Medi Know
Logo Image

Immobilisation (RD)

27 Minuten Lesezeit

Die Immobilisation von Patient:innen ist eine zentrale Maßnahme im Rettungsdienst, um weitere Verletzungen zu verhindern und Schmerzen zu reduzieren. Sie dient der Stabilisierung verletzter Körperregionen, der Schonung von Strukturen wie Knochen, Muskeln, Sehnen und Bändern sowie dem Schutz empfindlicher Organe, insbesondere des Rückenmarks und des Gehirns. 

Je nach Verletzungsort, Schweregrad und Einsatzsituation stehen unterschiedliche Hilfsmittel zur Verfügung, von einfachen Dreieckstüchern bis hin zu spezialisierten Systemen wie Vakuummatratzen oder Beckenschlingen. Auszubildende zu Notfallsanitäter:innen sollten die Funktionsweise, Anwendungsgebiete und Grenzen der einzelnen Geräte kennen, um im Einsatz schnell und zielgerichtet entscheiden zu können. Die Auswahl des richtigen Immobilisationsmittels hängt dabei nicht nur von der medizinischen Indikation, sondern auch von praktischen Faktoren wie dem Transportweg, den Platzverhältnissen und den verfügbaren Ressourcen ab. 

Ziel dieses Artikels ist es, die gängigen Immobilisationsmöglichkeiten praxisnah vorzustellen und in einen logischen Ablauf einzuordnen, wie er auch in realen Einsatzszenarien vorkommt. So erhältst du eine klare Orientierung darüber, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll sind, von der Sicherung der Halswirbelsäule über die Ganzkörperimmobilisation bis hin zur Stabilisierung einzelner Extremitäten.

 Achtung
Kommunikation

Jeder Schritt und jede Maßnahme muss den Patientinnen und Patienten kommuniziert werden. Dies senkt die Angst vor den getroffenen Maßnahmen und hilft bei der Compliance der Patient:innen.

Zervikalstütze

Synonyme: Halskrause, Stifneck®️

Indikation:

  • Verdacht auf HWS-Trauma:
    • NEXUS-Kriterien: Druckschmerz über der Mittellinie der HWS, fokales neurologisches Defizit, verminderte Vigilanz, Hinweis auf Intoxikation, ablenkende schmerzhafte Verletzung
    • Canadian-C-Spine-Rule: Hochrisiko (≥ 65 Jahren, gefährlicher Mechanismus, Parästhesien) oder fehlende Niedrigrisikofaktoren
Algorithmus- Wirbelsäulenimmobilisation (RD)
Canadian C-Spine Rule: Entscheidungsregel für die Bildgebung bei HWS-Trauma
 Achtung

Es wird nicht mehr standardmäßig jeder Patient / jede Patientin immobilisiert. Beachte die NEXUS-Kriterien und die Canadian C-Spine Rule, aus denen sich die Indikation für eine Wirbelsäulenimmobilisation ergibt. Außerdem wird nicht nur die Halswirbelsäule isoliert immobilisiert, da die Zervikalstütze nur den oberen Teil der HWS immobilisiert.

Kontraindikation:

  • Schädel-Hirn-Trauma mit möglichem Anstieg des intrakraniellen Drucks (ICP) → aufgrund der angelegten Zervikalstütze und ggf. reduziertem venösem Fluss aus den Halsgefäßen
  • Verletzungen, die eine Anlage nicht möglich machen → manuelle Inline Stabilisierung
Anlage Zervikalstütze

Durchführung:

