Zusammenfassung
Krankentransporte sind ein zentraler Bestandteil des Gesundheitswesens. Sie sichern die medizinisch notwendige Beförderung von Patient:innen, die aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht eigenständig oder ohne fachliche Betreuung reisen können. Sie bilden die Schnittstelle zwischen Arztpraxen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und dem häuslichen Umfeld und tragen dazu bei, Untersuchungen, Behandlungen und Aufenthalte medizinisch sinnvoll miteinander zu verbinden.
Die Anforderungen an Krankentransporte sind vielfältig und reichen von der organisatorischen Planung bis zur fachlichen Betreuung während der Fahrt. Ebenso müssen Aspekte wie Patient:innensicherheit, Kommunikation und interdisziplinäre Zusammenarbeit zuverlässig gewährleistet sein. In Zeiten steigenden Mobilitätsbedarfs, zunehmender Spezialisierung im Gesundheitswesen und einer alternden Bevölkerung gewinnen Krankentransporte zunehmend an Bedeutung.
Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die Definition, die relevanten Transportarten, den Ablauf und die besonderen Herausforderungen bei der Durchführung eines Krankentransportes.
Fallbeispiel
Um den Einstieg in das Thema Krankentransport
Das Szenario
Einsatzmeldung:
- Stichwort: "Krankentransport
" - Ort: Mehrfamilienhaus, 3. OG
- Alarmzeit: 08:32
- Anrufer:in: Patientin
- Anzahl der betroffenen Personen: 1
- Zusatzinfo:
- Patientin, 85 Jahre, am Rollator
schlecht mobil, Ehemann hat die Pflege übernommen, kein Pflegedienst - Einweisung durch Hausarzt bei verschlechtertem Allgemeinzustand
- Patientin, 85 Jahre, am Rollator
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Krankentransportes steht der Ehemann am Fenster und weist euch den Weg.
Die Lage ist wie folgt:
- Seit 3 Wochen zunehmende Allgemeinzustandsverschlechterung, Mobilität
zunehmend eingeschränkt - Ehemann ist mit der Pflege überfordert
- Patientin kann seit 3 Wochen die Wohnung nicht mehr verlassen und muss liegend transportiert werden
- Patientin kann nichts mehr essen und bei sich behalten, sie hat Bauchschmerzen, der Hausarzt hat keinen klaren Verdacht und weist sie zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus ein. Die Patientin ist kardiopulmonal stabil
- Einweisung, aktueller Medikamentenplan und Transportschein wurden vom Hausarzt hinterlassen

Dieses Bild wurde mit der KI-Software ChatGPT (OpenAI) erstellt. Es wurde automatisch generiert und dient ausschließlich illustrativen Zwecken.
Definition
Ein Krankentransport
Im Gegensatz zur notfallmedizinischen Versorgung im Rettungswagen (RTW) steht beim Krankentransport
DefinitionKrankentransport
Ein Krankentransport
bezeichnet den medizinisch notwendigen Transport von kranken, verletzten oder hilfsbedürftigen Personen, die keinen lebensbedrohlichen Notfall darstellen, jedoch eine medizinisch-fachliche Betreuung oder eine spezielle Fahrzeugausstattung benötigen. Er wird meist in speziell ausgestatteten Fahrzeugen, sogenannten Krankentransportwägen (KTW), durchgeführt, die von geschultem Personal begleitet werden.
Rechtliche Grundlagen:
Krankentransporte sind in Deutschland durch mehrere rechtliche Grundlagen geregelt:
- SGB V: Unter anderem Regelung der Kostenübernahme und Genehmigungspflicht durch die Krankenkassen
- Landesrettungsdienstgesetze: Festlegung der Fahrzeugtypen, Personalqualifikationen und Organisationsformen für den Krankentransport
- Ärztliche Verordnung: Ein Transportschein
ist Voraussetzung für die Kostenübernahme bei medizinischer Notwendigkeit - Qualitätsstandards betreffen Hygiene, Dokumentation, Sicherheit und Personalstruktur
Diese gesetzlichen Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass Krankentransporte einheitlich und qualitätsgesichert durchgeführt werden.
Qualifikation des Personals:
Krankentransporte werden in der Regel von folgendem Personal durchgeführt:
| Krankentransportwagen | ||
| Fahrer:in | Beifahrer:in | |
| Baden-Württemberg | Rettungshelfer:in | RettSan |
| Bayern | Geeignete:r Fahrer:in | RettSan |
| Berlin | Geeignete:r Fahrer:in + 60 Stunden Sanitätsausbildung | RettSan |
| Brandenburg | Geeignete:r Fahrer:in | RettSan |
| Bremen | Rettungshelfer:in | RettSan |
| Hamburg | RettSan | RettSan |
| Hessen | Sanitäter:in | RettSan |
| Mecklenburg-Vorpommern | RettSan | RettSan |
| Niedersachsen | Geeignete:r Fahrer:in | RettSan |
| Nordrein-Westfalen | Rettungshelfer:in | RettSan |
| Rheinland-Pfalz | Rettungshelfer:in | RettSan |
| Saarland | Sanitäter:in | RettSan |
| Sachsen | Geeignete Person | Geeignete Person |
| Sachsen-Anhalt | RettSan | NotSan |
| Schleswig-Holstein | RettSan / NotSan-Azubi ab dem 18. Monat | RettSan mit Einsatzerfharung / RettAss |
| Thüringen | Ohne Angabe | Ohne Angabe |
Ihre Aufgaben umfassen:
- Durchführung von Vitalzeichenkontrollen
- Sicheres Umlagern und Transportieren
- Medizinisch-therapeutische Basistätigkeiten
- Kommunikation mit Kliniken und anderen Einrichtungen
- Dokumentation und Gewährleistung hygienischer Standards
Damit ist der Krankentransport
Krankentransportarten
Einweisungsfahrten:
Bei Einweisungsfahrten werden Patient:innen von zuhause oder einer Pflegeeinrichtung in ein Krankenhaus gebracht, weil eine stationäre Aufnahme erforderlich ist.
Wichtige Aspekte:
- Transport erfolgt in der Regel auf Grundlage eines Transportscheins, ausgestellt vom einweisenden Arzt/einweisenden Ärztin
- Der Gesundheitszustand kann eingeschränkt sein, jedoch ohne akuten Notfallcharakter
- Sicheres und schonendes Umlagern ist wichtig, da Patient:innen oft geschwächt oder immobil sind
- Patient:inneninformation: persönliche Dinge, Medikamente (Medikamentenplan, nur besondere Medikamente sollten mitgenommen werden, der Rest wird vom Krankenhaus gestellt) und Einweisungsschreiben müssen mitgeführt werden
- Kommunikation mit der Zielklinik ist entscheidend, um Übergaben
reibungslos zu gestalten - Kommunikation mit Angehörigen und Patient:in
- Dokumentation umfasst Ausgangszustand, Transportverlauf und Übergabe
sowie mitgeführte Gegenstände
InfoEinweisungsfahrten gehören zu den häufigsten Krankentransporten.
Konsilfahrten:
Bei Konsilarfahrten werden Patient:innen innerhalb eines Behandlungskontextes von einer Klinik oder Praxis zu einer anderen Einrichtung transportiert, um eine spezifische Untersuchung oder Diagnostik zu erhalten.
Wesentliche Punkte:
- Der Transport erfolgt meist geplant und termingebunden
- Besonders wichtig ist eine genaue Kenntnis der Transportanforderungen (z.B. liegend oder sitzend, Sauerstoffbedarf)
- Teils bestehen bestimmte immobilisierende oder therapeutische Maßnahmen (z.B. Sauerstoffgabe
) - Die Rückfahrt kann Bestandteil des Gesamtauftrages sein
Konsilfahrten erfordern meist eine engere Abstimmung zwischen den beteiligten Einrichtungen.
Verlegungstransporte:
Verlegungstransporte dienen der Fortführung einer bereits bestehenden stationären Behandlung in einer anderen Klinik, z.B. aufgrund:
- Spezialisierte Versorgungsformen
- Kapazitätsgründen
- Wohnortnähe
Wesentliche Merkmale:
- Patient:innen sind häufig geschwächt, frisch operiert oder multimorbid und bedürfen weiterer stationärerTherapie
- Monitoring oder Sauerstoffgabe
kann notwendig sein - Transportfähigkeit muss durch die abgebende Klinik bestätigt werden
- Umfassende Übergabe
von Diagnosen, Medikamentenplänen und Pflegeberichten ist essenziell - Transport kann auch mit Infusionen, Drainagen oder Verbänden erfolgen
Verlegungstransporte können zu den anspruchsvolleren Krankentransportarten zählen.
Entlassungstransporte/Heimfahrten:
Diese Transporte bringen Patient:innen von der Klinik zurück nach Hause, in eine Pflegeeinrichtung oder zur Reha.
Wichtige Details:
- Transport erfolgt, wenn Patient:innen nicht selbstständig oder mit Taxi befördert werden können
- Besondere Lagerung kann notwendig sein
- Gepäck, Medikamente und Entlassungsunterlagen müssen vollständig sein
- Das Team unterstützt beim Transport in die Wohnung, inklusive Treppensteigen mit Tragestuhl
- Kommunikation mit Angehörigen oder Pflegepersonal ist oft erforderlich
- Häufig besteht ein erhöhter Informationsbedarf der Patient:innen
Entlassungstransporte sind patientennah und organisatorisch umfangreich.
AchtungAussetzung
Bei einem Heimtransport muss durch das Team des KTW sichergestellt werden, dass die Patientin/ der Patient sicher übergeben wird.
Die Besatzung des KTW ist verpflichtet sicherzustellen, dass:
- Die Person die Wohnung (in die Wohnung, nicht davor) erreicht
- Bei Bedarf eine geeignete Betreuungsperson vor Ort ist
- Die Wohnumgebung sicher zugänglich ist
- Die Patientin/ der Patient entweder selbstständig lebensfähig ist oder entsprechende Hilfe vor Ort ist
Ist keine Betreuung gewährleistet oder die Person selbstständig lebensfähig, besteht die Gefahr der Unterversorgung → ein Belassen in der Wohnung darf damit nicht erfolgen!
In solchen (seltenen) Fällen muss die Besatzung:
- Die Situation dokumentieren
- Rücksprache mit der Leitstelle
halten - Und einen Rücktransport in die abgebende Einrichtung durchführen (Prinzip „return to sender“)
- Dort muss diese Situation entsprechend übergeben werden
Transporte in Hospizeinrichtungen:
Bei Transporten in Hospize werden Patient:innen befördert, deren medizinischer Fokus auf palliativer Betreuung liegt.
Relevante Besonderheiten:
- Sehr sensible Kommunikation, da die Situation emotional belastend sein kann
- Patient:innen sind häufig stark geschwächt, schmerzgeplagt oder immobil
- Eine ruhige, stressfreie Lagerung ist prioritär
- Angehörige sind oft präsent und benötigen einfühlsame Ansprache
- Transport kann mit Schmerzinfusionen oder anderen palliativen Maßnahmen erfolgen
Hier stehen nicht die Schnelligkeit, sondern Würde und Sicherheit im Vordergrund.
Dialysefahrten:
Dialysefahrten betreffen Patient:innen, die mehrmals wöchentlich zu regelmäßigen Behandlungen in ein Dialysezentrum gebracht werden.
Wichtige Punkte:
- Patient:innen sind häufig multimorbid und teils stark geschwächt
- Transport findet mehrfach pro Woche statt – ein gutes persönliches Verhältnis zu den Patient:innen kann entstehen
- Besondere Vorsicht bei Kreislaufproblemen, Schwindel, Diabetes
oder Amputationen - Nach der Dialyse
ist das Risiko für eine Hypotonie erhöht → sorgfältige Betreuung erforderlich - Auf korrekte Lagerung achten
- Wiederholungstermine machen Planung und Pünktlichkeit besonders wichtig
- Patient:innen werden in den Einrichtungen gewogen (der Rettungsdienst hilft dabei regulär)
Diese Fahrten sind ein essenzieller Bestandteil der Regelversorgung.
InfoInformationen zu Transportvarianten, Umlagern und Lagerung findest du in den Artikeln: Rettungs- und Transporttechniken und Lagerung.
AchtungÜbernahmeverschulden
Jeder Transport kann von einem Team des Rettungsdienstes oder des Krankentransportes abgelehnt werden. Sind die Patient:innen beispielsweise nicht stabil genug, um transportiert zu werden, oder bestehen andere unsichere Faktoren, sollte diese Person nicht ohne Weiteres transportiert werden.
Ein Übernahmeverschulden liegt vor, wenn die medizinische Fachkenntnis, die technische Ausstattung oder die organisatorischen Gegebenheiten nicht ausreichen, um Patient:innen adäquat zu versorgen.
Eine Rücksprache mit der Leitstelle
kann hier Hilfe bieten. Die Verantwortung für die Versorgung der Patient:innen liegt jedoch immer beim Team vor Ort.
Ablauf und Besonderheiten
Der generelle Ablauf eines Krankentransportes gestaltet sich meist wie folgt:
Transportschein und Einweisungen:
- Ein Transportschein (ärztliche Verordnung) ist verpflichtend für die Abrechnung mit der Krankenkasse
- Bei Einweisungen und Verlegungen sind zusätzliche ärztliche Unterlagen erforderlich
Gepäck, Unterlagen und organisatorische Aufgaben:
- Medikamente, weitere Unterlagen, Pflegeberichte, Hilfsmittel
- Koffer und persönliche Dinge werden durch das Team gesichert transportiert (wenn möglich)
Betreuung während der Fahrt:
- Regelmäßige Ansprache und Betreuung
- Kontrolle von Lagerung, Atmung und Kreislauf
- Unterstützung bei Schmerzen oder Angst (nicht-medikamentös)
- Sicherung von Infusionen, Schienen oder Kathetern
Besonderheiten bei speziellen Patient:innengruppen:
- Demenz: Klare Sprache, Geduld, Vermeidung von Stresssituationen
- Rollstuhlpatient:innen: Ggf. Sicherung des Rollstuhles durch entsprechende Sicherungsvorrichtungen, falls nicht möglich, dann zu Hause lassen (Krankenhaus hat z.B. eigene Rollstühle)
- Infektionstransporte: Schutzkleidung
und Hygiene- und Desinfektionsprotokolle beachten - Adipöse Patient:innen: Ggf. Spezialtragen verwenden, auf Gewichtslimits achten
- Psychiatrische Patient:innen: Deeskalation, ruhige Gesprächsführung, ggf. Begleitperson (ggf. durch Polizei)
- Kinder: Elternbegleitung, kindgerechte Kommunikation
- Blinde Patient:innen: Jeden kleinen Arbeitsschritt und jedes Vorgehen genau erklären, Warnung bei Berührung und Führung anbieten bei Bewegung
- Gehörlose Patient:innen: Manche können Lippen lesen → klar, deutlich und langsam sprechen, ansonsten aufschreiben oder ggf. Dolmetscher, wenn keine Gebärdensprache beherrscht wird
Der Umgang mit besonderen Patient:innengruppen erfordert Erfahrung, Empathie
Quellen
- Luxem, J., Runggaldier, K., Karutz, H., Flake, F., Notfallsanitäter Heute, Elsevier, 2016, ISBN: 978-3437461958


