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Fettsäure-Biosynthese

EP
8 Minuten Lesezeit

Die Fettsäure-Biosynthese ist der Aufbau neuer Fettsäuren (De-novo-Synthese) aus Kohlenhydraten bei einem Energieüberschuss. Dies erfolgt, wenn die ATP-Speicher gut gefüllt sind und der Energiebedarf des Körpers gedeckt ist.

  1. Ausgangspunkt: Acetyl-CoA
    • Energieüberschuss: Bei vollem ATP-Speicher wird der Citratzyklus gehemmt
    • Acetyl-CoA:
      • Wird nicht weiter abgebaut
      • Dient der langfristigen Energiespeicherung, indem es in Fettsäuren umgewandelt wird
  2. Synthese von Fettsäuren:
    • Aus Acetyl-CoA werden vor allem zwei Fettsäuren gebildet:
      • Palmitinsäure (16 C-Atome)
      • Stearinsäure (18 C-Atome)
  3. Speicherung:
    • Die gebildeten Fettsäuren werden im Fettgewebe gespeichert
    • Dies geschieht in Form von kompakten Triacylglycerinen (Speicherfette)
  4. Ort der Synthese:
    • Die Fettsäure-Biosynthese findet im Zytoplasma der Zellen statt

Für die Fettsäuresynthese wird Acetyl-CoA benötigt, das jedoch in den Mitochondrien gebildet wird, während die Fettsäuresynthese im Zytosol stattfindet. Da Acetyl-CoA die innere Mitochondrienmembran nicht passieren kann, erfolgt der Transport in Form von Citrat, das im Zytosol wieder zu Acetyl-CoA umgewandelt wird.

  1. Bildung von Acetyl-CoA:
    • Acetyl-CoA entsteht durch:
      • Glycolyse: Kohlenhydrate → Pyruvat → Acetyl-CoA (über Pyruvatdehydrogenase)
      • Abbau ketogener Aminosäuren (ebenfalls in der Mitochondrienmatrix)
  2. Transport ins Zytosol:
    • Citratbildung:
      • Acetyl-CoA reagiert mit Oxalacetat (durch Citratsynthase) zu Citrat
    • Citrattransport:
      • Citrat/Malat-Antiporter transportiert Citrat ins Zytosol
  3. Umwandlung im Zytosol:
    • Citratlyase: Spaltet Citrat in Acetyl-CoA und Oxalacetat (ATP-Verbrauch)
    • Oxalacetat wird durch die Malatdehydrogenase zu Malat reduziert
    • Malat gelangt zurück ins Mitochondrium oder wird im Zytosol vom Malatenzym zu Pyruvat decarboxyliert (liefert NADPH für Fettsäuresynthese)
  4. Anaplerotische Reaktion:
    • Um Oxalacetat im Citratzyklus wieder aufzufüllen, wird Pyruvat durch die Pyruvatcarboxylase unter ATP-Verbrauch zu Oxalacetat carboxyliert

Die Fettsäuresynthese beginnt mit der Bildung der aktivierten Ausgangsverbindung Malonyl-CoA. Diese entsteht durch eine ATP-abhängige Carboxylierung von Acetyl-CoA und wird von der Acetyl-CoA-Carboxylase katalysiert.

Ablauf der Reaktion:

  1. Reaktionsschritte:
    • Carboxylierung von Acetyl-CoA:
      • Acetyl-CoA wird durch die Acetyl-CoA-Carboxylase mit einer Carboxygruppe (aus Hydrogencarbonat) verbunden
    • Zwischenprodukt: Carboxybiotin (aktivierte Carboxygruppe wird auf Biotin übertragen)
    • Endprodukt: Malonyl-CoA entsteht durch Verknüpfung der Carboxygruppe mit Acetyl-CoA
  2. Rolle von Biotin:
    • Biotin dient als prosthetische Gruppe der Acetyl-CoA-Carboxylase
    • Es ist kovalent über eine Amidbindung mit einem Lysinrest des Enzyms verbunden und überträgt die Carboxygruppe
  3. Energieverbrauch:
    • Die Reaktion ist ATP-abhängig und irreversibel
  4. Regulatorische Funktion:
    • Die Acetyl-CoA-Carboxylase ist das Schlüsselenzym der Fettsäuresynthese
    • Sie kontrolliert die Geschwindigkeit der gesamten Synthese
Bildung von Malonyl-CoA (Acetyl-CoA-Carboxylasereaktion)

Die Biosynthese gesättigter geradzahliger Fettsäuren erfolgt im Zytosol an der Fettsäuresynthase, einem multifunktionellen Enzym. Sie läuft in mehreren Runden ab, bei denen die Fettsäurekette schrittweise um 2 C-Atome verlängert wird.

Ablauf der Fettsäuresynthese:

  1. Startmoleküle und Bindung:
    • Acetyl-CoA: Liefert die endständige Methylgruppe der Fettsäure
    • Malonyl-CoA: Liefert die zusätzlichen C-Atome
    • Beide Substrate werden an die zentrale SH-Gruppe des Acylcarrierproteins (ACP) der Fettsäuresynthase gebunden
  2. Reaktionsfolge pro Zyklus:
    • Kondensation:
      • Acetyl-CoA und Malonyl-CoA verbinden sich unter Abspaltung von CO₂ zu Acetoacetyl-ACP (C4)
      • Enzym: 3-Ketoacyl-ACP-Synthase
  • Reduktion:
    • Acetoacetyl-ACP wird mit NADPH zu D-3-Hydroxybutyryl-ACP reduziert
    • Enzym: 3-Ketoacyl-ACP-Reduktase
  • Dehydratisierung:
    • Wasser wird abgespalten, es entsteht trans-Δ2-Butenoyl-ACP mit einer Doppelbindung
    • Enzym: 3-Hydroxyacyl-ACP-Dehydratase
Fettsäuresynthese
  • Reduktion der Doppelbindung:
    • Die Doppelbindung wird durch NADPH zu Butyryl-ACP (C4) gesättigt.
    • Enzym: Enoyl-ACP-Reduktase
Fettsäuresynthese

3. Verlängerung der Fettsäure:

  • Nach jedem Zyklus wird die wachsende Fettsäure um 2 C-Atome verlängert
  • Das Produkt der ersten Runde (Butyryl-ACP) wird für den nächsten Zyklus als Substrat genutzt

4. Endprodukt:

  • Die Synthese endet meist bei Palmitat (C16)
  • Enzym: Thioesterase spaltet Palmitat von der Fettsäuresynthase ab
  • Palmitat wird anschließend zu Acyl-CoA aktiviert

Eigenschaften der Fettsäuresynthase

  • Multifunktionelles Enzym:
    • Enthält alle benötigten enzymatischen Aktivitäten
    • Besitzt zwei SH-Gruppen (zentrale am ACP und periphere am Cysteinrest), die Zwischenprodukte binden
  • Aktivierte Zwischenprodukte:
    • Bleiben während der Synthese über Thioesterbindungen an die SH-Gruppen gebunden
  • Unterschied zu geradzahligen Fettsäuren: Statt Acetyl-CoA (C2-Körper) wird Propionyl-CoA (C3-Körper) als Startmolekül verwendet
  • Ort: Die Synthese findet an der zytosolischen Seite des endoplasmatischen Retikulums in Hepatozyten statt
  • Reaktion:
    • Desaturierung (Entsättigung): Einführung einer Doppelbindung in eine gesättigte Fettsäure
    • Für jede Doppelbindung werden 2 H₂O abgespalten und O₂ als Oxidationsmittel verwendet
  • Beschränkung: Doppelbindungen können nur zwischen der Carboxylgruppe (C1) und dem C9-Atom eingefügt werden

Enzymkomplex

  • Desaturase: Eine Oxygenase, die mit Cytochrom b₅ (Elektronentransport) zusammenarbeitet
  • Coenzym: NADPH/H⁺ als Elektronendonor
Synthese ungesättigter Fettsäuren

Beispiele für ungesättigte Fettsäuren:

  1. Ölsäure (C18-Körper):
    • Entsteht aus Stearinsäure durch Einführung einer Doppelbindung am C9
  2. Essenzielle Fettsäuren:
    • Linolsäure: Doppelbindungen an C9 und C12
    • Linolensäure: Doppelbindungen an C9, C12 und C15
    • Arachidonsäure:
      • Entsteht durch zweimalige Desaturierung und Verlängerung der Linolsäure um 2 C-Atome
      • Bedeutung: Ausgangsstoff für die Synthese von Leukotrienen und Prostaglandinen

Der Fettsäurestoffwechsel wird reguliert, damit Fettsäuresynthese und -abbau (β-Oxidation) nicht gleichzeitig ablaufen. Bei guter Energie- und Kohlenhydratversorgung wird die Synthese aktiviert und der Abbau gehemmt. Bei Energiemangel geschieht das Gegenteil. Zentrale Rolle spielen die Enzyme Acetyl-CoA-Carboxylase (ACC) und Carnitin-Acyltransferase 1 (CPT-1).

  • Acetyl-CoA-Carboxylase (ACC): Wandelt Acetyl-CoA in Malonyl-CoA um. Malonyl-CoA ist für die Fettsäuresynthese notwendig und hemmt gleichzeitig CPT-1, wodurch der Fettsäureabbau unterdrückt wird
    • Regulation von ACC:
      • Allosterisch: Citrat aktiviert ACC; Palmitoyl-CoA hemmt ACC
      • Hormonell: Insulin aktiviert ACC, Glucagon und Adrenalin hemmen es durch Phosphorylierung
      • Energiestatus: Niedriges ATP aktiviert die AMP-abhängige Proteinkinase (AMPK), die ACC hemmt und den Fettsäureabbau fördert
  • Carnitin-Acyltransferase 1 (CPT-1): Transportiert Fettsäuren in die Mitochondrien zur β-Oxidation. Malonyl-CoA hemmt dieses Enzym und verhindert so den Abbau neu synthetisierter Fettsäuren
Zuletzt aktualisiert am 22.09.2025
Stoffwechsel der Ketonkörper
Synthese von Triacylglycerinen (Lipogenese)
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