Die Epiglottitis ist eine überwiegend bakterielle Entzündung der Epiglottis und des supraglottischen Kehlkopfbereichs. Durch das rasch zunehmende Ödem können die oberen Atemwege hochgradig verengt oder vollständig verschlossen werden. Die Erkrankung ist deshalb ein akut lebensbedrohlicher Notfall. Bei Kindern sind plötzliches hohesFieber, ein deutlich beeinträchtigter Allgemeinzustand, starke Hals- und Schluckschmerzen, Dysphagie, Speichelfluss, kloßige Sprache und inspiratorischer Stridor typisch. Husten fehlt meist.
Seit Einführung der Hib-Impfung tritt die Epiglottitis seltener auf und betrifft heute insbesondere ältere, ungeimpfte oder trotz Impfung nicht ausreichend geschützte Personen.
Der Pseudokrupp ist eine meist viral bedingte Atemwegsentzündung mit akuter subglottischer Stenose. Er tritt vorwiegend bei Kindern zwischen sechs Monaten und drei Jahren auf und beginnt häufig plötzlich in der Nacht, oftmals nach einem Infekt der oberen Atemwege. Kennzeichnend sind bellenderHusten, Heiserkeit und inspiratorischer Stridor. Bei zunehmendem Schweregrad können Dyspnoe, Tachypnoe und thorakale Einziehungen hinzukommen; der Allgemeinzustand ist größtenteils nur leicht beeinträchtigt.
Ein inspiratorischer Stridor kann bei beiden Erkrankungen auftreten. Beim Pseudokrupp beruht er auf der subglottischenVerengung, bei der Epiglottitis auf der entzündlichenSchwellung der Epiglottis und der angrenzendensupraglottischenStrukturen.
Um den Einstieg in das Thema Epiglottitis und Pseudokrupp etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Atemnot, Kind
Ort: Wohnung, 4. OG
Alarmzeit: 23:06 Uhr
Anrufer:in: Vater
Anzahl der betroffenen Personen: 1
Zusatzinfo:
Männlicher Patient, 3 Jahre alt
Atemnot, pfeifendes Atemgeräusch
Bellender Husten, Heiserkeit
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes erwartet euch der Vater an der Wohnungstür und führt euch in das Wohnzimmer.
Die Lage ist wie folgt:
Der Patient sitzt auf dem Schoß seines Vaters und wirkt insgesamt auffallendruhig
Es besteht eine deutlich angestrengteAtmung
Ein ausgeprägter bellenderHusten sowie ein deutlich wahrnehmbares pfeifendesAtemgeräusch bei der Einatmung fallen auf
Das Kind ist blass und wirkt ängstlich
Der Vater berichtet, dass sein Sohn bereits seit einigen Tagen kränklich sei und über Halsschmerzen geklagt habe
Seit zwei Wochen besucht das Kind den Kindergarten. Der Vater vermutet, dass es sich dort angesteckt haben könnte
Ersteinschätzung anhand des pädiatrischen Beurteilungsdreiecks
Atmung und Atemmuster
Inspiratorischer Stridor
Angestrengte Atmung
Bellender Husten
Kritisch
Erscheinungsbild
Auffallend ruhig
Ängstlich
Kritisch
Haut
Blässe erkennbar
Kritisch
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Pseudokrupp aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege frei
Schleimhäute rosig, feucht
Pat. spricht wenig, heiser
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion bds. normal
Inspektorisch unauffällig
Interkostale Einziehungen
Bellender Husten
Auskultatorisch:
Inspiratorischer Stridor
Palpatorisch:
Keine Krepitation spürbar
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 89%
Atemfrequenz: 34/min
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit blass
Recap-Zeit: 2 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Gut tastbar
Tachykard
Herzfrequenz: 140/min
Mittelbares C-Problem
D
Wach, orientiert, ansprechbar
pGCS:15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine weiteren Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Bellender Husten
Inspiratorischer Stridor
Einziehungen
Blässe, Angst
Tachykardie
Allergien/Infektionen: in den letzten Tagen Halsschmerzen
Medikamente: keine
Patientengeschichte: gesund
Letzte Mahlzeit: Abendessen 18:00 Uhr
Ereignis:
Seit ein paar Tagen Halsschmerzen, kränklich
Akute Verschlechterung über den heutigen Tag
Risikofaktoren: Kindergarten
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Epiglottitis
Die Epiglottitis, auch als Laryngitis supraglottica bezeichnet, ist eine akute, bakteriell bedingte Entzündung des supraglottischen Kehlkopfbereichs. Durch die ausgeprägte Schwellung der Epiglottis und des angrenzenden Gewebes können sich die oberen Atemwege innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich verengen oder vollständig verschließen.
Definition
Pseudokrupp
Der Pseudokrupp, auch subglottische Laryngitis oder stenosierende Laryngotracheitis genannt, ist eine überwiegend viral bedingte Entzündung des subglottischen Kehlkopfbereichs. Das entzündliche Schleimhautödem führt zu einer Verengung der Atemwege unterhalb der Stimmritze.
Klassifikation
Schweregrade des Pseudokrupps:
Beurteilungskriterium
Milder Verlauf
Moderater Verlauf
Schwerer Verlauf
Stridor
Inspiratorischer Stridor unter Belastung beziehungsweise leiser Stridor in Ruhe
Deutlich hörbarer inspiratorischer Stridor in Ruhe
Inspiratorisch und exspiratorisch hörbarer Stridor
Tachypnoe/Dyspnoe
Nicht vorhanden
Leicht ausgeprägt
Deutlich ausgeprägt
Vigilanz
Normal
Normal
Vermindert
Epidemiologie
Pseudokrupp:
Etwa 5–10 % aller Kinder erkranken mindestens einmal im Leben an einem Pseudokrupp. Eine stationäre Behandlung ist selten erforderlich. Schwere Verläufe werden zunehmend seltener.
Alter: Überwiegend Kinder zwischen 6 Monaten und unter 3 Jahren. Nach dem 6. Lebensjahr nur selten
Geschlecht: Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen (1,4–2,5 : 1)
Saisonalität: Gehäuftes Auftreten während der Herbst- und Wintermonate
Epiglottitis:
Die jährliche Inzidenz beträgt bei Kindern etwa 0,2 pro 100.000 und bei Erwachsenen etwa 1,9–3,1 pro 100.000.
Früherer Altersgipfel: 2–7 Jahre
Heutiges Auftreten: seit Einführung der Hib-Impfung hauptsächlich bei älteren Menschen, ungeimpften Personen und bei Impfversagen
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Pseudokrupp
Ursache: viral bedingte Atemwegsinfektion mit entzündlicher Schwellung und akuter Verengung des subglottischen Kehlkopfbereichs
Häufigster Erreger: Parainfluenzaviren sind für etwa 66–75 % der Erkrankungen verantwortlich
Weitere mögliche Erreger: Rhino-, RS-, Adeno-, Influenza-, Metapneumo-, Boca- und Coronaviren einschließlich SARS-CoV-2
Begünstigende Faktoren: Tabakrauch und Luftschadstoffe können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Bei wiederkehrendem Pseudokrupp können zudem eine hyperreaktive Schleimhaut oder eine allergische Veranlagung eine Rolle spielen
Epiglottitis
Ursache: bakterielle Infektion der Epiglottis und des angrenzenden supraglottischen Gewebes → entzündliches Ödem mit möglicher Atemwegsverengung
Früherer Haupterreger: Vor Einführung der Hib-Impfung wurde die Erkrankung überwiegend durch Haemophilus influenzae Typ b verursacht
Bei Kindern: Hib tritt weiterhin als Erreger auf, insbesondere bei ungeimpften Kindern oder nach Impfversagen
Bei Erwachsenen: Als mögliche Erreger kommen vordergründig Streptokokken, Pneumokokken, Staphylococcus aureus und Klebsiella pneumoniae infrage
Risikofaktoren: fehlender Hib-Impfschutz, Immunsuppression und höheres Lebensalter
Info
Die Hib-Impfung ist die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung einer durch Haemophilus influenzae Typ b verursachten Epiglottitis.
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Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Kehlkopf (Larynx): Liegt zwischen Rachen und Trachea und ist am Zungenbein aufgehängt
Wichtige Knorpelstrukturen:
Schildknorpel: Größter Kehlkopfknorpel; bildet die Prominentia laryngea („Adamsapfel“)
Ringknorpel: Umschließt den Atemweg vollständig
Stellknorpel: Paarige Ansatz- und Bewegungsstrukturen der Stimmfalten
Epiglottis: Trägt beim Schlucken zum Verschluss des Kehlkopfeingangs bei
Anatomische Einteilung:
Supraglottis: Bereich oberhalb der Stimmfalten einschließlich Epiglottis
Glottis: Stimmfalten und dazwischenliegende Stimmritze
Subglottis: Bereich unterhalb der Stimmfalten bis zum Übergang in die Trachea
Aufgaben: Atmung, Stimmbildung und Schutz der unteren Atemwege
Innervation: N. laryngeus superior und N. laryngeus recurrens als Äste des N. vagus
Besonderheiten bei Kindern:
Prominenter Hinterkopf → kann in Rückenlage die Atemwegsposition ungünstig beeinflussen
Relativ große Zunge
Höher und weiter anterior gelegener Kehlkopf
Verhältnismäßig lange und u-förmige Epiglottis
Kurze, enge Trachea sowie insgesamt engere und weichere Atemwege
Klinisch besonders relevante subglottische Region, die vom Ringknorpel begrenzt wird
Kleiner Atemwegsradius → bereits geringe Schleimhautschwellungen erhöhen den Atemwegswiderstand deutlich
Geringere funktionelle Residualkapazität und höherer Sauerstoffverbrauch → geringe Apnoetoleranz und schnellere Desaturation
Bei einer Verengung steigt der Atemwegswiderstand überproportional an. Deshalb kann ein subglottisches Ödem beim Pseudokrupp rasch eine relevante Stenose verursachen.
Pseudokrupp und Epiglottitis können beide zu einer kritischenVerengungderoberenAtemwege führen. Die zugrunde liegenden Mechanismen unterscheiden sich jedoch insbesondere hinsichtlich des Auslösers und der betroffenen Kehlkopfregion.
Krankheitsbild
Zentraler Vorgang
Mögliche Folgen
Pseudokrupp
Virale Entzündung mit Schleimhautödem unterhalb der Stimmfalten
Subglottische Stenose, bellender Husten, Heiserkeit und Stridor
Epiglottitis
Bakterielle Entzündung mit Schwellung der Epiglottis und supraglottischer Strukturen
Dysphagie, Speichelfluss, kloßige Sprache und rasch fortschreitende Atemwegsobstruktion
Pseudokrupp
Der Pseudokrupp ist eine viraleEntzündung der Atemwege, die häufig im Anschluss an einen Infekt der oberen Atemwege auftritt. Im Mittelpunkt steht ein Schleimhautödem im subglottischenBereich.
