In diesem Beispiel nehmt ihr einen 66-Jährigen Patienten zum interventionellen Aortenklappenersatz mittels TAVI auf.
Ihr schreibt folgendes Aufnahme-EKG vor der Intervention.
AV-Block I° + Bifaszikulärer Block
Auswertung
Frequenz: Mit 96 Schlägen pro liegt eine grenzwertig normale Herzfrequenz vor (normofrequent).
Rhythmik: Das EKG ist rhythmisch.
Lagetyp: Es liegt ein überdrehter Linkstyp vor.
P-Welle & PQ-Intervall: Es liegen regelmäßige P-Wellen, jedoch ein auf 220 ms verlängertes PQ-Intervall vor. Es besteht somit ein AV-Block I°.
QRS-Komplex: Der QRS-Komplex ist mit 111 ms verbreitert. In V2 liegt eine
M-Konfiguration vor. Weiterhin besteht eine S-Persistenz. Somit ergibt sich das Bild eines linksanterioren Hemiblocks und eines inkompletten Rechtsschenkelblocks. Dies wird als bifaszikulärer Block bezeichnet.
Erregungsrückbildung: Es liegen konsekutive Erregungsrückbildungsstörungen ohne Krankheitswert vor.
Bewertung: In diesem Beispiel liegt ein AV-Block I°, ein inkompletter Rechtsschenkelblock und ein linksanteriorer Hemiblock vor. Die Kammern werden somit nur noch über den linksposterioren Faszikel erregt. Da bei einer TAVI ein erhöhtes Risiko für einen postinterventionellen Linksschenkelblock besteht, ist dieser Patient besonders gefährdet für eine Blockierung aller drei Schenkel, die mit einem AV-Block III° gleichzusetzen ist.
- Für viele weitere praktische EKG-Fallbeispiele zum Üben siehe Ordner EKG-Fallbeispiele oder EKG-Fallbeispiele-Kurs.
EKG-Grundlagen Herzrhythmusstörungen: Übersicht - AV-Blöcke
AV-Blöcke im EKG - Schenkelblöcke
Herzklappenerkrankungen: Übersicht - Aortenklappenstenose
- Transcatheter Aortic Valve Implantation (TAVI)

