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Funktionelle Gruppen und Nomenklatur

7 Minuten Lesezeit

Um die große Vielfalt organischer Verbindungen systematisch zu beschreiben, werden diese nach dem Aufbau ihres Kohlenstoffgerüsts sowie der Art ihrer funktionellen Gruppen klassifiziert.

Das Kohlenstoffgerüst definiert den grundlegenden molekularen Aufbau, während die funktionellen Gruppen das chemische Verhalten einer Verbindung maßgeblich bestimmen. Beide Kriterien bilden zugleich die Grundlage für die systematische Benennung nach der IUPAC-Nomenklatur.

Einteilung nach dem Kohlenstoffgerüst:

Je nach Anordnung der Kohlenstoffatome werden organische Verbindungen in folgende Gruppen unterteilt:

  • Aliphatische (acyclische) Verbindungen: offene, unverzweigte oder verzweigte Kohlenstoffketten.
  • Cyclische Verbindungen: enthalten mindestens einen geschlossenen Kohlenstoffring. Sie werden weiter unterteilt in:
    • Alicyclische Verbindungen: nicht aromatische Ringsysteme (z.B. Cyclohexan)
    • Aromatische Verbindungen: planare Ringsysteme mit delokalisiertem π-Elektronensystem (z.B. Benzol)
    • Heterocyclische Verbindungen: Ringsysteme, die neben Kohlenstoff mindestens ein Heteroatom enthalten (z.B. Pyridin, Furan)

Zusätzlich unterscheidet man gesättigte (nur Einfachbindungen zwischen den C-Atomen) und ungesättigte Verbindungen (mit C=C-Doppel- oder C≡C-Dreifachbindungen).

 Tipp

Als Heteroatome werden in der organischen Chemie alle Atome außer Kohlenstoff und Wasserstoff bezeichnet.

Funktionelle Gruppen sind spezifische Atome oder Atomgruppen innerhalb organischer Moleküle, die deren chemische und physikalische Eigenschaften maßgeblich bestimmen. So beeinflussen sie bspw. die Reaktivität, Polarität und Löslichkeit, Säure-Base-Eigenschaften sowie Schmelz- und Siedepunkte. Meist enthalten sie Heteroatome oder Mehrfachbindungen.

Verbindungen mit derselben funktionellen Gruppe zeigen häufig ein ähnliches chemisches Verhalten und werden daher zu einer gemeinsamen Stoffklasse zusammengefasst.

Gleichzeitig bilden funktionelle Gruppen die Grundlage der IUPAC-Nomenklatur. Die funktionelle Gruppe mit der höchsten Priorität bestimmt dabei die Endung (Suffix) im systematischen Stoffnamen.

Merke

Organische Moleküle bestehen aus einem Kohlenstoffgerüst und meist einer oder mehreren funktionellen Gruppen. Das Gerüst bestimmt den strukturellen Aufbau, die funktionellen Gruppen legen die Stoffklasse und die charakteristischen Eigenschaften fest.

Übersicht wichtiger Stoffklassen (nach abnehmender Priorität):
StoffklasseFunktionelle GruppeStrukturPräfixSuffix
CarbonsäureCarboxygruppe–COOHCarboxy--säure
EsterEstergruppe–COO–RAlkoxycarbonyl--oat
AmidAmidgruppe–CO–NH2Carbamoyl--amid
NitrilNitrilgruppe–C≡NCyano--nitril
AldehydFormylgruppe–CHOOxo- (Formyl-)-al
KetonCarbonylgruppe>C=OOxo--on
AlkoholHydroxygruppe–OHHydroxy--ol
ThiolSulfanylgruppe–SHSulfanyl--thiol
AminAminogruppe–NH2Amino--amin
EtherEthergruppe–O–Alkoxy-–
HalogenalkanHalogen–F, –Cl, –Br, –IFluor-, Chlor-, Brom-, Iod-–
Alken / AlkinC=C / C≡C–-en / -in

Die IUPAC-Nomenklatur (International Union of Pure and Applied Chemistry) stellt ein international standardisiertes Regelwerk zur systematischen Benennung organischer Verbindungen dar.

Sie ermöglicht es, aus dem Namen einer chemischen Verbindung deren genaue molekulare Struktur abzuleiten.

Grundlage der Benennung ist die längste zusammenhängende Kohlenstoffkette eines Moleküls, die als Stammkette bezeichnet wird.

Grundprinzip der Benennung

Jeder systematische IUPAC-Name setzt sich grundsätzlich aus drei Bestandteilen zusammen:

Aufbau eines IUPAC-Namens
  • Stammname: Der Stammname beschreibt die Länge der Hauptkette und richtet sich nach der Anzahl der enthaltenen Kohlenstoffatome.
  • Präfix(e): Präfixe kennzeichnen Art, Anzahl und Position von Seitenketten oder funktionellen Gruppen, sofern diese eine niedrigere Priorität als die Hauptgruppe besitzen.
  • Suffix: Das Suffix kennzeichnet die Verbindungsklasse. Es beschreibt den Sättigungsgrad der Stammkette (Art und Anzahl der Mehrfachbindungen) oder – sofern vorhanden – die funktionelle Gruppe mit der höchsten Priorität.

Die Stammnamen organischer Verbindungen leiten sich von den unverzweigten Alkanen ab:

KohlenstoffatomeStammname
1Meth-
2Eth-
3Prop-
4But-
5Pent-
6Hex-
7Hept-
8Oct-
9Non-
10Dec-

Die Benennung einfacher organischer Verbindungen erfolgt nach folgendem Schema:

1. Längste Kohlenstoffkette (Stammkette) ermitteln: Zunächst wird die längste durchgehende Kohlenstoffkette bestimmt. Bei gleich langen Ketten wird die Kette mit den meisten Substituenten gewählt. Die Anzahl der C-Atome bestimmt den Stammnamen (siehe „Grundprinzip der Benennung“).

2. Stammkette nummerieren: Die C-Atome der Stammkette werden durchnummeriert. Die Nummerierung beginnt an dem Kettenende, das dem ersten Substituenten am nächsten liegt. Ziel ist es, den Substituenten möglichst kleine Positionszahlen zu geben (Regel der kleinsten Lokanten).

3. Seitenketten (Substituenten) bestimmen: Alles, was nicht zur Stammkette zählt, wird als Seitenkette oder Substituent bezeichnet. Diese werden als Präfixe angegeben. Bei Alkanen handelt es sich meist um Alkylgruppen.

4. Gleiche Substituenten zusammenfassen: Kommt derselbe Substituent mehrfach vor, wird dieser mit Zahlenpräfixen (di-, tri-, tetra-…) zusammengefasst (z.B. Dimethyl-).

5. Position der Substituenten angeben: Die Position jedes Substituenten wird durch eine Zahl (Lokant) angegeben.

  • Beispiel: 2-Methylpentan → Die Zahl 2 gibt an, dass die Methylgruppe am zweiten C-Atom der Stammkette sitzt.
  • Bei mehreren gleichen Substituenten werden alle Positionen angegeben. Beispiel: 2,4-Dimethylpentan → Methylgruppen an C-2 und C-4.

6. Verschiedene Substituenten alphabetisch ordnen: Sind verschiedene Substituenten vorhanden, werden sie alphabetisch geordnet. Die Zahlenpräfixe (di-, tri- …) werden dabei nicht berücksichtigt.

  • Beispiel: 3-Ethyl-2,4-dimethylhexan → Ethyl kommt im Alphabet vor Methyl.

7. Vollständigen Namen zusammensetzen: Präfixe + Stammname + Suffix. Dabei gilt: Zahlen werden untereinander durch Kommata, Zahlen und Wörter durch Bindestriche getrennt. Nur der erste Buchstabe wird großgeschrieben.

  • Beispiel: 3-Ethyl-2,4-dimethylhexan.
 Merke

Stammkette ermitteln und nummerieren → Substituenten bestimmen und angeben → Vollständigen Namen zusammensetzen

Beispiel:
Nomenklatur-Beispiel: 3-Ethyl-2,2,4-trimethylhexan
  1. Stammkette ermitteln und nummerieren
  2. Seitenketten (Substituenten) bestimmen
  3. Gleiche Substituenten zusammenfassen, Position der Substituenten angeben und verschiedene Substituenten alphabetisch ordnen
  4. Vollständigen Namen zusammensetzen

→ 3-Ethyl-2,2,4-trimethylhexan

Zuletzt aktualisiert am 06.10.2026
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