Zusammenfassung
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es infolge erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie
Mögliche Ursachen für die Entstehung einer Hyperurikämie
Bei einem akuten Gichtanfall steht die Behandlung der Symptome im Vordergrund. Dabei kommen verschiedene entzündungshemmende Medikamente (z.B. NSAR
Ernährungsempfehlungen
Bei der Behandlung von Hyperurikämie
Bei Vorliegen weiterer Stoffwechselerkrankungen sollte die Zusammensetzung der Nahrung in Absprache mit dem/der Arzt/Ärztin entsprechend angepasst werden. Eine konsequent durchgeführte Ernährungstherapie
Allgemeine Empfehlungen
Körpergewicht:
- Übergewicht vermeiden bzw. Normalgewicht anstreben (Ziel: BMI
<25 kg/m2) - Die Gewichtsreduktion sollte langsam erfolgen (max. 2-3 kg pro Monat)
AchtungDie Gewichtsreduktion sollte langsam erfolgen → Eine zu rasche Gewichtsabnahme kann Gichtanfälle auslösen!
Flüssigkeitszufuhr:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, wird eine Trinkmenge von 2-3 l/Tag empfohlen (→ Harnsäureausscheidung
über den Urin↑) - Die Flüssigkeit sollte vorwiegend in Form von Wasser aufgenommen werden
- Als Alternative zu Wasser eignen sich auch ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees und Kaffee
Lebensmittelauswahl:
- Patient:innen sollten darüber aufgeklärt werden, dass der Konsum bestimmter Lebensmittel mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Gichtanfällen verbunden ist. Dazu zählen in erster Linie:
- Alkohol: insbesondere Bier (auch alkoholfreies Bier) und hochprozentiger Alkohol
- Fruktosehaltige Getränke (z.B. Limonade oder Fruchtsäfte)
- Fleisch (v.a. Innereien & Haut), Fisch und Schalentiere
- Beispiele für Lebensmittel mit niedrigem Puringehalt: Milch- & Milchprodukte, Eier, Getreideprodukte, Gemüse, Obst
- Für Patient:innen mit Gicht gilt eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung allgemein als empfehlenswert
- Bei reduziertem Fleisch- und Fischkonsum eignen sich Milchprodukte und Eier als purinarme, alternative Proteinquellen
TippHinweise zur praktischen Umsetzung
- Bei Fleisch & Wurstwaren empfiehlt sich die Bevorzugung fettarmer Varianten
- Fisch kann den Speiseplan 1 x pro Woche ergänzen. Bestimmte Fischarten wie Sprotten oder Ölsardinen enthalten besonders viel Purin und sollten daher vermieden werden.
- Bei Fisch und Geflügel die Haut entfernen
InfoIn der aktuellen S2-Leitlinie zu Gichtarthritis werden Milchprodukte, Kaffee und Folsäure
als protektive Faktoren aufgeführt.
Insgesamt sollte die Harnsäurezufuhr 500 mg/Tag nicht überschreiten. Während eines akuten Gichtanfalls wird eine strengere Reduktion auf ca. 300 mg/Tag empfohlen.
Die Angabe des Purin- bzw. Harnsäuregehaltes ist bei Lebensmitteln nicht verpflichtend. Zur Einhaltung der Zufuhrempfehlungen können offizielle Purintabellen herangezogen werden. Die in den verschiedenen Lebensmitteltabellen angegebenen Werte können leicht voneinander abweichen, da sie u.a. von der Verarbeitung der Produkte abhängen. Dennoch lassen sich mithilfe entsprechender Tabellen v.a. besonders purinreiche Lebensmittel identifizieren.
→ Umrechnung: 1 mg Purin wird in 2,4 mg Harnsäure
| Lebensmittel | Puringehalt (mg/100 g) | Gebildete Harnsäure |
| Milch & Milchprodukte | 0 | 0 |
| Eier | 2 | 5 |
| Tomaten | 4 | 10 |
| Kartoffeln | 6 | 15 |
| Mischbrot | 19 | 46 |
| Haferflocken | 42 | 100 |
| Putenschnitzel | 50 | 120 |
| Kabeljau | 50 | 120 |
| Bratwurst | 52 | 125 |
| Linsen | 84 | 200 |
| Hähnchenbrust | 78 | 187 |
| Muscheln | 125 | 300 |
| Sardinen | 140 | 336 |
| Hefe | 292 | 700 |
InfoHarnsäurespiegel und Bierkonsum
Im Vergleich zu anderen Lebensmittelt enthält Bier mit einem Äquivalent von ca. 10-15 mg/Harnsäure
pro 100 g eher wenig Purine. Trotzdem gilt die Empfehlung, den Konsum alkoholischer Getränke (insb. Bier) einzuschränken.
- Gründe:
- Bier wird i.d.R. in höheren Mengen verzehrt als feste Nahrungsmittel
- Alkoholische Getränke haben generell einen Einfluss auf den Harnsäurestoffwechsel (Harnsäureproduktion↑)
- Bier enthält größtenteils spezifische Purine (Guanosine), die im Vergleich zu anderen Purinen effizienter in Harnsäure
umgewandelt werden können
Quellen
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM)
- S2e-Leitlinie Gichtarthritis, Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
- Biesalski H, Grimm P, Nowitzki-Grimm S: Taschenatlas Ernährung, Georg Thieme Verlag, 2020, ISBN: 978-3-13-242607-8
- Biesalski H et al.: Ernährungsmedizin, Georg Thieme Verlag, 2017, ISBN: 978-3-13-100295-2

