Medi Know
Logo Image

Magen (RD)

Gaster
9 Minuten Lesezeit

Der Magen (Gaster) ist ein muskuläres Hohlorgan, das eine zentrale Rolle im Verdauungssystem spielt. Er befindet sich im oberen Teil des Bauchraums, zwischen der Speiseröhre und dem Zwölffingerdarm.

Der Magen nimmt die aus dem Ösophagus kommende, bereits zerkleinerte Nahrung auf, vermischt sie mit dem Magensaft zu einem gleichmäßigen Speisebrei (Chymus) und speichert diesen vorübergehend.

Der Magensaft wird von den Magendrüsen in der Schleimhaut gebildet und ist für die weitere Verarbeitung der Nahrung verantwortlich.

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion:
    • Aufnahme der Nahrung aus dem Ösophagus
    • Mechanische und chemische Verarbeitung zum Speisebrei (Chymus)
  • Lage: intraperitoneal im Oberbauch (Epigastrium)
  • Form: variabel (z. B. Stierhorn-, Haken- oder Langmagen)
  • Größe:
    • Länge: ca. 25–30 cm
    • Fassungsvermögen: ca. 1200–1600 mL

Krümmungen:

  • Große Kurvatur: konvex geformter Rand auf der linken Seite
  • Kleine Kurvatur: konkav geformter Rand auf der rechten Seite
 Info

Die Kurvaturen definieren die Grenzen zwischen der Vorderfläche und der Rückfläche des Magens.

Abschnitte:

  • Mageneingang (Pars cardiaca):
    • Einmündung des Ösophagus
    • Sphinkter verhindert Rückfluss von Magensäure
  • Magenfundus (Fundus gastricus):
    • Kontakt zum Zwerchfell
    • Luft sammelt sich hier
  • Magenkörper (Corpus gastricum):
  • Hauptabschnitt
  • Magenausgang (Pars pylorica):
    • Gliedert sich in 3 Abschnitte
Magen (Gaster)

Im Magen gibt es verschiedene Drüsenzellen, die unterschiedliche Sekrete produzieren:

ZellenSekretionsproduktFunktion
Belegzellen (Parietalzellen)HCl (Salzsäure), Intrinsic Factor
  • Säureproduktion zur Verdauung und Keimabwehr
  • Intrinsic Factor ermöglicht Vitamin-B12-Resorption
NebenzellenSchleim (Muzine), BicarbonatSchutz der Magenschleimhaut durch Schleimbarriere und Neutralisation der Säure
HauptzellenPepsinogenVorstufe von Pepsin → Eiweißverdauung
G-ZellenGastrinStimuliert die Produktion von Salzsäure
ECL-ZellenHistaminVerstärkt die Salzsäuresekretion der Belegzellen
D-ZellenSomatostatinHemmt die Salzsäureproduktion
Funktionelle Anatomie des Magens
 Merke
Die Salzsäure (HCl) wird von den Belegzellen produziert und ist ein wesentlicher Bestandteil der Magensäure

Ihre Bildung erfolgt dabei über mehrere aufeinanderfolgende Schritte:

  1. Zu Beginn werden H+-Ionen durch eine H+/K+-Pumpe unter Verbrauch von ATP in das Lumen sezerniert und K+-Ionen in die Belegzelle aufgenommen
  2. Die aufgenommenen K+-Ionen rezirkulieren 
  3. Die H+-Ionen werden in den Belegzellen durch die Carboanhydrase in der folgenden Reaktion hergestellt: Co2 + H2O ⇌ HCO3- + H+
  4. Das ebenfalls gebildete HCO3- gelangt über einen Cl-/ HCO3--Antiport aus der Zelle und Cl- in die Zelle hinein
  5. Das Cl- gelangt über einen calciumabhängigen Chloridkanal (= CaCC) in das Lumen
  6. Die ionale Homöostase wird durch die basolaterale Na+/K+-ATPase und einen H+/Na+-Antiport aufrechterhalten
Säuresekretion

