Hitzebedingte Notfälle umfassen ein breites Spektrum klinischer Krankheitsbilder. Sie reichen von Hitzeödemen, Hitzekrämpfen, Hitzeerschöpfung und Sonnenstich bis zum lebensbedrohlichen Hitzschlag.
Ursache ist ein Missverhältnis zwischen Wärmebelastung und Wärmeabgabe. Anfangs kann der Körper die erhöhte Wärmebelastung durch die Thermoregulation noch ausgleichen. Mit zunehmender Belastung versagen diese Mechanismen jedoch. Die Folge sind Hyperthermie, Störungen der Organfunktion und im schlimmsten Fall ein Multiorganversagen.
Für den Rettungsdienst ist die frühzeitige Unterscheidung der einzelnen Krankheitsbilder entscheidend. Pathophysiologie, Schweregrad und Therapie unterscheiden sich teilweise deutlich. Leichtere Formen lassen sich meist durch Kühlungsmaßnahmen, Flüssigkeitsgabe und gegebenenfalls einen Elektrolytausgleich behandeln. Der Hitzschlag ist dagegen ein zeitkritischer Notfall. Er erfordert eine sofortige aktive Kühlung, die Stabilisierung der Vitalfunktionen und einen schnellstmöglichen Transport in eine geeignete Klinik.
Dieser Artikel erklärt die pathophysiologischen Grundlagen hitzebedingter Notfälle. Außerdem beschreibt er die klinischen Leitsymptome, die präklinische Diagnostik und die evidenzbasierten Therapieprinzipien. Ziel ist es, lebensbedrohliche Verläufe frühzeitig zu erkennen, richtig einzuordnen und zielgerichtet zu behandeln.
Um den Einstieg in das Thema hyperthermische Notfälle etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: „Sonnenstich“
Ort: Schwimmbad
Alarmzeit: 13:40
Anrufer:in: Bademeisterin
Anzahl der betroffenen Personen: 1
Zusatzinfo:
24 Jahre, weiblich
Längere Hitzeexposition im Freibad, Patient:in klagt jetzt über Schwindel und Übelkeit
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes erwartet euch der Bademeister am Eingang des Freibads und weist euch den Weg zur Patientin.
Die Lage stellt sich wie folgt dar:
Die Patientin hielt sich seit etwa 2 Stunden in der prallen Mittagssonne auf
Während dieser Zeit nahm sie kaum Flüssigkeit zu sich
Zunächst klagte sie gegenüber ihren Freund:innen über Kopfschmerzen und Übelkeit
Aufgrund der zunehmenden Beschwerden suchte sie eigenständig den Bademeister auf
Dieser brachte sie in den Erste-Hilfe-Raum, wo sie auf einem Stuhl sitzend betreut wurde, und alarmierte anschließend den Rettungsdienst
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem hyperthermischen Notfall aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege frei
Schleimhäute trocken
Pat. spricht selbstständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion bds. normal
Inspektorisch unauffällig
Keine gestauten Halsvenen
Auskultatorisch:
Vesikuläres Atemgeräusch bds.
Palpatorisch:
Keine Krepitation spürbar
Thorax insgesamt stabil
Atemfrequenz: 18/min
SpO2: 98 %
Kein B-Problem
C
Hautkolorit eher gerötet, hauptsächlich im Gesicht
Insgesamt verschwitze Haut
Rekap-Zeit: 2 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Gut tastbar
Tachykard, ca. 100/Min.
Kein C-Problem
D
Somnolent, etwas desorientiert
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine weiteren Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Kopfschmerz, Übelkeit
Allergien / Infektionen: keine
Medikamente: keine Dauermedikation oder Akutmedikation
Patientengeschichte: keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: 10.00
Ereignis:
Langer Aufenthalt in der Sonne
Verminderte Flüssigkeitsaufnahme
Risikofaktoren: keine
Mittelbares E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Hitzebedingte Notfälle
Hitzebedingte Notfälle sind akute Gesundheitsstörungen, die durch eine übermäßige Wärmebelastung entstehen. Auslöser können hohe Umgebungstemperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit oder eine gesteigerte körpereigene Wärmeproduktion, insbesondere bei körperlicher Anstrengung, sein.
Übersteigt die Wärmebelastung die Fähigkeit des Körpers zur Wärmeabgabe, wird die Thermoregulation zunächst überfordert und kann im weiteren Verlauf versagen. Dadurch steigt die Körperkerntemperatur an und es können lebensbedrohliche Organschäden bis zum Hitzschlag entstehen.
Klassifikation
Schweregrad
Krankheitsbilder
Charakteristika
Leicht
Hitzeausschlag, Hitzeödeme
Lokale oder periphere hitzebedingte Beschwerden ohne relevante systemische Beeinträchtigung
Sonnenbrand
Akute, auf die UV-exponierte Haut begrenzte Entzündungsreaktion. Bei ausgedehnten oder schweren Verbrennungen können Allgemeinsymptome auftreten
Leicht bis moderat
Hitzekrämpfe, Hitzesynkope, Hitzeerschöpfung
Flüssigkeits- und Elektrolytverluste sowie Kreislaufdysregulation bei grundsätzlich erhaltener Thermoregulation
Sonnenstich
Lokale Überhitzung von Kopf und Nacken mit Reizung der Hirnhäute und ggf. des Hirngewebes. Die Körperkerntemperatur ist meist normal
Schwer und lebensbedrohlich
Hitzschlag
Hyperthermie mit zentraler neurologischer Dysfunktion infolge eines Versagens der Thermoregulation und der Gefahr eines Multiorganversagens
Definition
Hitzschlag
Der Hitzschlag ist die schwerste Form der hitzebedingten Erkrankungen und entsteht durch ein Versagen der Thermoregulation. Charakteristisch sind eine Körperkerntemperatur > 40 °C sowie eine zentrale neurologische Dysfunktion mit Bewusstseinsstörungen bis zum Koma. Die ausgeprägte Hyperthermie führt zu einer direkten Zellschädigung und löst eine systemische Entzündungsreaktion aus, die in ein Multiorganversagen übergehen kann.
Definition
Hitzeerschöpfung
Die Hitzeerschöpfung ist ein leichter bis moderater Hitzeschaden, der infolge von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten sowie einer daraus resultierenden Kreislaufdysregulation entsteht. Die Thermoregulation ist dabei grundsätzlich noch erhalten, sodass die Körperkerntemperatur meist unter 40 °C bleibt. Typische Symptome sind Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Tachykardie und Hypotonie.
Definition
Sonnenstich
Der Sonnenstich ist ein lokal begrenzter Hitzeschaden, der durch eine direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken entsteht. Die hierdurch verursachte Reizung der Hirnhäute und gegebenenfalls des oberflächlichen Hirngewebes führt zu typischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Nackensteifigkeit. Die Körperkerntemperatur ist dabei in der Regel normal oder nur geringfügig erhöht.
Definition
Hitzesynkope
Die Hitzesynkope ist eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit, die durch wärmebedingte Vasodilatation, Flüssigkeitsverlust und einen daraus resultierenden verminderten venösen Rückstrom verursacht wird. Die Thermoregulation ist dabei grundsätzlich erhalten.
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Umweltbedingte Ursachen und Auslöser
Hohe Umgebungstemperaturen, insbesondere während Hitzewellen oder bei Temperaturen, an die der Körper noch nicht ausreichend akklimatisiert ist
Hohe Luftfeuchtigkeit, da sie die Wärmeabgabe durch Schweißverdunstung deutlich vermindert
Starke Sonneneinstrahlung und geringe Luftbewegung, wodurch die Wärmebelastung zusätzlich zunimmt
Fehlende nächtliche Abkühlung, insbesondere bei Nachttemperaturen von über 20 °C, wodurch eine ausreichende Regeneration erschwert wird
Frühe Hitzeperioden oder rasche Temperaturanstiege, die eine ausreichende Akklimatisation verhindern
Körperliche Anstrengung, insbesondere bei Sport oder schwerer körperlicher Arbeit im Freien (z.B. Baugewerbe, Landwirtschaft, Feuerwehr oder Militär)
Aufenthalt in geschlossenen oder unzureichend gekühlten Räumen, Fahrzeugen oder Dachgeschosswohnungen mit ausgeprägter Hitzebelastung
Hohe Luftschadstoffbelastung, insbesondere durch Ozon oder Feinstaub, die die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze zusätzlich verstärken
Unzureichende Flüssigkeitszufuhr oder erhöhte Flüssigkeitsverluste, insbesondere durch starkes Schwitzen, Erbrechen, Diarrhö oder Fieber, wodurch das Risiko einer Dehydratation und hitzebedingter Erkrankungen steigt
Individuelle Risikofaktoren
Säuglings- und Kindesalter: Unreife Thermoregulation, geringeres Blutvolumen bezogen auf die Körpergröße sowie eine niedrigere Schweißproduktion
Schwangerschaft: Hormonelle und metabolische Veränderungen sowie eine veränderte Volumenverteilung
Kardiovaskuläre Erkrankungen: Insbesondere Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, arterielle Hypertonie und Herzrhythmusstörungen
Nierenerkrankungen und Diabetes mellitus: Erhöhtes Risiko durch eine gestörte Flüssigkeitsregulation und eine erhöhte Anfälligkeit für Dehydratation
Neurologische und psychiatrische Erkrankungen: insbesondere Demenz, Parkinson-Syndrom, Depressionen, Schizophrenie sowie Bewusstseins- und Vigilanzstörungen
Adipositas, Unterernährung und Bewegungsmangel: verminderte physiologische Anpassungsfähigkeit an Hitzebelastung
Soziale Isolation, Pflegebedürftigkeit und Obdachlosigkeit: Eingeschränkter Zugang zu Flüssigkeit, Kühlungsmöglichkeiten und rechtzeitiger Hilfe
Ungünstige Wohnverhältnisse: Aufenthalt in Dachgeschosswohnungen, städtischen Wärmeinseln oder unzureichend gekühlten und belüfteten Räumen erhöht die Hitzebelastung deutlich
Tipp
Kinder haben eine noch nicht vollständig ausgereifte Schädeldecke und einen zum Körper ins Verhältnis gesetzt großen Kopf. Sie sind deswegen besonders anfällig für Sonnenstiche und zeigen auch schneller Symptome als Erwachsene.
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Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Körpertemperatur:
Die Körperkerntemperatur wird unter physiologischen Bedingungen trotz wechselnder Umgebungseinflüsse in einem engen Bereich von etwa 36,5–37,5 °C konstant gehalten
Der Hypothalamus fungiert als zentrales Regelzentrum der Thermoregulation und integriert Signale zentraler und peripherer Thermorezeptoren
Eine positive Wärmebilanz entsteht, wenn Wärmeproduktion und Wärmeaufnahme die Wärmeabgabe übersteigen
Wärmeproduktion:
Die wichtigste Wärmequelle ist die bei Stoffwechselprozessen entstehende Abwärme
Körperliche Aktivität erhöht die körpereigene Wärmeproduktion erheblich
Physiologische Wärmeabgabe:
Hautvasodilatation steigert die Hautdurchblutung und transportiert Wärme vom Körperkern zur Körperoberfläche
Schwitzen ermöglicht die Wärmeabgabe durch Verdunstung und stellt den wichtigsten Kühlmechanismus bei hohen Umgebungstemperaturen dar
Konduktion, Konvektion und Wärmestrahlung tragen ebenfalls zur Wärmeabgabe bei, verlieren jedoch bei Umgebungstemperaturen oberhalb der Körpertemperatur zunehmend an Bedeutung
Grenzen der Thermoregulation:
Eine hohe Luftfeuchtigkeit vermindert die Verdunstung von Schweiß und erschwert dadurch die Wärmeabgabe erheblich
Bei 100 % Luftfeuchtigkeit ist bei einer Umgebungstemperatur von etwa 37 °C praktisch keine effektive Wärmeabgabe durch Verdunstung mehr möglich
Die Kombination aus Hautvasodilatation und Schwitzen führt zu einer erhöhten Herz-Kreislauf-Belastung sowie zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten
Die Pathophysiologie hitzebedingter Notfälle entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Wärmebelastung und Wärmeabgabe, wodurch die Thermoregulation zunächst überfordert wird und im weiteren Verlauf versagen kann.
Kompensationsphase
Bei zunehmender Wärmebelastung versucht der Körper zunächst, die Wärmeabgabe durch Hautvasodilatation und eine gesteigerte Schweißproduktion zu erhöhen.
Vasodilatation bei Wärme
Hautvasodilatation: Zunahme der Hautdurchblutung → verstärkte Wärmeabgabe über die Körperoberfläche
Kardiovaskuläre Belastung: Erhöhte Hautdurchblutung → Anstieg des Herzzeitvolumens und gesteigerte Herzarbeit
Flüssigkeitsverlust: Starkes Schwitzen → Abnahme des intravasalen Volumens → Dehydratation
Elektrolytverlust: Verlust von Natrium und Chlorid über den Schweiß → Elektrolytstörungen und Hitzekrämpfe
Übersteigt die Wärmeaufnahme oder Wärmeproduktion dauerhaft die Fähigkeit des Körpers zur Wärmeabgabe, reichen die körpereigenen Kompensationsmechanismen nicht mehr aus.
Hypovolämie: Anhaltendes Schwitzen und eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr → Hypovolämie
Versagen der Thermoregulation: Unzureichende Hautdurchblutung → Wärme kann nicht mehr effektiv abgegeben werden
Anstieg der Körperkerntemperatur: Die Körperkerntemperatur steigt weiter an, da die Wärmeabgabe hinter der Wärmeaufnahme zurückbleibt
Organminderperfusion:Volumenmangel und Kreislaufversagen führen zu einer verminderten Durchblutung von Gehirn, Nieren, Leber und Gastrointestinaltrakt und begünstigen die Entwicklung eines Hitzschlags
Achtung
Hitzebedingte Notfälle führen nicht zwangsläufig zu schweren Organschäden. Zu Beginn kompensiert der Körper die Wärmebelastung durch Hautvasodilatation, verstärktes Schwitzen und eine Steigerung der Herzfrequenz, sodass Hitzeödem, Hitzesynkope, Hitzekrämpfe, Hitzeerschöpfung und ein unkomplizierter Sonnenstich zunächst vollständig reversibel sein können.
