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Kommunikation (RD)

Watzlawick, Schulz von Thun, Shannon und Weaver
48 Minuten Lesezeit

Kommunikation gehört im Rettungsdienst zu jedem Einsatz dazu. Sie beeinflusst nicht nur den Umgang mit Patient:innen und Angehörigen, sondern auch die Zusammenarbeit im Team und mit anderen Einsatzkräften. Dabei zählt nicht nur, was gesagt wird, sondern auch, wie etwas gesagt wird, z.B. durch Tonfall, Körpersprache oder Auftreten.

Im Artikel werden verschiedene Grundlagen und Kommunikationsmodelle erklärt, die helfen sollen, Missverständnisse besser zu verstehen und Gespräche professionell zu führen. Außerdem wird gezeigt, welche Faktoren Kommunikation stören können und wie man in stressigen Situationen ruhig, klar und verständlich bleibt.

Du erhältst in diesem Artikel einen Überblick über zentrale Aspekte der Kommunikation im Rettungsdienst.

  • Verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation
  • Distanzzonen und Körpersprache
  • Wichtige Kommunikationsmodelle 
  • Typische Kommunikationsstörungen
  • Aktives Zuhören
  • Ich- und Du-Botschaften
  • Wertschätzende und professionelle Gesprächsführung
  • Kommunikation mit Patient:innen, Angehörigen und im Team

Gute Kommunikation kann im Rettungsdienst helfen, Vertrauen aufzubauen, Konflikte zu vermeiden und die Zusammenarbeit im Einsatz zu verbessern.

 Definition
Kommunikation

Kommunikation bezeichnet den Prozess der Übertragung und Aushandlung von Informationen, Bedeutungen und Signalen zwischen mindestens zwei Beteiligten.

Soziale Kommunikation

Soziale Kommunikation beschreibt Kommunikation innerhalb sozialer Beziehungen und Interaktionen.

Bedeutung der Kommunikation

Kommunikation findet immer statt. Der Philosoph Paul Watzlawick formulierte dies mit dem bekannten Satz: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Nicht nur Worte übermitteln Botschaften, sondern auch:

  • Mimik und Gestik
  • Körperhaltung
  • Tonfall
  • Schweigen oder Verhalten

Jede Äußerung wird vom Gegenüber wahrgenommen und interpretiert. Dabei spielt der jeweilige Kontext eine wichtige Rolle. Menschen kommunizieren im privaten Umfeld anders als im Berufsalltag, beispielsweise durch Fachsprache im Rettungsdienst oder persönliche Ausdrucksweisen in Beziehungen.

Kommunikation im Rettungsdienst

Für Notfallsanitäter:innen ist Kommunikation eine zentrale soziale Kompetenz. Sie ist wichtig für:

  • die Zusammenarbeit im Team
  • den Umgang mit Patient:innen
  • Gespräche mit Angehörigen und Ersthelfenden
  • die Bewältigung von Konflikten und Stresssituationen

Eine professionelle Kommunikation trägt dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden und eine sichere Patientenversorgung zu unterstützen.

 Tipp

Kommunikationsfähigkeit ist erlern- und trainierbar. Kenntnisse zentraler Kommunikationstheorien und -modelle helfen dabei, die Grundlagen effektiver Kommunikation zu verstehen.

 Merke

Die Wertigkeit paraverbaler und nonverbaler Kommunikation ist höher als die der verbalen Kommunikation.

Distanzzonen

 Definition

Die Distanzzonen nach Edward T. Hall beschreiben den persönlichen Raum, den Menschen in sozialen Situationen gegenüber anderen einnehmen. Je nach Beziehung, Vertrautheit und kulturellem Hintergrund werden unterschiedliche Abstände als angenehm oder unangenehm empfunden.

ZoneAbstandBeschreibung 
Intime Distanz0 bis 45 cm
  • Enge emotionale Beziehungen wie Partner:innen oder Familie
  • Das Eindringen in diese Zone ist meist nur engen Bezugspersonen vorbehalten
Persönliche Distanz45 bis 120 cm
  • Typisch für Gespräche mit Freund:innen, Bekannten oder Kolleg:innen
  • Geeignet für alltägliche Unterhaltungen und persönliche Gespräche.
Soziale Distanz1,2 bis 3,6 m
  • Formeller und beruflicher Bereich, beispielsweise bei Gesprächen mit fremden Personen, im Büro oder im Kundenkontakt
Öffentliche Distanzab 3,6 m
  • Typisch für Vorträge, Unterricht oder Kommunikation mit größeren Gruppen und unbekannten Personen
 Achtung

Das unerlaubte Eindringen in die intime Distanzzone wird häufig als unangenehm oder bedrohlich empfunden. Die Wahrnehmung von Nähe und Distanz ist jedoch individuell sowie kulturell unterschiedlich geprägt.

Praxisbezug Rettungsdienst:

Im Rettungsdienst müssen intime und persönliche Distanzzonen häufig überschritten werden, beispielsweise bei Untersuchungen oder medizinischen Maßnahmen. Deshalb sind ein respektvoller Umgang und eine professionelle Kommunikation besonders wichtig.

Wichtige Maßnahmen hierzu sind:

  • Patient:innen über Maßnahmen informieren
  • Zustimmung einholen, sofern möglich
  • Ruhig und wertschätzend kommunizieren
  • Schamgrenzen beachten
  • Nach der Maßnahme wieder Distanz herstellen

Kommunikation erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Neben dem gesprochenen Wort spielen auch Stimme, Tonfall sowie Körpersprache eine wichtige Rolle für das Verständnis einer Botschaft.

KommunikationsebeneBeschreibungBeispieleAnteil an der Gesamtwirkung
Verbale KommunikationÜbermittlung von Informationen durch Sprache und WorteGespräche, Fragen, Anweisungenca. 7 %
Paraverbale KommunikationWirkung der Stimme und SprechweiseLautstärke, Betonung, Sprechtempoca. 38 %
Nonverbale KommunikationKommunikation ohne WorteMimik, Gestik, Körperhaltungca. 55 %
 Info

Die Prozentangaben beziehen sich auf das Kommunikationsmodell von Albert Mehrabian. Sie gelten hauptsächlich für die Wirkung emotionaler Botschaften und dürfen nicht auf jede Kommunikationssituation übertragen werden.

 Definition
Verbale Kommunikation

Die verbale Kommunikation umfasst alle gesprochenen und geschriebenen Worte. Sie dient der gezielten Übermittlung von Informationen, Gedanken und Gefühlen.

  • Im Rettungsdienst spielt die verbale Kommunikation eine zentrale Rolle
  • Sie wird unter anderem bei der Anamnese, der Aufklärung von Patient:innen sowie bei der Zusammenarbeit im Team genutzt
  • Klare und verständliche Aussagen helfen dabei, Missverständnisse zu vermeiden und eine sichere Versorgung von Patient:innen zu gewährleisten → dabei sollten Fachbegriffe situationsgerecht eingesetzt und Informationen präzise formuliert werden
  • Beispiel: „Seit wann bestehen die Schmerzen?“ oder „Bitte bereiten Sie 5 mg Morphin vor.“
 Definition
Paraverbale Kommunikation

Die paraverbale Kommunikation beschreibt die Art und Weise des Sprechens. Faktoren wie Tonfall, Lautstärke, Betonung und Sprechtempo beeinflussen die Wirkung einer Aussage maßgeblich und können etwa Ruhe, Sicherheit, Unsicherheit oder Anspannung vermitteln

Beeinflussende Merkmale

MerkmaleBeschreibungBeispiele / Wirkung
TonfallEmotionale Färbung der Stimme
  • Freundlich
  • Aggressiv
  • Beruhigend
LautstärkeStärke der Stimme beim Sprechen
  • lautes Sprechen wirkt dominant oder hektisch
  • leises Sprechen ruhig oder unsicher
SprechtempoGeschwindigkeit des Sprechens
  • schnelles Sprechen → Stress oder Nervosität
  • langsames Sprechen → Ruhe
BetonungHervorhebung einzelner Wörter oder Satzteile
  • wichtige Informationen werden deutlicher vermittelt
SprechpausenBewusste Unterbrechungen beim Sprechen
  • geben Zeit zum Verstehen oder wirken beruhigend
StimmlageHöhe oder Tiefe der Stimme
  • hohe Stimme kann Unsicherheit ausdrücken
  • tiefe Stimme wirkt oft souverän
SprachflussGleichmäßigkeit des Sprechensstockendes Sprechen kann auf Unsicherheit oder Aufregung hinweisen
 Merke

Diese Merkmale beeinflussen die Wirkung einer Aussage oft stärker als der eigentliche Inhalt.

