
Deciduous teeth by David Shankbone new.jpg von David Shankbone modified byR-E-AL (talk | contribs | Gallery) (German Wikipedia)David Shankbone, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons
Dentition bezeichnet die Entwicklung und den Durchbruch der Zähne.
Die erste Dentition umfasst den Durchbruch des vorübergehenden Milchgebisses, die zweite Dentition den Durchbruch des bleibenden Gebisses zu charakteristischen Zeitpunkten und in festgelegter Reihenfolge. Dazwischen liegt das sogenannte Wechselgebiss.
Milchgebiss und bleibendes Gebiss unterscheiden sich im zeitlichen Auftreten, in der Anzahl der Zähne (20 Milchzähne gegenüber 32 bleibenden Zähnen) und in der Reihenfolge des Zahndurchbruchs.
Zahnarten und ihre Funktion:
- Schneidezähne (Incisivi): Schneidende Funktion beim Abbeißen
- Eckzähne (Canini): Reißfunktion, Übergang zwischen Front- und Seitenzähnen
- Prämolaren (Dentes praemolares): Mahlfunktion, v. a. beim Zerquetschen
- Molaren (Dentes molares): Grobe Zerkleinerung und Mahlfunktion
Quadranteneinteilung (FDI-Zahnschema):
Das menschliche Gebiss besteht aus einer definierten Anzahl an Zähnen, die sich in Form, Funktion und Lage unterscheiden. Es wird in vier Quadranten unterteilt – je zwei im Ober- und Unterkiefer – mit einer symmetrischen Anordnung der Zähne.

Milchgebiss (20 Zähne):
- Je Quadrant:
- 2 Schneidezähne (blau)
- 1 Eckzahn (gelb)
- 2 Milchmolaren (grün)
- Besonderheit: Keine Prämolaren oder Weisheitszähne

Bleibendes Gebiss (28–32 Zähne)
- Je Quadrant:
- 2 Schneidezähne (blau)
- 1 Eckzahn (gelb)
- 2 Prämolaren (rot)
- 3 Molaren (grün, inklusive Weisheitszahn als 3. Molar)
- Besonderheit: Weisheitszähne treten nicht bei allen Menschen auf → Sie können fehlen, im Kiefer verbleiben oder ungünstig liegen und dadurch nicht vollständig durchbrechen.

