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Glyceroltrinitrat

Nitroglycerin
13 Minuten Lesezeit
Glyceroltrinitrat-Spray

Glyceroltrinitrat (Nitroglycerin) ist ein Vasodilatator aus der Gruppe der Nitrate. Es wirkt als NO-Donor mit Aktivierung der Guanylatzyklase und Anstieg von cGMP. Dadurch kommt es primär zu einer venösen Vasodilatation mit Vorlastsenkung und Reduktion des myokardialen Sauerstoffverbrauchs. In höheren Dosen entsteht zusätzlich eine arterielle Vasodilatation mit Nachlastsenkung sowie eine Dilatation der Koronararterien mit Verbesserung der myokardialen Perfusion.

Im Rettungsdienst wird Glyceroltrinitrat vor allem bei Angina pectoris, akutem Koronarsyndrom und Lungenödem eingesetzt. Die Applikation erfolgt sublingual unter engmaschiger Blutdruckkontrolle. Wichtige Nebenwirkungen sind Hypotonie, Kopfschmerz, Flush, Reflextachykardie und Schwindel. Eine absolute Kontraindikation besteht bei gleichzeitiger Einnahme von PDE-5-Hemmern (z. B. Sildenafil) aufgrund der Gefahr eines schweren Blutdruckabfalls.

  • Wirkstoffklasse: Nitrat, NO-Donatoren
  • Handelsnamen: Nitrolingual®, Nitrangin®
Glyceroltrinitrat
Etikett: Glyceroltrinitrat
  • Angina pectoris
  • Akutes Koronarsyndrom (ACS)
  • Lungenödem
  • Hypotonie (RRsys <90 mmHg)
  • Akutes Kreislaufversagen (z.B. Schock)
  • Einnahme von PDE-V-Hemmern wie Sildenafil
  • Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie 
  • Erwachsene: 0,4–1,2 mg = 1–3 Sprühstöße sublingual (1 Sprühstoß = 0,4 mg)
 Achtung

Blutdruck kontrollieren!

  • Keine Kombination mit PDE-V-Hemmern wie Sildenafil (Potenzmittel, Therapie der pulmonalen Hypertonie) → Gefahr von starken Hypotonien
  • Vor sublingualer Applikation i.v.-Zugang legen 
  • Vor dem ersten Einsatz in die Luft sprühen bis vollständiger Sprühstoß abgegeben wird
  • Unter die Zunge sprühen. Nicht inhalieren! 
  • Wirkeintritt: 2–3  min 
  • Wirkdauer: ca. 20–30  min
  • Metabolisierung: Rascher hepatischer und intravasaler Abbau zu Dinitraten und Mononitraten (aktive Metaboliten)
  • Ausscheidung: Überwiegend renal als Metaboliten (v. a. Dinitrate/Mononitrate)
  • Glyceroltrinitrat führt über eine enzymatische Freisetzung von NO zu einer Aktivierung der Guanylatcyclase, die vermehrt cGMP bildet
    ⟶ cGMP führt über verschiedene Mechanismen zur Vasodilatation 
    • Vorlastsenkung durch Dilatation der venösen Kapazitätsgefäße („venöses Pooling“) → Verringerung des myokardialen O2-Verbrauchs
    • Nachlastsenkung durch arterielle Vasodilatation
    • Koronardilatation
Relaxation der glatten Muskulatur
Wirkung verschiedener Vasodilatatoren auf eine glatte Muskelzelle
  • Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • PDE-5-Hemmern (z. B. Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) → Ausgeprägte, potenziell lebensbedrohliche Hypotonie
    • Anderen Vasodilatatoren/Antihypertensiva (z. B. ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Blocker, Calciumantagonisten, Diuretika) → Verstärkte Hypotonie
    • Alkohol → Additive vasodilatatorische Wirkung
  • Wirkung abgeschwächt bei:
    • Chronischer Nitrattherapie → Toleranzentwicklung (Wirkverlust bei Dauerexposition)

       

  • Nitratkopfschmerz durch Hirngefäßdilatation (intrakranieller Druck steigt)
  • Hypotonie
  • Reflextachykardie
  • Nitrattoleranz
  • Lichtschutz: Im Umkarton aufbewahren
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Vasodilatatoren
  • Carinopharm GmbH: Fachinformation Glyceroltrinitrat Carinopharm 1 mg/ml Injektionslösung, Stand: August 2022
  • Leitlinie: Akutes Koronarsyndrom (Version 2023), Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz-und Kreislaufforschung e.V.
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026
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