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Kommunikation und Interaktion

Austausch von Informationen, Interaktion, Kommunikation, Communication, Nonverbale Kommunikation, Verbal, Nonverbal, Non-Verbal
EP
8 Minuten Lesezeit

Kommunikation ist ein wechselseitiger Prozess, bei dem Informationen, Gedanken, Gefühle und Handlungsabsichten zwischen Personen vermittelt werden. Sie umfasst sowohl verbale als auch nonverbale Anteile und findet immer innerhalb eines sozialen und situativen Kontextes statt. Kommunikation ist dabei nicht als einseitige Übertragung von Informationen zu verstehen: Die Reaktion der empfangenden Person beeinflusst den weiteren Verlauf des Gesprächs. Kommunikation ist somit interaktiv und wechselseitig.

Die Struktur einer Kommunikation lässt sich unter anderem anhand von Sender, Nachricht, Empfänger und Rückmeldung beschreiben. Missverständnisse können entstehen, wenn eine Nachricht anders interpretiert wird, als sie vom Gegenüber beabsichtigt war. Neben dem eigentlichen Informationsgehalt beeinflussen insbesondere Beziehung, Erwartungen, Emotionen und die Situation, wie eine Äusserung verstanden wird.

Das Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun beschreibt vier gleichzeitig enthaltene Ebenen jeder Nachricht. Auf der Sachebene werden Informationen und Fakten vermittelt. Die Selbstkundgabe gibt Aufschluss darüber, was die sprechende Person über sich selbst mitteilt. Die Beziehungsebene vermittelt, wie die sprechende Person ihr Gegenüber wahrnimmt und wie sie die Beziehung gestaltet. Der Appell beschreibt schliesslich, wozu die empfangende Person bewegt werden soll. Eine Äusserung kann daher auf mehreren Ebenen gleichzeitig verstanden werden. Missverständnisse entstehen beispielsweise dann, wenn Sender und Empfänger unterschiedliche Ebenen besonders stark gewichten.

 Achtung

Gerade in der ärztlichen Kommunikation sind diese verschiedenen Ebenen relevant. Eine rein sachliche Informationsvermittlung reicht nicht immer aus, da auch Vertrauen, Empathie, Erwartungen und die Beziehung zwischen Ärzt:in und Patient:in den Gesprächsverlauf beeinflussen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass eine bessere ärztliche Kommunikation unter anderem mit höherer Patientenzufriedenheit, besserer Informationsverarbeitung und höherer Therapieadhärenz verbunden ist.

Eine gelungene Kommunikation berücksichtigt daher nicht nur was gesagt wird, sondern auch wie, in welcher Beziehung und mit welcher Intention etwas vermittelt wird. Gerade im medizinischen Kontext können aktives Zuhören, verständliche Sprache, Rückfragen und eine gemeinsame Klärung von Erwartungen dazu beitragen, Missverständnisse zu reduzieren und eine tragfähige Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen.

 Definition

Kommunikation bedeutet, dass eine Person einer anderen eine Botschaft übermittelt. Dazu gehören vier Grundbausteine: SenderBotschaft, Empfänger und Medium (z. B. Stimme, Schrift, digitale Medien).

 Merke
Direkte vs. indirekte Kommunikation
  • Direkte Kommunikation: Die Botschaft ist klar und muss nicht „entschlüsselt“ werden
  • Indirekte Kommunikation: Die Botschaft ist verdeckt / mehrdeutig und muss erst interpretiert werden

Funktionen (v. a. im Arzt-Patient-Gespräch):

  • Beziehungsaufbau: Vertrauen herstellen, Atmosphäre schaffen
  • Orientierung: Informationen sammeln (Was ist los? Welche Symptome? Welche Bedeutung?)
  • Informationsvermittlung: Aufklären und Wissen vermitteln
  • Kooperation: Motivation fördern und gemeinsame Mitarbeit ermöglichen

