Die Großhirnrinde ist auch in funktionelle Bereiche unterteilt, die als Brodmann-Areale bekannt sind. Diese Einteilung basiert auf der zytoarchitektonischen Struktur der Rinde, die sich in unterschiedlichen Regionen in ihrer Zelldichte und -anordnung unterscheidet. Diese Areale sind mit verschiedenen spezifischen Funktionen verknüpft. Die Brodmann-Areale bilden somit die Grundlage für das Verständnis der funktionalen Organisation des Gehirns.
Funktionelle Rindenzentren:

| Rindenfeld | Brodmann-Areal und Lage | Funktion | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Primär motorischer Cortex | Brodmann-Areal 4, Frontallappen, Gyrus praecentralis | Steuerung der willkürlichen Motorik der kontralateralen Körperhälfte, v. a. Feinmotorik von Hand, Gesicht, Zunge; Kontrolle der willkürlichen Blasenentleerung | Somatotope Gliederung als motorischer Homunculus, mit überproportionaler Repräsentation feinmotorischer Körperregionen (siehe nächste Seite) |
| Prämotorischer & supplementär motorischer Cortex | Brodmann-Areal 6, Frontallappen | Planung und Ausführung komplexer Bewegungsabläufe, vor allem durch sensorische Reize ausgelöste Bewegung | Somatotope Gliederung |
| Frontaler Assoziationskortex | Brodmann-Areale 9–11, Frontallappen, Gyrus frontalis sup./med./inf. | Motorische Planung, Persönlichkeit, Sozialverhalten, langfristige Handlungssteuerung | Verantwortlich für Selbstkontrolle, Motivation, Vernunft; Schädigung kann Persönlichkeitsveränderung auslösen und Assoziationsdenken und logisches Denken beeinträchtigen |
| Frontales Augenfeld | Brodmann-Areal 8, Frontallappen | Steuerung willkürlicher, koordinierter Augenbewegungen | Sorgt für gleichgerichtete Bewegung beider Augen (Konjugation) |
| Primär somatoafferenter Cortex | Brodmann-Areale 1–3, Parietallappen, Gyrus postcentralis | Verarbeitung sensibler Reize aus Haut, Zunge, Muskelspindeln Gleichgewichtsorgan und Gelenk- und Sehnenrezeptoren | Somatotope Gliederung als sensorischer Homunculus, Informationen kommen aus kontralateraler Körperhälfte |
| Sekundärer somatoafferenter Cortex & parietaler Assoziationskortex | Brodmann-Areale 5 und 7, Parietallappen | Interpretation sensibler Reize aus dem primären sensiblen Cortex, Raumorientierung und Bewegungsplanung durch parietalen Assoziationskortex | Seitenasymmetrie: Läsion führt je nach Hemisphäre zu Apraxie oder Neglect |
| Motorisches Sprachzentrum (Broca) | Brodmann-Areale 44–45, Frontallappen, Gyrus frontalis inferior (Pars triangularis und Pars opercularis) | Koordination der Sprachbildung und Sprechmuskulatur | Meist auf der dominanten Großhirnhälfte |
| Sensorisches Sprachzentrum (Wernicke) | Brodmann-Areal 22, Gyrus temporalis superior | Sprachverständnis, Wortfindung | Verbindet sich über den Fasciculus longitudinalis superior efferent mit dem Broca-Areal, Afferenzen aus primärer und sekundärer Hörrinde, Läsion führt zur Wernicke-Aphasie → Störung des Sprachverständnisses |
| Primäre & sekundäre Hörrinde | Brodmann-Areale 41 (primär), 42 (sekundär), Gyri temporales transversi | Wahrnehmung (primär) und Interpretation (sekundär) akustischer Reize | Tonotop gegliedert; Läsion der sekundären Hörrinde führt zu Interpretationsstörungen |
| Primäre & sekundäre Sehrinde | Brodmann-Areal 17 (primär), 18–19 (sekundär), Okzipitallappen, Sulcus calcarinus | Wahrnehmung (primär) und Interpretation (sekundär) visueller Reize | Läsion primäre Sehrinde: Gesichtsfeldausfälle; Läsion sekundäre Sehrinde: visuelle Agnosie |
| Limbischer Assoziationskortex | Brodmann-Areale 28 & 34 | Beteiligung an Gedächtnisprozessen und Lernvorgängen | Teil des limbischen Systems |
InfoKlinischer Ausblick: Schädigung des frontalen Assoziationskortex
- Tritt auf bei Schädigungen des Frontalhirns
- Folgen: Verlust von Assoziationsdenken und logischem Denken
- Strategieänderungen (Perseveration) fallen schwer → Diagnostik mit dem Wisconsin Card Sorting Test, wo die Person Karten nach bestimmten wechselnden Kriterien sortieren muss
Die Areale des motorischen Kortex sind somatotop gegliedert, was bedeutet, dass die Körperareale auf spezifische Regionen des motorischen Kortex projiziert werden. Diese Abbildung der Körperareale auf dem motorischen Kortex folgt einer
somatotopen Organisation, die als motorischer Homunculus bezeichnet wird. Der Homunculus veranschaulicht eine verzerrte Repräsentation des Körpers auf der Hirnrinde, wobei Körperteile, die eine feinere motorische Steuerung benötigen (wie Finger und Gesicht), disproportional größere Areale einnehmen als solche mit einer weniger feinen Steuerung (wie der Rumpf). Ähnlich zum motorischen Homunculus stellt der sensorische Homunculus die sensorischen Areale dar. Körpergebiete mit einer hohen Rezeptordichte, wie z. B. das Gesicht, werden auf größeren
kortikalen Arealen repräsentiert.
Motorischer (links) und sensorischer (rechts) Homunculus:
