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Compliance und Non-Compliance

Therapietreue, mangelnde Therapietreue
EP
4 Minuten Lesezeit

Compliance und Adhärenz beschreiben das Verhalten von Patient:innen im Zusammenhang mit einer vereinbarten Behandlung. Während der Begriff Compliance traditionell die Befolgung ärztlicher Anweisungen bezeichnet, betont Adhärenz stärker die gemeinsame Entscheidungsfindung und die tatsächliche Umsetzung einer vereinbarten Therapie. Der Begriff Konkordanz beschreibt darüber hinaus den Prozess, bei dem die Vorstellungen und Präferenzen von Patient:innen und Behandelnden in die gemeinsame Therapieentscheidung einbezogen werden.

Die Adhärenz wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Neben Eigenschaften der Erkrankung und der Therapie spielen insbesondere individuelle Überzeugungen, Erwartungen, mögliche Nebenwirkungen, soziale Unterstützung und die Arzt-Patienten-Beziehung eine Rolle. Patient:innen halten eine Behandlung eher ein, wenn sie deren Nutzen als relevant und die Therapie als nachvollziehbar und mit ihren eigenen Vorstellungen vereinbar wahrnehmen.

 Merke

Eine zentrale Bedeutung kommt der ärztlichen Kommunikation zu. Eine verständliche und patientenzentrierte Gesprächsführung ermöglicht es, Beschwerden, Erwartungen und Bedenken zu erfassen und Informationen an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Eine Metaanalyse zeigte, dass bessere ärztliche Kommunikation mit einer höheren Therapieadhärenz verbunden war.

Non-Compliance beziehungsweise Non-Adhärenz sollte deshalb nicht vorschnell als mangelnde Motivation oder „Fehlverhalten“ der Patient:innen interpretiert werden. Häufig liegen praktische Hindernisse, fehlendes Verständnis, Zweifel am Nutzen der Therapie, Nebenwirkungen oder unterschiedliche Vorstellungen von Erkrankung und Behandlung zugrunde. Eine offene Kommunikation kann solche Barrieren sichtbar machen und gemeinsam mit den Patient:innen nach Lösungen suchen.

Eine gute Adhärenz entsteht somit nicht allein durch möglichst genaue Anweisungen, sondern durch eine verständliche Information, die Berücksichtigung individueller Vorstellungen und eine gemeinsame, realistisch umsetzbare Therapieentscheidung. Dies ist besonders bei langfristigen Behandlungen relevant, bei denen die aktive Mitarbeit der Patient:innen entscheidend für den Therapieerfolg ist.

 Definition

Compliance beschreibt, ob Patienten ärztliche Empfehlungen und Vorgaben (z. B. Medikamenteneinnahme, Lebensstiländerungen, Kontrolltermine) einhalten. Ist sie hoch, werden die Vorgaben befolgt. Ist sie niedrig, werden sie teilweise oder gar nicht umgesetzt. Häufig wird auch der Begriff Adhärenz verwendet.  Im Unterschied zur Compliance betont Adhärenz stärker die aktive, partnerschaftliche Mitarbeit von Patient und Arzt. Von „intelligenter Non-Compliance“ spricht man, wenn Anweisungen aus nachvollziehbaren, medizinisch sinnvollen Gründen nicht befolgt werden.

Wovon hängt Compliance ab?:

  • Überzeugung, dass die Maßnahme notwendig und hilfreich ist
  • Gute Aufklärung / Information: Verständnis von Nutzen, Risiken, Nebenwirkungen und Alternativen
  • Zufriedenheit mit Ärzt:innen und Behandlung
  • Mitverantwortung / Einbindung in Entscheidungen (Shared Decision Making)
  • Subjektive Krankheitstheorien: persönliche Vorstellungen über Ursache und Verlauf der Krankheit (z. B. fatalistische oder schuld bezogene Deutungen) können die Mitarbeit deutlich verschlechtern

Typische Risikofaktoren für Non-Compliance (v. a. bei Medikamenten):

  • Angst vor Nebenwirkungen
  • Komplizierter Therapieplan (viele Präparate, viele Einnahmezeiten)
  • Unklare oder lückenhafte Erklärungen durch Behandelnde
  • Geringer Leidensdruck / wenig einschränkende Symptome → niedrige Motivation
  • Zeitdruck in der ärztlichen Konsultation
 Definition

Adhärenz beschreibt die Einhaltung eines gemeinsam vereinbarten Therapiekonzepts.

Non-Adhärenz untergräbt die evidenzbasierte Medizin

  • Etwa 30 % aller verschriebenen Rezepte werden nicht eingelöst
  • Nach einem akuten Myokardinfarkt geben nur 66 % der Patient:innen an, ihre Medikamente ordnungsgemäß einzunehmen Mangelnde Therapietreue geht mit massiven gesundheitlichen und ökonomischen Folgen einher
 Merke

Kommunikation ist das beste Mittel, um Therapietreue zu fördern.

  • Horne R, Weinman J. Patients' beliefs about prescribed medicines and their role in adherence to treatment in chronic physical illness. J Psychosom Res 1999;47(6):555-567. DOI: 10.1016/S0022-3999(99)00057-4.
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  • O'Connor PJ, Sperl-Hillen JAM, Johnson PE, Rush WA, Crain AL, Hammermeister KE. Physician-patient relationship and medication compliance: a primary care investigation. Ann Fam Med 2004;2(5):455-461. DOI: 10.1370/afm.93.
  • Zolnierek KBH, DiMatteo MR. Physician communication and patient adherence to treatment: a meta-analysis. Med Care2009;47(8):826-834. DOI: 10.1097/MLR.0b013e31819a5acc.
  • Horne R, Chapman SCE, Parham R, Freemantle N, Forbes A, Cooper V. Understanding patients' adherence-related beliefs about medicines prescribed for long-term conditions: a meta-analytic review of the Necessity-Concerns Framework. PLoS One 2013;8(12):e80633. DOI: 10.1371/journal.pone.0080633.
Zuletzt aktualisiert am 17.08.2026
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