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Liquorsystem

EP
10 Minuten Lesezeit

Das Zentralnervensystem (ZNS) ist vollständig von der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) umgeben. Diese Flüssigkeit befindet sich nicht nur im äußeren Bereich des ZNS, sondern auch innerhalb der Hirnventrikel – den mit Liquor gefüllten Hohlräumen im Inneren des Gehirns.

Der Liquor dient als Schutzpolster, indem er Gehirn und Rückenmark vor plötzlichen mechanischen Einwirkungen wie Erschütterungen bewahrt. Zusätzlich transportiert er Nährstoffe aus dem Blut zum Nervengewebe und entfernt Abbauprodukte des Stoffwechsels. Der Liquor zirkuliert im Ventrikelsystem und Subarachnoidalraum und wird kontinuierlich neu gebildet und resorbiert. Seine Produktion erfolgt in den Plexus choroidei aller Hirnventrikel. Von den Seitenventrikeln gelangt er über den dritten in den vierten Ventrikel und von dort in den Subarachnoidalraum.

Die Resorption findet überwiegend über die Granulationes arachnoidales im Bereich des Sinus sagittalis superior sowie an den Austrittsstellen der Spinalnerven statt. Insgesamt enthält das Liquorsystem rund 150 ml Liquor, der sich etwa drei- bis viermal täglich vollständig erneuert.

Man unterscheidet ein inneres und ein äußeres Liquorsystem.

  • Befindet sich im Subarachnoidalraum → Rückenmark und Gehirn in Liquor cerebrospinalis eingebettet
  • An einigen Stellen zu sogenannten Zisternen erweitert:
    • Cisterna lumbalis
    • Cisterna basalis
    • Cisterna cerebellomedullaris (Cisterna magna) → liegt zwischen Unterseite des Kleinhirns und Medulla oblongata
  • Besteht aus: 4 Hirnventrikeln (2 Seitenventrikel, III. Ventrikel und IV. Ventrikel) und dem Aquaeductus mesencephali (auch Aquaeductus cerebri genannt)
  • Stehen miteinander in Verbindung
  • Bilden das Liquorbildungs- und -transportsystem
  • Verbindung zum äußeren Liquorsystem über
    • 2 Aperturae laterales
    • 1 Apertura mediana des IV. Ventrikels
  • Setzt sich kaudal als Canalis centralis im Rückenmark fort

Inneres Liquorsystem (Ansicht von der Seite):

Inneres Liquorsystem (Ansicht von der Seite)

Seitenventrikel

  • Befinden sich im Telencephalon und sind paarig angelegt
    • Linker Seitenventrikel = I. Ventrikel (Ventriculus lateralis primus)
    • Rechter Seitenventrikel = II. Ventrikel (Ventriculus lateralis secundus)

Sie gliedern sich in verschiedene Abschnitte, die ineinander übergehen: Vorderhirn (Cornu frontale oder anterius), Pars centralis, Hinterhorn (Cornu occipitale oder posterius) und Unterhorn (Cornu temporale oder inferius)

  • Vorderhorn (Cornu frontale, Cornu anterius): Liegt im Frontallappen
    • Begrenzt durch Septum pellucidum (medial), Ncl. caudatus (lateral) und Corpus callosum (superior). 
    • Über das Foramen interventriculare (Foramen Monroi) steht es in Verbindung mit dem 3. Ventrikel
  • Pars centralis: Liegt im Parietallappen
    • Begrenzung: medial durch Fornix, lateral durch Ncl. caudatus
    • DachCorpus callosumBodenThalamus (Lamina affixa)
    • Plexus choroideus liegt an der medialen Wand
  • Hinterhorn (Cornu occipitale/posterius): Liegt im Okzipitallappen
    • Komplett von weißer Substanz des Okzipitallappens umgeben
    • Seitenwände und Dach bestehen aus Fasern der Radiatio optica
    • An der medialen Wand liegt der Calcar avis, durch den Sulcus calcarinus aufgeworfen
  • Unterhorn (Cornu temporale/inferius)
    • Begrenzung: medial durch den Hippocampus
    • Dach gebildet durch die Cauda des Ncl. caudatus
    • Plexus choroideus wölbt sich zwischen Hippocampus und Dach in den Ventrikel
    • Laterale Wand besteht aus Fasern der Radiatio optica und des Tapetums
    • Spitze des Unterhorns enthält das Corpus amygdaloideum

Ansicht von der Seite:

Seitenventrikel (Ansicht von der Seite)

Dritter Ventrikel (Ventriculus tertius)

  • Unpaariger, spaltförmiger Hohlraum
  • Liegt median im Diencephalon
  • Verbindung zu den Seitenventrikeln über Foramina interventricularia (Monroi)

Begrenzungen:

