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Kehlkopf (Larynx)

EP
9 Minuten Lesezeit

Der Kehlkopf dient der Verschlussfunktion der unteren Atemwege und der Stimmbildung (Phonation). Er liegt auf Höhe von C5-C7. Er ist ein Verschlussapparat aus Muskeln, Knorpelteilen und Faserzügen und trennt die Speiseröhre von der Luftröhre.

Das Kehlkopfskelett besteht aus mehreren Knorpelstrukturen, die durch Bänder miteinander verbunden sind und wichtige Funktionen für Atmung und Stimmbildung erfüllen.

  • Epiglottis (Cartilago epiglottica)
    • Die Epiglottis, auch Kehlkopfdeckel genannt, ist ein elastischer Knorpel, der den Eingang zum Kehlkopf beim Schlucken verschließt
    • Über das Ligamentum thyroepiglotticum mit dem Schildknorpel (Cartilago thyroidea) verbunden
    • Über das Ligamentum hyoepiglotticum mit dem Zungenbein (Os hyoideum) verbunden
  • Schildknorpel (Cartilago thyroidea)
    • Der größte Kehlkopfknorpel besteht aus hyalinem Knorpel und prägt die Form der Vorderseite des Kehlkopfs 
    • Beim Mann besonders ausgeprägte, tastbare Vorwölbung: Prominentia laryngea (Adamsapfel oder Pomum Adami)
    • Besitzt je ein oberes (Cornu superius) und unteres Horn (Cornu inferius) 
    • Die obere Kante steht über die Membrana thyrohyoidea mit dem Os hyoideum in Verbindung
    • Seitlich verläuft eine schräg verlaufende Linie (Linea obliqua), an der mehrere Muskeln ihren Ursprung oder Ansatz besitzen: 
      • Ursprung: M. thyrohyoideus, M. constrictor pharyngis inferior
      • Ansatz: M. sternothyroideus
    • Das Stimmband (Ligamentum vocale) setzt am Schildknorpel an und zieht zum Stellknorpel
  • Stellknorpel (Cartilagines arytenoideae)
    • Diese paarigen, pyramidenförmigen Knorpel befinden sich auf dem hinteren Teil des Ringknorpels und spielen eine zentrale Rolle bei der Stimmritzenbewegung
    • Bestehen aus hyalinem Knorpel
    • Besitzen vorn den Processus vocalis als Ansatz für die Stimmbänder
    • Am Processus muscularis setzen die Mm. cricoarytenoideus lateralis et posterior sowie der M. thyroarytenoideus an
  • Cartilago corniculata
    • Ein kleiner Knorpel, der auf dem Stellknorpel sitzt und zur Stabilisierung des Kehlkopfeingangs beiträgt
    • Liegt in der Plica aryepiglottica
  • Ringknorpel (Cartilago cricoidea)
    • Dieser hyaline Knorpel bildet die Basis des Kehlkopfs und hat eine ringförmige Struktur
    • Vorderseite wird als Arcus cartilaginis cricoideae bezeichnet
    • Rückseite bildet die Lamina cartilaginis cricoideae
    • Am vorderen Bogen (Arcus) setzt das Ligamentum cricothyroideum medianum an, das vom unteren Rand des Schildknorpels kommt
    • Die Facies articularis arytenoidea bildet ein Gelenk mit dem Stellknorpel
    • Über das Ligamentum cricotracheale mit dem ersten Knorpelring der Luftröhre (Trachea) verbunden

Knorpelskelett und Bänder des Kehlkopfs:

Knorpelskelett und Bänder des Kehlkopfs

Äußere Kehlkopfmuskeln:

Äußere KehlkopfmuskelnUrsprungAnsatzInnervationFunktion
M. cricothyroideusVorderfläche der Knorpelspange des Ringknorpels (Arcus der Cartilago cricoidea)Unterrand des Schildknorpels (Cartilago thyroidea) und am Cornu inferiusR. externus des N. laryngeus superiorKippt als einziger äußerer Kehlkopfmuskel den Schildknorpel nach vorn und spannt dadurch die Stimmbänder
M. cricothyroideus

Innere Kehlkopfmuskeln:

Diese Muskeln liegen innerhalb des Kehlkopfs und regulieren die Stellung, Spannung und Öffnung der Stimmlippen. Sie werden alle vom N. laryngeus recurrens (Ast des N. vagus) innerviert