| Merkmal | Milchgebiss | Bleibendes Gebiss |
|---|---|---|
| Anzahl der Zähne | 20 | 28–32 (inkl. Weisheitszähne) |
| Beginn des Durchbruchs | ca. 6. Lebensmonat | ca. 6. Lebensjahr |
| Abschluss | ca. 3. Lebensjahr | ca. 12.–13. Lebensjahr (Weisheitszähne später) |
| Zahnarten pro Quadrant | 2 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Molaren | 2 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Prämolaren, 3 Molaren |
| Prämolaren vorhanden? | Nein | Ja |
| Weisheitszähne? | Nein | Ja, fakultativ (Dens serotinus) |
| Zahnformel | 2 – 1 – 2 | 2 – 1 – 2 – 3 |
| Funktion | Kauen, Platzhalter, Spracherwerb | Dauerhafte Kaufunktion, Ästhetik, Phonation |
MerkeZahnformel des bleibenden Gebisses (pro Quadrant): 2 – 1 – 2 – 3 (Schneidezähne – Eckzahn – Prämolaren – Molaren)
DefinitionDentition bezeichnet die Entwicklung und den Durchbruch der Zähne aus dem Kiefer in die Mundhöhle. Dieser physiologische Prozess ist in zwei Phasen unterteilt: die erste Dentition (Milchgebiss) und die zweite Dentition (bleibendes Gebiss). Beide verlaufen zeitlich und anatomisch in charakteristischer Weise und sind eng mit der Reifung des kindlichen Organismus verknüpft.
Erste Dentition (Milchgebiss)
Der Durchbruch der Milchzähne beginnt meist im Alter von etwa 6 Monaten. Innerhalb der nächsten 18–24 Monate erscheinen weitere Zähne typischerweise in einer bestimmten Reihenfolge.
Charakteristika:
- Beginn: ca. 6. Lebensmonat
- Abschluss: meist mit 30–36 Monaten
- Gesamtzahl: 20 Zähne (jeweils 5 pro Quadrant)
- Funktion: Platzhalterfunktion für bleibende Zähne, Unterstützung beim Kauen und Spracherwerb
Typische Durchbruchsreihenfolge:
- Untere mittlere Schneidezähne (Zähne 71 & 81)
- Weitere Schneidezähne (oberer mittlerer, dann seitliche)
- Milchmolaren
- Eckzähne
- Milchmolaren
AchtungEtwa 70 % der Säuglinge zeigen während der ersten Dentition Symptome
- Lokale Gingivitis oder Schwellung
- Reizbarkeit, Schlafstörungen, vermehrter Speichelfluss
- Kein Nachweis für Fieber oder Durchfall als typische Symptome (daher differenzialdiagnostisch vorsichtig sein)
Symptomlinderung:
- Beißringe (ggf. gekühlt)
- Lokal analgetische Gels (z. B. Lidocain-haltig – aber zurückhaltend anwenden, da potenzielle Nebenwirkungen wie Methämoglobinämie)
Zweite Dentition (bleibendes Gebiss)
Die zweite Dentition beschreibt den Ersatz des Milchgebisses durch das bleibende Gebiss. Dieser Prozess beginnt im Grundschulalter und ist mit etwa 12 Jahren weitgehend abgeschlossen – mit Ausnahme der Weisheitszähne.
Charakteristika:
- Beginn: ca. mit 6 Jahren
- Abschluss: ca. mit 12–13 Jahren (Weisheitszähne ggf. später)
- Gesamtzahl: 28–32 Zähne (inkl. Weisheitszähne)
- Bleibende Zähne ersetzen Milchzähne und ergänzen Molaren
Häufige Durchbruchsreihenfolge:
- Erste Molaren ("Sechs-Jahr-Molaren", ohne Milchzahnersatz!)
- Schneidezähne (untere vor oberen)
- Prämolaren (ersetzen Milchmolaren)
- Eckzähne
- Zweite Molaren
- (Weisheitszähne → 17.–25. Lebensjahr oder gar nicht)
MerkeFür den Durchbruch der bleibenden Zähne ist die Resorption der Milchzahnwurzeln durch die nachrückenden Zahnkeime essenziell. Fehlende Resorption kann zu Persistenz von Milchzähnen oder Retention bleibender Zähne führen.
| Phase | Alter | Anzahl Zähne | Reihenfolge – erste Zähne |
|---|---|---|---|
| Erste Dentition | 6. Monat – 3. Jahr | 20 | Untere mittlere Schneidezähne |
| Zweite Dentition | 6. – 12. Lebensjahr | 28–32 | Erste Molaren, Schneidezähne, Prämolaren |
Klinisch relevante Aspekte
- Frühzeitiger Zahndurchbruch kann hormonelle Ursachen (z. B. Hyperthyreose) haben
- Verzögerter Durchbruch kann auf Entwicklungsverzögerungen, Syndromerkrankungen (z. B. Down-Syndrom), Rachitis oder lokale Störungen hinweisen
- Persistierende Milchzähne oder überzählige Zähne (Hyperdontie) sollten zahnärztlich abgeklärt werden
- Kieferorthopädische Kontrollen sind v. a. zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr empfehlenswert
Seit 2021 sind zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge für Kleinkinder. Gemäß dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) können sie bereits ab dem 6. Lebensmonat durchgeführt werden – also ab dem Zeitpunkt des ersten Zahndurchbruchs. Ziel ist die frühe Prävention von Karies und anderen Zahnerkrankungen sowie die Elternaufklärung zu zahngesunder Ernährung, Fluoridierung und Mundhygiene.
Leistungen der Früherkennungsuntersuchungen:
- Drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen im Alter von 6 bis 33 Monaten
- Frühzeitige Beratung zu Mundgesundheit, Zahnpflege und Ernährung (erster Zahnarztbesuch bis zum 12. Lebensmonat)
- Kariesprophylaxe durch Fluoridlack ab dem ersten Zahn
InfoDiese Regelung unterstreicht die medizinische Relevanz der ersten Dentition als betreuungsbedürftige Entwicklungsphase und hebt hervor, dass auch Ärzt:innen anderer Fachrichtungen auf Zahndurchbrüche achten und zur zahnärztlichen Kontrolle motivieren sollten.
Zahnpflegeempfehlungen nach Alter:
- Ab Geburt
- Vitamin-D-Prophylaxe essenziell
- Fluoridgabe optional in Kombi mit Vitamin D (z. B. als Tablette)
- Ab dem 1. Zahn (~6. Monat)
- 2× täglich putzen mit 1.000 ppm fluoridhaltiger Zahnpasta
- Reiskorngroße Menge Zahnpasta verwenden
- Fortführung der Vitamin-D-Gabe bei Bedarf
- 2. – 6. Lebensjahr
- 2× täglich mit 1.000 ppm Zahnpasta
- Erbsengroße Menge verwenden
- Heranführen an eigenständiges Zähneputzen
- Eltern müssen bis zum Ende der 2. Klasse nachputzen
- Ab 6 Jahren
- Zahnpasta mit ca. 1.450 ppm Fluorid (Junior-/Erwachsenen-Zahnpasta)
- 2× täglich mit einer vollen Bürstenmenge putzen
Fluoridempfehlung im Überblick:
| Alter | Fluoridgehalt | Häufigkeit | Zahnpastamenge |
|---|---|---|---|
| Ab 1. Zahn – 2 J. | 1.000 ppm | 2× täglich | Reiskorngroß |
| 2 – 6 Jahre | 1.000 ppm | 2× täglich | Erbsengroß |
| > 6 Jahre | ca. 1.450 ppm | 2× täglich | Ganze Bürste |
Weitere Empfehlungen zur Zahngesundheit:
- Trinkverhalten
- Keine Nuckelflasche zum Dauernuckeln – Flaschen nur zur Nahrungsaufnahme
- Frühzeitiger Umstieg auf offenen Becher ab freiem Sitzen
- Nur Wasser oder ungesüßter Tee, keine süßen/kohlensäurehaltigen Getränke
- Nach dem abendlichen Putzen nur noch Wasser, keine Nahrung mehr
- Ernährung
- Kauaktive, zahngesunde Ernährung: rohes Gemüse, Obst, Vollkorn
- Zwischenmahlzeiten zuckerfrei gestalten
- Süßigkeiten, Fruchtsäfte, salzige Snacks nur selten als Ausnahme
- Schnuller & Daumenlutschen
- Schnuller statt Daumenlutschen bevorzugen
- Abgewöhnung des Schnullers ab dem 2. Geburtstag empfohlen
- Frühzeitige Umgewöhnung bei Daumenlutschen zur Vermeidung von Zahnfehlstellungen und Zungenfunktionsstörungen
- Kinder-Richtlinie: Untersuchungsheft für Kinder – Dokumentation der zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen. Gemeinsamer Bundesausschuss
- Richtlinie über die Früherkennungsuntersuchung auf Zahn, Mund- und Kieferkrankheiten:
Einheitliche Dokumentation zahnärztlicher Früherkennungsuntersuchungen im Untersuchungsheft für Kinder und notwendige Änderungen in der Richtlinie. Gemeinsamer Bundesausschuss
