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Ermittlung der Kindslage

Leopold-Handgriffe
6 Minuten Lesezeit

Die Bestimmung der genauen Lage des Kindes ist für die Planung einer erfolgreichen Geburt von großer Bedeutung. Während die Kindslage meist mithilfe einer transabdominalen Ultraschalluntersuchung ermittelt wird, bieten die Leopold-Handgriffe eine gute manuelle Alternative.

Diese systematischen Tastuntersuchungen ermöglichen es, die Lage, Stellung und Einstellung des Kindes sowie die Position des vorangehenden Kindsteils zu beurteilen. Sie sind besonders wertvoll, wenn keine bildgebenden Verfahren verfügbar sind oder ergänzend zur klinischen Einschätzung eingesetzt werden.

 Achtung

Die Frau muss vor der Durchführung der Leopold-Handgriffe um ihr Einverständnis gebeten werden. Die Blase sollte entleert sein, um eine Verfälschung des Tastbefundes durch eine volle Blase zu vermeiden.

 Tipp

Die Schritte der Leopold-Handgriffe sollten der Schwangeren vorab erklärt und jede Handlung behutsam angekündigt werden, um Vertrauen und Entspannung zu fördern.

  • Ziel: Bestimmung des Fundusstandes
  • Vorgehen:
    • Schwangere in Rückenlage
    • Beide Hände flach auf den kranialen Rand der Bauchwölbung legen, sodass sich die Finger fast berühren
    • Leichten Druck in die Tiefe aufbauen
    • Fühlbar ist eine harte Struktur. Hier befindet sich der Gebärmutterfundus
    • Der Fundusstand erlaubt es, die normale Entwicklung des Fötus zu beurteilen
 Tipp

Wenn die Bauchwölbung nicht gut sichtbar ist, kann mit der Untersuchung oberhalb des Nabels begonnen werden.

1. Leopold-Handgriff
1. Leopold-Handgriff: Fudusstand am Rippenbogen
SSWFundusstand
20Zwischen Symphyse und Bauchnabel
24Höhe des Bauchnabels
32Zwischen Bauchnabel und Proc. Xiphoideus
36Höchststand: am Rippenbogen
402 Querfinger unterhalb des Rippenbogens 
(Fundus senkt sich unter den Senkwehen ab)
  • Ziel: Ermittlung der Stellung des Kindes (d.h. der Lage des Rückens und der kleinen Teile wie Arme und Beine des Kindes)
  • Vorgehen:
    • Die Hände auf beiden Seiten des Bauches der Gebärenden flach auf den Bauch legen
    • Mit einer Hand Druck ausüben, um die Strukturen insgesamt besser zu spüren
    • Mit der anderen Hand die Strukturen in der Tiefe abtasten und den Rücken des Kindes suchen (dieser fühlt sich hart und rund an)
    • Abwechselndes Abtasten und Halten der Hände während der Untersuchung, um beide Seiten des Abdomens untersuchen zu können
2. Leopold-Handgriff
2. Leopold-Handgriff: Stellung Ib
 Stellung
IRücken liegt links (aus Sicht der Frau)
IIRücken liegt rechts (aus Sicht der Frau)
Ia/IIaRücken hat eine Tendenz nach vorne (ventral)
Ib/IIbRücken hat eine Tendenz nach hinten (dorsal)
  • Ziel: Bestimmung des vorangehenden Kindsteils
  • Vorgehen:
    • Eine Hand über der Symphyse mit Daumen und Fingern voran in die Tiefe bringen
    • Sind weichere Strukturen tastbar, handelt es sich eher um eine Beckenendlage. Ist eine harte, runde Struktur im kleinen Becken zu tasten, handelt es sich eher um eine Schädellage
    • Der Kopf ist durch den Hals beweglicher als der Steiß, man spricht auch davon, dass der Kopf ballotiert (Ballottement positiv bei Schädellage), d. h. dass man den Kopf hin und her bewegen kann.
3. Leopold-Handgriff
3. Leopold-Handgriff: Schädellage
 Tipp

Vor allem beim 3. Leopold Handgriff sollte die Blase entleert sein, da dies sonst für die Schwangere unangenehm ist und die Ergebnisse der Tastuntersuchung verfälschen kann.

 Info

Neben den hier beschriebenen Handgriffen gibt es noch zwei weitere Leopold-Handgriffe und geburtshilfliche Manöver, die aufschlussreiche Informationen liefern können. Die oben beschriebenen Handgriffe sind jedoch auch für ungeübte Untersucher:innen leicht anzuwenden und gut nutzbar, während der 4. und 5. Leopold-Handgriff mehr Übung erfordern.

  • Ziel: Bestimmung der Einstellung (Bestimmung der Einstellung des vorangehenden Kindsteils in Bezug auf den Beckeneingang)
  • Vorgehen:
    • Von lateral oben kommend vorsichtig parallel zur Leiste über die Bauchdecke geführt
    • Langsam in Richtung Beckeneingang gleiten gelassen
    • Durch sanfte Palpation wird der vorangehende Teil (Kopf oder Beine) ertastet und dessen Lage im Verhältnis zum Beckeneingang beurteilt
4. Leopold-Handgriff
4. Leopold-Handgriff
 Info

Der vierte Leopold-Handgriff wird heute seltener angewandt, da moderne bildgebende Verfahren, insbesondere der vaginale Ultraschall, eine präzisere und weniger subjektive Beurteilung der Einstellung des vorangehenden Kindsteils ermöglichen. Dennoch bleibt der Handgriff ein wichtiger Bestandteil der klinischen Untersuchung, vor allem in Situationen, in denen bildgebende Verfahren nicht verfügbar sind.

  • Ziel: Ausschluss eines Missverhältnisses zwischen mütterlichem Becken und kindlichem Kopf bei regelmäßigen Wehen oder unter der Geburt
  • Vorgehen
    • Eine Hand wird auf die Symphyse gelegt
    • Die andere Hand wird kranial davon auf den vorangehenden Teil des Kindes platziert
    • Die kraniale Hand sollte tiefer liegen als die kaudale Hand
    • Liegt die kraniale Hand auf gleichem oder höherem Niveau, deutet dies darauf hin, dass der Kopf des Kindes am Knochen der Symphyse aufsitzt und so der Eintritt ins Becken blockiert sein kann → In diesem Fall besteht ein Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken
 Info

Wie der 4. Leopold-Handgriff wird auch der 5. heute nur noch selten angewendet. 

  • G. Leopold, N. Spörlin: Die Leitung der regelmäßigen Geburt nur durch äußere Untersuchung. In: Archiv für Gynäkologie. 45, 1894, S. 337–368.
Zuletzt aktualisiert am 22.12.2024
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