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Impfung

10 Minuten Lesezeit
Impfung im Kindesalter

Eine Impfung ist eine präventive medizinische Maßnahme zur aktiven Immunisierung gegen Infektionskrankheiten. Durch die Applikation von Antigenen, abgeschwächten oder inaktivierten Erregern wird das Immunsystem zur Bildung spezifischer Antikörper und Gedächtniszellen angeregt. Ziel ist ein langanhaltender Schutz vor der jeweiligen Erkrankung.
In der Praxis wird die intramuskuläre Injektion in den M. deltoideus als Standardtechnik bei Jugendlichen und Erwachsenen verwendet. Grundlage bilden die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI).

Eine Impfung ist indiziert zur Primärprävention impfpräventabler Erkrankungen und dient sowohl dem Individualschutz als auch der Herdenimmunität.
Beispiele:

  • Schutzimpfungen gemäß STIKO-Impfkalender (z. B. Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Masern, Influenza, COVID-19)
  • Postexpositionelle Prophylaxe bei Kontakt mit bestimmten Erregern (z. B. Tollwut, Hepatitis B)
  • Berufsbedingte Indikationen, z. B. im Gesundheitswesen oder Rettungsdienst

Absolute Kontraindikationen:

  • Akute schwere Erkrankung mit Fieber > 38,5 °C
  • Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffs (z. B. Hühnereiweiß, Latex, Antibiotika)
  • Schwere allergische Reaktion nach vorangegangener Impfstoffgabe

Spezifische Kontraindikationen für Lebendimpfstoffe:

  • Schwangerschaft
  • Angeborene oder erworbene Immundefizienz (z. B. Chemotherapie, immunsuppressive Therapie)
 Achtung
Keine Kontraindikationen:
  • Leichter Infekt mit subfebriler Temperatur (< 38,5 °C)
  • Kontakt zu infektiösen Personen

Vor der Impfung erfolgt eine mündliche Aufklärung und Einwilligung des Impflings bzw. der Sorgeberechtigten. Dabei müssen folgende Punkte verständlich erläutert werden:

  • Krankheit und Schutzwirkung des Impfstoffs
  • Dauer und Schema des Impfschutzes
  • Normale Impfreaktionen: Rötung, Schwellung, Schmerz, Fieber bis 39,5 °C
  • Mögliche Komplikationen: z. B. allergische Reaktionen, Fieberkrämpfe
  • Verhalten nach der Impfung: körperliche Schonung, Beobachtung auf Nebenwirkungen
    Informationsblätter in verschiedenen Sprachen sind hilfreich und sollten dokumentiert ausgehändigt werden.
  • Einmalhandschuhe
  • Händedesinfektionsmittel
  • Hautdesinfektionsmittel
  • Kanüle (25–50 mm, abhängig von Alter und Ernährungszustand)
  • Impfstoff (ggf. Fertigspritze wie hier gezeigt)
  • Sterile Tupfer
  • Pflaster
  • Abwurfbehälter für Kanülen
Material für eine Impfung

Vorbereitung:

  • Identität und Impfstoff prüfen (Handelsname, Charge, Haltbarkeit, Indikation)
  • Absolute Kontraindikationen ausschließen und mündliche Aufklärung durchführen
  • Hände desinfizieren, ggf. Handschuhe anziehen
  • Impfstoff vorbereiten: sofern keine Fertigspritze → Impfstoff aufziehen, Luftblasen entfernen, Kanüle wechseln
Intramuskuläre Injektion am Oberarm (M. deltoideus)

Injektion:

  • Einstichstelle wählen: mittlerer Anteil des M. deltoideus, etwa 2–3 Querfinger unterhalb des Akromions
  • Hautdesinfektion durchführen und Einwirkzeit abwarten
  • Spritze vorbereiten: Schutzkappe entfernen, Luftblasen entfernen
  • Injektionstechnik:
    • Senkrecht zur Haut einstechen (90°-Winkel)
    • Einstichtiefe etwa 2 cm, abhängig von Körperstatur und Dicke des subkutanen Fettgewebes
    • Nicht aspirieren 
    • Impfstoff zügig injizieren
    • Spritze nach Applikation einige Sekunden im Gewebe belassen, um direkten Rückfluss über den Stichkanal zu vermeiden

Nachsorge:

  • Spritze zügig entfernen, Kanüle unmittelbar in den stichsicheren Abwurf geben
  • Einstichstelle mit sterilem Tupfer abwischen und Pflaster aufkleben
  • Patient:in beobachten (Synkopenprophylaxe, 15 Minuten Nachbeobachtung empfohlen)
  • Dokumentation im Impfpass: Datum, Impfstoff (mit Handelsname/Charge), Indikation, Stempel, Unterschrift
 Tipp
Keine Aspiration erforderlich

Beim Impfen in den M. deltoideus oder anterolateralen Oberschenkel ist keine Aspiration notwendig, da dort keine großen Gefäße verlaufen.
Oberflächliche Venen liegen oberhalb der Muskelschicht und werden bei korrekter Injektionstechnik nicht punktiert.
Das Aspirierten verlängert den Vorgang, verursacht mehr Schmerzen und bringt keinen Sicherheitsvorteil.