Erst wenn die Thermoregulation versagt, entwickeln sich Hyperthermie, neurologische Störungen und die Gefahr eines Multiorganversagens.
Auswirkungen auf das Organsystem bei systemischer Schädigung
Im Verlauf Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, Hirnödem und mögliche bleibende neurologische Defizite
Nieren
Hypovolämie, renale Minderperfusion und Hyperthermie → akute Nierenfunktionseinschränkung
Zusätzliche Schädigung durch Myoglobin bei Rhabdomyolyse
Leber
Direkte Hitzetoxizität, Minderperfusion, Entzündungsmediatoren und Endotoxine → Leberfunktionsstörung bis zum akuten Leberversagen
Muskulatur
Flüssigkeits- und Elektrolytverluste → Hitzekrämpfe
Schwere Hyperthermie → Rhabdomyolyse mit Freisetzung von CK und Myoglobin
Gastrointestinaltrakt
Hypoperfusion → Darmischämie und Schädigung der Darmbarriere → Endotoxinübertritt (Endotoxämie) → Verstärkung der systemischen Entzündungsreaktion, DIC und Multiorganversagen
Zusätzlich Übelkeit, Erbrechen und gastrointestinale Blutungen möglich
Lunge und Atmung
Tachypnoe und Hyperventilation
Im Verlauf Hypoxämie, ARDS und nichtkardiales Lungenödem infolge systemischer Entzündung und Endothelschädigung
Gerinnungssystem
Endothelaktivierung und systemische Inflammation → Mikrothromben
Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten → disseminierte intravasale Gerinnung (DIC) mit Blutungen
Haut und Thermoregulation
Initial Hautvasodilatation und vermehrtes Schwitzen
Beim Hitzschlag Versagen der Thermoregulation mit verminderter Schweißproduktion und häufig heißer, trockener Haut
Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt
Flüssigkeits- und Elektrolytverluste → Hypo-/Hypernatriämie, Hypokaliämie, Hypokalzämie, Hypomagnesiämie sowie Hypo-/Hyperphosphatämie
Bei Kreislaufversagen Entwicklung einer metabolischen Azidose.
Pathophysiologie der einzelnen Krankheitsbilder
Notfallbild
Pathophysiologischer Ablauf
Hitzeödem
Hitze → periphere Vasodilatation → erhöhter Kapillardruck und Flüssigkeitsverschiebung ins Interstitium → Ödembildung (insbesondere an Unterschenkeln und Knöcheln)
Hitzesynkope
Hitze → periphere Vasodilatation und Versacken von Blut in der Peripherie → Dehydratation → verminderter venöser Rückstrom → vermindertes Herzzeitvolumen → zerebrale Minderperfusion → kurzzeitige Synkope
Hitzekrämpfe
Starkes Schwitzen und körperliche Belastung → Flüssigkeits- und Elektrolytverluste → gestörte neuromuskuläre Erregbarkeit und Muskelermüdung → schmerzhafte Muskelkrämpfe
Hitzeerschöpfung
Wärmebelastung → starkes Schwitzen → Flüssigkeits- und Elektrolytverluste → Hypovolämie → Hypotonie und kompensatorische Tachykardie → Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und ggf. vorübergehende Bewusstseinstrübung
Hitzschlag
Versagen der Thermoregulation → Wärmegewinn übersteigt die Wärmeabgabe → rascher Anstieg der Körperkerntemperatur → direkte Zellschädigung und systemische Entzündungsreaktion → zentrale neurologische Dysfunktion und Multiorganversagen
Sonnenstich
Intensive Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken → Überhitzung der Schädelregion → Reizung der Hirnhäute und ggf. des oberflächlichen Hirngewebes → lokale Entzündungsreaktion, in schweren Fällen Hirnödem
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei Hitzenotfällen
Wärmebelastung übersteigt die Wärmeabgabe → die Thermoregulation wird zunächst überfordert und kann im weiteren Verlauf vollständig versagen
Hautvasodilatation und starkes Schwitzen erhöhen zunächst die Wärmeabgabe, führen gleichzeitig jedoch zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten
Volumenmangel und periphere Vasodilatation vermindern den venösen Rückstrom und das Herzzeitvolumen → Hypotonie, Hitzesynkope und zunehmende Organminderperfusion
Kann die Wärme trotz maximaler Kompensation nicht mehr ausreichend abgegeben werden, steigt die Körperkerntemperatur kontinuierlich an → Entwicklung einer Hyperthermie bis zum Hitzschlag
Hyperthermie, Gewebeischämie und die systemische Entzündungsreaktion führen zu einer fortschreitenden Schädigung von Gehirn, Herz-Kreislauf-System, Nieren, Leber, Muskulatur und Gerinnungssystem und können in einem Multiorganversagen enden
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Typische Zeichen
Notfallbild
Typisches klinisches Bild
Hautbefund
Sonnenstich
Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Schwindel
Übelkeit, Erbrechen
Ggf. Fotophobie
Körperkerntemperatur meist normal oder nur leicht erhöht
Meist gerötete, warme Gesichtshaut
Hitzeödem
Ödeme an Unterschenkeln und Knöcheln
Lokale Schwellungen der Unterschenkel und Knöchel
Hitzesynkope
Kurzzeitige Synkope
Zügiges Wiedererlangen des Bewusstseins ohne neurologische Aufälligkeiten
Häufig blasse, teilweise kaltschweißige Haut
Hitzekrämpfe
Schmerzhafte Muskelkrämpfe oder -zuckungen
Oft nach körperlicher Belastung
Kein charakteristischer Hautbefund, häufig verschwitzte Haut
Hitzeerschöpfung
Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit
Hypotonie und Tachykardie
Körperkerntemperatur meist < 40 °C
Keine ausgeprägten neurologischen Ausfälle
Meist starkes Schwitzen mit kühler bis feuchter Haut
Allgemeines Krankheitsgefühl und Leistungsminderung
Unruhe oder Apathie
Tachypnoe bzw. beschleunigte Atmung
Trockene Zunge und verminderte Speichelbildung
Oligurie bzw. konzentrierter, dunkel gefärbter Urin als Zeichen der Exsikkose
Kollapsneigung insbesondere beim Aufstehen oder nach körperlicher Belastung
Achtung
Red Flags
Heiße, trockeneHaut
Krampfanfälle oder fokal-neurologische Defizite
Körperkerntemperatur ≥ 40 °C
Hypotonie oder Schockzeichen
Tachypnoe, Atemnot oder respiratorische Insuffizienz
Anhaltendes Erbrechen oder Diarrhö
Meningismus oder plötzlich einsetzender Vernichtungskopfschmerz
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Anamnese
S (Symptome):Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit, Delir, Agitation oder Krampfanfälle sowie erhöhte Körperkerntemperatur, Tachykardie, Tachypnoe oder Hypotonie erfragen.
Zusätzlich auf Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche, Übelkeit, Erbrechen, Muskelkrämpfe oder Hinweise auf eine Oligurie achten
Der Hautbefund (gerötet, feucht oder heiß und trocken) sowie Meningismus oder Nackenschmerzen können wichtige Hinweise liefern
A (Allergien, Infektionen): Relevante Medikamentenallergien sowie aktuelle Infektionen oder Fieber erfragen
Bei Hyperthermie und Bewusstseinsstörung differenzialdiagnostisch auch an Meningitis, Enzephalitis oder Sepsis denken.
M (Medikation): Aktuelle Dauermedikation und kürzliche Medikationsänderungen erfragen
Besonders relevant sind Diuretika, Anticholinergika, Psychopharmaka und weitere Medikamente, die den Flüssigkeitshaushalt oder die Thermoregulation beeinflussen können
Zusätzlich nach Alkoholkonsum oder Drogen fragen.
P (Patientengeschichte): Relevante Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-, Nieren-, neurologische, psychiatrische, metabolische oder respiratorische Erkrankungen erfragen.
Auch Hypohidrose/Anhidrose, Demenz, Immobilität, Pflegebedürftigkeit, frühere hitzebedingte Erkrankungen sowie Hinweise auf eine Dehydratation sind relevant
L (Letzte…): Zeitpunkt und Menge der letzten Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme sowie zusätzliche Flüssigkeitsverluste durch Erbrechen, Diarrhö oder starkes Schwitzen erfragen
E (Ereignis): Art und Dauer der Hitzeexposition (z.B. direkte Sonne, warme Innenräume oder Fahrzeug), körperliche Belastung, Arbeits- oder Sportaktivität, Bekleidung, Sonnenschutz, Trinkmöglichkeiten sowie den Beginn der Symptomatik erfragen
R (Risiko): Besondere Risikofaktoren wie Säuglings- oder höheres Lebensalter, kardiovaskuläre, renale, neurologische oder psychiatrische Erkrankungen, Dehydratation, Fieber, Diarrhö, eingeschränkte Selbstversorgung, hohe Umgebungstemperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit oder fehlenden Sonnenschutz berücksichtigen.
S (Schwangerschaft): Bei Patientinnen nach einer bestehenden Schwangerschaft fragen, da diese Einfluss auf Diagnostik, Therapie und das Risiko hitzebedingter Erkrankungen haben kann
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS- oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf einen hitzebedingten Notfall abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Hautbefund:
Sonnenstich: meist gerötete, warme Gesichtshaut.
Hitzeerschöpfung: häufig blasse, kühle bis feuchte Haut mit starker Schweißsekretion.
Hitzschlag: initial oft stark schwitzende Haut, im Verlauf häufig heiße, trockene und schweißarme Haut. Das Hautkolorit ist größtenteils gerötet, bei schwerer Kreislaufstörung auch grau oder marmoriert
Dehydratationszeichen: trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor und stehende Hautfalten
Meningismus: auf Nackensteifigkeit oder Nackenschmerzen als Hinweis auf einen Sonnenstich oder wichtige Differenzialdiagnosen (z.B. Meningitis) achten
Palpation:
Hauttemperatur:Erhöhte Hauttemperatur als Hinweis auf eine Hyperthermie
Beim Hitzschlag ist die Haut häufig heiß, initial oft feucht, im Verlauf jedoch häufig trocken und schweißarm
Rekapillarisierungszeit:Verlängerte Rekapillarisierungszeit als Hinweis auf eine Hypovolämie oder eingeschränkte periphere Perfusion infolge einer Kreislaufinstabilität
Pulsqualität:Tachykarder, ggf. schwach tastbarer Puls als Ausdruck von Hypovolämie und kompensatorischer Kreislaufreaktion
Bei Elektrolytstörungen auf Herzrhythmusstörungen achten
Perkussion:
Ein spezifischer perkutorischer Befund für Sonnenstich, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag besteht jedoch nicht
Bei abdominellen Beschwerden oder geblähtem Abdomen ergänzend perkutieren
Auskultation:
Lunge:Atemgeräusche beurteilen
Feuchte Rasselgeräusche können beim Hitzschlag auf ein nichtkardiales Lungenödem oder ein ARDS hinweisen
Vitalparameter
Parameter
Typischer Befund und Veränderung
Pathophysiologischer Hintergrund
Herzfrequenz
Initial häufig Tachykardie
Besonders bei Hitzeerschöpfung und Hitzschlag
Sympathikusaktivierung und steigender Herzzeitvolumenbedarf zur Aufrechterhaltung der Wärmeabgabe → später kompensatorische Reaktion auf Hypovolämie
Blutdruck
Anfangs meist normwertig, gelegentlich leicht erhöht
Im Verlauf häufig Hypotonie bis zum hypovolämischen Schock
Flüssigkeitsverlust, periphere Vasodilatation, verminderter venöser Rückstrom und sinkendes Herzzeitvolumen
Atemfrequenz
Häufig Tachypnoe oder Hyperventilation
Bei schwerem Verlauf respiratorische Insuffizienz möglich
Respiratorische Kompensation einer metabolischen Azidose → später mögliche Hypoxämie infolge systemischer Entzündung und Kreislaufversagen
Körperkerntemperatur
Hitzschlag: meist ≥ 40 °C
Hitzeerschöpfung: häufig < 40 °C
Sonnenstich: meist normal oder nur leicht erhöht
Versagen der Thermoregulation, sodass Wärmeaufnahme bzw. Wärmeproduktion die Wärmeabgabe übersteigt
Sauerstoffsättigung
Meist normal
Bei schwerem Verlauf Hypoxämie möglich
Pulmonale Beteiligung mit möglichem ARDS oder nichtkardialem Lungenödem beim Hitzschlag
Blutzucker
Blutzuckermessung zum Ausschluss einer Hypo- oder Hyperglykämie als Differenzialdiagnose
Dient der Differenzialdiagnostik bei Bewusstseinsstörungen → keine typische Verlaufsdynamik für hitzebedingte Notfälle belegt
Orientierende neurologische Untersuchung
Vigilanz: Beurteilung der Bewusstseinslage, beispielsweise mittels GCS-Score, und Erfassung von Verwirrtheit, Delir, Agitation, Somnolenz, Sopor oder Koma → eine Bewusstseinsstörung spricht bei Hyperthermie besonders für einen Hitzschlag
Sprache: Orientierende Prüfung von Sprachverständnis, Sprachproduktion und Artikulation, sofern die betroffene Person ausreichend wach und kooperationsfähig ist → auf Dysarthrie, Aphasie oder andere fokal-neurologische Auffälligkeiten achten
Pupillenstatus: Kontrolle von Pupillengröße, Seitengleichheit, Form und Lichtreaktion sowie möglicher Auffälligkeiten wie Anisokorie, Miosis oder Mydriasis
Blickmotorik: Beurteilung auf Blickdeviationen, Blickparesen, eine diskonjugierte Augenstellung oder andere auffällige Augenbewegungen
Motorik: orientierende Kraftprüfung der oberen und unteren Extremitäten unter Beachtung von Seitendifferenzen, Arm- oder Beinhalteversuch sowie möglichen Paresen
Sensibilität: orientierende Prüfung auf Taubheitsgefühle, Sensibilitätsstörungen oder Seitenunterschiede; fokale Defizite erfordern eine weiterführende neurologische Abklärung
Krampfanfälle: Nach stattgehabten Krampfanfällen fragen oder auf eine aktuelle Anfallsaktivität achten → Krampfanfälle können insbesondere beim schweren Hitzschlag auftreten
Meningismus: Bei Kopfschmerzen, Nackenschmerzen oder Verdacht auf einen Sonnenstich auf Nackensteifigkeit prüfen. Ein Meningismus kann jedoch auch auf eine Meningitis oder Enzephalitis hinweisen und sollte differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden
Prüfung auf Meningismus
Weiterführende apparative Diagnostik
12-Kanal-EKG: Beurteilung von Herzfrequenz, Herzrhythmus, Repolarisation sowie möglicher Elektrolytstörungen infolge von Dehydratation
Sinustachykardie: häufigster EKG-Befund als Ausdruck von Hyperthermie, Hypovolämie und Sympathikusaktivierung.
Hypokaliämie: Abflachung der T-Wellen, U-Wellen, ST-Senkungen
Extrasystolen und Arrhythmien: können infolge von Elektrolytstörungen, Hyperthermie oder myokardialem Stress auftreten
Maligne Herzrhythmusstörungen: Sowohl Hypo- als auch Hyperkaliämie erhöhen das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien bis zum Kammerflimmern
EKG bei HypokaliämieEKG bei Hyperkaliämie
Differnzialdiagnosen
Differenzialdiagnose
Typische Symptome
Abgrenzung und Hinweise
Meningitis / Meningoenzephalitis
Kopfschmerzen, Fieber, Meningismus, Photophobie, Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle oder fokal-neurologische Defizite
Meningismus, Photophobie und fokal-neurologische Defizite sprechen eher für eine ZNS-Infektion als für einen hitzebedingten Notfall
Serotonerges Syndrom
Hyperthermie, Agitation, Tremor, Hyperreflexie, Kloni, Diarrhö und Hyperhidrose
Kloni und Hyperreflexie sowie ein zeitlicher Zusammenhang mit serotonergen Medikamenten sind für hitzebedingte Notfälle untypisch
Malignes neuroleptisches Syndrom
Hyperthermie, ausgeprägter Rigor, Bewusstseinsstörung und autonome Instabilität
Generalisierter Rigor und die Einnahme oder Dosisänderung von Antipsychotika sprechen gegen einen primären Hitzschaden
Anticholinerges Syndrom
Heiße, trockene Haut, Mydriasis, Tachykardie, Harnverhalt, Obstipation und Bewusstseinsstörung
Trockene Haut trotz Hyperthermie sowie Mydriasis, Harnverhalt und Obstipation sprechen für ein anticholinerges Syndrom
Sympathomimetische Intoxikation
Hyperthermie, Mydriasis, Tachykardie, Hypertonie, Agitation und gesteigerter Muskeltonus
Hypertonie, Mydriasis und Hinweise auf Kokain- oder Amphetaminkonsum sprechen eher für eine Intoxikation
MDMA- oder Amphetaminintoxikation
Hyperthermie, Agitation, Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle und Rhabdomyolyse
Kann einen Hitzschlag klinisch imitieren; entscheidend sind Anamnese, Drogenhinweise und das Umfeld
Thyreotoxische Krise
Fieber, Tachykardie oder absolute Arrhythmie, Tremor, Agitation, Erbrechen, Diarrhö und Bewusstseinsstörung
Bekannte Hyperthyreose, Struma oder Exophthalmus sprechen eher für eine thyreotoxische Krise
Addison-Krise
Schock, Hypotonie, Dehydratation, gastrointestinale Beschwerden und Bewusstseinsstörung
Ausgeprägte Hypotonie, Hypoglykämie, Hyponatriämie und Hyperkaliämie sowie eine bekannte Nebenniereninsuffizienz sprechen gegen einen primären Hitzschaden
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Das präklinische Therapieziel besteht in der raschen Beendigung der Hitzeexposition, der Stabilisierung der Vitalfunktionen sowie einer dem Schweregrad angepassten Therapie. Leichtere hitzebedingte Notfälle werden überwiegend symptomatisch behandelt, während beim Hitzschlag die sofortige aktive Kühlung und der unverzügliche Transport in eine geeignete Klinik im Vordergrund stehen.
Basismaßnahmen
Hitzeexposition beenden: Die betroffene Person aus der Hitze in eine schattige oder kühle Umgebung bringen, körperliche Belastung sofort beenden und überschüssige Kleidung entfernen
Lagerung:
Kreislaufstabile Patient:innen: Bequeme Lagerung; bei Schwindel oder orthostatischen Beschwerden vorzugsweise in Flachlagerung
Hypotonie oder ausgeprägter Volumenmangel:Flachlagerung, gegebenenfalls mit Hochlagerung der Beine zur Verbesserung des venösen Rückstroms
Sauerstoffgabe: bedarfsorientierte Sauerstofftherapie bei Hypoxämie oder respiratorischer Beeinträchtigung
Angepasstes Atemwegsmanagement:Sicherung und regelmäßige Kontrolle der Atemwege bei Vigilanzminderung oder Bewusstseinsstörung
Monitoring und Basisdiagnostik: Kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck- und Atemfrequenzkontrollen sowie wiederholte Temperaturmessungen
Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs zur Volumentherapie sowie für weiterführende therapeutische Maßnahmen.
Flüssigkeitssubstitution: Bei wachen, kooperativen Patient:innen mit sicherem Schluckaktkühle Getränke anbieten. Bei Bewusstseinsstörung, Erbrechen oder Aspirationsgefahrkeine orale Flüssigkeitsgabe.
Verlaufskontrolle: Auf eine zunehmende Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle, Hypotonie oder respiratorische Insuffizienz achten
Transportentscheidung: Bei Hitzschlag unverzüglicher Transport in eine geeignete Klinik. Kühlungsmaßnahmen und Monitoring während des Transports konsequent fortführen
Spezifische Maßnahmen
Befund
Konsequenz
Wach, kreislaufstabil und ohne neurologische Auffälligkeiten
Symptomatische Therapie mit lokaler Kühlung, Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich sowie engmaschiger Verlaufskontrolle
Bei Verdacht auf Sonnenstich vorrangigden Kopf- und Nackenbereich kühlen
Bei unkompliziertem Sonnenstich ist gegebenenfalls eine ambulante Weiterbehandlung möglich
Anhaltende Beschwerden, Erbrechen, relevante Hypotonie oder fehlende klinische Besserung
Intravenöse Flüssigkeitstherapie500 ml VEL, angepasst an klinischen Zustand
Engmaschiges Monitoring
Antiemese erwägen, z.B. mit Ondansetron 4 mg i.v.
Stationäre Abklärung und Überwachung
Bewusstseinsstörung, Delir, Krampfanfälle oder ausgeprägte Hyperthermie
Verdacht auf Hitzschlag: Sofortige aktive Kühlung
Sicherung der Vitalfunktionen und kontinuierliches Monitoring
Intravenöse Flüssigkeitstherapie 500-1000 ml VEL, angepasst an klinischen Zustand
Ggf. Therapie von Krampfanfällen, z.B. mit Midazolam <40 kgKG: 5 mg i.v., >40 kgKG: 10 mg i.v., ggf. 1x wiederholen
Transport:Unverzüglicher Transport in eine geeignete Klinik bei fortgesetzter Kühlung
Aktive Kühlungsmaßnahmen bei Hitzschlag:
Kühlung sofort beginnen: Eine Verzögerung der Kühlung bis zum Eintreffen im Krankenhaus vermeiden, da jede Minute mit erhöhter Körperkerntemperatur die Prognose verschlechtert
Eintauchen in Wasser: Wenn möglich, den gesamten Körper in kaltes Leitungswasser (ca. 12–16 °C) eintauchen. Bei jungen Patient:innen mit Anstrengungshitzschlag kann auch eine Eiswasserkühlung erwogen werden, sofern die logistischen Voraussetzungen gegeben sind
Verdunstungskühlung: Körper mit Wasser besprühen und gleichzeitig einen Luftstrom (z.B. Ventilator) erzeugen. Dieses Verfahren ist insbesondere bei nicht anstrengungsbedingtem Hitzschlag und älteren Patient:innen praktikabel und effektiv
Kühlpacks:Kühlpacks in ein Tuch einwickeln und auf Nacken, Achseln und Leisten auflegen. Alternativ kann eine möglichst großflächige Kühlung des Körpers erfolgen. Kühlpacks eignen sich besonders ergänzend zu anderen Kühlmaßnahmen
Kühlmethoden kombinieren: Die Kombination aus Verdunstungskühlung und Kühlpacks erzielt eine stärkere Kühlwirkung als einzelne Maßnahmen allein
Kühlung überwachen: Während der Kühlung die Körperkerntemperatur engmaschig kontrollieren und eine Überkühlung vermeiden
Merke
Die aktive Kühlung sollte bis zum Erreichen einer Körperkerntemperatur von 38,5–39 °C erfolgen und anschließend pausiert werden, um eine überschießende Hypothermie zu vermeiden. Die Körperkerntemperatur sollte nach Möglichkeit kontinuierlich rektal gemessen werden.
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Sportinduzierter Hitzschlag
Definition
Der sportinduzierteHitzschlag, auch Anstrengungshitzschlag oder Exertional Heat Stroke, ist ein akuter, lebensbedrohlicher Hitzeschaden infolge intensiver körperlicher Belastung. Dabei übersteigt die Wärmeproduktion die Wärmeabgabe, wodurch die Thermoregulation versagt.
Kennzeichnend sind:
Deutliche Hyperthermie, typischerweise mit einer Körperkerntemperatur > 40,5 °C
Zentrale neurologische Dysfunktion, z. B. Verwirrtheit, Delir, Agitation, Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle oder Koma
Zeitlicher Zusammenhang mit einer intensiven körperlichen Belastung, gegebenenfalls auch ohne hohe Umgebungstemperatur
Merkmal
Klassischer Hitzschlag
Sportinduzierter Hitzschlag
Typische Betroffene
Vor allem Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke
Vor allem junge, gesunde und körperlich aktive Personen
Typische Situation
Meist während Hitzeperioden oder Hitzewellen
Während intensiver körperlicher Belastung, auch bei gemäßigten Außentemperaturen
Körperliche Aktivität
Meist keine oder geringe körperliche Belastung
Ausgeprägte körperliche Belastung
Vorerkrankungen
Häufig relevante Begleiterkrankungen
Meist keine relevanten Vorerkrankungen
Medikamenteneinnahme
Häufig Medikamente, die die Thermoregulation oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen
Meist keine entsprechende Medikation
Pathophysiologie
Übermäßige Wärmeaufnahme aus der Umgebung bei unzureichender Wärmeabgabe
Übermäßige körpereigene Wärmeproduktion mit Überforderung der Wärmeabgabe
Schweißsekretion
Schweißproduktion häufig vermindert oder fehlend, Haut kann trocken sein
Schweißproduktion meist erhalten, Haut häufig feucht
Zentrale neurologische Störungen
Häufig
Häufig
Merke
Die Therapie des Anstrengungshitzschlags unterscheidet sich nicht von der des klassischen Hitzschlags. Entscheidend sind die sofortige aktive Kühlung, die Stabilisierung der Vitalfunktionen und der schnellstmögliche Transport in eine geeignete Klinik.
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Zielkrankenhaus
Die Wahl des Zielkrankenhauses richtet sich nach dem klinischenSchweregrad, dem Ausmaß der Hyperthermie, neurologischenSymptomen sowie dem Verdacht auf Organfunktionsstörungen oder andere Komplikationen.
Leichte hitzebedingte Erkrankungen (z.B. Hitzekrämpfe, Hitzeödeme, Hitzesynkope oder leichte Hitzeerschöpfung): Bei vollständiger Symptomrückbildung und stabilem Allgemeinzustand ist häufig keine stationäre Behandlung erforderlich. Andernfalls Transport in ein Krankenhaus zur weiteren Diagnostik und Überwachung
Schwere Hitzeerschöpfung: Transport in ein Krankenhaus mit internistischer oder notfallmedizinischer Versorgung zur weiteren Diagnostik, Flüssigkeitstherapie und Überwachung
Hitzschlag: Transport in ein Krankenhaus mit intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit, da aufgrund der potenziellen Multiorganbeteiligung eine intensivmedizinische Überwachung und Therapie erforderlich ist
Transportbegleitende Maßnahmen
Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz, Körperkerntemperatur und Vigilanz
Lagerung:
Kreislaufstabile Patient:innen: Lagerung in einer möglichst kühlen Umgebung, schmerz- und symptomadaptiert
Kreislaufinstabile Patient:innen:Flachlagerung und kreislaufgerechtes Management
Aktive Kühlung: Fortführung der begonnenen Kühlmaßnahmen während des Transports. Die Körperkerntemperatur sollte nach Möglichkeit kontinuierlich, vorzugsweise rektal, überwacht werden. Bei einer Körperkerntemperatur von 38,5–39 °C sollte die aktive Kühlung pausiert werden.
Sauerstofftherapie: bedarfsorientierte Sauerstoffgabe bei Hypoxämie, respiratorischer Beeinträchtigung oder Kreislaufinstabilität
Volumentherapie: Fortführung einer balancierten Vollelektrolytlösung entsprechend Volumenstatus und Hämodynamik
Dokumentation: Erfassung von Symptombeginn, Umgebungsbedingungen, Körperkerntemperatur, Vitalparametern, neurologischem Status, sämtlichen präklinisch durchgeführten Maßnahmen sowie deren Wirkung
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe nach standardisierten Schemata, z.B. SINNHAFT oder ISOBAR
Übergabe relevanter Informationen zu:
Zeitpunkt des Symptombeginns sowie Dauer und Art der Hitzeexposition (z.B. Aufenthalt in heißer Umgebung oder körperliche Belastung)
Körperkerntemperatur bei Erstkontakt sowie deren Verlauf
Neurologischem Status (z.B. Verwirrtheit, Agitation, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörung oder Koma)
Vitalparametern und deren Verlauf
Begleitsymptomen (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Muskelkrämpfe, Synkope oder Dyspnoe)
Bekannten Vorerkrankungen, relevanter Medikation sowie möglichen Risikofaktoren
Durchgeführten Maßnahmen (aktive Kühlung, Sauerstofftherapie, Volumentherapie, Medikamentengabe) einschließlich deren Wirkung
Verdacht auf Komplikationen wie Krampfanfälle oder Vigilanzminderung ausdrücklich kommunizieren
Hochrisikopatient:innen: Bei Hitzschlag, persistierender Hyperthermie, neurologischen Ausfällen oder Kreislaufinstabilität frühzeitige Übergabe an das zuständige Schockraum- oder Intensivteam veranlassen
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Definition
Definition
Hitzebedingte Notfälle
Hitzebedingte Notfälle sind akute Gesundheitsstörungen, die durch eine übermäßige Wärmebelastung entstehen. Auslöser können hohe Umgebungstemperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit oder eine gesteigerte körpereigene Wärmeproduktion, insbesondere bei körperlicher Anstrengung, sein.
Übersteigt die Wärmebelastung die Fähigkeit des Körpers zur Wärmeabgabe, wird die Thermoregulation zunächst überfordert und kann im weiteren Verlauf versagen. Dadurch steigt die Körperkerntemperatur an und es können lebensbedrohliche Organschäden bis zum Hitzschlag entstehen.
Schweregrad
Krankheitsbilder
Charakteristika
Leicht
Hitzeausschlag, Hitzeödeme
Lokale oder periphere hitzebedingte Beschwerden ohne relevante systemische Beeinträchtigung
Sonnenbrand
Akute, auf die UV-exponierte Haut begrenzte Entzündungsreaktion. Bei ausgedehnten oder schweren Verbrennungen können Allgemeinsymptome auftreten
Leicht bis moderat
Hitzekrämpfe, Hitzesynkope, Hitzeerschöpfung
Flüssigkeits- und Elektrolytverluste sowie Kreislaufdysregulation bei grundsätzlich erhaltener Thermoregulation
Sonnenstich
Lokale Überhitzung von Kopf und Nacken mit Reizung der Hirnhäute und ggf. des Hirngewebes. Die Körperkerntemperatur ist meist normal
Schwer und lebensbedrohlich
Hitzschlag
Hyperthermie mit zentraler neurologischer Dysfunktion infolge eines Versagens der Thermoregulation und der Gefahr eines Multiorganversagens
Ursachen
Hohe Umgebungstemperaturen
Hohe Luftfeuchtigkeit
Starke Sonneneinstrahlung und geringe Luftbewegung
Fehlende nächtliche Abkühlung
Frühe Hitzeperioden oder rasche Temperaturanstiege
Körperliche Anstrengung
Aufenthalt in geschlossenen oder unzureichend gekühlten Räumen
Hohe Luftschadstoffbelastung
Unzureichende Flüssigkeitszufuhr oder erhöhte Flüssigkeitsverluste
Pathophysiologie
Notfallbild
Pathophysiologischer Ablauf
Hitzeödem
Hitze → periphere Vasodilatation → erhöhter Kapillardruck und Flüssigkeitsverschiebung ins Interstitium → Ödembildung (insbesondere an Unterschenkeln und Knöcheln)
Hitzesynkope
Hitze → periphere Vasodilatation und Versacken von Blut in der Peripherie → Dehydratation → verminderter venöser Rückstrom → vermindertes Herzzeitvolumen → zerebrale Minderperfusion → kurzzeitige Synkope
Hitzekrämpfe
Starkes Schwitzen und körperliche Belastung → Flüssigkeits- und Elektrolytverluste → gestörte neuromuskuläre Erregbarkeit und Muskelermüdung → schmerzhafte Muskelkrämpfe
Hitzeerschöpfung
Wärmebelastung → starkes Schwitzen → Flüssigkeits- und Elektrolytverluste → Hypovolämie → Hypotonie und kompensatorische Tachykardie → Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und ggf. vorübergehende Bewusstseinstrübung
Hitzschlag
Versagen der Thermoregulation → Wärmegewinn übersteigt die Wärmeabgabe → rascher Anstieg der Körperkerntemperatur → direkte Zellschädigung und systemische Entzündungsreaktion → zentrale neurologische Dysfunktion und Multiorganversagen
Sonnenstich
Intensive Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken → Überhitzung der Schädelregion → Reizung der Hirnhäute und ggf. des oberflächlichen Hirngewebes → lokale Entzündungsreaktion, in schweren Fällen Hirnödem
Klinischer Eindruck
Notfallbild
Typisches klinisches Bild
Hautbefund
Sonnenstich
Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Schwindel
Übelkeit, Erbrechen
Ggf. Fotophobie
Körperkerntemperatur meist normal oder nur leicht erhöht
Meist gerötete, warme Gesichtshaut
Hitzeödem
Ödeme an Unterschenkeln und Knöcheln
Lokale Schwellungen der Unterschenkel und Knöchel
Hitzesynkope
Kurzzeitige Synkope
Zügiges Wiedererlangen des Bewusstseins ohne neurologische Aufälligkeiten
Häufig blasse, teilweise kaltschweißige Haut
Hitzekrämpfe
Schmerzhafte Muskelkrämpfe oder -zuckungen
Oft nach körperlicher Belastung
Kein charakteristischer Hautbefund, häufig verschwitzte Haut
Hitzeerschöpfung
Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit
Hypotonie und Tachykardie
Körperkerntemperatur meist < 40 °C
Keine ausgeprägten neurologischen Ausfälle
Meist starkes Schwitzen mit kühler bis feuchter Haut
Initial oft stark schwitzend, im Verlauf häufig heiße, trockene und gerötete Haut
Diagnostik
Inspektion:
Hautbefund:
Sonnenstich: meist gerötete, warme Gesichtshaut.
Hitzeerschöpfung: häufig blasse, kühle bis feuchte Haut mit starker Schweißsekretion.
Hitzschlag: initial oft stark schwitzende Haut, im Verlauf häufig heiße, trockene und schweißarme Haut. Das Hautkolorit ist größtenteils gerötet, bei schwerer Kreislaufstörung auch grau oder marmoriert
Dehydratationszeichen: trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor und stehende Hautfalten
Meningismus: auf Nackensteifigkeit oder Nackenschmerzen als Hinweis auf einen Sonnenstich oder wichtige Differenzialdiagnosen (z.B. Meningitis) achten
Palpation:
Hauttemperatur:Erhöhte Hauttemperatur als Hinweis auf eine Hyperthermie
Beim Hitzschlag ist die Haut häufig heiß, initial oft feucht, im Verlauf jedoch häufig trocken und schweißarm
Rekapillarisierungszeit:Verlängerte Rekapillarisierungszeit als Hinweis auf eine Hypovolämie oder eingeschränkte periphere Perfusion infolge einer Kreislaufinstabilität
Pulsqualität:Tachykarder, ggf. schwach tastbarer Puls als Ausdruck von Hypovolämie und kompensatorischer Kreislaufreaktion
Bei Elektrolytstörungen auf Herzrhythmusstörungen achten
Perkussion:
Ein spezifischer perkutorischer Befund für Sonnenstich, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag besteht jedoch nicht
Bei abdominellen Beschwerden oder geblähtem Abdomen ergänzend perkutieren
Auskultation:
Lunge:Atemgeräusche beurteilen
Feuchte Rasselgeräusche können beim Hitzschlag auf ein nichtkardiales Lungenödem oder ein ARDS hinweisen
Therapie
Basismaßnahmen:
Hitzeexposition beenden: Die betroffene Person aus der Hitze in eine schattige oder kühle Umgebung bringen, körperliche Belastung sofort beenden und überschüssige Kleidung entfernen
Lagerung:
Kreislaufstabile Patient:innen: Bequeme Lagerung; bei Schwindel oder orthostatischen Beschwerden vorzugsweise in Flachlagerung
Hypotonie oder ausgeprägter Volumenmangel:Flachlagerung, gegebenenfalls mit Hochlagerung der Beine zur Verbesserung des venösen Rückstroms
Sauerstoffgabe: bedarfsorientierte Sauerstofftherapie bei Hypoxämie oder respiratorischer Beeinträchtigung
Angepasstes Atemwegsmanagement:Sicherung und regelmäßige Kontrolle der Atemwege bei Vigilanzminderung oder Bewusstseinsstörung
Monitoring und Basisdiagnostik: Kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck- und Atemfrequenzkontrollen sowie wiederholte Temperaturmessungen
Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs zur Volumentherapie sowie für weiterführende therapeutische Maßnahmen.
Flüssigkeitssubstitution: Bei wachen, kooperativen Patient:innen mit sicherem Schluckaktkühle Getränke anbieten. Bei Bewusstseinsstörung, Erbrechen oder Aspirationsgefahrkeine orale Flüssigkeitsgabe.
Verlaufskontrolle: Auf eine zunehmende Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle, Hypotonie oder respiratorische Insuffizienz achten
Transportentscheidung: Bei Hitzschlag unverzüglicher Transport in eine geeignete Klinik. Kühlungsmaßnahmen und Monitoring während des Transports konsequent fortführen
Spezifische Maßnahmen:
Befund
Konsequenz
Wach, kreislaufstabil und ohne neurologische Auffälligkeiten
Symptomatische Therapie mit lokaler Kühlung, Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich sowie engmaschiger Verlaufskontrolle
Bei Verdacht auf Sonnenstich vorrangigden Kopf- und Nackenbereich kühlen
Bei unkompliziertem Sonnenstich ist gegebenenfalls eine ambulante Weiterbehandlung möglich
Anhaltende Beschwerden, Erbrechen, relevante Hypotonie oder fehlende klinische Besserung
Intravenöse Flüssigkeitstherapie500 ml VEL, angepasst an klinischen Zustand
Engmaschiges Monitoring
Antiemese erwägen, z.B. mit Ondansetron 4 mg i.v.
Stationäre Abklärung und Überwachung
Bewusstseinsstörung, Delir, Krampfanfälle oder ausgeprägte Hyperthermie
Verdacht auf Hitzschlag: Sofortige aktive Kühlung
Sicherung der Vitalfunktionen und kontinuierliches Monitoring
Intravenöse Flüssigkeitstherapie 500-1000 ml VEL, angepasst an klinischen Zustand
Ggf. Therapie von Krampfanfällen, z.B. mit Midazolam <40 kgKG: 5 mg i.v., >40 kgKG: 10 mg i.v., ggf. 1x wiederholen
Transport:Unverzüglicher Transport in eine geeignete Klinik bei fortgesetzter Kühlung
Besondere Situationen
Merkmal
Klassischer Hitzschlag
Sportinduzierter Hitzschlag
Typische Betroffene
Vor allem Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke
Vor allem junge, gesunde und körperlich aktive Personen
Typische Situation
Meist während Hitzeperioden oder Hitzewellen
Während intensiver körperlicher Belastung, auch bei gemäßigten Außentemperaturen
Körperliche Aktivität
Meist keine oder geringe körperliche Belastung
Ausgeprägte körperliche Belastung
Vorerkrankungen
Häufig relevante Begleiterkrankungen
Meist keine relevanten Vorerkrankungen
Medikamenteneinnahme
Häufig Medikamente, die die Thermoregulation oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen
Meist keine entsprechende Medikation
Pathophysiologie
Übermäßige Wärmeaufnahme aus der Umgebung bei unzureichender Wärmeabgabe
Übermäßige körpereigene Wärmeproduktion mit Überforderung der Wärmeabgabe
Schweißsekretion
Schweißproduktion häufig vermindert oder fehlend, Haut kann trocken sein
Schweißproduktion meist erhalten, Haut häufig feucht
Zentrale neurologische Störungen
Häufig
Häufig
Transport
Die Wahl des Zielkrankenhauses richtet sich nach dem klinischenSchweregrad, dem Ausmaß der Hyperthermie, neurologischenSymptomen sowie dem Verdacht auf Organfunktionsstörungen oder andere Komplikationen.
Leichte hitzebedingte Erkrankungen (z.B. Hitzekrämpfe, Hitzeödeme, Hitzesynkope oder leichte Hitzeerschöpfung): Bei vollständiger Symptomrückbildung und stabilem Allgemeinzustand ist häufig keine stationäre Behandlung erforderlich. Andernfalls Transport in ein Krankenhaus zur weiteren Diagnostik und Überwachung
Schwere Hitzeerschöpfung: Transport in ein Krankenhaus mit internistischer oder notfallmedizinischer Versorgung zur weiteren Diagnostik, Flüssigkeitstherapie und Überwachung
Hitzschlag: Transport in ein Krankenhaus mit intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit, da aufgrund der potenziellen Multiorganbeteiligung eine intensivmedizinische Überwachung und Therapie erforderlich ist
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Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Dehydratationsprophylaxe
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