Kommunikation gehört im Rettungsdienst zu jedem Einsatz dazu. Sie beeinflusst nicht nur den Umgang mit Patient:innen und Angehörigen, sondern auch die Zusammenarbeit im Team und mit anderen Einsatzkräften. Dabei zählt nicht nur, was gesagt wird, sondern auch, wie etwas gesagt wird, z.B. durch Tonfall, Körpersprache oder Auftreten.
Im Artikel werden verschiedene Grundlagen und Kommunikationsmodelle erklärt, die helfen sollen, Missverständnisse besser zu verstehen und Gespräche professionell zu führen. Außerdem wird gezeigt, welche Faktoren Kommunikation stören können und wie man in stressigen Situationen ruhig, klar und verständlich bleibt.
Du erhältst in diesem Artikel einen Überblick über zentrale Aspekte der Kommunikation im Rettungsdienst.
- Verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation
- Distanzzonen und Körpersprache
- Wichtige Kommunikationsmodelle
- Typische Kommunikationsstörungen
- Aktives Zuhören
- Ich- und Du-Botschaften
- Wertschätzende und professionelle Gesprächsführung
- Kommunikation mit Patient:innen, Angehörigen und im Team
Gute Kommunikation kann im Rettungsdienst helfen, Vertrauen aufzubauen, Konflikte zu vermeiden und die Zusammenarbeit im Einsatz zu verbessern.
DefinitionKommunikation
Kommunikation bezeichnet den Prozess der Übertragung und Aushandlung von Informationen, Bedeutungen und Signalen zwischen mindestens zwei Beteiligten.
Soziale Kommunikation
Soziale Kommunikation beschreibt Kommunikation innerhalb sozialer Beziehungen und Interaktionen.
Bedeutung der Kommunikation
Kommunikation findet immer statt. Der Philosoph Paul Watzlawick formulierte dies mit dem bekannten Satz: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“
Nicht nur Worte übermitteln Botschaften, sondern auch:
- Mimik und Gestik
- Körperhaltung
- Tonfall
- Schweigen oder Verhalten
Jede Äußerung wird vom Gegenüber wahrgenommen und interpretiert. Dabei spielt der jeweilige Kontext eine wichtige Rolle. Menschen kommunizieren im privaten Umfeld anders als im Berufsalltag, beispielsweise durch Fachsprache im Rettungsdienst oder persönliche Ausdrucksweisen in Beziehungen.
Kommunikation im Rettungsdienst
Für Notfallsanitäter:innen ist Kommunikation eine zentrale soziale Kompetenz. Sie ist wichtig für:
- die Zusammenarbeit im Team
- den Umgang mit Patient:innen
- Gespräche mit Angehörigen und Ersthelfenden
- die Bewältigung von Konflikten und Stresssituationen
Eine professionelle Kommunikation trägt dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden und eine sichere Patientenversorgung zu unterstützen.
TippKommunikationsfähigkeit ist erlern- und trainierbar. Kenntnisse zentraler Kommunikationstheorien und -modelle helfen dabei, die Grundlagen effektiver Kommunikation zu verstehen.
MerkeDie Wertigkeit paraverbaler und nonverbaler Kommunikation ist höher als die der verbalen Kommunikation.
Distanzzonen
DefinitionDie Distanzzonen nach Edward T. Hall beschreiben den persönlichen Raum, den Menschen in sozialen Situationen gegenüber anderen einnehmen. Je nach Beziehung, Vertrautheit und kulturellem Hintergrund werden unterschiedliche Abstände als angenehm oder unangenehm empfunden.
| Zone | Abstand | Beschreibung |
|---|---|---|
| Intime Distanz | 0 bis 45 cm |
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| Persönliche Distanz | 45 bis 120 cm |
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| Soziale Distanz | 1,2 bis 3,6 m |
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| Öffentliche Distanz | ab 3,6 m |
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AchtungDas unerlaubte Eindringen in die intime Distanzzone wird häufig als unangenehm oder bedrohlich empfunden. Die Wahrnehmung von Nähe und Distanz ist jedoch individuell sowie kulturell unterschiedlich geprägt.
Praxisbezug Rettungsdienst:
Im Rettungsdienst müssen intime und persönliche Distanzzonen häufig überschritten werden, beispielsweise bei Untersuchungen oder medizinischen Maßnahmen. Deshalb sind ein respektvoller Umgang und eine professionelle Kommunikation besonders wichtig.
Wichtige Maßnahmen hierzu sind:
- Patient:innen über Maßnahmen informieren
- Zustimmung einholen, sofern möglich
- Ruhig und wertschätzend kommunizieren
- Schamgrenzen beachten
- Nach der Maßnahme wieder Distanz herstellen
Kommunikation erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Neben dem gesprochenen Wort spielen auch Stimme, Tonfall sowie Körpersprache eine wichtige Rolle für das Verständnis einer Botschaft.
| Kommunikationsebene | Beschreibung | Beispiele | Anteil an der Gesamtwirkung |
|---|---|---|---|
| Verbale Kommunikation | Übermittlung von Informationen durch Sprache und Worte | Gespräche, Fragen, Anweisungen | ca. 7 % |
| Paraverbale Kommunikation | Wirkung der Stimme und Sprechweise | Lautstärke, Betonung, Sprechtempo | ca. 38 % |
| Nonverbale Kommunikation | Kommunikation ohne Worte | Mimik, Gestik, Körperhaltung | ca. 55 % |
InfoDie Prozentangaben beziehen sich auf das Kommunikationsmodell von Albert Mehrabian. Sie gelten hauptsächlich für die Wirkung emotionaler Botschaften und dürfen nicht auf jede Kommunikationssituation übertragen werden.
DefinitionVerbale Kommunikation
Die verbale Kommunikation umfasst alle gesprochenen und geschriebenen Worte. Sie dient der gezielten Übermittlung von Informationen, Gedanken und Gefühlen.
- Im Rettungsdienst spielt die verbale Kommunikation eine zentrale Rolle
- Sie wird unter anderem bei der Anamnese, der Aufklärung von Patient:innen sowie bei der Zusammenarbeit im Team genutzt
- Klare und verständliche Aussagen helfen dabei, Missverständnisse zu vermeiden und eine sichere Versorgung von Patient:innen zu gewährleisten → dabei sollten Fachbegriffe situationsgerecht eingesetzt und Informationen präzise formuliert werden
- Beispiel: „Seit wann bestehen die Schmerzen?“ oder „Bitte bereiten Sie 5 mg Morphin vor.“
DefinitionParaverbale Kommunikation
Die paraverbale Kommunikation beschreibt die Art und Weise des Sprechens. Faktoren wie Tonfall, Lautstärke, Betonung und Sprechtempo beeinflussen die Wirkung einer Aussage maßgeblich und können etwa Ruhe, Sicherheit, Unsicherheit oder Anspannung vermitteln
Beeinflussende Merkmale
| Merkmale | Beschreibung | Beispiele / Wirkung |
|---|---|---|
| Tonfall | Emotionale Färbung der Stimme |
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| Lautstärke | Stärke der Stimme beim Sprechen |
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| Sprechtempo | Geschwindigkeit des Sprechens |
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| Betonung | Hervorhebung einzelner Wörter oder Satzteile |
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| Sprechpausen | Bewusste Unterbrechungen beim Sprechen |
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| Stimmlage | Höhe oder Tiefe der Stimme |
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| Sprachfluss | Gleichmäßigkeit des Sprechens | stockendes Sprechen kann auf Unsicherheit oder Aufregung hinweisen |
MerkeDiese Merkmale beeinflussen die Wirkung einer Aussage oft stärker als der eigentliche Inhalt.
DefinitionNonverbale Kommunikation
Nonverbale Kommunikation umfasst alle Ausdrucksformen ohne gesprochene Worte. Viele dieser Signale werden unbewusst gesendet und interpretiert. Ihre Bedeutung kann kulturell unterschiedlich sein und zu Missverständnissen führen.
Verschiedene Formen der nonverbalen Kommunikation
Nonverbale Kommunikation ergänzt die verbale Verständigung und beeinflusst maßgeblich die Wirkung einer Botschaft. Besonders im Rettungsdienst liefern nonverbale Signale wichtige Hinweise auf Gefühle, Schmerzen, Unsicherheit oder Stress von Patient:innen und Gesprächspartner:innen.
| Form | Beschreibung | Beispiele / Bedeutung |
|---|---|---|
| Mimik | Gesichtsausdruck zur Darstellung von Gefühlen und Reaktionen |
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| Gestik | Bewegungen von Händen, Armen oder Kopf |
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| Blickkontakt | Gegenseitiges Anschauen der Augen |
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| Körperhaltung | Haltung und Bewegungsmuster des Körpers |
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| Äußeres Erscheinungsbild | Wirkung durch Kleidung und äußeres Auftreten |
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| Vegetative Körpersignale | Unwillkürliche körperliche Reaktionen |
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| Körperkontakt | Kommunikation durch Berührung |
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| Nähe und Distanz | Wahrnehmung des persönlichen Raumes |
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MerkeNonverbale Signale sind besonders wichtig, wenn Patient:innen Schmerzen haben, desorientiert sind oder sprachliche Barrieren bestehen.
InfoDamit Kommunikation glaubwürdig und verständlich wirkt, sollten verbale, paraverbale und nonverbale Signale möglichst übereinstimmen. Das Zusammenspiel dieser Kommunikationsformen beeinflusst maßgeblich, wie eine Botschaft vom Gegenüber wahrgenommen und interpretiert wird.
Kongruenz
DefinitionVon Kongruenz spricht man, wenn verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation übereinstimmen und dieselbe Botschaft vermitteln. Die Aussage wirkt dadurch glaubwürdig, authentisch und nachvollziehbar.
| Kommunikationsebene | Beispiel |
|---|---|
| Verbal | „Ich helfe Ihnen.“ |
| Paraverbal | Ruhiger und freundlicher Tonfall |
| Nonverbal | Offener Blickkontakt, zugewandte Körperhaltung |
- Kongruente Kommunikation schafft Vertrauen und Sicherheit
- Besonders im Rettungsdienst ist dies wichtig, da Patient:innen häufig angespannt, verunsichert oder ängstlich sind
- Stimmen Sprache, Stimme und Körpersprache überein, wirkt das Auftreten professionell und beruhigend
InfoDer humanistische Psychologe Carl Rogers beschreibt Kongruenz als wichtige Voraussetzung für eine gelingende zwischenmenschliche Beziehung. Eine authentische und widerspruchsfreie Kommunikation fördert demnach Vertrauen, Akzeptanz und Beziehungsgestaltung.
Inkongruenz
DefinitionInkongruenz liegt vor, wenn sich verbale, paraverbale und nonverbale Signale widersprechen. Die Kommunikation wirkt dadurch uneindeutig oder unglaubwürdig.
| Verbale Aussage | Paraverbale Wirkung | Nonverbale Wirkung |
|---|---|---|
| „Mir geht es gut.“ | leise, zögerliche Stimme | trauriger Gesichtsausdruck |
| „Sie brauchen keine Angst zu haben.“ | hektischer oder unsicherer Tonfall | unruhige Bewegungen |
| „Ich habe alles unter Kontrolle.“ | angespannte oder laute Stimme | nervöse Körperhaltung |
| „Es besteht keine Gefahr.“ | schnelle, hastige Sprechweise | vermeidender Blickkontakt |
- Menschen orientieren sich bei widersprüchlichen Botschaften häufig stärker an nonverbalen und paraverbalen Signalen als am gesprochenen Wort
- Inkongruente Kommunikation kann:
- Verunsicherung auslösen
- Missverständnisse verursachen
- Vertrauen beeinträchtigen
- Konflikte fördern
- Zusammenarbeit erschweren
MerkeGerade im Rettungsdienst kann inkongruente Kommunikation negative Auswirkungen auf die Betreuung von Patient:innen und Teamarbeit haben. Ein ruhiges, klares und authentisches Auftreten trägt daher wesentlich zu einer professionellen Kommunikation bei.
Bedeutung für den Rettungsdienst
Im Einsatzalltag sollten Rettungsfachkräfte darauf achten, dass:
- Aussagen klar und verständlich formuliert werden
- Tonfall und Körpersprache zur Situation passen
- nonverbale Signale von Patient:innen bewusst wahrgenommen werden
- die eigene Kommunikation ruhig und authentisch wirkt
TippEine kongruente Kommunikation unterstützt den Aufbau von Vertrauen und erleichtert die Zusammenarbeit mit Patient:innen, Angehörigen und Einsatzkräften.
Kommunikationsmodelle helfen dabei zu verstehen, wie Informationen zwischen Menschen übertragen werden und warum es dabei zu Missverständnissen kommen kann. Besonders im Rettungsdienst sind strukturierte Kommunikation, klare Aussagen und gegenseitiges Verständnis entscheidend.
DefinitionSender-Empfänger-Modell
Das Sender-Empfänger-Modell nach Claude Shannon und Warren Weaver gehört zu den bekanntesten Kommunikationsmodellen. Ursprünglich wurde es entwickelt, um technische Kommunikationsprozesse, etwa in der Nachrichtentechnik, zu beschreiben und Störungen bei der Informationsübertragung zu reduzieren.
Das Modell beschreibt Kommunikation vereinfacht als Übertragung einer Nachricht zwischen:
- Sender:in
- Empfänger:in
- Übertragungskanal
Grundprinzip

- Eine Person möchte einer anderen Person etwas mitteilen, insbesondere Informationen, Gedanken oder Gefühle
- Die Botschaft wird dabei über einen bestimmten Kommunikationsweg übertragen, zum Beispiel durch:
- Gesprochene Sprache
- Schrift
- Körpersprache
- Digitale Medien
- Funkkommunikation
- Der Sender formuliert die Nachricht und „übersetzt“ sie in Worte, Zeichen oder Verhalten (Codierung)
- Der Empfänger muss diese Botschaft aufnehmen und richtig verstehen (Decodierung)
- Damit Kommunikation gelingt, müssen beide Seiten denselben oder einen ähnlichen „Code“ verstehen, zum Beispiel:
- Dieselbe Sprache sprechen
- Fachbegriffe verstehen
- Aussagen ähnlich interpretieren
MerkeNur wenn Sender und Empfänger die Botschaft ähnlich verstehen, kann Kommunikation erfolgreich sein.
InfoKommunikationsablauf im Sender-Empfänger-Modell:
- Sender:in (Person A): Formuliert eine Botschaft und codiert sie, z. B. durch Wortwahl, Tonfall, Lautstärke oder Körpersprache
- Übertragung: Die Botschaft wird über einen Kommunikationskanal weitergegeben, beispielsweise über Sprache, Funk oder Schrift
- Empfänger:in (Person B): Nimmt die Botschaft auf und decodiert sie, also interpretiert und versteht die übermittelten Signale
- Reaktion / Feedback: Der Empfänger reagiert auf die Botschaft und wird dadurch selbst wieder zum Sender einer neuen Nachricht
Kommunikationsstörungen („Noise“)
Das Modell beschreibt außerdem mögliche Störfaktoren, die Kommunikation beeinträchtigen können.
- Beispiele für Kommunikationsstörungen:
- Lärm und Hintergrundgeräusche
- Schlechte Funkverbindung
- Unklare Aussprache
- Fachbegriffe oder Abkürzungen
- Unterschiedliche Sprache oder Kultur
- Stress und fehlende Aufmerksamkeit
- Mehrfache Informationsweitergabe („Stille-Post-Effekt“)
TippUm sicherzustellen, dass eine Botschaft korrekt verstanden wurde, sollte auf die Reaktion des Gegenübers geachtet werden. Zusätzlich helfen gezielte Rückfragen, das Wiederholen wichtiger Informationen sowie eindeutiges Feedback dabei, Missverständnisse und Kommunikationsstörungen zu vermeiden.
Definition5 Axiome nach Paul Watzlawick
Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick gehören zu den bekanntesten Grundlagenmodellen der Kommunikationspsychologie. Sie beschreiben grundlegende Eigenschaften menschlicher Kommunikation und zeigen, warum es häufig zu Missverständnissen kommt.
Ein Axiom ist eine Grundannahme, die innerhalb eines Modells als gültig vorausgesetzt wird.
Watzlawick entwickelte seine Axiome, um zwischenmenschliche Kommunikation besser zu verstehen, insbesondere Kommunikationsstörungen und Konflikte.
Überblick über die 5 Axiome
| Axiom | Kernaussage |
|---|---|
| 1. Man kann nicht nicht kommunizieren | Jedes Verhalten hat Mitteilungscharakter, auch Schweigen oder Wegschauen |
| 2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt | Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Beziehung beeinflusst, wie eine Botschaft verstanden wird |
| 3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung | Kommunikation verläuft wechselseitig und beeinflusst sich gegenseitig |
| 4. Kommunikation nutzt digitale und analoge Modalitäten | Kommunikation erfolgt sowohl verbal als auch nonverbal |
| 5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär | Beziehungen beruhen entweder auf Gleichheit oder auf unterschiedlichen Rollen |
1. Man kann nicht nicht kommunizieren
- Laut Watzlawick hat jedes Verhalten Mitteilungscharakter
- Auch wenn eine Person schweigt oder nicht reagiert, sendet sie damit eine Botschaft
- Kommunikation besteht deshalb nicht nur aus Worten, sondern auch aus:
- Mimik, Gestik, Körperhaltung
- Blickkontakt, Tonfall, Schweigen
InfoBeispiel aus dem Rettungsdienst
Ein Patient stellt eine Frage, der NotSan antwortet jedoch nicht und blickt weiter auf das Monitoring. Obwohl keine verbale Antwort erfolgt, können Patient:innen dies als Unsicherheit, Ablehnung oder Desinteresse interpretieren.
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt
- Jede Nachricht enthält zwei Ebenen:
- Inhaltsebene: Was wird sachlich gesagt?
- Beziehungsebene: Wie ist die Aussage gemeint?
- Die Beziehungsebene beeinflusst wesentlich, wie eine Botschaft verstanden wird. Besonders wichtig sind dabei:
- Tonfall
- Körpersprache
- Mimik
- Auftreten
InfoBeispiel aus dem Rettungsdienst
Eine Kollegin sagt: „Miss bitte erneut den Blutdruck.“ Sachlich handelt es sich um eine normale Arbeitsanweisung. Je nach Tonfall kann die Aussage jedoch unterstützend, genervt oder abwertend wirken.
3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
- Kommunikation verläuft wechselseitig. Verhalten löst Reaktionen aus, die wiederum neues Verhalten beeinflussen
- Dadurch können sich Missverständnisse oder Konflikte gegenseitig verstärken
InfoBeispiel aus dem Rettungsdienst
Ein Praxisanleiter wirkt gestresst und spricht sehr kurz angebunden. Die Auszubildende zieht sich daraufhin zurück und stellt weniger Fragen. Der Praxisanleiter interpretiert dies wiederum als mangelndes Interesse und reagiert noch distanzierter → es entsteht ein negativer Kommunikationskreislauf.
4. Kommunikation nutzt digitale und analoge Modalitäten
- Digitale Kommunikation: beschreibt den verbalen Inhalt einer Aussage. Dazu gehören:
- Worte, Zahlen, Fakten
- Sprachliche Informationen
- Diese Form der Kommunikation ist meist relativ eindeutig
- Analoge Kommunikation: beschreibt nonverbale und paraverbale Signale. Dazu gehören:
- Mimik, Gestik, Körpersprache
- Tonfall, Sprechtempo
- Diese Signale sind häufig interpretationsabhängig
- Wichtig ist, dass verbale und nonverbale Botschaften zueinander passen
InfoBeispiel aus dem Rettungsdienst
Eine Notfallsanitäterin sagt: „Alles ist in Ordnung.“
Gleichzeitig wirkt sie hektisch und vermeidet Blickkontakt. Für den Gegenüber kann die Aussage dadurch unglaubwürdig wirken.
5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär
- Kommunikation kann auf Gleichheit oder auf unterschiedlichen Rollen beruhen
- Symmetrische Kommunikation:
- Die Gesprächspartner begegnen sich auf Augenhöhe
- Beispiele: Kolleg:innen im Team, Gespräch unter Freund:innen
- Komplementäre Kommunikation:
- Die Gesprächspartner haben unterschiedliche Rollen oder Verantwortlichkeiten
- Beispiele: Praxisanleiter:in und Auszubildende:r, Notfallsanitäter:in und Patient:in
- Komplementäre Kommunikation beschreibt dabei keine „bessere“ oder „schlechtere“ Beziehung, sondern unterschiedliche Funktionen innerhalb der Kommunikation.
InfoBeispiel aus dem Rettungsdienst
Ein:e Praxisanleiter:in erklärt einer auszubildenden Person die Vorbereitung einer Medikamentengabe. Die Kommunikation ist dabei komplementär, da beide unterschiedliche Rollen und Verantwortlichkeiten haben. Die anleitende Person übernimmt die fachliche Führung, während die auszubildende Person lernt und Rückfragen stellt.
Trotz der unterschiedlichen Rollen sollte die Kommunikation respektvoll und wertschätzend erfolgen, damit Lernen und Zusammenarbeit gelingen.
DefinitionDas Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun
Das Kommunikationsquadrat wurde von Friedemann Schulz von Thun entwickelt. Es wird auch Vier-Seiten-Modell, Nachrichtenquadrat oder 4-Ohren-Modell genannt.
Das Modell besagt: Jede Nachricht enthält vier Botschaften gleichzeitig. Eine Aussage kann daher auf verschiedenen Ebenen gemeint und verstanden werden.
Überblick: Die vier Seiten einer Nachricht
| Ebene | Sicht der sendenden Person | Sicht der empfangenden Person |
|---|---|---|
| Sachebene | Worüber informiere ich? | Wie ist der Sachinhalt zu verstehen? |
| Selbstoffenbarung / Selbstkundgabe | Was gebe ich von mir preis? | Was sagt die Nachricht über die sendende Person aus? |
| Beziehungsebene | Wie stehe ich zum Gegenüber? | Wie stehst du zu mir? |
| Appellebene | Was möchte ich erreichen? / Was soll die andere Person tun? | Was wird von mir erwartet? / Was soll ich tun? |

Beispiel aus dem Rettungsdienst
Ein Notfallsanitäter sagt zu einer Auszubildenden: „Der Zugang liegt aber noch nicht.“
| Ebene | Mögliche Bedeutung |
|---|---|
| Sachebene | Der venöse Zugang ist noch nicht gelegt. |
| Selbstoffenbarung / Selbstkundgabe | Ich bin unter Zeitdruck oder mache mir Sorgen. |
| Beziehungsebene | Ich traue dir die Aufgabe nicht richtig zu. |
| Appellebene | Lege bitte jetzt den Zugang. |
MerkeDie Aussage kann also ganz unterschiedlich verstanden werden. Deshalb sind klare Formulierungen besonders wichtig.
DefinitionEisberg-Modell
Das Eisberg-Modell ist ein anschauliches Modell, um zwischen sichtbaren und nicht direkt sichtbaren Anteilen menschlicher Kommunikation zu unterscheiden. Es nutzt das Bild eines Eisbergs: Nur ein kleiner Teil ist über der Wasseroberfläche sichtbar, während der größere Teil verborgen bleibt.
Übertragen auf Kommunikation bedeutet das:
- Ein kleiner Teil einer Botschaft ist direkt wahrnehmbar, beispielsweise durch Worte, Handlungen, Mimik, Gestik oder Körperhaltung
- Der größere Teil bleibt verborgen und umfasst Gefühle, Erwartungen, Erfahrungen, Bedürfnisse, Motive sowie die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern. Diese verborgenen Anteile beeinflussen maßgeblich, wie eine Botschaft gesendet und verstanden wird
Ursprung und Einordnung
Das Eisberg-Modell wird häufig mit Sigmund Freud in Verbindung gebracht. Freud unterschied zwischen bewussten, vorbewussten und unbewussten Anteilen der Psyche. Das Bild des Eisbergs eignet sich gut, um diese Vorstellung zu veranschaulichen.
Für die Kommunikation ist jedoch besonders die Unterscheidung zwischen Inhalts- bzw. Sachebene und Beziehungsebene relevant. Diese wird vor allem mit der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick verbunden. Nach diesem Ansatz enthält jede Kommunikation nicht nur eine sachliche Information, sondern auch eine Aussage über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger.
Die zwei Ebenen der Kommunikation nach dem Eisberg-Modell
- Die sichtbare Ebene = Sachebene:
- Umfasst den bewusst wahrnehmbaren Teil der Kommunikation
- Beinhaltet Inhalte, Fakten, Informationen und konkrete Aussagen
- Wird vor allem durch Worte und beobachtbares Verhalten vermittelt
- Ist leichter überprüfbar und bewusster steuerbar
- Die verborgene Ebene = Beziehungsebene:
- Umfasst den nicht direkt sichtbaren Teil der Kommunikation
- Beinhaltet Gefühle, Einstellungen, Erwartungen, Bedürfnisse, Werte und Motive
- Beeinflusst, wie Botschaften gesendet, wahrgenommen und interpretiert werden
- Ist nur indirekt erschließbar und bleibt teilweise verborgen
| Sichtbare Ebene (Sachebene) | Unsichtbare Ebene (Beziehungsebene) |
|---|---|
| Direkt wahrnehmbar | Nicht direkt wahrnehmbar |
| Gesprochene Worte | Gefühle und Bedürfnisse |
| Fakten und Informationen | Erwartungen und Motive |
| Verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation | Gefühle, Bedürfnisse, Erwartungen und Motive |
| „Was wird gesagt?“ | „Wie wird etwas gemeint?“ |
| Eher sachlich und rational | Eher emotional geprägt |
| Bewusst steuerbar | Häufig unbewusst beeinflusst |
| Leichter überprüfbar | Stärker interpretationsabhängig |
| Beispiele: Diagnose, Anweisung, Information | Beispiele: Vertrauen, Angst, Sympathie, Unsicherheit |
MerkeBedeutung für Kommunikation und Rettungsdienst
- Kommunikation besteht nicht nur aus gesprochenen Worten, sondern auch aus nonverbalen und emotionalen Anteilen
- Missverständnisse entstehen häufig auf der Beziehungsebene und nicht allein durch den sachlichen Inhalt
- Tonfall, Körpersprache und Auftreten beeinflussen maßgeblich, wie eine Botschaft verstanden wird
- Im Rettungsdienst erfolgt Kommunikation oft unter Zeitdruck, Stress und emotionaler Belastung
- Patient:innen und Angehörige reagieren nicht nur auf Informationen, sondern auch auf Ruhe, Sicherheit, Empathie und Wertschätzung
- Eine klare, respektvolle und strukturierte Kommunikation kann Vertrauen schaffen, Angst reduzieren und die Zusammenarbeit verbessern
- Hektisches Verhalten, unklare Aussagen oder ein unangemessener Ton können dagegen Unsicherheit und Konflikte verstärken
DefinitionPersonenzentrierter Ansatz
Der personenzentrierte Ansatz wurde vom amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers entwickelt. Er gehört zur humanistischen Psychologie und geht davon aus, dass jeder Mensch grundsätzlich die Fähigkeit besitzt, sich weiterzuentwickeln, Probleme zu bewältigen und eigene Potenziale zu entfalten.
Im Mittelpunkt steht nicht die Bewertung oder Steuerung einer Person von außen, sondern eine unterstützende Beziehung, die Entwicklung, Selbstklärung und Eigenverantwortung ermöglicht.
Grundannahmen des personenzentrierten Ansatzes
| Grundannahme | Bedeutung |
|---|---|
| Ganzheitliches Menschenbild | Der Mensch wird nicht nur über Symptome oder Verhalten betrachtet, sondern mit seinen Gefühlen, Erfahrungen, Bedürfnissen und Ressourcen |
| Aktualisierungstendenz | Menschen haben ein grundlegendes Streben nach Wachstum, Entwicklung und Selbstverwirklichung |
| Selbstkonzept | Jeder Mensch entwickelt ein Bild von sich selbst, das durch Erfahrungen und Rückmeldungen anderer geprägt wird |
| Entwicklung ist dynamisch | Persönlichkeit ist nicht starr, sondern verändert sich durch Erfahrungen, Lebensalter, Beziehungen und soziale Situationen |
| Beziehung als Entwicklungsraum | Eine wertschätzende, empathische und echte Beziehung kann persönliche Entwicklung fördern |
Die drei Grundhaltungen nach Rogers
Auf Grundlage seines Menschenbildes entwickelte Rogers die personenzentrierte Gesprächsführung. Zentral sind drei Grundhaltungen:
| Grundhaltung | Bedeutung |
|---|---|
| Kongruenz / Echtheit | Die helfende Person tritt authentisch und transparent auf |
| Empathie | Die helfende Person versucht, die Sichtweise und Gefühle des Gegenübers nachzuvollziehen |
| Bedingungslose positive Wertschätzung | Die Person wird respektiert und angenommen, ohne sie abzuwerten |
Kongruenz / Echtheit:
- Kongruenz bedeutet, dem Gegenüber echt und glaubwürdig zu begegnen. Die eigene verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation sollte möglichst stimmig sein
- Das bedeutet nicht, ungefiltert alles zu sagen → vielmehr geht es darum, klar, ehrlich und respektvoll zu kommunizieren.
InfoBeispiele im Rettungsdienst
Kongruent wäre:
- „Ich sehe, dass Sie Angst haben. Wir erklären Ihnen jetzt Schritt für Schritt, was passiert.“
- „Die Situation ist ernst, aber wir kümmern uns um Sie.
Weniger kongruent wäre:
- „Alles ist gut“, obwohl hektisch gearbeitet wird und die Lage sichtbar kritisch ist
Empathie:
- Empathie bedeutet, sich in die Erlebniswelt des Gegenübers einzufühlen, ohne vorschnell zu bewerten
- Ziel ist es, die Situation aus der Perspektive der anderen Person besser zu verstehen
- Empathie zeigt sich durch:
- Aktives Zuhören
- Blickkontakt
- Nachfragen
- Zusammenfassen in eigenen Worten
- Wahrnehmen von Angst, Schmerz oder Unsicherheit
InfoBeispiel aus dem Rettungsdienst
„Sie wirken sehr angespannt. Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie vorwiegend Angst haben, keine Luft mehr zu bekommen?“
Durch solche Rückmeldungen fühlt sich das Gegenüber ernst genommen und besser verstanden.
Bedingungslose positive Wertschätzung
- Bedingungslose positive Wertschätzung bedeutet, den Menschen als Person zu respektieren, unabhängig davon, ob man sein Verhalten gutheißt. Das heißt:
- Nicht abwertend behandeln
- Nicht vorschnell urteilen
- respektvoll bleiben
- Würde und Autonomie achten
- Verhalten begrenzen, ohne die Person abzulehnen
MerkeWertschätzung bedeutet nicht, jedes Verhalten zu akzeptieren. Aggressives oder gefährdendes Verhalten darf klar begrenzt werden. Trotzdem bleibt die Person als Mensch respektwürdig.
InfoBeispiel aus dem Rettungsdienst
Ein alkoholisierter Patient beschimpft das Team.
Personenzentriert wäre: „Ich sehe, dass Sie sehr aufgebracht sind. Wir möchten Ihnen helfen. Beleidigungen akzeptieren wir nicht, aber wir bleiben bei Ihnen und klären jetzt, was medizinisch notwendig ist.“
DefinitionTransaktionsanalyse
Die Transaktionsanalyse wurde vom kanadisch-amerikanischen Psychiater Eric Berne entwickelt. Sie beschreibt, wie Menschen miteinander kommunizieren und aus welchen inneren Zuständen heraus sie reagieren.
Eine Transaktion ist dabei eine kommunikative Einheit: Eine Person sendet einen Reiz, eine andere Person reagiert darauf.
Ziel der Transaktionsanalyse
Die Transaktionsanalyse hilft dabei:
- Das eigene Kommunikationsverhalten besser zu verstehen
- Die Reaktionen anderer bewusster einzuordnen
- Konflikte früher zu erkennen
- Gespräche konstruktiver zu führen
- Kommunikation im Team zu verbessern
MerkeGerade im Rettungsdienst kann das Modell helfen, Gespräche unter Stress bewusster zu steuern.
Grundlagen und Ich-Zustände
Die Grundlage von Bernes Theorie ist ein grundsätzlich positives Menschenbild. Der Psychiater Thomas A. Harris, ein Vertreter der Transaktionsanalyse, formulierte dieses in der bekannten Grundhaltung:
- Ich bin okay: Ich akzeptiere mich selbst mit meinen Stärken, Grenzen und Bedürfnissen.
- Du bist okay: Ich begegne anderen Menschen grundsätzlich mit Respekt und Wertschätzung
Die drei Ich-Zustände:
- Nach Berne kommunizieren Menschen aus unterschiedlichen sogenannten Ich-Zuständen heraus
- Jeder Ich-Zustand umfasst typische Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen
| Ich-Zustand | Merkmale | Beispiel im Rettungsdienst |
|---|---|---|
| Eltern-Ich | Geprägt durch Regeln, Werte, Kontrolle, Fürsorge oder Kritik | „Bitte zieh deine Schutzhandschuhe an.“ |
| Erwachsenen-Ich | Sachlich, reflektiert, ruhig und lösungsorientiert | „Der Blutdruck liegt bei 85/50 mmHg, wir bereiten eine Volumengabe vor.“ |
| Kind-Ich | Emotional, spontan, unsicher, trotzig oder verspielt | „Ich traue mich nicht, den Zugang zu legen.“ |
MerkeKein Ich-Zustand ist grundsätzlich gut oder schlecht. Entscheidend ist, ob die Reaktion zur jeweiligen Situation passt. Im Rettungsdienst ist besonders das Erwachsenen-Ich hilfreich, da es sachliche Entscheidungen und strukturierte Kommunikation unterstützt.
Transaktionsarten
Berne unterscheidet verschiedene Formen von Kommunikation zwischen den Ich-Zuständen.
| Transaktionsart | Bedeutung | Wirkung | Beispiel aus dem Rettungsdienst |
|---|---|---|---|
| Komplementäre Transaktion | Die Reaktion passt zum angesprochenen Ich-Zustand | Kommunikation verläuft meist störungsarm |
|
| Gekreuzte Transaktion | Die Reaktion kommt aus einem unerwarteten Ich-Zustand | Missverständnisse oder Konflikte können entstehen |
|
| Verdeckte Transaktion | Die offene Aussage und die eigentliche Botschaft unterscheiden sich | Es entsteht häufig Unsicherheit oder Misstrauen |
|
Bedeutung für den Rettungsdienst
Im Rettungsdienst entstehen Konflikte oft durch Stress, Hierarchie, Zeitdruck oder Unsicherheit. Die Transaktionsanalyse kann helfen, solche Situationen besser zu verstehen.
Hilfreich ist es, sich zu fragen:
- Aus welchem Ich-Zustand kommuniziere ich gerade?
- Aus welchem Ich-Zustand reagiert mein Gegenüber?
- Ist meine Antwort sachlich und lösungsorientiert?
- Verstärke ich gerade einen Konflikt oder beruhige ich ihn?
MerkeDie Transaktionsanalyse zeigt: Kommunikation hängt nicht nur vom Inhalt ab, sondern auch davon, aus welchem inneren Zustand heraus Menschen sprechen und reagieren. Im Rettungsdienst hilft besonders eine klare, respektvolle Kommunikation aus dem Erwachsenen-Ich.
DefinitionDrama-Dreieck
Das Drama-Dreieck wurde Ende der 1960er-Jahre von Stephen Karpman im Rahmen der Transaktionsanalyse entwickelt.
Es beschreibt typische Kommunikations- und Beziehungsmuster in Konfliktsituationen. Das Modell geht davon aus, dass Menschen in Konflikten häufig unbewusst bestimmte Rollen einnehmen und zwischen diesen wechseln.
Ziele
Das Drama-Dreieck wird vor allem genutzt, um:
- Konflikte besser zu verstehen
- Dysfunktionale Kommunikationsmuster zu erkennen
- Teamkonflikte zu analysieren
- Eigene Reaktionen bewusster wahrzunehmen
Die drei Rollen im Drama-Dreieck
| Rolle | Typische Merkmale | Innerer Leitsatz / Haltung |
|---|---|---|
| Retter:in |
|
|
| Verfolger:in |
|
|
| Opfer |
|
|
MerkeDie Rollen sind keine festen Persönlichkeitseigenschaften, sondern situationsabhängige Kommunikationsmuster. Menschen können während eines Konflikts zwischen den Rollen wechseln.
InfoBeispiel aus dem Rettungsdienst
- Eine Auszubildende fühlt sich bei einem Einsatz überfordert und übernimmt kaum Aufgaben (Opferrolle)
- Ein erfahrener Kollege übernimmt daraufhin ungefragt alle Maßnahmen (Retterrolle)
- Nach einiger Zeit reagiert der Kollege genervt: „Du musst langsam selbstständiger werden!“
- Damit wechselt er in die Verfolgerrolle
DefinitionGewaltfreie Kommunikation
Die gewaltfreie Kommunikation (GFK) wurde vom US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelt. Im Englischen wird sie als Nonviolent Communication (NVC) bezeichnet.
Das Konzept verfolgt das Ziel, Konflikte respektvoll und empathisch zu lösen, ohne das Gegenüber anzugreifen, zu beschuldigen oder abzuwerten. Im Mittelpunkt stehen dabei:
- Gefühle
- Bedürfnisse
- Gegenseitiges Verständnis
- Wertschätzende Kommunikation
Die gewaltfreie Kommunikation basiert auf der Annahme, dass hinter jedem Verhalten Bedürfnisse stehen und dass Menschen eher kooperativ reagieren, wenn sie sich verstanden und respektiert fühlen.
Grundgedanke der gewaltfreien Kommunikation
- Konflikte entstehen häufig dadurch, dass Menschen einander bewerten, beschuldigen oder ihre eigentlichen Gefühle und Bedürfnisse nicht offen mitteilen. Dies führt oft zu Abwehrreaktionen und erschwert eine konstruktive Kommunikation
- Die gewaltfreie Kommunikation versucht, diesen Kreislauf zu durchbrechen
- Im Mittelpunkt stehen dabei:
- Beobachtung statt Bewertung
- Gefühle statt Vorwürfe
- Bedürfnisse statt Schuldzuweisungen
- Bitten statt Forderungen
| Häufige konfliktfördernde Kommunikation | Gewaltfreie Kommunikation |
|---|---|
| Vorwürfe und Schuldzuweisungen | Konkrete Beobachtungen statt Bewertungen |
| Kritik und Verurteilung | Gefühle offen benennen |
| Unausgesprochene Bedürfnisse | Bedürfnisse klar formulieren |
| Forderungen und Druck | Konkrete Bitten äußern |
| Verteidigung, Rückzug oder Gegenangriff | Empathisches Zuhören und gegenseitiges Verständnis |
InfoBedeutung der Empathie
- Empathie ist eine zentrale Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation
- Rosenberg unterscheidet dabei zwei Formen:
- Empathie für andere: Einfühlendes Verstehen des Gegenübers
- Selbstempathie: Wahrnehmen und Verstehen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse
Ziele
- Konflikte respektvoll lösen
- Empathisches Zuhören fördern
- Gegenseitiges Verständnis verbessern
- Vorwürfe und Bewertungen reduzieren
- Gefühle und Bedürfnisse klar ausdrücken
- Bitten statt Forderungen formulieren
- Eskalationen vermeiden
- Beziehungen langfristig stärken
Die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation
Rosenberg empfiehlt, Kommunikation in vier aufeinanderfolgenden Schritten aufzubauen.
| Schritt | Inhalt | Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Beobachtung | Konkretes Verhalten sachlich beschreiben, ohne Bewertung | „Du bist heute 20 Minuten später gekommen.“ |
| 2. Gefühl | Eigene Gefühle benennen | „Ich bin dadurch gestresst.“ |
| 3. Bedürfnis | Dahinterstehendes Bedürfnis ausdrücken | „Mir ist Verlässlichkeit wichtig.“ |
| 4. Bitte | Konkrete und umsetzbare Bitte formulieren | „Kannst du mir künftig früher Bescheid geben?“ |
Beispiel aus dem Rettungsdienst
Ein Teammitglied dokumentiert während eines Einsatzes wichtige Vitalwerte nicht vollständig.
- Bewertung bzw. Vorwurf: „Du dokumentierst schon wieder unzuverlässig!“
- Dies führt leicht zu:
- Rechtfertigung
- Gegenangriff
- Konflikten
- Dies führt leicht zu:
- Gewaltfreie Kommunikation: „Mir ist aufgefallen, dass die letzten Blutdruckwerte noch fehlen. Ich bin deshalb unsicher, weil mir eine vollständige Dokumentation wichtig ist. Kannst du die Werte bitte noch ergänzen?“
- Die Aussage:
- bleibt sachlich
- beschreibt konkrete Beobachtungen
- benennt Gefühle und Bedürfnisse
- formuliert eine klare Bitte
- Die Aussage:
MerkeIm Mittelpunkt stehen nicht Schuldzuweisungen, sondern gegenseitiges Verständnis und wertschätzende Kommunikation.
DefinitionKommunikationsstörung
Eine Kommunikationsstörung entsteht, wenn eine Botschaft zwischen Sender:in und Empfänger:in unvollständig, missverständlich oder verfälscht übermittelt wird und dadurch das gegenseitige Verständnis beeinträchtigt wird.
Häufige Ursachen von Kommunikationsstörungen
Kommunikationsstörungen können durch unterschiedliche Faktoren entstehen. Diese betreffen sowohl äußere Rahmenbedingungen als auch persönliche, sprachliche oder zwischenmenschliche Aspekte der Kommunikation.
| Bereich | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Rahmenbedingungen | Äußere Faktoren erschweren die Kommunikation | Lärm, Zeitdruck, schlechte Funkverbindung, Stress |
| Sprache & Verhalten | Ausdrucksweise oder Verhalten führen zu Missverständnissen | Fachsprache, undeutliche Aussagen, fehlender Blickkontakt |
| Beziehungsebene | Zwischenmenschliche Faktoren beeinflussen die Kommunikation | Antipathie, Konkurrenz, Hierarchien, mangelnde Wertschätzung |
| Persönliche Faktoren | Emotionen und individuelle Erfahrungen beeinflussen Wahrnehmung und Reaktion | Angst, Nervosität, Vorurteile, emotionale Belastung |
| Informationsübermittlung | Informationen werden unklar oder unvollständig weitergegeben | unklare Aussagen, fehlende Informationen, Missverständnisse |
MerkeKommunikationsstörungen entstehen häufig nicht durch den Inhalt allein, sondern durch Missverständnisse, Emotionen, unklare Ausdrucksweise, fehlende Informationen oder Probleme auf der Beziehungsebene.
→ Klare Sprache, aktives Zuhören und Rückfragen helfen, Kommunikationsfehler zu vermeiden.
Eine gelingende Kommunikation basiert im Wesentlichen auf drei zentralen Komponenten:
- Ich-Botschaften senden, bzw. Du-Botschaften vermeiden
- aktiv zuhören
- konstruktives Feedback geben
Ich-Botschaften
DefinitionIch-Botschaften
Ich-Botschaften sind persönliche und wertungsfreie Aussagen über das eigene Erleben, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse.
- Beschreiben die eigene Wahrnehmung
- Benennen Gefühle
- Vermeidung von Schuldzuweisungen
- Wirken häufig deeskalierend
MerkeGerade in Konflikten oder schwierigen Gesprächssituationen helfen Ich-Botschaften dabei, Kritik respektvoll und konstruktiv zu äußern.
Anstatt das Gegenüber anzugreifen oder zu verurteilen, wird beschrieben, welche Wirkung ein Verhalten auf die eigene Person hat. Dadurch entsteht eher die Möglichkeit für einen offenen Dialog.
Du-Botschaften
DefinitionDu-Botschaften
Du-Botschaften sind Aussagen, die das Verhalten oder die Persönlichkeit des Gegenübers bewerten, kritisieren oder verurteilen.
- Bewerten das Gegenüber
- Enthalten häufig Kritik oder Vorwürfe
- Weisen Verantwortung oder Schuld zu
- Lassen wenig Raum für andere Sichtweisen
- Wirken häufig eskalierend
Vergleich: Ich- vs. Du-Botschaft
| Art der Botschaft | Eigenschaften | Beispiel |
|---|---|---|
| Ich-Botschaften | beschreiben eigenes Erleben | „Ich bin unsicher, weil wichtige Informationen fehlen.“ |
| benennen Gefühle und Bedürfnisse | „Mir ist eine strukturierte Übergabe wichtig.“ | |
| wirken eher deeskalierend | „Ich würde die Situation gern ruhig klären.“ | |
| fördern Dialog | „Wie siehst du die Situation?“ | |
| zeigen subjektive Wahrnehmung | „Ich habe den Eindruck, dass …“ | |
| Du-Botschaften | bewerten das Gegenüber | „Du arbeitest total chaotisch.“ |
| enthalten häufig Vorwürfe | „Du hörst nie richtig zu.“ | |
| wirken häufig eskalierend | „Mit dir kann man einfach nicht arbeiten.“ | |
| fördern Abwehrreaktionen | „Du machst immer dieselben Fehler.“ | |
| weisen Schuld zu | „Wegen dir funktioniert das nicht.“ |
DefinitionAktives Zuhören
Aktives Zuhören beschreibt eine bewusste und wertschätzende Form des Zuhörens. Ziel ist es, das Gegenüber möglichst genau zu verstehen und dies auch sichtbar zu machen.
Das Konzept geht unter anderem auf den Psychologen Carl Rogers zurück. Er unterschied zwischen:
- Hören
- Hinhören
- Bewusstem Zuhören
Dabei reicht bloßes Zuhören allein oft nicht aus. Erst durch aktive Beteiligung entsteht echte Verständigung.
Bedeutung des aktiven Zuhörens
Aktives Zuhören hilft dabei:
- Vertrauen aufzubauen
- Missverständnisse zu reduzieren
- Gespräche zu beruhigen
- Gefühle und Bedürfnisse besser zu verstehen
- Wertschätzung und Interesse zu vermitteln
MerkeGleichzeitig gewinnt die zuhörende Person Zeit, um die eigene Reaktion bewusst zu überlegen.
Nonverbale und verbale Signale des aktiven Zuhörens
| Nonverbale Signale | Verbale Signale |
|---|---|
| offener Blickkontakt | kurze Rückmeldungen wie „Ja“ oder „Ich verstehe“ |
| zustimmendes Nicken | gezieltes Nachfragen |
| zugewandte Körperhaltung | Gesprächspartner ausreden lassen |
| ruhige Mimik und Gestik | Pausen zulassen |
| Ablenkungen vermeiden | eigene Meinung zunächst zurückstellen |
| Notizen machen | Paraphrasieren |
| angemessene Distanz und Haltung | Verbalisieren von Gefühlen |
Paraphrasieren
DefinitionParaphrasieren
Beim Paraphrasieren wird das Gesagte sinngemäß mit eigenen Worten wiederholt.
Dadurch kann überprüft werden:
- ob die Aussage richtig verstanden wurde
- und ob Missverständnisse bestehen
Typische Formulierungen
- „Habe ich richtig verstanden, dass …?“
- „Sie meinen also, dass …“
- „Ich fasse noch einmal zusammen …“
Nutzen des Paraphrasierens:
- Missverständnisse frühzeitig erkennen
- Gespräch strukturieren
- Verständnis signalisieren
- Zeit für eine überlegte Reaktion gewinnen
Verbalisieren
DefinitionBeim Verbalisieren werden wahrgenommene Gefühle oder nonverbale Signale des Gegenübers in Worte gefasst. Dabei wird beschrieben, welchen Eindruck die emotionale Situation vermittelt.
Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass Sie das Thema gerade sehr belastet.“
- Hinweise auf Gefühle können sein:
- Tonfall
- Sprechtempo
- Wortwahl
- Mimik
- Körperhaltung
DefinitionFeedback
Feedback ist eine Rückmeldung darüber, wie eine Aussage, ein Verhalten oder eine Handlung wahrgenommen und verstanden wurde.
- Konstruktives Feedback kann helfen:
- Missverständnisse frühzeitig zu klären
- Transparenz in der Kommunikation zu fördern
- Zusammenarbeit im Team zu verbessern
- Selbst- und Fremdwahrnehmung zu stärken
- Lernen und persönliche Entwicklung zu unterstützen
- Motivation und Sicherheit zu fördern
MerkeGerade im Rettungsdienst ist Feedback wichtig, um Zusammenarbeit, Kommunikation und Patient:innensicherheit kontinuierlich zu verbessern.
Grundsätze für gutes Feedback
- Gutes Feedback sollte folgende Punkte berücksichtigen:
- Respektvoll
- Konkret
- Nachvollziehbar und möglichst zeitnah erfolgen
- Wichtig ist:
- Verhalten beschreiben, nicht die Persönlichkeit bewerten
- Ich-Botschaften verwenden
- Konkrete Situationen ansprechen
- Nachvollziehbare Veränderungsvorschläge machen
- Keine Schuldzuweisungen formulieren
TippAußerdem empfiehlt sich ein ruhiges und vertrauliches Gespräch, idealerweise im Vier-Augen-Setting.
Regeln für ein gutes Feedbackgespräch
| Hilfreich | Weniger hilfreich | |
|---|---|---|
| Feedbacknehmer:in | aufmerksam zuhören | sofort rechtfertigen |
| Rückfragen stellen | unterbrechen | |
| Feedback reflektieren | defensiv reagieren | |
| unterschiedliche Sichtweisen zulassen | Feedback persönlich nehmen | |
| Rückmeldung annehmen oder bewusst ablehnen | impulsiv reagieren | |
| Feedbackgeber:in | konkrete Beobachtungen beschreiben | pauschale Kritik äußern |
| Ich-Botschaften verwenden | Du-Botschaften verwenden | |
| Verhalten statt Persönlichkeit ansprechen | Personen bewerten | |
| sachlich und verständlich formulieren | interpretieren oder verurteilen | |
| zeitnah Rückmeldung geben | alte Konflikte sammeln | |
| Veränderungsmöglichkeiten aufzeigen | Fehler aufzählen |
MerkeKonstruktives Feedback beschreibt beobachtbares Verhalten sachlich und respektvoll. Ziel ist nicht Schuldzuweisung, sondern gegenseitiges Verständnis, Lernen und Verbesserung der Zusammenarbeit.
Grundlagen
DefinitionKommunikation
Kommunikation bezeichnet den Prozess der Übertragung und Aushandlung von Informationen, Bedeutungen und Signalen zwischen mindestens zwei Beteiligten.
Soziale Kommunikation
Soziale Kommunikation beschreibt Kommunikation innerhalb sozialer Beziehungen und Interaktionen.
Kommunikation im Rettungsdienst:
Kommunikation im Rettungsdienst
Für Notfallsanitäter:innen ist Kommunikation eine zentrale soziale Kompetenz. Sie ist wichtig für:
- die Zusammenarbeit im Team
- den Umgang mit Patient:innen
- Gespräche mit Angehörigen und Ersthelfenden
- die Bewältigung von Konflikten und Stresssituationen
Eine professionelle Kommunikation trägt dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden und eine sichere Patientenversorgung zu unterstützen.
TippKommunikationsfähigkeit ist erlern- und trainierbar. Kenntnisse zentraler Kommunikationstheorien und -modelle helfen dabei, die Grundlagen effektiver Kommunikation zu verstehen.
MerkeDie Wertigkeit von paraverbaler und nonverbaler Kommunikation ist höher, wie die der verbalen Kommunikation.
Distanzzonen nach Edward Hall:
| Zone | Abstand | Beschreibung |
|---|---|---|
| Intime Distanz | 0 bis 45 cm |
|
| Persönliche Distanz | 45 bis 120 cm |
|
| Soziale Distanz | 1,2 bis 3,6 m |
|
| Öffentliche Distanz | ab 3,6 m |
|
Die Ebenen der Kommunikation
Kommunikation erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Neben dem gesprochenen Wort spielen auch Stimme, Tonfall sowie Körpersprache eine wichtige Rolle für das Verständnis einer Botschaft.
| Kommunikationsebene | Beschreibung | Beispiele | Anteil an der Gesamtwirkung |
|---|---|---|---|
| Verbale Kommunikation | Übermittlung von Informationen durch Sprache und Worte | Gespräche, Fragen, Anweisungen | ca. 7 % |
| Paraverbale Kommunikation | Wirkung der Stimme und Sprechweise | Lautstärke, Betonung, Sprechtempo | ca. 38 % |
| Nonverbale Kommunikation | Kommunikation ohne Worte | Mimik, Gestik, Körperhaltung | ca. 55 % |
InfoDie Prozentangaben beziehen sich auf das Kommunikationsmodell von Albert Mehrabian. Sie gelten hauptsächlich für die Wirkung emotionaler Botschaften und dürfen nicht auf jede Kommunikationssituation übertragen werden.
Sender-Empfänger-Modell nach Shannon und Weaver
DefinitionSender-Empfänger-Modell
Das Sender-Empfänger-Modell nach Claude Shannon und Warren Weaver gehört zu den bekanntesten Kommunikationsmodellen. Ursprünglich wurde es entwickelt, um technische Kommunikationsprozesse, etwa in der Nachrichtentechnik, zu beschreiben und Störungen bei der Informationsübertragung zu reduzieren.
Das Modell beschreibt Kommunikation vereinfacht als Übertragung einer Nachricht zwischen:
- Sender:in
- Empfänger:in
- Übertragungskanal

Grundprinzip:
- Eine Person möchte einer anderen Person etwas mitteilen, insbesondere Informationen, Gedanken oder Gefühle
- Die Botschaft wird dabei über einen bestimmten Kommunikationsweg übertragen, zum Beispiel durch:
- Gesprochene Sprache
- Schrift
- Körpersprache
- Digitale Medien
- Funkkommunikation
- Der Sender formuliert die Nachricht und „übersetzt“ sie in Worte, Zeichen oder Verhalten (Codierung)
- Der Empfänger muss diese Botschaft aufnehmen und richtig verstehen (Decodierung)
- Damit Kommunikation gelingt, müssen beide Seiten denselben oder einen ähnlichen „Code“ verstehen, zum Beispiel:
- Dieselbe Sprache sprechen
- Fachbegriffe verstehen
- Aussagen ähnlich interpretieren
5 Axiome nach Paul Watzlawick
Definition5 Axiome nach Paul Watzlawick
Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick gehören zu den bekanntesten Grundlagenmodellen der Kommunikationspsychologie. Sie beschreiben grundlegende Eigenschaften menschlicher Kommunikation und zeigen, warum es häufig zu Missverständnissen kommt.
Ein Axiom ist eine Grundannahme, die innerhalb eines Modells als gültig vorausgesetzt wird.
Watzlawick entwickelte seine Axiome, um zwischenmenschliche Kommunikation besser zu verstehen, insbesondere Kommunikationsstörungen und Konflikte.
Überblick:
| Axiom | Kernaussage |
|---|---|
| 1. Man kann nicht nicht kommunizieren | Jedes Verhalten hat Mitteilungscharakter, auch Schweigen oder Wegschauen |
| 2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt | Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Beziehung beeinflusst, wie eine Botschaft verstanden wird |
| 3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung | Kommunikation verläuft wechselseitig und beeinflusst sich gegenseitig |
| 4. Kommunikation nutzt digitale und analoge Modalitäten | Kommunikation erfolgt sowohl verbal als auch nonverbal |
| 5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär | Beziehungen beruhen entweder auf Gleichheit oder auf unterschiedlichen Rollen |
Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun
DefinitionDas Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun
Das Kommunikationsquadrat wurde von Friedemann Schulz von Thun entwickelt. Es wird auch Vier-Seiten-Modell, Nachrichtenquadrat oder 4-Ohren-Modell genannt.
Das Modell besagt: Jede Nachricht enthält vier Botschaften gleichzeitig. Eine Aussage kann daher auf verschiedenen Ebenen gemeint und verstanden werden.
Überblick: die vier Seiten einer Nachricht:
| Ebene | Sicht der sendenden Person | Sicht der empfangenden Person |
|---|---|---|
| Sachebene | Worüber informiere ich? | Wie ist der Sachinhalt zu verstehen? |
| Selbstoffenbarung / Selbstkundgabe | Was gebe ich von mir preis? | Was sagt die Nachricht über die sendende Person aus? |
| Beziehungsebene | Wie stehe ich zum Gegenüber? | Wie stehst du zu mir? |
| Appellebene | Was möchte ich erreichen? / Was soll die andere Person tun? | Was wird von mir erwartet? / Was soll ich tun? |
Eisbergmodell
DefinitionEisberg-Modell
Das Eisberg-Modell ist ein anschauliches Modell, um zwischen sichtbaren und nicht direkt sichtbaren Anteilen menschlicher Kommunikation zu unterscheiden. Es nutzt das Bild eines Eisbergs: Nur ein kleiner Teil ist über der Wasseroberfläche sichtbar, während der größere Teil verborgen bleibt.
