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Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie

Carl Rogers, Rogers, MI, Motivational Interviewing, Empathie, Wertschätzung, Patientenautonomie, Motivation
EP
8 Minuten Lesezeit

Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers stellt die therapeutische Beziehung in den Mittelpunkt. Rogers ging davon aus, dass eine förderliche therapeutische Beziehung durch Kongruenz, unbedingte positive Wertschätzung und empathisches Verstehen gekennzeichnet ist. Kongruenz beschreibt die Echtheit und innere Übereinstimmung der Therapeutin bzw. des Therapeuten. Unbedingte positive Wertschätzung bedeutet, die Person unabhängig von einzelnen Verhaltensweisen grundsätzlich anzunehmen. Empathisches Verstehen bezeichnet das Bemühen, die subjektive Erlebniswelt des Gegenübers möglichst genau nachzuvollziehen und dies verständlich zu vermitteln.

Im Zentrum steht dabei nicht die direkte Vorgabe einer Lösung durch die Therapeutin oder den Therapeuten, sondern die Unterstützung der Selbstexploration und persönlichen Entwicklung. Die empirische Psychotherapieforschung zeigt, dass Beziehungsfaktoren wie positive Wertschätzung und Kongruenz mit dem Behandlungsergebnis zusammenhängen. Sie bestätigt jedoch nicht die ursprüngliche strenge Annahme, dass Rogers’ drei Bedingungen allein notwendig und hinreichend für therapeutische Veränderung seien.

Die Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing, MI) ist eine daraus historisch beeinflusste, aber eigenständige Gesprächsmethode. Sie wurde insbesondere zur Unterstützung von Menschen entwickelt, die hinsichtlich einer Verhaltensänderung ambivalent sind. Anstatt Patient:innen durch Argumente oder Ratschläge zur Veränderung zu bewegen, unterstützt MI sie dabei, eigene Gründe, Wünsche und Möglichkeiten für eine Veränderung zu erkennen. Gleichzeitig wird die Autonomie der Patient:innen respektiert.

Eine zentrale Haltung der motivierenden Gesprächsführung ist daher eine partnerschaftliche, akzeptierende und nicht-konfrontative Gesprächsführung. Die Gesprächsführung ist dabei dennoch zielgerichtet: Sie soll die Auseinandersetzung mit der Ambivalenz fördern und sogenannte Change Talk, also Äusserungen zugunsten einer Veränderung, unterstützen. MI eignet sich vornehmlich für gesundheitsbezogene Verhaltensänderungen, beispielsweise bei Substanzkonsum oder der Veränderung von Lebensgewohnheiten. Studien und Metaanalysen zeigen insgesamt positive, jedoch je nach Intervention und Zielvariable unterschiedlich ausgeprägte Effekte.

 Merke

Rogers schafft durch Empathie, Kongruenz und Wertschätzung einen förderlichen Beziehungsrahmen; Motivational Interviewing nutzt eine personenzentrierte, aber zielgerichtete Gesprächsführung, um Ambivalenz zu bearbeiten und Veränderungsmotivation zu fördern.

 Definition

Die klientenzentrierte Gesprächstherapie ist eine nondirektive Gesprächspsychotherapie: Im Mittelpunkt steht das Erleben der Patientin/des Patienten. Therapeut*innen lenken nicht (keine Anweisungen, keine „Ratschläge“), sondern unterstützen durch eine wertschätzende, verstehende Gesprächsführung dabei, dass Betroffene ihr Erleben klarer wahrnehmenakzeptieren und eigene Lösungen entwickeln.

C. R. Rogers beschreibt in seinem personenzentrierten Ansatz 3 Kernelemente, die den Aufbau und den Erhalt einer guten Beziehung fördern: Kongruenz (Echtheit), Akzeptanz (Wertschätzung) und Empathie.

 Tipp

Eine funktionierende Beziehungsebene ist die Voraussetzung für den Inhaltsaspekt. Störungen auf der Beziehungsebene übertragen sich auf den Inhaltstransfer und haben so unmittelbaren Einfluss auf Verstehen und Missverstehen. (Watzlawick).

Kongruenz:

  • Unter Kongruenz oder Echtheit versteht man die Grundhaltung, Patient:innen als Mensch zu begegnen und sich nicht hinter einer Fassade zu verstecken
  • In der Praxis bedeutet Kongruenz bspw., dass Ärzt:innen offen und ehrlich auf Fragen antworten und hinter ihren Äußerungen stehen

Akzeptanz:

  • Akzeptanz beschreibt eine wertschätzende Haltung, welche nicht an Bedingungen geknüpft ist
  • Die Gedanken, Gefühle und Handlungsweisen der Patient:innen sollen ohne Wertung oder Beurteilung wahrgenommen und akzeptiert werden
  • Wertschätzung wird bspw. ausgedrückt, indem Ärzt:innen Anteilnahme zeigen

Empathie:

