Insbesondere im jüngerenAlter ist die Prävalenz von Infektionskrankheiten in der Gruppe der Kinder signifikant erhöht, was insbesondere auf den Besuch von Kindergarten und Schule und das unzureichend ausgebildete Immunsystem zurückzuführen ist. Obwohl die meistenInfektionenunproblematischverlaufen, ist es für den Rettungsdienst unerlässlich, sich mit zweiVarianten vertraut zu machen, die eine besondere Aufmerksamkeit erfordern. Zu den Erkrankungen, die in diesem Kontext zu berücksichtigen sind, zählen die Epiglottitis und der Pseudokrupp.
Die Epiglottitis ist seit der Einführung der Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ B in den 1990er Jahren zu einer seltenenErkrankung geworden. Dennoch ist sie bei Auftreten ein akuterNotfall, der eine hoheLetalität aufweist. Ausgelöst wird diese durch Bakterien und führt zu einem Anschwellen der Epiglottis und dem darüber liegenden Gewebe. Eine Nichtbehandlung kann zu einer komplettenSchwellung mit resultierender VerlegungderAtemwege führen, was wiederum einen Erstickungstod zur Folge haben kann.
Der Pseudokrupp manifestiert sich hingegen mit erhöhterFrequenz und zeigt in der Regel einen wenigerschwerwiegendenVerlauf. Dieser wird durch eine Virusinfektion hervorgerufen und hat als Folge das AnschwellendessubglottischenGewebes, was potenziell ebenfalls zum Ersticken führen kann.
In beiden Fällen weisen die Patient:innen einen inspiratorischenStridor auf. Der Pseudokrupp-Anfall ist der häufigste Anlass für einen inspiratorischen Stridor bei Kindern.
Merke
Stridor ist nicht gleich Stridor
Auch bei einem Asthma-Anfall tritt ein Stridor auf. Dieser ist jedoch exspiratorisch, wie es für Obstruktionen der unteren Atemwege üblich ist.
Um die Handlungssicherheitinakuten, lebensbedrohlichen Verläufen zu gewährleisten, werden im Folgenden die Besonderheiten der jeweiligen Krankheitsbilder sowie die eingeleiteten Therapien erörtert.
Um den Einstieg in das Thema Epiglottitis und Pseudokrupp etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Atemnot, Kind
Ort: Wohnung, 4. OG
Alarmzeit: 23:06 Uhr
Anrufer:in: Vater
Anzahl der betroffenen Personen: 1
Zusatzinfo:
Männlicher Patient, 3 Jahre alt
Atemnot, pfeifendes Atemgeräusch
Bellender Husten, Heiserkeit
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes steht der Vater an der Wohnungstür und weist euch den Weg in das Wohnzimmer.
Die Lage ist wie folgt:
Der Patient sitzt auf der Couch, hat Schwierigkeitenbei der Atmung und ist ängstlich
Der Vater nimmt ihn zur Beruhigung auf den Schoß und berichtet, dass sein Sohn seit ein paar Tagen kränklich sei und Halsschmerzen habe
Der Patient ist seit 2 Monaten im Kindergarten und hat sich dort mutmaßlich angesteckt
Der Patient hat einen starken bellenden Husten, ein pfeifendes Atemgeräusch ist wahrnehmbar, zusätzlich zunehmende Atemnot
Der Patient ist außerdem blass, ängstlich und es sind Einziehungenerkennbar
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Pseudokrupp aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege frei
Schleimhäute rosig, feucht
Pat. spricht wenig, heiser
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion bds. normal
Inspektorisch unauffällig
Interkostale Einziehungen
Bellender Husten
Auskultatorisch:
Vesikuläres Atemgeräusch bds.
Inspiratorischer Stridor
Palpatorisch:
Keine Krepitation spürbar
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 91%
Atemfrequenz: 38/min
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit blass
Recap-Zeit: 2 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Gut tastbar
Tachykard
Herzfrequenz: 140/min
Mittelbares C-Problem
D
Wach, orientiert, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine weiteren Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Bellender Husten
Inspiratorischer Stridor
Einziehungen
Blässe, Angst
Tachykardie
Allergien/Infektionen: in den letzten Tagen Halsschmerzen
Medikamente: keine
Patientengeschichte: gesund
Letzte Mahlzeit: Abendessen 18:00 Uhr
Ereignis:
Seit ein paar Tagen Halsschmerzen, kränklich
Akute Verschlechterung
Risikofaktoren: Kindergarten
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Epiglottitis
Definition
Epiglottitis
Die Epiglottitis ist eine EntzündungdesKehlkopfeingangs, die durch Bakterien ausgelöst wird. Dabei kommt es zu einer massivenSchwellung der Epiglottis (Kehldeckel), was eine akuteLebensbedrohung darstellen kann. Die KomplettverlegungderAtemwege stellt dabei die Hauptgefahr dar.
