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Akute HNO-Erkrankungen und Notfälle (RD)

Otorhinolaryngologische Notfälle, HNO-spezifische Notfallbilder, Fremdkörper in Nase oder Ohr, Hörverlust, Blutungen nach Tonsillektomie
16 Minuten Lesezeit

HNO-Notfälle treten im Rettungsdienst vergleichsweise selten auf, können jedoch, insbesondere bei Kindern, schnell kritisch werden. Die Bandbreite reicht von harmlosen Infektionen bis hin zu akut lebensbedrohlichen Atemwegsereignissen. Für die präklinische Versorgung entscheidend ist die rasche Einschätzung von Atemwegsrisiken, Blutungen und potenziell schwerwiegenden Komplikationen.

In diesem Artikel werden die im Rettungsdienst relevanten HNO-Notfälle vorgestellt, darunter:

  • Häufige Infektionen
  • Fremdkörper in Nase und Ohr
  • Blutungen aus dem Gehörgang 
  • Nachblutungen nach Tonsillektomie 
  • Plötzlich auftretende Hörverlust
 Info

Auf Blutungen nach Trauma sowie auf Pseudokrupp und Epiglottitis wird in diesem Artikel nicht weiter eingegangen. Zu diesen Krankheitsbildern stehen eigene ausführliche Artikel zur Verfügung.

Fremdkörper in Nase oder Ohr 

Fremdkörper in der Nase oder im Ohr gehören zu den häufigsten HNO-Notfällen bei Kindern. Krabbel- und Kleinkinder erkunden ihre Umgebung nicht nur mit den Händen, sondern häufig auch mit dem Mund und stecken aus Neugier kleine Gegenstände, z.B. Knöpfe, Perlen oder Spielsteine, in Nase oder Ohren.

Symptome:

Fremdkörper LokalisationTypische Anzeichen
Nase
  • Einseitige Behinderung der Nasenatmung
  • Sekretabsonderung aus einem Nasenloch
  • Ggf. Juckreiz
  • Niesen
  • Akuter Schmerz
  • Evtl. Nasenbluten (bei spitzen/ scharfen Gegenständen) 
Gehörgang
  • Einseitiger, akuter Ohrenschmerz
  • Einseitige, akute Hörminderung
  • Blutung aus dem Ohr bei Verletzung des Gehörgangs oder Trommelfells
 Achtung
Alarmsignale:
  • Inspiratorischer Stridor
  • Dyspnoe, Einziehungen, Zyanose
  • Fremdkörper nicht sichtbar, aber starke Atembeschwerden
  • Batterie in der Nase / im Ohr
  • Starke Blutung
  • Schwellung oder zunehmende Schmerzen

Diagnostik:

  • Anamnese: 
    • Was genau wurde beobachtet? → Welcher Gegenstand? Größe? Form? Spitze oder glatt?
    • Wann ist das Ereignis passiert? → Akut oder liegt der Fremdkörper schon länger?
    • Welche aktuellen Beschwerden bestehen? → Atemnot? Schmerz? Nasenbluten? Hörminderung? Husten?
    • Handelt es sich um einen gefährlichen Gegenstand? Batterie, Magnet, scharfe/spitze Teile
  • Inspektion: 
    • Inspektion der Nase oder des Ohres mit Lichtquelle
  • Kontrolle der Vitalparameter

Maßnahmen im Einsatz:

  • Beruhigung von Kind und Eltern
  • Kleine Kinder möglichst auf dem Schoß einer vertrauten Person sitzen lassen
  • Maßnahmen bei Nasen- oder Ohrenblutungen entsprechen denen beim Erwachsenen
  • Transport in Klinik mit HNO-Fachabteilung 
 Merke
Keine Entfernungsversuche versuchen
  • Kein Greifen mit Pinzette oder ähnlichen Hilfsmitteln
  • Risiko: Fremdkörper wird tiefer geschoben → Verletzungsgefahr (Nasen­schleimhaut, Trommelfell)

Ingestion von Knopfzellenbatterie

 Achtung

Das Verschlucken einer Knopfzellbatterie ist ein akut lebensbedrohlicher (Kinder-)Notfall

Bleibt die Batterie nach dem Verschlucken im Ösophagus stecken, kann sie dort schwere Schäden verursachen. Durch den Kontakt mit dem Gewebe entsteht ein geschlossener Stromkreis. Am Minuspol der Batterie kommt es über Elektrolyse zur Bildung einer stark alkalischen Lauge. Diese führt bereits nach etwa 2 Stunden zu schweren Schäden. 

Diagnostik:

  • Anamnese:
    • Zeitpunkt des Verschluckens?
    • Batterietyp?
    • Risikofaktoren:
      • Durchmesser der Batterie >20 mm, da diese eher im Ösophagus stecken bleiben
      • Höhere Batteriespannung
      • Kinder <5 Jahre
      • Blutungszeichen (Hämatemesis, Hämoptysen)
  • Kontrolle der Vitalparameter
 Merke
Knopfzelle
Größe einer Knopfzellenbatterie bestimmen

Wenn bekannt ist, welche Knopfzelle verschluckt wurde (z.B. aus Gerät entnommen oder von Angehörigen genannt), kann die Typenbezeichnung wichtige Hinweise zur Größe liefern.

Bei vielen Batterien, insbesondere dem gängigen CR-Typ, gilt:

  • Die ersten beiden Ziffern = Durchmesser in Millimetern
  • Die letzten beiden Ziffern = Höhe in Zehntelmillimetern

Beispiel: CR2032:

  • 20 → 20 mm Durchmesser
  • 32 → 3,2 mm Höhe

Maßnahmen im Einsatz:

  • Schnellstmöglicher Transport in Klinik mit Möglichkeit der Endoskopie bei Kindern 
  • Honiggabe erwägen
 Tipp
Honig als präklinische Maßnahme
  • Honig kann das Fortschreiten der Verätzung verlangsamen, aber nicht verhindern
  • Einsatz wegen fehlender Alternativen und guter Verfügbarkeit in Haushalten

Voraussetzungen:

  • Kind älter als 1 Jahr (CAVE: Botulismusrisiko bei Säuglingen!)
  • Lithium-Batterie oder Typ unbekannt
  • Ingestion < 12 Stunden 
  • Keine Schluckstörung / kein Aspirationsrisiko

Dosierung:

  • 10 ml Honig (≈ 2 Teelöffel) alle 10 Minuten oral verabreichen
  • maximal 6 Gaben
 Definition
Otorrhagie

Eine Blutung aus dem Ohr, medizinisch Otorrhagie, bezeichnet das Austreten von Blut aus dem äußeren Gehörgang. Die Blutungsquelle kann dabei aus der Gehörgangshaut, dem Trommelfell, dem Mittelohr oder nach einem schweren Trauma aus Strukturen der Schädelbasis stammen.

Blutung aus dem Ohr

In den meisten Fällen sind die Blutungen gering ausgeprägt und stammen von der Gehörgangshaut oder aus dem Mittelohr, etwa im Rahmen von Entzündungen oder nach manipulativen Eingriffen. Seltener kommt es durch eine Trommelfellperforation oder -ruptur zu einer Blutung. Beispielhafte Ursachen sind die unsachgemäße Nutzung eines Wattestäbchens, ein Barotrauma oder eine Mittelohrentzündung

Symptome:

  • Sichtbare Blutung aus dem Ohr
  • Je nach Ursache können begleitende Befunde auftreten:
    • Schwindel: bei Innenohrbeteiligung
    • Eingeschränktes Hörvermögen: bei Verletzung des Trommelfells
    • Ohrschmerzen
    • Übelkeit 

Diagnostik:

  • Anamnese: 
    • Ursachenklärung
    • Dauer- oder Akutmedikation (v.a. Antikoagulantien)
    • Begleitsymptome?
    • Vorbestehende Erkrankung, z.B. Mittelohrentzündung?
  • Inspektion: Aktive Blutung? Blutungsquelle sichtbar?
  • Kontrolle der Vitalparameter

Maßnahmen im Einsatz

  • Oberkörperhochlagerung oder sitzender Transport
  • Ohr mit steriler Kompresse abdecken
  • Ggf. Analgesie, z.B. Paracetamol Erwachsene: 1 g i.v. als Kurzinfusion, Kinder: 15mg/kgKG i.v., alternativ rektal
  • Bei starker Übelkeit → Antiemetika, z.B. Ondansetron Erwachsene: 4 mg i.v., Kinder: 0,15 mg/kgKG i.v. oder Dimenhydrinat Erwachsene: 62 mg i.v., Kinder: 1-2 mg/kgKG i.v.
  • Ggf. Transport in Klinik mit HNO-Fachabteilung 
 Tipp

Eine einfach ausgeprägte Blutung ohne zusätzliche Symptome kann in der Regel unkritisch eingeordnet werden. Die Patient:innen können sich, sofern möglich, eigenständig in einer HNO-Praxis zur weiteren Abklärung vorstellen.

Besonderheiten und Komplikationen

  • Je nach Ursache: ausgeprägte Begleitsymptomatik möglich, hier vor allem:
    • Übelkeit 
    • Schwindel 
  • An Schädelbasisfraktur als mögliche Ursache einer Ohrblutung denken → Versorgung richtet sich nach dem Vorgehen beim SHT
 Definition
Tonsillektomie vs. Tonsillotomie

Eine Tonsillektomie bezeichnet die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln, meist zur Behandlung wiederkehrender oder chronischer Entzündungen, jedoch mit höherem Risiko für postoperative Schmerzen und Nachblutungen.

Eine Tonsillotomie hingegen ist die Teilentfernung bzw. Verkleinerung der Mandeln. Die Kapsel und Gefäße bleiben hierbei unverletzt. Das Verfahren wird vor allem bei kindlicher Tonsillenhyperplasie angewendet und ist mit geringerer Belastung und deutlich niedrigerem Nachblutungsrisiko verbunden.

Nachblutungen treten entweder unmittelbar postoperativ oder, häufiger, erst einige Tage nach Entlassung auf, wenn sich die Fibrinbeläge aus der Wundhöhle lösen. Weitere Auslöser können Wundinfektionen, Gefäßanomalien oder bis dahin unerkannte Gerinnungsstörungen sein.

Das Spektrum reicht von kurzzeitigen, selbstlimitierenden Blutungen bis hin zu arteriell spritzenden Blutungen, die eine sofortige medizinische Intervention erforderlich machen. Besonders kritisch sind das hohe Aspirationsrisiko sowie die Gefahr eines hämorrhagischen Schocks.

 Merke

Risikogruppe sind vor allem Kindern, bei denen dieser Eingriff am häufigsten durchgeführt wird.

Symptome:

  • Blut im Mund oder Rachen
  • Hämatemesis (Erbrechen von Blut), v.a. bei geschlucktem Blut
  • Metallischer Geschmack im Mund
  • Schluckbeschwerden oder Vermeidung des Schluckens
  • Hustenreiz durch Blut im Rachen
  • Unruhe, Angst
  • Zeichen der Hypovolämie bei stärkerer Blutung (Tachykardie, Blässe / Kaltschweißigkeit, Hypotonie)

Diagnostik:

  • Anamnese: 
    • Tonsillektomie vs. Tonsillotomie?
    • Bekannte Gerinnungsstörung (vor allem bei einem Faktor-XIII-Mangel treten wiederkehrende Nachblutungen typischerweise etwa eine Woche nach dem Eingriff besonders häufig auf)
  • Inspektion: 
    • Beurteilung der Blutungsquelle und Stärke der Blutung (frische Koagel oder aktives Nachbluten)
    • Priorität hat die Einschätzung von Atemwegssicherheit und Aspirationsgefahr
  • Kontrolle der Vitalparameter

Maßnahmen im Einsatz

Stärke der BlutungKlinisches BildMaßnahmen
Leichte Blutung
  • Leichtes Ausspucken von Blut
  • Stabile Vitalparameter
  • Ruhiges, beruhigendes Vorgehen (v.a. bei Kindern)
  • Anlage i.v.-Zugang + angepasste Volumentheraphie
  • Kühlung im Nacken (Eiskrawatte)
  • Patient:innen möglichst sitzend transportieren,
  • Ausspucken von Blut ermöglichen
  • Transport in eine Klinik mit HNO-Bereitschaft
Mittelschwere Blutung
  • Kompensierte Patient:innen
  • Blässe 
  • Tachykardie
  • Mögliche Dyspnoe 
  • Unruhe / Angst
  • Subjektives Gefühl durch Team:„Kann gefährlich werden“
  • Anlage i.v.-Zugang + angepasste Volumentheraphie
  • Ggf. vorsichtige Sedierung möglich (z.B. ketaminbasiert) → Schutzreflexe möglichst erhalten
  • Hochdosierte Sauerstoffgabe (wenn toleriert)
  • Rascher Transport mit Voranmeldung
  • Vorbereitung auf Atemwegssicherung
    • Intubationsmaterial
    • Narkosemedikamente
    • Absaugung: Mehrere großlumige Absaugkatheter bereitlegen
Schwere Blutung
  • Dekompensierte Patient:innen
  • Aspiration
  • Hyopotonie
  • Starker Blutfluss
  • Vigilanzminderung
  • Eingeschränkte Schutzreflexe
  • Anlage i.v.-Zugang + angepasste Volumentheraphie
  • Narkoseeinleitung:
    • Großzügige Relaxation für optimale Intubationsbedingungen
  • Intensive Absaugbereitschaft (Absaugpumpe aus NEF hinzuziehen) 
  • Atemwegssicherung:
    • Endotracheale Intubation
    • Primäre Verwendung von Videolaryngoskopie
    • Supraglottische Atemwegshilfe kritisch → kein ausreichender Aspirationsschutz
  • Frühzeitig Notfallkoniotomie in Erwägung ziehen wenn indiziert
 Tipp

Bei schwerer Blutung kann bei bereits intubierten Patient:innen eine lokale Blutstillung erwogen werden. Möglich ist das Aufbringen von Adrenalin, Hämostyptika oder tranexamsäuregetränkten Tupfern, die mithilfe einer Magillzange direkt auf die Blutungsquelle gedrückt werden.

 Info

Rettungsdienstlich relevante Ursachen einer akuten Hörminderung oder eines plötzlichen Hörverlusts sind vor allem das akustische Trauma und der Hörsturz. Auch Fremdkörper im Gehörgang können kurzfristig zu einer Hörminderung führen.

Solche Situationen sind im Rettungsdienst insgesamt selten. Meist besteht die Aufgabe vor allem darin, die betroffene Person zu beruhigen und sicher in eine geeignete Versorgung zu übergeben. Eine Ausnahme bildet das Explosionstrauma, bei dem häufig auch äußere Verletzungen auftreten und eine erweiterte präklinische Versorgung erforderlich sein kann.

Akustisches Trauma

 Definition
Akustisches Trauma

Von einem akustischen Trauma spricht man, wenn ein extrem hoher Schalldruck auf das Innenohr einwirkt und dabei die empfindlichen Haarzellen geschädigt werden. Besonders betroffen sind die Sinneszellen, die für die Wahrnehmung hoher Frequenzen zuständig sind.

→ Es entsteht eine Hochton-Innenohrschwerhörigkeit

Symptome:

Je nach Stärke des Schalldrucks und der Dauer der Einwirkung unterscheidet man drei Formen des akustischen Traumas, die jeweils mit typischen Beschwerdebildern einhergehen.

Art des TraumasAuslöserGeschädigte StrukturenSymptome
Akutes Lärmtrauma
  • Längerer hoher Schalldruck (130–150 dB)
  • Möglich bei Konzert
  • Innenohr (Haarzellen)
  • Mittelohr nicht betroffen
  • Dumpfes Hören / Vertäubungsgefühl
  • Hochfrequenter Tinnitus
  • Ohrdruck
  • Meist reversibel
  • Sofortiger Beginn
Knalltrauma
  • Sehr kurzer extremer Schalldruck (160–190 dB)
  • Nach Schuss aus Waffe möglich
  • Innenohr (Haarzellen)
  • Mittelohr nicht betroffen
  • Vertäubungsgefühl
  • Hochfrequenter Tinnitus
  • Ohrdruck
  • Stechender Schmerz
  • Meist reversibel
Explosionstrauma
  • Sehr hoher Schalldruck über kurze Zeit
  • Langsamerer Druckanstieg als bei Knalltrauma 
  • Mittelohr (Trommelfell, Gehörknöchelchen)
  • Innenohr
  • Akute Schwerhörigkeit
  • Stechender Schmerz
  • Blutung aus dem Ohr
  • Sichtbare Verletzungen
  • Tinnitus
  • Ggf. Schwindel
  • Bleibende Schäden möglich

Diagnostik:

  • Anamnese: 
    • Unfallursache? 
  • Inspektion: 
    • Auf Begleitverletzungen achten 
  • Kontrolle der Vitalparameter

Maßnahmen im Einsatz:

  • Oberkörperhochlagerung oder sitzender Transport
  • Bei Verletzung des Ohres → mit steriler Kompresse abdecken
  • Ggf. Analgesie
  • Bei starker Übelkeit → Antiemetika, z.B. Ondansetron oder Dimenhydrinat
  • Bei Explosionstrauma → Versorgung von Begleitverletzungen 
  • Transport in Klinik mit HNO-Fachabteilung 
 Merke
Frühzeitige Behandlung verbessert die Prognose

Betroffene sollten möglichst rasch einem HNO-Arzt vorgestellt oder in eine Klinik mit HNO-Abteilung transportiert werden

Hörsturz

 Definition

Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender, einseitiger und schmerzloser Hörverlust, der ohne erkennbare Ursache aus völliger Gesundheit heraus entsteht und meist von einem Tinnitus begleitet wird.

Als mögliche Ursache wird eine Durchblutungsstörung der feinen Innenohrgefäße angenommen, etwa durch Gefäßkrämpfe (Spasmen) der kleinen Arteriolen. Der konkrete Auslöser bleibt jedoch in den meisten Fällen unklar. Diskutiert werden unter anderem Virusinfektionen, Stress oder Stoffwechselstörungen. Am häufigsten tritt ein Hörsturz bei Erwachsenen zwischen 50 und 60 Jahren auf.

Symptome:

  • Einseitige Schwerhörigkeit
  • Tinnitus (häufig begleitend)
  • Plötzliches Auftreten innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten
  • Dumpfes Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr
  • Schwindel möglich

Maßnahmen im Einsatz:

Ein Hörsturz erfordert in der Regel keine akuten rettungsdienstlichen Maßnahmen. Die betroffene Person sollte beruhigt und zur zeitnahen, fachärztlichen Abklärung bei einer HNO-Praxis bzw. HNO-Klinik vorgestellt werden.

Besonders bei Kindern, die durch ihre anatomischen Besonderheiten und höhere Infektanfälligkeit anfälliger für Beschwerden im Hals-Nasen-Ohren-Bereich sind, kann es zu präklinischen Behandlungsanlässen kommen. Während unkomplizierte Infektionen wie eine Tonsillitis oder eine Sinusitis meist harmlos verlaufen, kann ein Peritonsillarabszess rasch zu einer relevanten Beeinträchtigung der Atemwege führen und erfordert daher besondere Aufmerksamkeit. 

Dieses Kapitel bietet einen kompakten Überblick über die wichtigsten Krankheitsbilder, typische Symptome sowie die entscheidenden Maßnahmen im rettungsdienstlichen Einsatz.

 Info

Die Epiglottitis und der Pseudokrupp gehören zu den wichtigsten infektiösen Atemwegserkrankungen im Kindesalter. Dazu steht ein eigener, ausführlicher Artikel zur Verfügung.

Tonsillitis (Mandelentzündung)

 Definition

Eine Tonsillitis ist eine akute Entzündung der Gaumenmandeln, die überwiegend viral, seltener bakteriell bedingt sind. Größtenteils wird sie durch Streptococcus pyogenes verursacht. Besonders häufig tritt diese Erkrankung bei Kindern und jungen Erwachsenen auf.

Symptome:

  • Halsschmerzen, besonders beim Schlucken
  • Fieber
  • Geschwollene, gerötete Tonsillen
  • Ggf. eitrige Beläge
  • Vergrößerte und druckschmerzhafte Lymphknoten
  • Mundgeruch, Krankheitsgefühl

Diagnostik:

  • Anamnese: 
    • Rezidivierende Mandelinfektionen? 
  • Inspektion: 
    • Racheninspektion ohne Manipulation: Geschwollene, gerötete Tonsillen? Ggf. eitrige Beläge?
  • Kontrolle der Vitalparameter, insbesondere Temperaturmessung

Maßnahmen im Einsatz:

 Tipp

Eine einfach ausgeprägte Infektion kann in der Regel unkritisch eingeordnet werden. Die Patient:innen können sich, sofern möglich, eigenständig in einer HNO-Praxis zur weiteren Abklärung vorstellen.

  • Transport durch Rettungsdienst bei:
    • Starken Schmerzen
    • Verdacht auf Abszessbildung
    • Atemproblemen
    • Schwer krank wirkende Patient:innen

Peritonsillarabszess 

 Definition

Ein Peritonsillarabszess ist eine eitrige Entzündung mit Abszessbildung im Gewebe neben der Gaumenmandel, die meist als Komplikation einer Tonsillitis entsteht. Er gilt als potenziell gefährlich, da es zu einer relevanten Atemwegsverlegung kommen kann.

Symptome:

  • Starke einseitige Halsschmerzen
  • Kloßige Sprache“ (Mund kann nicht richtig geöffnet werden → Trismus)
  • Schluckbeschwerden, Speichelfluss
  • Einseitig vorgewölbte Rachenhinterwand
  • Fieber, Abgeschlagenheit
  • Ggf. Dyspnoe

Diagnostik:

  • Anamnese: 
    • Vorbestehende Mandelinfektion? 
  • Inspektion: 
    • Racheninspektion ohne Manipulation: 
      • Geschwollene, gerötete Tonsillen? 
      • Ggf. eitrige Beläge? 
      • Sichtbarer Abszess? 
      • Speichelfluss?
      • Trismus?
      • Zeichen von Dyspnoe
  • Kontrolle der Vitalparameter, insbesondere Temperaturmessung

Maßnahmen im Einsatz:

  • Oberkörperhochlagerung oder sitzender Transport
  • Bei DyspnoeSauerstoffgabe 
  • Transport in Klinik mit HNO-Fachabteilung 

Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)

 Definition

Eine Sinusitis ist die Entzündung der Nasennebenhöhlen, meist infolge eines viralen Infekts der oberen Atemwege. Durch Schleimhautschwellung und Sekretstau kommt es zu Druckgefühl, Schmerzen im Gesichtsbereich und einer behinderten Nasenatmung. In manchen Fällen kann sich ein komplizierter Verlauf entwickeln.

Symptome:

  • Druck- oder Gesichtsschmerz (Wangen, Stirn, hinter den Augen)
  • Verstopfte Nase, ggf. mit Ausfluss
  • Kopfschmerzen, verstärkt beim Bücken
  • Reduzierter Geruchssinn
  • Leichtes Fieber möglich

Diagnostik:

  • Anamnese: 
    • Beginn, Verlauf, Vorerkrankungen?
    • Anzeichen einer komplizierten Sinusitis: 
      • Gesichtsschwellung
      • Anhaltendes Fieber
      • Lethargie 
      • Neurologische Symptome
  • Kontrolle der Vitalparameter, insbesondere Temperaturmessung

Maßnahmen im Einsatz:

  • Einfacher Verlauf → in der Regel keine rettungsdienstlichen Maßnahme erforderlich 
  • Komplizierter Verlauf → Transport in Klinik mit HNO-Fachabteilung 
Zuletzt aktualisiert am 18.07.2026
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