Der Stoffwechsel (Metabolismus) umfasst alle biochemischen Prozesse, die der Energiegewinnung, dem Aufbau körpereigener Substanzen und der Aufrechterhaltung lebenswichtiger Funktionen dienen
Für Notfallsanitäter:innen ist ein solides Verständnis zentral, da akute Notfallbilder häufig mit relevanten Stoffwechselveränderungen einhergehen (z.B. Hypoglykämie, Ketoazidose, Laktatazidose, Sepsis)
Der Artikel beschreibt die wichtigsten Stoffwechselwege und ordnet sie klinisch ein, mit Bezug zu typischen Organfunktionen und rettungsdienstlichen Handlungsschwerpunkten.
InfoDie Tiefe der behandelten Inhalte kann je nach Schule variieren.
Sollten Themen bei dir weniger ausführlich behandelt werden, nutze diese Inhalte als Hintergrundwissen und orientiere dich an den Anforderungen deiner Schule.
Für weiterführende und detailliertere Erklärungen sind am Ende passende Artikel aus der Vorklinik verlinkt.
Der Stoffwechsel lässt sich grob in zwei Bereiche einteilen:
- Katabolismus: Abbau von Substanzen zur Energiegewinnung
- Anabolismus: Aufbau körpereigener Stoffe (z.B. Proteine, Lipide)
Wichtige Energieträger:
- Kohlenhydrate: Glukose
- Fette: Fettsäuren (in Hunger/Insulinmangel auch Ketonkörper)
- Proteine: Aminosäuren (v. a. in katabolen Zuständen)
Zentraler Energieträger: ATP (Adenosintriphosphat)
- ATP besteht aus Adenin, Ribose (Zucker) und 3 Phosphatgruppen
- Wird ein Phosphat abgespalten → Energie wird frei
- ATP wird zu ADP (Adenosindiphosphat)
- ADP kann wieder ein Phosphat aufnehmen → ATP entsteht → dabei wird Energie gespeichert
- ATP entsteht hauptsächlich in den Mitochondrien
- Dafür benötigt der Körper Glukose und Sauerstoff
- Nebenprodukte: CO₂ und Wasser
- Aus 1 Glukose entstehen ca. 30–38 ATP
Stoffwechselwege
Die wichtigsten Stoffwechselwege im Überblick:
| Vorgang | Definition |
|---|---|
| Glykolyse | Abbau von Glukose zu Pyruvat zur Energiegewinnung |
| Glykogenese | Umwandlung von Glukose in Glykogen zur Speicherung von Energie |
| Glykogenolyse | Umwandlung von gespeichertem Glykogen → Glukose zur Energiebereitstellung |
| Gluconeogenese | Neubildung von Glukose aus Nicht-Kohlenhydraten (z.B. Laktat, Aminosäuren). |
Glykolyse:
MerkeDie Glykolyse ist der erste Schritt des Zuckerabbaus und läuft im Zytosol der Zelle ab. Dabei wird Glukose schrittweise zu Pyruvat abgebaut → während dieses Prozesses entsteht Energie in Form von ATP und NADH.
- Der Prozess kann aerob (mit Sauerstoff) oder anaerob (ohne Sauerstoff) ablaufen:
- Anaerob (ohne O₂):
- Nur Glykolyse → 2 ATP pro Glukose
- Endprodukt: Laktat
- Aerob (mit O₂):
- Glykolyse + Citratzyklus + Atmungskette → ca. 30–38 ATP pro Glukose
- Endprodukte: CO₂ + H₂O
- Anaerob (ohne O₂):
Glykogenese:
DefinitionUmwandlung von Glukose in Glykogen zur Speicherung von Energie
- Ort: Hauptorte der Glykogenese sind Leber- und Muskelzellen
- Bedeutung:
- Speicherung von Glukose bei hohem Blutzucker
- Schnelle Energie-Reserve
- Ablauf (vereinfacht):
- Glukose wird aktiviert
- Einbau in Glykogen (verzweigte Glukosekette)
- Benötigt ATP
- Wichtigstes Enzym: Glykogensynthase
- Regulation:
- Insulin → fördert die Speicherung
- Glucagon und Adrenalin → hemmen die Speicherung
MerkeNach dem Essen → Glukose wird als Glykogen gespeichert
Glykogenolyse:
DefinitionUmwandlung von gespeichertem Glykogen → Glukose zur Energiebereitstellung
- Ort: Hauptsächlich in der Leber und in Muskelzellen
- Bedeutung:
- Glukosebereitstellung bei niedrigem Blutzucker
- Schnelle Energieversorgung
- Ablauf (vereinfacht):
- Glykogen wird abgebaut
- Glukose wird freigesetzt
- Wichtigstes Enzym: Glykogenphosphorylase
- Regulation:
- Insulin → hemmt Abbau
- Glucagon und Adrenalin → fördern den Abbau
MerkeNüchtern/Stress → Glykogen wird zu Glukose.
Gluconeogenese:
DefinitionNeubildung von Glukose aus Nicht-Kohlenhydraten (z.B. Laktat, Aminosäuren).
- Ort: Hauptsächlich in der Leber, teilweise in den Nieren, Mitochondrien und Zytosol
- Bedeutung:
- Hält den Blutzuckerspiegel stabil
- Wichtig bei Nüchternheit oder Hunger
- Ablauf (vereinfacht):
- Aufbau von Glukose aus anderen Stoffen
- Benötigt Energie (ATP)
- Enzyme: mehrere Enzyme (Umgehung der Glykolyse)
- Regulation:
- Insulin → hemmt
- Glucagon und Cortisol → stimulieren
MerkeKein Zucker da → Körper baut neuen
Zitratzyklus
DefinitionDer Zitratzyklus ist ein zentraler Stoffwechselweg, bei dem Acetyl-CoA schrittweise abgebaut wird. Dabei entstehen energietragende Moleküle (NADH, FADH₂), die später zur ATP-Bildung genutzt werden.
Der Prozess läuft nur unter aeroben Bedingungen (mit Sauerstoff) ab.
- Ort: Mitochondrienmatrix
- Bedeutung:
- Zentral im aeroben Stoffwechsel
- Liefert NADH/FADH₂ → ATP-Bildung
- Liefert Bausteine für andere Stoffe
- Ablauf (vereinfacht):
- Acetyl-CoA wird abgebaut
- Energie wird in NADH/FADH₂ gespeichert
- Regulation:
- Hemmung (viel Energie):
- ATP ↑
- NADH ↑
- Citrat ↑
- Aktivierung (Energiebedarf):
- ADP ↑
- Ca²⁺ ↑
- NAD⁺ ↑
- Hemmung (viel Energie):
MerkeZitratzyklus = zentrale Drehscheibe der Energiegewinnung.
Tipp„Citronen im Koma sind super für meine Oma.“
- Citronen → Citrat
- im → Isocitrat
- Koma → α-Ketoglutarat
- sind → Succinyl-CoA
- super → Succinat
- für → Fumarat
- meine → Malat
- Oma → Oxalacetat
Atmungskette
DefinitionDie Atmungskette ist ein Stoffwechselprozess, bei dem Elektronen aus NADH und FADH₂ übertragen werden. Dabei entsteht ein Protonengradient, der zur Bildung von viel ATP genutzt wird.
Der Prozess läuft nur unter aeroben Bedingungen (mit Sauerstoff) ab.
- Ort: innere Mitochondrienmembran
- Bedeutung:
- Wichtigste Quelle für ATP
- Nutzt Energie aus NADH/FADH₂
- Ablauf (vereinfacht):
- Elektronen werden weitergegeben
- Protonen werden gepumpt
- ATP entsteht
- Sauerstoff nimmt Elektronen und Protonen auf → Wasser entsteht
- Regulation: Abhängig von Sauerstoffangebot und ADP-Verfügbarkeit
MerkeAtmungskette = meiste ATP-Produktion
Lipide - Basics
Info
- Durchschnittlicher Energiegehalt: ca. 9 kcal/g
- Allgemeine Zufuhrempfehlung: 25–35 % der Gesamtenergie
- Hauptfunktion: Hauptenergiereserve des Körpers + Aufbau der Zellmembran
- Hydrophob (nicht wasserlöslich)
Einteilung:
- Speicherlipide (Triglyceride): Energiedepot
- Membranlipide: Zellmembran (Phospholipide, Cholesterin)
MerkeCholesterin als Membranlipid
Cholesterin ist überwiegend hydrophob und im Vergleich zu Phospholipiden daher nur schwach amphiphil. Trotzdem spielt es eine wichtige Rolle als Membranlipid. Cholesterin beeinflusst die Fluidität und Stabilität der Lipiddoppelschicht.
Prozesse des Lipidstoffwechsels:
Die wichtigsten Prozesse des Lipidstoffwechsels und ihre Funktionen sind:
| Prozess | Funktion | Details |
|---|---|---|
| Lipolyse | Fettabbau → Fettsäuren + Glycerin | Bei Energiemangel aktiv |
| β-Oxidation | Fettsäuren → Acetyl-CoA → Citratzyklus → Energie | Ort: Mitochondrien, liefert viel Energie, indirekt O₂-abhängig |
| Lipogenese | Aufbau von Fett (Speicherung) | Speicherung von Energie |
| Phospholipid- und Cholesterinsynthese | Aufbau von Zellmembranen | Cholesterin stabilisiert Membran |
- Hormonelle Steuerung:
- Insulin: Fördert Lipidspeicherung (Lipogenese) und hemmt den Abbau (Lipolyse)
- Glukagon und Adrenalin: aktivieren den Fettabbau (Lipolyse) und die Energieproduktion (Beta-Oxidation)
Stoffwechsel der Ketonkörper:
DefinitionKetonkörper sind Stoffwechselprodukte, die bei Energiemangel aus Fettsäuren gebildet werden.
- Eigenschaften der Ketonkörper
- Wasserlöslich: Können ohne Transportproteine im Blut transportiert werden
- Bedeutung:
- Versorgung von Organen mit Energie bei Zuckermangel
- Gehirn stellt sich nach Fasten auf Ketonkörper um und deckt ca. 75% seines Energiebedarfs daraus
- Herz und Nierenrinde können Ketonkörper effizient verwerten
- Mögliche Entstehung:
- Mangel an Kohlenhydraten:
- Mechanismus: Glukosemangel → Blutzucker ↓ → Glucagonspiegel ↑
- Folge: Stoffwechsel wechselt auf Fettabbau zur Energiegewinnung
- Hemmung des Citratzyklus:
- Ursache: Mangel an Oxalacetat (z.B. durch Glukosemangel)
- Acetyl-CoA kann nicht weiterverwertet werden und wird stattdessen für die Ketogenese genutzt
- Mangel an Kohlenhydraten:
InfoKlinischer Ausblick: Ketoazidose
Die diabetische Ketoazidose ist eine akute Komplikation bei Typ-1-Diabetes, die durch schweren Insulinmangel ausgelöst wird. Aufgrund einer gestörten Glukoseverwertung kommt es zu einem „vorgespielten“ Kohlenhydratmangel, wodurch der Körper auf alternative Energiequellen umstellt und vermehrt Ketonkörper bildet.
- Ursachen:
- Schwerer Insulinmangel
- Mobilisierung alternativer Energiequellen (Fett- oder Muskelgewebe)
- Erhöhter Leberstoffwechsel
- Folgen:
- Hyperglykämie
- Ketoazidose (Ansammlung von Ketonen im Blut führt zu azidotischen Blut-pH-Werten) mit einhergehender Übelkeit, Erbrechen und Dehydratation möglich
- Organfunktionsstörung bei Elektrolytverschiebungen
- Diabetisches Koma bei unbehandelter Hyperglykämie und Ketoazidose
- Besonderheiten bei Typ-2-Diabetes
- Meist kein absoluter Insulinmangel, sondern eine relative Insulinresistenz
- Dadurch seltener vollständige Umstellung auf Ketogenese
- Lipolyse und Ketogenese weniger stark gesteigert als bei Typ-1-Diabetes
Proteine - Basics
DefinitionProteine dienen primär dem Zellaufbau. Bei Energiemangel werden Aminosäuren zur Energiegewinnung genutzt. Dabei entsteht Ammoniak, das in der Leber zu Harnstoff umgewandelt wird.
Proteinabbau (Proteolyse):
- Bedeutung des Proteinabbaus:
- Physiologischer Prozess zur Verdauung von Nahrungsproteinen zum Abbau zelleigener Proteine
- Findet sowohl außerhalb als auch innerhalb der Zelle statt
| Ort | Funktion |
|---|---|
| Proteasom (Zytosol) | Abbau körpereigener Proteine |
| Lysosom | Abbau fremder Proteine |
Aminosäure-Abbau:
Nach der Proteolyse werden die freigesetzten Aminosäuren weiter abgebaut.
Die drei wichtigsten Reaktionen dabei sind:
- Transaminierung → Aminogruppe wird auf ein anderes Molekül übertragen
- Desaminierung → Aminogruppe wird abgespaltet (giftig!)
- Decarboxylierung → Bildung von Neurotransmittern
AchtungHarnstoffzyklus:
- Beim Abbau von Proteinen entsteht Ammoniak (giftig!) → wird in der Leber zu Harnstoff umgewandelt → Ausscheidung über den Urin
- Der restliche Teil (Kohlenstoffgerüst) wird für die Energiegewinnung genutzt
Einteilung der Aminosäuren nach ihrem Abbauweg:
Aminosäuren werden danach eingeteilt, was mit ihrem Kohlenstoffgerüst nach dem Abbau passiert:
| Typ | Was entsteht daraus? | Bedeutung für den Körper |
|---|---|---|
| Glucogen | Glukose | Wichtig zur Blutzuckeraufrechterhaltung |
| Ketogen | Acetyl-CoA → Ketonkörper / Fett | Energie bei Zuckermangel |
| Gemischt | Glukose und Ketonkörper | Flexibel je nach Bedarf |
Stoffwechsel der Kohlenhydrate:
- Zentraler Energieträger = ATP
- Glykolyse:
- Glucose → ATP
- Aerob = 30-38 ATP
- Anaerob = 2 ATP
- Glykogenese: Umwandlung von Glukose in Glykogen zur Speicherung von Energie
- Glykogenolyse: Umwandlung von gespeichertem Glykogen → Glukose zur Energiebereitstellung
- Gluconeogenese: Neubildung von Glukose aus Nicht-Kohlenhydraten (z.B. Laktat, Aminosäuren)
- Zitratzyklus: zentraler Stoffwechselweg, bei dem Acetyl-CoA schrittweise abgebaut wird. Dabei entstehen energietragende Moleküle (NADH, FADH₂), die später zur ATP-Bildung genutzt werden. Der Prozess läuft nur unter aeroben Bedingungen (mit Sauerstoff) ab
- Atmungskette: Stoffwechselprozess, bei dem Elektronen aus NADH und FADH₂ übertragen werden. Dabei entsteht ein Protonengradient, der zur Bildung von viel ATP genutzt wird. Der Prozess läuft nur unter aeroben Bedingungen (mit Sauerstoff) ab
Stoffwechsel der Lipide:
Info
- Durchschnittlicher Energiegehalt: ca. 9 kcal/g
- Allgemeine Zufuhrempfehlung: 25–35 % der Gesamtenergie
- Hauptfunktion: Hauptenergiereserve des Körpers + Aufbau der Zellmembran
- Hydrophob (nicht wasserlöslich)
- Einteilung:
- Speicherlipide (Triglyceride): Energiedepot
- Membranlipide: Zellmembran (Phospholipide, Cholesterin)
- Prozesse des Lipidstoffwechsels:
| Prozess | Funktion | Details |
|---|---|---|
| Lipolyse | Fettabbau → Fettsäuren + Glycerin | Bei Energiemangel aktiv |
| β-Oxidation | Fettsäuren → Acetyl-CoA → Citratzyklus → Energie | Ort: Mitochondrien, liefert viel Energie, indirekt O₂-abhängig |
| Lipogenese | Aufbau von Fett (Speicherung) | Speicherung von Energie |
| Phospholipid- und Cholesterinsynthese | Aufbau von Zellmembranen | Cholesterin stabilisiert Membran |
- Hormonelle Steuerung:
- Insulin: Fördert Lipidspeicherung (Lipogenese) und hemmt den Abbau (Lipolyse)
- Glukagon und Adrenalin: aktivieren den Fettabbau (Lipolyse) und die Energieproduktion (Beta-Oxidation)
- Ketonkörper:
DefinitionKetonkörper sind Stoffwechselprodukte, die bei Energiemangel aus Fettsäuren gebildet werden.
- Versorgung von Organen mit Energie bei Zuckermangel
- Mögliche Entstehung:
- Mangel an Kohlenhydraten:
- Mechanismus: Glukosemangel → Blutzucker ↓ → Glucagonspiegel ↑
- Folge: Stoffwechsel wechselt auf Fettabbau zur Energiegewinnung
- Mangel an Kohlenhydraten:
Stoffwechsel der Proteine:
DefinitionProteine dienen primär dem Zellaufbau. Bei Energiemangel werden Aminosäuren zur Energiegewinnung genutzt. Dabei entsteht Ammoniak, das in der Leber zu Harnstoff umgewandelt wird.
- Proteinabbau (Proteolyse):
- Physiologischer Prozess zur Verdauung von Nahrungsproteinen zum Abbau zelleigener Proteine
- Findet sowohl außerhalb als auch innerhalb der Zelle statt
- Aminosäure-Abbau:
- Nach der Proteolyse werden die freigesetzten Aminosäuren weiter abgebaut.
Die drei wichtigsten Reaktionen dabei sind:- Transaminierung → Aminogruppe wird auf ein anderes Molekül übertragen
- Desaminierung → Aminogruppe wird abgespaltet (giftig!)
- Decarboxylierung → Bildung von Neurotransmittern
- Nach der Proteolyse werden die freigesetzten Aminosäuren weiter abgebaut.
AchtungHarnstoffzyklus:
- Beim Abbau von Proteinen entsteht Ammoniak (giftig!) → wird in der Leber zu Harnstoff umgewandelt → Ausscheidung über den Urin
- Der restliche Teil (Kohlenstoffgerüst) wird für die Energiegewinnung genutzt
TippWenn ihr mehr wissen möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus der Vorklinik.
Kohlenhydrate:
Glycolyse Glycogensynthese Abbau von Glycogen (Glycogenolyse) Gluconeogenese
Lipide:
Lipolyse ß-Oxidation Synthese von Triacylglycerinen (Lipogenese) Stoffwechsel der Ketonkörper
Proteine:
Aminosäureabbau Harnstoffzyklus