  1. Beurteilung nach NEXUS und Canadian-C-Spine-Rule → Indikation für Zervikalstütze feststellen
  2. Manuelle Inline-Stabilisierung (MILS) durchführen
  3. Individuelle Anpassung der Zervikalstütze:
    1. Mit einer Hand (Anzahl der Finger) den Abstand von Kinn zur Schulter messen
    2. Hand an der Markierung der Zervikalstütze anlegen und auf entsprechende Höhe einstellen (je nach Hersteller unterschiedliche Einstellbarkeit)
    3. Fixierung der Höhe
  4. Anbringen der Zervikalstütze:
    1. Zervikalstütze in eine Hand nehmen, sodass mit dieser in einer Art „Würgegriff“, diese frontal an den Patienten / die Patientin angelegt werden kann
    2. Mit der zweiten Hand die Zervikalstütze hinter dem Hals entlang führen und mit dem Klettverschluss entsprechend fest verschließen
    3. Patient:in muss den Mund öffnen können, aber keine Nickbewegung durchführen können
  5. Manuelle Inline-Stabilisierung wird erst nach entsprechender Ganzkörperimmobilisation (mit zusätzlicher Kopffixierung) gelöst

Benötigtes Material:

  • Zervikalstütze
  • Spineboard / Kombinationsboard / Vakuummatratze / Rettungskorsett

Alternativen:

  • Manuelle Inline-Stabilisierung
  • Rettungskorsett
  • Vakuummatratze mit Kopffixierung
  • Spineboard / Kombinationsboard mit Kopffixierung

Rettungskorsett

Synonyme: KED-System®️, KED-Rettungskorsett®️, Kendrick Extrication Device®️

Indikation:

  • Immobilisation und achsengerechte Rettung bei Wirbelsäulenverletzungen → Reduktion der Rotationsbewegung der Wirbelsäule bei Befreiung aus einem Fahrzeug

Kontraindikation:

  • Lebensbedrohliche Zustände, die eine schnelle Rettung benötigen
  • Schwangere ab dem 2. Trimenon → Rettungskorsett übt Druck auf den Bauch aus
  • Verletzungen von Beinen oder Becken
  • Bewusstlosigkeit 
Anlage Rettungskorsett

Durchführung:

  1. Vorbereitung:
    1. Zervikalstütze anlegen
    2. Fahrtrage und Vakuummatratze vorbereiten
    3. Rettungskorsett mit allen Gurten und Kopfpolster bereitlegen
  2. Anlegen:
    1. Rettungskorsett hinter dem Rücken der sitzenden Person positionieren
    2. Fixierung der Gurte:
      1. Mittlerer Gurt
      2. Unterer Gurt
      3. Oberer Gurt
      4. Beingurte
    3. Kopfpolster zwischen Hinterkopf und Rettungskorsett legen → Kopffixierung mit Stirn- und Kinnband
    4. Kontrolle auf festen Sitz!
  3. Schonende Befreiung aus dem Fahrzeug → Rückenlagerung auf Fahrtrage → idealerweise in Kombination mit einer Vakuummatratze
 Tipp

Die Gurte können am besten durch Sägebewegungen unter der Patientin oder dem Patienten hindurchgeführt werden. Dabei wird nicht ruckartig Zug aufgebaut, sondern vielmehr viele kleine Bewegungen vor und zurück durchgeführt, um den Gurt auch gegen Widerstand zu bewegen. 

Benötigtes Material:

  • Rettungskorsett
  • Zervikalstütze
  • Vakuummatratze
  • Ggf. mit Spineboard oder Kombinationsgerät ergänzen

Alternativen:

  • Spineboard / Kombinationsboard

Spineboard / Kombinationsboard

Synonyme: Rettungsbrett, CombiCarrier®️, Combi-Stretcher®️

Indikation:

  • Verdacht auf Wirbelsäulentrauma
  • Trauma mit Bewusstlosigkeit oder Bewusstseinstrübung bei gegebenem Airwaymanagement
  • Polytrauma
  • Rettung aus unwegsamem Gelände
  • Kombinationsboard: zusätzlich Umlagerung auf Transportmittel → bspw. auf Vakuummatratze

Kontraindikation:

  • Längere Transportwege: Gefahr der Druckschäden, Hypothermie → Primärrettung → Transport besser in Vakuummatratze
  • Isolierte Extremitätenverletzung
  • Schwangere in Rückenlage → Gefahr des Vena-cava-Kompressionssyndroms
Spineboard / Kombinationsboard

Durchführung:

Es gibt verschiedene Szenarien, hier gehen wir auf die Aufnahme der am Boden liegenden Person ein:

  1. Vorbereitung:
    1. Spineboard mit Gurtsystem und Kopffixierung bereitlegen
    2. Manuelle Fixierung des Kopfes, ggf. zusätzliche Anlage einer Zervikalstütze
    3. Fahrtrage vorbereiten
  2. Anwendung:
    1. Manuelle Fixierung des Kopfes bleibt bestehen→ Kopfhelfer:in hat das Kommando
    2. Spineboard wird seitlich neben der Person positioniert, Überstand am Kopf etwa ⅓ der Länge des Spineboards
    3. Koordiniertes achsengerechtes Drehen des Körpers, an Schulter und Hüfte
    4. Spineboard wird nun am Rücken mit Überstand positioniert
    5. Koordinierte Drehung inkl. Spineboard auf den Rücken
    6. Endgültige Ausrichtung des:r Patient:in auf dem Spineboard durch koordiniertes und gleichmäßiges kopfwärtsschiebender Bewegung → meist erfolgt die Bewegung durch Griffe an Schultern und Hüfte

       Info

      Nach der Drehung auf das Spineboard liegt der:die Patient:in meist nicht genau mittig auf dem Spineboard. Da ein seitliches Schieben zu potenziellem Schaden der ggf. verletzten Wirbelsäule führt, wird das Kopfwärtsschieben bevorzugt. 

  3. Fixierung:
    1. Anbringen des Gurtsystems („Spinne“)
      1. Gerades Auslegen und Verschieben der Gurte auf die korrekte Position
      2. Schultergurte leicht befestigen
      3. Fußgurte befestigen → mittlere Gurtführung sollte nun straff und mittig gespannt sein
      4. Nach und nach die anderen Gurte einfädeln und leicht festmachen → immer in dieselben Ösen einfädeln
      5. Gurtfixierung erfolgt von oben nach unten:
        1. Brustgurt → hierbei soll die Person einatmen → dann erst festziehen
        2. Beckengurt
        3. Oberschenkelgurt
      6. Gurte auf keinen Gelenken oder Bauch anbringen → Verletzungsgefahr!
    2. Kopffixierung anbringen → auf die manuelle Fixierung kann nach Anbringen der Blocks und des Kinn- und des Stirngurtes verzichtet werden
  4. TransportSpineboard auf der Fahrtrage zusätzlich sichern

Weitere Anwendungsmöglichkeiten:

Stehende:r Patient:in → z.B. bei Wirbelsäulenverletzung oder Bandscheibenvorfall

  1. Vorbereitung:
    1. Spineboard mit Gurtsystem und Kopffixierung bereitlegen
    2. Manuelle Fixierung des Kopfes, ggf. zusätzliche Anlage einer Zervikalstütze
    3. Fahrtrage vorbereiten
  2. Anwendung:
    1. Spineboard hinter Patient:in aufstellen
    2. Beide Helfer:innen positionieren sich seitlich der Person und schauen Richtung Spineboard
    3. Die jeweils innenliegenden Hände werden unter den Achseln an das Spineboard geführt, während die andere Hand jeweils das Spineboard zusätzlich fixiert
    4. Nun wird in langsamen Bewegung und großer Vorsicht die Person samt Spineboard auf den Rücken gelegt
    5. Das Spineboard hat nun einen Überstand am Kopf → endgültige Ausrichtung des:r Patient:in auf dem Spineboard durch koordiniertes und gleichmäßige, kopfwärtsschiebende Bewegung → Griffe an Schultern und Hüfte
  3. Fixierung:
    1. Anbringen des Gurtsystems („Spinne“)
      1. Gerades Auslegen und Verschieben der Gurte auf die korrekte Position
      2. Schultergurte leicht befestigen
      3. Fußgurte befestigen → mittlere Gurtführung sollte nun straff und mittig gespannt sein
      4. Nach und nach die anderen Gurte einfädeln und leicht festmachen → immer in dieselben Ösen einfädeln
      5. Gurtfixierung erfolgt von oben nach unten:
        1. Brustgurt → hierbei soll die Person einatmen → dann erst festziehen
        2. Beckengurt
        3. Oberschenkelgurt
      6. Gurte auf keinen Gelenken oder Bauch anbringen → Verletzungsgefahr!
    2. Kopffixierung anbringen
  4. TransportSpineboard auf der Fahrtrage zusätzlich sichern
 Tipp
Rettung mit Spineboard / Kombinationsgerät aus Fahrzeug

