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Grundlagen & epidemiologische Aspekte der Prävention

epidemiologische Grundlagen der Prävention, Epidemiologie, Salutogenese, Epidemiologische Transition
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5 Minuten Lesezeit

Prävention umfasst Massnahmen zur Vermeidung von Krankheiten und zur Verringerung ihrer Folgen. Dabei erhöhen Risikofaktoren die Erkrankungswahrscheinlichkeit, während Schutzfaktoren die Gesundheit unterstützen. Das salutogenetische Konzept nach Antonovsky betrachtet dagegen vor allem die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit. Zentral ist das Kohärenzgefühl mit den Komponenten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit.

Bei prospektiven epidemiologischen Studien werden Personen zunächst hinsichtlich bestimmter Expositionen untersucht und anschliessend beobachtet. Retrospektive Studien greifen dagegen auf bereits vergangene Expositionen und Erkrankungen zurück. Die epidemiologische Transition beschreibt den Wandel des Krankheitsspektrums von überwiegend infektiösen Erkrankungen hin zu chronisch-degenerativen Erkrankungen im Zuge gesellschaftlicher und demografischer Veränderungen.

 Merke
  • Risikofaktoren erhöhen Krankheitswahrscheinlichkeit
  • Schutzfaktoren fördern Gesundheit
  • Epidemiologische Studien untersuchen Zusammenhänge zwischen Exposition und Erkrankung
  • Prävention reduziert Risiken
  • Salutogenese stärkt Gesundheitsressourcen
  • Epidemiologische Transition beschreibt den Wandel des Krankheitsspektrums
 Definition

Schutzfaktoren (Protektivfaktoren) können im Verlauf der Krankheitsentstehung schädliche Prozesse abschwächen oder unterbrechen. Sie wirken außerdem einer Chronifizierung und Rückfallbildung entgegen.

Man unterscheidet folgende Schutzfaktoren:

  • Soziale Ressourcen: z. B. Unterstützung durch Familie und Freunde
  • Individuelle Ressourcen: z. B. psychische Eigenschaften
 Merke

Ein zentraler Schutzfaktor ist die Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit. Sie beschreibt die Fähigkeit, Belastungen oder Krisen ohne langfristige Beeinträchtigung zu bewältigen. Menschen mit hoher Resilienz zeigen aktives Coping, suchen Unterstützung und bleiben zuversichtlich.

Weitere psychische Schutzfaktoren sind:

  • Dispositionaler Optimismus (zuversichtliche Lebenseinstellung)
  • Hohe Kontrollüberzeugung (internal locus of control)
  • Selbstwirksamkeitserwartung (=Vertrauen, schwierige Situationen bewältigen zu können)
  • Kohärenzsinn → Grundhaltung, die Welt als verständlich, handhabbar und sinnvoll zu erleben
  • Hardiness (Widerstandsfähigkeit)
 Definition

Das salutogenetische Modell nach Antonovsky richtet den Blick nicht auf Krankheit, sondern auf die Frage, wie Gesundheit erhalten bleibt.

Zentrale Elemente sind:

  • Allgemeine Widerstandsressourcen:
    • Individuell (z. B. Persönlichkeit, Coping), sozial (z. B. Netzwerk), biologisch / physiologisch
  • Kohärenzsinn:
    → Grundhaltung, die Welt als verständlich, handhabbar und sinnvoll zu erleben
 Merke

Ein stark ausgeprägter Kohärenzsinn begünstigt die Gesundheit, ein schwacher wirkt sich negativ aus.

 Definition

Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung, sind aber meist nicht allein ursächlich. Risikoindikatoren sind nur assoziiert, ohne kausalen Einfluss.

Zur Untersuchung solcher Zusammenhänge dienen epidemiologische Studien

Wichtige Kriterien sind:

  • Zeitlicher und biologischer Zusammenhang
  • Ausschluss von Störfaktoren
  • Reproduzierbarkeit
  • Dosis-Wirkungs-Beziehung

Für die häufigsten nicht übertragbaren Erkrankungen (NCD) sind v. a. folgende Risikofaktoren relevant:

  • Rauchen, Alkohol
  • Körperliche Inaktivität
  • Ungesunde Ernährung

Man unterscheidet zwei grundlegende Studiendesigns, Retrospektive und Prospektive Studien.

Retrospektive Studien (Fall-Kontroll-Studien):

  • Die Untersuchungsteilnehmenden werden ab Studienbeginn über einen definierten Zeitraum in die Zukunft beobachtet, um das Auftreten eines bestimmten Ereignisses oder einer Erkrankung zu erfassen
  • Vorteile: ökonomisch, geeignet für seltene Erkrankungen
  • Nachteil: geringere Genauigkeit
 Merke

Rückblickender Vergleich von Kranken und Gesunden.

Fallkontrollstudie
Retrospektive Studien (Fall-Kontroll-Studien): Ausgangspunkt sind Kranke (Fälle) und Gesunde (Kontrollen), bei denen rückblickend geprüft wird, ob eine Exposition vorlag.

Prospektive Studien:

  • Die Untersuchung basiert auf bereits vergangenen Daten; Expositionen und/oder Erkrankungen werden rückblickend anhand vorhandener Informationen untersucht
  • Vorteil: genauere Aussagen, Erfassung von Inzidenz
  • Nachteil: aufwendig, ungeeignet für seltene Erkrankungen
 Merke

Beobachtung über die Zeit, ob Risikofaktoren zu Krankheit führen.

 Definition

Die epidemiologische Transition beschreibt den Wandel von Krankheits- und Todesursachen im Zeitverlauf oder zwischen Ländern.

Mit zunehmender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung nimmt die Bedeutung von Infektionskrankheiten und Mangelzuständen ab, während chronisch-degenerative Erkrankungenwie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs an Bedeutung gewinnen.

In Industrienationen dominieren heute:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Krebs
  • Diabetes
 Info

Infektionskrankheiten spielen eine geringere Rolle.

Ursachen sind vor allem:

  • Ökonomische Entwicklungen
  • Gesellschaftliche Veränderungen (z. B. Urbanisierung, Lebensstil)
  • Antonovsky A. Unraveling the Mystery of Health: How People Manage Stress and Stay Well. Jossey-Bass, 1987. ISBN 9781555420284.
  • Rosenstock IM. Historical origins of the Health Belief Model. Health Educ Monogr 1974;2(4):328-335. DOI: 10.1177/109019817400200403.
  • Omran AR. The epidemiologic transition: a theory of the epidemiology of population change. Milbank Mem Fund Q1971;49(4):509-538. DOI: 10.1111/j.1468-0009.2005.00398.x.
  • Eriksson M, Lindström B. Antonovsky's sense of coherence scale and the relation with health: a systematic review. J Epidemiol Community Health 2006;60(5):376-381. DOI: 10.1136/jech.2005.041616.
  • World Health Organization: Ottawa Charter for Health Promotion, 1986.
Zuletzt aktualisiert am 11.09.2026
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