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Clemastin

4 Minuten Lesezeit
Clemastin Ampulle

Clemastin ist ein H1-Antihistaminikum der ersten Generation, das als kompetitiver Antagonist am H1-Histaminrezeptor wirkt. Durch die Blockade der Histaminwirkung werden Bronchokonstriktion reduziert, die Kapillarpermeabilität gesenkt und somit Ödembildung sowie allergische Symptome vermindert. Aufgrund seiner Lipophilie passiert Clemastin die Blut-Hirn-Schranke und besitzt eine zentral sedierende sowie anticholinerge Wirkung.

Im Rettungsdienst wird Clemastin vor allem bei allergischen Reaktionen und als Begleittherapie der Anaphylaxie eingesetzt, wobei die Gabe von Adrenalin niemals verzögert werden darf. Die Applikation erfolgt langsam intravenös. Der Wirkungseintritt erfolgt rasch, die Wirkdauer beträgt etwa 12 Stunden.

Typische Nebenwirkungen sind Sedierung, Mundtrockenheit, Obstipation und Kopfschmerzen, bei Kindern auch paradoxe Erregungszustände. Anticholinerge Effekte erfordern Vorsicht bei Engwinkelglaukom oder Prostatahyperplasie. Eine verstärkte Sedierung tritt bei Kombination mit Alkohol oder zentral dämpfenden Medikamenten auf.

Lernkarte Clemastin
  • Wirkstoffklasse: H1-Antihistaminika
  • Handelsnamen: z.B. Tavegil®
Clemastin
Etikett: Clemastin
  • Allergische Reaktionen
  • Anaphylaxie
  • Überempfindlichkeit
  • Alter <1 Jahr
  • Erwachsene: 2 mg i.v.
  • Kinder >1 Jahr: 0,03 mg/kgKG i.v über 2 min (langsame Injektion)
  • Im Falle einer Anaphylaxie darf durch die Gabe von H1-Antihistaminika die Verabreichung von Adrenalin nicht verzögert werden!
  • Bei H1-Antihistaminika können anticholinerge Effekte auftreten
    → Kritische Indikation bei Engwinkelglaukom, Darmobstruktion, Prostatahypertrophie, Schwangerschaft
  • Clemastin wirkt im Vergleich zu Dimetinden weniger sedierend
  • Wirkeintritt: rasch
  • Wirkdauer: ca. 12 Std
  • Metabolisierung: Überwiegend hepatische Metabolisierung
  • Ausscheidung: Überwiegend renal als Metabolite
  • Clemastin ist ein inverser Agonist am H₁-Histaminrezeptor und stabilisiert den Rezeptor in seiner inaktiven Konformation
    → Antiallergisch: reduziert die durch Histamin ausgelösten Symptome
    → Reduziert die allergische Bronchokonstriktion
    → Reduziert die erhöhte Gefäßpermeabilität
  • Aufgrund der Lipophilie besitzt es ebenfalls eine zentral sedierende Wirkung
  • Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • Zentral dämpfenden Substanzen (z. B. Benzodiazepine, Opioide, Alkohol) → Verstärkte Sedierung möglich
    • Anticholinerg wirkenden Medikamenten (z. B. Atropin, trizyklische Antidepressiva, Antipsychotika) → Verstärkte anticholinerge Effekte (z.B. Mundtrockenheit, Tachykardie, Harnverhalt, Delirrisiko)
    • MAO-Hemmer → Verstärkung zentralnervöser und anticholinerger Wirkungen
  • Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • ZNS-stimulierenden Substanzen (z. B. Sympathomimetika, Psychostimulanzien) → Funktioneller Antagonismus der sedierenden Wirkung
  • Sedierung
  • Mundtrockenheit
  • Obstipation
  • Kopfschmerzen
  • Bei Kindern: Erregungszustände
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Anaphylaxie (RD)
  • Antihistaminika
  • STADA Arzneimittel AG: Fachinformation Tavegil® Injektionslösung, Stand: März 2022
  • S2k-Leitlinie Akuttherapie und Management der Anaphylaxie, Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI)
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 06.06.2026
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