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Chronische Pankreatitis

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
6 Minuten Lesezeit

Die chronische Pankreatitis ist eine langanhaltende Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die zu irreversiblen Schäden und dauerhaften Veränderungen des Pankreasgewebes führt. Sie ist durch wiederkehrende oder kontinuierliche Schmerzen im Oberbauch gekennzeichnet und kann zu einer Verschlechterung der exokrinen und endokrinen Funktionen der Bauchspeicheldrüse führen. Wichtige Ursachen sind chronischer Alkoholkonsum, genetische Faktoren, Autoimmunerkrankungen und wiederholte Episoden akuter Pankreatitis. Die fortschreitende Zerstörung des Pankreasgewebes kann zu Verdauungsproblemen, Malabsorption und Diabetes mellitus führen. Diagnostische Verfahren umfassen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT und MRT sowie funktionelle Tests zur Bewertung der Pankreasfunktion. Die Therapie umfasst Schmerzmanagement mit Analgetika, Enzymsubstitution zur Unterstützung der Verdauung, Ernährungsberatung und die Vermeidung von Alkohol und Rauchen.

Die häufigste Ursache einer chronischen Pankreatitis ist langjähriger Alkoholmissbrauch. Gallensteine (Cholezystolithiasis, Choledocholithiasis) verursachen keine chronische Pankreatitis.

 Merke

Diese und weitere Ursachen kann man sich mit der MerkhilfeGITTARE“ merken.

  • Genetisch: hereditäre Pankreatitis (Familienanamnese, keine anderen Auslöser), zystische Fibrose (Mukoviszidose), Pancreas divisum
  • Idiopathisch: unklare Genese
  • Toxisch:,
    • Langjähriger Alkoholkonsum: 50-85% der Fälle, mindestens 80g Alkohol pro Tag über einen Zeitraum von 6-12 Jahren)
    • Rauchen (Progressionsfaktor)
    • Medikamente
  • Triglyzeride: Hypertriglyzeridämie
  • Autoimmunpankreatitis
  • Rezidivierende akute Pankreatitiden
  • Endokrin: primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT) mit Hyperkalzämie
    → das hohe Kalzium führt zu verstärkter Pankreassekretion und Aktivierung von Trypsinogen → Selbstverdauung des Pankreas (Autodigestion)
  • Obstruktion der Pankreasgänge
Merkhilfe Ursachen der chronischen Pankreatitis
  • Leitsymptom: rezidivierende, gürtelförmige Oberbauchschmerzen (ggf. mit Ausstrahlung in die Flanken und den Rücken)
    • Kann durch Alkoholkonsum und fettreiche Mahlzeiten verstärkt werden
    • Erythema ab igne (altgr.-lat.: „Rötung vom Feuer“): durch häufige Anwendung von Wärmflaschen zur Schmerzlinderung kann es zur netzartigen Hautrötung und Hyperpigmentierung der Bauchhaut kommen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Ggf. rezidivierender Ikterus
  • Symptome einer exokrinen PankreasinsuffizienzMaldigestion mit Steatorrhoe, Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen (Vitamin-A, D, E, K-Mangel, Vitamin-B12- Malabsorption), Meteorismus
  • Symptome einer endokrinen Pankreasinsuffizienz (später als exokrine Insuffizienz): pankreopriver Diabetes mellitus (schwer einstellbar, mit häufigen Hypoglykämien)
 Achtung

Im Spätstadium ist der Patient oft wieder schmerzfrei!

Durch Entzündung und nachfolgende Fibrose des Pankreasgewebes können charakteristische Komplikationen entstehen:

  • Pankreaspseudozysten (1.):
    • Nicht mit Epithel ausgekleidet
    • Häufiger als echte Pankreaszysten (mit Epithel ausgekleidet)
  • Pankreaticolithiasis (2.)
  • Pankreasgangstenosen (3.)
  • Duodenalstenosen (4.)
  • Kompression der Gallenwege (5.)
  • Gefäßkomplikationen:
    • Pfortaderthrombose
    • Milzvenenthrombose mit Splenomegalie (6.)
Komplikationen der chronischen Pankreatitis
 Achtung

Im späten Krankheitsverlauf besteht ein erhöhtes Risiko für die Bildung eines Pankreaskarzinoms

 

  • Anamnese & körperliche Untersuchung
    • Alkoholabusus, Raucher 
    • Länger bestehende typische Oberbauchschmerzen

Laboranalyse des Blutes:

  • Im akuten Schub (wie akute Pankreatitis): Lipase↑, Amylase↑

Testung auf Pankreasinsuffizienz

  • Exokrine Insuffizienz 
    • Bestimmung der Elastase-1-Konzentration im Stuhl
      • Exokrine Insuffizienz bestätigt bei Elastase <200 μg/g im Stuhl 
  • Endokrine Insuffizienz 
    • Serumglukose und HbA1c
  • Hinweise auf Alkoholkrankheit: MCV↑, GGT↑, CDT↑
 Achtung

Im Spätstadium der chronischen Pankreatitis sind aufgrund der fortgeschrittenen Zellschädigung normale Pankreasenzyme möglich.

 Tipp

Bei Verdacht einer autoimmunen Genese wird der Laborparameter IgG4 abgenommen (erhöht im Serum).

Bildgebung:

  • Abdomensonografie
    • Verkalkungen des Pankreasgewebes (beweisend)
    • Ggf. Pseudozysten darstellbar 
    • Unregelmäßigkeit & Schädigung des Pankreasgangsystems mit Dilatation
  • CT mit Kontrastmittel
  • Transgastrale oder transduodenale Endosonografie
    • Ausschluss von Raumforderungen 
    • Ggf. Pseudozysten darstellbar
  • ERCP/MRCP
    • Kaliberunregelmäßigkeiten im Gallen- und Pankreasgangsystem
    • Pankreas- und Gallensteine 
  • Akuter Schub: Therapie wie bei akuter Pankreatitis (Flüssigkeitssubstitution, Analgesie ggf. mit Opioiden)
  • Lebensstilanpassung: Verzicht auf Alkohol, Rauchen, fettreiche Ernährung, stattdessen häufige und kohlenhydratreiche Mahlzeiten
  • Therapie der exokrinen Pankreasinsuffizienz
    • Substitution von Pankreasenzymen (25.000-40.000 IU Lipase (Kreon) zu Mahlzeiten) & Vitaminen E, A, D und K
  • Therapie der endokrinen Pankreasinsuffizienz
    • Endokrine Insuffizienz: Insulin
    • Bei autoimmuner Genese: Glucocorticoide (Prednison) oder andere Immunsuppressiva
  • Endoskopischer oder operativer Eingriff: Behandlung der Komplikationen
    • Dekompression der Pankreasgänge/Papillotomie: endoskopisch (z.B. Stent) oder operativ 
    • Bei Cholestase: ERCP mit Stenteinlage in den Ductus choledochus oder operativ (biliodigestiver Bypass)
    • Operativer Eingriff bei Duodenalstenose (Bypass)
    • Thrombektomie (operativ) bei Milzvenenthrombose
    • Neurolyse des Ganglion coeliacum bei therapieresistenten Schmerzen
    • Drainage von Pseudozysten (Größe über 5 cm/symptomatisch)
      • Endoskopische Stenteinlage zur transgastralen oder transduodenalen Drainage
      • Chirurgisch: Anastomose mit Gastrointestinaltrakt (Pseudozystogastrostomie, Pseudozystoduodenostomie, Pseudozystojejunostomie)

Bei chronischer Pankreatitis ist die Lebenserwartung eingeschränkt. Dies gilt insbesondere bei anhaltendem Alkohol- und Zigarettenkonsum. Die 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 70% (Gleichaltrige ohne Pankreatitis: 93%)

Lernkarte Chronische Pankreatitis
 
  • S3-Leitlinie Pankreatitis, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS)
     
Zuletzt aktualisiert am 07.08.2026
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