Impfreaktion um die Einstichstelle am Tag nach einer Tetanus-Impfung
Lokale Impfreaktion nach Tetanusimpfung (kein Impfschaden)

1. Impfreaktion (nicht meldepflichtig):

  • Häufigkeit: ca. 1:100
  • Symptome: lokale Rötung, Schwellung, Druckschmerz, Fieber < 39,5 °C, Kopfschmerz, Unwohlsein
  • Auftreten:
    • Totimpfstoffe: innerhalb von 48–72 h
    • Lebendimpfstoffe: nach 1–2 Wochen
  • Dauer: 1–3 Tage

2. Impfkrankheit (nicht meldepflichtig):

  • Definition: milder Verlauf der Erkrankung nach Lebendimpfung (z. B. „Impfmasern“)
  • Auftreten: 1–4 Wochen nach Impfung
  • Übertragung: unwahrscheinlich

3. Impfkomplikation (meldepflichtig an Gesundheitsamt):

  • Häufigkeit: ca. 1:1.000
  • Definition: gesundheitliche Schädigung über das Maß einer normalen Impfreaktion hinaus
  • Beispiele: Fieberkrampf, schwere allergische Reaktion
  • Meldung: ärztliche Meldepflicht (§ 6 IfSG)

4. Impfschaden (meldepflichtig):

  • Häufigkeit: ca. 1:1.000.000
  • Definition: „gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung“
  • Zuständig: Versorgungsamt sorgt für Entschädigungen von Patient:innen mit Impfschaden nach „öffentlich empfohlenen“ Impfungen (z.B. STIKO-Empfehlungen)

Impfempfehlungen und Auffrischintervalle nach STIKO:

ImpfstoffGrundimmunisierung:Auffrischung:Besonderheiten / Hinweise:
Tetanus (Td / Tdap)3 Dosen im KindesalterAlle 10 Jahre
  • Bei Erwachsenen einmalig Tdap statt Td (Kombischutz inkl. Keuchhusten)
  • In jeder Schwangerschaft Tdap
  • Meist gemeinsam mit Diphtherie geimpft
Diphtherie (Td / Tdap)3 Dosen im KindesalterAlle 10 Jahre
  • Wird immer mit Tetanus kombiniert
  • Einmalig Tdap im Erwachsenenalter, um Keuchhusten-Schutz aufzufrischen
Pertussis (Tdap)3 Dosen im KindesalterEinmalig im Erwachsenenalter (statt Td), danach Td alle 10 Jahre
  • Keuchhusten-Schutz besonders wichtig in Schwangerschaft und bei Kontakt zu Säuglingen oder medizinischem Personal
Polio (IPV)3 Dosen im KindesalterEinmalige Auffrischung im Erwachsenenalter
  • Falls Impfserie unvollständig: fehlende Dosen nachholen
  • Zusatzimpfung bei Reisen in Gebiete mit Polio-Fällen
Masern, Mumps, Röteln (MMR)2 Dosen im KindesalterKeine routinemäßige Auffrischung
  • Erwachsene (Jahrgang ≥ 1970) mit unklarem Impfstatus: 1× MMR
  • In medizinischen Berufen 2 Masern-Impfungen oder Immunitätsnachweis erforderlich
Varizellen (Windpocken)2 DosenKeine routinemäßige Auffrischung
  • Empfohlen bei fehlender Immunität (keine Impfung oder Erkrankung bekannt)
  • Besonders wichtig für medizinisches Personal und Frauen im gebärfähigen Alter
Influenza (Grippe)JährlichJährlich im Herbst
  • Empfohlen für alle ab 60 J., chronisch Kranke und medizinisches Personal
  • Impfung jedes Jahr nötig, da sich die Virusstämme ändern
COVID-19Grundimmunisierung nach HerstellerJährlich nur für Risikogruppen: ab 60 J., mit chronischer Erkrankung oder im Gesundheitswesen tätig
  • Personen 18–59 J. ohne Risiko: nur Basisimmunität (Grundserie + 1 Auffrischung)
  • Varianten-angepasste Impfstoffe (mRNA oder Protein) empfohlen
PneumokokkenAb 60 J.: einmalig PCV20
  • Alternativ: Kombination PCV15 → PPSV23 bei bestimmten Erkrankungen
  • Wiederholungsimpfung nur bei Risikogruppen, nicht routinemäßig
Hepatitis B3 DosenKeine routinemäßige Auffrischung
  • Titerkontrolle nach Grundserie bei medizinischem Personal 
  • Booster nur bei niedrigem Anti-HBs-Titer oder hohem Risiko 
  • Kein fixer 10-Jahres-Booster nötig
FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)3 Dosen1. Booster nach 3 J., danach alle 5 J. (ab 50–60 J. teils alle 3 J.)
  • Empfohlen in Risikogebieten (v. a. Süddeutschland) 
  • Impfintervalle je nach Präparat leicht unterschiedlich
HPV (Humane Papillomviren)2 Dosen (9–14 J.) oder 3 Dosen (≥ 15 J.)Keine Auffrischung
  • Standardimpfung für Mädchen und Jungen (9–14 J.), Nachholen bis 17 J.
  • Schutz vor HPV-bedingten Tumoren (z. B. Gebärmutterhals, Anal, Oropharynx)

