Patient:in beurteilen.

Die Hypokaliämie ist durch die Alkalose bedingt.

Die Exsikkose ist am ehesten aufgrund des Erbrechens und einer reduzierten Flüssigkeitsaufnahme bedingt. Hierdurch kommt es zu einem Flüssigkeitsverlust und durch das Erbrechen zusätzlich zu einem Verlust von Magensäure (Salzsäure=HCl). Es resultiert eine Hypochloridämie, die über den Mechanismus einer sogenannten Chlorid-depletion-alkalosis weiter zur metabolischen Alkalose beiträgt (Chlorid wird gegen Bicarbonat ausgetauscht - Hypochloridämie = Alkalose). Ebenfalls führt der Verlust von sauren H+-Ionen zu einer Verstärkung der Alkalose.

Der erhöhte Laktatwert weist auf eine periphere Minderdurchblutung durch die Exsikkose hin.

Mögliche nächste Schritte: Die entscheidende Therapie besteht in einer Flüssigkeitssubstitution. Hierdurch kommt es zu einem Ausgleich der Elektrolyte und einer Normalisierung des Säure-Basen-Status. Die Volumensubstitution sollte an den klinischen Zustand der Patientin und unter Beachtung der Natriumwerte angepasst werden. Innerhalb von 24 Stunden sollte der Natriumwert um maximal 6-8 mmol/L steigen bzw. fallen.

  • Weitere BGA-Fallbeispiele findest du im Ordner BGA-Fallbeispiele
  • Die Grundlagen der BGA-Auswertung kannst du hier lernen: BGA-Auswertung
  • Hypernatriämie
  • Hypokaliämie
  • Hypochloridämie
  • Für ein praktisches EKG-Fallbeispiel mit einer Sinustachykardie zum Üben der EKG-Auswertung siehe: EKG-Fallbeispiel 22
Zuletzt aktualisiert am 05.02.2025
BGA-Fallbeispiel 4
BGA-Fallbeispiel 6
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