Formen der Kommunikation:

  • Verbale Kommunikation
    • Alles, was sprachlich vermittelt wird – mündlich oder schriftlich. Dazu zählen Wortwahl, Satzbau und der inhaltliche Kern der Botschaft
  • Paraverbale Kommunikation
    • Die „Wie-es-gesagt-wird“-Ebene: SprechtempoRhythmus / PausenTonhöheDialektfärbung (bei Schrift z. B. auch Stil/Charakteristik der Handschrift)
    • Sie färbt die verbale Botschaft emotional und sozial ein
  • Nonverbale Kommunikation
    • Alle nichtsprachlichen Signale, z. B. MimikGestikKörperhaltungBlickkontakträumliche Distanz und Körperkontakt
    • Nonverbale Signale sind oft weniger kontrollierbar und können dem Gesagten widersprechen (z. B. „Mir geht’s gut“, aber gesenkter Blick, verkrampfte Haltung)
 Tipp

Das kann im Gespräch ein Hinweis sein, behutsam nachzufragen.

  • Metakommunikation
    • Kommunikation über die Kommunikation: Man spricht darüber, wie gerade geredet wird (z. B. „Wir reden aneinander vorbei“). Das hilft besonders bei Missverständnissen oder wenn der Gesprächsablauf gestört ist
 Definition

Schulz von Thun verfolgte mit seinem sogenannten „4 Ohren Modell“ das Ziel, mehr Anwendungsbezug zu schaffen. Er bezieht Ideen klassischer Kommunikationsmodelle (bspw. von Watzlawick) mit ein und macht diese für die Praxis nutzbarer. 

 Merke

Nach dem Modell besteht jede Nachricht aus 4 Ebenen und Botschaften. Sender:innen vermitteln über jede der Ebenen eine Botschaft. Empfänger:innen erhalten die Botschaften ebenso auf 4 unterschiedlichen Kommunikationsebenen:

  1. Sachebene
  • Sender:in: Worüber informiere ich? 
  • Empfänger:in: Wie ist der Sachinhalt zu verstehen? 

2. Selbstoffenbarung

  • Sender:in: Was gebe ich von mir preis? 
  • Empfänger:in: Was offenbarst du von dir?

3. Beziehungsebene

  • Sender:in: Wie ist unser Verhältnis zueinander?
  • Empfänger:in: Wie stehst du zu mir?

4. Appellebene

  • Sender:in: Was sollst du tun? 
  • Empfänger:in: Was erwartest du von mir?

Entspricht die Intention des Senders nicht der Wahrnehmung des Empfängers, entstehen Kommunikationsschwierigkeiten und Missverständnisse. Dies passiert dann, wenn Sender und Empfänger die Botschaften unterschiedlich deuten oder die Ebenen anders gewichten

 Tipp
Beispiel

Person A hat den Wunsch nach konkreter Unterstützung (Fokus liegt auf Appell), Person B drückt stattdessen Mitgefühl aus (achtet v.a. auf Beziehungsebene). Um Missverständnisse zu vermeiden, hilft es, Nachrichten so deutlich wie möglich zu formulieren:

→ „Kannst du bitte die Heizung herunterdrehen?“ statt „Hier ist es aber heiß...“

Zudem ist es hilfreich, unklare Botschaften in kritischen Situationen anzusprechen, um so Klarheit zu schaffen. 

 Definition

Beziehungen zwischen Kommunikationspartner:innen basieren entweder auf Gleichheit oder auf Unterschiedlichkeit.

  • Symmetrische Beziehung: Partner:innen begegnen sich auf Augenhöhe und es gibt keine Machtunterschiede. Sie streben danach, Ungleichheiten zu minimieren und verhalten sich spiegelbildlich
  • Symmetrische Eskalation: Eine symmetrische Eskalation liegt vor, wenn beide Akteur:innen versuchen einander zu überbieten. Keiner will dem anderen unterlegen sein, weshalb beide versuchen, sich in ihren Argumenten stets zu übertreffen. Das Ergebnis ist eine ineffektive Kommunikation
 Tipp
Beispiel

Frau Gruber fühlt sich von ihrem Arzt nicht ausreichend informiert und hat das Gefühl, dass ihre Symptome nicht ernst genommen werden. Sie spricht ihre Sorgen während der Konsultation an. Herr Dr. Bauer reagiert abwehrend und betont die Schwierigkeit der Diagnose. Die Kommunikation wird zunehmend konfrontativ: Frau Gruber fühlt sich unverstanden, Dr. Bauer angegriffen. Nun stellt Frau Gruber auch noch die Kompetenz des Arztes infrage, was die Eskalation weiter verschärft. Dr. Bauer weist Frau Gruber darauf hin, dass sie seine ärztliche Urteilskraft zu respektieren habe. Die Gesprächspartner:innen versuchen sich in ihren Standpunkten stets zu überbieten, wodurch die Situation immer angespannter wird. 

 Definition

Kontingenz beschreibt, wie stark Gesprächsbeteiligte im Austausch ihren eigenen Gesprächs- / Verhaltensplänen folgen und inwieweit sie dabei auf den anderen eingehen.

Vier Formen der Kontingenz:

  • Wechselseitige Kontingenz: Beide passen einander an und berücksichtigen die Pläne des anderen
  • Asymmetrische Kontingenz (Verbalhandlung): Eine Person setzt vor allem ihre eigenen Ziele durch und geht kaum auf den anderen ein (typisch bei direktivem Gesprächsstil)
  • Pseudokontingenz: Es gibt kaum echte Interaktion – man redet aneinander vorbei, alle bleiben bei ihren eigenen Plänen
  • Reaktive Kontingenz: Jemand richtet sich so stark nach dem Gegenüber, dass die eigenen Anliegen dabei untergehen
 Info

„Kontingenz“ kann auch die Häufigkeit bezeichnen, mit der ein Verhalten verstärkt wird.

Ausweichende Gesprächsstrategien (v. a. im Arzt-Patient-Gespräch):

In belastenden oder schwierigen Situationen kann es passieren, dass Ärztinnen / Ärzte Fragen umgehen. Typische Strategien sind:

  • Adressatenwechsel: Patientin fragt den Arzt – Antwort geht stattdessen ans Pflegepersonal
  • Beziehungskommentar: Keine direkte Antwort; stattdessen wird z. B. gefragt, warum der Patient das wissen möchte
  • Themenwechsel: Die Frage wird übergangen und ein anderes Thema begonnen
  • Mitteilung funktionaler Unsicherheit: „Das ist nicht mein Fachgebiet.“
  • Doppelbindung: Widerspruch zwischen verbaler und nonverbaler Botschaft; der Empfänger kann nicht „richtig“ reagieren (weil zwei gegensätzliche Signale / Forderungen gleichzeitig gesendet werden)
  • Watzlawick P, Beavin JH, Jackson DD. Pragmatics of Human Communication: A Study of Interactional Patterns, Pathologies, and Paradoxes. New York: W.W. Norton & Company; 1967. ISBN 9780393707074.
  • Schulz von Thun F. Miteinander reden 1: Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt; 1981. ISBN 9783499174895.
  • Bartlett EE, Grayson M, Barker R, Levine DM, Golden A, Libber S. The effects of physician communications skills on patient satisfaction; recall, and adherence. J Chronic Dis 1984;37(9-10):755-764. DOI: 10.1016/0021-9681(84)90044-4.
  • Zolnierek KBH, DiMatteo MR. Physician communication and patient adherence to treatment: a meta-analysis. Med Care 2009;47(8):826-834. DOI: 10.1097/MLR.0b013e31819a5acc.
Zuletzt aktualisiert am 17.08.2026
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