Regulation der HCl-Produktion durch Hormone und Neurotransmitter

HormonEffekt auf die HCl-ProduktionStimulation durchBildungsort
SomatostatinNiedriger pH-Wert im Magen, NahrungsaufnahmePankreas (Langerhans-Inseln), Magen, Dünndarm: D-Zellen
Cholecystokinin (CCK)Fette und teilweise Proteine im DünndarmDuodenum und Jejunum: I-Zellen
SekretinSaurer Inhalt des Magens im Dünndarm (pH-Wert <4,5)Duodenum und Jejunum: S-Zellen
Prostaglandin E2 (PGE2)Mechanische Reizung, EntzündungenVerschiedene Zellen im Magen-Darm-Trakt
Glucose-dependent Insulinotropic Peptide (GIP)Glucose, Fette und Aminosäuren im DünndarmDünndarm, Duodenum: K-Zellen
NeurotensinFette im DünndarmDünndarm: N-Zellen
GastrinDehnung des Magens, Proteine/Aminosäuren, vagale StimulationMagenantrum: G-Zellen
AcetylcholinVagusaktivierung (Gedanken, Geruch, Geschmack von Essen)2. Neuron des Parasympathikus
HistaminGastrin und AcetylcholinMagenfundus: ECL-Zellen
 Merke
Der Magensaft wird von den Zellen der Magendrüsen gebildet und in das Magenlumen abgegeben. Er dient der Zersetzung der Nahrung

Zusammensetzung des Magensafts 

  • Wasser
  • Salzsäure (HCl
  • Pepsin
  • Mucine
  • Bicarbonat 
  • Intrinsic-Faktor 

Schutzmechanismen der Magenschleimhaut

 Achtung

Da einige Bestandteile die Magenschleimhaut angreifen können, schützen verschiedene Mechanismen die Schleimhaut.

  • Schnelle Zellerneuerung → geschädigte Zellen werden ersetzt
  • Dichte Zellverbindungen (Tight Junctions) → verhindern, dass Säure ins Gewebe eindringt
  • Schleim + Bicarbonat → bilden eine schützende, neutralisierende Schicht
    • Prostaglandin E2 → steigert Schleim- und Bicarbonatproduktion und hemmt die Magensäurebildung
  • Gute Durchblutung → unterstützt Versorgung und Schutz der Schleimhaut
 Tipp
Klinischer Ausblick: Magenulkus

Ein Magenulkus (Magengeschwür) ist ein tiefer Defekt der Magenschleimhaut, der über die oberflächlichen Schichten hinausgeht. Es entsteht, wenn ein Ungleichgewicht zwischen aggressiven Faktoren des Magensafts und den Schutzmechanismen der Schleimhaut besteht.

Häufig spielt dabei das Bakterium Helicobacter pylori eine Rolle. Es kann im sauren Milieu des Magens überleben, fördert Entzündungen und schwächt die Schutzbarriere, wodurch die schädigenden Einflüsse verstärkt werden.

 Merke

Die Magenmotorik sorgt für die Durchmischung von Nahrung und Magensaft sowie für die mechanische Zerkleinerung (u.a. Emulgierung von Fetten). Dabei wird die Nahrung zum Speisebrei (Chymus) verarbeitet.

  • Man unterscheidet funktionell zwei Abschnitte:
    • Oberer Bereich des Magens Speicherung der Nahrung bei gleichbleibender Wandspannung
    • Unterer Bereich des Magens Durchmischung, Zerkleinerung und Weitertransport
  • Peristaltische Wellen entstehen im Bereich der großen Kurvatur und transportieren den Speisebrei in Richtung Pylorus
  • Dort öffnet sich der M. sphincter pyloricus kurzzeitig, sodass kleine Mengen Chymus in das Duodenum abgegeben werden
  • Nicht ausreichend zerkleinerte Bestandteile werden zurückgeführt und erneut durchmischt
  • Verweildauer fester Nahrung: ca. 1–3 Stunden
 Info
Flüssige Inhalte werden typischerweise rascher entleert, während feste Nahrung zunächst mechanisch zerkleinert werden muss, bevor sie den Pylorus passieren kann.

