In diesem Beispiel wird euch über den Notarzt ein 69-jähriger Patient mit starken Brustschmerzen angekündigt. Ihr erhaltet folgendes EKG vorab zugeschickt.
STEMI der inferioren Unterwand-/Hinterwand bei RCA-Verschluss
Auswertung
Frequenz: Das EKG ist mit 60 Schlägen pro Minute normofrequent.
Rhythmik: Das EKG ist rhythmisch, es liegt ein Sinusrhythmus vor.
Lagetyp: Es liegt ein Linkstyp vor.
P-Welle: Es lassen sich uniforme P-Wellen mit einer PQ-Zeit von 190 ms ableiten.
QRS-Komplex: Der QRS-Komplex ist schmal. Die S-Zacke geht in V2 und V3 direkt in die ST-Strecke über, daher sieht der QRS-Komplex in diesen Ableitungen verbreitert aus. Es besteht ein regelrechter R/S-Umschlag in V3/V4.
Erregungsrückbildung: Es bestehen ST-Streckenhebungen in II, III und aVF sowie ST-Streckensenkungen in V2 und V3.
Bewertung: Aufgrund der signifikanten ST-Streckenhebungen in den Ableitungen II, III, aVF lässt sich ein STEMI diagnostizieren. Die ST-Streckenhebungen in den Ableitungen II, III und aVF lassen auf einen inferioren Unterwand-/Hinterwandinfarkt schließen. Es bestehen weiterhin reziproke Senkungen in den Ableitungen aVL, V2 und V3, da diese die Vorderwand repräsentieren.
Der Patient erhielt unmittelbar eine Herzkatheteruntersuchung. Es zeigte sich ein Verschluss der rechten Koronararterie (RCA). Diese versorgt in der Regel den rechten Vorhof, den rechten Ventrikel, die Unterwand und Teile der Hinterwand. Der Patient erhielt einen Stent und muss folgend für 1 Jahr eine doppelte Plättchenhemmung bestehend aus Acetylsalicylsäure (ASS) und Prasugrel einnehmen. Anschließend folgt die Einnahme von ASS lebenslang.
- Für viele weitere praktische EKG-Fallbeispiele zum Üben siehe Ordner EKG-Fallbeispiele oder EKG-Fallbeispiele-Kurs.
- EKG-Grundlagen
- Herzrhythmusstörungen: Übersicht
- ST-Hebungs-Myokardinfarkt im EKG
- STEMI
- Erregungsrückbildungsstörungen
- STEMI-Äquivalente
- Fallbeispiel gerinnungshemmende Therapie bei STEMI