Indikations- und Reiseimpfungen:

ImpfstoffGrundimmunisierung:Auffrischung:Indikation / Hinweise:
Hepatitis A2 Dosen im Abstand von 6–12 MonatenKein routinemäßiger Booster nötig (Schutz ≥ 20 J.)
  • Reisende in Endemiegebiete, berufliche Exposition (Abwasser, Gesundheitsdienst, Küche/Reinigung in Einrichtungen)
  • Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) 
  • Chronische Lebererkrankungen
Typhus (Ty21a, oral)3 Kapseln an Tagen 1 / 3 / 5Alle 3 Jahre
  • Reisen in Länder mit schlechten Hygienebedingungen 
  • Nicht gleichzeitig mit Antibiotika / Antimalariamitteln (z. B. Proguanil)
Typhus (inaktiviert, i.m.)1 DosisAlle 2 Jahre
  • Wie oral, Alternative bei Kontraindikation gegen orale Form
Japanische Enzephalitis2 Dosen (0 / 28 Tage)Booster nach 1–2 J. bei anhaltendem Risiko; ggf. 2. Booster nach ~10 J.
  • Reisen / Langzeitaufenthalt in Endemiegebieten Asiens 
  • Laborpersonal mit Virus-Exposition 
  • Schnell-Schema (0/7 Tage) möglich (18–65 J.)
Tollwut (Präexpositions-Impfung)3 Dosen (0–7–21/28)Bei Dauerexposition: Titerkontrolle + Booster nach 1 J., dann alle 2–5 J.
  • Tierärzt:innen, Labore, Fledermaus- oder Hundekontakt, Reisen mit Tierkontakt 
  • Ohne Dauerexposition genügt bei Biss eine Postexpositionsimpfung (PEP)
Meningokokken ACWY1 DosisNach 5 J. bei fortbestehendem Risiko
  • Reisen in Meningitis-Gürtel Afrikas, Hajj/Umrah (Einreiseauflage) 
  • Langzeitaufenthalte, enge Wohnverhältnisse, bestimmte Berufsgruppen
Meningokokken B2 Dosen (0–1/2 Monate; altersabhängig)Keine Routine-Booster; bei Komplementdefekten / Asplenie / Komplementinhibition nach 1 J. und dann alle 2–3 J.
  • Risikogruppen 
  • Standardimpfung im Säuglingsalter (2 / 4 / 12 Monate) 
  • Bei Erwachsenen Einzelfallentscheidung
Cholera (oral)≥ 6 J.: 2 Dosen · 2–< 6 J.: 3 Dosen≥ 6 J.: 1 Booster innerhalb 2 J. · 2–< 6 J.: nach 6 Monaten
  • Nur bei Sonderrisiken (Hilfs- / Katastropheneinsätze, sehr schlechte Hygienelage)
Gelbfieber1 DosisLebenslanger Schutz (WHO-anerkannt)
  • Reisen in Endemiegebiete · Einreisevorschriften beachten (Nachweispflicht im Impfausweis)
Tuberkulose (BCG)
  • In Deutschland nicht empfohlen (seit 1998) · kein zugelassener Impfstoff 
  • Ggf. nur außerhalb Deutschlands nach lokalen Vorgaben
Zuletzt aktualisiert am 22.01.2026
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