 Definition
Nonverbale Kommunikation 

Nonverbale Kommunikation umfasst alle Ausdrucksformen ohne gesprochene Worte. Viele dieser Signale werden unbewusst gesendet und interpretiert. Ihre Bedeutung kann kulturell unterschiedlich sein und zu Missverständnissen führen.

Verschiedene Formen der nonverbalen Kommunikation

Nonverbale Kommunikation ergänzt die verbale Verständigung und beeinflusst maßgeblich die Wirkung einer Botschaft. Besonders im Rettungsdienst liefern nonverbale Signale wichtige Hinweise auf Gefühle, Schmerzen, Unsicherheit oder Stress von Patient:innen und Gesprächspartner:innen. 

FormBeschreibungBeispiele / Bedeutung
MimikGesichtsausdruck zur Darstellung von Gefühlen und Reaktionen
  • Freude
  • Angst
  • Schmerz
  • Wut
GestikBewegungen von Händen, Armen oder Kopf
  • Daumen hoch = Zustimmung
  • Kulturell unterschiedlich interpretierbar
BlickkontaktGegenseitiges Anschauen der Augen
  • Vermeidung → Unsicherheit
  • Starrer Blick → bedrohlich
KörperhaltungHaltung und Bewegungsmuster des Körpers
  • Aufrechte Haltung wirkt selbstsicher
  • Schonhaltung bei Schmerzen
Äußeres ErscheinungsbildWirkung durch Kleidung und äußeres Auftreten
  • Dienstkleidung vermittelt Professionalität
Vegetative KörpersignaleUnwillkürliche körperliche Reaktionen
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Erröten bei Stress oder Nervosität
KörperkontaktKommunikation durch Berührung
  • Händedruck
  • Umarmung
  • Beruhigende Berührung
Nähe und DistanzWahrnehmung des persönlichen Raumes
  • Zu geringer Abstand kann als unangenehm empfunden werden
 Merke

Nonverbale Signale sind besonders wichtig, wenn Patient:innen Schmerzen haben, desorientiert sind oder sprachliche Barrieren bestehen.

 Info

Damit Kommunikation glaubwürdig und verständlich wirkt, sollten verbale, paraverbale und nonverbale Signale möglichst übereinstimmen. Das Zusammenspiel dieser Kommunikationsformen beeinflusst maßgeblich, wie eine Botschaft vom Gegenüber wahrgenommen und interpretiert wird.

Kongruenz

 Definition

Von Kongruenz spricht man, wenn verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation übereinstimmen und dieselbe Botschaft vermitteln. Die Aussage wirkt dadurch glaubwürdig, authentisch und nachvollziehbar.

KommunikationsebeneBeispiel
Verbal„Ich helfe Ihnen.“
ParaverbalRuhiger und freundlicher Tonfall
NonverbalOffener Blickkontakt, zugewandte Körperhaltung
  • Kongruente Kommunikation schafft Vertrauen und Sicherheit
  • Besonders im Rettungsdienst ist dies wichtig, da Patient:innen häufig angespannt, verunsichert oder ängstlich sind
  • Stimmen Sprache, Stimme und Körpersprache überein, wirkt das Auftreten professionell und beruhigend
 Info

Der humanistische Psychologe Carl Rogers beschreibt Kongruenz als wichtige Voraussetzung für eine gelingende zwischenmenschliche Beziehung. Eine authentische und widerspruchsfreie Kommunikation fördert demnach Vertrauen, Akzeptanz und Beziehungsgestaltung.

Inkongruenz

 Definition

Inkongruenz liegt vor, wenn sich verbale, paraverbale und nonverbale Signale widersprechen. Die Kommunikation wirkt dadurch uneindeutig oder unglaubwürdig.

Verbale AussageParaverbale WirkungNonverbale Wirkung
„Mir geht es gut.“leise, zögerliche Stimmetrauriger Gesichtsausdruck
„Sie brauchen keine Angst zu haben.“hektischer oder unsicherer Tonfallunruhige Bewegungen
„Ich habe alles unter Kontrolle.“angespannte oder laute Stimmenervöse Körperhaltung
„Es besteht keine Gefahr.“schnelle, hastige Sprechweisevermeidender Blickkontakt
  • Menschen orientieren sich bei widersprüchlichen Botschaften häufig stärker an nonverbalen und paraverbalen Signalen als am gesprochenen Wort
  • Inkongruente Kommunikation kann:
    • Verunsicherung auslösen
    • Missverständnisse verursachen
    • Vertrauen beeinträchtigen
    • Konflikte fördern
    • Zusammenarbeit erschweren
 Merke

Gerade im Rettungsdienst kann inkongruente Kommunikation negative Auswirkungen auf die Betreuung von Patient:innen und Teamarbeit haben. Ein ruhiges, klares und authentisches Auftreten trägt daher wesentlich zu einer professionellen Kommunikation bei.

Bedeutung für den Rettungsdienst

Im Einsatzalltag sollten Rettungsfachkräfte darauf achten, dass:

  • Aussagen klar und verständlich formuliert werden
  • Tonfall und Körpersprache zur Situation passen
  • nonverbale Signale von Patient:innen bewusst wahrgenommen werden
  • die eigene Kommunikation ruhig und authentisch wirkt
 Tipp

Eine kongruente Kommunikation unterstützt den Aufbau von Vertrauen und erleichtert die Zusammenarbeit mit Patient:innen, Angehörigen und Einsatzkräften.

Kommunikationsmodelle helfen dabei zu verstehen, wie Informationen zwischen Menschen übertragen werden und warum es dabei zu Missverständnissen kommen kann. Besonders im Rettungsdienst sind strukturierte Kommunikation, klare Aussagen und gegenseitiges Verständnis entscheidend.

 Definition
Sender-Empfänger-Modell 

Das Sender-Empfänger-Modell nach Claude Shannon und Warren Weaver gehört zu den bekanntesten Kommunikationsmodellen. Ursprünglich wurde es entwickelt, um technische Kommunikationsprozesse, etwa in der Nachrichtentechnik, zu beschreiben und Störungen bei der Informationsübertragung zu reduzieren.

Das Modell beschreibt Kommunikation vereinfacht als Übertragung einer Nachricht zwischen:

  • Sender:in
  • Empfänger:in
  • Übertragungskanal

Grundprinzip

Sender-Empfänger-Modell
Sender-Empfäger-Modell
  1. Eine Person möchte einer anderen Person etwas mitteilen, insbesondere Informationen, Gedanken oder Gefühle
  2. Die Botschaft wird dabei über einen bestimmten Kommunikationsweg übertragen, zum Beispiel durch:
    1. Gesprochene Sprache
    2. Schrift
    3. Körpersprache
    4. Digitale Medien
    5. Funkkommunikation
  3. Der Sender formuliert die Nachricht und „übersetzt“ sie in Worte, Zeichen oder Verhalten (Codierung)
  4. Der Empfänger muss diese Botschaft aufnehmen und richtig verstehen (Decodierung)
  5. Damit Kommunikation gelingt, müssen beide Seiten denselben oder einen ähnlichen „Code“ verstehen, zum Beispiel:
    1. Dieselbe Sprache sprechen
    2. Fachbegriffe verstehen
    3. Aussagen ähnlich interpretieren
 Merke

Nur wenn Sender und Empfänger die Botschaft ähnlich verstehen, kann Kommunikation erfolgreich sein.

 Info
Kommunikationsablauf im Sender-Empfänger-Modell:
  1. Sender:in (Person A): Formuliert eine Botschaft und codiert sie, z. B. durch Wortwahl, Tonfall, Lautstärke oder Körpersprache
  2. Übertragung: Die Botschaft wird über einen Kommunikationskanal weitergegeben, beispielsweise über Sprache, Funk oder Schrift
  3. Empfänger:in (Person B): Nimmt die Botschaft auf und decodiert sie, also interpretiert und versteht die übermittelten Signale
  4. Reaktion / Feedback: Der Empfänger reagiert auf die Botschaft und wird dadurch selbst wieder zum Sender einer neuen Nachricht

Kommunikationsstörungen („Noise“)

Das Modell beschreibt außerdem mögliche Störfaktoren, die Kommunikation beeinträchtigen können.

  • Beispiele für Kommunikationsstörungen:
    • Lärm und Hintergrundgeräusche
    • Schlechte Funkverbindung
    • Unklare Aussprache
    • Fachbegriffe oder Abkürzungen
    • Unterschiedliche Sprache oder Kultur
    • Stress und fehlende Aufmerksamkeit
    • Mehrfache Informationsweitergabe („Stille-Post-Effekt“)
 Tipp

Um sicherzustellen, dass eine Botschaft korrekt verstanden wurde, sollte auf die Reaktion des Gegenübers geachtet werden. Zusätzlich helfen gezielte Rückfragen, das Wiederholen wichtiger Informationen sowie eindeutiges Feedback dabei, Missverständnisse und Kommunikationsstörungen zu vermeiden.

 Definition
5 Axiome nach Paul Watzlawick

Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick gehören zu den bekanntesten Grundlagenmodellen der Kommunikationspsychologie. Sie beschreiben grundlegende Eigenschaften menschlicher Kommunikation und zeigen, warum es häufig zu Missverständnissen kommt.

Ein Axiom ist eine Grundannahme, die innerhalb eines Modells als gültig vorausgesetzt wird.

Watzlawick entwickelte seine Axiome, um zwischenmenschliche Kommunikation besser zu verstehen, insbesondere Kommunikationsstörungen und Konflikte.

Überblick über die 5 Axiome

AxiomKernaussage
1. Man kann nicht nicht kommunizierenJedes Verhalten hat Mitteilungscharakter, auch Schweigen oder Wegschauen
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und BeziehungsaspektNicht nur der Inhalt, sondern auch die Beziehung beeinflusst, wie eine Botschaft verstanden wird
3. Kommunikation ist immer Ursache und WirkungKommunikation verläuft wechselseitig und beeinflusst sich gegenseitig
4. Kommunikation nutzt digitale und analoge ModalitätenKommunikation erfolgt sowohl verbal als auch nonverbal
5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementärBeziehungen beruhen entweder auf Gleichheit oder auf unterschiedlichen Rollen

1. Man kann nicht nicht kommunizieren

  • Laut Watzlawick hat jedes Verhalten Mitteilungscharakter
  • Auch wenn eine Person schweigt oder nicht reagiert, sendet sie damit eine Botschaft
  • Kommunikation besteht deshalb nicht nur aus Worten, sondern auch aus:
    • Mimik, Gestik, Körperhaltung
    • Blickkontakt, Tonfall, Schweigen
 Info
Beispiel aus dem Rettungsdienst

Ein Patient stellt eine Frage, der NotSan antwortet jedoch nicht und blickt weiter auf das Monitoring. Obwohl keine verbale Antwort erfolgt, können Patient:innen dies als Unsicherheit, Ablehnung oder Desinteresse interpretieren.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt

  • Jede Nachricht enthält zwei Ebenen:
    • Inhaltsebene: Was wird sachlich gesagt?
    • Beziehungsebene: Wie ist die Aussage gemeint?
  • Die Beziehungsebene beeinflusst wesentlich, wie eine Botschaft verstanden wird. Besonders wichtig sind dabei:
    • Tonfall
    • Körpersprache
    • Mimik
    • Auftreten
 Info
Beispiel aus dem Rettungsdienst

Eine Kollegin sagt: „Miss bitte erneut den Blutdruck.“ Sachlich handelt es sich um eine normale Arbeitsanweisung. Je nach Tonfall kann die Aussage jedoch unterstützend, genervt oder abwertend wirken.

3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

  • Kommunikation verläuft wechselseitig. Verhalten löst Reaktionen aus, die wiederum neues Verhalten beeinflussen
  • Dadurch können sich Missverständnisse oder Konflikte gegenseitig verstärken
 Info
Beispiel aus dem Rettungsdienst

Ein Praxisanleiter wirkt gestresst und spricht sehr kurz angebunden. Die Auszubildende zieht sich daraufhin zurück und stellt weniger Fragen. Der Praxisanleiter interpretiert dies wiederum als mangelndes Interesse und reagiert noch distanzierter → es entsteht ein negativer Kommunikationskreislauf.

4. Kommunikation nutzt digitale und analoge Modalitäten

  • Digitale Kommunikation: beschreibt den verbalen Inhalt einer Aussage. Dazu gehören:
    • Worte, Zahlen, Fakten
    • Sprachliche Informationen
    • Diese Form der Kommunikation ist meist relativ eindeutig
  • Analoge Kommunikation: beschreibt nonverbale und paraverbale Signale. Dazu gehören:
    • Mimik, Gestik, Körpersprache
    • Tonfall, Sprechtempo
    • Diese Signale sind häufig interpretationsabhängig
  • Wichtig ist, dass verbale und nonverbale Botschaften zueinander passen
 Info
Beispiel aus dem Rettungsdienst

Eine Notfallsanitäterin sagt: „Alles ist in Ordnung.“

Gleichzeitig wirkt sie hektisch und vermeidet Blickkontakt. Für den Gegenüber kann die Aussage dadurch unglaubwürdig wirken.

5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

  • Kommunikation kann auf Gleichheit oder auf unterschiedlichen Rollen beruhen
  • Symmetrische Kommunikation: 
    • Die Gesprächspartner begegnen sich auf Augenhöhe
    • Beispiele: Kolleg:innen im Team, Gespräch unter Freund:innen
  • Komplementäre Kommunikation:
    • Die Gesprächspartner haben unterschiedliche Rollen oder Verantwortlichkeiten
    • Beispiele: Praxisanleiter:in und Auszubildende:r, Notfallsanitäter:in und Patient:in
    • Komplementäre Kommunikation beschreibt dabei keine „bessere“ oder „schlechtere“ Beziehung, sondern unterschiedliche Funktionen innerhalb der Kommunikation.
 Info
Beispiel aus dem Rettungsdienst

Ein:e Praxisanleiter:in erklärt einer auszubildenden Person die Vorbereitung einer Medikamentengabe. Die Kommunikation ist dabei komplementär, da beide unterschiedliche Rollen und Verantwortlichkeiten haben. Die anleitende Person übernimmt die fachliche Führung, während die auszubildende Person lernt und Rückfragen stellt.

Trotz der unterschiedlichen Rollen sollte die Kommunikation respektvoll und wertschätzend erfolgen, damit Lernen und Zusammenarbeit gelingen.

 Definition
Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun

Das Kommunikationsquadrat wurde von Friedemann Schulz von Thun entwickelt. Es wird auch Vier-Seiten-Modell, Nachrichtenquadrat oder 4-Ohren-Modell genannt.

Das Modell besagt: Jede Nachricht enthält vier Botschaften gleichzeitig. Eine Aussage kann daher auf verschiedenen Ebenen gemeint und verstanden werden.

Überblick: Die vier Seiten einer Nachricht

EbeneSicht der sendenden PersonSicht der empfangenden Person
SachebeneWorüber informiere ich?Wie ist der Sachinhalt zu verstehen?
Selbstoffenbarung / SelbstkundgabeWas gebe ich von mir preis?Was sagt die Nachricht über die sendende Person aus?
BeziehungsebeneWie stehe ich zum Gegenüber?Wie stehst du zu mir?
AppellebeneWas möchte ich erreichen? / Was soll die andere Person tun?Was wird von mir erwartet? / Was soll ich tun?
Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun
Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun

Beispiel aus dem Rettungsdienst

Ein Notfallsanitäter sagt zu einer Auszubildenden: „Der Zugang liegt aber noch nicht.“

EbeneMögliche Bedeutung
SachebeneDer venöse Zugang ist noch nicht gelegt.
Selbstoffenbarung / SelbstkundgabeIch bin unter Zeitdruck oder mache mir Sorgen.
BeziehungsebeneIch traue dir die Aufgabe nicht richtig zu.
AppellebeneLege bitte jetzt den Zugang.
 Merke

Die Aussage kann also ganz unterschiedlich verstanden werden. Deshalb sind klare Formulierungen besonders wichtig.

 Definition
Eisberg-Modell

Das Eisberg-Modell ist ein anschauliches Modell, um zwischen sichtbaren und nicht direkt sichtbaren Anteilen menschlicher Kommunikation zu unterscheiden. Es nutzt das Bild eines Eisbergs: Nur ein kleiner Teil ist über der Wasseroberfläche sichtbar, während der größere Teil verborgen bleibt.

Übertragen auf Kommunikation bedeutet das: 

  • Ein kleiner Teil einer Botschaft ist direkt wahrnehmbar, beispielsweise durch Worte, Handlungen, Mimik, Gestik oder Körperhaltung
  • Der größere Teil bleibt verborgen und umfasst Gefühle, Erwartungen, Erfahrungen, Bedürfnisse, Motive sowie die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern. Diese verborgenen Anteile beeinflussen maßgeblich, wie eine Botschaft gesendet und verstanden wird

Ursprung und Einordnung

Das Eisberg-Modell wird häufig mit Sigmund Freud in Verbindung gebracht. Freud unterschied zwischen bewussten, vorbewussten und unbewussten Anteilen der Psyche. Das Bild des Eisbergs eignet sich gut, um diese Vorstellung zu veranschaulichen.

Für die Kommunikation ist jedoch besonders die Unterscheidung zwischen Inhalts- bzw. Sachebene und Beziehungsebene relevant. Diese wird vor allem mit der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick verbunden. Nach diesem Ansatz enthält jede Kommunikation nicht nur eine sachliche Information, sondern auch eine Aussage über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger.

Die zwei Ebenen der Kommunikation nach dem Eisberg-Modell

Eisberg-Modell
Eisberg-Modell
  • Die sichtbare Ebene = Sachebene:
    • Umfasst den bewusst wahrnehmbaren Teil der Kommunikation
    • Beinhaltet Inhalte, Fakten, Informationen und konkrete Aussagen
    • Wird vor allem durch Worte und beobachtbares Verhalten vermittelt
    • Ist leichter überprüfbar und bewusster steuerbar
  • Die verborgene Ebene = Beziehungsebene:
    • Umfasst den nicht direkt sichtbaren Teil der Kommunikation
    • Beinhaltet Gefühle, Einstellungen, Erwartungen, Bedürfnisse, Werte und Motive
    • Beeinflusst, wie Botschaften gesendet, wahrgenommen und interpretiert werden
    • Ist nur indirekt erschließbar und bleibt teilweise verborgen
Sichtbare Ebene (Sachebene)Unsichtbare Ebene (Beziehungsebene)
Direkt wahrnehmbarNicht direkt wahrnehmbar
Gesprochene WorteGefühle und Bedürfnisse
Fakten und InformationenErwartungen und Motive
Verbale, nonverbale und paraverbale KommunikationGefühle, Bedürfnisse, Erwartungen und Motive
Was wird gesagt?“Wie wird etwas gemeint?“
Eher sachlich und rationalEher emotional geprägt
Bewusst steuerbarHäufig unbewusst beeinflusst
Leichter überprüfbarStärker interpretationsabhängig
Beispiele: Diagnose, Anweisung, InformationBeispiele: Vertrauen, Angst, Sympathie, Unsicherheit
 Merke
Bedeutung für Kommunikation und Rettungsdienst
  • Kommunikation besteht nicht nur aus gesprochenen Worten, sondern auch aus nonverbalen und emotionalen Anteilen
  • Missverständnisse entstehen häufig auf der Beziehungsebene und nicht allein durch den sachlichen Inhalt
  • Tonfall, Körpersprache und Auftreten beeinflussen maßgeblich, wie eine Botschaft verstanden wird
  • Im Rettungsdienst erfolgt Kommunikation oft unter Zeitdruck, Stress und emotionaler Belastung
  • Patient:innen und Angehörige reagieren nicht nur auf Informationen, sondern auch auf Ruhe, Sicherheit, Empathie und Wertschätzung
  • Eine klare, respektvolle und strukturierte Kommunikation kann Vertrauen schaffen, Angst reduzieren und die Zusammenarbeit verbessern
  • Hektisches Verhalten, unklare Aussagen oder ein unangemessener Ton können dagegen Unsicherheit und Konflikte verstärken
 Definition
Personenzentrierter Ansatz

Der personenzentrierte Ansatz wurde vom amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers entwickelt. Er gehört zur humanistischen Psychologie und geht davon aus, dass jeder Mensch grundsätzlich die Fähigkeit besitzt, sich weiterzuentwickeln, Probleme zu bewältigen und eigene Potenziale zu entfalten.

Im Mittelpunkt steht nicht die Bewertung oder Steuerung einer Person von außen, sondern eine unterstützende Beziehung, die Entwicklung, Selbstklärung und Eigenverantwortung ermöglicht.

Grundannahmen des personenzentrierten Ansatzes

GrundannahmeBedeutung
Ganzheitliches MenschenbildDer Mensch wird nicht nur über Symptome oder Verhalten betrachtet, sondern mit seinen Gefühlen, Erfahrungen, Bedürfnissen und Ressourcen
AktualisierungstendenzMenschen haben ein grundlegendes Streben nach Wachstum, Entwicklung und Selbstverwirklichung
SelbstkonzeptJeder Mensch entwickelt ein Bild von sich selbst, das durch Erfahrungen und Rückmeldungen anderer geprägt wird
Entwicklung ist dynamischPersönlichkeit ist nicht starr, sondern verändert sich durch Erfahrungen, Lebensalter, Beziehungen und soziale Situationen
Beziehung als EntwicklungsraumEine wertschätzende, empathische und echte Beziehung kann persönliche Entwicklung fördern

Die drei Grundhaltungen nach Rogers

Auf Grundlage seines Menschenbildes entwickelte Rogers die personenzentrierte Gesprächsführung. Zentral sind drei Grundhaltungen:

GrundhaltungBedeutung
Kongruenz / EchtheitDie helfende Person tritt authentisch und transparent auf
EmpathieDie helfende Person versucht, die Sichtweise und Gefühle des Gegenübers nachzuvollziehen
Bedingungslose positive WertschätzungDie Person wird respektiert und angenommen, ohne sie abzuwerten

Kongruenz / Echtheit:

  • Kongruenz bedeutet, dem Gegenüber echt und glaubwürdig zu begegnen. Die eigene verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation sollte möglichst stimmig sein
  • Das bedeutet nicht, ungefiltert alles zu sagen → vielmehr geht es darum, klar, ehrlich und respektvoll zu kommunizieren.
 Info
Beispiele im Rettungsdienst

Kongruent wäre:

  • „Ich sehe, dass Sie Angst haben. Wir erklären Ihnen jetzt Schritt für Schritt, was passiert.“
  • „Die Situation ist ernst, aber wir kümmern uns um Sie.

Weniger kongruent wäre:

  • „Alles ist gut“, obwohl hektisch gearbeitet wird und die Lage sichtbar kritisch ist

Empathie:

  • Empathie bedeutet, sich in die Erlebniswelt des Gegenübers einzufühlen, ohne vorschnell zu bewerten
  • Ziel ist es, die Situation aus der Perspektive der anderen Person besser zu verstehen
  • Empathie zeigt sich durch:
    • Aktives Zuhören
    • Blickkontakt
    • Nachfragen
    • Zusammenfassen in eigenen Worten
    • Wahrnehmen von Angst, Schmerz oder Unsicherheit
 Info
Beispiel aus dem Rettungsdienst

„Sie wirken sehr angespannt. Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie vorwiegend Angst haben, keine Luft mehr zu bekommen?“

Durch solche Rückmeldungen fühlt sich das Gegenüber ernst genommen und besser verstanden.

Bedingungslose positive Wertschätzung
  • Bedingungslose positive Wertschätzung bedeutet, den Menschen als Person zu respektieren, unabhängig davon, ob man sein Verhalten gutheißt. Das heißt:
    • Nicht abwertend behandeln
    • Nicht vorschnell urteilen
    • respektvoll bleiben
    • Würde und Autonomie achten
    • Verhalten begrenzen, ohne die Person abzulehnen
 Merke

Wertschätzung bedeutet nicht, jedes Verhalten zu akzeptieren. Aggressives oder gefährdendes Verhalten darf klar begrenzt werden. Trotzdem bleibt die Person als Mensch respektwürdig.

 Info
Beispiel aus dem Rettungsdienst

Ein alkoholisierter Patient beschimpft das Team.

Personenzentriert wäre: „Ich sehe, dass Sie sehr aufgebracht sind. Wir möchten Ihnen helfen. Beleidigungen akzeptieren wir nicht, aber wir bleiben bei Ihnen und klären jetzt, was medizinisch notwendig ist.“

 Definition
Transaktionsanalyse 

Die Transaktionsanalyse wurde vom kanadisch-amerikanischen Psychiater Eric Berne entwickelt. Sie beschreibt, wie Menschen miteinander kommunizieren und aus welchen inneren Zuständen heraus sie reagieren.

Eine Transaktion ist dabei eine kommunikative Einheit: Eine Person sendet einen Reiz, eine andere Person reagiert darauf.

Ziel der Transaktionsanalyse

Die Transaktionsanalyse hilft dabei:

  • Das eigene Kommunikationsverhalten besser zu verstehen
  • Die Reaktionen anderer bewusster einzuordnen
  • Konflikte früher zu erkennen
  • Gespräche konstruktiver zu führen
  • Kommunikation im Team zu verbessern
 Merke

Gerade im Rettungsdienst kann das Modell helfen, Gespräche unter Stress bewusster zu steuern.

Grundlagen und Ich-Zustände

Die Grundlage von Bernes Theorie ist ein grundsätzlich positives Menschenbild. Der Psychiater Thomas A. Harris, ein Vertreter der Transaktionsanalyse, formulierte dieses in der bekannten Grundhaltung:

  • Ich bin okay: Ich akzeptiere mich selbst mit meinen Stärken, Grenzen und Bedürfnissen.
  • Du bist okay: Ich begegne anderen Menschen grundsätzlich mit Respekt und Wertschätzung

Die drei Ich-Zustände:

  • Nach Berne kommunizieren Menschen aus unterschiedlichen sogenannten Ich-Zuständen heraus
  • Jeder Ich-Zustand umfasst typische Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen
Ich-ZustandMerkmaleBeispiel im Rettungsdienst
Eltern-IchGeprägt durch Regeln, Werte, Kontrolle, Fürsorge oder Kritik„Bitte zieh deine Schutzhandschuhe an.“
Erwachsenen-IchSachlich, reflektiert, ruhig und lösungsorientiert„Der Blutdruck liegt bei 85/50 mmHg, wir bereiten eine Volumengabe vor.“
Kind-IchEmotional, spontan, unsicher, trotzig oder verspielt„Ich traue mich nicht, den Zugang zu legen.“
 Merke

Kein Ich-Zustand ist grundsätzlich gut oder schlecht. Entscheidend ist, ob die Reaktion zur jeweiligen Situation passt. Im Rettungsdienst ist besonders das Erwachsenen-Ich hilfreich, da es sachliche Entscheidungen und strukturierte Kommunikation unterstützt.

Transaktionsarten

Berne unterscheidet verschiedene Formen von Kommunikation zwischen den Ich-Zuständen.

TransaktionsartBedeutungWirkungBeispiel aus dem Rettungsdienst
Komplementäre TransaktionDie Reaktion passt zum angesprochenen Ich-ZustandKommunikation verläuft meist störungsarm
  • NotSan: „Wie hoch ist der Blutdruck?“
  • Kolleg:in: „90 zu 60 mmHg.“
  • Aussage NotSan = Erwachsenen-Ich 
  • Antwort Kolleg:in = Erwachsenen-Ich 
  • Gleiche Ich-Zustände → klar und zielgerichtet
Gekreuzte TransaktionDie Reaktion kommt aus einem unerwarteten Ich-ZustandMissverständnisse oder Konflikte können entstehen
  • Praxisanleiter:in: „Bitte kontrolliere nochmal die Sauerstoffsättigung.“
  • Auszubildende:r: „Immer werde ich kontrolliert!“ 
  • Aussage PAL = Erwachsenen-Ich 
  • Antwort Azubi = Kind-Ich
  • Verschiedene Ich-Zustände → Konfliktpotenzial
Verdeckte TransaktionDie offene Aussage und die eigentliche Botschaft unterscheiden sichEs entsteht häufig Unsicherheit oder Misstrauen
  • Kolleg:in: „Interessant, dass der Zugang immer noch nicht liegt.“ 
  • Die Aussage klingt sachlich, enthält aber unterschwellige Kritik

Bedeutung für den Rettungsdienst

Im Rettungsdienst entstehen Konflikte oft durch Stress, Hierarchie, Zeitdruck oder Unsicherheit. Die Transaktionsanalyse kann helfen, solche Situationen besser zu verstehen.

Hilfreich ist es, sich zu fragen:

  • Aus welchem Ich-Zustand kommuniziere ich gerade?
  • Aus welchem Ich-Zustand reagiert mein Gegenüber?
  • Ist meine Antwort sachlich und lösungsorientiert?
  • Verstärke ich gerade einen Konflikt oder beruhige ich ihn?
 Merke

Die Transaktionsanalyse zeigt: Kommunikation hängt nicht nur vom Inhalt ab, sondern auch davon, aus welchem inneren Zustand heraus Menschen sprechen und reagieren. Im Rettungsdienst hilft besonders eine klare, respektvolle Kommunikation aus dem Erwachsenen-Ich.

 Definition
Drama-Dreieck

Das Drama-Dreieck wurde Ende der 1960er-Jahre von Stephen Karpman im Rahmen der Transaktionsanalyse entwickelt.

Es beschreibt typische Kommunikations- und Beziehungsmuster in Konfliktsituationen. Das Modell geht davon aus, dass Menschen in Konflikten häufig unbewusst bestimmte Rollen einnehmen und zwischen diesen wechseln.

Ziele

Das Drama-Dreieck wird vor allem genutzt, um:

  • Konflikte besser zu verstehen
  • Dysfunktionale Kommunikationsmuster zu erkennen
  • Teamkonflikte zu analysieren
  • Eigene Reaktionen bewusster wahrzunehmen

Die drei Rollen im Drama-Dreieck

RolleTypische MerkmaleInnerer Leitsatz / Haltung
Retter:in
  • Hilfsbereit
  • Fürsorglich, tröstet
  • Greift ungefragt ein
  • Übernimmt Verantwortung für andere
  • „Die anderen schaffen das ohne mich nicht.“
  • „Ich muss helfen.“
Verfolger:in
  • Kritisch
  • Kontrollierend
  • Vorwurfsvoll oder dominant
  • Belehrt oder bestraft
  • „Die anderen machen alles falsch.“
  • „Jemand muss endlich durchgreifen.“
Opfer
  • Hilflos
  • Überfordert
  • Unsicher, abhängig
  • Devot
  • Fühlt sich ungerecht behandelt
  • „Ich kann das nicht.“
  • „Niemand hilft mir.“
 Merke

Die Rollen sind keine festen Persönlichkeitseigenschaften, sondern situationsabhängige Kommunikationsmuster. Menschen können während eines Konflikts zwischen den Rollen wechseln.

 Info
Beispiel aus dem Rettungsdienst
  • Eine Auszubildende fühlt sich bei einem Einsatz überfordert und übernimmt kaum Aufgaben (Opferrolle)
  • Ein erfahrener Kollege übernimmt daraufhin ungefragt alle Maßnahmen (Retterrolle)
  • Nach einiger Zeit reagiert der Kollege genervt: „Du musst langsam selbstständiger werden!“
  • Damit wechselt er in die Verfolgerrolle
 Definition
Gewaltfreie Kommunikation

Die gewaltfreie Kommunikation (GFK) wurde vom US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelt. Im Englischen wird sie als Nonviolent Communication (NVC) bezeichnet.

Das Konzept verfolgt das Ziel, Konflikte respektvoll und empathisch zu lösen, ohne das Gegenüber anzugreifen, zu beschuldigen oder abzuwerten. Im Mittelpunkt stehen dabei:

  • Gefühle
  • Bedürfnisse
  • Gegenseitiges Verständnis
  • Wertschätzende Kommunikation

Die gewaltfreie Kommunikation basiert auf der Annahme, dass hinter jedem Verhalten Bedürfnisse stehen und dass Menschen eher kooperativ reagieren, wenn sie sich verstanden und respektiert fühlen.

Grundgedanke der gewaltfreien Kommunikation

  • Konflikte entstehen häufig dadurch, dass Menschen einander bewerten, beschuldigen oder ihre eigentlichen Gefühle und Bedürfnisse nicht offen mitteilen. Dies führt oft zu Abwehrreaktionen und erschwert eine konstruktive Kommunikation
  • Die gewaltfreie Kommunikation versucht, diesen Kreislauf zu durchbrechen
  • Im Mittelpunkt stehen dabei:
    • Beobachtung statt Bewertung
    • Gefühle statt Vorwürfe
    • Bedürfnisse statt Schuldzuweisungen
    • Bitten statt Forderungen
Häufige konfliktfördernde KommunikationGewaltfreie Kommunikation
Vorwürfe und SchuldzuweisungenKonkrete Beobachtungen statt Bewertungen
Kritik und VerurteilungGefühle offen benennen
Unausgesprochene BedürfnisseBedürfnisse klar formulieren
Forderungen und DruckKonkrete Bitten äußern
Verteidigung, Rückzug oder GegenangriffEmpathisches Zuhören und gegenseitiges Verständnis
 Info
Bedeutung der Empathie
  • Empathie ist eine zentrale Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation
  • Rosenberg unterscheidet dabei zwei Formen:
    1. Empathie für andere: Einfühlendes Verstehen des Gegenübers
    2. Selbstempathie: Wahrnehmen und Verstehen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse

Ziele 

  • Konflikte respektvoll lösen
  • Empathisches Zuhören fördern
  • Gegenseitiges Verständnis verbessern
  • Vorwürfe und Bewertungen reduzieren
  • Gefühle und Bedürfnisse klar ausdrücken
  • Bitten statt Forderungen formulieren
  • Eskalationen vermeiden
  • Beziehungen langfristig stärken

Die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation

Rosenberg empfiehlt, Kommunikation in vier aufeinanderfolgenden Schritten aufzubauen.

SchrittInhaltBeispiel
1. BeobachtungKonkretes Verhalten sachlich beschreiben, ohne Bewertung„Du bist heute 20 Minuten später gekommen.“
2. GefühlEigene Gefühle benennen„Ich bin dadurch gestresst.“
3. BedürfnisDahinterstehendes Bedürfnis ausdrücken„Mir ist Verlässlichkeit wichtig.“
4. BitteKonkrete und umsetzbare Bitte formulieren„Kannst du mir künftig früher Bescheid geben?“

Beispiel aus dem Rettungsdienst

Ein Teammitglied dokumentiert während eines Einsatzes wichtige Vitalwerte nicht vollständig.

  1. Bewertung bzw. Vorwurf: „Du dokumentierst schon wieder unzuverlässig!“
    1. Dies führt leicht zu:
      1. Rechtfertigung
      2. Gegenangriff
      3. Konflikten
  2. Gewaltfreie Kommunikation: „Mir ist aufgefallen, dass die letzten Blutdruckwerte noch fehlen. Ich bin deshalb unsicher, weil mir eine vollständige Dokumentation wichtig ist. Kannst du die Werte bitte noch ergänzen?“
    1. Die Aussage:
      1. bleibt sachlich
      2. beschreibt konkrete Beobachtungen
      3. benennt Gefühle und Bedürfnisse
      4. formuliert eine klare Bitte
 Merke

Im Mittelpunkt stehen nicht Schuldzuweisungen, sondern gegenseitiges Verständnis und wertschätzende Kommunikation.

 Definition
Kommunikationsstörung 

Eine Kommunikationsstörung entsteht, wenn eine Botschaft zwischen Sender:in und Empfänger:in unvollständig, missverständlich oder verfälscht übermittelt wird und dadurch das gegenseitige Verständnis beeinträchtigt wird.

Häufige Ursachen von Kommunikationsstörungen

Kommunikationsstörungen können durch unterschiedliche Faktoren entstehen. Diese betreffen sowohl äußere Rahmenbedingungen als auch persönliche, sprachliche oder zwischenmenschliche Aspekte der Kommunikation.

BereichBeschreibungBeispiele
RahmenbedingungenÄußere Faktoren erschweren die KommunikationLärm, Zeitdruck, schlechte Funkverbindung, Stress
Sprache & VerhaltenAusdrucksweise oder Verhalten führen zu MissverständnissenFachsprache, undeutliche Aussagen, fehlender Blickkontakt
BeziehungsebeneZwischenmenschliche Faktoren beeinflussen die KommunikationAntipathie, Konkurrenz, Hierarchien, mangelnde Wertschätzung
Persönliche FaktorenEmotionen und individuelle Erfahrungen beeinflussen Wahrnehmung und ReaktionAngst, Nervosität, Vorurteile, emotionale Belastung
InformationsübermittlungInformationen werden unklar oder unvollständig weitergegebenunklare Aussagen, fehlende Informationen, Missverständnisse
 Merke

Kommunikationsstörungen entstehen häufig nicht durch den Inhalt allein, sondern durch Missverständnisse, Emotionen, unklare Ausdrucksweise, fehlende Informationen oder Probleme auf der Beziehungsebene

→ Klare Sprache, aktives Zuhören und Rückfragen helfen, Kommunikationsfehler zu vermeiden.

Eine gelingende Kommunikation basiert im Wesentlichen auf drei zentralen Komponenten:

  • Ich-Botschaften senden, bzw. Du-Botschaften vermeiden
  • aktiv zuhören
  • konstruktives Feedback geben

Ich-Botschaften

 Definition
Ich-Botschaften

Ich-Botschaften sind persönliche und wertungsfreie Aussagen über das eigene Erleben, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse.

  • Beschreiben die eigene Wahrnehmung
  • Benennen Gefühle
  • Vermeidung von Schuldzuweisungen
  • Wirken häufig deeskalierend
 Merke

Gerade in Konflikten oder schwierigen Gesprächssituationen helfen Ich-Botschaften dabei, Kritik respektvoll und konstruktiv zu äußern.

Anstatt das Gegenüber anzugreifen oder zu verurteilen, wird beschrieben, welche Wirkung ein Verhalten auf die eigene Person hat. Dadurch entsteht eher die Möglichkeit für einen offenen Dialog.

Du-Botschaften

 Definition
Du-Botschaften 

Du-Botschaften sind Aussagen, die das Verhalten oder die Persönlichkeit des Gegenübers bewerten, kritisieren oder verurteilen.

  • Bewerten das Gegenüber
  • Enthalten häufig Kritik oder Vorwürfe
  • Weisen Verantwortung oder Schuld zu
  • Lassen wenig Raum für andere Sichtweisen
  • Wirken häufig eskalierend

Vergleich: Ich- vs. Du-Botschaft

Art der BotschaftEigenschaftenBeispiel
Ich-Botschaftenbeschreiben eigenes Erleben„Ich bin unsicher, weil wichtige Informationen fehlen.“
benennen Gefühle und Bedürfnisse„Mir ist eine strukturierte Übergabe wichtig.“
wirken eher deeskalierend„Ich würde die Situation gern ruhig klären.“
fördern Dialog„Wie siehst du die Situation?“
zeigen subjektive Wahrnehmung„Ich habe den Eindruck, dass …“
Du-Botschaftenbewerten das Gegenüber„Du arbeitest total chaotisch.“
enthalten häufig Vorwürfe„Du hörst nie richtig zu.“
wirken häufig eskalierend„Mit dir kann man einfach nicht arbeiten.“
fördern Abwehrreaktionen„Du machst immer dieselben Fehler.“
weisen Schuld zu„Wegen dir funktioniert das nicht.“
 Definition
Aktives Zuhören

Aktives Zuhören beschreibt eine bewusste und wertschätzende Form des Zuhörens. Ziel ist es, das Gegenüber möglichst genau zu verstehen und dies auch sichtbar zu machen.

Das Konzept geht unter anderem auf den Psychologen Carl Rogers zurück. Er unterschied zwischen:

  • Hören
  • Hinhören
  • Bewusstem Zuhören

Dabei reicht bloßes Zuhören allein oft nicht aus. Erst durch aktive Beteiligung entsteht echte Verständigung.

Bedeutung des aktiven Zuhörens

Aktives Zuhören hilft dabei:

  • Vertrauen aufzubauen
  • Missverständnisse zu reduzieren
  • Gespräche zu beruhigen
  • Gefühle und Bedürfnisse besser zu verstehen
  • Wertschätzung und Interesse zu vermitteln
 Merke

Gleichzeitig gewinnt die zuhörende Person Zeit, um die eigene Reaktion bewusst zu überlegen.

Nonverbale und verbale Signale des aktiven Zuhörens

Nonverbale SignaleVerbale Signale
offener Blickkontaktkurze Rückmeldungen wie „Ja“ oder „Ich verstehe“
zustimmendes Nickengezieltes Nachfragen
zugewandte KörperhaltungGesprächspartner ausreden lassen
ruhige Mimik und GestikPausen zulassen
Ablenkungen vermeideneigene Meinung zunächst zurückstellen
Notizen machenParaphrasieren
angemessene Distanz und HaltungVerbalisieren von Gefühlen

Paraphrasieren

 Definition
Paraphrasieren

Beim Paraphrasieren wird das Gesagte sinngemäß mit eigenen Worten wiederholt.

Dadurch kann überprüft werden:

  • ob die Aussage richtig verstanden wurde
  • und ob Missverständnisse bestehen

Typische Formulierungen

  • „Habe ich richtig verstanden, dass …?“
  • „Sie meinen also, dass …“
  • „Ich fasse noch einmal zusammen …“

Nutzen des Paraphrasierens:

  • Missverständnisse frühzeitig erkennen
  • Gespräch strukturieren
  • Verständnis signalisieren
  • Zeit für eine überlegte Reaktion gewinnen

Verbalisieren

 Definition

Beim Verbalisieren werden wahrgenommene Gefühle oder nonverbale Signale des Gegenübers in Worte gefasst. Dabei wird beschrieben, welchen Eindruck die emotionale Situation vermittelt.

Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass Sie das Thema gerade sehr belastet.“

  • Hinweise auf Gefühle können sein:
    • Tonfall
    • Sprechtempo
    • Wortwahl
    • Mimik
    • Körperhaltung
 Definition
Feedback

Feedback ist eine Rückmeldung darüber, wie eine Aussage, ein Verhalten oder eine Handlung wahrgenommen und verstanden wurde.

  • Konstruktives Feedback kann helfen:
    • Missverständnisse frühzeitig zu klären
    • Transparenz in der Kommunikation zu fördern
    • Zusammenarbeit im Team zu verbessern
    • Selbst- und Fremdwahrnehmung zu stärken
    • Lernen und persönliche Entwicklung zu unterstützen
    • Motivation und Sicherheit zu fördern
 Merke

Gerade im Rettungsdienst ist Feedback wichtig, um Zusammenarbeit, Kommunikation und Patient:innensicherheit kontinuierlich zu verbessern.

