Zusammenfassung
Einsatzkräfte im Rettungsdienst sind hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Oft arbeiten sie in unregelmäßigen Schichten und unter Zeitdruck. Damit sie ihre Aufgaben dauerhaft zuverlässig erfüllen können, ist ein ganzheitlicher Gesundheitsschutz unverzichtbar.
Dieser umfasst die arbeitsmedizinische Vorsorge, einen vollständigen Impfschutz, gesunde Ernährung und körperliche Fitness ebenso wie einen konsequenten Infektionsschutz. Ergänzend spielen Faktoren wie Psychohygiene, ergonomisches Arbeiten, ein stabiler Schlafrhythmus trotz Schichtdienst und der bewusste Umgang mit Genuss- und Suchtmitteln eine wichtige Rolle.
Dieser Artikel zeigt präklinisch tätigem Personal praxisnah, wie sie ihre Gesundheit im Berufsalltag schützen und stärken können - für mehr Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Sicherheit im Einsatz.
Fallbeispiel
Um den Einstieg in das Thema Gesundheitsschutz etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Nach einem erfolgreich beendeten Einsatz setzen sich die Kolleg:innen an den Tisch im Aufenthaltsraum und genießen ihre Pause. Das Gespräch kommt schnell auf das Thema Gesundheit und die Problematik im Schichtdienst. Da alle das Motto „Wer rettet verfettet“ kennen, kommt auch das Thema Gesundheitsschutz zur Sprache und die Frage, ob es dazu Angebote und Möglichkeiten von Arbeitgeberseite gibt:
- Eine Kollegin spricht an, dass sie sich in letzter Zeit häufig müde und erschöpft fühlt und vermutet, dass ihre Ernährung auf Wache dazu beiträgt
- Ein weiterer Kollege erzählt von Magenbeschwerden nach Nachtschichten, da er meist zu Süßigkeiten und Cola greift, um wach zu bleiben
- Ein anderer hebt hervor, dass das Rettungsdienstpersonal durch unregelmäßige Arbeitszeiten, Stress und ungesunde Snack-Gewohnheiten ein erhöhtes Risiko für Übergewicht
, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat - Schließlich wird diskutiert, wie Gesundheitsschutz im Alltag besser umgesetzt werden kann:
- Bereitstellen von frischem Obst und gesunden Snacks
- Gemeinsames Kochen in der Wachküche an ruhigen Tagen
- Leitungswasser statt Softdrinks als Standardgetränk
- Kurze Bewegungseinheiten während Pausen, um Rückenschmerzen vorzubeugen
- Austausch im Team über Stressbewältigung und Schlafhygiene
Am Ende beschließen die Kolleg:innen, für die nächste Woche einen „gesunden Pausentisch“ zu organisieren: Jeder bringt etwas mit, das nahrhaft ist, länger sättigt und besser zur Schichtarbeit passt - zum Beispiel Vollkornbrot, Nüsse, frisches Gemüse oder Joghurt.
Arbeitsmedizin
Arbeitsmedizinische Vorsorge:
Rechtliche Grundlage:
- Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV)
- DGUV-Vorschriften (z.B. DGUV Vorschrift 49 „Feuerwehren“ – oft analog im Rettungsdienst)
- Betriebliche Regelungen des Trägers
Wichtige Vorsorgeuntersuchungen im Rettungsdienst:
- G 26 Atemschutzuntersuchung
- G 26.1: Leichte Atemschutzgeräte (bis 3 kg)
- G 26.2: Mittelschwere Atemschutzgeräte (3–5 kg)
- G 26.3: Schwere Atemschutzgeräte (> 5 kg, z. B. Pressluftatmer)
- G 42 Tätigkeiten mit Infektionsgefährdung (z.B. Blut, Sekrete, infektiöse Patient:innen)
- G 20 Lärm (z.B. bei Einsatzfahrten mit Martinshorn)
- G 25 Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten (Tauglichkeit für Einsatzfahrzeuge)
MerkeArbeitsmedizinische Untersuchungen
Die Vorsorgeuntersuchungen dienen nicht nur der Feststellung der Tauglichkeit, sondern auch der frühzeitigen Erkennung von Gesundheitsrisiken. So kann auch Folgeschäden früh vorgebeugt werden.
Inhalte der Vorsorgeuntersuchung:
Im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge wird zunächst eine Anamnese erhoben, bei der insbesondere die individuelle Arbeitsbelastung, bestehende Beschwerden und relevante Vorerkrankungen erfragt werden. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, bei der das Herz-Kreislauf-System, die Atemwege und der Bewegungsapparat besonders in den Fokus gerückt werden. Auch eine grob orientierende neurologische Untersuchung ergänzt die Diagnostik.
Ergänzend können Laboruntersuchungen, beispielsweise zur Kontrolle des Hepatitis-B-Titers, durchgeführt werden. Zur Beurteilung der Sinnesfunktionen werden ein Seh- und ein Hörtest durchgeführt. Je nach Tätigkeit können zudem ein Belastungs-EKG oder eine Lungenfunktionsprüfung erforderlich sein. Abschließend erfolgt eine Beratung zu wichtigen Präventionsthemen wie Impfungen, Hautschutz, gesunder Ernährung und Suchtprävention.
Die Untersuchungen werden in festgelegten Zeitabständen wiederholt. Dabei kann der Umfang der Diagnostik variieren.
Ergonomie und Belastungsprävention:
Rettungskräfte sind durch häufiges Heben, Tragen und Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen besonders anfällig für Rücken- und Gelenkbeschwerden.
Wichtige Maßnahmen:
- Lasten nah am Körper tragen
- Technische Hilfsmittel wie Tragetücher, Fahrtragen, Raupenstühle konsequent einsetzen
- Arbeitspositionen regelmäßig wechseln
- Rückentraining in den Alltag integrieren
Psychische Gesundheit als Teil der Arbeitsmedizin:
Neben körperlicher Belastung müssen Einsatzkräfte auch psychische Ausnahmesituationen bewältigen.
Arbeitsmedizinische Unterstützungsmöglichkeiten:
- Regelmäßige Gespräche zu Stress und Schlafproblemen (z.B. mit dem Betriebsarzt oder anderen Kolleg:innen)
- Supervision und psychologischer Betreuung
- Peer-Support-Teams nach belastenden Einsätzen
MerkeFrühzeitiges Ansprechen psychischer Belastungen ist ein Zeichen von Professionalität - nicht von Schwäche!
Präventive Eigenmaßnahmen:
Auch wenn der Arbeitgeber Vorsorgeuntersuchungen anbietet, liegt ein Teil der Verantwortung bei den Einsatzkräften selbst:
- Gesundheitsbewusst leben
- Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, auch wenn sie nur „Angebotsvorsorge“ sind
- Beschwerden frühzeitig melden
- PSA konsequent nutzen
- Nach Infektions- oder Verletzungsereignissen sofort die vorgeschriebenen Meldewege nutzen
MerkeEure Gesundheit liegt in eurer eigenen Verantwortung. Das Investment in euch selbst durch gesunde Ernährung, Sport und andere Vorsorgemaßnahmen zahlt sich ein Leben lang aus.
Impfschutz
Da Rettungsdienstpersonal engen Kontakt zu Patient:innen hat, oft in beengten Räumen arbeitet und unter Zeitdruck steht, ist ein aktueller Impfschutz sowohl Selbstschutz als auch Patient:innenschutz. Grundlage hierfür sind die STIKO-Empfehlungen sowie betriebsärztliche Entscheidungen auf Basis der Gefährdungsbeurteilung. Für bestimmte Einrichtungen gilt zusätzlich das Masernschutzgesetz (Nachweispflicht der Masernimmunität). Impfungen aus beruflicher Indikation sind in der Regel über die GKV abgedeckt.
MerkeRechtliche & organisatorische Eckpunkte:
- STIKO legt den fachlichen Standard fest
- Betriebsarzt entscheidet, was im Betrieb beruflich indiziert ist
- Masernschutzgesetz: ohne Nachweis keine Tätigkeit in einschlägigen Einrichtungen
- Kosten: beruflich indizierte Impfungen sind Kassenleistung
Standard- / Basisimpfungen:
- Tetanus / Diphtherie + Pertussis: alle 10 Jahre Tetanus und Diphterie auffrischen, einmalig im Erwachsenenalter inkl. Pertussis
- Poliomyelitis: vollständige Grundimmunisierung sicherstellen, routinemäßig weitere Auffrischungen für gesunde Erwachsene sind nicht empfohlen, berufliche Indikation im Einzelfall gegeben (z.B. besondere Expositionen)
- MMR (Masern-Mumps-Röteln): für Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen i.d.R. zwei dokumentierte MMR-Impfungen (Geburtsjahr > 1970) oder gesicherter Immunitätsnachweis
- Varizellen (Windpocken): ohne Immunität: zwei Dosen, nach erfolgter Impfung keine Antikörperkontrollen empfohlen → der Impfnachweis zählt
InfoDokumentation > Titer → bei MMR / Varizellen genügt der dokumentierte Impfstatus, Routinetiter sind nicht erforderlich. Bei Hepatitis B ist die Titerkontrolle dagegen Standard.
Impfungen mit spezieller beruflicher Indikation im Rettungsdienst:
- Influenza (Grippe): jährlich für Personal im Gesundheitswesen. Saisonstart i. d. R. Herbst
- COVID-19: STIKO empfiehlt für Personen mit berufsbedingt erhöhtem Infektionsrisiko in medizinischen Einrichtungen (direkter Patient:innenkontakt) die Auffrischung gemäß aktueller Jahresempfehlung (meist jährlich, ≥ 12 Monate Abstand zu letzter Dosis / Infektion)
- Hepatitis B (HBV): Pflichtprogramm für Personal mit möglichem Kontakt zu Blut / Körperflüssigkeiten. Schema üblicherweise 0–1–6 Monate (Alternativen/Akzelerationen möglich). Antikörperkontrolle (Anti-HBs) 4–8 Wochen nach der letzten Dosis
- Hepatitis A (HAV): situationsabhängig nach Gefährdungsbeurteilung (z.B. Tätigkeiten mit möglichem Kontakt zu Stuhl / Schmierinfektionen, bestimmte Einsatzumfelder, Auslandsmissionen, Gemeinschaftsunterkünfte). Entscheidung durch Betriebsarzt
InfoManche Impfungen, wie die Grippe-Impfung, sind keine Pflichtimpfungen, sondern erfolgen auf freiwilliger Basis.
Postexpositionsprophylaxe - das Wichtigste auf einen Blick:
- Nadelstich / Blutkontakt (HBV-Risiko): Sofortmaßnahmen (Wunde spülen und desinfizieren), sofortige Meldung an Vorgesetzte / Betriebsarzt, serologisches Basis-Screening, bei Nicht-Immunen rasche Simultanimpfung → so früh wie möglich, ideal binnen 6–48 Stunden, weitere Schritte gemäß Betriebsarzt
- Varizellen-Kontakt: bei Nicht-Immunisierten postexpositionelle Impfung bis Tag 5 nach Kontakt, kann Erkrankung verhindern / abmildern, für Risikogruppen ggf. nach ärztlicher Entscheidung
- Masern-Kontakt: MMR-Impfung möglichst innerhalb von 3 Tagen nach Exposition, bei nicht impfbaren Risikogruppen (z.B. Schwangere, Immunsupprimierte) Immunglobulin möglichst ≤ 6 Tage nach Exposition
AchtungNach jedem Expositionsereignis sofort: Quelle / Exposition klären, Betriebsarzt informieren, Fristen beachten (HBV asap, Masern ≤ 3 Tage, Varizellen ≤ 5 Tage). Dokumentation im Verbandbuch nicht vergessen.
Ernährung und körperliche Fitness
Ernährung im Schichtdienst und Einsatzalltag
Der Rettungsdienst bedeutet unregelmäßige Pausen, wechselnde Tageszeiten und körperliche Spitzenlasten. Und trotzdem muss man immer konzentriert bleiben. Die gute Nachricht: Mit ein paar Grundregeln lassen sich Energie, Leistungsfähigkeit und Regeneration spürbar steigern. Für Schichtarbeit gilt: Mahlzeiten planen, Rhythmus beibehalten, nachts nur leicht essen und rechtzeitig mit koffeinhaltigen Getränken aufhören.
Grundprinzipien:
- Mahlzeitenrhythmus:
- Mahlzeiten möglichst an den gewohnten Tagesrhythmus anlehnen
- In Nachtschichten: vor Dienstbeginn ein leichtes Abendessen, um Mitternacht nur ein kleiner Snack, zwischen 1–6 Uhr möglichst nichts bzw. nur sehr wenig essen, Koffein mind. 4 Std. vor dem Schlafen meiden. Das reduziert Magen-Darm-Beschwerden und schont den Schlaf
MerkePlan schlägt Automaten: wer Essen und Trinken vorbereitet, greift seltener zu schnellen, zucker- und fettreichen Notlösungen, besonders nachts.
- Flüssigkeit:
- Ausreichend trinken, als grobe Orientierung gelten 2,0 L / Tag für Frauen und 2,5 L / Tag für Männer, bei Hitze, körperlicher Arbeit oder Sport entsprechend mehr
- Wasser bevorzugen
- Zucker & stark verarbeitete Lebensmittel:
- Zuckerhaltige Getränke und Snacks möglichst vermeiden, lieber Obst, Nüsse, Vollkorn, Joghurt
- Statt verarbeiteten Lebensmitteln, wie Fertiggerichten, lieber frisch kochen
Tipp„Vor der Lage“ sein
Ganze Mahlzeiten vor dem Dienst vorzukochen und in hitzefesten Behältern mit in den Dienst zu bringen, macht es einem möglich, schnell gute Nahrung zu sich zu nehmen, deren Bestandteile man selbst bestimmt. Auf die Art werden keine versteckten Kalorien aufgenommen und es ist nicht notwendig eine volle Mahlzeit durch Fastfood abzudecken.
Makronährstoffe:
- Eiweiß (Protein):
- Für körperlich aktive Erwachsene: ~1,2–2,0 g / kgKG / Tag, gleichmäßig über den Tag verteilt
- Pro Mahlzeit ~0,25–0,30 g / kg hochwertiges Protein (z.B. Quark, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch, mageres Fleisch)
- Kohlenhydrate:
- Für „normale“ Dienst- plus Bewegungsbelastung: ~3–5 g / kgKG / Tag (mehr bei zusätzlichem intensiven Training)
- Nach harten Einheiten in den ersten Stunden ~1,0–1,2 g / kg / Stunde zum Auffüllen der Glykogenspeicher
- Bevorzugt Vollkorn, Kartoffeln, Reis, Hafer, Obst
- Fette:
- Qualität vor Menge: Raps-, Oliven-, Walnussöl, Nüsse, Samen
- Zurückhaltend mit stark verarbeiteten, gesättigten Fetten
InfoProtein „portionieren“: handtellergroße Proteinquelle pro Mahlzeit (z.B. 200 g Skyr / Quark, 2–3 Eier, 1 Dose Thunfisch, 1 Becher Kichererbsen). So wird die Tagesmenge ohne Rechnerei erreicht.
Koffein, Energie- und „Wachmacher“-Getränke:
- Koffein kann Wachheit verbessern, Einzeldosen bis 200 mg gelten für gesunde Erwachsene als unbedenklich, Tagesgesamtmenge bis ~400 mg
- Abstand zum Schlaf: mehrere Stunden (mind. 4 Std., besser 8 Std.)
- Energiegetränke liefern oft viel Zucker, ggf. kombiniert mit zuckerfreien Optionen
AchtungDurst sollte mit Wasser gestillt werden, während koffein- und zuckerhaltige Getränke dem Genuss dienen sollten.
Meal-Prep (für Wache und Einsatz):
- Vorbereiten: Mahlzeiten schnell abkühlen (heiße Speisen in flache Behälter), Kühlkette einhalten, in verschließbaren Boxen lagern
- Bestenfalls direkt in hitzefeste Behälter einfüllen und in diesen transportieren
- Das Essen kann damit direkt z.B. in der Mikrowelle erhitzt werden
- Haltbarkeit: im Kühlschrank i.d.R. 3–4 Tage, sonst einfrieren; Dressings / Toppings extra verpacken
Flüssigkeit und Elektrolyte bei Hitze, Sport und schweren Einsatztagen:
- Vor Belastung: gut hydriert starten, als Richtwert ~5–7 ml / kg in den 2–4 Std. davor
- Während (bei längerem, schweißtreibendem Einsatz / Training): regelmäßig kleine Mengen trinken, bei Dauer > 60–90 Min und Hitze Getränke mit Natrium und 4–8 % Kohlenhydrate sind sinnvoll, nicht übertrinken
- Nachher: Gewichtsverlust als Schweißverlust werten, ~1,5 L pro kg verlorener Masse über 2–4 Std. verteilt aufnehmen, am besten mit Essen kombinieren
- Ziel: binnen 24 Std. wieder normales Gewicht/Urinfarbe
InfoBei körperlich fordernden Einsätzen ist die herrschende Belastung einer sportlichen Belastung etwa gleichzusetzen. Entsprechend ist eine adäquate Flüssigkeitsaufnahme notwendig.
Körperliche Fitness
Ziel ist es verletzungsfrei stark zu sein: heben, tragen, ziehen, Treppen steigen, lange Einsätze durchhalten und sich schnell erholen.
Empfohlenes Mindestprogramm:
- Ausdauer: pro Woche 150–300 Min. moderates Training oder 75–150 Min. intensives Training (oder eine Kombination der Intensitäten)
- Kraft: ≥ 2 Tage / Woche, alle großen Muskelgruppen
- Beispiel: 6–10 Übungen, 3 Sätze × 8–12 Wiederholungen (Ganzkörper, nicht an aufeinanderfolgenden Tagen)
Trainingsbausteine:
- Kraft: 2–3 × pro Woche (30–45 Min.), Hip-Hinge (Kreuzheben / Kettlebell-Deadlift), Kniebeugen / Step-ups, Ruderzüge, Überkopf- / Bankdrücken, Farmers Walk
→ Richtwerte: 2–3 Sätze × 8–12 Wiederholungen, saubere Technik, wenn möglich Progression, sobald 1–2 Wiederholungen über Soll gelingen - Ausdauer: 2–4 Einheiten / Woche, Mischung aus Grundlagenausdauer (z.B. zügiges Gehen / Laufen / Rad fahren für 20–40 min.) und Intervallen (z.B. 5 × 2 Min. flott + 2 Min. locker)
- Rumpf & Beweglichkeit: 10–15 min. am Ende der Trainingseinheiten, Plank / Side-Plank, Dead Bug / Bird-Dog, Hüftbeuger / Brustwirbelsäule mobilisieren
MerkeRegeneration
Gerade durch die körperlichen Belastungen im Einsatz ist bei den Trainingseinheiten umso mehr auf die Regeneration zu achten. Nur so sind im Einsatz noch genügend Energie und Kraft vorhanden und es entstehen keine Verletzungen.
Dehnübungen sind eine sinnvolle Ergänzung des Sportprogramms.
TippPraktische Rezeptideen und Workout für den Wachalltag
Allgemein: Gekühlt lagern, Boxen beschriften (Inhalt, Datum), Dressings separat mitnehmen, bei Sommerhitze Kühlakku nutzen, Mengen reichen jeweils für 1 Portion → verdoppeln für mehr.
Quinoa-Kichererbsen-Bowl „Mediterran“
Du brauchst: 120 g gekochte Quinoa, 150 g Kichererbsen (abgespült), 150 g Gurke und Tomaten gewürfelt, 40 g Oliven in Ringen, 40 g Feta oder 2 EL Hefeflocken (vegan), Dressing: 1 EL Olivenöl, 1 EL Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Oregano
So geht’s: alles kalt mischen, Dressing erst beim Essen zugeben
Haltbarkeit: 3-4 Tage im Kühlschrank, ohne Mikrowelle gut essbar
Vollkorn-Nudelsalat „Tuna-Crunch“
Du brauchst: 120 g gekochte Vollkornnudeln, 1 Dose Thunfisch im eigenen Saft (abgetropft) oder 2 Eier als Alternative, 150 g Paprika + Mais, 1-2 EL gehackte Petersilie, Dressing: 150 g Skyr oder Joghurt, 1 TL Senf, Salz, Pfeffer, Zitronensaft
So geht’s: alles kalt mischen, bei Bedarf mit 1 EL Olivenöl abrunden
Haltbarkeit: 2-3 Tage gekühlt, ohne Mikrowelle gut essbar
Hummus-Ofengemüse-Wrap
Du brauchst: 1 großer Vollkornwrap, 3–4 EL Hummus, 200 g Ofengemüse (z. B. Zucchini, Paprika, Möhre) vorgegart, Handvoll Rucola, etwas Zitronensaft
So geht’s: Wrap mit Hummus bestreichen, Gemüse und Rucola einrollen, halbieren, in Butterbrotpapier wickeln
Haltbarkeit: 2 Tage gekühlt, Perfekt ohne Mikrowelle
Linsensalat „Zitrone-Kräuter“
Du brauchst: 180 g gegarte Belugalinsen, 150 g Cherrytomaten, 50 g rote Zwiebel, 1 EL Kapern, viel Petersilie / Minze, Dressing: 1 EL Olivenöl, 1 EL Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel
So geht’s: alles mischen, ziehen lassen
Haltbarkeit: 3-4 Tage gekühlt, Sattmacher, auch ohne Aufwärmen
Reis-Ei-Edamame-Box
Du brauchst: 150 g gekochter Naturreis, 2 hartgekochte Eier in Spalten, 150 g Edamame (TK, kurz blanchiert) oder Erbsen, 1 Möhre in Stiften, 1-2 EL Sojasauce, 1 TL Sesam
So geht’s: Reis + Gemüse kalt mischen, Sojasauce extra in Mini-Dose mitnehmen, vor Ort darüber geben
Haltbarkeit: 3 Tage gekühlt, kalt oder lauwarm genießbar
Couscous-Salat „Orient“
Du brauchst: 120 g Couscous, mit Brühe aufgegossen, 150 g Kichererbsen, 100 g Gurke, 50 g getrocknete Tomaten, 30 g Rosinen, 30 g Mandeln, Dressing: 1 EL Olivenöl, 1 EL Zitronensaft, Zimt, Kurkuma, Salz, Pfeffer
So geht’s: alles vermengen, Mandeln erst beim Essen zugeben für Crunch
Haltbarkeit: 3 Tage gekühlt
Overnight-Oats „Skyr & Beeren“
Du brauchst: 60 g Haferflocken, 200 g Skyr / Joghurt, 120 ml Milch / Pflanzendrink, 150 g Beeren (frisch / TK), 1 EL Nussmus, 1 TL Chia optional
So geht’s: Abends mischen, über Nacht kalt stellen
Haltbarkeit: 2-3 Tage gekühlt, ideal als schneller Schichtstart
Snack-Box „Protein & Crunch“
Du brauchst: 200 g Magerquark / Skyr oder 1 kleiner Hummus-Becher, Gemüsesticks (Paprika, Möhre, Gurke), 1 Handvoll ungesalzene Nüsse, 2 Scheiben Vollkornbrot oder Reiswaffeln
So geht’s: in zwei Fächern verpacken, Brot separat, damit es knusprig bleibt
Haltbarkeit: 2-3 Tage gekühlt
20-Minuten-Kraftzirkel ohne Geräte
Ziel: Rücken schonen, Stärke für Heben und Tragen aufbauen, entspanntes Treppensteigen ohne Anstrengung
Setting: 1,5-2 m² Platz, Turnschuhe oder barfuß, Timer am HandyAblauf (insgesamt 20 Minuten)
Warm-up - 3 Minuten
30 sek. Marschieren / Hampelmann locker
30 sek. Hüftbeuger-Mobilisation: Ausfallschritt vor, Hüfte sanft nach vorn schieben
30 sek. Armkreisen vor / zurück
30 sek. Katzen-Kuh im Stand: Rundrücken–Hohlkreuz im Wechsel
60 sek. Kniebeugen sehr langsam, Fokus auf Technik
Hauptteil - 12 Minuten
6 Übungen × 45 s Arbeit / 15 s Pause, 2 Runden
Kniebeuge (Air Squat): Brust aufrecht, Gewicht mittig / auf Fersen, Po nach hinten unten, fortgeschritten: Sprungkniebeuge, aber weich landen
Liegestütz: Hände unter Schultern, Körper in Linie, Skalierung: Hände auf Tisch / Bahre erhöhen oder Knie am Boden
Ausfallschritte im Wechsel: langer Schritt, vorderes Knie über dem Fuß, hinteres Knie Richtung Boden, fortgeschritten: Sprungwechsel kontrolliert
Glute Bridge (Beckenheben in Rückenlage): Fersen fest, Po anspannen, oben 1 Sekunde halten, fortgeschritten: einbeinige Variante, Seitenwechsel in Runde 2
„Superman“ in Bauchlage: Arme vor, Beine lang, Schulterblätter nach hinten unten ziehen, 1 s halten, Alternative schonend: Y-Raise (Arme in Y-Form, nur Oberkörper leicht anheben)
Unterarm-Plank: Ellbogen unter Schultern, Gesäß in Linie, Bauch fest, Skalierung: Hände erhöht auf Tisch/Bahre oder Side-Plank für mehr seitliche Rumpfkraft
Cool-down - 5 Minuten
60 sek. Hüftbeuger-Stretch je Seite
60 sek. Gesäß / Oberschenkelrückseite (Sitzender Vorbeuge-Stretch, Rücken lang)
60 sek. Brust / Schulter an Türrahmen je Seite
60 sek. Rückenrotations-Stretch im Liegen
Sicherheit, Skalierung & Progression:
- Schmerzfrei trainieren: bei stechenden Schmerzen Übung abbrechen oder leichter skalieren
- Rückenfreundlich: Last nah am Körper denken, Bauchspannung aktiv, kein extremes Hohlkreuz / Rundrücken
- Atmung: bei Anstrengung ausatmen, beim Nachgeben einatmen
- Progression:
- Pro Woche 5-10 Sekunden Arbeitszeit je Übung dazu oder Pausen um 5 Sekunden kürzen
- Dritte Runde (insgesamt 18 Minuten Hauptteil) hinzufügen, wenn es gut geht
Infektionsschutz und Hygiene
Ein wirksamer Infektionsschutz im Rettungsdienst basiert auf drei Säulen: dazu gehören Händehygiene, eine der jeweiligen Situation angepassten persönliche Schutzausrüstung (PSA) sowie die Reinigung und Desinfektion von Flächen und Materialien. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch einen sicheren Umgang mit spitzen und scharfen Gegenständen, ein effektives Abfallmanagement und konsequenten Hautschutz.
Rechtlich gilt: Das Leitungspersonal der Rettungsdienste muss Maßnahmen „nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft“ sicherstellen. Als Maßstab hierfür dienen die veröffentlichten KRINKO- und RKI-Empfehlungen. Wer diese Empfehlungen beachtet, erfüllt in der Regel den geforderten Standard.
Händehygiene - die wichtigste Einzelmaßnahme:
Grundsatz (Waschen vs. Desinfizieren):
Alkoholische, hygienische Händedesinfektion ist die Standardmaßnahme. Händewaschen nur bei sichtbarer Verschmutzung, nach Toilettengang, bei Clostridioides-difficile-Verdacht (zusätzlich zur Desinfektion) und vor / nach dem Essen. Häufiges Waschen schädigt die Haut stärker als Desinfektion - Hautschutz mitdenken. Schulungen mindestens jährlich.
Desinfektionsmomente:
- Vor Patient:innenkontakt (z. B. erste Untersuchung, Umlagern)
- Vor aseptischen Tätigkeiten (z. B. i. v.-Zugang, Injektion)
- Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material (Blut, Sekrete)
- Nach Patient:innenkontakt (z. B. Umlagerung beendet)
- Nach Kontakt mit der unmittelbaren Patient:innenumgebung (Trage, Monitorknöpfe)
Durchführung (Kurzleitfaden):
- 3-5 ml Händedesinfektionsmittel auf trockene Hände, alle Bereiche benetzen (inkl. Daumen, Fingerkuppen, Zwischenräume)
- Einreibe-Zeit gemäß Hersteller (typisch 30 Sek.) einhalten, vollständig trocknen lassen vor Anlegen der Handschuhe
- Kein Schmuck, kurze natürliche Fingernägel, keine künstlichen Nägel oder Nagellack
- Spender korrekt beschriften (Haltbarkeit)

Guido4, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons. Die Abbildung ist ein Derivat der oben genannten Abbildung. Es wurde der Titel ins Deutsche übersetzt. Beim ersten Bild wurde die obere Hand zur Entnahme des Desinfektionsmittels ergänzt.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) - situationsgerecht und sicher ablegen:
Kontakt- / Tröpfchen- / Aerosolschutz im Überblick:
- Kontakt: Handschuhe, Schutzkittel / Schürze bei Spritz- / Schmierkontakt
- Tröpfchen: medizinischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) für Personal und Patient:in, plus Schutzbrille / Visier bei Spritzgefahr
- Aerosol / Luftübertragbar (z.B. V.a. ansteckende Krankheit wie offene Tuberkulose, Aerosolbildung): FFP2 / FFP3 richtig sitzend, ggf. Augenschutz
MerkeNicht nur das bloße Anlegen der Schutzausrüstung ist wichtig, sondern auch das richtige Anlegen zählt. Nur bei einem dichten Sitz ist ein Mund-Nasen-Schutz effektiv.
Handschuhe - richtig eingesetzt:
- Handschuhe ersetzen die Händedesinfektion nicht, kann die Händehygiene jedoch ergänzen
- Wechsel bei Tätigkeitswechsel / Verschmutzung bzw. nach Patientenkontakt ausziehen, danach Hände desinfizieren
- Auf Materialverträglichkeit achten (Chemikalien / Desinfektionsmittel)
An- und Ablegereihenfolge:
- Anlegen: Händedesinfektion → Kittel / Schürze → MNS / FFP → Schutzbrille / Visier → zwei Paar Handschuhe
- Ablegen: 1. Paar Handschuhe → Schutzbrille / Visier → Kittel / Schürze → MNS / FFP → 2. Paar Handschuhe → Händedesinfektion
- Übung (auch unter Stress) reduziert Fehler
TippDas Anlegen von zwei Paar Handschuhen übereinander ermöglicht eine keimarme Arbeitsumgebung und erschwert eine Keimverschleppung. Je nach entstehenden Materialkosten ist es allerdings möglich, dass auf ein zweites Paar Handschuhe verzichtet wird.
Sichere Injektionen und Umgang mit spitzen / scharfen Gegenständen:
- Gefährdungsbeurteilung (z.B. Safety-Kanülen) verpflichtend berücksichtigen
- Kein Recapping (Kappen nicht wieder aufsetzen)
- Entsorgung: stichfeste Abwurfbehälter verwenden, sofort nach Verwendung einwerfen
- Meldung jeder Stich- / Schnittverletzung, Abläufe zur Postexpositionsprophylaxe sind vorab festgelegt und sollten frei einsehbar sein
- Unterweisung und regelmäßige Auffrischung
Reinigung & Flächendesinfektion in RTW / NEF / KTW / Wache:
Standard vs. anlassbezogen:
- Routine (täglich & zwischen Einsätzen): Wischdesinfektion patientennaher Kontaktflächen (Trage, Gurte, Handläufe, Griffe, Touchflächen, Manschetten, Rucksäcke) und des Bodens
- Anlassbezogen: nach sichtbarer Kontamination (Blut / Erbrochenes) sofort mit geeignetem Mittel und passender Einwirkzeit
- Sprühen vermeiden - immer wischen
Putzmittel und Wirkbereiche verstehen (RKI-Standards):
- Begrenzt viruzid → behüllte Viren (z.B. Influenza, SARS-CoV-2)
- Begrenzt viruzid PLUS → zusätzlich Adeno-, Noro-, Rotaviren
- Viruzid → behüllte und unbehüllte Viren (voll viruzid) → bei Norovirus nur begrenzt viruzid PLUS oder viruzid gelistete Produkte einsetzen, Herstellerangaben (Konzentration / Einwirkzeit) strikt einhalten
Abfall- und Wäschemanagement:
- Infektiöser Abfall: gemäß hausinternem Plan entsorgen, korrekt kennzeichnen
- Wäsche: kontaminierte Dienstkleidung zeitnah in geschlossenen Beuteln in die Aufbereitung geben, keine Privatwäsche nutzen
Hautschutz – gesunde Hände trotz Feuchtarbeit:
InfoIst das überhaupt relevant?
Feuchtarbeit (häufiges Waschen, langes Handschuhtragen) ist der Hauptrisikofaktor für irritative Kontaktekzeme. Ein Hautschutzplan (Schutz-, Reinigungs-, Pflegemittel) mit entsprechender Unterweisung senkt Krankheitsanlässe und Chronifizierung.
Praxisprinzipien:
- Lauwarmes Wasser, milde Waschlotion, gründlich abtrocknen
- Nach dem Dienst entsprechende Hautpflege (rückfettend und parfümfrei) auftragen
- Okklusion durch flüssigkeitsdichte Handschuhe minimieren (Wechselpausen)
- Duft- / Konservierungsstoffe meiden, bei Beschwerden früh betriebsärztlich abklären, Maßnahmen dokumentieren
Körper und Geist im Gleichgewicht
Ein belastbarer Körper und ein klarer Kopf sind im Rettungsdienst von entscheidender Bedeutung, da sie sich direkt auf die Sicherheit der Patient:innen und die Teamleistung auswirken. Neben Technik und Taktik sind deshalb auch Routinen für Psychohygiene, rückengerechtes Arbeiten, schichttauglichen Schlaf und den sicheren Umgang mit Genussmitteln wichtig.
Psychohygiene - mental stark durch den Einsatz
Regelmäßige psychische Selbstfürsorge kann Erschöpfung, Schlafstörungen und Fehlzeiten vorbeugen. In Deutschland ist die psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) mit den Angeboten Peer-Support, Supervision und Krisenintervention etabliert. Der Zugang wird von Führung und Trägern geschaffen, das Team kann sie niedrigschwellig nutzen.
TippWas wirkt im Alltag?
- Mikro-Debriefing: 5–10 Minuten nach belastendem Einsatz → Fakten ordnen, Gefühle benennen, nächste Schritte planen
- Peer-Support früh nutzen (keine Diagnose, sondern strukturierter kollegialer Support)
- Belastungstagebuch: kurze Notizen (Auslöser, Reaktion, Entlastung), um Muster zu erkennen
- Schlaf schützen: planbare Entlastung vor und nach Nachtschichtfolgen
InfoFrüh handeln → PSNV-E, Supervision und Betriebsarzt:in sind präventiv gedacht, nicht nur „wenn gar nichts mehr geht“!
Stress:
DefinitionWährend Stress eine normale, situationsabhängige Reaktion ist, beschreibt Burn-out ein arbeitsbezogenes Syndrom aus Erschöpfung, innerer Distanz, Zynismus und reduzierter Wirksamkeit.
Im Rettungsdienst begünstigen Schichtarbeit, eine hohe Einsatzdichte, geringe Planbarkeit und kritische Ereignisse die Chronifizierung von Stress. In Deutschland sind Ruhepausen und Ruhezeiten gesetzlich geregelt, zudem müssen Arbeitgeber:innen psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen - quasi als gelebter Gesundheitsschutz. Nach belastenden Einsätzen wird heute anstelle eines einmaligen Debriefings evidenzbasiert auf Peer-Support, Screening und gegebenenfalls eine zielgerichtete Therapie gesetzt.
Warnzeichen:
- Anhaltende Erschöpfung, „innere Kündigung“, sinkendes Wirksamkeitserleben
- Zunahme von Fehlern / Unfällen, Reizbarkeit, sozialer Rückzug
- Schlafstörungen, Kopfschmerz, Magen-Darm-Beschwerden
- Zynische Kommentare über Patient:innen / Team, Dienstflucht-Gedanken
Risikofaktoren im Rettungsdienst:
- Hohe Einsatzdichte, geringe Vorhersehbarkeit, häufige Unterbrechungen
- Schichtarbeit / Nachtdienste, zu wenig Erholungszeit zwischen Diensten
- Kritische Ereignisse ohne strukturierte Nachsorge
- Fehlende Einflussmöglichkeiten, wenig Personal, mangelnde Pausenkultur
InfoBurn-Out-Phasen nach Freudenberger und North:
- Zwang sich zu beweisen → übersteigerter Ehrgeiz, sich unentbehrlich machen, überhöhte Erwartungen an sich selbst
- Verstärkter Einsatz → mehr Überstunden, Arbeit geht vor Privatleben, Pausen werden ausgelassen, Schlaf verkürzt
- Vernachlässigung eigener Bedürfnisse → Ernährung, Erholung und soziale Kontakte geraten in den Hintergrund, unter dem Leitsatz „Ich hab dafür keine Zeit“
- Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen → erste Warnsignale werden ignoriert, körperliche Beschwerden werden bagatellisiert
- Umdeutung von Werten → Familie, Freund:innen und Hobbys verlieren an Bedeutung, Arbeit steht im Zentrum, andere Lebensbereiche wirken unwichtig
- Verstärkte Verleugnung der Probleme → Auftreten von Zynismus, Gereiztheit und Intoleranz gegenüber Kolleg:innen oder Patient:innen, Leistungsabfall wird nicht anerkannt
- Rückzug → Isolation, Verlust sozialer Kontakte, „Dienstflucht“ oder gleichgültige Dienstverrichtung
- Verhaltensänderung → Zynismus, Aggression oder Resignation werden für das Umfeld deutlich sichtbar, innere Distanz und zunehmende Konflikte
- Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit → Kontakt zu sich selbst und zu eigenen Bedürfnissen reißt ab, Gefühl von „funktionieren müssen“ statt selbstbestimmtem Handeln
- Innere Leere → Gefühl von Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, oft Kompensation durch Alkohol, Drogen, exzessives Essen oder andere Süchte
- Depression → tiefe Verzweiflung, Selbstwertverlust, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, oft verbunden mit Schuldgefühlen
- Völlige Erschöpfung (Burn-Out-Syndrom) → körperlicher und psychischer Zusammenbruch, Arbeitsunfähigkeit, im Extremfall Suizidgedanken oder -handlungen
Ergonomie - rückenfreundlich heben, tragen und arbeiten
Heben, Tragen, Ziehen, enge Treppen: all das sind Belastungen für Rücken, Hüften, Knie und Schultern. Diese Belastungen sollen durch technische (Hilfsmittel), organisatorische (Team- / Wegplanung) und personelle Maßnahmen (Technik / Training) reduziert werden. DGUV-Leitfäden und Leitmerkmale unterstützen die Gefährdungsbeurteilung, insbesondere beim manuellen Heben, Tragen, Ziehen und Schieben.

Dieses Bild wurde mit der KI-Software (OpenAI) erstellt. Es wurde automatisch generiert und dient ausschließlich illustrativen Zwecken.
Kernprinzipien im Einsatz:
- Last nah am Körper, Rücken neutral, Beine leisten die Hauptarbeit
- Drehen statt Verdrehen: Füße versetzen, nicht weit aus dem Rücken rotieren
- Hilfsmittel konsequent einsetzen: Raupenstuhl, Tragetuch, Gleitmatte, Rollbrett, Wege freiräumen
- Team-Kommandos („Heb’ an“, „Umlagern auf drei“) und Rollen im Team vorher klären
TippPraxistipp
Bei jedem Patiententransport prüfen: Kann ein Hilfsmittel genutzt werden?
→ Selbst bei kurzen Strecken summiert sich das Gewicht über den Dienst und kann zu chronischen Beschwerden führen.Beispiel: Auch bei 2-3 Stufen die Raupe des Raupenstuhles verwenden, statt zu tragen.
Schichtdienstverträglichkeit und Schlafhygiene
Schichtplangestaltung:
Für die Gesundheit sind vorwärts rotierende Schichtpläne (Frühschicht → Spätschicht → Nachtschicht), maximal drei aufeinanderfolgende Nachtdienste und ausreichende Ruhezeiten günstig. Planbarkeit und Überschaubarkeit erhöhen die Anpassungsfähigkeit.
Je nach Dienstmodell sind andere Schichtpläne ebenso denkbar und sinnvoll.
Schlafhygiene:
- Konstanter Anker: fixe Einschlaf- / Aufstehzeit an freien Tagen
- Schlafumgebung: dunkel, kühl, ruhig
- Pre-Sleep-Routine: 30–60 Min ohne Blaulicht / News zu vollen Entspannung
- Koffein-Cut: spätestens 4–8 Stunden vor Schlaf
- Nachtschicht: vor Dienst leicht essen, gegen Mitternacht kleiner Snack, nach Dienst kurz schlafen (90–180 Min) oder direkt Hauptschlaf
- Power-Nap (10–20 Min) vor Spätdienst oder Nachtschicht fördert Wachheit
Suchtprävention - Koffein, Energy-Drinks, Nikotin, Alkohol
Koffein und Energy-Drinks:
Für gesunde Erwachsene gelten 200 mg pro Einzeldosis und 400 mg Gesamtdosis pro Tag als unbedenklich. Kurz vor dem Schlaf ist dies jedoch kritisch zu bewerten, da es zu Schlafverkürzung und -fragmentierung kommen kann.
Energy-Drinks enthalten häufig große Mengen Zucker und manchmal sogar höhere Dosen Koffein. Die Folgen sind unter anderem Palpitationen und Tachykariden, sowie hypertone Phasen und eine verkürzte Schlafdauer.
Nikotin:
Nikotin verzögert die Wundheilung, erhöht die Herz- und Gefäßbelastung und verschlechtert die Schlafqualität. Rauchfrei-Programme oder Nikotinersatz (über Haus- / Betriebsarzt) senken die Rückfallraten nach einem Entzug.
Im Team sollte eine tabakfreie Kultur gelebt werden, um es allen Kolleg:innen leichter zu machen, keine Sucht zu entwickeln. Zum Abbau von Stress sind andere Lösungen dem Konsum von Nikotin vorzuziehen.
Alkohol:
Die WHO stellt klar: Es gibt keinen „sicheren“ Alkoholkonsum, die Risiken steigen bereits ab dem ersten konsumierten Schluck.
Deutsche Fachstellen empfehlen seit Jahren deutlich restriktivere Orientierungen als früher (die Tendenz ist weiter sinkend). Wichtig ist es, keinen Alkohol direkt vor oder während der Arbeit zu konsumieren! „Alkoholfreitage“ und möglichst niedrige Wochenmengen fördern die Gesundheit und reduzieren eine Suchtneigung.
Für die Krebsprävention wird empfohlen, so wenig Alkohol wie möglich zu trinken. Wer trinkt, sollte Rauschtrinken unbedingt vermeiden.
Weitere Drogen:
Obwohl die Gefahren, die von einem gelegentlichen oder regelmäßigen Drogenkonsum ausgehen, dem rettungsdienstlichen Personal medizinisch bekannt sind, können auch die Kolleg:innen Drogenkonsum betreiben. Stress innerhalb des Dienstes oder emotional aufwühlende Situationen begünstigen die Bereitschaft einen Rausch erleben zu wollen.
AchtungWach = sicher, nicht „aufgedreht“ → Stimulanzien ersetzen keinen Schlaf, sie verdecken Müdigkeit und verschlechtern die Erholung.
Ein vorurteilsfreier Umgang mit Suchtproblemen erleichtert Kolleg:innen eine offene Kommunikation im Falle eines Suchtproblems. Wichtig ist natürlich, dass ein etwaiges Suchtproblem den Dienst und die Sicherheit im Dienst nicht beeinträchtigen.
Eine aktuelle, nicht-behandelte Suchterkrankung kann ein Grund für eine mangelnde Einsatztauglichkeit sein und benötigt eine Therapie für eine sichere Tätigkeit im Rettungsdienst.
AchtungSolltet ihr Anzeichen für einen gefährlichen Konsum von Rauschmitteln bei einem Mitglied eures Teams erkennen, empfiehlt es sich das Gespräch zu suchen. Manchmal ist es den Betroffenen dadurch möglich Hilfe zu suchen bzw. anzunehmen.
Bei einer akuten Gefährdung durch z.B. einen Konsum während oder unmittelbar vor dem Dienst ist eine Anzeige bei der Führungsebene der Dienststelle unumgänglich.
Quellen
- Koch, S., Kuhnke, R., retten - Notfallsanitäter, Thieme, 2023, ISBN: 978-3132421219
- Luxem, J., Runggaldier, K., Karutz, H., Flake, F., Notfallsanitäter Heute, Elsevier, 2016, ISBN: 978-3437461958
- Robert Koch Institut: Ständige Impfkommission, Stand: 14.08.2025 (Zugriff am 14.08.2025)
- Robert Koch Institut: Robert Koch Institut, Stand: 14.08.2025 (Zugriff am 14.08.2025)