Initiale Entzündung: virale Infektion, überwiegend durch Parainfluenzaviren → Schädigung des Atemwegsepithels und lokale Entzündungsreaktion
Ödembildung: Entzündungsreaktion der Larynxschleimhaut → Schwellung insbesondere unterhalb der Stimmfalten
Subglottische Stenose: Schleimhautödem → Verengung des Kehlkopflumens am Übergang zur Trachea
Turbulenter Luftstrom: verengter Atemwegsquerschnitt → zunehmende Turbulenzen während der Inspiration → inspiratorischer Stridor
Bellender Husten: entzündliche Reizung des Kehlkopfs in Verbindung mit der subglottischen Stenose → charakteristischer bellender Husten
Heiserkeit: Beteiligung des für die Stimmbildung wichtigen Kehlkopfbereichs → Heiserkeit bis hin zur Stimmlosigkeit
Merke
Bei leichterAusprägung tritt der Stridor zunächst hauptsächlichbeiBelastung oder Aufregung auf. Mit zunehmender Stenose ist er auch in Ruhe und bei schwerer Verengung gegebenenfalls während beider Atemphasen hörbar.
Tipp
Dynamik der Atemwegsverengung:
Aufregung, Schreien und gesteigerteAtemarbeit können die klinischen Zeichen der Atemwegsverengung verstärken. Betroffene Kinder sollten deshalb möglichst beruhigt und unnötige belastende Maßnahmen sollten vermieden werden.
Epiglottitis
Endoskopisches Bild einer Epiglottitis
Die Epiglottitis ist eine bakterielleInfektion der Epiglottis und der angrenzendensupraglottischenStrukturen. Die Entzündung befindet sich am Kehlkopfeingang oberhalb der Stimmfalten und kann innerhalb weniger Stunden fortschreiten.
Bakterielle Infektion: Direkte Ausbreitung über die Schleimhaut oder hämatogener Infektionsweg → Entzündung der Epiglottis und supraglottischer Strukturen
Ödembildung: Zunehmende Schwellung der Epiglottis und der umgebenden Schleimhaut → Einengung des Kehlkopfeingangs von kranial
Atemwegsobstruktion: Fortschreitendes Ödem → zunehmende Verlegung der oberen Atemwege bis zum vollständigen Verschluss
Turbulenter Luftstrom: Verengung des Kehlkopfeingangs → inspiratorischer Stridor und zunehmende Atemarbeit
Schwere Obstruktion: Weitere Schwellung → Einziehungen, Zyanose und Gefahr einer vollständigen Atemwegsverlegung
Dysphagie, Speichelfluss und kloßige Sprache:
Die Epiglottis und die angrenzenden supraglottischen Strukturen sind unmittelbar an der Schluckpassagebeteiligt. Ihre Entzündung führt daher zu einer schmerzhaften und erschwerten Schluckfunktion.
Entzündung und Schwellung → schmerzhaftes Schlucken und Dysphagie
Beeinträchtigte Schluckfunktion → Speichel wird nicht mehr geschluckt und läuft aus dem Mund
Dysphagie, Speichelfluss und kloßige Sprache → charakteristische „feuchte“ Symptomatik
Info
Ein Hustenfehlttypischerweise, da sich die Entzündung überwiegend am supraglottischen Kehlkopfeingang und nicht im subglottischen Bereich befindet. In Ausnahmefällen kann dennoch Husten auftreten.
Achtung
Die zunehmendeSchwellung kann den Atemweg innerhalb kurzer Zeit kritischverengen
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Pseudokrupp
Lokale und respiratorische Zeichen:
Bellender, anfallsweise auftretender Husten, häufig mit Beginn während der Nacht
Heiserkeit bis vollständiger Stimmverlust
Inspiratorischer Stridor, anfangs oftmals nur bei Aufregung oder körperlicher Belastung
Thorakale Einziehungen bei zunehmender Verengung der Atemwege
Tachypnoe und Dyspnoe mit fortschreitendem Schweregrad
Biphasischer Stridor mit inspiratorischem und exspiratorischem Atemgeräusch bei schwerer subglottischer Stenose
Achtung
Sobald der Stridorexspiratorischundinspiratorisch auftritt, handelt es sich um eine schwerwiegendeSchwellung der Atemwege.
Epiglottitis
Epiglottitis Symptomatik
Lokale und respiratorische Zeichen:
Plötzlicher Erkrankungsbeginn mit rascher Verschlechterung innerhalb weniger Stunden
Hohes Fieber und deutlich beeinträchtigter Allgemeinzustand
Ausgeprägte Hals- und Schluckschmerzen mit Dysphagie
Kloßig oder gedämpft klingende Sprache
Vermehrter Speichelfluss, da das schmerzhafte Schlucken vermieden wird
Inspiratorischer Stridor mit Einziehungen und bei fortgeschrittener Atemwegsverlegung möglicher Zyanose
Husten fehlt in der Regel
Aufrechte, nach vorn gebeugte Körperhaltung, insbesondere bei Kindern, um die Atmung zu erleichtern
Allgemeine Zeichen und Warnsymptome beider Erkrankungen
Angst und Unruhe treten häufig als Begleiterscheinungen auf
Tachydyspnoe, Tachykardie und ausgeprägter Stridor können auf eine schwere Atemwegsbeeinträchtigung und eine möglicherweise erforderliche Atemwegssicherung hinweisen
Zyanose und Bewusstseinsstörungen sind Warnzeichen einer fortgeschrittenen Atemwegsobstruktion und einer zunehmenden Hypoxie
Die schwerwiegendste Komplikation ist der vollständige Atemwegsverschluss mit akuter Erstickungsgefahr
Unterscheidung Epiglottitis und Pseudokrupp
Kriterium
Epiglottitis
Pseudokrupp
Alter
2-7 Jahre
überwiegend 6 Monate - 3 Jahre
Krankheitsbeginn
Plötzlich
Schleichend
Jahreszeit
Ganzjährig
Gehäuft in Herbst und Winter
Tageszeit
Ganztägig
Gehäuft Abends und Nachts
Körpertemperatur
Hohes Fieber
Kein Fieber oder subfebrile Temperatur
Stimme
Kloßige Sprache
Heiserkeit
Husten
Selten
Bellender Husten
Schluckbeschwerden
Ja
Nein
Speichelfluss
Ja
Nein
Stridor
Inspiratorisch
Inspiratorisch
Achtung
Red Flags
Stridor in Ruhe, biphasischer Stridor,
Ausgeprägte thorakale Einziehungen
Zunehmende Dyspnoe, Zyanose
Vigilanzminderung
Rasche klinische Verschlechterung
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Anamnese
S (Symptome): Beginn, Verlauf und Schwere der Atemwegsbeschwerden erfragen
Pseudokrupp: bellenden Husten, Heiserkeit, inspiratorischer Stridor und ein häufig nächtlicher Beginn
Epiglottitis: plötzlicher Krankheitsbeginn, hohes Fieber, starke Hals- und Schluckschmerzen, kloßige Sprache, vermehrter Speichelfluss und meist fehlender Husten
Red Flags: Stridor in Ruhe, ausgeprägte thorakale Einziehungen, biphasischer Stridor, zunehmende Dyspnoe, Zyanose, Vigilanzminderung oder rasche klinische Verschlechterung
A (Allergien, Infektionen): Medikamentenallergien sowie einen vorausgehenden oder bestehenden Atemwegsinfekt erfassen
M (Medikation): Dauermedikation und bereits verabreichte Medikamente dokumentieren, insbesondere Kortikosteroide
P (Patientengeschichte): Frühere Pseudokruppanfälle, schwere Atemwegsereignisse, stationäre Behandlungen, angeborene Atemwegsveränderungen und Immunsuppression erfragen
Bei Verdacht auf Epiglottitis zusätzlich den Hib-Impfstatus klären
L (Letzte …): Zeitpunkt der letzten Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie der letzten Medikamentengabe erfragen
E (Ereignis): Zeitpunkt und Dynamik des Symptombeginns erfassen. Auf einen vorausgehenden Atemwegsinfekt sowie mögliche alternative Auslöser wie Fremdkörperaspiration oder allergische Reaktion achten
R (Risiken): fehlender Hib-Impfschutz, Immunsuppression und höheres Lebensalter bei Epiglottitis sowie Tabakrauchexposition, Luftschadstoffe und rezidivierende Verläufe bei Pseudokrupp berücksichtigen
S (Schwangerschaft): Bei Erwachsenen nach einer bestehenden oder möglichen Schwangerschaft fragen und diese bei Medikamentengabe und Wahl der Zielklinik berücksichtigen
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf einen Pseudokrupp oder eine Epiglottitis abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion
Pseudokrupp: Typisch sind bellender Husten, Heiserkeit und ein inspiratorischer Stridor. Mit zunehmender Atemwegsverengung können interkostale Einziehungen und eine deutlich gesteigerte Atemarbeit auftreten
Epiglottitis: Kennzeichnend sind hohes Fieber, ein deutlich reduzierter Allgemeinzustand, vermehrter Speichelfluss, Schluckbeschwerden und eine kloßige Sprache. Häufig nehmen Betroffene eine sitzende, nach vorn gebeugte Haltung ein; zusätzlich kann ein inspiratorischer Stridor bestehen
Palpation:
Die Palpation von Hals und Kehlkopf ist für die präklinische Differenzierung nicht wegweisend
Unnötige Berührungen und Manipulationen vermeiden, insbesondere bei Verdacht auf eine Epiglottitis
Hauttemperatur und Rekapillarisierungszeit orientierend beurteilen
Perkussion
Bei Pseudokrupp und Epiglottitis liefert die Perkussion in der Regel keine wegweisenden Befunde. Abweichungen sollten an zusätzliche oder alternative Ursachen der Atemnot denken lassen
Auskultation
Pseudokrupp: Typischerweise besteht ein inspiratorischer Stridor. Bei einer schweren subglottischen Stenose kann dieser sowohl während der Ein- als auch der Ausatmung hörbar sein
Epiglottitis: Charakteristisch ist ein inspiratorischer Stridor. Ein biphasischer Stridor ist für eine isolierte Epiglottitis nicht typisch und weist eher auf eine tiefer gelegene, beispielsweise tracheale Atemwegsverengung hin
Vitalparameter
Parameter
Pseudokrupp
Epiglottitis
Pathophysiologischer Hintergrund
Herzfrequenz
Bei mildem Verlauf meist altersentsprechend
Bei schwerer Atemnot Tachykardie möglich
Tachykardie kann insbesondere zusammen mit Tachydyspnoe, Stridor und raschem Symptombeginn auf einen schweren Verlauf hinweisen
Atemnot, Stress und zunehmende respiratorische Beeinträchtigung können mit einer erhöhten Herzfrequenz einhergehen. Eine Tachykardie allein ist jedoch unspezifisch
Blutdruck
Kein charakteristischer krankheitsspezifischer Verlauf
Kein typischer Blutdruckverlauf
Blutdruckveränderungen sind keine typischen Leitsymptome von Pseudokrupp oder Epiglottitis
Atemfrequenz und Atemmuster
Bei mildem Verlauf meist unauffällig
Mit zunehmender Schwere Tachypnoe, Dyspnoe und Einziehungen
Tachydyspnoe und eine deutlich gesteigerte Atemarbeit sind Warnzeichen einer fortschreitenden Atemwegsobstruktion
Beim Pseudokrupp verengt ein subglottisches Ödem die Atemwege. Bei der Epiglottitis betrifft die Schwellung vor allem die supraglottischen Strukturen
Körpertemperatur
Meist kein Fieber oder lediglich subfebrile Temperatur
Das hohe Fieber bei der Epiglottitis ist Ausdruck des akuten infektiösen Entzündungsprozesses
Sauerstoffsättigung
Bei unkompliziertem Verlauf meist unauffällig
In der Regel reduziert
Eine fortschreitende Verengung der oberen Atemwege kann zu Hypoxämie und schließlich zu Zyanose führen
Blutzucker
Keine typische krankheitsspezifische Veränderung beschrieben
Keine typische krankheitsspezifische Veränderung beschrieben
Abweichende Werte sind unspezifisch. Bei einer Bewusstseinsstörung sollte der Blutzucker zur differenzialdiagnostischen Abklärung bestimmt werden
Orientierende neurologische Untersuchung
Vigilanz: Bewusstseinslage altersgerecht beurteilen, beispielsweise mithilfe von AVPU oder der pädiatrischen GCS
Waches Kind: Blickkontakt, altersgerechte Interaktion und normale Reaktion auf Eltern und Umgebung
Unruhe oder Agitiertheit: mögliches frühes Zeichen einer Hypoxie, kann aber auch durch Angst und Atemnot verursacht werden
Somnolenz oder abnehmende Reaktionsfähigkeit: kritisches Warnzeichen für Erschöpfung, fortschreitende Hypoxie oder drohendes Atemwegsversagen
Verhalten und Muskeltonus: Auf ungewöhnliche Teilnahmslosigkeit, verminderte Spontanbewegungen oder einen reduzierten Muskeltonus achten
Pupillenstatus: Bei Vigilanzminderung Pupillengröße, Seitengleichheit und Lichtreaktion orientierend kontrollieren
Motorik: Spontane und seitengleiche Bewegungen der Extremitäten beobachten
Pediatric Glasgow Coma Scale (pGCS)
Weiterführende apparative Diagnostik
EKG-Monitoring: Ein 12-Kanal-EKG ist bei Pseudokrupp oder Epiglottitis in der Regel nicht erforderlich. Die Rhythmusüberwachung erfolgt situationsangepasst über ein 6-Kanal-EKG
Indikationen: insbesondere bei auffälliger Herzfrequenz, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufinstabilität oder während einer inhalativen Adrenalingabe
Sinustachykardie: unspezifischer Befund, der unter anderem durch Fieber, Angst, Atemnot, Hypoxie oder die Adrenalingabe verursacht werden kann
Priorität: Das Anbringen der Elektroden darf das Kind nicht unnötig beunruhigen und bei drohender Atemwegsobstruktion keine zeitkritischen Maßnahmen verzögern
Differenzialdiagnosen
Differenzialdiagnose
Typische klinische Zeichen
Abgrenzende Hinweise
Bakterielle Tracheitis
Fieber, reduzierter Allgemeinzustand, Husten und Zeichen einer Atemwegsobstruktion
Häufig blechern klingender Husten → ausgeprägte Schluckbeschwerden, Speichelfluss und eine charakteristische Schonhaltung fehlen meist
Peritonsillar-, Parapharyngeal- oder Retropharyngealabszess
Schluckbeschwerden, Stridor, zervikale Lymphknotenschwellung und gegebenenfalls Schonhaltung
Häufig vorausgehende Tonsillitis und eher subakute Entwicklung anstelle eines plötzlich fulminanten Verlaufs
Fremdkörperaspiration
Plötzlich einsetzende Atemnot, Husten und gegebenenfalls Stridor
Beginn innerhalb von Sekunden und meist ohne vorausgehende Infektzeichen. Hinweise auf Verschlucken oder Spielen mit Kleinteilen sind wegweisend
Anaphylaktische Reaktion
Schwellung der Atemwege mit Stridor und Atemnot
Häufig zusätzliche Urtikaria oder andere Hauterscheinungen, gegebenenfalls arterielle Hypotonie. Auf einen zeitlichen Zusammenhang mit einem möglichen Auslöser achten
Asthma bronchiale oder obstruktive Bronchitis
Atemnot, Husten und pathologische Atemgeräusche
Exspiratorisches Giemen oder Brummen spricht für eine intrathorakale Obstruktion. Beim Pseudokrupp steht dagegen der inspiratorische Stridor infolge der extrathorakalen subglottischen Enge im Vordergrund
Pneumonie
Husten, hohes Fieber und reduzierter Allgemeinzustand
Feinblasige Rasselgeräusche oder ein lokal abgeschwächtes beziehungsweise fehlendes Atemgeräusch sind möglich. Bellender Husten und inspiratorischer Stridor sind nicht typisch
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Präklinisch stehen die Stabilisierung, die Vermeidung einer Hypoxie und die Aufrechterhaltung der Oxygenierung im Vordergrund.
Basismaßnahmen
Ruhe und schonendes Vorgehen: Kind beruhigen, möglichst bei einer vertrauten Bezugsperson belassen und unnötige Untersuchungen oder Manipulationen vermeiden → Aufregung und Weinen können die Atemwegsobstruktion verstärken
Lagerung: Selbst gewählte, meist aufrechte Position beibehalten → nicht zum Hinlegen zwingen
Monitoring und Basisdiagnostik: SpO₂, Atemfrequenz, Atemarbeit, Herzfrequenz, Blutdruck, Körpertemperatur und Vigilanz situationsgerecht überwachen. EKG-Monitoring insbesondere bei auffälliger Herzfrequenz, schwerem Verlauf oder inhalativer Adrenalingabe
Sauerstoffgabe: Bei Hypoxämie oder ausgeprägter Atemnot Sauerstoff möglichst stressarm und in einer vom Kind tolerierten Form verabreichen, z.B. durch Vorhalten der Maske durch ein Elternteil
Kaltluftzufuhr bei Pseudokrupp: Das Kind kann, sofern es dies toleriert, kühle Frischluft einatmen. Dies kann die Beschwerden vorübergehend lindern
Komplikationen erkennen: zunehmende Einziehungen, Zyanose, sinkende SpO₂, Erschöpfung oder eine Vigilanzminderung sprechen für eine fortschreitende Atemwegsobstruktion
Transport und Zielklinik:
Pseudokrupp: Ein milder Verlauf kann bei stabilem Allgemeinzustand, fehlendem Ruhestridor und zuverlässiger Betreuung gegebenenfalls ambulant behandelt werden. Ansonsten Transport in eine Klinik mit pädiatrischer Abteilung
Epiglottitis: Dringlicher Transport in eine geeignete Klinik mit pädiatrisch-intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit
Tipp
Ein ruhiges Vorgehen und transparente Kommunikation sind essenziell, um unnötigen Stress bei Kind und Eltern zu verhindern.
KASPERLE-Schema
Spezifische Maßnahmen Pseudokrupp
Bei moderatem und schwerem Verlauf = Adrenalin inhalativ 4 mg unverdünnt über Verneblermaske → sorgt für das Abschwellen der Atemwege
Verabreichung von Glukokortikoiden, z.B. Prednisolon 100 mg rektal, alternativ: 2 mg/kgKG i.v.
Bei Fieber Antipyretika erwägen, z.B. Paracetamol rektal bis 6 Monate: 75 mg, ab 7 Monate - 2 Jahre: 125 mg, 2 Jahre - 8 Jahre: 250 mg, > 8 Jahre: 500 mg
Ggf. Angepasste Volumentherapie
Tipp
Durch die Gabe von Glukokortikoiden kann die Symptomatik verbessert und das Hospitalisierungsrisiko gesenkt werden, weshalb sie bei allen Schweregraden empfohlen sind.
Achtung
Die Intubation ist beim Pseudokrupp möglichst zu vermeiden, da das Risiko subglottischer Stenosen besteht. Ist sie dennoch erforderlich, sollte sie nur durch erfahrene Anwender:innen erfolgen.
Spezifische Maßnahmen Epiglottitis
Adrenalin inhalativ 4 mg unverdünnt über Verneblermaske → sorgt für das Abschwellen der Atemwege
Hochdosierte Verabreichung von Glukokortikoiden:
Kinder <15 kg Prednisolon 50 mg i.v.
Kinder 15–30 kg Prednisolon 100 mg i.v.
Kinder 30–60 kg Prednisolon 250 mg i.v.
Kinder und Jugendliche >60 kg Prednisolon 250-1000 mg i.v.
Bei Fieber Antipyretika erwägen, z.B. Paracetamol rektal bis 6 Monate: 75 mg, ab 7 Monate - 2 Jahre: 125 mg, 2 Jahre - 8 Jahre: 250 mg, > 8 Jahre: 500 mg
Ggf. angepasste Volumentherapie
Intubation nur durch erfahreneAnwender:innen → aufgrund der Manipulation kann es zur weiteren Reizung und Schwellung des Kehlkopfgewebes kommen
Merke
Wichtiges zum Atemwegsmanagement
Bei der Intubation ggf. eine Tubusgröße kleiner als üblich für das Alter wählen → aufgrund des geschwollenen Kehlkopfgewebes ist das Lumen kleiner.
Bei erfolgloser Intubation und stark zunehmender Dyspnoe → notfallmäßige Koniotomie erwägen
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Diphtherie: echter Krupp
Definition
Diphtherie
Als „echter Krupp“ wird die Kehlkopfdiphtherie bezeichnet, die im Rahmen einer respiratorischen Diphtherie auftreten kann.
Cäsarenhals bei Diphtherie
Erreger: Auslöser ist primär das toxinbildende grampositive Stäbchenbakterium Corynebacterium diphtheriae
Pathophysiologie: Das gebildete Diphtherietoxin inaktiviert den Elongationsfaktor 2 und hemmt dadurch die zelluläre Proteinbiosynthese → lokale Gewebeschädigung und mögliche systemische Organkomplikationen
Epidemiologie: Seit Einführung der Schutzimpfung tritt die Erkrankung in Deutschland nur noch selten auf. Einzelfälle sind insbesondere bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz möglich
Übertragung: Die respiratorische Diphtherie wird überwiegend durch Tröpfchen übertragen. Bei einer Hautdiphtherie ist auch eine Übertragung durch direkten Kontakt mit Läsionen, infektiösem Sekret oder kontaminiertem Material möglich
Typische Symptomatik
Allgemeinsymptome: Fieber, Abgeschlagenheit und reduzierter Allgemeinzustand
Kehlkopfdiphtherie: Zunehmende Heiserkeit bis zur Stimmlosigkeit, bellender Husten, inspiratorischer Stridor und Dyspnoe
Rachendiphtherie: Halsschmerzen und Schluckbeschwerden sowie fest anhaftende grau-weiße bis bräunliche Pseudomembranen
Charakteristischer Hinweis: Auffällig kann ein süßlicher Mundgeruch sein
Cäsarenhals: Ausgeprägte Lymphknotenschwellungen können eine teigige Schwellung der gesamten Halsregion verursachen
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Zielkrankenhaus
Die Wahl der Zielklinik richtet sich nach Erkrankungsverdacht, Schweregrad, Therapieansprechen und dem Risiko einer fortschreitenden Atemwegsobstruktion.
Milder Pseudokrupp: Bei gutem Allgemeinzustand, fehlendem Ruhestridor und zuverlässiger Betreuung ist gegebenenfalls eine ambulante Behandlung möglich
Mittelschwerer oder schwerer Pseudokrupp: Transport in eine Klinik mit pädiatrischer Notfallversorgung
Epiglottitisverdacht: Dringlicher Transport in eine geeignete Klinik mit pädiatrisch-intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit
Transportbegleitende Maßnahmen
Ruhe: Aufregung und unnötige Manipulationen vermeiden. Das Kind möglichst in der Nähe einer vertrauten Bezugsperson belassen
Lagerung: Selbst gewählte, meist aufrechte Position beibehalten
Monitoring: Atemfrequenz, Atemarbeit, SpO₂, Herzfrequenz und Vigilanz möglichst kontinuierlich überwachen
EKG-Monitoring: insbesondere bei auffälliger Herzfrequenz, schwerem Verlauf oder während einer inhalativen Adrenalingabe
Sauerstofftherapie: begonnene Therapie nach Bedarf fortführen → Ziel-SpO2: >92 %
Dokumentation: Symptombeginn und -verlauf, Husten, Stridor, Atemarbeit, Fieber, Schluckbeschwerden, Speichelfluss, Vigilanz und Vitalparameter erfassen. Sämtliche präklinischen Maßnahmen einschließlich Medikament, Dosierung, Applikationszeitpunkt und klinischer Wirkung dokumentieren
Übergabe in der Zielklinik
Strukturierte Übergabe nach einem standardisierten Schema, etwa SINNHAFT oder ISOBAR
Relevante Informationen:
Zeitpunkt, Geschwindigkeit und bisheriger Verlauf des Symptombeginns
Bellender Husten, Heiserkeit und Stridor sowie dessen Auftreten bei Belastung oder bereits in Ruhe
Atemfrequenz, Einziehungen, Atemarbeit, Zyanose oder Zeichen der Erschöpfung
Fieber, Hals- und Schluckschmerzen, kloßige Sprache und vermehrter Speichelfluss
Selbst gewählte Körperhaltung und Verhalten des Kindes
Initiale und aktuelle Vitalparameter einschließlich SpO₂ und Vigilanz sowie deren Verlauf
Vorausgehender Atemwegsinfekt, Vorerkrankungen, Allergien und aktuelle Medikation
Impfstatus, insbesondere bei Verdacht auf Epiglottitis der Hib-Impfstatus
Durchgeführte Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Kaltluftzufuhr, Glukokortikoid- oder Adrenalininhalation einschließlich Dosierung, Applikationszeitpunkt und Wirkung
Verdachtsdiagnose: Den Verdacht auf Pseudokrupp oder Epiglottitis sowie relevante Differenzialdiagnosen ausdrücklich benennen
Kritischer Verlauf: Eine zunehmende Atemarbeit, Zyanose, sinkende SpO₂, Erschöpfung oder Vigilanzminderung müssen deutlich als Hinweise auf eine drohende Atemwegsverlegung kommuniziert werden
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Definition
Definition
Epiglottitis
Die Epiglottitis, auch als Laryngitis supraglottica bezeichnet, ist eine akute, bakteriell bedingte Entzündung des supraglottischen Kehlkopfbereichs. Durch die ausgeprägte Schwellung der Epiglottis und des angrenzenden Gewebes können sich die oberen Atemwege innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich verengen oder vollständig verschließen.
Definition
Pseudokrupp
Der Pseudokrupp, auch subglottische Laryngitis oder stenosierende Laryngotracheitis genannt, ist eine überwiegend viral bedingte Entzündung des subglottischen Kehlkopfbereichs. Das entzündliche Schleimhautödem führt zu einer Verengung der Atemwege unterhalb der Stimmritze.
Ursachen
Pseudokrupp:
Ursache: viral bedingte Atemwegsinfektion mit entzündlicher Schwellung und akuter Verengung des subglottischen Kehlkopfbereichs
Häufigster Erreger: Parainfluenzaviren sind für etwa 66–75 % der Erkrankungen verantwortlich
Begünstigende Faktoren: Tabakrauch und Luftschadstoffe können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Bei wiederkehrendem Pseudokrupp können zudem eine hyperreaktive Schleimhaut oder eine allergische Veranlagung eine Rolle spielen
Epiglottitis:
Ursache: bakterielle Infektion der Epiglottis und des angrenzenden supraglottischen Gewebes → entzündliches Ödem mit möglicher Atemwegsverengung
Früherer Haupterreger: Vor Einführung der Hib-Impfung wurde die Erkrankung überwiegend durch Haemophilus influenzae Typ b verursacht
Bei Kindern: Hib tritt weiterhin als Erreger auf, insbesondere bei ungeimpften Kindern oder nach Impfversagen
Bei Erwachsenen: Als mögliche Erreger kommen vordergründig Streptokokken, Pneumokokken, Staphylococcus aureus und Klebsiella pneumoniae infrage
Risikofaktoren: fehlender Hib-Impfschutz, Immunsuppression und höheres Lebensalter
Pathophysiologie
Pseudokrupp und Epiglottitis können beide zu einer kritischenVerengungderoberenAtemwege führen. Die zugrunde liegenden Mechanismen unterscheiden sich jedoch insbesondere hinsichtlich des Auslösers und der betroffenen Kehlkopfregion.