Lage und Aufbau:

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion:
    • Aufnahme der Nahrung aus dem Ösophagus
    • Mechanische und chemische Verarbeitung zum Speisebrei (Chymus)
  • Lage: intraperitoneal im Oberbauch (Epigastrium)
  • Form: variabel (z. B. Stierhorn-, Haken- oder Langmagen)
  • Größe:
    • Länge: ca. 25–30 cm
    • Fassungsvermögen: ca. 1200–1600 mL
  • 2 Krümmungen: große Kurvatur + kleine Kurvatur

Drüsenzellen und Sekrete:

ZellenSekretionsproduktFunktion
Belegzellen (Parietalzellen)HCl (Salzsäure), Intrinsic Factor
  • Säureproduktion zur Verdauung und Keimabwehr
  • Intrinsic Factor ermöglicht Vitamin-B12-Resorption
NebenzellenSchleim (Muzine), BicarbonatSchutz der Magenschleimhaut durch Schleimbarriere und Neutralisation der Säure
HauptzellenPepsinogenVorstufe von Pepsin → Eiweißverdauung
G-ZellenGastrinStimuliert die Produktion von Salzsäure
ECL-ZellenHistaminVerstärkt die Salzsäuresekretion der Belegzellen
D-ZellenSomatostatinHemmt die Salzsäureproduktion
  • Große Kurvatur: konvex geformter Rand auf der linken Seite
  • Kleine Kurvatur: konkav geformter Rand auf der rechten Seite

Salzsäureresektion:

 Merke

Die Salzsäure (HCl) wird von den Belegzellen produziert und ist ein wesentlicher Bestandteil der Magensäure

  • Regulation durch Hormone und Neurotransmitter, z.B. Acetylcholin

Magensaft:

 Merke

Der Magensaft wird von den Zellen der Magendrüsen gebildet und in das Magenlumen abgegeben. Er dient der Zersetzung der Nahrung

  • Zusammensetzung:
    • Wasser
    • Salzsäure (HCl
    • Pepsin
    • Mucine
    • Bicarbonat 
    • Intrinsic-Faktor 
  • Mehrere Schutzmechanismen der Magenschleimhaut vor Magensaft, z.B. durch Schleim + Bicarbonat → bilden eine schützende, neutralisierende Schicht

Magenmotorik und Chymusbildung:

 Merke

Die Magenmotorik sorgt für die Durchmischung von Nahrung und Magensaft sowie für die mechanische Zerkleinerung (u.a. Emulgierung von Fetten). Dabei wird die Nahrung zum Speisebrei (Chymus) verarbeitet.

  • Man unterscheidet funktionell zwei Abschnitte:
    • Oberer Bereich des Magens Speicherung der Nahrung bei gleichbleibender Wandspannung
    • Unterer Bereich des Magens Durchmischung, Zerkleinerung und Weitertransport
 Tipp

Wenn ihr mehr wissen möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus der Vorklinik.

  • Magen - Anatomie
  • Magen - Physiologie
  • Motilität des Magen-Darm-Traktes
  • Flake, F., Dönitz, S., Mensch Körper Krankheit für den Rettungsdienst, Elsevier, 2018, ISBN: 978-3437462023
  • Koch, S., Schwarz, M., retten - Anatomie Physiologie, Elsevier, 2023, ISBN: 978-3132421172
  • Behrends J, Bischofberger J, Deutzmann R, Ehmke H, Frings S, Grissmer S, Hoth M, Kurtz A, Leipziger J et al: Duale Reihe Physiologie, 4., unveränderte Auflage. Georg Thieme Verlag. 2021. ISBN: 9783132438644
Zuletzt aktualisiert am 23.04.2026
Leber (RD)
Milz (RD)
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz