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eFAST

10 Minuten Lesezeit

eFAST ist die Abkürzung für extended Focused Assessment with Sonography for Trauma und entstand aus der Notwendigkeit heraus, lebensbedrohliche Verletzungen im Schockraum schnell zu erkennen. Mittlerweile ist die Notfallsonographie ein essentieller Bestandteil im Rahmen des sogenannten „primary survey“ in der Schockraumversorgung.

Für die allermeisten Fragestellungen liefert die Sonographie keine genaueren Ergebnisse als ein CT, dafür hat sie aber andere Stärken:

  • Sie ist schnell: Ein:e erfahrene:r Untersucher:in braucht für eine Untersuchung ca. 2-3 Minuten
  • Keine Strahlenbelastung: Großer Vorteil v.a. bei Kindern und Schwangeren
  • Nicht invasiv: Für ein Trauma-CT braucht man dagegen eine Aufnahme mit Kontrastmittel, was Anaphylaxien und/oder eine Nierenschädigung verursachen kann. Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch die Strahlenbelastung. Bei klinisch stabilen und äußerlich unverletzten Patient:innen kann eine unauffällige Sonographie bei der Entscheidung helfen, auf ein CT zu verzichten
  • „Live Performance“: Die Sonographie ist eine dynamische Bilddarstellung, d.h. man kann z.B. das Herz oder die Pleura im zeitlichen Verlauf beobachten
  • Beliebig oft wiederholbar: Oft braucht man engmaschige Verlaufskontrollen, was schon allein aus logistischen Gründen mittels CT nicht durchführbar ist
  • Überall einsetzbar: Sonographiegeräte sind mobil und mittlerweile im „Taschenformat“ auch zunehmend in der Präklinik verbreitet
 Merke

In der Schwerverletztenversorgung ersetzt die Sonographie kein CT: Sie ermöglicht jedoch eine rasche Ersteinschätzung, hilft bei der Priorisierung der weiteren Diagnostik und unterstützt dabei, zeitkritische lebensrettende Maßnahmen frühzeitig einzuleiten.

Schwere Verletzungen sind in der Notfallsonographie vor allem durch zwei Dinge gekennzeichnet: Freie Flüssigkeit (meistens Blut) und Luft. Der Nachweis dieser deutet somit auf eine potentiell lebensbedrohliche Verletzung hin.

 Achtung

Grundsatz: Treat first, what kills first!

Da ein eFAST schnelle und vor allem relevante Informationen für die weitere Behandlung liefern soll, ist der Ablauf standardisiert, sollte stets in der gleichen Reihenfolge erfolgen und aus Zeitgründen nicht auf andere Bereiche ausgedehnt werden. Man beschränkt sich deswegen auf die Untersuchung folgender Regionen:

Ablauf eFAST

Es gibt mehrere sinnvolle Reihenfolgen:

  • Perikard ➜ Abdomen rechts ➜ Abdomen links ➜ Becken ➜ Thorax beidseits (meistens empfohlen)
  • PerikardThorax rechts ➜ Thorax links ➜ Abdomen rechts ➜ Abdomen links ➜ Becken („top to bottom“)

Es empfiehlt sich, das Schema zu verwenden, das im jeweiligen Haus bereits etabliert ist.

Absolute Kontraindikationen im engeren Sinn gibt es keine. Grundsätzlich sollte man sich jedoch die Frage stellen, ob vor dem eFAST noch dringendere Maßnahmen durchgeführt werden sollten, z.B. bei einer arteriellen Blutung oder einer Atemwegsverlegung.

  • Offene Wunden, frische OP-Narben, Verbrennungen
    • Hier gilt es, den potentiellen Nutzen gegenüber möglichen Infektionen abzuwägen. Ggf. ist eine CT-Untersuchung bei stabilen Patient:innen eine sinnvolle Alternative
  • Extremer Schmerz durch Druck der Sonographiesonde
    • Schmerzintensive Frakturen oder Begleitverletzungen können die Sonographie erschweren oder sogar unmöglich machen. Eine adäquate Analgesie ist deshalb Grundvoraussetzung
  • Fremdkörper im Untersuchungsgebiet
    • Besonders bei Perforationstraumen durch Messer, Metallstäbe o.ä. sollte keine Manipulation stattfinden, um keine weiteren Verletzungen oder Blutungen in der Tiefe zu riskieren

In vielen Situationen kann die Bildqualität so stark beeinträchtigt sein, dass man erwägen sollte, das eFAST abzubrechen bzw. nur teilweise durchzuführen. Da eine schlechte Bildqualität sehr oft mit zeitintensiven Versuchen einhergeht, diese zu verbessern, sollte man kritisch abwägen, ob man diese Zeit auch wirklich investieren muss.

Folgende Gründe erschweren die Sonographie erheblich:

  • Thorax mit Subkutanemphysem:
    • Durch die Luft im Weichteilgewebe kann eine Beurteilung der darunterliegenden Strukturen unmöglich werden
  • Adipositas:
    • Kann je nach Ausprägung vor allem eine Beurteilung des Perikards extrem schwierig machen
  • Bandagen/Verbände/Drainagen:
    • Behindern das Schallfenster. Ggf. vorübergehend entfernen falls möglich

Spezielle funktionelle Grenzen:

Folgende exemplarische Befunde können nicht zu erkennen sein:

  • Retroperitoneale Blutungen (z.B. Nierenruptur)
  • Zwerchfellverletzungen, Darmperforationen
  • Kleine Flüssigkeitsmengen <200ml
 Achtung

Ein unauffälliges eFAST schließt einen lebensbedrohlichen Zustand des Patienten/ der Patientin nicht aus!

Eine eFAST-Untersuchung ist dann indiziert, wenn der Unfallmechanismus oder Begleitverletzungen auf potentiell lebensbedrohliche Verletzungen hindeuten. Da es sich um ein nicht invasives Verfahren handelt, sollte die Indikation großzügig gestellt und bei Bedarf die Untersuchung auch wiederholt werden.

  1. Besprechung im Team, ob keine anderen dringenden Maßnahmen anstehen
  2. Lagerung: Rückenlage, falls stabil leicht erhöht. Keine Umlagerungsmanöver, v.a. bei Immobilisation
  3. Exposition: Kleidung im Thorax- und Abdomenbereich aufschneiden, nicht ausziehen
  4. Monitoring/Zugänge: EKG-Kabel, Beatmungsschläuche etc. so platzieren, dass sie nicht an der Sonde hängenbleiben
  5. Stromzufuhr/Akku des Geräts kontrollieren, richtigen Modus auswählen
  6. Ultraschallgel großzügig auftragen

Für die beste Bildqualität werden je nach Untersuchung unterschiedliche Sonden verwendet:

  • Pleura: Linearsonde
  • Perikard: Phased-Array-Sonde
  • Abdomen: Konvexsonde
StrukturSonde 
PleuraLinearsonde
PerikardPhased-Array-Sonde
AbdomenKonvexsonde

 

Beim Wechsel auf eine andere Sonde muss diese am Gerät manuell ausgewählt werden. Bei „minimalistischen“ Geräten mit nur einem Anschluss muss man die gewünschte Sonde vorher umstecken.

 Tipp

Viele Anwender:innen verzichten auf den zeitraubenden Wechsel der Sonden und benutzen ausschließlich die Konvexsonde. Oft ist das für die jeweilige Fragestellung ausreichend. Erst bei einem unklaren Befund wird dann auf die geeignetere Sonde gewechselt.

Zuletzt aktualisiert am 16.12.2025
Sonographisch gesteuerte Gefäßpunktionen
Notfallsonographie: Perikard/Herz
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