Zusammenfassung

Fenoterol ist ein β₂-Sympathomimetikum, das zur akuten Uterusrelaxation (Tokolyse
Fenoterol stimuliert β₂-Adrenozeptoren in der glatten Muskulatur der Bronchien und des Uterus. Dadurch kommt es zu einer Bronchodilatation und Relaxation der Uterusmuskulatur und einer Hemmung der Wehentätigkeit. Ziel ist es, kurzfristig Zeit zu gewinnen, etwa zur Vorbereitung einer operativen Entbindung
Durch die systemische β₂-Wirkung können neben der Uterusrelaxation auch kardiale und metabolische Effekte auftreten. Klinisch möglich sind Tachykardie
Die Anwendung erfolgt in der Regel intravenös als Kurzinfusion oder Bolusgabe unter kontinuierlichem Monitoring.
Nach intravenöser Gabe tritt die Wirkung rasch innerhalb weniger Minuten ein. Die Therapie sollte gezielt und unter strenger Indikationsstellung erfolgen.
Lernkarte
Wirkstoffklasse und Etikett
- Wirkstoffklasse: β2-Sympathomimetikum, Tokolytikum
- Handelsnamen: z.B. Partusisten®
Indikation
- Geburtshilfliche Notfälle mit Bedarf einer akuter Uterusrelaxation (z.B. Nabelschnurvorfall
, intrauterine Asphyxie , drohende Uterusruptur) - Bronchiale Obstruktion (Asthma bronchiale
/ COPD )
AchtungDer Einsatz von Fenoterol zur Notfalltokolyse im präklinischen Setting ist aufgrund potenziell schwerwiegender maternaler kardiovaskulärer Nebenwirkungen umstritten und wird in aktuellen Empfehlungen kritisch bewertet.
Kontraindikationen
- Gestationsalter <22 Wochen
- Kardiale Vorerkrankungen (KHK
, Klappenvitien, Tachyarrhythmien) - Schwere Hyperthyreose
- Schwere Leber
- oder Nierenerkrankung - Phäochromozytom
- Vena-cava-Kompressionssyndrom
Dosierung
- Erwachsene: 25 µg i.v. über 2-3 Minuten
Besonderheiten
- Sorgfältige Nutzen-Risiko Abwägung, optimalerweise nach Rücksprache mit geburtshilflicher Fachabteilung
- Langsam i.v. applizieren (5 µg/30 Sekunden)
- Während der Therapie kontinuierliche kardiorespiratorische Überwachung inkl. EKG
- Bei Anzeichen einer myokardialen Ischämie (z.B. Brustschmerzen, EKG
-Veränderungen) ist die Therapie sofort abzubrechen - Zur Vermeidung einer Hypotonie sollte während der Therapie eine Linkseitenlagerung erfolgen, um eine Cava-Kompression zu verhindern
Wirkeintritt/-dauer
- Wirkeintritt: innerhalb von 5-10 min
- Wirkdauer: ca. 3 Std.
Wirkung
- Fenoterol wirkt über eine Aktivierung der β2-Adrenozeptoren
- Es gehört zu der Gruppe der SABA (Short-acting-beta-2-Agonisten) → Die Stimulation der β2-Rezeptoren der Gebärmutter führt zu einer Entspannung der glatten Muskulatur (Tokolyse
)
Wechselwirkungen
- Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
- Weitere Sympathomimetika (z. B. Adrenalin
, Theodrenalin/Cafedrin , SABAs) → Additive β-adrenerge Wirkung mit Tachykardie - und Arrhythmierisiko - Anticholinergika
(z. B. Ipratropiumbromid ) → Additive Bronchodilatation - L-Dopa
, Schilddrüsenhormone → Gesteigerte sympathomimetische Effekte - Diuretika
, Glukokortikoide → Verstärkte Hypokaliämie mit proarrhythmischem Risiko
- Weitere Sympathomimetika (z. B. Adrenalin
- Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
- β-Blockern (insbesondere nichtselektiv, z. B. Propranolol)
Nebenwirkungen
- Hypotonie
- Tachykardie
, Tachyarrhythmie, Palpitationen - Schwindel
- Hypokaliämie
- AP
-Beschwerden, myokardiale Ischämie (selten) - Übelkeit
- Angstzustände, Unruhe
- Lungenödem
(selten)
Lagerung
- Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
- Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
Weiterführende Artikel
Medikamentöse Therapie bei Geburt Geburt in der Präklinik
Quellen
- Fachinformation: Fenoterolhydrobromid, 25 Mikrogramm/ml Konzentrat zur Herstellung einer Injektionslösung, Stand: 02/2020
- S2k-Leitlinie: Prävention und Therapie der Frühgeburt, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)