Krankheitsbild
Zentraler Vorgang
Mögliche Folgen
Pseudokrupp
Virale Entzündung mit Schleimhautödem unterhalb der Stimmfalten
Subglottische Stenose, bellender Husten, Heiserkeit und Stridor
Epiglottitis
Bakterielle Entzündung mit Schwellung der Epiglottis und supraglottischer Strukturen
Dysphagie, Speichelfluss, kloßige Sprache und rasch fortschreitende Atemwegsobstruktion
Klinischer Eindruck
Kriterium
Epiglottitis
Pseudokrupp
Alter
2-7 Jahre
überwiegend 6 Monate - 3 Jahre
Krankheitsbeginn
Plötzlich
Schleichend
Jahreszeit
Ganzjährig
Gehäuft in Herbst und Winter
Tageszeit
Ganztägig
Gehäuft Abends und Nachts
Körpertemperatur
Hohes Fieber
Kein Fieber oder subfebrile Temperatur
Stimme
Kloßige Sprache
Heiserkeit
Husten
Selten
Bellender Husten
Schluckbeschwerden
Ja
Nein
Speichelfluss
Ja
Nein
Stridor
Inspiratorisch
Inspiratorisch
Diagnostik
Inspektion
Pseudokrupp: Typisch sind bellender Husten, Heiserkeit und ein inspiratorischer Stridor. Mit zunehmender Atemwegsverengung können interkostale Einziehungen und eine deutlich gesteigerte Atemarbeit auftreten
Epiglottitis: Kennzeichnend sind hohes Fieber, ein deutlich reduzierter Allgemeinzustand, vermehrter Speichelfluss, Schluckbeschwerden und eine kloßige Sprache. Häufig nehmen Betroffene eine sitzende, nach vorn gebeugte Haltung ein; zusätzlich kann ein inspiratorischer Stridor bestehen
Palpation:
Die Palpation von Hals und Kehlkopf ist für die präklinische Differenzierung nicht wegweisend
Unnötige Berührungen und Manipulationen vermeiden, insbesondere bei Verdacht auf eine Epiglottitis
Hauttemperatur und Rekapillarisierungszeit orientierend beurteilen
Perkussion
Bei Pseudokrupp und Epiglottitis liefert die Perkussion in der Regel keine wegweisenden Befunde. Abweichungen sollten an zusätzliche oder alternative Ursachen der Atemnot denken lassen
Auskultation
Pseudokrupp: Typischerweise besteht ein inspiratorischer Stridor. Bei einer schweren subglottischen Stenose kann dieser sowohl während der Ein- als auch der Ausatmung hörbar sein
Epiglottitis: Charakteristisch ist ein inspiratorischer Stridor. Ein biphasischer Stridor ist für eine isolierte Epiglottitis nicht typisch und weist eher auf eine tiefer gelegene, beispielsweise tracheale Atemwegsverengung hin
Therapie
Basismaßnahmen:
Ruhe und schonendes Vorgehen: Kind beruhigen, möglichst bei einer vertrauten Bezugsperson belassen und unnötige Untersuchungen oder Manipulationen vermeiden → Aufregung und Weinen können die Atemwegsobstruktion verstärken
Lagerung: Selbst gewählte, meist aufrechte Position beibehalten → nicht zum Hinlegen zwingen
Monitoring und Basisdiagnostik: SpO₂, Atemfrequenz, Atemarbeit, Herzfrequenz, Blutdruck, Körpertemperatur und Vigilanz situationsgerecht überwachen. EKG-Monitoring insbesondere bei auffälliger Herzfrequenz, schwerem Verlauf oder inhalativer Adrenalingabe
Sauerstoffgabe: Bei Hypoxämie oder ausgeprägter Atemnot Sauerstoff möglichst stressarm und in einer vom Kind tolerierten Form verabreichen, z.B. durch Vorhalten der Maske durch ein Elternteil
Kaltluftzufuhr bei Pseudokrupp: Das Kind kann, sofern es dies toleriert, kühle Frischluft einatmen. Dies kann die Beschwerden vorübergehend lindern
Komplikationen erkennen: zunehmende Einziehungen, Zyanose, sinkende SpO₂, Erschöpfung oder eine Vigilanzminderung sprechen für eine fortschreitende Atemwegsobstruktion
Transport und Zielklinik:
Pseudokrupp: Ein milder Verlauf kann bei stabilem Allgemeinzustand, fehlendem Ruhestridor und zuverlässiger Betreuung gegebenenfalls ambulant behandelt werden. Ansonsten Transport in eine Klinik mit pädiatrischer Abteilung
Epiglottitis: Dringlicher Transport in eine geeignete Klinik mit pädiatrisch-intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit
Spezifische Maßnahmen:
Adrenalin inhalativ 4 mg unverdünnt über Verneblermaske → sorgt für das Abschwellen der Atemwege
Verabreichung von Glukokortikoiden
Merke
Oberstes Gebot ist eine ruhige Arbeitsweise und Erklärung zu jedem Arbeitsschritt → Stress bei Kind und Eltern vermeiden!
Besondere Situationen
Definition
Diphtherie
Als „echter Krupp“ wird die Kehlkopfdiphtherie bezeichnet, die im Rahmen einer respiratorischen Diphtherie auftreten kann.
Transport
Die Wahl der Zielklinik richtet sich nach Erkrankungsverdacht, Schweregrad, Therapieansprechen und dem Risiko einer fortschreitenden Atemwegsobstruktion.
Milder Pseudokrupp: Bei gutem Allgemeinzustand, fehlendem Ruhestridor und zuverlässiger Betreuung ist gegebenenfalls eine ambulante Behandlung möglich
Mittelschwerer oder schwerer Pseudokrupp: Transport in eine Klinik mit pädiatrischer Notfallversorgung
Epiglottitisverdacht: Dringlicher Transport in eine geeignete Klinik mit pädiatrisch-intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit
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Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Diagnostik in der Pneumologie
Sicherung der Atemwege
Anamnese des Kindes
Pädiatrische Untersuchung
Besonderheiten pädiatrischer Notfälle (RD)
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Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6