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Lipidlösung 20%

Intravenöse Lipidemulsion , Fettemulsion, Lipidinfusion, Antidot bei Lokalanästhetika-Toxizität, Lipid-Sink-Therapie
12 Minuten Lesezeit

Lipidlösung 20 % (intravenöse Lipidemulsion) ist ein Antidot, das bei schweren Intoxikationen mit Lokalanästhetika eingesetzt wird, insbesondere bei Vergiftungen mit Bupivacain, Ropivacain oder Lidocain. Sie kommt primär bei ausgeprägten kardialen oder neurologischen Symptomen im Rahmen einer Lokalanästhetika-Toxizität (LAST – Local Anesthetic Systemic Toxicity) zur Anwendung.

Lokalanästhetika blockieren spannungsabhängige Natriumkanäle in Nerven- und Herzmuskelzellen. Bei systemischer Überdosierung kann es zu einer Beeinträchtigung der kardialen Reizleitung und Kontraktilität kommen. Klinisch zeigen sich zunächst neurologische Symptome wie periorale Parästhesien, Schwindel, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen, gefolgt von kardialen Komplikationen wie Arrhythmien, Hypotonie bis zum Kreislaufstillstand.

Die Lipidlösung wirkt über das sogenannte Lipid-Sink“-Prinzip. Dabei werden lipophile Substanzen wie Lokalanästhetika im intravasalen Fettkompartiment gebunden, wodurch ihre freie Wirkstoffkonzentration im Gewebe reduziert wird. Zusätzlich werden kardiale Energiesubstrate bereitgestellt, was die myokardiale Funktion stabilisieren kann.

Die Anwendung erfolgt intravenös als schnelle Kurzinfusion. Eine engmaschige Überwachung ist erforderlich, da es bei Überdosierung zu Fettembolien, Hypertriglyzeridämie oder pankreatitischen Komplikationen kommen kann.

Nach intravenöser Gabe kann eine rasche hämodynamische Stabilisierung eintreten. Die Therapie sollte unter strenger Indikationsstellung erfolgen.

Lernkarte Lipidlösung 20%
  • Wirkstoffklasse: Antidot, lipidhaltige Infusionslösung
  • Handelsnamen: z.B. Intralipid® 20 %, Lipofundin® MCT/LCT 20 %, Smoflipid® 20 %
Etikett: Lipidlösung 20%
  • Schwere Intoxikation mit Lokalanästhetika
  • Im Notfall: keine absoluten Kontraindikationen
  • Überempfindlichkeit gegen Ei-oder Sojaprotein oder Erdnüsse
  • Schwere Gerinnungsstörung
  • Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung
  • Akute thromboembolische Ereignisse
  • Schwere Hyperlipidämie
  • Erwachsene und Kinder:
    • Initial: 1,5 ml/kgKG i.v. (100 ml) innerhalb 1 Minute
    • Bei Persistenz der Symptome: Wiederholung nach 5 min und anschließende Infusion (0,25ml/kgKG/min) über 15-20 min (maximal 12,5 ml/kg/24 Std)
  • Keine Anwendung bei geringgradigen Intoxikationen
  • Die Anwendung erfolgt zwar als Off-Label-Use, wird jedoch durch aktuelle Leitlinien bei schwerer systemischer Toxizität (LAST) ausdrücklich empfohlen
  • Infusion der Lösung über einen separaten venösen Zugang
  • Wirksam vor allem bei lipophilen Lokalanästhetika (z.B. Bupivacain, Ropivacain)
  • Wirkeintritt: innerhalb weniger Minuten
  • Wirkdauer: abhängig von Dosis und Lipidverfügbarkeit (Minuten bis Stunden)
  • Die genaue Wirkweise von Lipidemulsionen bei Lokalanästhetika-Intoxikation ist nicht vollständig geklärt
  • Wahrscheinlich binden Lipidemulsionen lipophile Lokalanästhetika im Blut („Lipid-Sink-Effekt“) und fördern deren Umverteilung weg von Herz und ZNS
  • Zusätzlich werden direkte kardioprotektive Effekte angenommen, die das Myokard funktionell stabilisieren (postkonditionierender Schutzeffekt)
  • Hyperkoagulabilität
  • Allergische Reaktionen
  • Hyperlipidämie
  • Hyperglykämie
  • Kopfschmerzen, Benommenheit
  • Hypertonie
  • Flush
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Lokalanästhetika
Zuletzt aktualisiert am 13.03.2026
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