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Hirnnerven (Nervi craniales)

EP
5 Minuten Lesezeit

Hirnnerven sind zwölf Nervenpaare, die direkt aus dem Gehirn entspringen und Kopf, Hals sowie Teile der inneren Organe versorgen, indem sie Sinneswahrnehmungen (Sehen, Riechen, Hören), Mimik, Schlucken, Kauen und viele vegetative Funktionen steuern. Sie werden mit römischen Ziffern (I–XII) nummeriert und sind für Funktionen wie Geruch (I), Sehsinn (II), Augenbewegungen (III, IV, VI), Gesichtsempfindungen (V, VII), Gehör/Gleichgewicht (VIII) und Schlucken/Sprache (IX, X, XII) zuständig, wobei der Vagusnerv (X) auch den Rumpf innerviert.

  • I. N. olfactorius: Geruchssinn
  • II. N. opticus: Sehsinn, Pupillenreaktion
  • III. N. oculomotorius: Augenbewegungen, Lidheben, Pupille
  • IV. N. trochlearis: Augenbewegung (nach oben außen)
  • V. N. trigeminus: Gefühl im Gesicht, Kauen
  • VI. N. abducens: Augenbewegung (zur Seite)
  • VII. N. facialis: Mimik, Geschmack (vordere Zunge), Speichel
  • VIII. N. vestibulocochlearis: Hören und Gleichgewicht
  • IX. N. glossopharyngeus: Schlucken, Geschmack (Zungenwurzel), Speichel
  • X. N. vagus: Schlucken, Kehlkopf, Parasympathikus (Herz, Lunge, Verdauung)
  • XI. N. accessorius: Kopfbewegungen (Nacken, Schulter)
  • XII. N. hypoglossus: Zungenbewegungen
Hirnnerven (Nervi craniales)
 Merke
  • N. olfactorius (I) und N. opticus (II): Keine peripheren Nerven im eigentlichen Sinne, sondern direkte Ausstülpungen des Telencephalons bzw. Diencephalons und damit dem ZNS zugehörig
  • N. accessorius (XI): Sonderstellung unter den Hirnnerven, da eine spinale Wurzel aus dem zervikalen Rückenmark entspringt; dennoch zählen I, II und XI zusammen mit den übrigen Nerven zu den insgesamt zwölf Hirnnerven
  • Übrige Hirnnerven (III–X, XII): Echte periphere Nerven (Teil des peripheren Nervensystems), die aus dem Gehirn, überwiegend aus dem Hirnstamm, hervorgehen

Hirnnerven (Ansicht von ventral):

Hirnnerven (Ansicht von ventral)
 Tipp
Eselsbrücke der Hirnnerven:

Onkel Otto operiert tag-täglich, aber feiertags vertritt er gerne viele alte Hebammen.

  • Hirnnerven können unterschiedliche Faserarten (Faserqualitäten) enthalten
  • Manche führen nur eine, andere mehrere Faserqualitäten – solche Nerven nennt man „gemischte Nerven“
  • Ein gemischter Hirnnerv kann z. B. sowohl efferente (motorische) als auch afferente (sensible) Informationen leiten
  • Unterscheidung „allgemein“ vs. „speziell“
    • Allgemein: Faserqualitäten, die auch im restlichen peripheren Nervensystem vorkommen
    • Speziell: Faserqualitäten, die ausschließlich bei Hirnnerven vorkommen (z. B. Sinneswahrnehmungen, Kiemenbogenmuskulatur)
  • Efferente Fasern (= wegführend vom Gehirn zu den peripheren Gebieten)
    • Allgemein-somatoefferente Fasern: steuern die willkürliche Bewegung der quergestreiften Skelettmuskulatur (z. B. Augen- oder Zungenmuskeln)
    • Allgemein-viszeroefferente Fasern: versorgen Speicheldrüsen, die Tränendrüse, die glatte Muskulatur, rein parasympathische Innervation bei Hirnnerven
    • Speziell-viszeroefferente Fasern: innervieren quergestreifte Muskeln, die sich aus den Kiemenbögen/Schlundbögen entwickeln (z. B. Kaumuskulatur, mimische Muskulatur)
  • Afferente Fasern (= von den Sinnesorganen und peripheren Bereichen hinführend zum Gehirn)
    • Allgemein-somatoafferente Fasern: leiten Reize wie Berührung, Schmerz oder Temperatur von Haut, Schleimhäuten und Teilen der Dura mater
    • Speziell-somatoafferente Fasern: für spezielle wie Sehen, Hören und Gleichgewicht
    • Allgemein-viszeroafferente Fasern: erfassen Reize aus den inneren Organen
    • Speziell-viszeroafferente Fasern: vermitteln Geruchs- und Geschmackssinn
 Tipp
Sensibel vs. sensorisch

Die Begriffe sensibel und sensorisch werden in der Anatomie und Neurophysiologie häufig gleichbedeutend verwendet und bezeichnen die afferente Reizaufnahme und -weiterleitung. In manchen Darstellungen erfolgt jedoch eine didaktische Differenzierung: sensorisch beschreibt dann vor allem die Wahrnehmungen der Sinnesorgane wie Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Gleichgewicht, während sensibel die somatosensible Wahrnehmung von Haut, Muskeln und Gelenken umfasst, etwa Berührung, Schmerz, Temperatur und Tiefensensibilität.

Zuletzt aktualisiert am 18.06.2026
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