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Gaumen (Palatum)

EP
6 Minuten Lesezeit

Der Gaumen trennt die Mundhöhle vom darüberliegenden Nasenraum. Er bietet der Zunge beim Kauen und Sprechen einen mechanischen Widerstand. Der weiche Gaumen ist an der Lautbildung (vor allem bei Verschlusslauten wie „G“ und „K“) beteiligt und spielt eine zentrale Rolle beim Schluckakt, indem er den Nasopharynx verschließt, sodass keine Nahrung oder Flüssigkeit in die Nase eindringen kann.

  • Allgemeiner Aufbau
    • Das Gaumendach (Palatum) besteht aus einem vorderen knöchernen Anteil und einem hinteren beweglichen Muskelanteil
    • Der vordere Teil ist das Palatum durum (harter Gaumen)
    • Der hintere Teil ist das Palatum molle (weicher Gaumen)

Harter und weicher Gaumen (Ansicht von kaudal):

Harter und weicher Gaumen (Ansicht von kaudal)
  • Wird gebildet durch die Processus palatinus der Maxilla und die Lamina horizontalis des Os palatinum
  • Die darüberliegende Schleimhaut ist fest mit dem Knochen verbunden
  • Im vorderen Bereich finden sich tastbare Querfalten (Rugae transversae)
  • Hinter den oberen Schneidezähnen liegt die Papilla incisiva, die das Foramen incisivum überdeckt
  • Nach hinten geht der harte Gaumen ohne Grenze in den weichen Gaumen über

Harter Gaumen (Ansicht von kaudal):

Harter Gaumen (Ansicht von kaudal)
  • Besteht aus der Aponeurosis palatina, einer Bindegewebsplatte, an der mehrere Muskeln ansetzen
  • Die Aponeurose reicht vom hinteren Rand des harten Gaumens bis zum Hamulus des Processus pterygoideus
  • Zusammen mit der Muskulatur bildet sie das Gaumensegel (Velum palatinum)
  • Muskulatur des Gaumensegels und der Gaumenbögen
    • M. tensor veli palatini
      • Hebt und spannt das Gaumensegel, verhindert dadurch das Eindringen von Nahrung in den Nasopharynx
      • Spannt den Gaumen quer auf, seine Sehne wird um den Hamulus des Processus pterygoideus geführt
      • Innervation: N. musculi tensoris veli palatini (Ast des N. mandibularis (V3))
    • M. levator veli palatini
      • Hebt das Gaumensegel an, ermöglicht Druckausgleich im Mittelohr durch Öffnung der Tuba auditiva 
      • InnervationPlexus pharyngeus (aus N. glossopharyngeus (IX) und N. vagus (X))
    • M. uvulae
      • Verkürzt die Uvula
      • InnervationPlexus pharyngeus (aus N. glossopharyngeus und N. vagus)
    • M. palatoglossus
      • Bildet den vorderen Gaumenbogen (Arcus palatoglossus)
      • Senkt das Gaumensegel und hebt den Zungengrund an → Verschluss des Isthmus faucium
      • InnervationN. glossopharyngeus (IX)
    • M. palatopharyngeus
      • Bildet den hinteren Gaumenbogen (Arcus palatopharyngeus)
      • Unterstützt ebenfalls den Verschluss des Isthmus faucium durch Senkung des Gaumens und Hebung des Rachens
      • InnervationN. glossopharyngeus (IX)

Muskulatur des weichen Gaumens (Ansicht von posterior):

Muskulatur des weichen Gaumens (Ansicht von posterior)
  • Die Tonsilla palatina ist ein paarig angelegtes, mandelförmiges Organ aus lymphatischem Gewebe und ist ein Teil des Waldeyer-Rachenrings
  • Der Waldeyer-Rachenring ist eine ringförmige Ansammlung von lymphatischem Gewebe an der Grenze zwischen MundhöhleNasenhöhle und Pharynx. Die Hauptbestandteile des Rachenrings sind: 
    • Tonsilla pharyngealis (Rachenmandel, unpaarig)
    • Tonsilla tubaria (Tubenmandel, paarig)
    • Seitenstränge (lymphatisches Gewebe an der seitlichen Rachenwand entlang der Plica salpingopharyngea, paarig)
    • Tonsilla palatina (Gaumenmandel, paarig)
    • Tonsilla lingualis (Zungenmandel, unpaarig)
  • Sie liegt zwischen dem Arcus palatoglossus und dem Arcus palatopharyngeus im hinteren Bereich der Mundhöhle
  • Der Raum zwischen den Gaumenbögen wird als Fossa tonsillaris (Tonsillarbucht) bezeichnet
  • Die Gaumenmandel ist dort in eine bindegewebige Kapsel eingebettet
  • Sie liegt am Übergang zum Rachen im Bereich des Isthmus faucium
  • Die arterielle Versorgung erfolgt über Äste der A. facialis und der A. maxillaris, beide stammen aus der A. carotis externa
  • Der Plexus pharyngeus liefert motorische und sensible Fasern
  • Enthält Anteile des N. glossopharyngeus (IX), des N. vagus (X) und sympathische Fasern aus dem Grenzstrang
  • Die sensible Innervation des Gaumens erfolgt zusätzlich über Äste des N. maxillaris (V2):
    • Vordere Gaumenanteile: N. nasopalatinus
    • Mittlere Gaumenanteile: N. palatinus major
    • Hintere Gaumenanteile: Nn. palatini minores
Waldeyer-Rachenring
Zuletzt aktualisiert am 23.06.2026
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