Um eine verletzte Person aus einem Fahrzeug zu retten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Diese sollten regelmäßig in der Praxis geübt und besprochen werden, beispielsweise in der Rettungsdienstschule, im Rahmen von Simulationstrainings oder bei Übungen auf der Rettungswache.

Benötigtes Material:

  • Spineboard / Kombinationsboard mit Gurtsystem und Kopffixierung
  • Ggf. Zervikalstütze
  • Fahrtrage
  • Bei Kombinationsboard ggf. zusätzlich Vakuummatratze

Alternativen:

  • Schaufeltrage und Vakuummatratze
  • Rettungskorsett
 Merke
Transport

Das Spineboard dient primär der Rettung aus dem Gefahrenbereich (Primärrettung). Für den anschließenden Transport sollte nach Möglichkeit eine Vakuummatratze verwendet werden. Wird das Spineboard dennoch für den Transport eingesetzt, ist auf eine korrekte Fixierung der Patient:in sowie auf die zusätzliche Sicherung auf der Trage zu achten.

Außerdem soll die Liegezeit möglichst kurz sein, da ansonsten insbesondere bei älteren Personen Druckstellen entstehen können. 

Vakuummatratze

Indikation:

  • Schonende Immobilisation bei Verdacht auf (traumatische) Wirbelsäulenverletzungen
  • Polytrauma
  • Verdacht auf Beckenfrakturen oder Verletzungen der unteren Extremitäten
  • Ruhigstellung und schonende Lagerung bei Schmerz

Kontraindikation:

  • Fehlender Platz oder technische Hindernisse
  • Patient:innen mit extremer Klaustrophobie oder Panik unter Immobilisation → empathisch aufklären und beruhigen
Vakuummatratze

Durchführung:

  1. Vorbereitung:
    1. Vakuummatratze auf der Fahrtrage oder auf dem Boden ausbreiten und glatt streichen → Kügelchen gleichmäßig verteilen
    2. Umbetttuch mittig auf die Vakuummatratze platzieren
    3. Schaufeltrage oder anderes geeignetes Umlagerungsgerät vorbereiten
    4. Vakuumpumpe an das Ventil anschließen, Ventil vorerst noch geöffnet lassen
    5. Kopf achsgerecht („in-line“) manuell fixieren, ggf. zusätzlich Zervikalstütze verwenden
  2. Anwendung:
    1. Patient:in mithilfe der Schaufeltrage oder eines anderen Gerätes achsgerecht aufnehmen → siehe Schaufeltrage
    2. Auf Vakuummatratze schonend umlagern
    3. Vorsichtiges Entfernung der Schaufeltrage
    4. Vakuummatratze körpergerecht durch geringen Druck modellieren
    5. Gurte verschließen
    6. Während der Umlagerung dauerhafte Fixierung des Kopfes
    7. Vakuummatratze mit der Vakuumpumpe absaugen → bis komplette Matratze ausgehärtet ist → Ventil schließen
    8. Gurte nachziehen
  3. Tragengurte zusätzlich anlegen → Vakuummatratze auf Fahrtrage sichern

Benötigtes Material:

  • Vakuummatratze
  • Vakuumpumpe
  • Umbetttuch
  • Schaufeltrage, Kombinationsboard oder Spineboard
  • Fahrtrage
  • Ggf. Zervikalstütze

Alternativen:

  • Spineboard / Kombinationsboard
  • Rettungskorsett → bei isolierter Wirbelsäulenverletzung

Beckenschlinge

Synonyme: SAM Pelvic Sling®️, T-POD®️

Indikation:

  • Hinweise auf instabile Beckenringverletzung und hämodynamischer InstabilitätS-KIPS-Schema beachten
 Merke
S-KIPS-Schema
  • Dient der Indikationsstellung zur Beckenstabilisierung bei Verdacht auf eine Beckenverletzung, ersetzt das veraltete KISS-Schema
  • Schock: vorliegen einer hämodynamischen Instabilität und mindestens eines der folgenden Kriterien:
    • Kinematik: Mechanismus mit möglicher Beckenbeteiligung
    • Inspektion: sichtbare Beckenverletzung (Deformitäten, Hämatome oder offene Wunden im Beckenbereich, etc.)
    • Palpation: Frakturverdacht bei vorsichtiger seitlicher Palpation
    • Schmerzen: Spontan- oder Druckschmerz im Bereich des Beckens

Kontraindikation:

  • Fehlende Indikation für die Anlage der Beckenschlinge
Beckenschlinge

Durchführung:

  1. Fixierung der Beine in der Innenrotationsstellung:
    1. Beine werden vorsichtig in die Innenrotationsstellung gebracht
    2. Gurt oder Dreiecktuch oder ähnliches bindet Beine zusammen und fixiert sie in der Innenrotationsstellung
      1. Alternativ kann auch bspw. die Verpackung der Beckenschlinge über die Fußspitzen gestülpte werden, um so die Füße zu fixieren
  2. Anlage der Beckenschlinge:
    1. Die Hosentaschen des Patienten / der Patientin leeren
      1. Im besten Fall wird zu diesem Zeitpunkt zwecks einer ordentlichen Untersuchung keine (Ober-)Bekleidung mehr getragen
    2. Beckenschlinge unter den Knien durchziehen und mittig platzieren
    3. Trochanter major tasten → Beckenkamm tasten, durch eine sanfte abwärts Bewegung wird erst eine Kuhle ertastet und dann der Trochanter major (seitlicher Vorsprung des Femur)
    4. Variante 1: Ein:e Helfer:in positioniert sich über dem Becken des Patienten / der Patientin und hebt vorsichtig und minimal das Becken auf beiden Seiten gleichzeitig an, Helfer:in 2 zieht vorsichtig die Beckenschlinge in Position
    5. Variante 2: Beide Helfer:innen positionieren sich seitlich des Beckens (eine Hand am Becken, die andere an der Beckenschlinge), Becken wird gleichzeitig minimal und vorsichtig angehoben, gleichzeitig wird die Beckenschlinge in Position gezogen (z.B. mit einer „Sägebewegung“)
    6. Beckenschlingenmodell schließen und gegen erneutes öffnen sichern
      1. Der genaue Verschluss der Beckenschlinge ist stark von dem Modell abhängig

 

Positionierung der Beckenschlinge auf Höhe des Trochanter major.
Anlegen einer Beckenschlinge
 Tipp

Übe das Anlegen der Beckenschlinge mit dem jeweils vorgehaltenen Modell!

 Achtung
Fehlpositionierung: kraniale Anlage der Beckenschlinge
No Go!

