Medi Know
Logo Image

Leitsymptom: Dyspnoe

Atemnot, Luftnot
ME
9 Minuten Lesezeit

Dyspnoe beschreibt das subjektive Gefühl einer erschwerten oder unzureichenden Atmung. Sie stellt kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom dar, das auf eine Vielzahl zugrunde liegender Erkrankungen hinweisen kann. Dyspnoe kann sowohl Zeichen einer akuten, potenziell lebensbedrohlichen Situation als auch Ausdruck einer chronischen Erkrankung sein.

Die Ursachen reichen von Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems bis hin zu metabolischen, neurologischen oder psychischen Störungen. Das Symptom kann plötzlich oder schleichend auftreten und variiert in seiner Intensität. Die Identifikation der zugrundeliegenden Ursache ist essenziell für die weitere diagnostische Abklärung und therapeutische Planung.

 Achtung
Akut lebensbedrohliche Differentialdiagnosen
  • Akutes Koronarsyndrom (ACS)
  • Lungenarterienembolie
  • Pneumothorax (insbesondere Spannungspneumothorax)
  • Akute Herzinsuffizienz (kardiales Lungenödem)
  • Anaphylaxie / Glottisödem
  • Fremdkörperaspiration
  • Status asthmaticus
  • Schwere Exazerbation einer COPD
  • Sepsis bei Pneumonie 

Weitere Differentialdiagnosen

Kardiale Ursachen 

  • Chronische Herzinsuffizienz
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Klappenvitien
  • Perikarderkrankungen
  • Endokarditis / Myokarditis
  • Cor pulmonale
  • Angeborene Herzfehler

Pulmonale Ursachen

  • COPD (inkl. Lungenemphysem)
  • Asthma bronchiale
  • Pneumonie
  • Atelektasen
  • Pleuraerguss
  • Pleuritis
  • Lungenfibrose
  • Sarkoidose
  • Pulmonale Hypertonie
  • Trachealstenose

Metabolische/hämatologische Ursachen

  • Anämie
  • Metabolische Azidose
  • Kohlenstoffmonoxidvergiftung
  • Hyperthyreose

Mechanische Ursachen

  • Adipositas
  • Schwangerschaft

Neuromuskuläre / zentrale Ursachen

  • Neuromuskuläre Erkrankungen
  • Zentrale Störungen (z. B. Schlaganfall, Hirntumor)

Psychogene Ursachen

  • Panikattacken und Angststörungen
  • Hyperventilationssyndrom
 Merke

Red Flags sind Warnsymptome, die auf eine akut lebensbedrohliche Ursache hinweisen und ein sofortiges Handeln erfordern.

Red Flags

  • Akuter Beginn der Dyspnoe
  • Hypoxämie (SpO₂ < 85 %) oder schwere Zyanose (z. B. periorale Zyanose)
  • Tachypnoe (> 40/min)
  • Stridor
  • Sprechdyspnoe
  • Zeichen der respiratorischen Erschöpfung (z. B. Nutzung der Atemhilfsmuskulatur, paradoxe Atmung)
  • Thoraxschmerzen als Begleitsymptom
  • Gestaute Halsvenen
  • Vigilanzminderung (z. B. Somnolenz, Desorientierung)
  • Zeichen der Kreislaufinstabilität (z. B. Hypotonie, Tachykardie, Kaltschweißigkeit, Blässe)
  • Pathologischer Auskultationsbefund (z. B. einseitig oder beidseitig fehlendes Atemgeräusch – „Silent Chest“)
 Merke
  • Inspiratorischer Stridor: Hinweis auf eine Obstruktion der oberen Atemwege (z. B. Fremdkörper, Glottisödem)
  • Exspiratorischer Stridor: Hinweis auf eine Obstruktion der unteren Atemwege (z. B. Asthma bronchiale, COPD)

Basismaßnahmen durchführen 

  • Kontinuierliches Monitoring: Blutdruck, Herzfrequenz, EKG, SpO₂
  • Frühzeitiges 12-Kanal-EKG (innerhalb von 10 Minuten)
  • i.v.-Zugang etablieren
  • Blutabnahme mit folgenden Parametern:
    • Troponin, CK-MB: Hinweis auf Myokardinfarkt
    • NT-proBNP / BNP: Hinweis auf Herzinsuffizienz
    • D-Dimere: Hinweis auf Thrombembolie (nur bei moderater bis niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit sinnvoll)
    • Entzündungsparameter (CRP, Leukozyten): Hinweis auf Pneumonie
    • Nierenretentionsparameter (Kreatinin, Harnstoff)
    • Gerinnung (Quick/INR, PTT)
    • Blutgasanalyse (BGA): Beurteilung von Hypoxämie, Hyperkapnie, Azidose/Alkalose
    • Hb: Hinweis auf Anämie
    • Elektrolyte: z. B. Hypo-/Hyperkaliämie, Hypo-/Hypernatriämie
    • Laktat: Hinweis auf Schockgeschehen oder Gewebshypoxie
    • Blutzucker: v. a. bei Bewusstseinsstörung relevant

Ersteindruck 

  • Kreislaufstabilität beurteilen (z. B. Hautkolorit, RR, HF, Vigilanz)
  • Red Flags prüfen → bei positivem Befund: sofortige Notfallmaßnahmen
  • Inspiratorischer Stridor: Rachen inspizieren, Fremdkörper ausschließen, zum Husten animieren
  • SpO₂ < 90 %: Sauerstoffgabe (Ziel-SpO₂: 92–96 %, Maske mit Reservoir), Oberkörper hochlagern
  • Respiratorische Erschöpfung: ggf. High-Flow, nicht-invasive Beatmung oder Intubation
  • Schockzeichen: Schockindex berechnen (HF/RR > 1,0 → hohe prädiktive Aussagekraft für instabile Kreislaufsituation), ggf. Katecholamine (Ziel-MAD: 60–70 mmHg), Volumentherapie einleiten, ggf. Defi-Patches aufkleben
  • Ausgeprägte Unruhe / Todesangst: medikamentöse Sedierung und Analgesie erwägen
 Tipp

Die strukturierte Versorgung erfolgt nach dem xABCDE-Schema, das in Notfallsituationen standardisiert angewendet wird.

AnamneseKörperliche UntersuchungGezielte Bildgebung (je nach Anamnese und Untersuchung)
  • Zeitlicher Verlauf:
    • Akut vs. chronisch (>4 Wochen)
    • Anfallsweise vs. dauerhaft
  • Situativität:
    • Bei Ruhe, Belastung, in bestimmten Positionen (z. B. Orthopnoe)
    • Auslöser: z. B. Trauma, Allergene
  • Begleitsymptome:
    • Thoraxschmerz, Husten/Auswurf (Farbe, Menge, Konsistenz)
  • Vorerkrankungen/Risikofaktoren:
    • Herzinsuffizienz, KHK, Z. n. Myokardinfarkt, COPD, Asthma, Allergien, Rauchen
  • Inspektion:
    • Atemfrequenz, Atemmuster (z. B. Cheyne-Stokes)
    • Thoraxform (z. B. Fassthorax bei COPD)
    • Zyanosezeichen (z. B. Lippen, Fingernägel)
    • Extremitäten: Ödeme, TVT-Zeichen
    • Halsvenenstauung
    • Rekapillarisierungszeit
  • Auskultation: Herz- und Lungenbefunde (z. B. Rasselgeräusche, fehlendes Atemgeräusch)
  • Neurologischer Status:
    • Bewusstseinslage (z. B. GCS)
  • Körpertemperatur
  • Sonografie: Pleuraerguss, Pneumothorax, vermehrte B-Linien bei Lungenödem, Aortenscreening
  • Röntgen-Thorax: Pneumonie, Pneumothorax
  • Echokardiographie: eingeschränkte Pumpfunktion, Rechtsherzbelastung
  • CT-Thorax / CT-Angiographie: bei Verdacht auf Lungenarterienembolie, Pneumonie, Malignome etc.
 SymptomatikDiagnostikSonstiges
COPD
  • Art der Dyspnoe
    • Chronische Dyspnoe, häufig Verschlechterung bei akuter Exazerbation (AECOPD)
    • Je nach Schweregrad: Belastungsdyspnoe bis Ruhedyspnoe
    • Chronischer Husten, ggf. mit purulentem Auswurf
    • Tachypnoe
    • Zyanose bei fortgeschrittener Gasaustauschstörung
    • Ggf. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (z. B. Kutschersitz)
  • Bewusstseinsstörung bei schwerer Hyperkapnie möglich
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Bekannte COPD
    • Starker Nikotinkonsum
    • Berufliche oder Umwelt-Noxen
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: verlängertes Exspirium, ggf. Fassthorax, Kachexie, Trommelschlegelfinger
    • Auskultation: exspiratorisches Giemen/Brummen, bei schwerer Obstruktion leises oder fehlendes Atemgeräusch („silent chest“)
    • Perkussion: hypersonorer Klopfschall
  • BGA: häufig Hyperkapnie, Hypoxämie, respiratorische Azidose, evtl. kompensiert
  • Labor: ggf. erhöhte Entzündungsparameter (z. B. bei infektiöser AECOPD)
  • Bildgebung:
    • Röntgen-Thorax: tiefstehendes Zwerchfell, ggf. Infiltrate bei Infekt
    • CT-Thorax: Lungenemphysem, Bronchiektasen, Bullae
    • Echokardiographie: Zeichen eines Cor pulmonale (z. B. Rechtsherzhypertrophie)
  • Sekundärer Pneumothorax (z. B. bei rupturierter Bulla
Asthma bronchiale 
  • Art der Dyspnoe:
    • Anfallsartig auftretend, häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden
    • Trigger: Allergene, Infekte, körperliche Belastung, kalte Luft oder Reizstoffe
    • Meist reversibel, kann jedoch bei schwerem Anfall persistieren
    • Typischerweise mit erschwertem Exspirium (→ verlängerte Ausatmung)
    • Zyanose
    • Tachypnoe
    • Ggf. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, z. B. Kutschersitz, Nasenflügeln
    • Husten (mit oder ohne Auswurf)
  • Brustenge
  • Tachykardie, in späten Stadien auch Bradykardie möglich
  • Bewusstseinsstörung bei respiratorischer Erschöpfung
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Atopie / Allergien (z. B. allergische Rhinitis, atopisches Ekzem)
    • Positive Familienanamnese für Asthma oder andere atopische Erkrankungen
    • Bekanntes Asthma bronchiale
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: verlängertes Exspirium, ggf. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, exspiratorischer Stridor
    • Auskultation: exspiratorisches Giemen, Brummen oder Pfeifen. bei schwerer Obstruktion: leises oder fehlendes Atemgeräusch („silent chest“)
    • Perkussion: hypersonorer Klopfschall
  • BGA
    • Frühphase: Hyperventilation infolge der Atemnot → respiratorische Alkalose (pH ↑, pCO₂ ↓), pO₂ normal
    • Spätphase: respiratorische Erschöpfung → respiratorische Azidose (pH ↓, pCO₂ ↑), pO₂ ↓
  • Labor: ggf. erhöhte Entzündungsparameter
  • Sekundärer Pneumothorax (z. B. durch Husten)
  • Status asthmaticus: potenziell lebensbedrohlich, häufig mit Intubationsindikation
  • Sonderfall: medikamenten-assoziertes Asthma bei Erwachsenen (z. B. durch Acetylsalicylsäure (ASS), NSAR, nicht-selektive Betablocker)
Pneumonie
  • Art der Dyspnoe:
    • Progredient, häufig über Stunden bis Tage
    • Begleitet von Husten, Fieber, Schwäche
    • Pleura-/Brustschmerz, ggf. Zyanose
  • Bei Sepsis / septischer Schock
    • Hypotonie
    • Tachypnoe
    • Bewusstseinsstörung 
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Vorbestehender Atemwegsinfekt → ambulant erworbene Pneumonie
    • Klinikaufenthalt, Pflegeheim → nosokomiale Pneumonie
    • Immunsuppression (z. B. Chemotherapie, Diabetes mellitus)
    • Pulmonale Vorerkrankungen
  • Körperliche Untersuchung:
    • Auskultation: feinblasige Rasselgeräusche, Bronchialatmen
    • Erhöhte Körpertemperatur:Fieber
  • Labor: erhöhte Entzündungsparameter (CRP, Leukozyten), ggf. Leber-/Nierenparameter bei Sepsis
  • BGA: ggf. Hypoxämie, Laktat↑ bei Schock
  • Bildgebung: Röntgen-Thorax → Infiltrate
  • Score: CRB-65 zur Schweregradbeurteilung
  • Cave: septischer Schock bei schwerem Verlauf
Pneumothorax
  • Art der Dyspnoe
    • Akut
    • Zunächst belastungsabhängig, später ggf. in Ruhe
    • Einseitiger, stechender, atemabhängiger Thoraxschmerz, Tachypnoe, ggf. Zyanose
    • Tachypnoe
    • Husten
  • Bei Spannungspneumothorax:
    • Gestaute Halsvenen
    • Zyanose
    • Schocksymptomatik
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Lungenvorerkrankungen (z. B. COPD)
    • Junge, schlanke Männer ohne Vorerkrankungen
    • Körperliche Belastung, Trauma, Pneumothorax in der Anamnese
    • Rauchen
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: Asymmetrisches Atemmuster, Ggf. gestaute Halsvenen
    • Auskultation: Abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch ("silent chest")
    • Perkussion: Hyposonorer Klopfschall
  • BGA: ggf. Hypoxämie, Hyperkapnie, Laktaterhöhung bei Schock
  • Bildgebung:
    • Röntgen-Thorax (im Stehen): Luft im Pleuraspalt, Pneu-Linie. bei Spannungspneumothorax ggf. Medialstinalverschiebung
    • Sonografie (im Liegen): Barcode-Sign und fehlendes Pleurareiben, kein Seashore-Sign
    • CT: bei unklaren Befunden oder Polytrauma
  • Sonderform: Spannungspneumothorax:
    • Ventilmechanismus führt zu zunehmender Luftansammlung im Pleuraspalt
    • Folge: Mediastinalverlagerung, Kompression der Gegenseite, hämodynamische Instabilität
Lungenarterienembolie
  • Art der Dyspnoe
    • Akut
    • Häufig belastungsunabhängig, oft in Ruhe
    • Einseitiger, stechender, atemabhängiger Throaxschmerz
    • Husten ggf. Hämoptysen
    • Tachypnoe
    • Ggf. Zyanose
  • Ggf. Schocksymptomatik
  • Angst / "Todesangst"
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Oft Zustand nach tiefer Beinvenenthromose (TVT) oder LAE
    • Immobilisation (z. B. Langstreckenflug, postoperative Phase, Gips)
    • Thrombophilie, Malignom, Pille + Rauchen, Adipositas
  • Körperliche Untersuchung:
    • Ggf. Halsvenenstauung bei Rechtsherzbelastung
    • Zeichen der Zentralisation: Kaltschweißigkeit, Blässe, verlängerte Rekap-Zeit
  • EKG:
    • Sinustachykardie als häufigstes EKG-Zeichen
    • SI-QIII-Typ, SISIISIII-Typ
    • Rechtsschenkelblock, T-Inversion in Ableitung III, aVF, V1–V3, P-pulmonale
  • Labor:
    • D-Dimere: bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit einer LAE
      • Negativ → Ausschluss
      • Erhöht bei LAE, aber auch unspezifisch bei anderen Erkrankungen
    • Troponin und NT-proBNP erhöht bei Rechtsherzbelastung
  • BGA:
    • Hypoxämie (↓ pO₂)
    • Hypokapnie (↓ pCO₂) durch Hyperventilation
    • Respiratorische Alkalose (↑ pH)
    • Laktat↑ bei Schock oder Gewebehypoxie
    • In Spätstadien oder bei schwerem Verlauf: Hyperkapnie
  • Bildgebung:
    • CT-Angiographie (CTPA): Diagnostischer Goldstandard bei stabilen Patient:innen mit hoher klinischer Wahrscheinlichkeit einer LAE
    • Echokardiographie: Zeichen der Rechtsherzbelastung (D-Sign, Ventrikeldilatation, paradoxe Septumbewegung), v. a. bei instabilen Patient:innen
    • Ggf. Beinvenensonographie bei klinischem TVT-Verdacht
  • Scores:
    • Wells-Score zur Einschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit
    • Alternativ: PESI-Score
  • Klinische Präsentation ist oft unspezifisch – Dyspnoe kann einziges Symptom sein
  • D-Dimer-Diagnostik nur bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit sinnvoll zur Ausschlussdiagnostik
Herzinsuffizienz 
  • Art der Dyspnoe
    • Akut oder chronisch
    • Belastungsdyspnoe, im Verlauf auch Ruhedyspnoe (NYHA IV)
    • Orthopnoe
    • Paroxsymale nächtliche
    • Zyanose
    • Tachypnoe
  • Palpitationen, Synkopen bei begleitenden Rhythmusstörungen
  • Rechtsherzinsuffizienz (Stauungszeichen):
    • Periphere Ödeme, Pleuraerguss, Aszites
    • Nykturie
    • Hepatomegalie, ggf. Splenomegalie
    • Jugularvenenstauung
  • Linksherzinsuffizienz
    • Rückwärtsversagen:
      • Lungenstauung, nächtlicher Husten, basale Rasselgeräusche
    • Vorwärtsversagen:
      • Müdigkeit, Schwäche, zerebrale Minderperfusion (Verwirrtheit, Vigilanzstörung)
      • Kardiorenales Syndrom mit Nierenfunktionsverschlechterung
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Kardiale Vorerkrankungen: KHK, arterielle Hypertonie, Klappenvitien, Z. n. Myokardinfarkt
    • Alter, Diabetes mellitus, Rauchen
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: periphere Ödeme, Halsvenenstauung, Aszites (v. a. bei Rechtsherzinsuffizienz)
    • Auskultation: basale Rasselgeräusche
  • EKG: Unspezifische Veränderungen
  • Labor:
    • NT-proBNP / BNP erhöht (sensitiver Marker)
    • Ggf. Nieren- oder Leberwerte pathologisch bei Minderperfusion oder Stauung
  • BGA: ggf. Hypoxämie
  • Bildgebung:
    • Echokardiographie: Systolische Dysfunktion (erniedrigte EF) oder diastolische Funktionsstörung. Kammer-/Vorhofvergrößerung, Klappenvitien
    • Sonografie: Pleuraerguss, Aszitis, Hepatomegalie. Splenomegalie, B-Linien bei Lungenödem
    • Röntgen-Thorax: pulmonale Stauung, Kardiomegalie, Pleuraerguss
  • Cave: Kardiogener Schock bei schwerem systolischen Pumpversagen → Notfall mit hoher Letalität
Akutes Koronarsyndrom (ACS)
  • Art der Dyspnoe
    • Akut
    • Oft belastungsabhängig, aber auch in Ruhe möglich
  • Plötzlicher, dumpfer, atemunabhängiger Thoraxschmerz mit Ausstrahlung (linker Arm, Hals, Kiefer, Oberbauch)
  • Schocksymptomatik
  • Angst / "Todesangst"
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Kardiale Vorerkrankungen:KHK, Herzinsuffizenz, Z.n. Myokardinfarkt
    • Klassische Risikofaktoren: arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Dyslipidämie, Rauchen, Alter, Adipositas
    • Positive Familienanamnese
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: Ggf. Zeichen einer begleitenden Herzinsuffizienz (z. B. periphere Ödeme, Halsvenenstauung)
  • EKG:
    • ST-Streckenveränderungen:
      • ST-Hebungen (STEMI)
      • ST-Senkungen / T-Inversionen (NSTEMI / instabile AP)
    • Neu aufgetretener Linksschenkelblock (ggf. STEMI-Äquivalent)
    • Arrhythmien
  • BGA:
    • Ggf. Hypoxämie
    • Bei Schock: Laktat↑, teils Hyperkapnie durch Hypoperfusion
  • Labor:
    • Troponin, CK-MB↑ → typisch mit Dynamik
  • Score: Heart-Score


 

  • Ggf. ähnliche Symptomatik in den Vortagen unter Belastung (stabile Angina Pectoris)
  • Cave: stummer Infarkt - atypische Verläufe bei:
    • Frauen:
      • Abdominelle Beschwerden
      • Brennender Schmerzcharakter
      • Ausstrahlung in Hals, Kiefer oder Oberbauch
      • Übelkeit und Erbrechen
      • Schwindelgefühl
    • Diabetiker:innen: oft fehlende Schmerzsymptomatik aufgrund diabetischer Neuopathie
  • Bei STEMI: → Sofortkontakt mit Herzkatheterlabor
Hyperventilation/Panickattacke
  • Art der Dyspnoe
    • Akut
    • Tachypnoe
    • Parästhesien (v. a. perioral, Finger) Zittern
    • Pfötchenstellung der Hände (Hyperventilations-Tetanie)
  • Herzpalpation, Thoraxschmerz
  • Schwindel
  • Globusgefühl, Aerophagie (Luftschlucken)
  • Tachykardie
  • Hypertonie
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Psychiatrische Vorerkrankungen: z. B. Panikstörung, generalisierte Angststörung
    • Vorangegangene ähnliche Episoden
    • Häufig junge, gesunde Patient:innen ohne somatische Ursache
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: Pfötchenstellung der Hände typisch), Zittern, Parästhesien, sichtbare Unruhe
  • BGA:
    • Hypokapnie (↓ pCO₂) durch Hyperventilation
    • Respiratorische Alkalose (↑ pH)
    • Meist normale Oxygenierung
  • Ausschlussdiagnose
  • Typischerweise selbstlimitierend
  • Pocket-Leitlinien, Akute und chronische Herzinsuffizienz (Version 2021), Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
  • Pocket-Leitlinien, Akutes Koronarsyndrom (Version 2023), Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
  • Pocket-Leitlinien, Management der akuten Lungenembolie (Version 2019), Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
  • Pocket-Leitlinien, Aortenerkrankungen (Version 2014), Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
  • S3-Leitlinie, Diagnostik und Therapie von Spontanpneumothorax und postinterventionellem Pneumothorax, Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie e.V. (DGT)
  • S3-Leitlinie, Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, NVL-Programm von BÄK, KBV, AWMF
  • S3-Leitlinie, Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, NVL-Programm von BÄK, KBV, AWMF
  • S3-Leitlinie, Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)
  • Steffen et al.: Internistische Differenzialdiagnosen, Schattauer GmbH, 2008, ISBN: 978-3-7945-23-42.9
  • Frimmel: Klinische Notfälle griffbereit, Schattauer GmbH, 2018, ISBN: 978-3-7945-3253-7
  • Baenkler et al: Kurzlehrbuch Innere Medizin, Georg Thieme Verlag KG, 2021, ISBN: 978-3-13-220000-5
Zuletzt aktualisiert am 23.04.2025
Leitsymptom: Husten
Leitsymptom: Fieber
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz