Die Verhaltenstherapie basiert auf der Annahme, dass Verhalten durch Lernprozesse erworben und verändert werden kann. Klassische und operante Konditionierung sowie Modelllernen bilden wichtige theoretische Grundlagen. Problematisches Verhalten kann demnach beispielsweise durch Verstärkung aufrechterhalten werden und durch neue Lernerfahrungen verändert werden. Zu den bekannten verhaltenstherapeutischen Verfahren gehören unter anderem Exposition, systematische Desensibilisierung, Verstärkerpläne und Modelllernen.
Die kognitive Therapie nach Aaron Beck erweitert diesen Ansatz um die Bedeutung von Gedanken und Bewertungen. Nach dem kognitiven Modell beeinflussen Situationen nicht unmittelbar die emotionale Reaktion, sondern werden zunächst interpretiert und bewertet. Dysfunktionale automatische Gedanken und zugrunde liegende Überzeugungen können dadurch zur Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Beschwerden beitragen. Ziel der Therapie ist es, solche Denkmuster zu erkennen, zu überprüfen und gegebenenfalls durch realistischere und hilfreichere Bewertungen zu ersetzen.
Die heutige kognitive Verhaltenstherapie (KVT) verbindet beide Perspektiven. Sie setzt sowohl am Verhalten als auch an Kognitionen und Emotionen an. Je nach Störungsbild kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz, beispielsweise Exposition bei Angststörungen, Verhaltensaktivierung bei Depressionen oder die kognitive Bearbeitung dysfunktionaler Überzeugungen.
InfoStudienlage
Die Wirksamkeit der KVT ist für zahlreiche psychische Störungen empirisch untersucht. Eine Metaanalyse von 409 randomisierten Studien zeigte insbesondere bei Depressionen einen deutlichen Nutzen gegenüber Kontrollbedingungen. Gegenüber anderen etablierten Psychotherapieverfahren zeigte sich dagegen keine relevante generelle Überlegenheit, sodass die Wirksamkeit der KVT nicht mit einer Überlegenheit gegenüber sämtlichen anderen Psychotherapieverfahren gleichgesetzt werden sollte.
MerkeVerhaltenstherapie verändert erlerntes Verhalten und Lernerfahrungen; die kognitive Therapie setzt zusätzlich bei dysfunktionalen Gedanken und Bewertungen an. Die moderne KVT verbindet beide Ansätze.
- Wolpe J. Psychotherapy by Reciprocal Inhibition. Stanford: Stanford University Press; 1958.
- Beck AT, Rush AJ, Shaw BF, Emery G. Cognitive Therapy of Depression. New York: Guilford Press; 1979. ISBN 9780898629194.
- Rush AJ, Beck AT, Kovacs M, Hollon SD. Comparative efficacy of cognitive therapy and pharmacotherapy in the treatment of depressed outpatients. Cogn Ther Res 1977;1:17-37. DOI: 10.1007/BF01173502.
- Cuijpers P, Miguel C, Harrer M, Plessen CY, Ciharova M, Ebert D, Karyotaki E. Cognitive behavior therapy vs. control conditions, other psychotherapies, pharmacotherapies and combined treatment for depression: a comprehensive meta-analysis including 409 trials with 52,702 patients. World Psychiatry 2023;22(1):105-115. DOI: 10.1002/wps.21069.