Innere KehlkopfmuskelnUrsprungAnsatzFunktion
M. cricoarytenoideus posteriorRückseite der Lamina des RingknorpelsAußenseite des Processus muscularis am Aryknorpel (Cartilago arytenoidea)Abduktion der Stimmlippen und Öffnung der Stimmritze
M. cricoarytenoideus lateralisSeitlich am Arcus des RingknorpelsInnenseite des Processus muscularis des AryknorpelsAdduktion der Stimmlippen
→ Verschluss des membranösen Abschnitts der Stimmritze (Pars intermembranacea)
M. vocalisInnenseite des SchildknorpelsProcessus vocalis des AryknorpelsSchließt die Stimmritze und reguliert gezielt die Spannung der Stimmbänder
M. thyro-arytenoideusInnenseite des SchildknorpelsAußenseite des AryknorpelsSchließt die Stimmritze und reguliert die Spannung der Plica vocalis
M. arytenoideus transversusDorsal- und Seitenfläche Fläche beider AryknorpelSchließt den hinteren Abschnitt der Stimmritze
M. arytenoideus obliquusProcessus muscularis eines AryknorpelsSpitze des gegenüberliegen-den AryknorpelsVerengt den Kehlkopfeingang (Aditus laryngis)
M. aryepiglotticusProcessus muscularis eines AryknorpelsRand der Epiglottis

Verengt den Kehlkopfeingang

(Aditus laryngis)

Kehlkopfmuskeln (Ansicht von dorsal):

Kehlkopfmuskeln (Ansicht von dorsal)
 Merke

Der M. cricoarytenoideus posterior ist der einzige Muskel, der die Stimmritze aktiv öffnet. Bei beidseitigem Ausfall kommt es zu schweren Atemstörungen.

Kehlkopfmuskeln (Ansicht von oben):

Kehlkopfmuskeln (Ansicht von oben)

Unter der Phonation versteht man die Stimmerzeugung im Kehlkopf durch die Schwingungen der Stimmbänder.

Dieser Prozess beginnt, wenn Luft aus den Lungen durch den Kehlkopf gepresst wird und auf die Stimmbänder trifft. Die Stimmbänder sind zwei flexible Schleimhautfalten, die sich öffnen und schließen können, um den Luftstrom zu regulieren. Während der Phonation schließen sich die Stimmbänder zunächst, sodass der Luftstrom kurzzeitig blockiert wird. Wenn der Luftdruck aus den Lungen ausreichend ansteigt, werden die Stimmbänder plötzlich auseinandergedrängt, und es entsteht ein Luftstrom.

Stimmbänder offen und geschlossen:

Phonation (Stimmbildung)

Die arterielle Versorgung des Kehlkopfs erfolgt über zwei Hauptäste:

  • A. laryngea superior
    • Ast der A. thyroidea superior (aus der A. carotis externa)
    • Verläuft zusammen mit dem inneren Ast des N. laryngeus superior in den Kehlkopf
  • A. laryngea inferior
    • Ast der A. thyroidea inferior (aus dem Truncus thyrocervicalis)
    • Begleitet den N. laryngeus recurrens in den Kehlkopf

Der venöse Abfluss erfolgt über zwei Venen:

  • V. laryngea superior
    • Mündet über die V. thyroidea superior in die V. jugularis interna
  • V. laryngea inferior
    • Entleert sich über den Plexus thyreoideus impar in die V. thyroidea inferior und danach in die linke V. brachiocephalica

Die motorische und sensible Versorgung des Kehlkopfs erfolgt über Äste des 
N. vagus (X):

  • N. laryngeus superior
    • R. internus: sensibel für den Supraglottisbereich
    • R. externus: motorisch für den M. cricothyroideus
  • N. laryngeus recurrens
    • Versorgt motorisch alle inneren Kehlkopfmuskeln
    • Sensibel für den Bereich unterhalb der Stimmritze (Infraglottis)

Leitungsbahnen des Kehlkopfs (Ansicht von dorsal):

Leitungsbahnen des Kehlkopfs (Ansicht von dorsal)
 Info
Klinischer Ausblick: Recurrensparese

Die Läsion des N. laryngeus recurrens ist durch die räumliche Nähe eine relevante Komplikation bei Schilddrüsenoperationen. Eine einseitige Läsion führt primär zu Heiserkeit und einer hauchigen Stimme. Eine beidseitige Läsion resultiert in Atemnot und Stridor, da die Stimmlippen in einer verengten Mittelstellung verharren, weil der einzige Öffner der Stimmlippen (M. cricoarytenoideus posterior / „Postikus“) ausfällt. Zur Prophylaxe bei operativen Eingriffen sind die visuelle Schonung des Recurrens sowie das intraoperative Neuromonitoring (IONM) zur Funktionskontrolle heute medizinischer Standard.

Zuletzt aktualisiert am 25.06.2026
N. oculomotorius (III) und N. trochlearis (IV)
N. trigeminus (V)
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