Fachbegriff: Laryngitis supraglottica
Eine Epiglottitis manifestiert sich insbesondere bei Patient:innen im Alter von 2 bis 7 Jahren. Es konnte keine Häufung in den Jahreszeiten beobachtet werden. Die hohe Impfquote von 90,7 % gegen Haemophilus influenzae Typ B im Jahr 2020 führt zu einer geringen Prävalenz der Epiglottitis. Dennoch ist dies ein akutlebensbedrohlicherNotfall.
Pseudokrupp
Definition
Pseudokrupp
Der Pseudokrupp ist definiert als eine entzündlicheSchwellungdesKehlkopfes unterhalb der Epiglottis. Die Ursache ist in der Regel eine Virusinfektion.
Die Trennung der oberen und unteren Atemwege verläuft auf Höhe der Stimmritze (Glottis). Die Epiglottitis ist eine Entzündung oberhalb der Stimmritze (supraglottisch) während ein Pseudokrupp-Anfall sich unterhalb der Stimmritze (subglottisch) abspielt.
Die Manifestation des Pseudokrupps kann im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren erfolgen. Es konnte eine Häufung in den Jahreszeiten HerbstundWinter beobachtet werden. Diese Häufung lässt sich durch die vermehrte Viruslast zu diesen Jahreszeiten erklären. In den meisten Fällen manifestiert sich das Beschwerdebildnicht als ein akuterNotfall, kann sich jedoch zu einem entwickeln.
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Beiden Krankheitsbildern liegt eine Infektion zugrunde, jedoch mit verschiedenen Erregern und Erregergruppen.
Ursachen der Epiglottitis:
Die Infektion wird durch Bakterien hervorgerufen, wobei insbesondere folgende Bakterienarten eine Rolle spielen:
Klassisch: Haemophilus influenzae Typ b (durch Impfung selten geworden)
Heute zusätzlich:
Streptococcus pneumoniae
Streptococcus pyogenes
Staphylococcus aureus
Tipp
Seit der Implementierung der Hib-Impfung im Jahr 1990 ist eine signifikante ReduktionderInzidenz zu verzeichnen. Die STIKO empfiehlt bei Säuglingen eine Teilimpfung im Alter von 2, 4 und 11 Monaten.
Ursachen des Pseudokrupp:
In den meisten Fällen wird diese Erkrankung durch Viren verursacht, insbesondere durch folgende:
Parainfluenzaviren
Influenzaviren
Adenoviren
RS-Viren (Respiratorisches Synzytial-Virus)
Zusätzliche Risikofaktoren:
Starke Luftverschmutzung
Passivrauchen
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Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Anatomie des Kehlkopf (Larynx):
Trennung der oberen Atemwege und der unteren Atemwege
Mit der Luftröhre (Trachea) und dem Zungenbein (Os hyoideum) verbunden
Besteht aus 4 Knorpeln:
Schildknorpel → größter Knorpel, bildet bei dem Mann den Adamsapfel
Ringknorpel
Stellknorpel → Befestigung der Stimmfalte
Kehldeckel (Epiglottis) am Schildknorpel befestigt → verschließt den Kehlkopf beim Schlucken → Trennung von Luft und Nahrung
Glottis, auch Stimmritze genannt, ist der spaltförmige Raum zwischen den Stimmfalten im Kehlkopf
Aufgaben:
Stimmbildung → Luftstrom bringt die Stimmbänder in Schwingung
Schutzfunktion → Epiglottis verhindert, dass Nahrung in die Luftröhre (Trachea) gelangt
Nerven:
N. laryngeus recurrens (Stimmnerv)
N. laryngeus superior (oberer Kehlkopfnerv)
Beide Nerven gehen vom N. vagus ab
Besonderheiten Kinder:
GeringeresLumen der Atemwege → kleine Schwellungen haben schneller eine negative Auswirkung
GeringereTotalkapazität der Lunge
Physiologisch erhöhteAtemfrequenz
Pathophysiologie Epiglottitis
Die Funktion der Epiglottis (Kehldeckel) besteht in der SeparationderunterenAtemwegevondenNahrungswegen. Die zuvor genannten Bakterien verursachen eine EntzündungderSchleimhautoberhalbderEpiglottis sowie der Epiglottis selbst. Dies führt zu einer Schwellung der betroffenen Strukturen. Die SchwellungerschwertdieAtmung maßgeblich und kann bei Nichtbehandlung bis zum komplettenVerschluss führen. Die vorliegende Situation birgt folglich das Risiko des Erstickens und in der Folge des Erstickungstodes.
Endoskopisches Bild einer Epiglottitis
Pathophysiologie Pseudokrupp
Demgegenüber manifestiert sich ein Pseudokrupp-Syndrom vorwiegend durch leichteInfektionen der oberenAtemwege. Diese führen im Verlauf zu einer Schwellung des subglottischen (unterhalb der Epiglottis) Kehlkopfgewebes. Die vorliegende Evidenz legt nahe, dass sowohl die hoheLuftverschmutzung als auch das Passivrauchen einen signifikanten Einfluss auf die Manifestation des Pseudokrupps haben.
Tipp
Risiko an einem Pseudokruppsinktab dem 3. Lebensjahr.
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Typische Zeichen einer Epiglottitis
→ Plötzlicher Beginn (unabhängig von der Tageszeit), in der Regel kein Husten
Inspiratorischer Stridor (typisch für die Verlegung der oberenAtemwege)
Typische sitzende Körperhaltung: nach vorn gebeugt mit nach hinten gestrecktem Kopf zur Erweiterung der Atemwege
Achtung
Aufgrund der Schwellungder Epiglottis und des umliegenden Gewebes kann es zu dem ZuschwellenderAtemwege kommen und damit zum Erstickungstod.
Typische Zeichen eines Pseudokrupps
Schleichender Beginn, meist zuvor schon Krankheitsgefühl und Infektion der oberen Atemwege
Häufig Beginn eher in den späten Abend- oder Nachtstunden
Stadium
Typische Zeichen
1
(Leicht)
Bellender Husten
Heiserkeit
Unter Belastung inspiratorischer Stridor
Keine Schluckstörungen, Hypersalivation oder Einziehungen
2
(Mittel)
Inspiratorischer Stridor
Leichte interkostale Einziehungen
Patient:innen leicht aufgeregt
Leichte Atemnot
3
(Schwer)
Ausgeprägter inspiratorischer Stridor
Gelegentlich exspiratorischer Stridor
Verlängerte Ausatmung
Deutliche Einziehungen
Dyspnoe, Tachypnoe
Unruhe, Angst, Blässe
Tachykardie
4
(Drohender Atemstillstand)
Abnehmender Stridor (leise)
Zyanose
Bewusstseinseintrübungen
Bradykardie
Hypopnoe, Hypoventilation
Achtung
Sobald der Stridorexspiratorischundinspiratorisch auftritt, handelt es sich um eine schwerwiegendeSchwellung der Atemwege. Es ist eine sofortigeHandlung notwendig, sonst droht auch hier der Erstickungstod. Die Lautstärke lässt keine Rückschlüsse auf den Obstruktionsgrad zu.
Unterscheidung Epiglottitis und Pseudokrupp
Kriterium
Epiglottitis
Pseudokrupp
Alter
2-7 Jahre
6 Monate - 5 Jahre
Krankheitsbeginn
Plötzlich
Schleichend
Jahreszeit
Ganzjährig
Gehäuft in Herbst und Winter
Tageszeit
Ganztägig
Gehäuft Abends und Nachts
Körpertemperatur
Hohes Fieber
Erhöhte Temperatur
Stimme
Kloßige Sprache
Heiserkeit
Husten
Selten
Bellender Husten
Schluckbeschwerden
Ja
Nein
Speichelfluss
Ja
Nein
Stridor
Inspiratorisch
Inspiratorisch
Generalisierte Zeichen
Angst bei den Patient:innen und Panik bei den Eltern
Krankheitsgefühl
Dyspnoe
Heiserkeit, kloßige Sprache
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A (Allergien, Infektionen): Respiratorische Infektionen im Umfeld, Infektionen der oberen Atemwege
M (Medikation)
P (Patientengeschichte)
L (Letzte…)
E (Ereignis): Beginn der Erkrankung → schleichender Beginn? Krankheitssymptome in den vergangenen Tagen?
R (Risiko): Passivrauchen, starke Luftverschmutzung
S (Schwangerschaft)
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf einen Pseudokrupp oder eine Epiglottitis abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Bei Kindern sollte das Monitoring auf ein Minimumbeschränkt werden, um zusätzliche Angst zu vermeiden. Wesentlich ist dabei die Sauerstoffsättigung mittels Pulsoximeter. Kinder tolerieren dieses Verfahren gut und Zustandsveränderungen können darüber schnellerkannt werden.
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Präklinisch stehen die Stabilisierung, die Vermeidung einer Hypoxie und die Aufrechterhaltung der Oxygenierung im Vordergrund.
Basismaßnahmen
KontinuierlichesMonitoring und Beobachtung des Kindes → Zustandsveränderungen schnell erkennen
Lagerung: Oberkörperhochlagerung, idealerweise im Sitzen
Sauerstoffgabe nach Bedarf, z.B. 6-8 l/min über Maske → eventuell von den Eltern vor das Gesicht halten lassen → bessere Toleranz
Absaug- und ggf. Intubationsbereitschaft herstellen
Bei Pseudokrupp: Erwäge Inhalation kalter, feuchter Luft, z.B. durch geöffnetes Fenster bei geeigneter Außentemperatur
Achtung
Ein ruhiges Vorgehen und transparente Kommunikation sind essenziell, um unnötigen Stress bei Kind und Eltern zu verhindern.
Spezifische Maßnahmen Pseudokrupp
Bei moderatem und schwerem Verlauf = Adrenalin inhalativ 4 mg unverdünnt über Verneblermaske → sorgt für das Abschwellen der Atemwege
Verabreichung von Glukokortikoiden z.B. Prednisolon 100 mg rektal, alternativ: 2 mg/kgKG i.v.
Angepasste Volumentherapie
Bei zunehmender Dyspnoe → frühzeitig assistierte Beatmung
Tipp
Durch die Gabe von Glukokortikoiden kann die Symptomatik verbessert und das Hospitalisierungsrisiko gesenkt werden, weshalb sie bei allen Schweregraden empfohlen sind.
Achtung
Die Intubation ist beim Pseudokrupp möglichst zu vermeiden, da das Risiko subglottischer Stenosen besteht. Ist sie dennoch erforderlich, sollte sie nur durch erfahrene Anwender erfolgen.
Spezifische Maßnahmen Epiglottitis
Adrenalin inhalativ 4 mg unverdünnt über Verneblermaske → sorgt für das Abschwellen der Atemwege
Hochdosierte Verabreichung von Glukokortikoiden
Kinder <15 kg Prednisolon 50 mg i.v.
Kinder 15–30 kg Prednisolon 100 mg i.v.
Kinder 30–60 kg Prednisolon 250 mg i.v.
Kinder und Jugendliche >60 kg Prednisolon 250-1000 mg i.v.
Angepasste Volumentherapie
Bei zunehmender Dyspnoe → frühzeitig assistierte Beatmung
Intubation nur durch erfahreneAnwender → aufgrund der Manipulation kann es zur weiteren Reizung und Schwellung des Kehlkopfgewebes kommen
Merke
Wichtiges zum Atemwegsmanagement
Bei der Intubation ggf. eine Tubusgröße kleiner als üblich für das Alter wählen → aufgrund des geschwollenen Kehlkopfgewebes ist das Lumen kleiner.
Bei erfolgloser Intubation und stark zunehmender Dyspnoe → notfallmäßige Koniotomie erwägen
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Diphtherie - echter Krupp:
Diphtherie wird als „echter Krupp“ bezeichnet, dabei handelt es sich um eine bakterielleInfektionskrankheit, die durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae hervorgerufen wird. Die Hauptsymptome sind: Halsschmerzen, Fieber, bellender Husten, grau-weißlicher Belag im Rachen. Übertragen wird dieser über Tröpfcheninfektion, aber auch Kontakt mit Wunden oder kontaminierten Gegenständen.
Seit der Diphtherie Schutzimpfung nur noch sehr selten geworden
Meldepflichtige Infektionskrankheit (nach §6 und §7 IfSG)
Patient:innen sollen isoliert werden
Kommunikation mit den Eltern:
Ruhe und Empathie schaffen Vertrauen und mindern den Stress
Klare, laiengerechte Sprache
Eltern sind wichtige Informationsquellen (z.B. Anamnese und Impfstatus)
Eltern über alle Maßnahmeninformieren oder auch einbeziehen
Kulturelle und sprachlicheBesonderheiten beachten
Emotionenernstnehmen
Transport wird durch einen Elternteilbegleitet
Merke
Gemeinsame Mission
Haltet euch vor Augen, dass sowohl ihr, als Rettungsteam, als auch die Eltern ein gemeinsames Ziel haben: Dem Kind zu helfen. Nutzt die Eltern als wichtige Ressource für Informationen, Beruhigung des Kindes und als helfende Hand für Lagerung und invasive Maßnahmen.
