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Gelenke der unteren Extremität

EP
18 Minuten Lesezeit

Die Ossa coxae artikulieren mit dem Os sacrum über die Iliosakralgelenke. Beim Iliosakralgelenk handelt es sich um eine Amphiarthrose, deren Beweglichkeit durch den straffen Bandapparat deutlich eingeschränkt ist. Das linke und rechte Os pubis sind ventral über die Symphysis pubica miteinander verbunden.

Iliosakralgelenk (Art. sacroiliaca)
Beteiligte StrukturenBänderGelenktyp
  • Facies auricularis ossis illi (Os ilium) und Facies auricularis ossis sacri (Os sacrum)
  • Ligg. sacroiliaca anteriora, posteriora und interossea
  • Lig. sacrotuberale
  • Lig. sacrospinale
  • Lig. iliolumbale
  • Amphiarthrose
Symphysis pubica
  • Facies symphysialis der beiden Ossa pubis
  • Besteht aus Discus interpubicus
  • Lig. pubicum superius
  • Lig. pubicum inferius
  • Synarthrose
Membrana obturatoria
DefinitionDurchtretende Leitungsbahnen
  • Bindegewebiger Verschluss des Foramen obturatum
  • Beteiligte Knochen sind Ossa pubis und ischii
  • Canalis obturatorius:
    • A. obturatoria, V. obturatoria, N. obturatorius

Ansicht von ventral:

Gelenke und Bänder des Beckensrings

Ansicht von dorsal:

Gelenke und Bänder des Beckenrings

Das Hüftgelenk (Art. coxae) verbindet den Oberschenkelknochen (Femur) mit den Beckenknochen. Es ermöglicht eine große Beweglichkeit der Beine.

Beteiligte StrukturenBänderGelenktyp und Mechanik
  • Caput femoris
  • Aceta-
    bulum
  • Weichteilgewebe:
    • Die Facies lunata wird kaudal durch die Incisura acetabuli unterbrochen und durch das mit Knorpel überzogene Lig. transversum acetabuli überbrückt
    • Lig. capitis femoris (beinhaltet A. capitis femoris)
    • Labrum acetabuli (Gelenklippe aus Faserknorpel)
  • Drei kräftige Bänder verstärken die Gelenkkapsel:
    1. Lig. iliofemorale (stärkste Band des menschlichen Körpers)
    2. Lig. pubofemorale
    3. Lig. ischiofemorale
  • Kugel- bzw. Nussgelenk (3 Freiheitsgrade)
  • Funktion: Flexion und Extension, Abduktion und Adduktion, Innenrotation und Außenrotation

Ventrale Ansicht des rechten Hüftgelenks

Hüftgelenk – Ansicht von ventral

Dorsale Ansicht des rechten Hüftgelenks

Bänder des Hüftgelenks – Ansicht von dorsal

Bänderschraube

Die Bänderschraube wird durch Lig. iliofemorale, ischiofemorale und pubofemorale gebildet, welche schraubenförmig die Gelenkkapsel verstärken.

Bänderschraube des Hüftgelenks
BandUrsprungAnsatzFunktion
Lig. iliofemorale
  • Spina iliaca anterior inferior
  • Linea intertrochanterica
  • Hemmung der Extension und Adduktion
Lig. ischiofemorale
  • Corpus ossis ischii
  • Fossa trochanterica
  • Hemmung der Extension und 
    Innenrotation
Lig. pubofemorale
  • Ramus superior ossis pubis
  • Linea intertrochanterica
  • Hemmung der Extension, Abduktion und Außenrotation

Das Kniegelenk (Art. genus) verbindet Ober- und Unterschenkel und besteht aus 2 Teilgelenken, dem Art. femorotibialis (zwischen Femur und Tibia) und dem Art. femoropatellaris (zwischen Femur und Patella). Sie sind beide von einer Gelenkkapsel umschlossen.

Kniegelenk 
Beteiligte Strukturen
  • Femur, Tibia, Patella
Teilgelenke
  • Femorotibialgelenk (Drehscharniergelenk)
  • Femoropatellargelenk
Menisken
  • Meniscus medialis (Innenmeniskus)
    • C-förmig
    • Durch Kollateralband (Lig. collaterale tibiale) verstärkt und gering beweglich → verletzungsanfälliger
  • Meniscus lateralis (Außenmeniskus)
    • Fast kreisrund
    • Keine Verbindung zum Kollateralband und deshalb gut beweglich
Kreuzbänder
  • Lig. cruciatum anterius (vorderes Kreuzband)
    • Verläuft von hinten-oben-außen (mediale Fläche der lateralen Femurkondyle) nach vorne-unten-innen (Area intercondylaris anterior tibiae)
    • Funktion: Verhindert das Vorgleiten der Tibia gegenüber dem Femur
  • Lig. cruciatum posterius (hinteres Kreuzband)
    • Verläuft von vorne-oben-innen (laterale Fläche des Condylus medialis femoris) nach hinten-unten-außen (Area intercondylaris posterior tibiae)
    • Funktion: Verhindert das Zurückgleiten der Tibia gegenüber dem Femur
Außenbänder
  • Lig. collaterale fibulare (laterale)
    • Verläuft vom Epicondylus lateralis femoris zum Caput fibulae
  • Lig. collaterale tibiale (mediale)
    • Zieht vom Epicondylus medialis femoris zum Condylus medialis tibiae
Weitere Bänder
  • Lig. patellae
  • Lig. popliteum obliquum
  • Lig. popliteum arcuatum
  • Lig. transversum genus
  • Lig. meniscofemorale posterius
Gelenkkapsel
  • Capsula articularis (besteht aus Membrana synovialis und Membrana fibrosa)
  • Corpus adiposum infrapatellare (Hoffa-Fettkörper), ist mit dem vorderen Kreuzband über einen Bindegwebsstrang (Plica synovialis infrapatellaris) verwachsen
  • Mehrere Schleimbeutel
Funktion
  • Extension und Flexion
  • Innenrotation und Außenrotation

AAnsicht des rechten Kniegelenks von ventral:

Kniegelenk (Art. genus)

Kreuzbänder:

Die beiden Kreuzbänder haben in erster Linie die Aufgabe, das Kniegelenk in der Beugestellung zu stabilisieren und eine Überstreckung zu verhindern. Dabei liegen sie gekreuzt zueinander. Bei einer Außenrotation des Kniegelenks entwinden sie sich voneinander, während sie sich bei einer Innenrotation miteinander verflechten. Die Kreuzbänder liegen innerhalb der Membrana fibrosa, aber außerhalb der Membrana synovialis.

 Info

Kreuzbandriss:

Ein Kreuzbandriss führt zu einer Instabilität des Kniegelenks. Um dies bei der klinischen Untersuchung festzustellen, wird der vordere und hintere Schubladentest angewendet. Bei einem Kreuzbandriss ist es möglich, den Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel zu verschieben, wenn das Bein gebeugt wird. Eine Verschiebung nach vorne deutet auf eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes hin, eine Verschiebung nach hinten auf eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes.

Ansicht des rechten Kniegelenks von kranial:

Kniegelenk (Art. genus)
 Merke

Die Menisken unterscheiden sich in ihrer Form:

  • Lateraler Meniskus: ringförmig Merkhilfe:Lord of the Ring“ 💍
  • Medialer Meniskus: C-förmig

Ansicht des rechten Kniegelenks von ventral:

Kniegelenk (Art. genus)

Ansicht des linken Kniegelenks von dorsal:

Linkes Kniegelenk in dorsaler Ansicht – Kreuzbänder, Menisken und Kollateralband

Unhappy Triad

Bei der „Unhappy Triad“ am Knie kommt es zu einer Kombinationsverletzung, die durch eine kräftige Valgusstress- und Außenrotationseinwirkung auf das Knie bei feststehendem Unterschenkel verursacht wird (häufige Verletzung beim Skisport). Die „Unhappy Triad“ umfasst:

  1. Ruptur des vorderen Kreuzbandes
  2. Verletzung des medialen Meniskus
  3. Ruptur des medialen Seitenbandes (Lig. collaterale tibiale)
Unhappy Triad

Tibia und Fibula sind über das obere Tibiofibulargelenk (Art. tibiofibularis), die Membrana interossea cruris und die Syndesmosis tibiofibularis verbunden.

Art. tibiofibularis:

Beteiligte StrukturenBänderGelenktyp und Mechanik
  • Tibia (Facies articularis fibularis)
  • Fibula (Facies articularis capitis)
  • Lig. capitis fibulae anterius
  • Lig. capitis fibulae posterius
  • Amphiarthrose (straffes echtes Gelenk)

Membrana interossea cruris:

BeschreibungBesonderheitenGelenktyp
  • Straffe Bindegewebsmembran im Bereich der Diaphysen (Tibiaschaft, Fibulaschaft)
  • Trennt Extensoren von den tiefen Flexoren
  • Muskelursprung für die Extensoren und tiefen Flexoren
  • Im proximalen Drittel durchqueren die A./V. tibiales anteriores
  • Syndesmose

Syndesmosis tibiofibularis:

Beteiligte StrukturenBänderGelenktyp und Funktion
  • Distal-laterale Tibia
  • Distal-mediale Fibula
  • Lig. tibiofibulare anterius
  • Lig. tibiofibulare posterius
  • Syndesmose
  • Stabilisierung des oberen Sprunggelenks, indem beide Knochen zur Malleolengabel verbunden werden
Verbindung zwischen Tibia und Fibula

Das Sprunggelenk kann in ein oberes Sprunggelenk (Art. talocruralis) und ein unteres Sprunggelenk (Art. talotarsalis) unterteilt werden.

Übersicht über die Sprunggelenke:

Sprunggelenke

Art. talocruralis (OSG):

Das obere Sprunggelenk verbindet die Malleolengabel mit dem Sprungbein (Talus).

