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Dentition

SK
7 Minuten Lesezeit
Wechselgebiss bei einem Kind
Kind mit Wechselgebiss

Dentition bezeichnet die Entwicklung und den Durchbruch der Zähne. 
Die erste Dentition umfasst den Durchbruch des vorübergehenden Milchgebisses, die zweite Dentition den Durchbruch des bleibenden Gebisses zu charakteristischen Zeitpunkten und in festgelegter Reihenfolge. Dazwischen liegt das sogenannte Wechselgebiss
Milchgebiss und bleibendes Gebiss unterscheiden sich im zeitlichen Auftreten, in der Anzahl der Zähne (20 Milchzähne gegenüber 32 bleibenden Zähnen) und in der Reihenfolge des Zahndurchbruchs

Zahnarten und ihre Funktion:

  • Schneidezähne (Incisivi): Schneidende Funktion beim Abbeißen
  • Eckzähne (Canini): Reißfunktion, Übergang zwischen Front- und Seitenzähnen
  • Prämolaren (Dentes praemolares): Mahlfunktion, v. a. beim Zerquetschen
  • Molaren (Dentes molares): Grobe Zerkleinerung und Mahlfunktion

Quadranteneinteilung (FDI-Zahnschema):

Das menschliche Gebiss besteht aus einer definierten Anzahl an Zähnen, die sich in Form, Funktion und Lage unterscheiden. Es wird in vier Quadranten unterteilt – je zwei im Ober- und Unterkiefer – mit einer symmetrischen Anordnung der Zähne.

FDI-Zahnschema des bleibenden Gebisses

 

Milchgebiss (20 Zähne):

  • Je Quadrant:
    • 2 Schneidezähne (blau)
    • 1 Eckzahn (gelb)
    • 2 Milchmolaren (grün)
  • Besonderheit: Keine Prämolaren oder Weisheitszähne
Milchgebiss
Milchgebiss

Bleibendes Gebiss (28–32 Zähne)

  • Je Quadrant:
    • 2 Schneidezähne (blau)
    • 1 Eckzahn (gelb)
    • 2 Prämolaren (rot)
    • 3 Molaren (grün, inklusive Weisheitszahn als 3. Molar)
  • Besonderheit: Weisheitszähne treten nicht bei allen Menschen auf → Sie können fehlen, im Kiefer verbleiben oder ungünstig liegen und dadurch nicht vollständig durchbrechen.
Erwachsenengebiss
Erwachsenengebiss
MerkmalMilchgebissBleibendes Gebiss
Anzahl der Zähne2028–32 (inkl. Weisheitszähne)
Beginn des Durchbruchsca. 6. Lebensmonatca. 6. Lebensjahr
Abschlussca. 3. Lebensjahrca. 12.–13. Lebensjahr (Weisheitszähne später)
Zahnarten pro Quadrant2 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Molaren2 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Prämolaren, 3 Molaren
Prämolaren vorhanden?NeinJa
Weisheitszähne?NeinJa, fakultativ (Dens serotinus)
Zahnformel2 – 1 – 22 – 1 – 2 – 3
FunktionKauen, Platzhalter, SpracherwerbDauerhafte Kaufunktion, Ästhetik, Phonation
 Merke

Zahnformel des bleibenden Gebisses (pro Quadrant): 2 – 1 – 2 – 3 (Schneidezähne – Eckzahn – Prämolaren – Molaren)

 Definition

Dentition bezeichnet die Entwicklung und den Durchbruch der Zähne aus dem Kiefer in die Mundhöhle. Dieser physiologische Prozess ist in zwei Phasen unterteilt: die erste Dentition (Milchgebiss) und die zweite Dentition (bleibendes Gebiss). Beide verlaufen zeitlich und anatomisch in charakteristischer Weise und sind eng mit der Reifung des kindlichen Organismus verknüpft.

Erste Dentition (Milchgebiss)

Der Durchbruch der Milchzähne beginnt meist im Alter von etwa 6 Monaten. Innerhalb der nächsten 18–24 Monate erscheinen weitere Zähne typischerweise in einer bestimmten Reihenfolge.

Charakteristika:

  • Beginn: ca. 6. Lebensmonat
  • Abschluss: meist mit 30–36 Monaten
  • Gesamtzahl: 20 Zähne (jeweils 5 pro Quadrant)
  • Funktion: Platzhalterfunktion für bleibende Zähne, Unterstützung beim Kauen und Spracherwerb

Typische Durchbruchsreihenfolge:

  1. Untere mittlere Schneidezähne (Zähne 71 & 81)
  2. Weitere Schneidezähne (oberer mittlerer, dann seitliche)
  3. Milchmolaren
  4. Eckzähne
  5. Milchmolaren
 Achtung

Etwa 70 % der Säuglinge zeigen während der ersten Dentition Symptome

  • Lokale Gingivitis oder Schwellung
  • Reizbarkeit, Schlafstörungen, vermehrter Speichelfluss
  • Kein Nachweis für Fieber oder Durchfall als typische Symptome (daher differenzialdiagnostisch vorsichtig sein)

Symptomlinderung:

  • Beißringe (ggf. gekühlt)
  • Lokal analgetische Gels (z. B. Lidocain-haltig – aber zurückhaltend anwenden, da potenzielle Nebenwirkungen wie Methämoglobinämie)

Zweite Dentition (bleibendes Gebiss)

Die zweite Dentition beschreibt den Ersatz des Milchgebisses durch das bleibende Gebiss. Dieser Prozess beginnt im Grundschulalter und ist mit etwa 12 Jahren weitgehend abgeschlossen – mit Ausnahme der Weisheitszähne. 

Charakteristika:

  • Beginn: ca. mit 6 Jahren
  • Abschluss: ca. mit 12–13 Jahren (Weisheitszähne ggf. später)
  • Gesamtzahl: 28–32 Zähne (inkl. Weisheitszähne)
  • Bleibende Zähne ersetzen Milchzähne und ergänzen Molaren

Häufige Durchbruchsreihenfolge:

  1. Erste Molaren ("Sechs-Jahr-Molaren", ohne Milchzahnersatz!)
  2. Schneidezähne (untere vor oberen)
  3. Prämolaren (ersetzen Milchmolaren)
  4. Eckzähne
  5. Zweite Molaren
  6. (Weisheitszähne → 17.–25. Lebensjahr oder gar nicht)
 Merke

Für den Durchbruch der bleibenden Zähne ist die Resorption der Milchzahnwurzeln durch die nachrückenden Zahnkeime essenziell. Fehlende Resorption kann zu Persistenz von Milchzähnen oder Retention bleibender Zähne führen.

PhaseAlterAnzahl ZähneReihenfolge – erste Zähne
Erste Dentition6. Monat – 3. Jahr20Untere mittlere Schneidezähne
Zweite Dentition6. – 12. Lebensjahr28–32Erste Molaren, Schneidezähne, Prämolaren

Klinisch relevante Aspekte

  • Frühzeitiger Zahndurchbruch kann hormonelle Ursachen (z. B. Hyperthyreose) haben
  • Verzögerter Durchbruch kann auf Entwicklungsverzögerungen, Syndromerkrankungen (z. B. Down-Syndrom), Rachitis oder lokale Störungen hinweisen
  • Persistierende Milchzähne oder überzählige Zähne (Hyperdontie) sollten zahnärztlich abgeklärt werden
  • Kieferorthopädische Kontrollen sind v. a. zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr empfehlenswert

Seit 2021 sind zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge für Kleinkinder. Gemäß dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) können sie bereits ab dem 6. Lebensmonat durchgeführt werden – also ab dem Zeitpunkt des ersten Zahndurchbruchs. Ziel ist die frühe Prävention von Karies und anderen Zahnerkrankungen sowie die Elternaufklärung zu zahngesunder Ernährung, Fluoridierung und Mundhygiene.

Leistungen der Früherkennungsuntersuchungen:

  • Drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen im Alter von 6 bis 33 Monaten
  • Frühzeitige Beratung zu Mundgesundheit, Zahnpflege und Ernährung (erster Zahnarztbesuch bis zum 12. Lebensmonat)
  • Kariesprophylaxe durch Fluoridlack ab dem ersten Zahn
 Info

Diese Regelung unterstreicht die medizinische Relevanz der ersten Dentition als betreuungsbedürftige Entwicklungsphase und hebt hervor, dass auch Ärzt:innen anderer Fachrichtungen auf Zahndurchbrüche achten und zur zahnärztlichen Kontrolle motivieren sollten.

Zahnpflegeempfehlungen nach Alter:

  • Ab Geburt
    • Vitamin-D-Prophylaxe essenziell
    • Fluoridgabe optional in Kombi mit Vitamin D (z. B. als Tablette)
  • Ab dem 1. Zahn (~6. Monat)
    • 2× täglich putzen mit 1.000 ppm fluoridhaltiger Zahnpasta
    • Reiskorngroße Menge Zahnpasta verwenden
    • Fortführung der Vitamin-D-Gabe bei Bedarf
  • 2. – 6. Lebensjahr
    • 2× täglich mit 1.000 ppm Zahnpasta
    • Erbsengroße Menge verwenden
    • Heranführen an eigenständiges Zähneputzen
    • Eltern müssen bis zum Ende der 2. Klasse nachputzen
  • Ab 6 Jahren
    • Zahnpasta mit ca. 1.450 ppm Fluorid (Junior-/Erwachsenen-Zahnpasta)
    • 2× täglich mit einer vollen Bürstenmenge putzen

Fluoridempfehlung im Überblick:

AlterFluoridgehaltHäufigkeitZahnpastamenge
Ab 1. Zahn – 2 J.1.000 ppm2× täglichReiskorngroß
2 – 6 Jahre1.000 ppm2× täglichErbsengroß
> 6 Jahreca. 1.450 ppm2× täglichGanze Bürste

Weitere Empfehlungen zur Zahngesundheit:

  • Trinkverhalten
    • Keine Nuckelflasche zum Dauernuckeln – Flaschen nur zur Nahrungsaufnahme
    • Frühzeitiger Umstieg auf offenen Becher ab freiem Sitzen
    • Nur Wasser oder ungesüßter Tee, keine süßen/kohlensäurehaltigen Getränke
    • Nach dem abendlichen Putzen nur noch Wasser, keine Nahrung mehr
  • Ernährung
    • Kauaktive, zahngesunde Ernährung: rohes Gemüse, Obst, Vollkorn
    • Zwischenmahlzeiten zuckerfrei gestalten
    • Süßigkeiten, Fruchtsäfte, salzige Snacks nur selten als Ausnahme
  • Schnuller & Daumenlutschen
    • Schnuller statt Daumenlutschen bevorzugen
    • Abgewöhnung des Schnullers ab dem 2. Geburtstag empfohlen
    • Frühzeitige Umgewöhnung bei Daumenlutschen zur Vermeidung von Zahnfehlstellungen und Zungenfunktionsstörungen
Zuletzt aktualisiert am 29.07.2025
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