Einer der häufigsten Fehler ist, dass die Beckenschlinge zu weit kranial angelegt wird. Dadurch wird Druck auf die Ossis ilii (Darmbeine) ausgeübt und das Becken im kaudalen Bereich geöffnet. Blut kann dann sogar besser ins Becken austreten und die Person ist stärker gefährdet

Benötigtes Material:

  • Beckenschlinge
  • Gurt, Dreiecktuch oder Ähnliches für die Fixierung der Beine

Alternativen:

  • Decke → nur bei fehlender Beckenschlinge
    • Funktioniert auch mit einer Rettungsdecke gut
Alternative Beckeschlinge
Alternative Beckenschlinge mit Decke

Dreiecktuch

Indikation:

  • Verdacht auf Fraktur / Luxation von Clavicula, Schultergürtel, Humerus, Ellbogen sowie Unterarm, Handgelenk /Hand (teils in Verbindung mit Aluminiumpolsterschiene)
  • Ruhigstellen nach Reposition bis Kontrolle in der Klinik

Kontraindikation:

  • Starke Fehlstellung, die weitere Immobilisation erfordern
Dreiecktuch zur Ruhigstellung Arm

Durchführung:

  1. Patient:in oder Helfer:in hält den verletzten Arm in einer schmerzfreien Position → am besten angewinkelt und vor dem Oberkörper
  2. Dreiecktuch auffalten
    1. Es entsteht eine lange und zwei kurze Seiten
    2. Beide kurze Seiten sind über einen rechten Winkel verbunden
    3. Auf Höhe des rechten Winkels einen Knoten machen
  3. Ellbogen vor dem Knoten positionieren
  4. Beide Enden vor und hinter dem Arm nach oben Richtung Hals ziehen und im Nacken verknoten
  5. Ggf. weiteres Dreiecktuch oder Verband um den Brustkorb wickeln und somit die Armschlinge fixieren
 Info

Der Unterarm soll vom Ellenbogen an bis zur Hand im Dreiecktuch liegen. Die Hand darf nicht abgeknickt aus dem Dreiecktuch heraushängen. 

Die Fingerkuppen sollen allerdings gut erreichbar sein, um die periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität weiterhin überprüfen zu können. 

Benötigtes Material:

  • Dreiecktuch
  • Ggf. weiteres Dreiecktuch oder Verbandspäckchen / Mullbinde

Alternativen:

  • Vakuumschiene → je nach Verletzung
  • Aluminiumpolsterschiene → je nach Verletzung
  • Schal oder Handtuch 

Aluminiumpolsterschienen

Synonyme: SamSplint®️

Indikation:

  • Verdacht auf Fraktur / Luxation von Finger, Hand, Handgelenk, Unterarm, Ellenbogen, Fuß, Sprunggelenk und ggf. Unterschenkel

Kontraindikation:

  • Fraktur / Luxation kann nicht an den beiden benachbarten Gelenken immobilisiert werden
Aluminiumpolsterschiene Arm
Aluminiumpolsterschiene Arm
Aluminiumpolsterschiene Bein
Aluminiumpolsterschiene Sprunggelenk

Durchführung:

  1. pDMS prüfen
  2. Falls offene Wunden vorhanden, zuvor versorgen und steril abdecken
  3. Schiene entsprechend vorformen, ggf. an gesunder Extremität anpassen
  4. Ein:e Helfer:in positioniert die Extremität → auf Schmerz achten
  5. Schiene an Extremität legen und mit einem Verband an dieser fixieren
  6. Ggf. Arm in eine Dreiecktuchschlinge zusätzlich stabilisieren
  7. Ggf. Kühlung der verletzten Stelle
  8. Nach erfolgter Immobilisation erneute pDMS Kontrolle → keine Verschlechterung!
 Merke

Eine Immobilisation nach Reposition dislozierter Frakturen ist mit einer Aluminiumpolsterschiene nur unzureichend möglich und muss gut geplant werden. Eine sichere Handhabung ist dabei unerlässlich und kann erst nach entsprechender Schulung und Übung erfolgen. 

Benötigtes Material:

  • Aluminiumpolsterschiene
  • Verbandspäckchen / Mullbinde
  • Ggf. Dreiecktuch für Schlinge
  • Ggf. Kühlpack
  • Ggf. vorheriges Verbandsmaterial bei offenen Wunden

Alternativen:

  • Vakuumschiene

Vakuumschienen

Indikation:

  • Verdacht auf Fraktur / Luxation von Finger, Hand, Handgelenk, Unterarm, Ellenbogen, Fuß, Sprunggelenk und Unterschenkel

Kontraindikation:

  • Fraktur / Luxation kann nicht an den beiden benachbarten Gelenken immobilisiert werden
Vakuumschiene Arm
Vakuumschiene Arm
Vakuumschiene Bein
Vakuumschiene Bein

Durchführung:

  1. pDMS prüfen
  2. Falls offene Wunden vorhanden, zuvor versorgen und steril abdecken
  3. Schiene ausbreiten und Kügelchen verteilen
  4. Ein:e Helfer:in reponiert oder bringt Extremität auf Zug → auf Schmerzen achten
  5. Schiene an Extremität anlegen und mithilfe der Klettgurte an Extremität fixieren
  6. Schiene mit der Absaugpumpe abgesaugt → Schiene muss komplett fest werden → Klettgurte ggf. neujustieren
  7. Extremität erst loslassen wenn die Schiene vollständig angelegt ist
  8. Ggf. Kühlung der verletzten Stelle
  9. Nach erfolgter Immobilisation erneute pDMS Kontrolle → keine Verschlechterung!

Benötigtes Material:

  • Vakuumschiene Arm oder Bein
  • Absaugpumpe
  • Ggf. Verbandsmaterial zur Wundversorgung
  • Ggf. Kühlpack

Alternativen:

  • Aluminiumpolsterschiene
Immobilisation der Wirbelsäule

Immobilisation der Wirbelsäule:

  • Zervikalstütze: bei Verdacht auf HWS-Trauma → beachte NEXUS-Kriterien und die Canadian-C-Spine-Rule
  • Rettungskorsett: Immobilisation und achsengerechte Rettung bei Wirbelsäulenverletzungen → Reduktion der Rotationsbewegung der Wirbelsäule bei Befreiung aus einem Fahrzeug
Ganzkörper- und Achsenimmobilisation

 

 

Ganzkörper- und Achsenimmobilisation:

  • Spineboard / Kombinationsboard: schonende und achsengerechte Immobilisation bei Wirbelsäulenverletzungen sowie Polytrauma
  • Vakuummatratze: schonende und achsengerechte Immobilisation bei Wirbelsäuen- und Beckenverletzungen sowie Polytrauma → Gold-Standard
Beckenstabilisierung

 

 

Beckenstabilisierung:

  • Beckenschlinge: Hinweise auf instabile Beckenringverletzung und hämodynamischer Instabilität → S-KIPS-Schema beachten
Extremitätenimmobilisation

 

 

 

Extremitätenimmobilisation:

  • Dreiecktuch: Verdacht auf Fraktur / Luxation von Clavicula, Schultergürtel, Humerus, Ellbogen sowie Unterarm, Handgelenk /Hand (teils in Verbindung mit Aluminiumpolsterschiene) oder Ruhigstellung nach Reposition
  • Aluminiumpolsterschiene: Verdacht auf Fraktur / Luxation von Finger, Hand, Handgelenk, Unterarm, Ellenbogen, Fuß, Sprunggelenk und ggf. Unterschenkel
  • Vakuumschiene: Verdacht auf Fraktur / Luxation von Finger, Hand, Handgelenk, Unterarm, Ellenbogen, Fuß, Sprunggelenk und Unterschenkel

Koch, S., Kuhnke, R., retten - Notfallsanitäter, Thieme, 2023, ISBN: 978-3132421219

Luxem, J., Runggaldier, K., Karutz, H., Flake, F., Notfallsanitäter Heute, Elsevier, 2016, ISBN: 978-3437461958

Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
Sprechfunk im Rettungsdienst (RD)
Rettungs- und Transporttechniken (RD)
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz