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Brodmann-Einteilung

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6 Minuten Lesezeit

Die Großhirnrinde ist auch in funktionelle Bereiche unterteilt, die als Brodmann-Areale bekannt sind. Diese Einteilung basiert auf der zytoarchitektonischen Struktur der Rinde, die sich in unterschiedlichen Regionen in ihrer Zelldichte und -anordnung unterscheidet. Diese Areale sind mit verschiedenen spezifischen Funktionen verknüpft. Die Brodmann-Areale bilden somit die Grundlage für das Verständnis der funktionalen Organisation des Gehirns.

Funktionelle Rindenzentren:

Funktionelle Rindenzentren
RindenfeldBrodmann-Areal 
und Lage
FunktionBesonderheiten
Primär motorischer CortexBrodmann-Areal 4, Frontallappen, Gyrus praecentralisSteuerung der willkürlichen Motorik der kontralateralen Körperhälfte, v. a. Feinmotorik von Hand, Gesicht, Zunge; Kontrolle der willkürlichen BlasenentleerungSomatotope Gliederung als motorischer Homunculus, mit überproportionaler Repräsentation feinmotorischer Körperregionen (siehe nächste Seite)
Prämotorischer & supplementär motorischer CortexBrodmann-Areal 6, FrontallappenPlanung und Ausführung komplexer Bewegungsabläufe, vor allem durch sensorische Reize ausgelöste BewegungSomatotope Gliederung
Frontaler AssoziationskortexBrodmann-Areale 9–11, Frontallappen, Gyrus frontalis sup./med./inf.Motorische Planung, Persönlichkeit, Sozialverhalten, langfristige HandlungssteuerungVerantwortlich für Selbstkontrolle, Motivation, Vernunft; Schädigung kann Persönlichkeitsveränderung auslösen und Assoziationsdenken und logisches Denken beeinträchtigen
Frontales AugenfeldBrodmann-Areal 8, FrontallappenSteuerung willkürlicher, koordinierter AugenbewegungenSorgt für gleichgerichtete Bewegung beider Augen (Konjugation)
Primär somatoafferenter CortexBrodmann-Areale 1–3, Parietallappen, Gyrus postcentralisVerarbeitung sensibler Reize aus Haut, Zunge, Muskelspindeln Gleichgewichtsorgan und Gelenk- und SehnenrezeptorenSomatotope Gliederung als sensorischer Homunculus, Informationen kommen aus kontralateraler Körperhälfte
Sekundärer somatoafferenter Cortex & parietaler AssoziationskortexBrodmann-Areale 5 und 7, ParietallappenInterpretation sensibler Reize aus dem primären sensiblen Cortex, Raumorientierung und Bewegungsplanung durch parietalen AssoziationskortexSeitenasymmetrie: Läsion führt je nach Hemisphäre zu Apraxie oder Neglect
Motorisches Sprachzentrum (Broca)Brodmann-Areale 44–45, Frontallappen, Gyrus frontalis inferior (Pars triangularis und Pars opercularis)Koordination der Sprachbildung und SprechmuskulaturMeist auf der dominanten Großhirnhälfte
Sensorisches Sprachzentrum (Wernicke)Brodmann-Areal 22, Gyrus temporalis superiorSprachverständnis, WortfindungVerbindet sich über den Fasciculus longitudinalis superior efferent mit dem Broca-Areal, Afferenzen aus primärer und sekundärer Hörrinde,
Läsion führt zur Wernicke-Aphasie → Störung des Sprachverständnisses
Primäre & sekundäre HörrindeBrodmann-Areale 41 (primär), 42 (sekundär), Gyri temporales transversiWahrnehmung (primär) und Interpretation (sekundär) akustischer ReizeTonotop gegliedert; Läsion der sekundären Hörrinde führt zu Interpretationsstörungen
Primäre & sekundäre SehrindeBrodmann-Areal 17 (primär), 18–19 (sekundär), Okzipitallappen, Sulcus calcarinusWahrnehmung (primär) und Interpretation (sekundär) visueller ReizeLäsion primäre Sehrinde: Gesichtsfeldausfälle; Läsion sekundäre Sehrinde: visuelle Agnosie
Limbischer AssoziationskortexBrodmann-Areale 28 & 34Beteiligung an Gedächtnisprozessen und LernvorgängenTeil des limbischen Systems
 Info
Klinischer Ausblick: Schädigung des frontalen Assoziationskortex
  • Tritt auf bei Schädigungen des Frontalhirns
  • Folgen: Verlust von Assoziationsdenken und logischem Denken
    • Strategieänderungen (Perseveration) fallen schwer → Diagnostik mit dem Wisconsin Card Sorting Test, wo die Person Karten nach bestimmten wechselnden Kriterien sortieren muss

Die Areale des motorischen Kortex sind somatotop gegliedert, was bedeutet, dass die Körperareale auf spezifische Regionen des motorischen Kortex projiziert werden. Diese Abbildung der Körperareale auf dem motorischen Kortex folgt einer 
somatotopen Organisation, die als motorischer Homunculus bezeichnet wird. Der Homunculus veranschaulicht eine verzerrte Repräsentation des Körpers auf der Hirnrinde, wobei Körperteile, die eine feinere motorische Steuerung benötigen (wie Finger und Gesicht), disproportional größere Areale einnehmen als solche mit einer weniger feinen Steuerung (wie der Rumpf). Ähnlich zum motorischen Homunculus stellt der sensorische Homunculus die sensorischen Areale dar. Körpergebiete mit einer hohen Rezeptordichte, wie z. B. das Gesicht, werden auf größeren 
kortikalen Arealen repräsentiert.

Motorischer (links) und sensorischer (rechts) Homunculus:

Motorischer (links) und sensorischer (rechts) Homunculus

In der menschlichen Gehirnstruktur zeigt sich eine ausgeprägte funktionelle Asymmetrie, was bedeutet, dass die beiden Gehirnhälften unterschiedliche Rollen bei der Verarbeitung von Aufgaben übernehmen. Diese Spezialisierung, auch als Lateralisation bekannt, führt dazu, dass bestimmte Funktionen primär oder ausschließlich von einer der beiden Hemisphären übernommen werden.

Üblicherweise fungiert bei Rechtshändern die linke Gehirnhälfte als die dominante Hemisphäre. Sie ist vorrangig zuständig für Prozesse, die abstraktes und symbolisches Denken erfordern, wie Sprachgebrauch, motorische Steuerung und die Planung von Bewegungsabläufen. Im Gegensatz dazu ist die rechte Gehirnhälfte stärker in nonverbale Aufgaben involviert. Dazu gehören das Musikverständnis, das räumliche und konstruktive Denken sowie die Gesichtserkennung.

Hemisphärendominanz bei den meisten Menschen (Rechtshänder):

  • Linke Hemisphäre: Sprachgebrauch, einschließlich Lesen, Schreiben und Verstehen von Texten, sowie motorische Funktionen
  • Rechte Hemisphäre: Musikalische Wahrnehmung, Erkennung von Gesichtern und Mustern, räumliches Denken sowie die Verarbeitung von räumlichen Informationen und teilweise negativen Emotionen
 Info

Die vereinfachte Sichtweise der Hemisphärendominanz hat sich im Laufe der Zeit als zu reduktionistisch herausgestellt, da neuere Forschungen zeigen, dass beide Hemisphären an einer Vielzahl von kognitiven Prozessen beteiligt sind, allerdings oft auf unterschiedliche Weise.

Zuletzt aktualisiert am 29.06.2026
Hirnstamm (Truncus cerebri)
Mittelhirn (Mesencephalon)
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