Grundsätze für gutes Feedback

  • Gutes Feedback sollte folgende Punkte berücksichtigen:
    • Respektvoll
    • Konkret
    • Nachvollziehbar und möglichst zeitnah erfolgen
  • Wichtig ist:
    • Verhalten beschreiben, nicht die Persönlichkeit bewerten
    • Ich-Botschaften verwenden
    • Konkrete Situationen ansprechen
    • Nachvollziehbare Veränderungsvorschläge machen
    • Keine Schuldzuweisungen formulieren
 Tipp

Außerdem empfiehlt sich ein ruhiges und vertrauliches Gespräch, idealerweise im Vier-Augen-Setting.

Regeln für ein gutes Feedbackgespräch

 HilfreichWeniger hilfreich
Feedbacknehmer:inaufmerksam zuhörensofort rechtfertigen
Rückfragen stellenunterbrechen
Feedback reflektierendefensiv reagieren
unterschiedliche Sichtweisen zulassenFeedback persönlich nehmen
Rückmeldung annehmen oder bewusst ablehnenimpulsiv reagieren
Feedbackgeber:inkonkrete Beobachtungen beschreibenpauschale Kritik äußern
Ich-Botschaften verwendenDu-Botschaften verwenden
Verhalten statt Persönlichkeit ansprechenPersonen bewerten
sachlich und verständlich formuliereninterpretieren oder verurteilen
zeitnah Rückmeldung gebenalte Konflikte sammeln
Veränderungsmöglichkeiten aufzeigenFehler aufzählen
 Merke

Konstruktives Feedback beschreibt beobachtbares Verhalten sachlich und respektvoll. Ziel ist nicht Schuldzuweisung, sondern gegenseitiges Verständnis, Lernen und Verbesserung der Zusammenarbeit.

Grundlagen

 Definition
Kommunikation

Kommunikation bezeichnet den Prozess der Übertragung und Aushandlung von Informationen, Bedeutungen und Signalen zwischen mindestens zwei Beteiligten.

Soziale Kommunikation

Soziale Kommunikation beschreibt Kommunikation innerhalb sozialer Beziehungen und Interaktionen.

Kommunikation im Rettungsdienst:

Kommunikation im Rettungsdienst

Für Notfallsanitäter:innen ist Kommunikation eine zentrale soziale Kompetenz. Sie ist wichtig für:

  • die Zusammenarbeit im Team
  • den Umgang mit Patient:innen
  • Gespräche mit Angehörigen und Ersthelfenden
  • die Bewältigung von Konflikten und Stresssituationen

Eine professionelle Kommunikation trägt dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden und eine sichere Patientenversorgung zu unterstützen.

 Tipp

Kommunikationsfähigkeit ist erlern- und trainierbar. Kenntnisse zentraler Kommunikationstheorien und -modelle helfen dabei, die Grundlagen effektiver Kommunikation zu verstehen.

 Merke

Die Wertigkeit von paraverbaler und nonverbaler Kommunikation ist höher, wie die der verbalen Kommunikation.

Distanzzonen nach Edward Hall:

ZoneAbstandBeschreibung 
Intime Distanz0 bis 45 cm
  • Enge emotionale Beziehungen wie Partner:innen oder Familie
  • Das Eindringen in diese Zone ist meist nur engen Bezugspersonen vorbehalten
Persönliche Distanz45 bis 120 cm
  • Typisch für Gespräche mit Freund:innen, Bekannten oder Kolleg:innen
  • Geeignet für alltägliche Unterhaltungen und persönliche Gespräche.
Soziale Distanz1,2 bis 3,6 m
  • Formeller und beruflicher Bereich, beispielsweise bei Gesprächen mit fremden Personen, im Büro oder im Kundenkontakt
Öffentliche Distanzab 3,6 m
  • Typisch für Vorträge, Unterricht oder Kommunikation mit größeren Gruppen und unbekannten Personen

Die Ebenen der Kommunikation

Kommunikation erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Neben dem gesprochenen Wort spielen auch Stimme, Tonfall sowie Körpersprache eine wichtige Rolle für das Verständnis einer Botschaft.

KommunikationsebeneBeschreibungBeispieleAnteil an der Gesamtwirkung
Verbale KommunikationÜbermittlung von Informationen durch Sprache und WorteGespräche, Fragen, Anweisungenca. 7 %
Paraverbale KommunikationWirkung der Stimme und SprechweiseLautstärke, Betonung, Sprechtempoca. 38 %
Nonverbale KommunikationKommunikation ohne WorteMimik, Gestik, Körperhaltungca. 55 %
 Info

Die Prozentangaben beziehen sich auf das Kommunikationsmodell von Albert Mehrabian. Sie gelten hauptsächlich für die Wirkung emotionaler Botschaften und dürfen nicht auf jede Kommunikationssituation übertragen werden.

Sender-Empfänger-Modell nach Shannon und Weaver

 Definition
Sender-Empfänger-Modell 

Das Sender-Empfänger-Modell nach Claude Shannon und Warren Weaver gehört zu den bekanntesten Kommunikationsmodellen. Ursprünglich wurde es entwickelt, um technische Kommunikationsprozesse, etwa in der Nachrichtentechnik, zu beschreiben und Störungen bei der Informationsübertragung zu reduzieren.

Das Modell beschreibt Kommunikation vereinfacht als Übertragung einer Nachricht zwischen:

  • Sender:in
  • Empfänger:in
  • Übertragungskanal
Sender-Empfänger-Modell
Sender-Empfäger-Modell

Grundprinzip:

  1. Eine Person möchte einer anderen Person etwas mitteilen, insbesondere Informationen, Gedanken oder Gefühle
  2. Die Botschaft wird dabei über einen bestimmten Kommunikationsweg übertragen, zum Beispiel durch:
    1. Gesprochene Sprache
    2. Schrift
    3. Körpersprache
    4. Digitale Medien
    5. Funkkommunikation
  3. Der Sender formuliert die Nachricht und „übersetzt“ sie in Worte, Zeichen oder Verhalten (Codierung)
  4. Der Empfänger muss diese Botschaft aufnehmen und richtig verstehen (Decodierung)
  5. Damit Kommunikation gelingt, müssen beide Seiten denselben oder einen ähnlichen „Code“ verstehen, zum Beispiel:
    1. Dieselbe Sprache sprechen
    2. Fachbegriffe verstehen
    3. Aussagen ähnlich interpretieren

5 Axiome nach Paul Watzlawick

 Definition
5 Axiome nach Paul Watzlawick

Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick gehören zu den bekanntesten Grundlagenmodellen der Kommunikationspsychologie. Sie beschreiben grundlegende Eigenschaften menschlicher Kommunikation und zeigen, warum es häufig zu Missverständnissen kommt.

Ein Axiom ist eine Grundannahme, die innerhalb eines Modells als gültig vorausgesetzt wird.

Watzlawick entwickelte seine Axiome, um zwischenmenschliche Kommunikation besser zu verstehen, insbesondere Kommunikationsstörungen und Konflikte.

Überblick:

AxiomKernaussage
1. Man kann nicht nicht kommunizierenJedes Verhalten hat Mitteilungscharakter, auch Schweigen oder Wegschauen
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und BeziehungsaspektNicht nur der Inhalt, sondern auch die Beziehung beeinflusst, wie eine Botschaft verstanden wird
3. Kommunikation ist immer Ursache und WirkungKommunikation verläuft wechselseitig und beeinflusst sich gegenseitig
4. Kommunikation nutzt digitale und analoge ModalitätenKommunikation erfolgt sowohl verbal als auch nonverbal
5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementärBeziehungen beruhen entweder auf Gleichheit oder auf unterschiedlichen Rollen

Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun

 Definition
Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun

Das Kommunikationsquadrat wurde von Friedemann Schulz von Thun entwickelt. Es wird auch Vier-Seiten-Modell, Nachrichtenquadrat oder 4-Ohren-Modell genannt.

Das Modell besagt: Jede Nachricht enthält vier Botschaften gleichzeitig. Eine Aussage kann daher auf verschiedenen Ebenen gemeint und verstanden werden.

Überblick: die vier Seiten einer Nachricht:

EbeneSicht der sendenden PersonSicht der empfangenden Person
SachebeneWorüber informiere ich?Wie ist der Sachinhalt zu verstehen?
Selbstoffenbarung / SelbstkundgabeWas gebe ich von mir preis?Was sagt die Nachricht über die sendende Person aus?
BeziehungsebeneWie stehe ich zum Gegenüber?Wie stehst du zu mir?
AppellebeneWas möchte ich erreichen? / Was soll die andere Person tun?Was wird von mir erwartet? / Was soll ich tun?

Eisbergmodell

 Definition
Eisberg-Modell

Das Eisberg-Modell ist ein anschauliches Modell, um zwischen sichtbaren und nicht direkt sichtbaren Anteilen menschlicher Kommunikation zu unterscheiden. Es nutzt das Bild eines Eisbergs: Nur ein kleiner Teil ist über der Wasseroberfläche sichtbar, während der größere Teil verborgen bleibt.

Übertragen auf Kommunikation bedeutet das: 

  • Ein kleiner Teil einer Botschaft ist direkt wahrnehmbar, beispielsweise durch Worte, Handlungen, Mimik, Gestik oder Körperhaltung
  • Der größere Teil bleibt verborgen und umfasst Gefühle, Erwartungen, Erfahrungen, Bedürfnisse, Motive sowie die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern. Diese verborgenen Anteile beeinflussen maßgeblich, wie eine Botschaft gesendet und verstanden wird
  • Die sichtbare Ebene = Sachebene:
    • Umfasst den bewusst wahrnehmbaren Teil der Kommunikation
    • Beinhaltet Inhalte, Fakten, Informationen und konkrete Aussagen
    • Wird vor allem durch Worte und beobachtbares Verhalten vermittelt
    • Ist leichter überprüfbar und bewusster steuerbar
  • Die verborgene Ebene = Beziehungsebene:
    • Umfasst den nicht direkt sichtbaren Teil der Kommunikation
    • Beinhaltet Gefühle, Einstellungen, Erwartungen, Bedürfnisse, Werte und Motive
    • Beeinflusst, wie Botschaften gesendet, wahrgenommen und interpretiert werden
    • Ist nur indirekt erschließbar und bleibt teilweise verborgen

Personenzentrierter Ansatz nach Carl R. Rogers

 Definition
Personenzentrierter Ansatz

Der personenzentrierte Ansatz wurde vom amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers entwickelt. Er gehört zur humanistischen Psychologie und geht davon aus, dass jeder Mensch grundsätzlich die Fähigkeit besitzt, sich weiterzuentwickeln, Probleme zu bewältigen und eigene Potenziale zu entfalten.

Im Mittelpunkt steht nicht die Bewertung oder Steuerung einer Person von außen, sondern eine unterstützende Beziehung, die Entwicklung, Selbstklärung und Eigenverantwortung ermöglicht.

Grundannahmen des personenzentrierten Ansatzes:

GrundannahmeBedeutung
Ganzheitliches MenschenbildDer Mensch wird nicht nur über Symptome oder Verhalten betrachtet, sondern mit seinen Gefühlen, Erfahrungen, Bedürfnissen und Ressourcen
AktualisierungstendenzMenschen haben ein grundlegendes Streben nach Wachstum, Entwicklung und Selbstverwirklichung
SelbstkonzeptJeder Mensch entwickelt ein Bild von sich selbst, das durch Erfahrungen und Rückmeldungen anderer geprägt wird
Entwicklung ist dynamischPersönlichkeit ist nicht starr, sondern verändert sich durch Erfahrungen, Lebensalter, Beziehungen und soziale Situationen
Beziehung als EntwicklungsraumEine wertschätzende, empathische und echte Beziehung kann persönliche Entwicklung fördern

Transaktionsanalyse nach Eric Berne

 Definition
Transaktionsanalyse 

Die Transaktionsanalyse wurde vom kanadisch-amerikanischen Psychiater Eric Berne entwickelt. Sie beschreibt, wie Menschen miteinander kommunizieren und aus welchen inneren Zuständen heraus sie reagieren.

Eine Transaktion ist dabei eine kommunikative Einheit: Eine Person sendet einen Reiz, eine andere Person reagiert darauf.

Ich-Zustände:

Ich-ZustandMerkmaleBeispiel im Rettungsdienst
Eltern-IchGeprägt durch Regeln, Werte, Kontrolle, Fürsorge oder Kritik„Bitte zieh deine Schutzhandschuhe an.“
Erwachsenen-IchSachlich, reflektiert, ruhig und lösungsorientiert„Der Blutdruck liegt bei 85/50 mmHg, wir bereiten eine Volumengabe vor.“
Kind-IchEmotional, spontan, unsicher, trotzig oder verspielt„Ich traue mich nicht, den Zugang zu legen.“
 Merke

Kein Ich-Zustand ist grundsätzlich gut oder schlecht. Entscheidend ist, ob die Reaktion zur jeweiligen Situation passt. Im Rettungsdienst ist besonders das Erwachsenen-Ich hilfreich, da es sachliche Entscheidungen und strukturierte Kommunikation unterstützt.

Drama-Dreieck nach Stephen Karpman

 Definition
Drama-Dreieck

Das Drama-Dreieck wurde Ende der 1960er-Jahre von Stephen Karpman im Rahmen der Transaktionsanalyse entwickelt.

Es beschreibt typische Kommunikations- und Beziehungsmuster in Konfliktsituationen. Das Modell geht davon aus, dass Menschen in Konflikten häufig unbewusst bestimmte Rollen einnehmen und zwischen diesen wechseln.

Rollen:

RolleTypische MerkmaleInnerer Leitsatz / Haltung
Retter:in
  • Hilfsbereit
  • Fürsorglich, tröstet
  • Greift ungefragt ein
  • Übernimmt Verantwortung für andere
  • „Die anderen schaffen das ohne mich nicht.“
  • „Ich muss helfen.“
Verfolger:in
  • Kritisch
  • Kontrollierend
  • Vorwurfsvoll oder dominant
  • Belehrt oder bestraft
  • „Die anderen machen alles falsch.“
  • „Jemand muss endlich durchgreifen.“
Opfer
  • Hilflos
  • Überfordert
  • Unsicher, abhängig
  • Devot
  • Fühlt sich ungerecht behandelt
  • „Ich kann das nicht.“
  • „Niemand hilft mir.“

Gewaltfreie Kommunikation Marshall B. Rosenberg

 Definition
Gewaltfreie Kommunikation

Die gewaltfreie Kommunikation (GFK) wurde vom US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelt. Im Englischen wird sie als Nonviolent Communication (NVC) bezeichnet.

Das Konzept verfolgt das Ziel, Konflikte respektvoll und empathisch zu lösen, ohne das Gegenüber anzugreifen, zu beschuldigen oder abzuwerten. Im Mittelpunkt stehen dabei:

  • Gefühle
  • Bedürfnisse
  • Gegenseitiges Verständnis
  • Wertschätzende Kommunikation

Die gewaltfreie Kommunikation basiert auf der Annahme, dass hinter jedem Verhalten Bedürfnisse stehen und dass Menschen eher kooperativ reagieren, wenn sie sich verstanden und respektiert fühlen.

Kommunikationsstörung 

 Definition
Kommunikationsstörung 

Eine Kommunikationsstörung entsteht, wenn eine Botschaft zwischen Sender:in und Empfänger:in unvollständig, missverständlich oder verfälscht übermittelt wird und dadurch das gegenseitige Verständnis beeinträchtigt wird.

Häufige Ursachen:

BereichBeschreibungBeispiele
RahmenbedingungenÄußere Faktoren erschweren die KommunikationLärm, Zeitdruck, schlechte Funkverbindung, Stress
Sprache & VerhaltenAusdrucksweise oder Verhalten führen zu MissverständnissenFachsprache, undeutliche Aussagen, fehlender Blickkontakt
BeziehungsebeneZwischenmenschliche Faktoren beeinflussen die KommunikationAntipathie, Konkurrenz, Hierarchien, mangelnde Wertschätzung
Persönliche FaktorenEmotionen und individuelle Erfahrungen beeinflussen Wahrnehmung und ReaktionAngst, Nervosität, Vorurteile, emotionale Belastung
InformationsübermittlungInformationen werden unklar oder unvollständig weitergegebenunklare Aussagen, fehlende Informationen, Missverständnisse

Merkmale guter Kommunikation

Eine gelingende Kommunikation basiert im Wesentlichen auf drei zentralen Komponenten:

  • Ich-Botschaften senden, bzw. Du-Botschaften vermeiden
  • aktiv zuhören
  • konstruktives Feedback geben
  • Schüler, Dietz: Medizinische Psychologie und Soziologie. 1. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-36421-1.
  • Luxem, J., Runggaldier, K., Karutz, H., Flake, F., Notfallsanitäter Heute, Elsevier, 2016, ISBN: 978-3437461958
  • Koch, S., Kuhnke, R., retten - Notfallsanitäter, Thieme, 2023, ISBN: 978-3132421219
  • Balck: Anwendungsfelder der medizinischen Psychologie. 1. Auflage Springer 2005, ISBN: 978-3-540-24845-3.
Zuletzt aktualisiert am 16.06.2026
Crew und Team Resource Management (RD)
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