Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es infolge erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) zur Ablagerung von Harnsäurekristallen (Uratkristallen) in Gelenken und Geweben kommt. Die akute Entzündung des betroffenen Gelenks (Gichtarthritis) wird als Gichtanfall bezeichnet. Der häufigste Manifestationsort eines akuten Gichtanfalls ist das Großzehengrundgelenk. Die Erkrankung verläuft schubweise und äußert sich im Akutstadium durch starke Schmerzen, Schwellung, Rötung und Überwärmung des betroffenen Gelenks.
Mögliche Ursachen für die Entstehung einer Hyperurikämie sind bspw. eine purinreiche Ernährung, die Einnahme bestimmter Medikamente oder Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Adipositas. Die Hauptursache (etwa 90% der Fälle) ist jedoch eine genetische Determination.
Bei einem akuten Gichtanfall steht die Behandlung der Symptome im Vordergrund. Dabei kommen verschiedene entzündungshemmende Medikamente (z.B. NSAR, Cholchicin oder Prednisolon) zum Einsatz. Langfristiges Ziel ist die Senkung des Harnsäurespiegels, wobei neben medikamentösen Interventionen auch diätetische Maßnahmen eine Rolle spielen.
Ernährungsempfehlungen
Bei der Behandlung von Hyperurikämie und Gicht stellt die Ernährung einen der wichtigsten beeinflussbaren Faktoren dar. Auch hier gelten im Allgemeinen die Grundsätze einer vollwertigen und pflanzenbetonten Mischkost. Darüber hinaus ist es ratsam, auf eine purinreduzierte Ernährung zu achten.
Bei Vorliegen weiterer Stoffwechselerkrankungen sollte die Zusammensetzung der Nahrung in Absprache mit dem/der Arzt/Ärztin entsprechend angepasst werden. Eine konsequent durchgeführte Ernährungstherapie kann entscheidend dazu beitragen, die Harnsäurekonzentration im Blut zu senken.
Allgemeine Empfehlungen
Körpergewicht:
Übergewicht vermeiden bzw. Normalgewicht anstreben (Ziel: BMI <25 kg/m2)
Die Gewichtsreduktion sollte langsam erfolgen (max. 2-3 kg pro Monat)
Achtung
Die Gewichtsreduktion sollte langsam erfolgen → Eine zu rasche Gewichtsabnahme kann Gichtanfälle auslösen!
Flüssigkeitszufuhr:
Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, wird eine Trinkmenge von 2-3 l/Tag empfohlen (→ Harnsäureausscheidung über den Urin↑)
Die Flüssigkeit sollte vorwiegend in Form von Wasser aufgenommen werden
Als Alternative zu Wasser eignen sich auch ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees und Kaffee
Lebensmittelauswahl:
Patient:innen sollten darüber aufgeklärtwerden, dass der Konsum bestimmter Lebensmittel mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Gichtanfällen verbunden ist. Dazu zählen in erster Linie:
Alkohol: insbesondere Bier (auch alkoholfreies Bier) und hochprozentiger Alkohol
Fruktosehaltige Getränke (z.B. Limonade oder Fruchtsäfte)
Fleisch (v.a. Innereien & Haut), Fisch und Schalentiere
Für Patient:innen mit Gicht gilt eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung allgemein als empfehlenswert
Bei reduziertem Fleisch- und Fischkonsum eignen sich Milchprodukte und Eier als purinarme, alternative Proteinquellen
Tipp
Hinweise zur praktischen Umsetzung
Bei Fleisch & Wurstwaren empfiehlt sich die Bevorzugung fettarmer Varianten
Fisch kann den Speiseplan 1 x pro Woche ergänzen. Bestimmte Fischarten wie Sprotten oder Ölsardinen enthalten besonders viel Purin und sollten daher vermieden werden.
Bei Fisch und Geflügel die Haut entfernen
Info
In der aktuellen S2-Leitlinie zu Gichtarthritis werden Milchprodukte, Kaffee undFolsäureals protektive Faktoren aufgeführt.
Insgesamt sollte die Harnsäurezufuhr500 mg/Tag nicht überschreiten. Während eines akuten Gichtanfalls wird eine strengere Reduktion auf ca. 300 mg/Tag empfohlen.
Die Angabedes Purin- bzw. Harnsäuregehaltes ist bei Lebensmitteln nicht verpflichtend. Zur Einhaltung der Zufuhrempfehlungen können offizielle Purintabellen herangezogen werden. Die in den verschiedenen Lebensmitteltabellen angegebenen Werte können leicht voneinander abweichen, da sie u.a. von der Verarbeitung der Produkte abhängen. Dennoch lassen sich mithilfe entsprechender Tabellen v.a. besonders purinreiche Lebensmittel identifizieren.
→ Umrechnung: 1 mg Purin wird in 2,4 mg Harnsäure umgewandelt
Im Vergleich zu anderen Lebensmittelt enthält Bier mit einem Äquivalent von ca. 10-15 mg/Harnsäure pro 100 g eher wenig Purine. Trotzdem gilt die Empfehlung, den Konsum alkoholischer Getränke (insb. Bier) einzuschränken.
Gründe:
Bier wird i.d.R. in höheren Mengen verzehrt als feste Nahrungsmittel
Alkoholische Getränke haben generell einen Einfluss auf den Harnsäurestoffwechsel (Harnsäureproduktion↑)
Bier enthält größtenteils spezifische Purine (Guanosine), die im Vergleich zu anderen Purinen effizienter in Harnsäure umgewandelt werden können
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