  • Seitenwand
    • Ventraler Anteil: Hypothalamus
    • Dorsaler Anteil: Thalamus mit Adhaesio interthalamica und Epithalamus
  • Vorderwand
    • Commissura anteriorLamina terminalisColumnae fornicis
    • Zwei Recessus: Recessus supraopticus und Recessus infundibularis
  • Hinterwand
    • Commissura posteriorCommissura habenularumEpiphyse
    • Zwei Recessus: Recessus pinealis und Recessus suprapinealis
  • Dach
    • Tela choroidea → gefäßreiche Bindegewebsschicht, die aus der weichen Hirnhaut (Pia mater) gebildet wird. Aus ihr entspringen die feinen Blutgefäße, die den Plexus choroideus formen

Aquaeductus mesencephali (cerebri)

  • Verbindet den III. mit dem IV. Ventrikel
  • Engste Stelle des Ventrikelsystems
  • Begrenzungen
    • Ventral: Tegmentum mesencephali
    • Dorsal: Vierhügelplatte (Tectum mesencephali)

Ansicht von vorne:

Dritter Ventrikel (Ventriculus tertius)

Vierter Ventrikel (Ventriculus quartus):

  • Liegt im Rhombencephalon
  • Kaudal Fortsetzung als Canalis centralis in das Rückenmark

Begrenzungen:

  • Boden: Fossa rhomboidea (Rautengrube)
  • Dach: Tegmen ventriculi quarti wird in obere und untere Wand geteilt
    • Obere WandVelum medullare superius
    • Untere Wand: Velum medullare inferius
    • Anschließend dünne Tela choroidea mit Plexus choroideus ventriculi quarti

Verbindung zum Subarachnoidalraum:

  • Aperturae laterales ventriculi quarti (Foramina Luschkae) → Verbindung zur Cisterna pontis
    • Plexus choroideus ragt durch die Öffnungen und bildet das Bochdalek-Blumenkörbchen
  • Apertura mediana ventriculi quarti (Foramen Magendii) → Verbindung zur Cisterna cerebellomedullaris

Insgesamt enthält das Liquorsystem rund 150 ml Liquor, der sich etwa drei- bis viermal täglich vollständig erneuert. Der Liquor zirkuliert im Ventrikelsystem und Subarachnoidalraum und wird kontinuierlich neu gebildet und resorbiert. Seine Produktion erfolgt in den Plexus choroidei aller Hirnventrikel.

Plexus choroideus:

  • Gefäßreiches Gewebe im Ventrikelsystem des Gehirns, entsteht durch Ausstülpungen der Pia mater und kommt in jedem Ventrikel vor
  • Lage im Ventrikelsystem
    • Seitenventrikel: Innenseite des Cornu inferius und der Pars centralis
    • Dach des 3. und 4. Ventrikels
      • Verbindung der Plexus choroidei der Seitenventrikel mit dem des dritten Ventrikels über das Foramen interventriculare (Monro-Foramen)
    • Aus den Aperturae laterales des 4. Ventrikels (Foramina Luschkae) vorspringender Anteil wird als Bochdalek-Blumenkörbchen bezeichnet
  • Besteht aus: Spezialisiertem Ependym (Plexusepithel), spezialisierter Pia mater (Tela choroidea)

Liquorzirkulation:

  1. Beginn in den Plexus choroidei der Seitenventrikel
  2. Abfluss über die Foramina interventricularia (Foramina Monroi) in den 3. Ventrikel
  3. Weiterleitung durch den Aquaeductus mesencephali in den 4. Ventrikel
  4. Austritt aus dem 4. Ventrikel in das äußere Liquorsystem über: Apertura mediana (Foramen Magendii), Aperturae laterales (Foramina Luschkae)
  5. Rückresorption ins Blut

Liquorzirkulation:

Liquorzirkulation
  • Hauptsächlich über die Granulationes arachnoidales resorbiert und in die venösen Hirnsinus (Sinus durae matris) geleitet
  • Zusätzlich über spinale venöse Plexus und lymphatische Abflüsse

Die Blut-Liquor-Schranke stellt die physiologische Barriere zwischen Liquorsystem und Blutkreislauf dar.

  • Aufbau
    • Kapillarendothel (fenestriert) der Blutgefäße
    • Basalmembran
    • Epithel des Plexus choroideus
  • Permeabilität
    • Durchlässig für Wasser und gelöste Gase wie Sauerstoff und Kohlendioxid
    • Geringe Durchlässigkeit für Elektrolyte
    • Für die meisten anderen Moleküle undurchlässig
    • Passage nur bei aktiver Aufnahme und Sekretion durch Plexusepithelzellen möglich
Blut-Liquor-Schranke
Zuletzt aktualisiert am 14.07.2026
Rückenmarkshäute (Meningen) & Blutversorgung
Medulla oblongata (verlängertes Mark)
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