Lipidlösung 20 % (intravenöse Lipidemulsion) ist ein Antidot, das bei schweren Intoxikationen mit Lokalanästhetika eingesetzt wird, insbesondere bei Vergiftungen mit Bupivacain, Ropivacain oder Lidocain. Sie kommt primär bei ausgeprägten kardialen oder neurologischen Symptomen im Rahmen einer Lokalanästhetika-Toxizität (LAST – Local Anesthetic Systemic Toxicity) zur Anwendung.
Lokalanästhetika blockieren spannungsabhängige Natriumkanäle in Nerven- und Herzmuskelzellen. Bei systemischer Überdosierung kann es zu einer Beeinträchtigung der kardialen Reizleitung und Kontraktilität kommen. Klinisch zeigen sich zunächst neurologische Symptome wie periorale Parästhesien, Schwindel, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen, gefolgt von kardialen Komplikationen wie Arrhythmien, Hypotonie bis zum Kreislaufstillstand.
Die Lipidlösung wirkt über das sogenannte „Lipid-Sink“-Prinzip. Dabei werden lipophile Substanzen wie Lokalanästhetika im intravasalen Fettkompartiment gebunden, wodurch ihre freie Wirkstoffkonzentration im Gewebe reduziert wird. Zusätzlich werden kardiale Energiesubstrate bereitgestellt, was die myokardiale Funktion stabilisieren kann.
Die Anwendung erfolgt intravenös als schnelle Kurzinfusion. Eine engmaschige Überwachung ist erforderlich, da es bei Überdosierung zu Fettembolien, Hypertriglyzeridämie oder pankreatitischen Komplikationen kommen kann.
Nach intravenöser Gabe kann eine rasche hämodynamische Stabilisierung eintreten. Die Therapie sollte unter strenger Indikationsstellung erfolgen.
- S1-Leitlinie: Prävention und Therapie der systemischen Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST), Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
- Fachinformation: Lipidlösung 20% Emulsion zur Infusion, Stand: 01/2021