Oberes Sprunggelenk 
Beteiligte Strukturen
  • Gelenkpfanne: Malleolengabel
  • Gelenkkopf: Trochlea tali
Gelenkkapsel
  • Gelenkkapsel befestigt an der Grenze zwischen Knorpel und Knochen von Tibia, Fibula und Talus
  • Nur das Collum tali teilweise innerhalb der Gelenkkapsel
  • Malleolen liegen außerhalb der Gelenkkapsel
Medialer Bandapparat
  • Lig. deltoideum (4 Anteile)
    • Pars tibiotalaris anterior
    • Pars tibiotalaris posterior
    • Pars tibionavicularis
    • Pars tibiocalcanea

Laterale Kollateralbänder

(Verhindern ein Abknicken des Fußes nach tibial)

  • Lig. calcaneofibulare
  • Lig. talofibulare anterius
  • Lig. talofibulare posterius
Syndesmosenbänder der Malleolengabel
  • Ligg. tibiofibulare anterius und posterius
Gelenktyp
  • Scharniergelenk
Funktion
  • Plantarflexion und Dorsalextension
  • Sicherung der Malleolengabel
Klinik
  • Supinationstrauma (häufig), umknicken des Fußes nach außen. Dadurch können die lateralen Bänder reißen, sehr häufig das Lig. talofibulare anterius

Mediale Ansicht des Bandapparats des rechten oberen Sprunggelenks

Mediale Ansicht des Bandapparats des rechten oberen Sprunggelenks – Lig. deltoideum

Laterale Ansicht des Bandapparats des rechten oberen Sprunggelenks

Lateraler Bandapparat des rechten oberen Sprunggelenks – Außenbandkomplex

Dorsale Ansicht des Bandapparats des rechten oberen Sprunggelenks

Dorsale Ansicht des Bandapparats des rechten oberen Sprunggelenks

Unteres Sprunggelenk:

Das untere Sprunggelenk besteht aus 2 getrennten Anteilen. Der vorderen Kammer des unteren Sprunggelenks (Art. talocalcaneonavicularis) und der hinteren Kammer (Art. subtalaris).

Unteres Sprunggelenk 
 Art.  talocalcaneonavicularis 
(Vordere Kammer des USG)
Art. subtalaris 
(Hintere Kammer des USG)
Beteiligte Strukturen
  • Talus (Gelenkkopf)
  • Anteile des Calcaneus, Os naviculare und Lig. calcaneonaviculare plantare (Gelenkpfanne)

Facies articularis calcanea posterior des Talus

Facies articulars talaris posterior des Calcaneus

Bänder
  • Lig. talocalcaneum interosseum
    • Trennt beide Kammern voneinander
  • Pfannenband (Lig. calcaneonaviculare plantare)
    • Zieht vom Calcaneus zum Os naviculare
    • Pfannenband genannt, da es einen Teil der Gelenkpfanne bildet
  • Lig. bifurcatum
  • Lig. talocalcaneum laterale
Gelenktyp
  • Radgelenk
Funktion
  • Eversion und Inversion

Gelenkflächen des unteren Sprunggelenks:

(Ansicht des Talus von kaudal, Ansicht des rechten eröffneten unteren Sprunggelenks von kranial):

Unteres Sprunggelenk
Chopart Gelenk (Art. tarsi transversa)
Beteiligte StrukturenBänderGelenktyp und Funktion
  • 2 Einzelgelenke:
    • Art. talonavicularis (zwischen Talus und Os naviculare)
    • Art. calcaneocuboidea (zwischen Calcaneus und Os cuboideum)
  • Dorsale, plantare und interossäre Bänder fixieren das Gelenk straff
  • Amphiarthrose
  • Inversion
Kleine Fußwurzelgelenke
  • Os naviculare
  • Ossa cuneiformia
  • Os cuboideum
  • Dorsale, plantare und interossäre Bänder fixieren die Gelenke straff
  • Amphiarthrosen
Fußwurzel-Mittelfuß-Gelenke (Artt. tarsometatarsales)
  • Ossa cuneiformia
  • Os cuboideum
  • Ossa metatarsi I-V
  • (bilden die Lisfranc´sche Gelenklinie)
  • Durch straffe Bänder fixiert
  • Amphiarthrosen
Gelenke zwischen den Mittelfußknochen (Artt. intermetatarsales)
  • Basis ossis metatarsi II-IV
  • Durch straffe Bänder fixiert
  • Amphiarthrosen
Zehengrundgelenke (Artt. metatarsophalangeales)
  • Ossa metatarsi I-V
  • Phalanges proximales
  • Ligg. collateralia
  • Ligg. plantaria
  • Ligg. metatarsale transversum profundum
  • Kugelgelenke
  • Flexion und Extension
  • Abspreizen und Anziehen der Zehen
Zehenmittelgelenke und Zehenendgelenke (Artt. interphalangeales pedis)
  • Phalanges proximales/mediae (Caput phalangis)
  • Phalanges mediae/distales 
    (Basis phalangis)
  • Ligg. collateralia
  • Ligg. plantaria
  • Scharniergelenke
  • Dorsalextension und Plantarflexion
Sprunggelenke
Zuletzt aktualisiert am 16.07.2026
Knochen der unteren Extremität
Muskeln der unteren Extremität
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