Compliance und Adhärenz beschreiben das Verhalten von Patient:innen im Zusammenhang mit einer vereinbarten Behandlung. Während der Begriff Compliance traditionell die Befolgung ärztlicher Anweisungen bezeichnet, betont Adhärenz stärker die gemeinsame Entscheidungsfindung und die tatsächliche Umsetzung einer vereinbarten Therapie. Der Begriff Konkordanz beschreibt darüber hinaus den Prozess, bei dem die Vorstellungen und Präferenzen von Patient:innen und Behandelnden in die gemeinsame Therapieentscheidung einbezogen werden.
Die Adhärenz wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Neben Eigenschaften der Erkrankung und der Therapie spielen insbesondere individuelle Überzeugungen, Erwartungen, mögliche Nebenwirkungen, soziale Unterstützung und die Arzt-Patienten-Beziehung eine Rolle. Patient:innen halten eine Behandlung eher ein, wenn sie deren Nutzen als relevant und die Therapie als nachvollziehbar und mit ihren eigenen Vorstellungen vereinbar wahrnehmen.
MerkeEine zentrale Bedeutung kommt der ärztlichen Kommunikation zu. Eine verständliche und patientenzentrierte Gesprächsführung ermöglicht es, Beschwerden, Erwartungen und Bedenken zu erfassen und Informationen an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Eine Metaanalyse zeigte, dass bessere ärztliche Kommunikation mit einer höheren Therapieadhärenz verbunden war.
Non-Compliance beziehungsweise Non-Adhärenz sollte deshalb nicht vorschnell als mangelnde Motivation oder „Fehlverhalten“ der Patient:innen interpretiert werden. Häufig liegen praktische Hindernisse, fehlendes Verständnis, Zweifel am Nutzen der Therapie, Nebenwirkungen oder unterschiedliche Vorstellungen von Erkrankung und Behandlung zugrunde. Eine offene Kommunikation kann solche Barrieren sichtbar machen und gemeinsam mit den Patient:innen nach Lösungen suchen.
Eine gute Adhärenz entsteht somit nicht allein durch möglichst genaue Anweisungen, sondern durch eine verständliche Information, die Berücksichtigung individueller Vorstellungen und eine gemeinsame, realistisch umsetzbare Therapieentscheidung. Dies ist besonders bei langfristigen Behandlungen relevant, bei denen die aktive Mitarbeit der Patient:innen entscheidend für den Therapieerfolg ist.
- Horne R, Weinman J. Patients' beliefs about prescribed medicines and their role in adherence to treatment in chronic physical illness. J Psychosom Res 1999;47(6):555-567. DOI: 10.1016/S0022-3999(99)00057-4.
- DiMatteo MR, Giordani PJ, Lepper HS, Croghan TW. Patient adherence and medical treatment outcomes: a meta-analysis. Med Care 2002;40(9):794-811. DOI: 10.1097/00005650-200209000-00009.
- O'Connor PJ, Sperl-Hillen JAM, Johnson PE, Rush WA, Crain AL, Hammermeister KE. Physician-patient relationship and medication compliance: a primary care investigation. Ann Fam Med 2004;2(5):455-461. DOI: 10.1370/afm.93.
- Zolnierek KBH, DiMatteo MR. Physician communication and patient adherence to treatment: a meta-analysis. Med Care2009;47(8):826-834. DOI: 10.1097/MLR.0b013e31819a5acc.
- Horne R, Chapman SCE, Parham R, Freemantle N, Forbes A, Cooper V. Understanding patients' adherence-related beliefs about medicines prescribed for long-term conditions: a meta-analytic review of the Necessity-Concerns Framework. PLoS One 2013;8(12):e80633. DOI: 10.1371/journal.pone.0080633.

