Medi Know
Logo Image

Fenoterol

Tokolytikum, β₂-Sympathomimetikum, Wehenhemmendes Medikament
5 Minuten Lesezeit
Fenoterol Ampulle

Fenoterol ist ein β₂-Sympathomimetikum, das zur akuten Uterusrelaxation (Tokolyse) oder Bronchodilatation eingesetzt wird. Es findet Anwendung bei geburtshilflichen Notfällen, bei denen eine rasche Wehenhemmung erforderlich ist, beispielsweise bei Nabelschnurvorfall, intrauteriner Asphyxie oder drohender Uterusruptur.

Fenoterol stimuliert β₂-Adrenozeptoren in der glatten Muskulatur der Bronchien und des Uterus. Dadurch kommt es zu einer Bronchodilatation und Relaxation der Uterusmuskulatur und einer Hemmung der Wehentätigkeit. Ziel ist es, kurzfristig Zeit zu gewinnen, etwa zur Vorbereitung einer operativen Entbindung oder zur Verbesserung der fetalen Oxygenierung.

Durch die systemische β₂-Wirkung können neben der Uterusrelaxation auch kardiale und metabolische Effekte auftreten. Klinisch möglich sind Tachykardie, Palpitationen, Blutdruckveränderungen, Tremor oder Hyperglykämie.

Die Anwendung erfolgt in der Regel intravenös als Kurzinfusion oder Bolusgabe unter kontinuierlichem Monitoring.

Nach intravenöser Gabe tritt die Wirkung rasch innerhalb weniger Minuten ein. Die Therapie sollte gezielt und unter strenger Indikationsstellung erfolgen.

Lernkarte Fenoterol
  • Wirkstoffklasse: β2-Sympathomimetikum, Tokolytikum
  • Handelsnamen: z.B. Partusisten®
Etikett: Fenoterol
  • Geburtshilfliche Notfälle mit Bedarf einer akuter Uterusrelaxation (z.B. Nabelschnurvorfall, intrauterine Asphyxie, drohende Uterusruptur)
  • Bronchiale Obstruktion (Asthma bronchiale / COPD)
 Achtung

Der Einsatz von Fenoterol zur Notfalltokolyse im präklinischen Setting ist aufgrund potenziell schwerwiegender maternaler kardiovaskulärer Nebenwirkungen umstritten und wird in aktuellen Empfehlungen kritisch bewertet.

  • Gestationsalter <22 Wochen
  • Kardiale Vorerkrankungen (KHK, Klappenvitien, Tachyarrhythmien)
  • Schwere Hyperthyreose
  • Schwere Leber- oder Nierenerkrankung
  • Phäochromozytom
  • Vena-cava-Kompressionssyndrom
  • Erwachsene: 25 µg i.v. über 2-3 Minuten
  • Sorgfältige Nutzen-Risiko Abwägung, optimalerweise nach Rücksprache mit geburtshilflicher Fachabteilung
  • Langsam i.v. applizieren (5 µg/30 Sekunden)
  • Während der Therapie kontinuierliche kardiorespiratorische Überwachung inkl. EKG
  • Bei Anzeichen einer myokardialen Ischämie (z.B. Brustschmerzen, EKG-Veränderungen) ist die Therapie sofort abzubrechen
  • Zur Vermeidung einer Hypotonie sollte während der Therapie eine Linkseitenlagerung erfolgen, um eine Cava-Kompression zu verhindern
  • Wirkeintritt: innerhalb von 5-10 min
  • Wirkdauer: ca. 3 Std.
  • Fenoterol wirkt über eine Aktivierung der β2-Adrenozeptoren
  • Es gehört zu der Gruppe der SABA (Short-acting-beta-2-Agonisten) → Die Stimulation der β2-Rezeptoren der Gebärmutter führt zu einer Entspannung der glatten Muskulatur (Tokolyse)
  • Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • Weitere Sympathomimetika (z. B. Adrenalin, Theodrenalin/Cafedrin, SABAs) → Additive β-adrenerge Wirkung mit Tachykardie- und Arrhythmierisiko
    • Anticholinergika (z. B. Ipratropiumbromid) → Additive Bronchodilatation
    • L-Dopa, Schilddrüsenhormone → Gesteigerte sympathomimetische Effekte
    • Diuretika, Glukokortikoide → Verstärkte Hypokaliämie mit proarrhythmischem Risiko
  • Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • β-Blockern (insbesondere nichtselektiv, z. B. Propranolol)
  • Hypotonie
  • Tachykardie, Tachyarrhythmie, Palpitationen
  • Schwindel
  • Hypokaliämie
  • AP-Beschwerden, myokardiale Ischämie (selten)
  • Übelkeit
  • Angstzustände, Unruhe
  • Lungenödem (selten)
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Medikamentöse Therapie bei Geburt
  • Geburt in der Präklinik
Zuletzt aktualisiert am 11.05.2026
Esketamin
Fentanyl
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz