Ihr führt in eurer Hausarztpraxis einen Routine-Check bei einem 61-jährigen Patienten durch. In der Anamnese und der körperlichen Untersuchung ergeben sich keine Auffälligkeiten. Dem Patienten gehe es sehr gut. Ihr schreibt folgendes EKG:
Ventrikuläres Schrittmacher-EKG
Auswertung
Frequenz: Mit 72 Schlägen pro Minute liegt eine normale Herzfrequenz vor (normofrequent).
Rhythmik: Das EKG ist rhythmisch.
Lagetyp: Es liegt ein überdrehter Linkstyp vor.
P-Welle & PQ-Intervall: Es liegen P-Wellen mit einem PQ-Intervall von 260 ms vor. Es besteht ein AV-Block I°.
QRS-Komplex: Der mit über 190 ms verbreiterte QRS-Komplex, die Stimulationsartefakte vor dem QRS-Komplex und der in V1 positive und in V6 negative QRS-Komplex lassen auf eine rechtsventrikuläre Schrittmacherstimulation schließen.
Erregungsrückbildung: Die ST-Streckenhebungen aus dem abfallenden R in aVL, V1 und V2 könnten mit einem STEMI der Vorderwand verwechselt werden. Sie sind in diesem Beispiel lediglich Ausdruck der veränderten Erregungsrückbildung bei einer ventrikulären Schrittmacherstimulation. Bei einer isolierten atrialen Stimulation sollten keine Erregungsrückbildungsstörungen vorliegen. Um eine Ischämie trotz eines Schenkelblocks oder einer Schrittmacherstimulation nachweisen zu können, sollte man sich die Vor-EKGs anschauen und die Sgarbossa-Kriterien anwenden.
Bewertung: Es liegt ein normwertiges EKG bei einer ventrikulären Schrittmacherstimulation vor. Der Patient erhielt den Schrittmacher aufgrund eines Sick-Sinus-Syndroms und eines AV-Block II° Typ Mobitz.
- Für viele weitere praktische EKG-Fallbeispiele zum Üben siehe Ordner EKG-Fallbeispiele oder EKG-Fallbeispiele-Kurs.
EKG-Grundlagen Herzrhythmusstörungen: Übersicht - Schrittmacher-EKG
- Herzschrittmacher