Übertragen auf Kommunikation bedeutet das:
- Ein kleiner Teil einer Botschaft ist direkt wahrnehmbar, beispielsweise durch Worte, Handlungen, Mimik, Gestik oder Körperhaltung
- Der größere Teil bleibt verborgen und umfasst Gefühle, Erwartungen, Erfahrungen, Bedürfnisse, Motive sowie die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern. Diese verborgenen Anteile beeinflussen maßgeblich, wie eine Botschaft gesendet und verstanden wird
- Die sichtbare Ebene = Sachebene:
- Umfasst den bewusst wahrnehmbaren Teil der Kommunikation
- Beinhaltet Inhalte, Fakten, Informationen und konkrete Aussagen
- Wird vor allem durch Worte und beobachtbares Verhalten vermittelt
- Ist leichter überprüfbar und bewusster steuerbar
- Die verborgene Ebene = Beziehungsebene:
- Umfasst den nicht direkt sichtbaren Teil der Kommunikation
- Beinhaltet Gefühle, Einstellungen, Erwartungen, Bedürfnisse, Werte und Motive
- Beeinflusst, wie Botschaften gesendet, wahrgenommen und interpretiert werden
- Ist nur indirekt erschließbar und bleibt teilweise verborgen
Personenzentrierter Ansatz nach Carl R. Rogers
DefinitionPersonenzentrierter Ansatz
Der personenzentrierte Ansatz wurde vom amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers entwickelt. Er gehört zur humanistischen Psychologie und geht davon aus, dass jeder Mensch grundsätzlich die Fähigkeit besitzt, sich weiterzuentwickeln, Probleme zu bewältigen und eigene Potenziale zu entfalten.
Im Mittelpunkt steht nicht die Bewertung oder Steuerung einer Person von außen, sondern eine unterstützende Beziehung, die Entwicklung, Selbstklärung und Eigenverantwortung ermöglicht.
Grundannahmen des personenzentrierten Ansatzes:
| Grundannahme | Bedeutung |
|---|---|
| Ganzheitliches Menschenbild | Der Mensch wird nicht nur über Symptome oder Verhalten betrachtet, sondern mit seinen Gefühlen, Erfahrungen, Bedürfnissen und Ressourcen |
| Aktualisierungstendenz | Menschen haben ein grundlegendes Streben nach Wachstum, Entwicklung und Selbstverwirklichung |
| Selbstkonzept | Jeder Mensch entwickelt ein Bild von sich selbst, das durch Erfahrungen und Rückmeldungen anderer geprägt wird |
| Entwicklung ist dynamisch | Persönlichkeit ist nicht starr, sondern verändert sich durch Erfahrungen, Lebensalter, Beziehungen und soziale Situationen |
| Beziehung als Entwicklungsraum | Eine wertschätzende, empathische und echte Beziehung kann persönliche Entwicklung fördern |
Transaktionsanalyse nach Eric Berne
DefinitionTransaktionsanalyse
Die Transaktionsanalyse wurde vom kanadisch-amerikanischen Psychiater Eric Berne entwickelt. Sie beschreibt, wie Menschen miteinander kommunizieren und aus welchen inneren Zuständen heraus sie reagieren.
Eine Transaktion ist dabei eine kommunikative Einheit: Eine Person sendet einen Reiz, eine andere Person reagiert darauf.
Ich-Zustände:
| Ich-Zustand | Merkmale | Beispiel im Rettungsdienst |
|---|---|---|
| Eltern-Ich | Geprägt durch Regeln, Werte, Kontrolle, Fürsorge oder Kritik | „Bitte zieh deine Schutzhandschuhe an.“ |
| Erwachsenen-Ich | Sachlich, reflektiert, ruhig und lösungsorientiert | „Der Blutdruck liegt bei 85/50 mmHg, wir bereiten eine Volumengabe vor.“ |
| Kind-Ich | Emotional, spontan, unsicher, trotzig oder verspielt | „Ich traue mich nicht, den Zugang zu legen.“ |
MerkeKein Ich-Zustand ist grundsätzlich gut oder schlecht. Entscheidend ist, ob die Reaktion zur jeweiligen Situation passt. Im Rettungsdienst ist besonders das Erwachsenen-Ich hilfreich, da es sachliche Entscheidungen und strukturierte Kommunikation unterstützt.
Drama-Dreieck nach Stephen Karpman
DefinitionDrama-Dreieck
Das Drama-Dreieck wurde Ende der 1960er-Jahre von Stephen Karpman im Rahmen der Transaktionsanalyse entwickelt.
Es beschreibt typische Kommunikations- und Beziehungsmuster in Konfliktsituationen. Das Modell geht davon aus, dass Menschen in Konflikten häufig unbewusst bestimmte Rollen einnehmen und zwischen diesen wechseln.
Rollen:
| Rolle | Typische Merkmale | Innerer Leitsatz / Haltung |
|---|---|---|
| Retter:in |
|
|
| Verfolger:in |
|
|
| Opfer |
|
|
Gewaltfreie Kommunikation Marshall B. Rosenberg
DefinitionGewaltfreie Kommunikation
Die gewaltfreie Kommunikation (GFK) wurde vom US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelt. Im Englischen wird sie als Nonviolent Communication (NVC) bezeichnet.
Das Konzept verfolgt das Ziel, Konflikte respektvoll und empathisch zu lösen, ohne das Gegenüber anzugreifen, zu beschuldigen oder abzuwerten. Im Mittelpunkt stehen dabei:
- Gefühle
- Bedürfnisse
- Gegenseitiges Verständnis
- Wertschätzende Kommunikation
Die gewaltfreie Kommunikation basiert auf der Annahme, dass hinter jedem Verhalten Bedürfnisse stehen und dass Menschen eher kooperativ reagieren, wenn sie sich verstanden und respektiert fühlen.
Kommunikationsstörung
DefinitionKommunikationsstörung
Eine Kommunikationsstörung entsteht, wenn eine Botschaft zwischen Sender:in und Empfänger:in unvollständig, missverständlich oder verfälscht übermittelt wird und dadurch das gegenseitige Verständnis beeinträchtigt wird.
Häufige Ursachen:
| Bereich | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Rahmenbedingungen | Äußere Faktoren erschweren die Kommunikation | Lärm, Zeitdruck, schlechte Funkverbindung, Stress |
| Sprache & Verhalten | Ausdrucksweise oder Verhalten führen zu Missverständnissen | Fachsprache, undeutliche Aussagen, fehlender Blickkontakt |
| Beziehungsebene | Zwischenmenschliche Faktoren beeinflussen die Kommunikation | Antipathie, Konkurrenz, Hierarchien, mangelnde Wertschätzung |
| Persönliche Faktoren | Emotionen und individuelle Erfahrungen beeinflussen Wahrnehmung und Reaktion | Angst, Nervosität, Vorurteile, emotionale Belastung |
| Informationsübermittlung | Informationen werden unklar oder unvollständig weitergegeben | unklare Aussagen, fehlende Informationen, Missverständnisse |
Merkmale guter Kommunikation
Eine gelingende Kommunikation basiert im Wesentlichen auf drei zentralen Komponenten:
- Ich-Botschaften senden, bzw. Du-Botschaften vermeiden
- aktiv zuhören
- konstruktives Feedback geben
- Schüler, Dietz: Medizinische Psychologie und Soziologie. 1. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-36421-1.
- Luxem, J., Runggaldier, K., Karutz, H., Flake, F., Notfallsanitäter Heute, Elsevier, 2016, ISBN: 978-3437461958
- Koch, S., Kuhnke, R., retten - Notfallsanitäter, Thieme, 2023, ISBN: 978-3132421219
- Balck: Anwendungsfelder der medizinischen Psychologie. 1. Auflage Springer 2005, ISBN: 978-3-540-24845-3.