  • Unter Empathie versteht man das Einfühlen in die subjektive Wahrnehmung der Patient:innen
  • Es geht darum, sich in die Welt des anderen hineinzuversetzen, um emotionale Komponenten und deren Bedeutungen zu erfassen
  • Empathie ermöglicht es bspw. nachzuvollziehen, weshalb bestimmte Medikamente oder Therapien abgelehnt werden. 
  • Empathie wird u. a. durch „aktives Zuhören“ ausgedrückt. Aktives Zuhören bedeutet, dass sich der Empfänger auf das Gesagte des Senders konzentriert und sich bemüht den Sender wirklich zu verstehen. Die Präsenz und die Bereitschaft zuzuhören wird dabei durch verbale und nonverbale Aufmerksamkeitsreaktionen vermittelt
    • Verbal: Bestätigungslaute (z. B. „Ah“, „Ja“, „Mhm“), kurze Rückfragen (z. B. „Und wie fühlen Sie sich dabei?“), paraphrasieren („Verstehe ich richtig, dass …“)
    • Nonverbal: zugewandte Körperhaltung, Augenkontakt, Nicken 
Die Grafik zeigt, dass aktives Zuhören ein mehrstufiger Prozess ist, der sowohl Aufmerksamkeit, Verständnis als auch angemessene Reaktion erfordert.
 Definition

Die motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing - MI) ist eine evidenzbasierte Methode der Kommunikation, um die Veränderungsbereitschaft von Patient:innen zu fördern. Das Ziel ist es, die intrinsische Motivation und Selbstwirksamkeitserwartung bzgl. einer Verhaltensänderung durch bestimmte Gesprächstechniken zu stärken. Die motivierende Gesprächsführung kann bspw. bei Patient:innen mit Suchterkrankungen angewendet werden.

Im Rahmen der motivierenden Gesprächsführung ist die Haltung der Ärzt:innen entscheidend. Folgende motivationsfördernde Grundhaltungen werden dabei beschrieben:

GrundhaltungMerkmale
Partnerschaftlichkeit
  • Standpunkte und Kenntnisse von Patient:innen werden gewürdigt
  • Veränderungen sollen gefördert und nicht erzwungen werden
Evokation
  • Es wird davon ausgegangen, dass Patient:innen über alle Ressourcen und Voraussetzungen zur Verhaltensänderung selbst verfügen → Die Aufgabe der Mediziner:innen besteht lediglich in der Wegfindung dieser Ressourcen
Autonomie
  • Das Recht und die Fähigkeit der Patient:innen zur Selbstbestimmung wird anerkannt und gefördert

Es wird also davon ausgegangen, dass Patient:innen selbst in der Lage sind, ihr Verhalten zu ändern. Im ersten Schritt geht es demnach darum, die Bereitschaft zur Veränderung anzustoßen. Der Versuch, Patient:innen zu überreden oder zu konfrontieren stößt in der Regel auf Widerstand und sollte deshalb vermieden werden. Stattdessen besteht das Ziel in diesem Schritt darin, die Reflexion des eigenen Verhaltens zu fördern. Dies gelingt bspw. durch eine sachliche Beleuchtung von den Auswirkungen, mit denen das jeweilige Verhalten einhergeht. Eine Möglichkeit besteht darin, die konkreten Zusammenhänge zwischen dem Verhalten und den gesundheitlichen Auswirkungen aufzuzeigen. Dabei kann z. B. auf konkrete Laborwerte oder Befunde zurückgegriffen werden. Die Patient:innen werden auf diese Weise zum Nachdenken angeregt. Im besten Fall liefern sie sich selbst Argumente, um genügend Veränderungsbereitschaft aufzubauen. Inwiefern die Schlussfolgerungen zur Verhaltensänderung beitragen, bleibt jedoch jedem selbst überlassen. 

 Tipp

Besteht bereits ausreichend Veränderungsbereitschaft, geht es im zweiten Schritt darum, die Selbstverpflichtung zu stärken. Dies gelingt, indem konkrete Ziele und Pläne zur Zielerreichung erarbeitet werden. 

Ärzt:innen sollten vor dem Gespräch überprüfen, in welchem Veränderungsstadium sich die Patient:innen befinden. So ist es bspw. nicht sinnvoll, über die Aufnahme in ein Abstinenzprogramm zu sprechen, wenn aktuell keine Veränderungsbereitschaft besteht. Die Gesprächsziele sind dem Stadium der Veränderungsbereitschaft also anzupassen. 

 Merke

Das übergeordnete Ziel der motivierenden Gesprächsführung besteht darin, ein Klima zu schaffen, das es den Patient:innen erlaubt, Probleme und belastende Umstände anzusprechen. Während jede Form von Veränderungsbereitschaft gefördert werden soll, muss auch die Ablehnung von Veränderungen akzeptiert werden.

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Zuletzt aktualisiert am 17.08.2026
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