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Cholelithiasis

9 Minuten Lesezeit

Cholelithiasis ist eine medizinische Erkrankung, die durch die Bildung und das Vorhandensein von Gallensteinen (Konkrementen) in der Gallenblase oder den Gallengängen gekennzeichnet ist. Gallensteine entstehen durch die Ausfällung von Bestandteilen der Gallenflüssigkeit, insbesondere Cholesterin, Bilirubin und Calcium. Befinden sich die Gallensteine ausschließlich in der Gallenblase, spricht man von Cholezystolithiasis; bei Steinen in den Gallengängen von Choledocholithiasis. Gallensteine können asymptomatisch bleiben oder verschiedene Komplikationen wie Cholezystitis (Entzündung der Gallenblase), Cholangitis (Entzündung der Gallengänge) und biliäre Pankreatitis verursachen. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder CT. Die Therapie richtet sich nach den Symptomen und Komplikationen. Asymptomatische Gallensteine erfordern oft keine Therapie. Symptomatische Gallensteine oder Komplikationen erfordern in der Regel eine Cholezystektomie (operative Entfernung der Gallenblase). Bei Steinen im Gallengang kann eine endoskopische Entfernung mittels ERCP (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie) notwendig sein.

Cholelithiasis

Gallensteine können entstehen, wenn steinbildende/lithogene Stoffe in der Galle überwiegen. Darüber hinaus kann eine Stenose/Obstruktion/Kompression des Gallengangsystems die Bildung von Gallensteinen begünstigen.

  • Steinbildend sind: ↑Cholesterin, Bilirubin, Calciumcarbonat 
  • Protektiv sind: ↑Gallensäuren, Phospholipide (Lecithin).

Risikofaktoren für Gallensteine: 6F‘s

  • Female: weibliches Geschlecht (Östrogene)
  • Fourty: höheres Lebensalter (>40)
  • Fat: Adipositas
  • Fertile: fruchtbar
  • Fair: heller Hauttyp
  • Family: genetische Prädisposition, positive Familienanamnese

Typen von Gallensteinen

  1. Cholesterinsteine (ca. 80%, weich): relatives Überangebot an Cholesterin in der Galle → ↑Cholesterin oder ↓Gallensäuren
    1. Weitere Risikofaktoren: geringe Motilität der Gallenblase wie im Rahmen der Schwangerschaft oder bei parenteraler Ernährung, gestörte Resorption der Gallensäuren bei Erkrankungen des Ileums (z.B. Morbus Crohn), Hypercholesterinämie
    2. Weitere Risikofaktoren: Rezidivierende Hämolysen, Leberzirrhose
    3. Weitere Risikofaktoren: Cholangitis, Obstruktion, Stenose, Striktur, Stenteinlage 
  2. Bilirubinsteine (schwarze Pigmentsteine, 10%, sehr hart): 
  3. Calciumcarbonatsteine (braune Pigmentsteine): bei bakterieller Infektion 
    → Zersetzung von Bilirubin → Entstehung von Calciumcarbonat
Cholesterinsteine
Cholesterinsteine
Bilirubinsteine
KrankheitsbildSchmerzcharakterSymptome/Klinik
Cholezystolithiasis
  • Kolikartige rechtsseitige Oberbauchschmerzen
  • Ausstrahlung: Rücken, linker Oberbauch, rechte Schulter (Head-Zone)
  • 75% asymptomatisch, max. 25% der Betroffenen symptomatisch
  • Akutes Abdomen: bretthartes Abdomen, Schocksymptomatik, Übelkeit
  • Trigger: fetthaltige Nahrung, oft in der Nacht durch erhöhten Vagotonus
Cholezystitis
  • vor allem Druck- und Dauerschmerz, ggf. Koliken
  • Murphy-Zeichen
  • Große Gallensteine → Cholezystitis
  • Kleine Gallensteine → Choledocholithiasis und/oder biliäre Pankreatitis
  • Ggf. Fieber
Choledocholithiasis
  • Kolikartig
  • Ggf. gürtelförmig 
    → Pankreatitis
  • Ikterus bei extrahepatischer Cholestase
  • Dunkler Urin, heller Stuhl
  • Ggf. Pruritus, Fieber
Cholangitis
  • Rechtsseitige Oberbauchschmerzen, 
    ggf. Koliken
  • Charcot-Trias II:
  • Fieber
  • Rechtsseitiger Oberbauchschmerz
  • Ikterus (extrahepatische Cholestase)
  • Bei biliärer Sepsis: auffälliger qSOFA-Score
  • Oft gemeinsam mit Choledocholithiasis
 Tipp

Das Murphy-Zeichen beschreibt den schmerzhaften Abbruch der Inspiration bei tiefer Palpation des rechten Oberbauches und ist ein Hinweis auf eine akute Cholezystitis.

Choledocholithiasis
 Info

Das Mirizzi-Syndrom beschreibt eine Obstruktion des Ductus hepaticus communis durch Gallensteine im Gallenblasenhals oder im Ductus cysticus. Die Klinik entspricht dann einer Choledocholithiasis. Die Therapie besteht in einer Cholezystektomie.

  • Anamnese: Schmerzanamnese, vegetative Anamnese (Stuhlgang, Miktion), Risikofaktoren
  • Körperliche Untersuchung: 
    • Oberbauchschmerzen
    • Murphy-Zeichen
    • Bei kompliziertem Verlauf: Abwehrspannung, Zeichen einer Sepsis, Peritonismus (schmerzhaftes Beklopfen der Bauchhaut
    • Messung der Körpertemperatur: Fieber >38°C rektal gemessen
  • Laboranalyse des Blutes: 
    • Infektparameter: Blutbild (↑ Leukozyten), CRP, (PCT)
    • Leberwerte: Transaminasen (AST, ALT)
    • Cholestaseparameter: ↑ GGT, AP, direktes Bilirubin (konjugiert, posthepatisch)
    • Bei Verdacht auf biliäre Pankreatitis: Lipase
    • Gerinnungswerte: Quick, PTT
      • Normalisierung bei Gabe von Vitamin K (Koller-Test)
      • Keine Normalisierung bei Leberfunktionsstörungen
    • Weitere: Kreatinin, Natrium, Kalium
  • Bildgebung
    • Sonografie des Abdomens (1. Wahl): Darstellung der Gallenwege, der Gallenblase und ggf. der Gallensteine (echoreich mit dorsalem Schallschatten)
      • Akute Cholezystitis: ödematöse Gallenblasenwand, dreigeschichtete Wand
      • Choledocholithiasis: Dilatation der Gallenwege, Ductus hepatocholedochus >7 mm (DD: Stenose/andere obstruktive Ätiologie), 
        • Extrahepatisch: ggf. “double duct sign“ (durch gestauten Ductus choledochus und pancreaticus), 
        • Intrahepatisch: Doppelflintenphänomen durch gestaute intrahepatische Gallengänge neben einem parallel verlaufendem Pfortaderast 
        • Eingeschränkte Darstellung des distalen Choledochus durch intestinale Gase
        • Hohe Sensitivität & Spezifität: Cholezystitis >80%, Cholezystolithiasis >95%
    • CT (Abdomen): bei unklarer Sonografie oder präoperativ bei Verdacht auf Komplikationen
    • Endosonografie: Ausschluss Mikrolithiasis (Konkremente bis maximal 3 mm), Ausschluss von Raumforderungen
    • ERCP (Endoskopische Retrograde Cholangiopankreatikografie): Möglichkeit der diagnostischen und therapeutischen Intervention
    • MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie): Darstellung der gesamten Gallenwege
    • Röntgen (Abdomen): Gallensteine sind nur in seltenen Fällen röntgendicht und daher ist der Nutzen des Röntgen limitiert (Ggf. bei Ileus oder Perforation)
Sonografie der Gallenblase mit Gallensteinen
Sonografie: Gallenstein mit dorsalem Schallschatten
Gallenstein in der MRCP
Gallenstein in der MRCP

 

  • (Rechtsseitiger) Oberbauchschmerz:
    • Akute Pankreatitis
    • Appendizitis
    • Gastritis, gastrointestinale Ulkuskrankheit, 
    • GERD
    • Leberkapselspannung (z.B. akute Hepatitis)
    • Myokardinfarkt
    • Nierensteine (Nephrolithiasis)
  • Allgemein:
    • Nahrungskarenz
    • Analgesie (gute Wirksamkeit und spasmolytische Wirkung: Metamizol)
    • Spasmolytische Medikamente: Butylscopolamin (Anticholinergikum)
KrankheitsbildTherapie
Cholezystolithiasis
  • Asymptomatisch:
  • In der Regel keine Cholezystektomie
  • Symptomatisch:
  • Frühzeitige, elektive Cholezystektomie
  • Bei gleichzeitiger Choledocholithiasis: Cholezystektomie und ERC (Endoskopische retrograde Cholangiografie)
Cholezystitis
  • Unkomplizierte akut: Frühzeitige Cholezystektomie innerhalb von 24 Stunden
  • Komplizierte akut: antibiotische Therapie und zügige Intervention durch Cholezystektomie
  • Ceftriaxon + Metronidazol (bei V.a. auf multiresistente Erreger: Piperacillin + Tazobactam)
  • Chronische Cholezystitis: Cholezystektomie bei Porzellangallenblase, Schrumpfgallenblase, Gallenblasenpolypen ≥1 cm, Gallensteine >3 cm
Choledocholithiasis
  • ERCP zur Darstellung der Gallenwege sowie zur Papillotomie und Steinextraktion (Diagnostik und Therapie)
Cholangitis
  • Antibiotische Therapie (wie oben) und zügige Intervention durch Cholezystektomie oder ERC (bei Cholangitis aufgrund einer Choledocholithiasis)
 Achtung

Die ERCP hat eine hohe Komplikationsrate! Daher sollte die Indikation immer kritisch hinterfragt werden. Mögliche Komplikationen: 5% Post-ERCP-Pankreatitis, 3% Cholangitis, 3% Blutung, 1% Hohlorganperforation.

  • Gallenblasenempyem (entzündliche Eiteransammlung in der Gallenblase)
  • Gallenblasengangrän
  • Gallenblasenperforation
  • Gallensteinileus: mechanischer Ileus durch Gallenstein
  • Bei chronischem Entzündungsreiz:
    • Porzellangallenblase
    • Schrumpfgallenblase
  • Biliäre Pankreatitis
Lernkarte Cholelithiasis
 
Zuletzt aktualisiert am 07.08.2026
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