Das Team des Rettungsdienstes ist für den Erfolg des Einsatzes genauso wichtig wie die Eltern.
Notfallkoniotomie:
Achtung
Komplikationsrate bei Kindern <10 Jahren sehr hoch → daher wird es nichtempfohlen!
Nur durch erfahrene Anwender und nur im äußersten Notfall, wenn alle anderen Maßnahmen ausgereizt sind und eine „can´t intubate, can´t ventilate”-Situation vorliegt!
Eine Notfallkoniotomie stellt den finalenVersuchderAtemwegssicherung dar und wird als "Ultima Ratio" bezeichnet. Dieser Ansatz findet sowohl bei Erwachsenen Anwendung als auch bei Kindern. Es sei darauf hingewiesen, dass eine relative Kontraindikation bei Kindern unter 10 Jahren generell zu berücksichtigen ist. In Ausnahmefällen kann jedoch eine Ausnahme von dieser Regel gemacht werden, sofern die medizinischeNotwendigkeit gegeben ist. Dies ist insbesondere der Fall, wenn das Kind ansonsten nicht überlebensfähig wäre. Die anatomischenBesonderheitenbeiKleinkindern können das Komplikationsrisikoerhöhen. Im klinischenKontext wird stattdessen oft die Tracheotomie vorgezogen.
Kurzbeschreibung Vorgehen:
Identifikation des Ligamentum cricothyroideum
Desinfektion
Vertikaler Hautschnitt → horizontaler Schnitt durch das Ligamentum
Platzierung des Tubus und Sicherung der Beatmung
Komplikationen:
Blutungen
Fehlplatzierung
Ösophagusverletzung
Trachealverletzung
Info
Das Ligamentum cricothyroideum wird auch als Ligamentum conicum bezeichnet. Daher stammt die Namensgebung der Koniotomie. Bei der Intervention wird dieses Ligamentum durchtrennt.
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Die Wahl des Zielkrankenhauses ist abhängig vom individuellen Fall. Das Zielkrankenhaus sollte eine Kinderklinik sein, welche über eine internistische Abteilung verfügt und eine Intensivstation vorweisen.
Falls vorhanden, Nachalarmierung und Transportbegleitung durch Kindernotarzt.
Merke
Zusammenfassung Transport
Zielkrankenhaus: Kinderklinik mit internistischer Abteilung und Intensivstation
SitzenderTransport oder Oberkörperhochlagerung
Transport wird miteinemElternteil begleitet
Kontinuierliches Monitoring und Zustandsüberwachung
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Vitalparameter: Herzfrequenz, Sättigung, Temperatur (erhöhte Temperatur bis hohes Fieber)
→ Diagnostik, insbesondere körperliche Untersuchung und Monitoring, auf ein Minimum beschränken
→ Angst und Stress vermeiden
Therapie:
Epiglottitis
Pseudokrupp
Monitoring
Kontinuierliche Messung der Sauerstoffsättigung
Lagerung
Sitzend bzw. Oberkörperhochlagerung
Sauerstoffgabe
Wenn nötig
Absaugbereitschaft
Immer bereit halten
Intubation
Nur durch erfahrene Behandler:innen
Notarztalarmierung
Ja
Medikamentöse Therapie
Adrenalin inhalativ Prednisolon rektal
Merke
Oberstes Gebot ist eine ruhige Arbeitsweise und Erklärung zu jedem Arbeitsschritt → Stress bei Kind und Eltern vermeiden!
Besondere Situationen:
Diphtherie → echter Krupp
Kommunikationsregeln mit den Eltern
Notfallkoniotomie
Weitere Therapie im klinischen Setting:
Fortführung der präklinischen Maßnahmen
Laborkontrolle
Präventionsmaßnahmen
Transport:
Zielkrankenhaus: Kinderklinik mit internistischer Abteilung und Intensivstation
SitzenderTransport oder Oberkörperhochlagerung
Transport wird miteinemElternteil begleitet
Kontinuierliches Monitoring und Zustandsüberwachung
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Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Diagnostik in der Pneumologie
Sicherung der Atemwege
Anamnese des Kindes
Pädiatrische Untersuchung
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Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6